22.08.2019 Die Nilquellen in Uganda, am Viktoriasee

Zu der Quelle des Lebens, wo lag die Quelle des Nils?

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Zu Beginn der 1860er-Jahre spitzte sich ein heute weitgehend in Vergessenheit geratenes Rennen um eines der letzten und größten Rätsel der Geographie zu: Wo lag die Quelle des Nils - und wer würde sie erreichen? 2006, vor nunmehr 13 Jahren, stand ich zum ersten Mal an den Nilquellen in Uganda, am Viktoriasee.

Ich war mit meinem guten Freund  aus Los Angeles dort, um für unser Theaterstück Butterflies of Uganda zu recherchieren. Für mich gehörte zu dieser Reise dazu, meinem amerikanischen Besucher auch die schönen Seiten des Kontinents zu zeigen, nicht nur den Horror, den unser Stück spiegelte, es ging um Kindersoldaten.

Der Nil - Wahrhaftig eine Quelle des Lebens

Die Reise nach Jinja von Kampala aus, gut drei kurzweilige Stunden mit dem bequemen Auto, hatte sich auf jeden Fall gelohnt und ist unvergesslich:

Ich kann den Anblick der besagten Quelle nur als absolut grandios beschreiben, fast himmlisch gar, besonders vor dem Hintergrund, dass das Wasser von hier aus über 6650 Kilometer durch sieben Staaten, ein Einzugsgebiet von immerhin 3.255.000 Quadratkilometer, bis nach Kairo ins Mittelmeer fließt.

Lebendig, informativ und dramatisch

Wahrhaftig eine Quelle des Lebens, die in unserem Theaterstück dann mit eine wichtige Rolle spielte. Schon deshalb bin ich so begeistert von dem Buch „Die Entdeckung der Nilquellen“, in dem der Entdecker John Hanning Speke (1827-1864) den Wettlauf zu den Quellen des Nils schildert.

Alles, was Speke beschreibt, inklusive seine mehrmonatigen Aufenthalte an den Höfen der jeweiligen Herrscher, inklusive Saufgelage, ist offensichtlich wahr, zumindest nicht wissenschaftlich widerlegt, selbst wenn man beim Lesen oftmals glaubt, bei Karl May zu sein, so lebendig, informativ und dramatisch sind seine Schilderungen, die, auch als historische Quelle, uns einen einzigartigen wie persönlichen Einblick in die Vorstellungen und Meinungen der damaligen Zeit und die europäische Afrikaforschung des 19. Jahrhunderts liefert.

Es bleibt dem aufmerksamen Lesen selbst überlassen, sich ein Urteil zu bilden und dort, wo es in der Tat notwendig ist, auf kritische Distanz zu gehen.

Parallelen zu heute sind noch immer zu finden und machen das Buch, das der Sozialwissenschaftler und Journalist Niels-Arne Münch sehr greifbar neu vom Englischen ins Deutsche übersetzt hat und das in der Edition Erdmann - Leinen mit Schutzumschlag und Leseband für nur 24 Euro - erschienen ist, politisch aktuell.

Vor allem ist „Die Entdeckung der Nilquellen“ eines: Eine verdammt coole Reportage auf 365 Seiten. Apropos: Die Edition Erdmann hat mehr als 100 Bände „Die bedeutendsten Entdecker der Welt“ im Programm. Wer sich für Geschichte und fremde Kulturen interessiert, findet hier wahre Schätze. Im Haus der schönen Bücher kann man weitere tolle Publikationen finden.

Sönke C. Weiss

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