16.07.2020 ein streng gehütetes Familiengeheimnis

Keine Sommermärchen, dafür Unschuldige Täter?

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

„Unschuldige Täter“ - erschienen für 22 Euro bei Tropen (www.tropen.de) - heißt der neue Roman des erfolgreichsten japanischen Kriminalschriftstellers Keigo Higashino: In dem malerischen Küstenort Harigaura findet eine Konferenz zur Erschließung von Bodenschätzen statt.

Das Thema polarisiert; die eine Seite der Bevölkerung fürchtet um die Zerstörung der Natur, die andere hat nur Reichtum im Sinn; doch als die Leiche eines Mannes gefunden wird, stößt Kriminalkommissar Kusanagi auf ein streng gehütetes Familiengeheimnis, das von der Vergangenheit bis in den heutigen Tag reicht.

Higashino schafft es auch in diesem Buch, aktuelle politische Ereignisse mit Fiktion zu verschmelzen und seiner Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, insbesondere wenn es darum geht, den Anschein zu wahren, dabei überrascht er den Leser immer wieder und hält einen Spannungsbogen über 428 Seiten, die süchtig nach mehr machen.

Übersetzt hat „Unschuldige Täter“ Ursula Gräfe, die 2019 mit dem Noma Award for Translation of Japanese Literatur ausgezeichnet wurde.

Um Wahrnehmung vs. Wirklichkeit geht es auch im neuen Roman des russischen Autoren Andrej Kurkow mit dem Titel „Kartografie der Freiheit“ oder anders gesagt: Europäischer Traum, lebst du noch?

Es ist die Nacht, in der sich die Grenzen öffnen; drei junge Paare entschließen sich, ihre Heimat Litauen zu verlassen und ihr Glück in Westeuropa zu suchen. London, Paris, egal, Hauptsache weg.

Menschlich packend schildert Kurkow die Lebenswege seiner Heldinnen und Helden, gleichzeitig erzählt er die Geschichte einer Generation „neuer“ Europäer.

Hoffnungen und Enttäuschungen wechseln sich ab, uns „alten“ Europäern wird auch hier der Spiegel vorgehalten und stellt so manches Wertesystem in Frage, insbesondere der Begriff Leitkultur bekommt so eine neue und ehrlichere Bedeutung, als uns so mancher Politiker zu suggerieren versucht.

(Der Autor bezeichnet sich übrigens selbst als Europa-Optimist und Europa-Realist.) „Kartografie der Freiheit“, erschienen bei Haymon (www.haymonverlag.at) im zauberhaften Österreich, ist ganz gewiß kein Somermärchen, selbst wenn es um Träume geht. Die 624 Seiten kosten 29,90 Euro.

Sönke C. Weiss

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