27.12.2018 Galeristen sollten sich schämen

Braucht ein Künstler eine Galerie? - Galerien Wa(h)re Kunst

von: GFDK - Reden ist Silber - Eva- Maria Horstick

Eva- Maria Horstick schreibt uns über Kunst und Galerien, und beide kommen nicht gut weg. OK, die Künstlerin schreibt aus eigener Erfahrung. Die GFDK war 20 Jahre als Ausstellungsmacher aktiv am Kunstgeschen beteiligt und hat mit Gottfried Böhmer als Kurator über 200 Ausstellungsprojekte gefördert und kann zu einem Teil bestätigen, was uns die Künstlerin schreibt.

Das Thema beschäftigt mich seit vielen Jahren. Schon im Jahr 2008 habe ich dazu einen Artikel geschrieben, der mit der Überschrift „ Wa(h)re Kunst" im Lions Magazin Deutschland erschienen ist.

Heute, nach  15 Jahren in diesem Kunstzirkus, mit mehr als 130 Ausstellungen in Galerien, Museen und anderen Orten wie Rathäusern und Kunstvereinen, kann ich sicher mitreden.

Seit es massenhaft Galerien gibt, mit unendlich hohen Auflagen per Werk ( eine Galerie mit 5 Buchstaben z.B.), die teuer verkauft werden, macht es Künstlern mit geringen Auflagen das Leben nicht gerade leichter.  

Die Menschen da draußen wissen oftmals nicht, dass eine hohe Auflage von 100  und mehr Arbeiten einer bestimmten Fotografie kaum etwas wert sind. Erst eine Auflage bis zu 10 Arbeiten per Werk hat einen Wert.

Wenn du dich heute als Künstlerin oder Künstler bewirbst, kommt oftmals die Antwort von  Galeristen „ Wir bekommen jeden Tag so viele Bewerbungen“ und können diese auch nicht beantworten. Von etlichen Museen kommt oft nichts. Sönke hat wirklich eine super Vita mit internationalen Ausstellungen. Sie nehmen sich oft nicht die Zeit auch nur 3 Worte einer Absage zu senden.

Das ergeht vielen von uns so oder ähnlich

Da fragen wir uns als freischaffende Künstler,  weshalb manche Galeristen eine Galerie eröffnet haben. Hobby? Was macht ein Museum aus, welches den Bewerbungen keinen Raum gibt? Nicht mal zu antworten, weil der Künstler von ihnen nicht selbst ausgesucht wurde, ist doch irgendwie tot.

Museen und Galerien leben von der Kunst unserer Energien

Eine Galerie verkauft die Kunst mit einer Marge/Aufschlag  von 50 bis 60 Prozent. Er ist wie ein Makler, der abhängig ist von Künstlern, aber sie dennoch nicht genug wertschätzt?

Wieso fragen wir nicht den Galeristen, wo er seine Ausbildung gemacht hat, woher er sein Wissen nimmt, uns adäquat zu präsentieren. Woher nehmen manche die Arroganz professionellen Künstlern unterirdische und dumme Absagen zu erteilen?

Der Spruch „ Ihr Werk passt nicht in das Profil unserer Galerie“ ist Standard. Wir haben das schon selbst getestet. Ich habe Bewerbungen meines Freundes Sönke zu Galerien gesendet und genau darauf geachtet, dass es zum Profil der Galerie passte. Trotzdem kam die lapidare Absage er würde nicht passen.

Wenn Galeristen so mit Künstlerinnen oder Künstlern umgehen, sollte man sich nicht wundern, dass diese sich selbst vermarkten, z. B. über andere Plattformen. Dass Galerien immer mehr verschwinden im Nichts… wieu.a. in Berlin jedes Jahr zu beobachten ist.

Einerseits stöhnen Galeristen über schwindende Umsätze und anderseits nehmen sie neue Künstler /innen nicht an oder auf.

Trauen sie sich nichts, ausser den Mainstream zu bedienen?

Wir als Künstler sollten Wege suchen uns vernetzten und z.B. Sammlern gegenseitig empfehlen. Ich habe andere Künstlerinnen weiter vermittelt. Das funktioniert auch sehr gut. Jeder profitiert von jedem, ohne Neidfaktor.

Ich hatte gute Ausstellungen und auch mit einigen professionellen Galerien. Galeristen, die sich wirklich um die Künstlerinnen und Künstler kümmern. Die sich engagieren. Aber oftmals fehlt den Galeristen auch der Mut, abseits vom Mainstream zu arbeiten. Meine politischen Bilder passen einfach nicht herein, weil politische Kunst in DE leider oftmals  noch nicht angekommen ist.

Der Mainstream wird ja auch vorgebetet durch manche andere Künstler, die sich z.B. durch Agenturen hypen lassen. Marketingstrategie, die offenbar aufgeht. Da gibt es einen Maler, der sogar ein Museum bezahlt, um dort ausstellen zu dürfen.

Der Kunsthistoriker wird bezahlt, damit sie ihn hypen

Der das Geld seines Vaters nimmt und eine PR Agentur bezahlt für sein weiterkommen. Da zählt nicht mehr die Wahrheit eines Weges, sondern nur noch PR Strategie. Unfassbar ist es auch, dass ein sehr bekannter Künstler mein Konzept auf der Biennale Venedig ausstellte, samt meiner Ideen für diese Installation.

Auf meine Frage an ihn, weshalb er mir das antut, weil ich Jahre an dem Konzept gearbeitet habe, kam die Antwort ;“ Ich habe eine Mission!“. Ich daraufhin ; „ Heisst deine Mission, andere Künstler zu beklauen und deren Leben zu adaptieren? Das tat er nämlich mit aller Kraft.

Mein Werk zu adaptieren und zu präsentieren auf der grössten Biennale der Erde. Ich wünsche ihm einen Weg, der ihn noch in den Spiegel schauen lässt, ohne sich zu schämen.

Galerie Erfahrungen

Da steht  z.B. eine Kunsthistorikerin vor einem meiner Werke, findet es gut, aber will den Preis von 4000 Euro für ein Werk, limitiert auf 8 in der Größe 70/105 cm, nicht zahlen. Wieso fragst du dich will sie den Preis nicht zahlen, der doch ein Leben lang mit dem WERK gute Energie gibt, mehr als jede Handtasche oder Felgen eines PKW.

Da steht ein Mann vor einem meiner Bilder und will es erwerben.

Er hat sich verliebt. Daneben steht seine Frau, schaut mich von oben bis unten an und sagt zu ihm „ Nein ich will nicht , dass du es bekommst!“ Er hat es sich dann später in ganz klein gekauft. Normalerweise verkaufe ich keine kleinen Werke, aber er tat mir leid.

Selbst der Galerist, einer der richtig guten Typen, dem blieb die Spucke weg.

Da steht eine Frau mittleren Alters vor eine meiner Arbeiten in Österreich in einer Galerie, möchte es haben, hat aber das Geld nicht. Ihr Verlobter, ein mehrfacher Millionär kauft es ihr nicht. Er ist selbst Hobby-Maler und gönnt es ihr nicht, somit neidet  er mir auch meinen Erfolg.

Sagt zu mir, ich solle doch mit der Kunst aufhören, wenn ich nicht genug verkaufe. Versucht mir den Weg der Kunst madig zu machen mit allen Mitteln. Ich habe seiner Verlobten dann das Bild in klein geschenkt und sie damit glücklich gemacht.

Aber in DE ist es u.a. auch so, dass gut verdienende Professorinnen und Professoren Preise gewinnen mit ihrer Kunst. Sie sind fest im Sattel der verdienenden Klasse und nehmen denen, die davon leben müssen noch die Butter vom Brot?

Dieses Land der Titel und Blockaden in all den Schubladen, die sie bedienen, ist dem Untergang gewidmet und nicht dem Fortschritt. Der Untergang ist vorbestimmt, weil sich nur wenige etwas trauen.

Dieses Land ist am Abgrund, weil es sich auf der Vergangenheit ausruht und dem Fortschritt keine Bedeutung beimisst. Siehe Digitalisierung. Auch so ein Wort. Wir leben seit den 90 er Jahren in einer digitalisierten Welt und erst jetzt kommen sie hier dahinter, dass DE es verpeilt hat.

Wir haben in DE eine Neidkultur, in der manche Ehemänner oder Ehefrauen, Freunde oder Freundinnen ihren Liebsten nichts gönnen. Das mag verstehen wer will. Dieser Planet Erde mit seinen Menschen ist vergänglich. Wir alle leben so gut es geht und wieso stehen wir uns dann noch gegenseitig im WEGE?

In HH traf ich letzte Woche eine Frau, die mir mit Kontakten geholfen hat, weil sie meine Kunst liebt. Sie hat mir geholfen, ohne dass ich sie kannte. Einfach so. Das ist mir in 17 Jahren noch niemals so passiert. Ich habe viele Künstlerinnen unterstützt im Leben und von dieser einen Frau bekomme ich alles doppelt zurück.

Das ist für mich wie ein kleines Wunder

Danke auch an die, die an die Kunst glauben, eben nicht als WARE zu sehen, sondern als pure Energie. Es gibt genug Galeristen, die freundlich und professionell arbeiten, auch mit Künstlerinnen und Künstlern sich sehr engagieren.

Ich bewerbe mich nicht mehr persönlich, ohne die Vita einer Galeristin oder eines Galeristen zu kennen. Wenn diese für meinen Weg stimmt, bin ich auch bereit meine Kunst mit aller Energie zu präsentieren. Es muss auch keine Galerie sein, um gute Kunst zu zeigen.

Für Maklerinnen oder Makler ohne Seele habe ich in Sachen Kunst keine Verwendung in meiner Vita.

2018 im DEZ.

Eva- Maria Horstick