25.05.2020 Die toxische Macht der Narzissten

Spiegelbilder der Gesellschaft - narzisstische Zeichen unserer Zeit

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

„Die toxische Macht der Narzissten“ heißt das neue Buch der französischen Psychoanalytikerin und Familientherapeutin Marie-France Hirigoyen, die seit ihrem 2006 Beststeller „Warum tust du mir das an?

Gewalt in Partnerschaften“ auch in Deutschland einem breiten Publikum bekannt ist, und das meiner Überzeugung nach zur Pflichtlektüre aller gehören sollte, die die narzisstischen Zeichen unserer Zeit noch nicht erkannt haben wollen.

Auf 253 Seiten erklärt uns die Autorin, was einen gesunden Narzissmus von einem pathologischen unterscheidet, welche Symptome Narzissten entwickeln und wieso manche von ihnen den Bezug zur Realität verlieren, andere dagegen höchst verletzlich sind.

Machtmissbrauch, Lügen, Tricksereien

So nimmt sie in ihrem ersten Kapitel Donald Trumps Psyche in einer Ferndiagnose ordentlich auseinander, erklärt, warum sich der US-Präsident nie ändern wird und wie es gekommen ist, dass er zum Spiegelbild einer Gesellschaft wurde, die wir einst bewunderten.

Wegen dieser Analyse allein schon lohnt es sich das Buch zu lesen. Vor allem aber, weil wir alle durch die Folgen des herrschenden Narzissmus - von Trump über Facebook bis hin zu Anne Will am Sonntagabend - betroffen sind: Machtmissbrauch, Lügen, Tricksereien.

Marie-France Hirigoyen wappnet uns dagegen und zeigt, wie man sich wehren kann. „Die toxische Macht der Narzissten“ ist kein typisches Sachbuch, sondern liest sich spannend wie ein Krimi. 16,95 Euro sind dafür wirklich nicht zu viel verlangt.

Ebenso unterhaltsam wie lehrreich ist Daniel Masons neuer Roman „Der Klavierstimmer Ihrer Majestät“, in dem der Verfasser, der übrigens auch als Psychiater arbeitet, über die Macht des Einzelnen in Zeiten des britischen Imperialismus berichtet.

Vom Kriegsministerium beauftragt, soll Edgar Drake einen wertvollen Flügel im tiefsten Dschungel von Birma, dem heutigen Myanmar, wo ein britisch-birmanischer Krieg wütet, stimmen.

Der sensible Drake verliebt sich selbstverständlich in die exotische Landschaft des ihm fremden Kontinents wie natürlich auch in eine Person und versucht der Brutalität des Krieges zu trotzen, was schlußendlich fatale Folgen hat.

Die englische Originalausgabe erschien bereits 2002; warum wir in Deutschland 18 Jahre lang auf diese sehr wohl gelungene Übersetzung warten mußten, ist wirklich schade, denn die 398 Seiten sind voller Poesie und Liebe für einen Landstrich und seiner Menschen, über die wir leider noch immer viel zu wenig wissen.

„Der Klavierstimmer Ihrer Majestät“ kostet 24 Euro und erzählt zwar eine fiktive Geschichte, ist aber auch ein historischer Roman, weil umfangreich wie scharfsinnig recherchiert, ohne dabei auf die Menschlichkeit der Figuren zu verzichten.

Nun irgendwie gar nichts mit wahrer Geschichte zu tun hat der Band „Paargespräche“ von Line Hoven und Jochen Schmidt. Weswegen haben sich eigentlich Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir in die Haare gekriegt? Wie tickten Romeo und Julia wirklich?

Und was verband Helmut Schmidt mit Loki? Dass hin und wieder der ganz normale Wahnsinn in jeder Beziehung wütet, zeigen uns treffsicher-komische Dialoge berühmter Kultpaare aus der Popkultur, der Kunstgeschichte und der Bibel.

Die 95 Seiten sind kurzweilig, charmant und zeigen, dass selbst Zeus und Hera „Menschen“ waren. Die imaginären „Paargespräche“ kosten 18 Euro und sind wie die anderen beiden Bücher bei C.H. Beck (www.beck.de) erschienen.

Sönke C. Weiss

Hier geht es zu unserem Feuilleton, Reden ist Silber....Schreiben ist Gold

GFDK ist ein unabhängiges Nachrichtenportal mit einer etwas anderen Sichtweise auf das Weltgeschehen.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft