19.09.2022 Port-au-Prince, Haiti, Mitte der 1940er-Jahre

Ein Emanzipationsroman von Marie Vieux-Chauvet - Radikal bis heute

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Port-au-Prince, Haiti, Mitte der 1940er-Jahre. Die junge Lotus sitzt zwischen den Stühlen. Zwar gehört sie der gesellschaftlichen Oberschicht an, doch als Tochter einer Prostituierten ist sie stigmatisiert und hat für Männer nur Verachtung übrig:

„Weil sie meiner Mutter gestohlen haben, sind sie meine schlimmsten Feinde.“

Lotus führt ein Leben in Langeweile und zerstreut sich mit oberflächlichen, ja, Männerbekanntschaften, bis sie sich zu Georges Caprou, einer der Führer der Opposition gegen das herrschende Regime, hingezogen fühlt und er ihr die Augen für das Elend der Menschen in Haiti öffnet.

Eindringlich und kraftvoll erzählt, demonstriert Marie Vieux-Chauvet in ihrem Klassiker „Töchter Haitis“ ihre Weitsicht.

1957, drei Jahre nachdem sie ihren Roman geschrieben hat, ergriff der blutrünstige Diktator François Duvalier, auch als „Papa Doc“ berüchtigt, die Macht.

So mußte auch die Autorin schließlich ins US-Exil gehen und lebte dort bis zu ihrem Tod 1973. Bravourös aus dem Französischen neu übersetzt von Nathalie Lemmens ist dieser Emanzipationsroman, der in seiner Aussagekraft radikal bis heute ist, im Manesse Verlag (www.manesse-verlag.de) erschienen, kostet 28 Euro und hat knapp 300 Seiten. 

Sönke C. Weiss

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