10.11.2019 Veröffentlichte Tagebücher

Zwei Frauenbios, auch für Männer geeignet

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Veröffentlichte Tagebücher prominenter Zeitgenossen sind eine delikate Angelegenheit. Meist muten sie schöngefärbt an, und das echte Leben scheint redigiert zu sein, oder sie sind so schonungslos, dass man sich beim Lesen fast fremdschämen muß

Die Schauspielerin Angela Winkler indes erzählt in ihren autobiografischen Skizzen mit dem Titel „Mein blaues Zimmer“ so warmherzig und offen von all ihren Dramen auf und von der Bühne entfernt, dass man sie am liebsten in den Arm nehmen möchte.

Dabei wird sie zum Glück nie zu privat, sondern bewahrt sich eine wohl temperierte Diskretion. Sie schreibt über ihre Anfänge in der deutschen Provinz - sogar in Gescher ist sie in den 70er Jahren aufgetreten - bis hin zu den Inszenierungen mit Regie-Stars wie Peter Zadek, Robert Wilson und Volker Schlöndorff, der sie fürs Kino entdeckt hat, doch nur das Theater nimmt Angela Winkler, 1944 in Templin geboren, so ernst wie ihr Leben und glaubt bis heute, trotz aller internationaler wie nationaler Erfolge, dass sie vielleicht gar keine richtige Schauspielerin sei.

„Mein blaues Zimmer“, das Angela Winkler mit der Autorin Brigitte Landes geschrieben hat, umfasst 229 Seiten und hat viele schöne Fotos. Es kostet 22 Euro und ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Anmerkung der Redaktion: Erst im August diesen Jahres hat Angela Winkler mit 75 Jahren den Deutschen Schauspielpreis für ihre Leistung im Theater erhalten.

Ebenso wahrhaftig liest sich Benoite Groults irisches Tagebuch mit dem Titel „vom fischen und von der liebe“, das Ullstein jetzt drei Jahre nach ihrem Tod der Autorin des Weltbestsellers „Salz auf unserer Haut“ posthum herausgebracht hat.

Auf 398 Seiten läßt Benoite Groult, die ihren Feminismus stets mit großer Lebenslust paarte, 26 Sommer in Irland Revue passieren, uns am Wunder ihrer Schönheit teilhaben und den Dämonen des Älterwerdens begegnen.

Sie ist Intellektuelle und Liebende zugleich, schreibt über geistiges und sinnliches Begehren, über Sehnsüchte und Verlangen und zeigt dem Leser darüber hinaus, dass auch eine Frau Jägerin sein kann.

Benoite Groult war eine bemerkenswerte Hochseefischerin, vor der selbst ein Hemingway seinen Hut gezogen hätte. „Vom fischen und von der liebe“ kostet ebenfalls 22 Euro. Beide Bücher sollten auch von Männern gelesen werden.

Sönke C. Weiss

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