Reden ist silber, Schreiben ist gold

06.02.2020 Buchbesprechung von Sönke C. Weiss

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Das Jahr: 1968. Die Story: Lukas und Harry tingeln durch die deutsche Provinz, covern die Beatles, die Kinks und Donavan, bis Lukas eines Nachts im Radio Leonard Cohens Song Suzanne hört und sich alles ändern wird.

Erschienen ist das kleinformatige Hardbackbuch „Leonard Cohen“ mit 133 Seiten in Kiepenheuer & Witschs bis heute siebenbändigen Musikbibliothek als Band fünf für zehn Euro.

anderen sechs Bücher heißen unter anderem „Die Toten Hosen“, „Take That“ und „Madonna“, wobei die Künstler in der Tat lebensverändernde Musik für die Helden dieser wohl gelungenen wie sehr unterhaltsamen Literaturreihe machen.

Klaus Modick hat „Leonard Cohen“ geschrieben. Ebenso entzückend sind die Stadtporträts aus dem französischen Verlagshaus be-poles (www.portraitsdevilles.fr). Das jüngste spielt in „Freetown“ und kommt aus der Kamera des Fotografen Robbie Lawrence.

Es sind zumeist eindringliche Porträts der Menschen aus der Hauptstadt Sierra Leones im Jahr 2017, eines der ärmsten Länder der Welt. Nun kann man dem Fotografen vorhalten, seine Arbeiten sähen zu sehr nach Kunst aus oder aber er teste, was wir visuell noch ertragen können.

Diese Entscheidung indes überlasse ich jedem selbst. Die Stadtporträtreihe kostet je Band 20 Euro für knapp 40 Fotos, 39 Ausgaben sind insgesamt erschienen und weitere in Planung.

Für 45 Euro indes bekommt man im Prestel Verlag über 250 Seiten frühe Reisefotografie von 1850 bis 1914 in dem Fotoband „Die Entdeckung der Welt“ aus einer Zeit, wo sich wohl kaum ein Fotograf einen Kopf darüber gemach hat, ob seine Sehweise politisch oder kulturell korrekt sei.

Die Autoren Gilles Fumey und Olivier Loiseaux haben ein Gesamtwerk geschaffen, von Ägypten bis Neukaledonien, in dem sich ein exotisierendes Weltbild spiegelt, das immer mit einem Quäntchen Mysterium, Abenteuer und Wahnsinn gewürzt ist.

„Die Entdeckung der Welt“ ist eine phantastische Zeitreise, durch die deutlich wird, warum insbesondere Europäer ihr eigentümliches Bild der Welt da draußen haben. Dass die englische Fotografin Kate Bellm ihr ganz spezielles Menschenbild hat, wußte die Fotokunstwelt schon lange, wieder mal neu beweist sie dies in ihrem druckfrischen Band „Amor“ aus dem Hause Hatje Cantz. 192 Seiten. 126 Fotos. 54 Euro.

Dafür bekommt der Betrachter einen sonnengetränkten Roadtrip, in dem Nackt- und Coolheit nur so aus den Seiten zu tropfen scheinen. Wir werden in ein Bohemian Rhapsody geschleudert, in das provokative Narrativ aus jeder Pore ihrer Models dampft. „Amor“ ist eine Phantasie, heiß, intim, humorvoll und macht Viagra überflüssig. Miau!

Sönke C. Weiss

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05.02.2020 die moralisch-großkotzigen Rot-Grünen

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Die Gesinnungseliten und moralisch-großkotzigen Rot-Grünen bekommen immer mehr die Oberhand, und das Bürgerlische Lager schaut tatenlos zu. Selbst wenn es darum geht das diese Damen und Herren sogar wie im Fall Hindenburg, die Geschichte umschreiben, kommt kein Wiederspruch mehr. Ich fasse den Irrsinn dieser Woche mal zusammen.

Mit einer Aussage zu Antisemitismus in muslimisch geprägten Kulturkreisen hat der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor Kritik aus mehren Parteien auf sich gezogen und ruderter ganz schnell zurück. Nun sprach Amthor von einem „Missverständnis“: Die größte Gefahr gehe von Rechtsextremisten aus. Na also, geht doch.

Aber ausgerechnet Friedrich Merz springt Philipp Amthor zur Seite, auch er sieht in der Einwanderung von 2015 und 2016 eine Ursache für den erneut erstarkenden Antisemitismus. Das schrieb das Team von Merz bei Twitter. Dafür gab es sogleich was auf die Mütze.

Und dann passiert auch noch das: Eine „Tagesschau“-Kommentatorin bezeichnet das Gedenken an die Befreiung von Auschwitz als „Privatparty“ der Israelis. Aber ich kann sie beruhigen, in 50 Jahren wird es keine Party mehr geben. Zumindest in Deutschland nicht, warum? Na ja, es sind dann einfach zu wenige Deutsche noch da, und die neue Mehrheit wird dann ganz andere Partys feiern.

Und weil das alles noch nicht genug ist, setzt der Hamburger Linke-Kandidat Tom Radtke den Klimawandel mit dem Holocaust gleich. Er bezeichnet sich auf seiner Homepage selbst als Klimaaktivist. „Seit zwei Jahren kämpfe ich gegen den Klimawandel und für radikalen Umweltschutz“, schreibt er dort. Weiter schrieb er: „Wir müssen die Klimaerwärmung jetzt stoppen, damit sich ein Holocaust nicht wiederholt.“ Auch der hat einen an der Klatsche.

Rot-Rot-Grüne Diktatur

Der ehemalige Reichspräsident Paul von Hindenburg wird von der Ehrenbürgerliste Berlins gestrichen. Das hat der Rot-Rot-Grüne Senat in Berlin beschlossen. Die drei Regierungsfraktionen hatten den Antrag eingebracht, Hindenburg die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen.

Die absurde Begründung der Rot-Grünen Faschisten "Hindenburg habe Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler berufen".

Och nee, haben die Esel in Berlin da nicht was vergessen? Bei der  Reichstagswahl am 5. März 1933  hatte die NSDAP 43.9 Prozent der Stimmen bekommen, bei einer Wahlbeteiligung von 88,74 %. Somit wurde Adolf Hitler demokratisch gewählt, und Reichspräsident Paul von Hindenburg blieb gar nichts anderes übrig als Adolf Hitler zum Reichskanzler zu berufen.

Regina Kittler (Linke) meinte: „Die Zeit, in der wir leben, erfordert wieder ein Aufstehen für Demokratie“, sagte Kittler. „Das schließt die konsequente Verurteilung von Tätern ein. Und Hindenburg war Täter.“ Ich sage mal so, Gott bewahre die Demokratie vor den Rot-Grünen. Oh, habe ich was vergessen? Paul von Hindenburg wurde zwei mal zum Reichspräsidenten gewählt, sogar mit Unterstützung der SPD.

Das kommt dabei heraus, wenn CDU, Grüne und FDP eine Regierung bilden.

Jamaika-Bündnis 30.01.2020 - Grüne sind für das „Symbol der Unterdrückung von Frauen“
Seit einem Jahr kämpft die Kieler Uni darum, das Tragen von Burka und Nikab in ihren Lehrveranstaltungen zu untersagen. Schleswig-Holsteins Grüne haben nach rund einjähriger Beratung allen Versuchen, ein Verbot der Vollverschleierung an Schleswig-Holsteins Universitäten zu ermöglichen, einen Riegel vorgeschoben.

Kita Campus-Kinderland in Erfurt

Im Fall des Campus-Kinderlandes in Erfurt hieß das: Kein Fasching in der Kita. Und keine Kostüme an Karneval. Eine Kindertagesstätte im thüringischen Erfurt verbietet Kindern Kostüme zum Fasching. Eine Kita in Erfurt, der Landeshauptstadt des Freistaates Thüringen, verbietet ihren Kindern Kostüme am Rosenmontag und Karnevalsdienstag.

„Bitte verkleiden Sie Ihr Kind am Rosenmontag und Faschingsdienstag nicht“, schreibt das Kita-Team an die Eltern, wie mehrere Medien berichten. Trotzdem mitgebrachte Kostüme würden „an beiden Tagen im Fach des Kindes verbleiben“.

Die Kita wird vom Studierendenwerk Thüringen betrieben. Man habe sich einer „kultursensiblen Pädagogik“ verschrieben, heißt es zur Begründung.

In den sozialen Netzwerken wurde die Entscheidung stark kritisiert:

"Ich frage mich, was von der deutschen Kultur noch übrig bleibt.
Kitas sind familien-ERGÄNZEND, nicht familien-ERSETZEND. Meiner Meinung nach sollten Kitas überhaupt nicht mehr selbst feiern.
Als Grund nennt man u.a. Angst der Kinder vor Verkleidung bzw. verkleideten anderen Kindern. Ich habe da eher Angst vor Erziehern (m/w/d), die nicht in der Lage sind den Kindern, die Angst haben, diese Angst zu nehmen bzw. zu hinterfragen woher diese Angst kommt.
So wird die eigene Kultur unterdrückt...und das Recht auf Selbstbestimmung...
Was wird den noch alles verboten. Unseren Kindern wird alles weggenommen. Traurig sowas.
Der Wahnsinn im Lande kennt langsam keine Grenzen mehr."

Auch in einer Kita im Hamburger Stadtteil-Ottensen wollten 2019 schon die Erzieher weder kleine Indianer noch Mini-Scheichs beim Fasching sehen. So gesehen sage ich nur, der Irrsinn kennt keine Grenzen.

Die Grünen legen die Abrissbirne an unsere Schlüsselindustrien, dem Automobil und Maschinenbau an. Der Witz ist, dass diese nationalmoralistischen, politischen und vorpolitischen Eliten selber wenig hinbekommen, schrieb Ulf Poschardt, Chefredakteur von "Welt-Online".

Don Alphonso meinte,  und genauso ist das mit den Grünen: Nach dem 130-Gewitter kommen eher früher als später das Verbot jedes Fahrzeugs, das schneller als 130 fahren kann, oder wenigstens die lückenlose Überwachung. Schlimmer geht immer, das gilt für das Wetter wie für moralische Menschen, und wie heißt es nicht schon bei Brecht? „Wir brauchen keinen Hurrikan, wir brauchen keinen Taifun. Was der an Schrecken tun kann, können wir selber tun.“

Der Verbotstotalitarismus der Grünen kennt ohnehin keine Grenzen. Wiedereinführung des Prangers für Rauchen und Trinken, sowie Haftstrafen für das Parken vor meinem Hoftor und lebenslang für übelste Verbrechen wie Graffiti und achtloses Kippenwegwerfen.

Da geht noch was, ganz bestimmt. Ein Verbot von Böllern an Silvester, SUVs stehen auf der Shitlist der Grünen ganz weit oben, genauso wie Flugreisen oder das Kaminfeuer zu Hause.

Gottfried Böhmer

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04.02.2020 Stimmungsmache der Medien

GFDK - Reden ist Silber - Rainer Kahni

Das hat mir Rainer Kahni noch kurz vor seinem Tod 2015 geschrieben. Und oh ja, so ist es. Die Konzentration der Tageszeitungen ist alleine der Tatsache geschuldet, dass sich eigenständige Redaktionen nicht mehr rentieren.

Der Rahmen wird von überregionalen Medienkonzernen geliefert, die örtliche Presse berichtet mit einem Ministab an Volontären und Praktikanten allenfalls noch über die Tagungen der Kleintierzüchtervereine oder über die Umgehungsstrasse. Das liegt an der schieren Geldnot.

Die Werbeanzeigen sind dramatisch gesunken, das Internet hat die altbackenen Anzeigen in den Zeitungen abgelöst.

Ergo sind die Tageszeitungen gezwungen zu fusionieren, oder werden gleich von einem unbekannten Medienkartell wie z.B. der Holtzbrinck-Gruppe, der Burda-Gruppe, der Springer-Gruppe, die WAZ - Gruppe, der Bertelsman-Gruppe, geschluckt. Dort sitzen kühle Controller und keine Journalisten. Sie sind nur ihren Anteilseignern verantwortlich. Gewinnmaximierung ist das Ziel.

Wie erreicht man das? Durch Stimmungsmache, die die Auflagen steigern und radikale Austrocknung der journalistischen Qualität. Jeder Chefredakteur hat nur noch so viel Freiheit, wie sie ihm von seinem Konzernchef gewährt wird.

Eben diese Medienzaren sind oft sehr regierungsnah. Grosse Zeitungen in Deutschland wie zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung kämpfen um die nackte Existenz. Die altehrwürdige ZEIT gehört zur Holtzbrinck – Gruppe.

Die Besitzverhältnisse im SPIEGEL scheinen sich auch geändert zu haben. Es sind für die freie Meinungsbildung ungesunde Kartelle entstanden, die dermassen untereinander verflochten sind, dass man teilweise wortgleiche Artikel in den unterschiedlichsten Zeitungen findet. Erst kürzlich bekam dies Günter Grass schmerzlich zu spüren. Nicht umsonst sprach der Literaturnobelpreisträger von einer Hetzkampagne der Medien gegen ihn.

In Frankreich ist es nicht anders, die Ursachen sind dieselben. Grosse, angesehene Institutionen der Zeitungslandschaft wie LE MONDE, LE FIGARO, FRANCE-SOIR und viele andere wurden in den letzten Jahren oft für weniger als 50.000 Euro an irgendeinen Millionär verscherbelt, der sich die Zeitung als Hobby gekauft hat.

Sogar der Waffenhersteller Dassault hat sich eine dieser notleidenden Zeitungen zugelegt. Das ist der Untergang der Demokratie, den wir alle täglich verspüren! Doch kein Kartellamt schreitet ein! Warum wohl?

Weil es Bundeskartellamt heisst und eine Bundesbehörde ist und keine unabhängige Kartellkontrollbehörde ist. Die Beamten sind weisungsgebundene Kontrolleure. Und so sehen dann auch deren Kontrollen aus!

Legislative, Executive und Judicative sind schon bis zur Unkenntlichkeit verschmolzen. Bald fehlt auch das letzte Korrektiv des Staates: Die Meinungsfreiheit wird zu Grabe getragen und wir alle sind die Teilnehmer an dieser grausigen Leichenbestattung.

PS: Cord Schnibben (Spiegel 10.09.2013) fragte seine Leser wie ernst sie den Journlismus nehmen. Über das Ergebnis war er aber erstaunt, wir nicht.


"Schreiben voneinander ab, linke Zensoren, intellektueller Abwärtstrend, devote Hofberichterstattung, PR-Maschine, schlecht recherchiert, nur noch Agenturmeldungen kopiert, schlechtes Deutsch, solche Beschwerden zogen sich durch viele Leserkommentare."

Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.

"Johann Wolfgang Goethe"

Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, war ein Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er war Mitglied von Reporters sans frontières und berichtete für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.

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03.02.2020 Buchbesprechung von Sönke C. Weiss

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Seit 2018 schreibt Alexander Osang für den „Spiegel“ aus Israel; sein jüngstes Buch heißt „Die Leben der Elena Silber“, kostet 24 Euro und ist bei S. Fischer erschienen.

Inspiriert von seiner eigenen Familiengeschichte erzählt er den Lebensweg seiner Titelheldin, die aus einer russischen Provinzstadt einem deutschen Ingenieur 1936 nach Berlin folgt, wo dieser aber in den Wirren der Nachkriegszeit verschwindet und sie ihre vier Kinder alleine durchbringen muß.

Nach packenden ersten 100 Seiten verliert sich Osang dann leider in seinen Nebenfiguren, die wenig oder nichts mit der eigentlichen Story zu tun haben und uns trotzdem bis auf Seite 617 begleiten, bis wir den Roman erschöpft zur Seite legen, um uns Lisa Taddeos „drei frauen“ zu widmen:

Lisa will begehrt, Maggie verstanden und Sloane bewundert werden. Auf 413 Seiten geht es um viel Sex, der sehr wohl beschrieben wird, Lust wie Macht und spiegelt die #metoo-Generation in ihrer Psyche wie Physis.

Leider sind den Stories anzumerken, dass sie konstruiert wurden und irgendwie hat man immer wieder das Gefühl, alles schon mal bei „Sex and the City“ gesehen zu haben. 22 Euro kostet der Bestseller, der in deutsch bei Piper erschienen ist.

Dass es nach 75 Jahren keinen Schlussstrich des Gedenkens geben darf, demonstriert Andrea von Treuenfelds Buch „Leben mit Auschwitz“, das im Gütersloher Verlagshaus erschienen ist, 20 Euro kostet und auf 255 Seiten in berührenden wie persönlichen Zeugnissen Menschen zu Wort kommen läßt, die die dritte Generation nach dem Holocaust repräsentieren.

Mir persönlich fehlen angemessene Worte, um zu beschreiben, was ich beim Lesen dieses Buches empfunden habe. Ich weiß nur eines, diese Interviews sollten zur Pflichtlektüre an allen deutschen Schulen werden, vielleicht sogar weltweit, was mich zum letzten Buch der heutigen Kolumne bringt:

„Du bist so viel mehr als Deine Angst“ von Chris Gust, herausgebracht im Main Verlag. Auf 304 Seiten widmet sich die Autorin Angststörungen, die sicher zu den häufigsten Erkrankungen unserer westlichen Welt gehören und oftmals ein Tabuthema sind.

Wie Betroffene aus diesem Teufelskreis finden können, beschreibt Gust kurzweilig und amüsant aus ihrer eigenen Perspektive. Nichtsdestotrotz: Wer in der Tat unter ständigen Angstzuständen leidet, sollte sich professionelle Hilfe suchen, ein 22-Euro-Buch ist kein Anker.

Sönke C. Weiss

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25.01.2020 Kommentar Westfalen-Blatt

GFDK - Reden ist Silber - Andreas Kolesch

Das war vor fünf Jahren, und ist bis heute so geblieben: Bielefeld (ots) - Im Jahr 2009 wurde bei Christie's in London die »Paris Bar«, ein Gemälde des angesagten Künstlers Martin Kippenberger, versteigert - 2,5 Millionen Pfund.

Die »Paris Bar« stammt aber von dem Plakatmaler Götz Valien, der sie im Auftrag Kippenbergers hinpinselte und dafür - das ist die Pointe - nur 1000 D-Mark kassierte. Aber was heißt hier »hinpinseln«?

Wer legt denn fest, wieviel ein Bild kosten darf? Und wofür brauchen reiche Sammler einen Kunstberater? Wieso konnte Helge Achenbach, dessen Prozess wegen Betrugs Schlagzeilen macht, jahrelang von Klienten jede Summe fordern, bevor er aufflog?

Über den Wert der Kunst wird philosophiert, seit es sie gibt. Ohne dass je belastbare Standards entwickelt worden wären.

»Die Kunst« im Singular gibt es ohnehin erst seit dem 18. Jahrhundert, vorher bewunderte man »die Künste« (Plural) und meinte damit Könner und ihre zumeist technischen Fertigkeiten.

Die sind bei einem Maler wie Valien vorzeigbar, bringen ihm aber bloß vierstellige Summen - von 2,5 Millionen Pfund kann der Tiroler nur träumen. Bei prominenten Künstlern rechnet der Markt allen Ernstes nach der Formel Materialwert mal Bildgröße mal Alter mal X. Dieses X wird gerne als Symbolwert bezeichnet.

Manipulation und Spekulation sind an der Tagesordnung

Marktexperten wie die Berliner Professorin für Kunsttheorie Isabelle Graw sind überzeugt, dass nur eine Handvoll Galerien, Museen und Kunstkritiker Symbolwerte hochjazzt:

»Manipulation und Spekulation sind an der Tagesordnung.« Erst dann betritt der reiche Sammler die Szene - wie der Spieler das Kasino. Mit dem Erwerb von Kunst wettet er auf ihren Bedeutungs- und Wertzuwachs.

Hohe Beraterprovisionen, auch wenn sie, wie man Achenbach vorwirft, gefakt sind, zeugen von dieser Bedeutung. Bei diesem Thema stochern Kunstberater wie Künstler im Nebel.

Achenbach erzählt, er habe in den 90ern einen Gerhard Richter für 180 000 Dollar in die USA verkauft. Kurz darauf war das Bild 15 Millionen wert. »Da wurde klar, dass mein Preis viel zu niedrig gewesen war.« So erwacht die Gier.

Joseph Beuys stellte fest: Kunst = Kapital

Und der »Malerfürst« Markus Lüpertz haut in dieselbe Kerbe, wenn er gesteht, ein Bild für zehn Millionen könne niemand mehr beurteilen: »Sie können dann doch nicht mehr sagen:

Das ist schlecht!« Was teuer ist, ist gut. »Kunst = Kapital« hat Joseph Beuys mal auf einen Zehnmarkschein geschrieben - und damit ein Kunstwerk geschaffen (hätte er »Kunst = Kommerz« geschrieben, die Szene hätte aufgeheult). Tatsächlich horten die großen Sammler heute alle dasselbe: Kiefer. Richter.

Koons. Pollock und ein bisschen Hirst. Warhol. Twombly. Rauch. Gerne auch, wie es Achenbachs Kunde Berthold Albrecht tat, alte Autos. Der New Yorker Kunsthandelsexperte Benjamin Mandel sagt, dass Leute, die Kunst nicht von Statussymbolen unterscheiden können, deswegen über Geld reden. Zur Not eben vor Gericht.

Westfahlen Blatt

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22.01.2020 Wikipedia Gläubige sollten aufpassen

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Aus aktuellen Anlass kommen wir noch einmal auf einen Artikel von Gottfried Böhmer zurück, der schon vor einigen Jahren Manipulationen bei Wikipedia angeprangert hatte. Nun wurde ein neuer Fall bekannt, der für Aufregung sorgte.

Der Wikipedia-Eintrag zu Claas Relotius soll nach einem Bericht über Monate hinweg geschönt worden sein. Bis die Manipulationen aufflogen. Der Wikipedia-Eintrag über den „Spiegel“-Fälscher Claas Relotius ist nach einer Recherche des Schweizer „Tages-Anzeigers“ manipuliert worden.

An den Versuchen, ein alternatives Bild des ehemaligen „Spiegel“-Reporters auf Wikipedia anzufertigen, waren nach der Beschreibung mehrere Autoren beteiligt. Ziel war es wohl, ein alternatives Bild des ehemaligen „Spiegel“-Reporters auf Wikipedia anzufertigen, sprich seine Taten sollten in einem besseren Licht erscheinen.

Nun hat "Welt-Online" am 22. 1.2020 einen weiteren großen Artikel über Manipulationen bei Wikipedia veröffentlicht der die Aussagen von Gottfried Böhmer noch einmal bestätigt. " Wikipedia ist das Universalmedium für alle, die Antworten suchen. Die vermeintlich neutrale Webseite prägt unsere Sicht auf die Welt. Doch die Texte dort sind oft das Werk von Manipulateuren, Aktivisten, Lügnern. Und das Problem wird immer größer."

Das es bei Wikipedia schon seit Jahren nicht mit rechten Dingen zugeht habe ich schon am 30. Oktober 2013 ausfühlich beschrieben. Nun schreibt Jens Berger von den "nachdenkseiten" wie die Wikipedia sich selbst zerstört.

Premärquellen, Relevanz, Blogs

"Für viele Menschen stellt die Wikipedia ein Internetlexikon dar, das über jeden Zweifel erhaben ist. Was in der Wikipedia steht, stimmt auch so. Weit gefehlt. Die Wikipedia mag ja für naturwissenschaftliche Einträge, bei denen es eine vergleichsweise klare Definition von „wahr“ und „falsch“ gibt, in der Tat ein ordentliches Nachschlagewerk sein.

Für das weite Feld der Geisteswissenschaften ist die Wikipedia jedoch leider auch eine Tummelwiese für Schreibtischkrieger, die unter dem Banner der „Neutralität“ dafür kämpfen, ihre eigene weltanschauliche Sichtweise zur „objektiven Wahrheit“ zu machen. Das ist genau so grotesk, wie es sich anhört."

Auf den Punkt gebracht: Primärquellen sind bei Wikipedia verpönt - Und was Zeitungen schreiben ist relevant, was Blogs schreiben irrelevant?

30. Oktober 2013 - Glaube nichts, was Du nicht selbst geschrieben hast. Diesen Leitsatz sollten sie verinnerlichen oder beherzigen. Vor allen Dingen sollten sie nicht alles glauben, was bei Wikipedia steht. Seit 2011 werden immer mehr Fälle von Manipulationen bekannt.

Im Fokus der Aufklärung steht aber nicht die deutsche Wikipedia, sondern vorwiegend englischsprachige Artikel, und das halten wir für einen Fehler. Blauäugig meinte die Sprecherin der deutschen Wikipedia-Stiftung allen Ernstens, die deutsche Wikipedia-Foundation wäre von Manipulationen nicht betroffen.

Am 22. Oktober 2013 teilte die Wikipedia-Foundation mit, dass sie 250 Accounts gesperrt hätte und mit Härte gegen gefälschte Nutzerprofile vorgehen werde, hinter denen keine echten Autoren stehen würden. Sue Gardner (Wikipedia Direktorin) erklärte, dass es mehrere 100 Profile gebe, die gegen Bezahlung Wikipedia Artikel verfassen würden.

Ärgerlich ist, dass Wikipedia so tut, als ob sie alles im Griff hätten. Diesen Eindruck wollen die Wikipedia Verantwortlichen zumindest der Öffentlichkeit vermitteln. Das dem aber in keiner Weise so ist, darauf werde ich gleich kommen.

Wikipedia betont, seit Jahren gebetsmühlenartig, immer wieder, das sie das Onlinelexikon neutral halten wollen. Noch ärgerlicher ist, dass es bei den nun gesperrten Accounts nur um britische Seiten geht, die von einer PR-Agentur namens Wiki-PR betrieben werden. Von deutschen Agenturen oder Autoren war leider keine Rede, dazu später.

Wiki-PR gab auf Anfrage unumwunden zu, dass man bei ihnen „Wikipedia-Autoren“ mieten kann und das sie große Unternehmen vertreten, um in deren Auftrag Organisationen, Produkte etc zu begünstigen. Offiziell wirbt Wiki-PR sogar damit, dass sie 45 Wikipedia-Verfasser und sogar Administratoren mit besonderen Rechten beschäftigen, deren Arbeit der kritischen Überprüfung jederzeit standhalten könnte. Wiki-PR meinte sogar in einer Stellungnahme gegenüber newscom „wir bezahlen 100 weitere Verfasser für ihre Arbeit“.

Das klingt wie Hohn und Spott

Auf Wikipedia kann man lesen, dass sich derartige Manipulationen nicht lohnen würden. Dort heisst es: „Die Möglichkeit, das es einen fachlich gleich höher qualifizierten Wikipedia-Nutzer gibt, der sich den Artikel anschaut, wird von PR Leuten in der Regel verkannt“. Ich halte diese Aussage für vollkommen verblödet.

Weiter heisst es bei Wikipedia: Die Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung von Missbrauch ist aufgrund der Wikipedia internen Qualitätsanstrengungen seit Jahren kontinuierlich gestiegen. Darüber läßt sich nur lachen, wenn man bedenkt, dass Wiki-PR seine Dienstleistungen schon seit Jahren ganz fett auf ihren Internetseiten anbietet.

Und jetzt kommen wir zum Thema

Vor exakt 3 Wochen wurde ich von einer IT-Agentur mit Sitz in Wiesbaden angesprochen. Ich sei doch Journalist und ob ich auch für Wikipedia Beiträge schreiben würde. Ich habe das verneint, da ich genug andere Aufgaben hätte. Daraufhin wurde ich erstmal zu einem Kaffee eingeladen, wahrscheinlich um die Stimmung aufzubessern. Ohne lange drumherum zu reden, kam der freundliche Herr zum Thema. Ob ich nicht interessiert sei 10 bis 15.000 € im Monat dazuzuverdienen.

Ich staunte nicht schlecht, was ich denn dafür tun solle. Das wäre ganz einfach, ich sollte nur erstmal 30 bis 40 relevante Artikel zu verschiedenen Themen auf Wikipedia veröffentlichen, so wie etwa 200 Fremdartikel bearbeiten. Da mein Name als Autor für die Gesellschaft Freunde der Künste ja schon lange bekannt sei und es etliche google-Einträge gibt, hätte ich sehr schnell das Vertrauen der Wikipedia Gemeinde.

Sollte heissen, wenn die dich erstmal als Autor akzeptiert haben, schauen die auch nicht mehr so genau hin, was du schreibst oder welche Artikel, links etc du veränderst. Der freundliche Herr meinte weiter, dass er schon ein großes Netz von Journalisten hätte, die für Wikipedia  schreiben, diese würden mich zu gegebener Zeit als Administrator vorschlagen.

Anmerkung der Redaktion:

Administratoren in Wikipedia sind Benutzer, mit besonderen Rechten. Sie können zB Beiträge, links zu Artikeln und auch ganze Seiten löschen. Das Wichtigste ist aber, dass die Administratoren nicht unter Beobachtung stehen und somit bestens in der Lage sind, Artikel gegen Bezahlung zu schreiben oder zu verändern. Das kann natürlich auch jeder normale Benutzer, er muss nur vorsichtiger sein, da er unter Beobachtung steht.

Neugierig gemacht hat mich das schon, also wollte ich mehr erfahren. Wer denn die Kunden seien, fragte ich interessiert. Das seien große und kleine Unternehmen, Organisationen und zunehmend immer mehr auch Privatpersonen. Privatpersonen frage ich erstaunt? Ja, das ist ein großer Markt mit Wachstum, meint mein Gegenüber. Das wären zB Geschäftsführer von Unternehmen, Wissenschaftler, Anwälte, leitende Angestellte in gehobenen Positionen, Ärzte, Musiker, Musiklabels etc.

Also alle Leute, die von öffentlichem Interesse sind, in der Öffentlichkeit arbeiten und ihre Reputation bei Wikipedia verbessern wollen. Das Ganze wäre auch sehr einfach für mich. Um in der ersten Phase nicht aufzufallen, sollte ich erst mal kleine Veränderungen vornehmen, Artikel editieren, Rechtsschreibfehler korrigieren, links zu relevanten Inhalten setzen oder auch Zahlen aktualisieren.

Das Ganze nennt man vertrauensbildende Maßnahmen, die Administratoren würden mich schnell als regen Teilnehmer mit Kompetenz wahrnehmen und wohlwollend meine spätere Bewerbung als Administrator unterstützen. Das Ganze hörte sich wirklich sehr einfach an und nun wollte ich auch wissen, wie das mit der Bezahlung läuft.

Manipulationen bei Wikipedia lohnen sich

Für geschriebene Artikel mit Bewertungen und Verlinkungen zB das kann für ein Unternehmen aber auch für ein Produkt sein, sollte ich zwischen 800 € und 1.200 € bekommen. Bei kleineren Aufträgen, oftmals nur einen Satz ändern, damit er eine andere Bedeutung bekommt, dazu einen Verweis oder link setzen, bringt 350 € bis 500 €. Ich musst zugeben, dass dies leicht verdientes Geld ist und dachte mir noch, dass angesichts der vielen arbeitslosen Journalisten sich bestimmt genug Schreiber finden lassen. Dennoch habe ich mich höflich verabschiedet und für den Kaffee bedankt.

Die Geschichte ging mir aber nicht aus dem Kopf und ich fragte mich, wer hier schon alles manipuliert hat. Dass sich Manipulationen wie Wikipedia verkündet nicht lohnen würden, kann ich nun nicht bestätigen, ganz im Gegenteil.

Manipulationen bei Wikipedia

Im Juni 2011 wurde bekannt, dass Mitarbeit des Projekts Wiki-Watch unter Verwendung von mehreren Benutzernamen Artikel verändert haben, bei den seinerzeitigen Manipulationen ging es weitgehend um die Themenbereiche Homosexualität, Religion und Evangelismus, das wohl ein viel beachtetes Konfliktfeld ist. Im März 2012 wurde ein weiterer prominenter Fall bekannt, der Daimler-Konzern hatte einen unliebsamen Abschnitt mit dem Übertitel „Lobbying“ entfernt. Blöd war nur, dass die Imagekorrektur von einer IP-Adresse vorgenommen wurde, die zum Server von Daimler führte.

Was Daimler und andere damals noch nicht wussten, dass es seit 2007 einen sogenannten Wiki-Scanner gibt, damit kann man über zuvor eingegebene IP-Adressen herausfinden, welche Firmen und Organisationen Einträge verändert haben. Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn die IP-Adresse tatsächlich zu dem Unternehmen führt.

Der Daimler Konzern soll in der Vergangenheit über 30 Artikel manipuliert haben. Neu ist das auch nicht. 2008 wurde schon in einer Untersuchung festgestellt, dass jeder dritte DAX-Konzern seinen Wikipedia Eintrag manipuliert hatte.

Im September 2012 kam auch noch heraus, dass hochrangige Wikipedia Mitarbeiter (Direktoren der britischen Wikipedia-Foundation) sich fleissig als PR-Berater betätigten und Artikel für ihre Kunden an prominenter Stelle bei Wikipedia platzierten. In einem anderen Fall stellte sich heraus, dass der Wikipedia Mitarbeiter sogar eine eigene PR Agentur betreibt.

2011 kam auch heraus, dass eine PR Agentur ebenfalls mit Sitz in England hunderte von Wikipedia Einträgen umgeschrieben hatte. Die PR Agentur teilte den Reportern des Independent seinerzeit auf Nachfrage mit „man habe ein Team um Wikipedia in Ordnung zu bringen“.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wikipedia in Ordnung bringen.

Festhalten können wir, das Wikipedia an Glaubwürdigkeit verloren hat. Die PR Agenturen lernen täglich hinzu, wie man die Kontrollen und Überprüfungen aushebeln kann. Im November 2012 vermeldete Wikipedia den 1,5 Millionsten Artikel für die deutschsprachige Wikipedia. Wer bitte könnte 1,5 Millionen Artikel 30 Millionen Verweise und Verlinkungen überwachen, wahrscheinlich nur die NSA.

Ich muss zugeben, dass ich meine Schadenfreude nicht ganz verbergen kann. Bei Wikipedia haben sich in der letzten Zeit ganze Benutzergruppen und Administratoren zusammengeschlossen, die sich wie Halbgötter aufspielen und ihnen nicht genehme Artikel, ganze Seiten und links komplett löschen.

Vielleicht sollte ich folgendes noch erklären:

Der ein oder andere wundert sich vielleicht darüber, warum es Unternehmen, Organisationen und Personen so wichtig ist, bei Wikipedia gut auszusehen und warum sie sich das was kosten lassen.

Eines vorweg: Die hierfür aufgewendeten Honorare sind spottbillig, man kann sogar sagen, fast geschenkt. Gehen sie mal ins Internet und suchen nach einer Person, Produkt, Unternehmen, Organisation, Stiftung usw. In fast allen Fällen erscheint auf Seite 1 der google Suche der Wikipedia Eintrag. In vielen Fällen ist es sogar der erste Eintrag unter den Top 10. Wenn der user dort nun lesen kann, wie toll ihr Unternehmen, ihr Produkt, ihre Weltanschauung oder sie selbst sind, haben sie gewonnen.

Wikipedia Gläubige sollten aufpassen

Noch besser, fast alle Journalisten machen ihr Quellenstudium bei Wikipedia und geben die dort vorgefundenen Informationen in ihren Artikeln als eigene Erkenntnis weiter. Besser geht es doch nicht. Um ein deratiges Ergebnis in der Google Suche zu erzielen, müssten sie eine SEO (Suchmaschinen Marketing) Agentur beauftragen. Die Honorare für solche Ergebnisse liegen bei den SEO-Agenturen zwischen 10 bis 100.000 €. Da ist das Honorar für den Schreiberling doch fast umsonst.

Gottfried Böhmer

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21.01.2020 Die Schande Europas

GFDK - Reden ist Silber -Sönke C. Weiss

Das Café Procope in Paris, in dem ich diesen Artikel schreibe, war einst der bevorzugte Treffpunkt junger Revolutionäre.

Hier stellte der damals junge Rechtsanwalt Georges Danton den ersten Botschafter der noch jungen Vereinigten Staaten in Frankreich Benjamin Franklin, Mitverfasser der Unabhängigkeitserklärung mit einer vorangestellten ersten Menschenrechtserklärung, zur Rede:

„Die Welt ist nichts als Ungerechtigkeit und Elend. Hinter eurer Erklärung steht keinerlei Justiz oder Militärgewalt, die Respekt verschaffen könnte.“ Franklin antwortete ihm: „Falsch! Hinter dieser Erklärung steht eine beträchtliche, unvergängliche Macht. Die Macht der Schande.“

Das war um 1776, und heute, fast 250 Jahre später, sollten wir, die Bürger der Europäischen Union, diese Macht der Schande wieder anwenden, politisch, denn der moralische Verfall auf den Europa, nein wir zusteuern, ist fast nicht mehr aufzuhalten.

Genau darum geht es in Jean Zieglers neuem Buch „Die Schande Europas“, das am 20. Januar bei C. Bertelsmann auf Deutsch herausgekommen ist und 15 Euro kostet.

Kurz zum Autor: Jean Ziegler ist Soziologe und war von 2000 bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, von 2009 bis 2019 Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats und ist heute noch immer als dessen Berater tätig.

Also ein Mann mit moralischem Gewicht. Im Mai zurückliegenden Jahres nun besuchte Herr Ziegler das EU-Flüchtlingslager Moria auf Lesbos und schildert auf 143 erschütternden Seiten seine Begegnungen mit Geflüchteten, die von ihrem Leidensweg berichten, dass einem Seite für Seite der Atem stockt und man sich als EU-Bürger nur noch schämen möchte; in der Tat, nur noch schämen.

Denn die unmenschliche Realität dieser so genannten Hotspots ist bar jeder Vorstellungskraft. Unterdessen hat die EU, immerhin mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, die Sicherung ihrer Außengrenzen nicht nur massiv verstärkt, sondern akzeptiert den Tod schutzsuchender Menschen, die von den Institutionen FRONTEX und Europol regelrecht gejagt werden, ohne mit der Wimper zu zucken.

Widerlicher noch: die humanitäre Rhetorik, auch gerne von der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verwendet, ist nichts als Kosmetik in Zeiten inhumaner Praxis, wo EU-Mitgliedstaaten, die sich einer humanitären Lösung verweigern, keine Sanktionen zu fürchten brauchen, wie es ihnen die Antrittsrede von der Leyens zwischen des Zeilen versprochen hat.

Kurzum: „Die Schande Europas“ ist für mich bereits heute das wichtigste Buch 2020. Es ist verständlich geschrieben, ohne Polemik, immer sachlich, und haut einen gerade wegen seiner nüchternen Schilderung um, dass man am liebsten aufschreien möchte:

„Warum macht ihr das?“ Oder besser gesagt: „Warum lassen wir das zu?“ Denn es sind wir, die Bürgerinnen und Bürger, die über die Macht der Schande verfügen.

Es ist an uns, etwas zu verändern. Von alleine tut sich nämlich nichts. Danke, Jean Ziegler, für diesen erneuten Weckruf. 

Sönke C. Weiss

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16.01.2020 Männer allein für Ruhm und Ehre

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Der Brite Robert F. Scott und Roald Amundsen aus Norwegen lieferten sich Ende des Jahres 1911 und am Anfang des Jahres 1912 einen Wettlauf zum Südpol. Wer erreichte als Erster den Südpol? Die Entscheidung endete dramatisch.

„Wären wir am Leben geblieben, ich hätte eine Geschichte erzählen müssen von Kühnheit, Ausdauer und vom Mut meiner Gefährten, die das Herz eines jeden Briten gerührt hätte“, schrieb Scott (1868 - 1912) in seinem Polartagebuch, das unter dem Titel „Letzte Fahrt“ in der Edition Erdmann (www.verlagshausroemerweg.de) erschienen ist und den Forscher Scott als Romantiker spiegelt.

„Dichtes Schneegestöber und vom Sturm aufgejagte Schneewehen. Himmel und Erde verschwammen ineinander, nichts war zu sehen. Trotzdem ging es glänzend vorwärts“, heißt es in Amundsens pragmatischen Aufzeichnungen „Die Eroberung des Südpols“, ebenfalls in der Edition Erdmann erhältlich.

Beide Bücher, oder besser gesagt, beide Männer könnten unterschiedlicher nicht sein, obwohl sie das gleiche Ziel vor Augen hatten. Amundsen (1872 - 1928) hatte sich sein Leben lang akribisch auf diese eine Reise vorbereitet und überließ nichts dem Zufall.

Mit Schlitten und insgesamt 116 Hunden bewegten er und sein Team sich übers ewige Eis; Scott dagegen lehnte Hunde als „unbritisch“ ab und verließ sich auf sibirische Ponys und Motorschlitten, was ihm und seinen Männern zum Verhängnis wurde.

Amundsen erreichte schließlich am 14. Dezember 1911 als erster Mensch den Südpol - nach 2.600 Kilometern in 99 Tagen. Als Scott am 17. Januar 1912 eintraf, fand er ein Zelt vor, auf dem die norwegische Flagge wehte.

Auf dem Rückweg kamen er und seine Männer ums Leben und wurden erst im November 1912 von einem Suchtrupp gefunden. Beide Bücher sind außerordentlich spannend.

Das Ausmaß an Enttäuschung spricht indes aus jeder Zeile am Ende von Scotts Tagebuchs, das er in der Tat bis zu seinem letzten Atemzug führte, während Amundsens Expeditionsbericht nur kurz davon entfernt war, in Dutzende Sprachen übersetzt zu werden und ihn zum berühmtesten Abenteurer seiner Zeit machen sollte.

Während seine Aufzeichnungen eher Beobachtungen sind und einen wissenschaftlichen Charakter haben, sein Bericht ist mit rund 180 Seiten nur etwa halb so lang wie der seines Kontrahenten, haben Scotts Darstellungen auch und gerade einen ästhetischen Wert, denn sie zeichnen in eindringlicher Weise die Autobiographie eines Mannes nach, der mit großem Mut und Willenskraft einem tragischen Schicksal trotzt, was ihn bis heute in seiner Heimat, obwohl er versagt hat, zum Helden macht.

Wenngleich sich beide Männer nie persönlich kennengelernt haben, ihre Biografien werden für alle Ewigkeit miteinander verwoben sein.

Beide Tagebücher sind mit Karten, Fotos und Erläuterungen ergänzt worden und kosten je 24 Euro. Sie spiegeln eine Zeit, als viele Teile der Welt noch unbekannt waren und Männer allein für Ruhm und Ehre ihre Leben aufs Spiel setzten. 

Sönke C. Weiss

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15.01.2020 Gulu ist überall in Afrika

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Meine erste Reise nach Gulu war im Jahr 2003, ein gutes Dutzend weiterer Aufenthalte folgten bis heute; im November 2018 und September 2019 entstand diese Fotoreportage, die aus etwa 150 Aufnahmen besteht und versucht, ein umfassendes Porträt dieser Stadt zu formen und von der ein kleiner Auszug hier zu sehen ist.

Doch wo zum Teufel ist Gulu?

Gulu liegt in Norduganda nahe der Grenze zum Südsudan. Es leben dort rund 150.000 Menschen. Die meisten von ihnen gehören der Volksgruppe der Acholi an. Von 1987 bis 2006 führte die Widerstandsarmee des Herrn, eine militärisch-religiöse Kultbewegung, einen Bürgerkrieg gegen die Zivilbevölkerung, den die Weltöffentlichkeit so gut wie nicht wahrnahm.

Es gab mehr als 100.000 Tote, gut zwei Millionen Menschen wurden zu Binnenflüchtlingen, schätzungsweise 100.000 Kinder wurden als Kindersoldaten mißbraucht, in den letzten Kriegsjahren suchten Nacht für Nacht Zehntausende Jungen und Mädchen aus den Gemeinden rund um Gulu Schutz in der Stadt und wurden so zu sogenannten Nachtpendlern, die ich selbst erlebt habe.

Die Regierung in Kampala sah dem jahrelangen Morden untätig zu, weil politische wie soziale Veränderungen schon immer ihren Anfang in Gulu genommen hatten und die Volksgruppe der Acholi dem heutigen Präsidenten Yoweri Museveni von jeher ein Dorn im Auge war und ist; unter anderem, weil die Mehrheit der Opposition Acholi sind.

So hoffte man denn, dass sich die nun selbst auslöschen würden. Diese Untätigkeit, man hätte den Konflikt auch als passiven Genozid bezeichnen können, hatte in der Tat zur Folge, dass sich die Kultur der Acholi vielfach aufgelöst hat und nicht viel von dem einst stolzen Volk übrig ist.

Die internationale Gemeinschaft, die viel Hilfe versprochen und wenig geliefert hat, die internationalen Hilfswerke, die meist viel zu spät kamen und dann viel zu schnell zum nächsten Konflikt weitergezogen sind, statt beim Aufbau einer neuen Zivilgesellschaft zu helfen, sie alle haben die Acholi mit ihrer posttraumatischen Lebenssituation so gut wie allein gelassen; doch es geht voran in Gulu.

Die Wunden des Krieges heilen langsam, trotz aller Probleme wie Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, häuslicher Gewalt und Armut. Eine neue Generation wächst heran. Sie strahlt Zuversicht, Mut und den Willen zur Eigenständigkeit aus.

Gulu entwickelt sich zu einer vibrierenden Schnittstelle zwischen dem Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo und eben Uganda. In gewisser Weise ist Gulu für mich archetypisch für Afrika.

Denn trotz aller Schwierigkeiten lieben die Menschen ihre Heimat, die sie nicht verlassen wollen. Auch das möchte ich mit diesem Langzeitprojekt zum Ausdruck bringen. Wo zum Teufel ist Gulu? Gulu ist überall in Afrika.

Sönke C. Weiss

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15.01.2020 „Allein und frei“ von Vivienne de Watteville

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Seit über 20 Jahren bereise ich Afrika, habe dort viele Jahre lang gelebt, Bücher über den Kontinent geschrieben, Filme gemacht und mit Hilfe von Fotos versucht, die Menschen in ihrer Alltäglichkeit einen Augenblick lang festzuhalten.

Ehrlich und mit Respekt. Diese Aufrichtigkeit, die ich mir zur Maxime gesetzt habe, ist mir in einem Buch begegnet, das jetzt zum ersten Mal in deutscher Sprache in der Edition Erdmann (www.verlagshausroemerweg.de) erschienen ist. Der Titel: „Allein und frei“.

Die Autorin: Vivienne de Watteville. Der Inhalt: 1923 bricht Vivienne mit ihrem Vater, einem passionierten Großwildjäger, zu einer anderthalbjährigen Safari nach Kenia, Uganda und dem ehemaligen Belgisch-Kongo auf, an deren Ende dieser von einem Löwen getötet wird.

1928 kehrt Vivienne zurück, dieses Mal ohne Gewehr, aber mit einem Fotoapparat. Denn sie will nicht mehr jagen, sondern dokumentieren, sich mit der Natur und den Tieren versöhnen und über eine Welt berichten, in der der Mensch genauso Teil des Universums ist wie jede Pflanze, jede Kreatur.

In ihrem Tagebuch, das im Druck 301 Seiten lang ist und 22 Euro kostet, bricht sie mit den Verhaltensmustern der Kolonialzeit und liefert ein faszinierendes Werk, in dem jeder Satz wahr klingt und aus der Seele zu kommen scheint: „Der Natur kannst du dich auf zweierlei Weise nähern.

Du kannst bewaffnet und als Feind in den Urwald gehen - oder dich freundlich in etwas hineinbegeben, das nicht nur dir, sondern auch allen anderen Lebewesen gehört. Dazwischen gibt es nichts.“

Viviennes Reise ist ihre schmerzhafte Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit, der Tod des geliebten Vaters, und gleichzeitig und wichtiger noch eine Abbitte gegenüber den Tieren, die er und sie so hemmungslos gejagt hatten, und dem Kontinent Afrika, den sie nun zum ersten Mal in seiner untrüglichen Pracht begreift.

Wir begegnen einer Frau, die darum ringt, unabhängig zu sein, die lernt, auf eigenen Beinen zu stehen, den heikelsten Situationen mutig zu begegnen und der es allmählich gelingt, ihre Einsamkeit auszuhalten und aus dieser schließlich Bewusstsein und Lebensfreude zu schöpfen, was das Geschilderte, selbst wenn es schon bald 100 Jahre her ist, sehr aktuell wirken läßt, insbesondere in seiner Sprache und Übersetzung von Klaudia Ruschkowksi, die den inneren Ton der Autorin haargenau trifft.

„Allein und frei“ ist ein ungewöhnliches und mutiges Buch, das mir weiß Gott den Atem geraubt hat. Leider ist Vivienne, die 1930 geheiratet und zwei Töchter bekommen hat, 1957 mit nur 57 Jahren viel zu jung an Krebs gestorben.

Ihre Erlebnisse und Eindrücke indes werden ewig leben. Ich wünschte, es gäbe mehr Bücher wie dieses. Vergesst Hemingways Macho-Afrika-Männerphantasien, lest über Vivienne de Wattevilles Rückkehr nach Afrika, ein unvergessliches Erlebnis.

Sönke C. Weiss

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