03.09.2019 Im Gruselkabinett deutscher Unternehmen

Bluthochdruckgarantie, und darauf einen Dujardin

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Normalerweise schreibe ich nicht über Aufreger mit Bluthochdruckgarantie, die kriegt man morgens schon in der Tageszeitung mit geliefert; aber in dieser Kolumne will ich mal eine Ausnahme machen.

Wiebke Köhlers Buch „Schach der Dame“ versammelt Erfahrungsberichte von Führungsfrauen aller Hierarchien im Management und zeigt auf, wie sich diese im herrschenden Machtgefüge behaupten - oder auch nicht.

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit plakativen Beispielen aus dem Gruselkabinett deutscher Unternehmen und zeigt auf, wie das System der Machtspiele funktioniert, die Regeln eben, die ähnlich wie beim Schach sind, deshalb auch der Name des Buches, das die Autorin frisch im Eigenverlag veröffentlicht hat.

19,80 Euro für 210 Seiten bei www.bod.de - was mich vermuten läßt, dass sich andere Verlage - mit Männer als Entscheidungsträgern vielleicht - nicht dran getraut haben, denn insbesondere der zweite Teil ist wirklich lesenswert und kurzweilig:

Was lernt „frau“ aus den Ungeheuerlichkeiten und Dummheiten deutschen Machomanagements? Ähnlich versumpft scheint, nein, ist die politische Talkshowlandschaft im deutschen Fernsehen, glaubt man Oliver Webers Buch „talkshows hassen“, das jetzt bei Tropen erschienen ist und zwölf Euro kostet.

Die 155 Seiten sind so eine Art letztes Krisengespräch, denn unsere Gesellschaft, da gebe ich dem Autoren recht, ist politisiert wie lange nicht, der Diskussionsbedarf ist hoch:

Doch in den politischen Talkshows ist davon nichts zu spüren. Weber, der Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Mannheim studiert und unter anderem für die FAZ schreibt, erklärt mit Beispielen aus dem Reigen der üblichen Verdächtigen - Anne Will, Sandra Maischberger, Günther Jauch, etc

Wie ein einst demokratisierendes Fernsehformat zu einer Redemaschinerie der Selbstdarsteller verkommen ist und was das über unsere Gesprächskultur aussagt. Fazit:

Man kann es niemanden verübeln, wenn er sich vom politischen Geschehen abwendet, sollten die politischen Talkshows bei uns der einzige Zugang zur Welt der Politik sein. Und darauf einen Dujardin, hätte Herr Augstein gesagt...

Sönke C. Weiss

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