11.07.2020 Alles begann am 25.5.2020

Ein Leserbrief zu den Zuständen in unseren Krankenhäusern

von: GFDK - Reden ist Silber - Matthias Hausladen

Ein Leser wendet sich an unsere GFDK Redaktion und berichtet über die Zustände in den Niederbayrischen Krankenhäusern. Das Erstaunlichste ist, in den letzten Monaten, sind unsere Krankenhäuser und das Personal über den grünen Klee in den Medien und von den Politikern gelobt worden.

Nur, dass was wir hier zu Lesen bekommen haben, sollte zu denken geben, wie es vor allen um unsere älteren Patienten bestellt ist. Ist das alles nur ein schöner Schein, der uns da vorgegaukelt wird?

Hier nun der Brief

Alles begann am 25.5.2020, mein an Herzinsuffizienz leidener Großvater muss sich wegen Wasserödemen in Behandlung begeben. Er wird bis 29.5 von seinen Beschwerden befreit und will nach Hause.

Da kommt der Oberarzt ins Spiel (der erste im Bunde, der der deutschen Sprache nicht allzu mächtig ist) und verweist auf die schlechten Nierenwerte, die unbedingt behandelt werden müssen.

Aus purer Angst lassen wir uns dazu überreden. Doch schnell wird klar, er verträgt die Medikamente nicht. Es geht jeden Tag mehr und mehr abwärts. Auch nach mehrmaligen Gesprächen hören die Ärzte nicht mit der Behandlung auf.

Als mein Großvater, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist und 50 Jahre Unternehmer war die Schwester auffordert die Infusion zu beenden, wird dem Wunsch nicht entsprochen.

Im Gegenteil der Oberarzt kommt mit dem Stationsarzt (dieser spricht noch schlechteres Deutsch) und erklärt ihm "hier passiert was er sagt" und die Infusion bleibt. Es geht weiter abwärts, nichts geschiet.

Durch Corona kann nur meine Mutter in Krankenhaus. Schließlich bricht mein Großvater die Behandlung ab und geht auf eigenen Wunsch nach Hause. Unser Hausarzt hat bis heute keinen vernünftigen Abschlußbericht.

Mein Großvater wurde innerhalb 5 Tage pflegebedürftig und ist jetzt nach 5 Wochen einigermaßen erhohlt.

Am 26.6. geht es mit meiner Großmutter weiter. Der Hausarzt überweist sie in stationäre Behandlung mit dem Verdacht eines sich nähernden Schlaganfalls. Sie wurde am 30.6. 84 Jahre alt.

Als der Krankenwagen in einem anderen Kreiskrankenhaus angekommt stellen die Ärzte Fieber fest. Anstatt einen Schnelltest zu machen, wird der normale Test (der einige Tage dauert) veranlasst.

Meine Großmutter kommt auf die Corona Station und nichts geschieht. Ich muss vorweg nehmen, die Schwester auf der Corona Station hat sich vorbildlich gekümmert.

Doch kein Arzt ist ans Telefon zu bringen und meine Großmutter versteht keinen dort, wen wundert es,  da keiner deutsch spricht. Die Tage vergehen sie bekommt Infusionen und Katheter gelegt. (Man muss wissen, am Freitag Vormittag ist sie noch Auto gefahren), da die Entzündungswerte hoch sind. OK. Das verstehe ich. Aber es geht um keinen sich nähernden Schlaganfall mehr, sondern nur noch ob der Corona Test positiv oder negativ ist. Sonst nichts.

Am Montag, endlich die erlösende Nachricht - kein Corona. Sie kommt auf die Innere. Das Thema Schlaganfall ist längst erledigt und wird auch nicht mehr verfolgt. Jetzt komme ich ins Spiel.


Ich schlage im Krankenhaus auf. Meine Großmutter mittlerweile durch das viele liegen wackelig auf den Beinen hangelt sich vom Bad gerade zum Bett. Ich komme gerade noch rechtzeitig, da beim Bett nicht mal die Feststellbremse angezogen ist. Ich will ein Gespräch mit dem Stationsarzt.

Die Dame weiss von nichts und ganz ehrlich ich war sehr bemüht, hab aber fast nichts verstanden. Es geht hin und her. Sie behandeln den Sauerstoffmangel und die Entzündungswerte.

Mehr wollen wir auch gar nicht mehr. Plötzlich meldet sich der medizinische Dienst. Ansage: "Ihre Mutter verweigert jegliche Hilfe". Gegenfrage: "braucht sie den Hilfe"? Dann wurde mir in perfekten Deutsch erklärt, dass sich meine Großmutter gerade zum Pflegefall entwickelt und wir tätig werden müssen.

Die junge Dame hat einen Wind gemacht, unglaublich. Ein Pflegedienst muss her, ein Sanitätshaus benannt werden. Was wir machen. Es kommt wie es kommen muss, nicht das genannte meldet sich, sondern das, dass die Dame will.

Ich hätte nicht mal interveniert, wenn sie nicht so auf einen bestimmten Pflegedienst bestanden hätte. Plötzlich habe ich das Gefühl bekommen da steckt Methode dahinter. Ich bin fest überzeugt, dass sich die Zusammenarbeit lohnen wird. 

Jetzt ist meine Großmutter zu Hause, ein Pflegebett steht im Wohnzimmer und die Welt dreht sich weiter. Sie selbst sagte mir, dass sie ca. 8 Ärzte gesehen hat und nur eine junge Ärztin sprach deutsch.

Sie hat nichts verstanden und fühlte sich überrannt und übervorteilt. Zumindest gibt es einen Arztbericht und einen Befund. Unser Hausarzt muss jetzt den Blutdruck einstellen, weil die das nicht machen konnten. Was soll ich dazu noch sagen.

Ich kann nicht sagen, ob ich mich nur so ärgere oder ob es mich einfach nur traurig macht wie mit unseren Alten umgeganen wird...

Matthias Hausladen

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