13.12.2019 dichte Porträts und Milieustudien

Das unverstellte Leben - Die Rede ist von Vivian Maier

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Vivian Maier eine eine photohistorische Sensation - Weltberühmt aber erst nach ihrem Ableben. Es muß nicht immer Netflix sein. Denn Fotobände sind sehr schöne Weihnachtsgeschenke, die man sich während der Festtage gemeinsam anschauen kann.

Hier zwei sensationelle Schätze einer Fotografin, die eigentlich keine war und von der niemand etwas wußte, bis ein Immobilienmakler und ein Stadthistoriker bei einer Zwangsversteigerung per Zufall auf ihr Lebenswerk stießen und es einem breiten Publikum weltweit präsentierten.

Die Antithese unserer Zeit

Die Rede ist von Vivian Maier, 1926 geboren, von Beruf Kindermädchen, die seit den 50er Jahren ein unglaubliches photographisches Werk geschaffen hat: in über 100.000 Aufnahmen dokumentiert sie auf technisch und ästhetisch höchstem Niveau den amerikanischen Alltag in den Straßen von New York und vor allem Chicago und hat sich somit, ohne es zu wissen oder vielleicht gar zu wollen, zu einer Ikone der Straßenfotografie gemacht.

So heißt eines ihrer Bücher eben „Street Photographer“, ist bei Schirmer/Mosel (www.schirmer-mosel.com) erschienen und kostet 39,80 Euro. Auf 136 Seiten sehen wir das unverstellte Leben.

Es sind spannende Konstellationen auf den Straßen der besagten Metropolen, dichte Porträts und Milieustudien im Stil der Neuen Sachlichkeit. Meisterhaft. Ein weiterer umwerfender Bildband widmet sich ihrer vortrefflichen Fotokunst, die Vivian Maier neben der Dokumentarfotografie ebenfalls über Jahrzehnte unter Ausschluss der Öffentlichkeit pflegte.

Hier findet sie ihre Motive als Flaneurin vor allem in ihrer nächsten Umgebung. Porträts, Selbstporträts, surreale Stillleben aus Schaufenstern, Ladenfronten und Straßenschildern überraschen mit außergewöhnlich sicherem Blick für Komposition und Farbgefühl.

Sie sind von einer photographischen Geistesgegenwart, die alle Unterschiede aufhebt, die die Geschichtsschreibung bis heute zwischen Berufs- und Amateurfotografie aufgerichtet hat, und man könnte von einem Bilder-Tsunami sprechen, den Vivian Maier mit ihren schöpferischen Erfindungen, ihren Bildern auf eigene Rechnung, auf auch dem Feld der Farbfotografie entfacht.

„Die Farbfotographien“, ebenfalls bei Schirmer/Mosel erschienen, kostet 58 Euro und hat 240 Seiten. Festzuhalten bleibt, die Frau war ein Ausnahmetalent. Leider hat sie zu ihren Lebzeiten keines ihrer Bilder publiziert. Vivian Maier verstarb im April 2009 in einem Pflegeheim in Chicago. Sie war allein und mittellos. 

Sönke C. Weiss

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