06.07.2020 Die alpine Heimsuchung

Ischgl in Tirol die Partnergemeinde von Sodom und Gomorrah?

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Die alpine Heimsuchung - Ruhig sieht das Dorf aus, verlassen, keineswegs wie ein Tourismus-Ungeheuer mit 250 Millionen Euro Umsatz jährlich und 1,4 Millionen Übernachtungen bei knapp 1.600 Einwohnern. Delirium Alpinum. Ischgl in Tirol. Eine Heimsuchung.

Ein nie enden wollender Rausch. Vermutlich die Partnergemeinde von Sodom und Gomorrah. Aber auch eines der besten Skigebiete in den Alpen und Hochburg der - auf Neudeutsch - Eventkultur und seit Corona auch Drehscheibe der Ausbreitung von Covid-19 für ganz Europa und vermutlich darüber hinaus.

In seinem jüngsten Fotoband „Ischgl“ zeigt Lois Hechenblaikner Schreckensbilder dieser enthemmten und zügellosen Urlaubswelt, dass einem sofort klar wird, warum sich das Virus so rasant hat ausbreiten können:

Ausufernde Aprés-Ski-Orgien und andere Exzesse, die sprachlos machen. Hechenblaikner war mit seiner Kamera so gnadenlos mitten unter diesen Menschen, dass ich schon Anblicken seiner Fotos den Wahnsinn dieser verantwortungslosen Vergnügungsindustrie fühlen konnte.

„Ischgl“ irritiert, ist aber alternativlos, kommt einem einzigen Grenzgang nahe, verspricht und liefert eine visuelle Herausforderung, versprüht pure visuelle Wucht, der Hammer unter den neuesten Fotobüchern und geht es zur Zeit auch verkaufstechnisch durch die Decke, die dritte Auflage ist bereits im Druck, was für dieses Buchgenre sehr ungewöhnlich ist.

Alkohol. Hormonstau. Abfall. Chaos. Ich war den 240 Seiten ausgeliefert. Besonders auch wegen der Aktualität. Als „Ischgl“ bei Steidl (www.steidl.de) erschien, wurde die Quarantäne über dem Ort aufgehoben.

Der Spuk verspricht schon bald wieder zu beginnen. „Ischgl“ kostet 34 Euro, für eine Flasche Wein blättern Mann wie Frau dort schon mal 3.000 hin. Zum Wohl!

Sönke C. Weiss

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