27.07.2020 Geheime Quellen und Connaisseur

Es muß nicht immer Kaviar sein - Umweltsünden, Korruption und Geldgier

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Ist schon fast unglaublich, dass Commissario Brunetti zum bereits neunundzwanzigsten Mal in Venedig ermittelt. „Geheime Quellen“ heißt Donna Leons neuer Roman, der auf 336 Seiten unter anderem die Verschmutzung des Wassers zum Thema hat, beziehungsweise, wie die einstige Wahlheimat der Autorin bis zum Ausbruch von Corona immer mehr unter dem Massentourismus gelitten hat, so dass sie in die Schweizer Berge gezogen ist, statt die Zerstörung Venedigs weiter zu beobachten.

Ihr Alter Ego aber, Commissario Brunetti, hat keine Wahl, als dort zu bleiben und das Böse zu bekämpfen: Es ist ein heißer Sommer, die Hitze ist kaum zu ertragen.

Als Vittorio Fadalto auf dem Rückweg von der Arbeit mit dem Motorrad tödlich verunglückt, glauben zunächst alle an einen Unfall.

Bis Brunetti sich in einem tiefen Sumpf von Umweltsünden, Korruption und Geldgier wiederfindet, in dem auch Gewalt ein Zahlungsmittel ist, wo man für ein Glas eklige Brühe schon mal einen Euro bezahlen muß, wo aus den Wasserhähnen ein tödliches Gemisch sprudelt.

„Geheime Quellen“ ist hochaktuell und spannend, ohne dass wir den Charme des Commissarios vermissen müssen, dessen Schöngeist an eine Zukunft der Lagunenstadt glauben läßt.

Ein gleichwohl spannender Krimi ist der nunmehr zwölfte Fall des französischen Chef de police Bruno Courrèges von Martin Walker. In „Connaisseur“ - auf Deutsch Kenner - wird eine junge Frau tot im Brunnen eines Lustschlösschens gefunden.

Wollte sie eine Katze vorm Ertrinken retten, oder war es Mord? Bruno, Gourmet und begehrter Junggeselle, ermittelt. Und das, obwohl er sich eigentlich als Neumitglied einer Wein- und Trüffelgilde Foie gras und anderen Köstlichkeiten widmen wollte.

Eine Spur führt ihn schließlich zum Anwesen einer berühmten Tänzerin und Widerstandsheldin: Josephine Baker. Auch hier gelingt es dem Autoren, Politisches in eine spannende Geschichte zu betten, die dazu noch an einem Ort spielt, der zum Träumen einlädt.

Périgord, das gastronomische Herz Frankreichs, wo der Verfasser dieses Textes 1999 übrigens geheiratet hat und wo es schöner eigentlich kaum sein kann, ist die Kulisse der Bruno-Romane.

„Connaisseur“ hat 437 Seiten und macht richtig Lust auf diesen Landstrich und auf die dortige Küche. Schließlich muß es ja nicht immer Kaviar sein. Beide Bücher sind bei Diogenes (www.diogenes.ch) erschienen und kosten je 24 Euro.

Sönke C. Weiss

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