20.02.2019 durch und durch inszeniert

Lagerfeld ohne Herz und Schmerz, ohne Seele und Wärme - ein eiskalter Werber in eigener Sache

von: GFDK - Reden ist Silber - Eva Horstick-Schmitt

Am 20. 02.2014 besuchte Eva Horstick-Schmitt für die GFDK die Ausstellung von Karl Lagerfeld in Essen. Begeistert war sie nicht. 

Karl Lagerfeld ist sicher ein wahnsinns Perfektionist. Nur leider ohne Seele und jegliche Wärme. Was glauben Sie warum er nie seine Augen zeigt?

Die Dortmunder Künstlerin Eva Horstick-Schmitt besuchte die Ausstellung von Karl Lagerfeld im Folkwang Musem Essen und macht sich ein kritisches Bild von Lagerfelds Selbst-Inszenierung.

Die Ausstellung «Parallele Gegensätze» läuft noch bis 11. Mai 2014

Ein echter Künstler ist er nicht, denn dazu macht er alles zu perfekt. Ich gönne ihm seinen Erfolg von Herzen. Nur leider ist seine Kunst ohne Herz und Schmerz. Sie ist zu perfekt inszeniert und das macht sie kalt und seelenlos. Sie spricht nicht zu einem Wesen, sondern sie existiert einfach als perfektes Bildnis an der Wand oder im Raum.

Ich denke trotzdem, dass genau diese Kunst auch in diese Welt passt. 

Diese Welt ist seelenlos und kalt, selbstsüchtig und eigenartig- genau wie er. Lagerfeld spiegelt das Spektrum seiner Selbst in seinen perfekten Bildern, die überinszeniert gewaltig gut sind, aber niemals Seele zeigen. Herr Lagerfeld kann mit seinen Foto- Werken aus meiner Sicht in keiner Weise an den Fotografen Peter Lindbergh heranreichen, um mal die Liga zu vergleichen in der sie spielen.

Alle überpinselten Eitelkeiten der Zeit sind sein Maß der Dinge.

Schau - es gibt ein einziges Bild aus der Zeit gerade mit seinen Augen, aus denen Kälte spricht. Keine Tiefe drin. Nur Leere. Füllt Lagerfeld sein Leben als workaholic, weil er ansonsten eine leere Hülle wäre? So leer, dass er sich selbst ohne mal nichts zu tun - sich nicht aushalten würde.

Hat das einfach niemand begriffen? Er wird getäschelt wie ein Heiliger und ist doch ein armer Mann ohne Wärme. 

Werbeikone und Sonnengott aus Deutschland

Lagerfeld, der gehypte Sonnengott aus Deutschland ist für mich ein Bild der Zeit und Menschen, die sich auf den hohen Hacken der Eitelkeiten bewegen. Die Welt neben ihnen existiert nur durch eine getönte Brille. Lagerfeld ist ein Verführer, der das Licht aller Eitelkeiten unter der Sonne zusammen bringt.

Seine Kleider sind der Inbegriff von Perfektion. Lagerfelds Fotografien sind überinszenierte Modefotografien und kaum zu überbieten an schönen Frauen, Gegenständen, sowie Hintergründen. Aber sie bleiben eine kalte Version seiner Selbst.

Der Sinn des Lebens ist Seele und nicht den Mammon "Gier" zu vertreten, wie er es in meinen Augen tut. Die Gier ist das, was er für mich darstellt in höchster Form. Sie ist das, was auch die Menschheit der Jetztzeit ausmacht. Er repräsentiert in seinen vornehmen und modernen Anzügen mit seiner dekadenten Art unsere Zeit wie kein anderer.

Lagerfeld - ein Genie und Modepabst zugleich

Dieser Mann ist ein Genie des 20. Jahrhunderts, der seinen gierigen Atem nach "Mehr und Allem" mit ins 21. Jahrhundert brachte. Der ein  helles Licht vor sich her trägt, aber niemals in sich selbst verspüren wird - dieses eine Licht von Wärme und Seele.

Der Abglanz seiner Objekte als Spiegel unserer Zeit, in dem wir uns selbst prüfen müssen, ob unser Licht bei uns selbst noch nicht erloschen ist, wenn wir uns derartig beeindrucken lassen - durch die Oberflächlichkeit seiner hochglanzpolierten Gesichtsmimik.

Eva Horstick-Schmitt 

Art@Live.de

Foto:  Wikipedia/ Georges Biard CC BY-SA 3.0 commons.wikimedia.org/wiki/File:Karl_Lagerfeld_Cannes.jpg