31.03.2015 09:21 Springers Bild im Trommelfeuer

Boykottiert BILD - Befriedigung der niedrigsten Instinkte

Von: Florian Hauschild und Rainer Kahni

Ein Kommentar von Florian Hauschild: Was die Bild-Zeitung seit Tagen in Bezug auf die schreckliche Germanwings-Tragödie veranstaltet ist wirklich nur noch widerlich. Der Co-Pilot Andreas L. kann natürlich die Maschine zum Absturz gebracht haben, bewiesen ist aber noch gar nichts. Ungeachtet dessen wird er von Bild, und auch einigen anderen Vertretern der Schmierenpresse, durch deren Blätter gepeitscht.

Private Fotos werden herumgereicht. Familie, Ex-Freundin, Bekannte, Angehörige werden belagert und unter Druck gesetzt um irgendwelche Zitate aus ihnen heraus zu pressen, auch wird der Co-Pilot bereits als Massenmörder bezeichnet, als Bestie dargestellt, als Wahnsinniger, seine Krankenakte wird öffentlich gemacht, etc.

Hier als Beitragsbild ein Beispiel für die Art und Weise wie Springers Bild im Trommelfeuer mit dem Fall umgeht. Im Original ist das natürlich unverpixelt und mit Angabe des vollen Namens des Co-Piloten. Für Bild ist der Fall längst klar und selbst wenn sich später herausstellen sollte, dass es tatsächlich so war und die Selbstmordthese stimmt, rechtfertigt das nicht diese schnelle Vorverurteilung zum jetzigen Zeitpunkt auf Grundlage von Indizien.

DOCH: Was wenn Andreas L. gar nicht Täter sondern eben auch Opfer war?

Dazu sollte man wissen, dass auch die ermittelnden Behörden mittlerweile bekanntgegeben haben, dass ein technischer Defekt der Maschine ausdrücklich NICHT ausgeschlossen werden kann (http://www.spiegel.de/…/germanwings-ermittler-schliessen-te…).

Würde sich diese These bestätigen, so würde dies bedeuten, dass Bild und Co. hier in entwürdigendster Weise auf einem der Opfer eines Unfalls herum trampeln und dessen Angehörige tyrannisieren anstatt ihnen Zeit für ihre Trauer zu geben.

Zum Glück gibt es mittlerweile ausreichend viele kritische Online-Aktivisten, so dass es so scheint als ob die Bild mit ihrer schlimmen Hetze diesmal nicht durchkommt. Die Bild-Chefs Julian Reichelt und Kai Diekmann sahen sich sogar schon zu einer Erklärung genötigt, die die Sache allerdings noch schlimmer macht: https://www.facebook.com/bild/posts/10153263784480730

Auch hier wieder nur Vorverurteilungen. Aus Vermutungen werden Fakten, der Zweifel wird konsequent ignoriert. "Es könnte auch anders sein, als wir im ersten Moment reflexartig behaupten? Unmöglich!", so in etwa die Haltung von Bild.

Zitat: "Wenn man versucht zu erahnen, was diese acht Minuten für die Menschen an Bord bedeutet haben müssen, kann man das durchaus als grausam, als Folter, als Ritualmord bezeichnen." Die Kommentare unter der entlarvenden Erklärung sollten dem Hetzblatt zu denken geben.

Einzelne Händler weigern sich bereits weiterhin die Bildzeitung zu verkaufen (http://www.spuelgel.de/sonntags-bonbon-der-bild-zeitung-la…/). Es ist zu hoffen, dass sich daraus eine Bewegung formiert (https://www.facebook.com/christophsieber.kabarettist/posts/955693714440936) und die Bild ein für alle mal auf das Abstellgleis der Geschichte gestellt wird!

1974 schrieb Heinrich Böll den Roman "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (http://de.wikipedia.org/…/Die_verlorene_Ehre_der_Katharina_…), der später von Volker Schlöndorff verfilmt wurde. Die Erzählung zeigt, wie die Medienlandschaft das Leben einer jungen Frau zerstört, dadurch dass diese voreilig als RAF-Terroristin abgestempelt und zum Freiwild erklärt wird. Später stellt sich heraus, dass Katharina Blum unschuldig war.

Anhand des Germanwings-Unglückes zeigt sich, unabhängig davon wie die Sache ausgeht, Bölls bekanntestes Werk ist aktueller den je. Leider.

Rainer Kahni schreibt:

Eigentlich wollte ich aus Respekt vor den Opfern nichts mehr zu diesem Thema posten, aber die BILD Zeitung reizt mich bis aufs Blut. Dieses Schmierenblatt kann es nicht lassen und unterbietet jede journalistische und ethische Regel noch weit unter die Zimmer-Temperatur.

Jedes Bild eines Vergewaltigers und Mörders darf nur gepixelt und mit den Initialien seines Namens veröffentlicht werden, doch dieser Mann wird öffentlich hingerichtet. Was müssen die Eltern des Co - Piloten nun für eine Medien-Hölle durchleben.

Das ist kein guter Journalismus, das ist kein schlechter Journalismus, das ist überhaupt kein Journalismus, das ist lediglich die Befriedigung der niedrigsten Instinkte der Gaffer. Boykottiert BILD
„Die BILD heute auf neuem Niveau-Tief“

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Weiterführende Links:
A 320-Absturz: Verbrechen an Familie Lubitz aus Montabaur
https://buergerstimme.com/Design2/2015/03/a-320-absturz-verbrechen-an-familie-lubitz-aus-montabaur/