11.03.2013 virtuelle Revolution scheiterten

Existenzgefährdende Missstände führen zu Revolutionen - Online-Revolutionäre verhindern die Befreiung

von: GFDK - Heinz Sauren

Aufgrund der Missstände die durch die Diktatur des Kapitals und nichts anderes ist der Kapitalismus, die Freiheit der Menschen, ihre Gesundheit und das gesamte ökologische System der Erde bedrohen und die Zukunft des Einzelnen, wie auch der gesamten Menschheit in Frage stellen, wäre eine Revolution gegen das zwanghafte Bestreben der profitierenden Eliten, diesen vernichtenden Status Quo aufrecht zu erhalten, im Grunde nicht mehr als ein zwingende logische Konsequenz.

Dennoch ist gerade in Europa der Beginn einer solchen unwahrscheinlich, da nicht genügend Menschen für einen solchen die eigene Existenz sichernden Schritt mobilisiert werden können.

Politische Revolutionen, wie die französische, fordern politische Opfer, sowie wirtschaftliche Revolutionen, wie die deutsche Wiedervereinigung, wirtschaftliche Opfer fordern. Die Opfer einer politischen Revolution sind die geistigen Träger des überwundenen politischen Systems. Sie werden mit physischer und psychischer Gewalt zum Schweigen gebracht um ihre Ideologie zum Schweigen zu bringen. Die Opfer einer wirtschaftlichen Revolution sind die Besitzstände der Menschen, die durch Umverteilung oder Enteignung neu geordnet werden.

Für das persönliche Empfinden eines Opfers ist es nebensächlich, aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen Opfer geworden zu sein, da ihre Opferrolle immer den Verlust ihrer Identität und ihres Lebenswerks, mitunter auch ihrer wirtschaftlichen oder physischen Existenzgrundlage bedeutet. Dieser Verlust für einen bestimmten Anteil einer Bevölkerung, ist zwangsläufiger Bestandteil jeder tatsächlichen und grundlegenden Veränderung und das Wissen darum, der tatsächliche Grund aus dem Revolutionen so selten sind.

Tatsächliche Missstände und eine mehrheitliche Empfindung dieser, sind der Grund einer Revolution, aber ihr Auslöser ist die Überwindung einer etablierten Moral. Das revolutionäre Potential einer Bevölkerung ergibt sich aus einer Güterabwägung moralischer Prämissen. Ein gesellschaftliches Moralempfinden ist ein Konsens aller Teilnehmer, also auch der Schwachen innerhalb dieser und deren prägende moralische Position der Empathie.

Eine Empathie die sich nicht auf einzelne Gegebenheiten beschränkt, sondern grundlegend vorab jeder Handlung, als Negativabgrenzung wirkt. Als solche ist sie nicht auf das Handeln selbst gerichtet, sondern auf die Vermeidung von Handlungen, die einem aus ihr begründeten Gerechtigkeitsempfinden widersprechen. Sie beinhaltet, die bewusste und gewollte Schädigung andere Menschen zu verhindern.

Erst die übergreifende Erkenntnis einer gesellschaftlichen Mehrheit, dass diese moralische Grundlage bereits von einer bestimmten Gesellschaftsgruppe verletzt wurde, hebt die absolute Gültigkeit des Empathiegebots auf und erzwingt Handlungen zur Widerherstellung dessen, was als Gerechtigkeit empfunden wird. Es ist der Auslöser der revolutionären Bereitschaft innerhalb einer Bevölkerung.

Nicht der fehlende Grund, von denen es viele gibt, verhindert die tatsächliche Veränderung die immer revolutionär sein müsste, sondern die Ermangelung eines gesellschaftsübergreifenden Ungerechtigkeitsempfindens, eines Auslösers. Dieser Auslöser fehlt immer dann, wenn die Unabänderlichkeit eines Sachzwangs und nicht das moralische Fehlverhalten, eine Situation begründet.

Aus diesem Grund werden Missstände von denen, die eine Revolution zu befürchten hätten, immer mit unumgänglicher Notwendigkeit begründet und damit ein übergeordneter Zwang bescheinigt, der die moralische Verfehlung gegen das gesellschaftliche Empathiegebot ihrer selbst legitimiert.

In einer Informationsgesellschaft sind die Missstände, die eine Revolution rechtfertigen würden offensichtlicher, als in allen anderen Gesellschaftsformen, da eine breite Mehrheit das Wissen um sie erlangen kann. Diese Informationsvielfalt ist aber auch der Grund, der Sachzwänge überproportional stark wertet und damit moralische Verletzungen des Empathiegebots in ihrer Gewichtung mindert.

Dies ist zum einen der Menge der verfügbaren Informationen geschuldet, die ein vermeintliches quantitatives Übergewicht der Sachzwänge begründen, aber auch der Informationswege selbst, die zwar eine unbegrenzte Datenflut ermöglichen, jedoch den Auslöser einer Revolutionsbereitschaft, das Ungerechtigkeitsempfinden als Emotion nur stark abgeschwächt transportieren.

Ein etwaig vorhandenes Ungerechtigkeitsempfinden wird durch die quantitativ unüberschaubare und damit nicht widerlegbare Menge an postulierten Sachzwängen verwässert und führt nicht zu revolutionärer Bereitschaft sondern zu empfundener Orientierungslosigkeit und als Folge daraus zu Lethargie.

Jeder Versuch die Orientierungslosigkeit durch neue oder weitere Informationen aufzulösen, führt ausschließlich dazu diese zu verstärken. Im Weiteren erlaubt die mediale Vernetzung den Gesellschaftsteilnehmern, die Teilnahme an Protesten, Diskussionen und Demonstrationen virtuell vorzunehmen und beschränkt diese durch eine wachsende Zahl der eigenen Teilnahmen auf einen Informationsaustausch.

Die fehlende emotionale Attraktion, die bei persönlicher Interaktion innerhalb von gleichartig konditionierten Menschengruppen, einen gemeinschaftlichen revolutionären Willen erst ermöglicht, führt beinahe zwangsläufig zu einer Gesellschaft der Kritiker, die zwar in ihrer Kritik kaum eine Grenzen kennen, aber analog den Willen zu einer tatsächlichen Veränderung verlieren.

Informationen führen zu Überzeugungen, aber nicht zu überzeugenden Handlungen. Diese basieren auf Emotionen.

Unter Berücksichtigung dieser Gesetzmäßigkeit lässt sich der Erfolg der arabischen Revolutionen ebenso begründen, wie der Misserfolg der „Occupy“ und „Empört Euch“ Bewegungen, die nahezu bedeutungslos geworden sind. Die arabischen Revolutionen haben im Gegensatz zu den europäischen Bewegungen, Informationsmedien vornehmlich benutzt um die Teilnahme an Demonstrationen zu bewirken und konnten erst durch die Anwesenheit der Massen ihre Ziele umsetzen, während die europäischen Bewegungen schon von Beginn an auf Information durch die Medien gesetzt haben.

In Europa waren viel mehr Menschen über die Ziele der Bewegungen informiert, als die in Arabien lebenden Menschen über die Ziele der Revolution. Die persönliche Teilnahme wurde durch das Medium fälschlicher Weise suggeriert und verhinderte die tatsächliche Teilnahme und somit den Erfolg.

Revolutionen folgen Mustern der Massenbeteiligung, sie brauchen Missstände als Begründungen und ein gesellschaftsübergreifendes Ungerechtigkeitsempfinden als auslösenden Konsens. Einstmals wurde versucht möglichen revolutionären Bestrebungen durch Falschinformation zu begegnen. Heute geschieht das weitaus effektiver durch Verunsicherung mittels eines Überangebots an Informationen, die wirkungsvoll einen emotionalen Konsens verhindern.

Es wird in Zukunft nur dann eine zwingend notwendige Revolution geben, wenn das maßgebliche Medium, das Internet sie nicht trägt, sondern nur begleitet.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Heinz Sauren studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
Rechtswissenschaften und Philosophie. Im weiteren bezeichnet er sich als Autodidakt.

Beruf: Schriftsteller
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS)

Berufung: Buchautor, Kolumnist, Essayist, Aphoristiker und Freigeist

Politische Ausrichtung
Politische Einstellungen sollten keinen Parteien-, sondern einen begründeten Sachbezug haben, daher reicht mein politisches Spektrum von rechtsliberal bis linkskonservativ und in Fällen empfundener Ungerechtigkeit, darf es auch mal etwas Anarchie sein.

Religiöse Einstellung
Die etwaige Existenz oder Nichtexistenz eines Schöpfergottes ist nicht, von persönlichen Präferenzen, gesellschaftlichen Definitionen oder einem Glauben daran, abhängig.

Seine Lieblingszitate

” Die meisten Menschen haben einen Erkenntnisradius gleich null, das nennen sie dann ihren Standpunkt.” Albert Einstein

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.” Theodor Adorno