24.06.2015 23:23 unauslöschliche Eindrücke

Art Basel: Unlimited Basel - sehen und sterben

Kunstmesse Art Basel 2015

Art Basel Unlimited. Die Modernität der Exponate „Unlimited“ basiert auf den bearbeiteten Themen und der Art ihrer Bearbeitung (c) Messe Basel

Von: GFDK - Herwig Nowak

Nein, ganz so ist das nicht gemeint, wenngleich der so betitelte Teil der Art Basel in Halle 1 jenem anderen in Halle 2 fraglos die Schau stiehlt. Es beginnt schon mit der Art der Präsentation. Grosszügig und weit, “zum Durchatmen“ die Darbietung der Exponate beim “Unlimited“, konventionell und eng jene im traditionellen Teil der Halle 2.

Und dieses Urteil muss seine Fortsetzung bei der Beurteilung der Werke selbst finden: “Modernität par excellence“ in der Halle 1, eher konventionell und insgesamt vielleicht  sogar etwas betulich in der Halle 2., was freilich auch hier Modernität nicht  ausschliesst. Die folgenden Eindrücke eines Besuchs  der hoch frequentierten Messe am Eröffnungstage möchten sich nur auf „Unlimited“ beziehen.

 Art Basel Unlimited

Die Modernität der Exponate  „Unlimited“ basiert auf den bearbeiteten Themen und der Art ihrer Bearbeitung. Beides hinterlässt beim Besucher geradezu unauslöschliche Eindrücke. Vorherrschend ist hier nicht etwa das Bild, sondern die grossformatige - es gibt nur sehr wenige kleinformatige -Installation. Dabei werden Grösse oftmals durch überraschende Beweglichkeiten und immer wieder durch eindrucksvolle Farben ergänzt. Gleich im Eingangsbereich „Stacked“ des Chinesen Al Weiwei. Die Installation aus einer Vielzahl von Fahrrädern ist damit einem Artikel gewidmet dem für China eine hohe Symbolkraft innewohnt.

Installation von Mircea Cantor

Die Teile der Installation „Anthroposynaptuc“ der rumänischen Künstlerin Mircea Cantor mögen banal sein, das Gesamtkunstwerk ist es nicht. Es werden also traditionelle Hemden aus Rumänien auf einem rot eingefärbten Hintergrund in attraktiver Weise zueinander angeordnet und miteinander durch Banderolen verbunden. Es wird Altes zu einem neuen Zweck sinnvoll zusammengeführt. Diesem Networking wird also eine positive Beurteilung zu teil.

Kunst der Manipulation

Eine Wolke von Mikrofonen, die sich miteinander endlos quatschend in gespenstigem Licht vernehmen lassen, schwebt neben dem Besucher, wenn er sich das Objekt „Untitled“ des Inders Shilpa Gupta ansieht. Der Besucher ist beklemmt von der Übermacht der Manipulation, der er unterliegt.

Pedro Reyes ist ein Idealist. Der Mexikaner übt sich in seiner Installation „Disarm (Mechanized) II“ in Kritik an unserer Zeit, wenn er aus Waffen Musikinstrumente formt, die spielen. Musizieren statt schiessen, Frieden statt Krieg ,das ist seine Botschaft. Seine liebenswerte Installation gebiert Hoffnung.

Solche friedvollen Gefühle vermittelt auch die geradezu nicht enden wollende Wand von Kesseln des Saudi Maha Malluts, die in unterschiedlichen Grössen zur Fütterung der Kamele verwandt wurden. Die Kessel symbolisieren die alte Zeit Arabiens, seine Märchen und Erzählungen und seine unvergleichlichen Stimmungen. Sind diese Zeiten  wirklich vergangen? Brauchen wir Symbole der Erinnerung?

Manches Erwähnenswerte muss hier aussen vor bleiben. Etwa die wunderbare Darstellung „Wallformation Gelbmodellierung“ von Franz Ernst Walther, Fulda, die dem Goethe –Gelb zu einem grossartigen Auftritt verhilft. Oder- auch in gelb - die Sandmühle von Günther Uecker, Düsseldorf, oder, oder, was sonst noch alles. Insgesamt eine grossartige Präsentation moderner Kunst. Dank den Initiatoren und den Realisatoren.