30.05.2013 09:57 Max' kulinarische Kolumne

Alles Geschmackssache - Beim Thema Trinkgeld scheiden sich die Geister

Michael H. Max Ragwitz sagt. Die einen sagen so, die anderen so. Trinkgeld ist immer im doppeldeutigem Sinne eine Frage des Geschmacks. Qualität, Service, und Ambiente sollten stimmen.

Die einen sagen so, die anderen so. Trinkgeld ist immer im doppeldeutigem Sinne eine Frage des Geschmacks. Qualität, Service, und Ambiente sollten stimmen.

Von: GFDK - Michael H. Max Ragwitz Profil bei Google+

Die einen sagen so, die anderen so. Die einen lieben einen großen Teller mit viel drauf und wenig Kosten. Die anderen schätzen ein raffiniert zubereitetes und angerichtetes Gericht und lassen sich das auch etwas kosten. Ist eben alles Geschmackssache. Beim Thema Trinkgeld aber scheiden sich die Geister. Eine kürzlich erschienene Meldung im Internet hat mich diesbezüglich zum Nachdenken bewogen:

Ich kenne noch Gaststätten in der ehemaligen DDR, in deren Speisenkarte (sinngemäß) geschrieben stand: "Unser Bedienungspersonal ist wirtschaftlich so gestellt, dass es auf Trinkgeld verzichten kann". Zugegeben, diese Regelung hatte nicht lange Bestand. Aber die Trinkgeld-Frage beschäftigt bis heute die Gemüter. Während in der Stammkneipe eher auf den Cent genau oder auf 50 Cent aufgerundet wird, fühlt sich der Gast in einem Restaurant schon verpflichtet, den obligatorischen Obolus zu entrichten.

Essen und Trinken

Für mich ist Trinkgeld immer doppeldeutigem Sinne eine Frage des Geschmacks, aber auch der Qualität von Service und Ambiente. Hat mir das Essen gemundet und der Abend war rundum ein Erlebnis, fällt es nicht schwer, ein adäquates Trinkgeld zu überreichen. Gewisse Bedenken habe ich diesbezüglich immer, wenn von sogenannten Prozent-Regeln die Rede ist. Denn Trinkgeld ist schließlich kein Muss und kann aus meiner Sicht folglich auch keine Frage einer Regel sein. Was angemessen ist, bestimmt der Gast. Und auch der blamiert sich bekanntlich so gut er kann.

Wenn ich mir ein 5-Gänge-Menü samt Getränken für über 100 Euro leiste, dann ist es auch selbstverständlich, dass ich dafür mindestens 10 Euro zusätzlich auf den Rechnungsteller lege. Der Prozentsatz zur Rechnung ist mir dabei völlig egal. Ich drücke damit meine Wertschätzung gegenüber Küche und Service aus und werde das auch beim Bezahlen in recht höflicher Form mündlich ausdrücken. Da mache ich auch keine Unterschiede zwischen einem "normalen" Restaurant und der Sternegastronomie. Wichtig ist in jedem Fall meine Zufriedenheit.

Und wenn die Anlass zur Kritik gibt, sollte man sich auch nicht davor scheuen, sie sachlich an den Mann oder die Frau zu bringen. Das muss sich im Detail noch nicht einmal auf das Trinkgeld auswirken. Denn der Kellner kann wohl kaum dafür, wenn dem Koch einmal etwas nicht so richtig gelungen ist. Erst wenn die Mängel gravierend sind und die Bedienung freundlich und fachlich eine Nullnummer war, scheue ich mich auch nicht, den Betrag ohne Aufschlag zu bezahlen.

Und ebenfalls nix gibt's bei mir, wenn ich weiß, dass der Chef des Hauses seinem Bedienpersonal auch das Trinkgeld abknöpft. Das gibt es durchaus, zugegeben wohl eher nicht im gehobenen Gastronomiebereich. Grundsätzlich aber reiche ich das Trinkgeld persönlich und in bar aus. Schließlich kommt man ja auch mal in die Situation, mit Karte zu bezahlen. Eine Extraquittung für das Trinkgeld zu erbitten, erachte ich als sogenanntes "no go", oder besser: geht gar nicht.

Bei besonderen Anlässen, zum Beispiel bei einer größeren Tafelrunde oder einer Feier erlaube ich mir meist auch, der Küche einen angemessenen Betrag in die "Kaffeekasse" zu geben. Ich meine, das ist auch eine Anerkennung guter Leistungen in diesem Bereich. Und es versteht sich von selbst, dass man seine diesbezügliche Wertschätzung auch dem Küchenchef kundtut, wenn der eventuell sogar persönlich an den Tisch kommt und sich erkundigt, ob alles in Ordnung ist und gut mundet.

Zu guter Letzt gibt es in vielen Restaurants auch noch Gästebücher. Darin kann man Lob und Kritik gleichermaßen anbringen. Wobei ich mir gut überlegen würde, ob ich letzere wirklich für die Nachwelt darin verewigen sollte.  Man muss ja schließlich die kleinen Sünden nicht über Gebühr dokumentieren, die längst der Vergangenheit angehören. Aber wenn es nötig ist, den Mund aufzumachen, dann sollte man auch Klartext schreiben.

Michael H. Max Ragwitz
www.ragwitz.de
Facebook: M H Max Ragwitz

Nächste Woche: Wie viel Koch braucht das Fernsehen?