09.01.2019

Was ist da los, was heißt hier Exklusivitätsanspruch?

von: GFDK - Reden ist Silber - Michael Stückl

Das neue Jahr ist erst ein paar Konzerte alt, da muss ich mich über einen Kollegen ärgern. Das passiert mir nie, denn Jazzveranstaltern geht es ja von Natur aus darum, diese Musik möglichst häufig auf die wenigen Bühnen zu bringen, die den vielen großartigen Musikern verbleiben.
 
Natürlich verbietet es sich irgendwie, dass ein internationaler Musiker sich in einem Ort wie München mehrere Veranstalter sucht und seinen eigenen Konzerten Konkurrenz macht. Wenn der Exklusivitätsanspruch jedoch soweit geht, dass ein Künstler im gleichen Jahr nicht in einem Radius auftreten darf, der mit dem Auto nur in etwa 1 1/2 Stunden erreichbar wäre, dann geht das zu weit.

Es gibt sogar ein österreichisches Festival, das den auftretenden Künstlern verbietet, innerhalb eines Zeitraums von mehreren Monaten vor oder nach dem Festival, irgendwo anders in ganz Österreich zu spielen. Sprachlich ist das Thema auch ganz interessant. Vom Musiker wird ein Jazz-Veranstalter "promoter" genannt, also "Förderer".

Wenn man den "Veranstalter" direkt übersetzen wollte, käme etwas anderes heraus. Vielleicht ein "organizer". Es gibt aber nach den obigen Beispielen wohl Jazzveranstalter, die eigentlich keine "jazz promoter" sind sondern eher "jazz obstructors".

Denn eigentlich ist es doch ein Wahnsinn, wenn wir auf unserer Bühne ganz oft ankündigen dürfen, dass ein Musiker sein einziges Konzert in Deutschland bei uns gibt und das nicht nur an einem Mangel an Spielstätten sondern auch an einem Konkurrenzdenken zwischen diesen liegt.

Seit Flüge meist billiger sind, als vergleichbare Bahnreisen, kommt es auch zu abenteuerlichen Tourverläufen quer durch Europa wie: Warschau, Bari, Tampere, München, Barcelona, Oslo, Rom, Amsterdam, Budapest, Tallin, Istanbul.

Größere Strecken sind im kleinen Europa kaum denkbar. Ökologischer und natürlicher wäre doch: Freiburg, Stuttgart, Augsburg, München, Rosenheim, Salzburg, Linz, Wien und dann vielleicht nach Budapest. Ein "Take the green train" eben.


Und irgendwie wäre ja auch schwer vorstellbar, dass ein Musiker, wenn er in einem Jazzclub in Manhattan spielt, 6 Monate danach nicht Brooklyn spielen darf.

Michael Stückl
und das Team der Unterfahrt

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