22.08.2013 09:42 ein nachruf auf eine Legende

Auch Legenden sterben - Fritz Rau galt als Übervater der Musik- und Konzertszene

Fritz Rau mit dem Wiesbadener Musiker Musiker Biber Herrmann.

Eine der letzten Fotos: Fritz Rau (rechts) mit dem Wiesbadener Musiker Musiker Biber Herrmann: Sie lieben und leben beide den Blues Foto: hr/Rau

Fritz Rau bei einer Lesung aus seinen  Memorarien 2006.

Fritz Rau bei einer Lesung aus seinen Memorarien 2006. Foto: Elwedritsch, Wikipedia

Von: GFDK - Gottfried Böhmer Profil bei Google+

Wir möchten uns an dieser Stelle nicht mit Aufzählungen all der Stars, die Fritz Rau im Rahmen seiner Karriere und seines Lebens als legendärer Konzertveranstalter nach Deutschland geholt hat beschäftigten, das machen ja schon unsere Qualitätsmedien, den ganzen Tag und zur genüge.

Über 35 Jahre galt Fritz Rau neben Marek Lieberberg, Marcel Avram und Matthias Hoffmann als der wichtigste und einflußreichste Konzertveranstalter in Deutschland. Der oft cholerische Rau galt für viele Künstler als Übervater der Musik- und Konzertszene. Nun ist die Legende im Alter von 83 Jahren in Kronberg an einem Schlaganfall gestorben.

Kofferträger, Visionär und Freund der Künstler

Fritz Rau begann seine schillernde Karriere 1955 als Kofferträger für den Musikmanager Horst Lippmann. Neben seinem Jurastudium arbeitete der junge Rau quasi Nebentätig als Tourneeleiter für diverse Jazzgrößen.

Lippmann, so wird erzählt, hatte Rau beim Deutschen Jazzfestival in Frankfurt 1954 daran gehindert, sich ohne Eintrittskarte in ein Konzert zu schummeln, wofür Rau ihn „Arschloch“ titulierte: So sollen sie sich kennen gelernt haben.

1963 bot ihm der mittlerweile zum Freund gewordene Lippmann eine Partnerschaft an. Daraufhin wurde die Konzertagentur "Lippmann und Rau" gegründet. Das erste große Ding war die Organisation des American Folk Blues Festivals und über Nacht wurde Fritz Rau ein Begriff in der internationalen Konzertszene.

Leidenschaft für die Jazz-, Indie- und Bluesmusik

Zu Anfang konzentrierte sich Rau vornehmlich auf die Jazz-, Indie- und Bluesmusik, deren Konzerte er mit viel Leidenschaft managte. Ehe man sich versah wurde die Agentur Lippmann und Rau der Branchenprimus. Fritz Rau sagte einmal, "die Welt hat einen Anwalt weniger und einen Kartenverkäufer mehr", so Fritz Rau zu seiner Entscheidung Konzertveranstalter zu werden.

Wenn Rau rief, kamen die Stars

Die Arbeitsaufteilung in der Agentur war klar geregelt. Lippmann holte die besten Musiker unter Vertrag, Rau machte die Organisation und Finanzen. Das erfolgreiche Duo bestimmte schnell, was in Deutschland auf den Konzertbühnen stand. Ohne jeden Zweifel kann man sagen, dass Rau einen großen Einfluss auf die Popularmusik genommen hat, vielleicht hat er sie sogar geprägt, zumindest mitbestimmt.

Kofferträger: eine maßlose Untertreibung

Der Förderer der deutschen Jazzmusik blieb aber bescheiden. Gerne bezeichnete er sich als Kofferträger (so hat er begonnen) für musikalische Stars. Und weil er ein guter Kofferträger sei, habe man ihm auch andere Dinge machen lassen, Konzerte veranstalten zum Beispiel.

Die Musiker aus aller Welt schätzten an Fritz Rau seine Professionalität, seine Zuverlässigkeit und seinen Arbeitsethos. Auch wenn er zuweilen ein aufbrausendes Wesen war, das die Nerven seiner Mitmenschen des öfteren strapaziert haben soll. Das brachte ihm, so wird es zumindest kolpotiert, den Spitznamen "Ayateollah Kollerie".

Nach den Jazzkonzerten in den 60-er Jahren, die Rau als Veranstaltungen gegen den Rassissmus verstand und den Folkkonzertreihen als Kampf gegen Militärismus, begann er 1970 sich dem Rock und Pop (Popularmusik) zu widmen, dessen größter Veranstalter er wurde.

Die Impresarios der Konzertmacher

Im Laufe der Jahre bekamen Lippmann und Rau aber auch Konkurrenz, da sich das Konzertbusiness zu einer Geldmaschine entwickelte. Schließlich gab es einen riesigen Kuchen zu verteilen, die Umsätze stiegen europaweit, schon bis in die 90er Jahre auf über 4,5 Mrd DM und Deutschland galt als wichtigster Markt. Auf der Bühne erschienen nun mit Marek Lieberberg, Marcel Avram und Matthias Hoffmann - drei neue Mitspieler, die an dem Kuchen naschen wollten. Zwei von diesen ist es wie sich später herausstellte nicht recht bekommen (verschluckt).

1970 gründete Marek Lieberberg mit Marcel Avram die Konzertagentur Mama Concerts. Die beiden Newcomer waren vom ersten Tag an erfolgreich und eine starke Konkurrenz zu Rau. 1986 trennten sich beide im Streit und für Fritz Rau taten sich neue Perspektiven auf. 1989 fusionierte die Rau Agentur mit der von Marcel Avram geleiteten Agentur Mama Concerts.

In der Folge dominierten Rau und Avram über viele Jahre den deutschen Rock- und Popmarkt. Mit über 120 Millionen Mark Umsatz stiegen die Beiden schon 1992 zur größten Konzertagentur Europas auf. Das Ende dieser äußerst erfolgreichen Zusammenarbeit (Geldquelle) läutete 1997 die Staatsanwaltschaft und das Finanzamt ein.

Mit einem Bein im Gefängnis

Marcel Avram, der Mann mit den vielen Pässen, wurde 1997 verhaftet und wegen Steuerbetrugs zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Süddeutschen Zeitung sagte Fritz Rau beim Prozess gegen seinen damaligen Partner Marcel Avram "wir stehen doch mit einem Bein im Gefängnis". Eine Verurteilung seines Partners werde auch seine Existenz vernichten, er werde dann aus der gemeinsamen Agentur Mama Concerts aussteigen.

Dem Spiegel sagte er, "er fühle sich zu alt und gesundheitlich nicht auf der Höhe die Geschäfte alleine weiterzuführen". Weiter klagte Rau im Spiegel "Die Behörden hätten offenbar kein Verständnis für Avrams 30-jährige Kulturarbeit, fernab hochsubventionierter Staatstheater, wir stehen da wie Sittenverderber". An den Äußerungen von Fritz Rau ließ sich erkennen das er sichtlich geschockt war.

Na ja, auf die Freundschaft mit Marcel Avram sollt sollte man aber auch nicht setzen. Der liebe Marcel verklagte 2002 seinen "guten Freund" Michael Jackson, der ihn 1998 sogar im Münchner Knast besucht hat auf 21 Millionen Dollar.

Im Folge der Ereignisse wurde die Fritz Rau GmbH gegründet und der gute Fritz arbeitete von da an als unabhängiger Produzent- und Tourneeorganisator. Ohne jede Frage, Fritz Rau gehörte zu den großen Zeitzeugen einer Gründerzeit, die das Konzert- und Musikgeschäft nachhaltig gestaltet hat.

Ein Tag ohne Musik wäre ein verlorener Tag, hat Rau oft gesagt. 2004 zog sich Fritz Rau aus dem aktiven Konzertgeschäft zurück. 2005 veröffentlichte er seine Memorarien unter dem Titel "50 Jahre Backstage - Erinnerungen eines Konzertveranstalters".

Seinen langandauernden Erfolg erklärte er so "Herzblut, Angstschweiß und Freudentränen", das hat mich wohl über die Zeit gerettet.

So clever wie ein Haifisch

Seinen 80. Geburtstag feierte er mit 2500 Gästen und vielen prominenten Gratulanten aus der "Fritz-Rau-Familie" in der Frankfurter Alten Oper. Wolfgang Sandner, der Laudator des Abends, würdigte die besondere Menschlichkeit Raus im "Haifischbecken" des Showgeschäfts: "Er ist nie selbst ein Haifisch gewesen. Aber er war so clever wie ein Haifisch."

Mit bewegenden Worten verabschiedet sich Udo Lindenberg laut dpa

Mit bewegenden Worten hat Udo Lindenberg, 67, am Dienstag auf den Tod von Fritz Rau reagiert. "Ein letztes Ahoi, mein Abenteurer-Freund und großer Bruder Fritz Rau. Du warst immer schon ein Pionier – jetzt reist du schon mal vor, irgendwann folg ich dir...", schrieb Lindenberg am Dienstag in Anlehnung an seinen Songtext "Stark wie Zwei".

"Brian Jones, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Amy (Winehouse), Kurt (Cobain) und Michael (Jackson). Mach die Bühnen klar, Fritze, da oben – hinter den Sternen – the show goes on", schrieb er in einer Mitteilung. "Du bleibst immer dabei – stark wie zwei", meinte Lindenberg. "Du bist nicht von uns gegangen – du bist nur vor uns gegangen. Für immer – dein kleiner Bruder Udo L.

Ach ja, das hatte ich noch vergessen:

Der vierte im Bund der Konzert Impresarios Matthas Hoffmann wurde ein Jahr nach Marcel Avram gleichfalls der Steuerhinterziehung angeklagt und zu einer mehjährigen Haftstrafe verurteilt.

Das Ende der Konzert Impresarios?

Auch Marek Lieberberg ist seit 2000 nicht mehr Herr im eigenem Haus. Am 1. July 2000 übernahm die CTS Eventim AG aus München 51 Prozent der Anteile an MLK. Was auf die Bühne kommt entscheidet wohl nun der Ticketanbieter aus München und Lieberberg darf noch ein wenig mitspielen. Eventim hat sich durch Übernahmen von Mehrheitsbeteiligungen an weiteren Veranstaltern wie Semmel Concerts, Argo Konzerte und auch Peter Rieger etc, den Konzertmarkt in Deutschland unter den Nagel gerissen.

Marcel Avram gab nach Ende seiner Haftzeit die Agentur Mama Conzerts auf. Ende 2000 ließ er mitteilen, dass er mit der Deutschen Entertaniment (DEAG) von Peter Schwenkow kooperieren werde. Gemeinsam so ließ er verlauten werden beide die Firma Entertaniment One AG mit Sitz in Zürich führen. Avram legte großen Wert darauf, dass er kein Angestellter von seinem ärgsten Konkurrenten Schwenkow sei, und er weiterhin die Geschäfte aus Israel leiten werde.

Die DEAG erwarb 70 Prozent der Anteile an der von Marcel Avram als Generalbevollmächtigsten geführten Entertaniment One AG. Auch diese "Freundschaft" währte nicht lange. 2005 beendete Avram die Zusammenarbeit mit der DEAG. PS: Was aus der 70 Prozent Beteiligung der DEAG geworden ist konnte ich nicht ermitteln.

Wenn ihr wissen wollt, wen der gut Fritz in Deutschland auf die Konzertbühnen geholt hat, dann folgt dem link auf Wikipedia.

Gottfried Böhmer

Freunde der Künste,
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