31.07.2020 wie schnell ein Weltbild zerstört ist

Leben aus den Fugen - Starke Frauen, starke Bücher

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Lydia Mischkulnig ist eine der spannendsten und unkonventionellsten literarischen Stimmen Österreichs. „Die Richterin“ heißt ihr jüngster Roman, ist bei Haymon (www.haymonverlag.at) erschienen, hat 296 Seiten und kostet 22,90 Euro.

Es ist ein sprachgewaltiges Psychogramm, das Einsichten in die Welt einer Asylrichterin gibt: Täglich bestimmt Gabrielle über das Leben von AsylbewerberInnen. Aufgrund ihrer Urteile dürfen diese Menschen bleiben oder müssen gehen.

Doch sind es tatsächlich rational nachvollziehbare Gründe, auf denen Gabrielles Entscheidungen fußen, oder wirken dabei unbewußt auch persönliche Sympathien mit?

Als das Gerücht gestreut wird, jemand wolle sich an Gabrielle rächen, gerät ihr sonst so wohl organisiertes Leben aus den Fugen; als sie ihren Mann auch noch in ihren Kleidern erwischt, ist bald nichts mehr so, wie es einst war.

Lydia Mischkulnig ist eine bildstarke und präzise Beobachterin, die uns zeigt, wie schnell ein Weltbild zerstört ist, worum es unter anderem auch im neuen Roman der Schweizer Autorin Zora del Buono „Die Marschallin“ geht, die von ihrer Großmutter nicht nur den Vornamen, sondern auch ein Familienverhängnis geerbt hat, die alte Dame nämlich war in einen Raubmord verwickelt, was zwar viele Jahre her ist, nichtsdestotrotz Spuren bis in die Gegenwart hinterläßt:

Großmutter Zora folgt am Ende des Ersten Weltkriegs ihrem Mann nach Süditalien, wo sie, beide überzeugte Kommunisten, ein großbürgerliches und doch politisch engagiertes Leben im Widerstand gegen die Faschisten führen.

Zora ist herrisch, temperamentvoll und begabt und ja, fanatisch. Ihrem Weltbild müssen sich alle unterordnen, was die Familie bis heute beeinflusst. Zora del Buono erzählt eine Geschichte von Liebe, Kämpfen, des Hasses und des Verrats.

„Die Marschallin“ ist bei C.H. Beck (www.chbeck.de) erschienen, hat 382 lebenspralle Seiten, die uns ein Familienschicksal zeigen, das wir so schnell nicht vergessen werden. Ein großes Epos eben. Für gerechtfertigte 24 Euro.

Sönke C. Weiss

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