25.07.2020 Kunst hassen - eine enttäuschte Liebe

Ist der Kunstbetrieb neofaschistisch? - Ein Kunstbetrieb namens Putin

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Lassen Sie mich kurz die heilige Dreifaltigkeit des Kunstbetriebs auflisten:

Zum einen gibt es da den Galeristen, der entscheidet, was dem Zeitgeist entspricht, daneben den Kunstredakteur, der einen wohl gemeinten Artikel zu diesem Künstler des Zeitgeistes verfasst und natürlich ein dafür geeignetes Magazin, das diesen Bericht an ein Publikum transportiert, welches darauf vertraut, hier nun wahre Kunst präsentiert zu bekommen, was natürlich meist Unsinn ist, denn was ihm anvertraut wird, ist oftmals nur die Wahrnehmung des Kunstbetriebs, der sich selbst über Wasser hält, obwohl ihm dieses, gerade in Zeiten von Corona, bis zum Hals steht.

In ihrem Buch „Kunst hassen - eine enttäuschte Liebe“, gerade in einer Neuauflage bei Tropen (www.tropen.de) für wohl investierte acht Euro erschienen, rechnet die Journalistin Nicole Zepter auf 135 Seiten mit diesem Zirkus ab.

„Wer Kunst liebt, darf Kunst hassen,“ schreibt sie. Alles andere sei verlogen, die Kunst stecke fest in einem tiefen sakralen Horror musealer Architektur.

"Warum müssen wir in Museen schweigen? Warum müssen wir – weil das Objekt im Museum steht – ein paar kaputte Stangen, die aneinander geschraubt sind, bewundern? Warum ist jeder zweite Künstler, „der beste seiner Generation“? Und wer bestimmt das eigentlich?"

Selbstverständlich kokettiert die Autorin mit dem Begriff „Hass“. Eigentlich liebt sie die Kunst. Es ist der Kunstbetrieb, den sie verachtet, das System, von dem insbesondere der Künstler abhängig ist, der den Betrachter für dumm erklärt, weil ihm die heilige Dreifaltigkeit zeigen will, was er zu denken, zu fühlen hat.

Das System braucht die Kontrolle und wird sie bis aufs Blut verteidigen, ähnlich wie ein Putin oder Trump, fällt mir dazu ein. Kann es sein, dass der Kunstbetrieb gar neofaschistisch ist?

Kunst hassen“ ist nicht für Spezialisten, sondern für eine breite Leserschaft geschrieben, es bietet keine Lösungen, sondern hält der Kunstszene lediglich dem Spiegel vor und ist ein Plädoyer für die wahre Kunst, die freier ist als jedes Museum, in das sie gezwängt, wo sie verwaltet und eingeordnet wird.

Ein wirklich famosen Buch, das Pflichtlektüre an jeder Kunsthochschule sein sollte.

Sönke C. Weiss

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