19.11.2019 der Kampf zwischen Gut und Böse,

Weltkunst in Dortmund - Fesselnd, düster und sexy

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Fesselnd, düster und sexy. So hat Gil Mehmert „Jekyll & Hyde“ jetzt an der Oper Dortmund inszeniert. In dem Musical von Steve Cuden und Frank Wildhorn, das aus der gleichnamigen Novelle von Robert Louis Stevenson entstanden ist, geht es um den Kampf zwischen Gut und Böse, um einen tüchtigen wie ehrgeizigen Arzt, Henry Jekyll, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Trennung dieser so gegensätzlicher Eigenschaften zu erforschen, was ihm im viktorianischen England verboten und er zu seinem eigenen Versuchskaninchen und so zu Edward Hyde wird, einem grausamen Sadisten.

1990 habe ich als Dramaturg am Alley Theater in Houston, Texas, an der Entwicklung und Uraufführung dieses Stücks mitgewirkt, bevor es ans Broadway ging und kann nur betonen, dass sich die Dortmunder Inszenierung in absolut keiner Art und Weise vor den US-amerikanischen verstecken braucht; ganz im Gegenteil.

Das Ensemble mit dem grandiosen David Jakobs als Jekyll/Hyde und der atemberaubenden Bettina Mönch als Lucy Harris liefert solides Theater ab, das durch Können wie Kunst überzeugt. Die Musik reißt mit, ist mal romantisch, mal rockig und immer wohl temperiert.

Nicht aufhörend wollende Ovationen aus einem fast ausverkauften Saal waren der Dank des Publikums. Was mich indes überhaupt nicht überrascht. Seit nunmehr fünf Jahren besuche ich regelmäßig die Aufführungen des Theater Dortmunds.

Ob Schauspiel, Ballett oder Oper: Was hier präsentiert wird, ist wirklich Weltkunst, was meine unverblümte wie objektive Feststellung ist und nichts, aber auch gar nichts mit irgendeinem Lokalpatriotismus zu tun hat, sondern im Gegenteil mit meinem Qualitätsempfinden. Wie zum Beispiel auch das Stück „Das Reich der Tiere“ von Roland Schimmelpfennig, in dem ein Schauspiel-Ensemble vor einer offenen Zukunft steht, weil es nicht weiß, wie es beruflich mit ihm weitergeht. Vertrag oder Straße? Und wen interessiert’s?

So sind die fünf desolaten Darsteller eines lächerlichen Tier-Musicals zur namenlosen Verfügungsmasse der Unterhaltungsindustrie degradiert. „Das Reich der Tiere“, flott, amüsant und engagiert inszeniert, ist eine Geschichte vom Theater auf dem Theater und eine Parabel vom Ende einer Epoche.

Auch auf Dortmund gemünzt, da der überaus erfolgreiche Intendant und Regisseur Kay Voges nach Wien wechselt und viele Künstler ihm folgen werden. Die er will zumindest. Wer aber bleibt zurück und wird von der neuen Intendanz übernommen, als Altlast quasi?

Die Spielzeit 2019/20 ist auf jeden Fall der Knaller und voller Überraschungen. „Jekyll & Hyde“ wie „Das Reich der Tiere“ sind im Repertoire zu sehen. Das Theater Dortmund bietet jetzt übrigens auch ein Weihnachtsabo als Geschenkidee an. Weitere Informationen gibt es auf www.theaterdo.de

Sönke C. Weiss

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