21.05.2013 09:16 „Beuys. Die Biographie“ Das ist völkische Diktion in Reinkultur

Beuys Biograf Hans Peter Riegel eine Lachnummer oder nur ein Scharlatan?

Gottfried Böhmer von der Gesellschaft Freunde der Kuenste schaut sich den Autor Hans Peter Riegel genauer an.

Gottfried Böhmer von der Gesellschaft Freunde der Künste schaut sich den Autor Hans Peter Riegel genauer an.

Joseph-Beuys-Poster für die von dem New Yorker Galeristen Ronald Feldman organisierte US-Vortragstournee Energy Plan for the Western Man von 1974, courtesy Ronald Feldman Fine Arts

Joseph-Beuys-Poster für die von dem New Yorker Galeristen Ronald Feldman organisierte US-Vortragstournee Energy Plan for the Western Man von 1974, courtesy Ronald Feldman Fine Arts

Von: Gottfried Böhmer Profil bei Google+

Und schon wieder versucht sich da einer am Erbe des verstorbenen Joseph Beuys gesund zustoßen und sich als vermeintlicher Autor zu profilieren. Dieses Mal ist es Hans Peter Riegel, der schon mit seiner Biografie über Jörg Immendorff von sich Reden machte. Am 30. Mai 2013 will er sein Schundwerk, das im Aufbau Verlag erscheint in Zürich vorstellen. Zur Zeit reist er durch die Lande und rührt kräftig die Werbetrommel.

Hans Peter Riegel ist entgegen der Meinung von Spiegel und Welt-Redakteuren definitiv kein ernstzunehmender Autor, sondern eher ein Leichenfledderer. Das er davon etwas versteht, hatte er ja schon in seinem Machwerk über Jörg Immendorff bewiesen, in dem er über "brisante Details über den Maler und seine Kiez-Freunde" zum besten gab.

Joseph Beuys - die Biografie ist das neue Pamphlet und die Welt titelt schon von einer "bahnbrechenden Biografie". Die WAZ meint sogar: Hier wird ein Heiliger der Kunst auf den Boden der Tatsachen gestellt und spricht von einem Enthüllungsroman.

Bevor ich mich mit den hirnrissigen Thesen des Herrn Riegel auseinandersetze, schauen wir uns doch erstmal den Autor an.

Hans Peter Riegel ist ein ehemaliger Düsseldorfer PR-Mann, man könnte auch sagen Werbefuzzi, der sich später als Unternehmensberater betätigte. Mit welchem Erfolg können wir von hier aus nicht beantworten. Allerdings hat er wohl festgestellt, dass sich über das Schreiben über tote Künstler einiges verdienen läßt und so wie es scheint hat er das zu seinem Beruf gemacht.

In seinen biografischen Daten rühmt er sich damit, dass er während seines Studiums von 1979 bis 1982 Assisstent und Privatsekretär von Jörg Immendorff gewesen sei. Dazu liebe Leser kann ich Ihnen folgendes sagen: ich habe viele sogenannte Assisstenten von bekannten Künstlern kennengelernt. Im wesentlichen handelt es sich dabei und Koffer - und Wasserträger, die ein wenig in der Sonne des Künstlers stehen wollen.

Erstaunlich ist auch, dass Immendorff 1979 noch keine Berühmtheit war, bis 1981 war Immendorff nicht mehr und nicht weniger als ein "junger Künstler und Kunstlehrer in Düsseldorf". Erst 1984 gelang ihm der Durchbruch und 1996 bekam er seine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie. Die sogenannte Assisstenz des Herrn Riegel dürfte daraus bestanden haben, dem lieben Jörg dann und wann mal ein Bier zu bringen.

Dazu paßt auch ein Zitat aus dem Spiegel:

"Riegel und Immendorff lernten sich 1979 kennen, sie tranken zusammen Kokosnussmilch auf den Bahamas, sie feierten im La Paloma auf St. Pauli, sie fuhren 1982 gemeinsam zur Documenta nach Kassel."

Hans Peter Riegel zeigte sich dem toten Jörg Immendorff dafür auch sehr dankbar. Der angebliche "Berater" von Immendorff demontierte diesen nach seinem Tod, in dem er Immendorff Opportunität, Ideenklauer und mangelndes Talent vorwarf.

In seiner Selbsterhöhung scheint Herr Riegel nicht zimperlich zu sein, was für Werbeleute allzu bekannt ist. Aber es kommt noch besser. 1973 will er, nach seiner Aussage, Joseph Beuys zum ersten Mal begegnet sein. Aha, fragt sich nur, was Herr Riegel unter einer Begegnung versteht. Diese dürfte daraus bestanden haben, dass der damals gerade 14-jährige Bubi Herrn Beuys vielleicht mal aus der Ferne gesehen hat. In seiner Zeit als "Assisstent" von Jörg Immendorff will er ihm dann öfter begegnet sein.

Was Herr Riegel unter begegnet versteht, entzieht sich meiner Kenntnis (aber viel kann es nicht sein), denn der zu dieser Zeit gerade mal 20, 21-jährige Riegel war wohl für Beuys nicht gerade der adäquateste Gesprächspartner. Später, so brüstet sich Hans Peter Riegel in der Welt, habe er und jetzt kommt die Sensation für die 18-jährige Jessica, Tochter von Joseph Beuys eine Party organisiert. Wahrscheinlich durfte er da auch dem lieben Joseph ein Bierchen hinterhertragen.

In Düsseldorf haben wir solche Leute Aufschneider genannt.

Noch eine Anmerkung: der sogenannte Beuys-Experte (Spiegel) Hans Peter Riegel war 1986 als Joseph Beuys starb 27 Jahre alt. Laut Spiegel wäre er zwischen Immendorff und Beuys eine Art Kurier gewesen. Ich lach mich tot. Riegel, so der Spiegel, wollte zeigen "dass der Künstler (Beuys) ein geübter Lügner war". Alle Achtung. Hier zeigt sich schon wieder, was es mit dem Qualtitätjournalismus auf sich hat.

Den Vogel schießt natürlich die Welt ab.

Zitat: was der Autor Hans Peter Riegel nach "akribischer Recherche" über den Jahrhunderkünstler herausgefunden hat, ist beachtlich. So will Riegel rausgefunden haben, dass Beuys nie ein Abitur gemacht hat, sich für 12 Jahr bei der Luftwaffe verpflichtet hat und eine langjährige Beziehung neben seiner Ehe hatte. Was für beachtliche Neuigkeiten. Des weiteren behauptet Riegel, Beuys hätte unter dem Deckmäntelchen die Welt mit völkischen und totalitären Ideen Rudolf Steiners missionieren wollen.

In jedes "einzelne Werk" seiner symbolischen Kunst sei "Steiners Weltbild eingesickert". Die Sprengkraft des Buches, das 500 Seiten mit 1.300 Fußnoten (was hat Riegel eigentlich geschrieben) umfasst, besteht laut der Welt auf der antroprosopischen Lehre Rudolf Steiners auf das Werk von Joseph Beuys. Auch nach dem Untergang des "Deutschen Reiches" so Riegel in der Welt war Beuys von der Sonderrolle der Deutschen in der Weltgeschichte überzeugt gewesen. Da folge er nahtlos den Ideen Steiners.

Und so geht das Geblubber von Riegel weiter.

In der Berliner Zeitung gab er am 20. Mai seine Recherche Ergebnisse zum besten:


"Riegel, Ich bin auch an die Orte seiner Kindheit gefahren. So habe ich mir in Krefeld die Straße angeschaut, auf der Beuys zur Welt kam oder bin seinen Schulweg in Kleve nachgegangen.

Wir schauen mal bei Wikipedia nach:

Als Anthroposophie (von griechisch ἄνθρωπος ánthropos ‚Mensch‘ und σοφία sophίa ‚Weisheit‘) wird eine von Rudolf Steiner (1861–1925) begründete, weltweit vertretene spirituelle Weltanschauung bezeichnet. Ihr erklärtes Ziel ist es, den Menschen in seiner Beziehung zum Übersinnlichen zu betrachten.

Die Anthroposophie hatte und hat bedeutende Anhänger überwiegend aus dem Bereich des Kulturlebens, namentlich in der Kunst, darunter die bildenden Künstler Joseph Beuys, Wassily Kandinsky, Oscar Lüthy und Franz Marc, die Komponisten Viktor Ullmann und Bruno Walter, die Schriftsteller Saul Bellow, Andrej Bely, Michael Ende und Christian Morgenstern. Sympathisanten waren etwa Albert Schweizer, Alexej (von) Jawlensky, Jorge Luis Borges, Piet Mondrian, Richard Neutra, Le Corbusier, Henry van de Velde, Frank Lloyd Wright, Eero Saarinen, Erich Mendelsohn und Hans Scharoun (siehe auch Organische Architektur). Von den heute lebenden Architekten bezeichnet vor allem Frank Gehry Steiner als Inspirationsquelle.

Oh je, alles Faschos

Aber Hans Peter Riegel, unser Beuys Experte wird noch forscher. Die Biografien von Heiner Stachelhaus, Götz Adriani, Winfried Konnertz und Karin Thomas sind aus seiner überlegenen Sicht auf Beuys Hofbrichterstattungen, diese hätten die Bedeutung Steiners auf Beuys marginalisiert.

Im Diffamieren ist Riegel nicht kleinlich, aber irgendwie passt das schon.

Als sich 2010 niemand aus dem Bekannten - und Freundeskreis von Jörg Immendorff fand, der die obskuren Behauptungen Riegels bestätigen wollte, behauptet Hans Peter Riegel im Deutschland Radio Kultur "die hätten alle Angst". Desweiteren mockierte er sich darüber, das Immendorffs Witwe Oda Jaune weder mit ihm noch mit dem Spiegel sprechen wolle.

Das habe ich gerade noch gefunden:

Zitat von

Beuys Biographie – Ein Frontalangriff auf die Wahrheit

Wenn ein Mensch so charakterisiert wird, dass alles alles wofür er eintrat, ihm abgesprochen wird, alles wogegen er stand, ihm unterstellt wird, wenn dabei mit Lügen, Verzerrungen und Verleumdung operiert wird, dann kann man das, was da stattfindet nicht anders als einen Angriff nennen! 

Im weiteren behauptet Riegel Beuys sein "ein ewig gestriger mit engen Kontakten zu vielen Alt-Nazis".

Und jetzt wird es ganz gruselig.

Zeitlebens wäre Beuys von einflussreichen NS und SS-Männern, die ihn geschützt und finanziert hätten umgeben gewesen. Beuys so Riegel war ohne Skrupel in der HJ, der Schwiegervater Hermann Wurmbach, ein Rassismusforscher und seine Mäzene Karl Ströher und Erich Marx hätten eine tiefe braune Vergangenheit. Beuys hätte Zeit seines Lebens mit Nazis und Rechtsradikalen kooperiert, ich frage mich langsam ob es noch einen größeren Schwachsinn gibt.

Die WAZ schreibt am 20.5. allen ernstens Riegel hätte Fakten recherchiert wie noch kein Biograf vor ihm.

Die Recherche von Herrn Riegel schau ich mir mal an:

Der Präsident der Berliner Akademie der Künste widerspricht Thesen einer neuen Beuys-Biografie

Klaus Staeck im Deutschlandfunk:

Gut, der Herr Riegel hat auch mich für sein Buch interviewt und hat viele Fragen gestellt. Aber was er da nun rausgefunden haben will und der "Spiegel" nun daraus macht, die Ikone der Nachkriegs-Avantgarde wird als Ewiggestriger enttarnt, also da muss ich schon entschieden widersprechen.

Das ganze Gespräch, siehe Link:

Anmerkung der Redaktion

Die meisten Weggefährten von Joseph Beuys sind genau wie er schon lange tot und können sich gegen die unverschämten Behauptungen des Herrn Hans Peter Riegel leider nicht mehr zur Wehr setzen. Den sogenannten Qualitätsmedien empfehle ich bevor sie weiterhin das verquaste Zeug des Autors unter die Leute bringen mal eigene und ordentliche Recherchen zu machen.

Hier mal ein Ansatzpunkt: Herr Hans Peter Riegel behauptet er hätte für Jörg Immendorff Ausstellungen und Ausstellungstourneen organisiert und das wird in allen Medien anscheinend ohne Prüfung genauso kolportiert.

1. Frage: Welche Galeristen waren an diesen Ausstellungstourneen beteiligt? Was sagen die Galeristen zur Rolle des Herrn Riegel?

2. Wie hiessen die Kuratoren der Ausstellungen (dürften bei Herrn Immendorff recht namhafte sein)? Was können die zur Rolle des Herrn Riegel sagen?

3. Taucht sofern es diese Ausstellungen gab in den Katalogen oder Presseberichten der Tourneemacher und Organisatoren Hans Peter Riegel auf? Ausstellungstourneen bedürfen einer umfangreichen Planung und Logistik, an der sehr viele Leute beteiligt sind. Diese müßten sich alle an den großen Ausstellungsorganisator Hans Peter Riegel erinnern Können.

4. Was sagt der langjährige Weggefährte und Freund von Immendorff Markus Lüpertz zu Herrn Riegel? Man sollte auch dringend Imi Knöbel, Albert Oehlen und Georg Baselitz befragen.

Mit einem Generalangriff versuchte schon 2009 der Kunsthistoriker Beat Wyss in einem Essay das Ansehendes Künstlers Joseph Beuys zu beschmutzen. Hinter seiner intellektuellen Fassade fragt Beat Wyss, so konnte man in der FAZ lesen, ob Beuys „paramilitärisches“ Auftreten mit Springerstiefel und Fliegerjacke seine Jüngerbildung und sein Mythosbegriff nicht seltsame Kontinuitäten zum Dritten Reich pflegten.

Auch Kritiker, die nicht so weit gehen, befragen seine Vergangenheit neu: Oft hatte Beuys erzählt, Tataren hätten ihn im Zweiten Weltkrieg beim Abschluss seines Jagdflugzeuges sein Leben gerettet, in dem sie ihn in Filz und Fett wickelten, daher sein Interesse an diesen Materialien.

Hat, fragen die „Kritiker“, Beuys je über diejenigen gesprochen, die er als Wehrmacht-Soldat vor seinem Abschuss tötete; entschärfte die Geschichte von Filz und Fett nicht ein politisches Verbrechen, an dem Beuys beteiligt war, zum tröstlichen, allgemein menschlichen Mythos?

Als erstes müssen wir uns hier fragen, ob diese „Kritiker“ noch alle Tassen im Schrank haben. Oder wir könnten uns auch fragen, wie dummdreist oder besoffen muss man sein, um so einen Unsinn zu verbreiten. Dass die Verunglimpfung aller Deutschen, die in der Wehrmacht gedient haben, in Deutschland zum Standard geworden ist, brauche ich hier nicht weiter ausführen.

Dass man aber nun eine weltbekannte Persönlichkeit wie Joseph Beuys zur Zielscheibe machen kann, um damit Medienaufmerksamkeit zu erlangen, ist mehr als schändlich. Vielleicht verkauft der Führer jener Kritiker, Beat Wyss, nicht mehr genug Bücher („Die Wiederkehr des Neuen“, „der Wille zur Kunst“ und auch „Trauer der Vollendung“), dass er nun zu derartigen obskuren Mitteln greifen muss, um sich ins Gespräch zu bringen. An dieser Stelle kann man einfach nur noch sarkastisch werden.

Das ganze Theater erinnert uns an die Aufregung um Günther Grass, als 2006 „vermeintlich“ heraus kam, dass er nicht nur Soldat war, sondern als 17-jähriger zur 10. SS Panzerdivision Frundsberg einberufen wurde.  Wie wir uns erinnern, war das auch ein schönes Medienspektakel, ungeachtet der Tatsache, dass diese militärische Karriere schon nach 6 Monaten beendet war.

Aber zurück zu Beuys, vielleicht ist Beat Wyss einfach nur die Fantasie durchgegangen, nach dem Motto, eins und eins ist zwei. Schließlich haben Joseph Beuys und Günther Grass an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert und beide auch noch Bildhauerei. Wenn das mal keine Parallele ist. Oder zumindest ein Anfangsverdacht, dürfte sich Wyss gedacht haben. Und dass die großen alten Männer der deutschen Kulturgeschichte selbstverständlich Nazis waren, versteht sich für die Generation der Nachgeborenen sozusagen von selbst.

Der ehemalige Sekretär von Joseph Beuys, Heiner Bastian reagierte empört auf Wyss; die Fliegerweste, so argumentieren gleich mehrere Verteidiger sei in Wahrheit eine Anglerweste gewesen, die nur entfernt wie eine Fliegerweste aussehe. Im Gegensatz zu Günther Grass kann sich der Verstorbene Joseph Beuys nicht mehr persönlich gegen derartige Verunglimpfungen zur Wehr setzen.

 

Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Leiter und Kurator der Gesellschaft Freunde der Künste. Er hat unzählige Ausstellungsprojekte und Kulturfestivals für die Gesellschaft geplant, organisiert und durchgeführt. Diese 16-jährige Tätigkeit ist lückenlos dokumentiert.