Reden ist silber, Schreiben ist gold

17.07.2020 Die Bürger werden gnadenlos zurückschlagen

GFDK - Reden ist Silber - Rainer Kahni

Erstveröffentlichung am 31.03.2017, aber immer noch lesenswert, auch weil sich nichts geändert hat.  Zur Zeit wird Angela Merkel in den "Echokammern" der Medien wieder als Bundeskanzlerin gelobt. Der "Schulz-Effekt" scheint verpufft zu sein und die CDU hat Oberwasser.

Ein Rückblick sei da gestattet.

11. Dezember 2016 - Wolfgang Bosbach äußerte sich auf Welt-Online zum CDU Parteitag, der Krönungsmesse für Angela Merkel, und das ließ tief blicken. Ob die Merkel-CDU überhaupt noch etwas mit Demokratie zu tun hat, sollte man sich mal Fragen. Vermissen werde er Parteitage mit Sicherheit nicht, so Bosbach.

Viel zu viele Rituale seien etabliert worden, beklagte er. „Das beginnt schon am Vorabend des Parteitags, wenn hochmotivierte Landesvorsitzende den Delegierten im Detail erklären, wie sie sich zu verhalten haben, wie sie sich bei Abstimmungen zu entscheiden haben und wen sie zu wählen haben.

Langer Applaus für Merkel und Ruhe in Frieden

Auch Erklärungen, wie lange man für die Bundesvorsitzende diesmal zu applaudieren habe, wollte Bosbach nicht mehr hören. Wenn dann auch noch Anliegen von Parteimitgliedern „an die Bundestagsfraktion überwiesen“ würden, könne er nur noch lachen. „Das heißt in der Mehrheit der Fälle: Ruhe in Frieden.“

Und so kam es wie es kommen mußte. 89,5 Prozent der fast 1000 Delegierten huldigten der Königin und sprachen Angela Merkel das "Vertrauen" aus. Damit bleibt Angela Merkel zwei weitere Jahre im Amt, und wir haben sie noch sehr lange als Bundeskanzlerin an der Backe.

Offene Worte von Rainer Kahni für Frau Angela Merkel: "Was wir geschafft haben, sucht seinesgleichen!" Wohl wahr, Frau Bundeskanzlerin! Sie haben es geschafft, eine deutsche Verfassung gemäss Artikel 146 GG zu verhindern. Sie haben es geschafft, immer wieder gewählt zu werden, obwohl jedes Ihrer Wahl zugrunde liegende Wahlgesetz grundgesetzwidrig war.

Sie haben es geschafft, dass zwei Bundespräsidenten IHRER Wahl aus dem Amt ausschieden. Sie haben es geschafft, dass Deutschland sich auf internationalem diplomatischen Parket mit den Stimmenthaltungen zu Libyen und Palästina bis auf die Knochen blamierte! Sie haben es geschafft, dass Ihnen Isreal keine drei Tage später eine lange Nase zeigte und neuen Landraub ankündigte.

Deutschland hat jede Glaubwürdigkeit als ehrlicher Makler verloren

Sie haben es geschafft, dass Deutschland jegliche Glaubwürdigkeit als ehrlicher Makler zwischen den Fronten in der arabischen Welt verloren hat. Sie haben es geschafft, dass Deutschland in zahlreiche schmutzige Kriege auf der ganzen Welt verwickelt wurde, die allesamt grundgesetzwidrig sind. Sie haben es geschafft, Deutschland in der Euro-Krise von der hässlichsten Seite zu zeigen:

"Irgendwann wird Angela Merkel von ihren eigenen Leuten gemeuchelt"

Mit einer masslosen Arroganz und neu erwachtem Chauvinismus ziehen Sie über die "faulen" Menschen in Südeuropa her und zwingen Sie mit immer härteren Spar-Diktaten in den Ruin, ohne den Menschen durch ein gleichzeitiges Investitionsprogramm neue Hoffnung zu geben.

Sie haben es geschafft, dass Deutschlands Wirtschaft mit neun Millionen Billiglöhnern, Leiharbeitern und ohne gesetzliche Mindestlöhne unlauteren Wettbewerb in Europa und der ganzen Welt betreiben kann, um dort die Volkswirtschaften zu ruinieren und zu Hause die Reichen reicher werden zu lassen.

Reallöhne so niedrig wie 1991

Sie haben es geschafft, dass seit 1991 die Reallöhne in Deutschland um 20,7% gesunken sind, während ihre Klientel immer reicher wurde. Sie haben es geschafft, die Armutsberichte zu fälschen, um Ihre Klientel - Politik zu verschleiern.

Gleichzeitig haben Sie es geschafft, dass Deutschland zum dritt - grössten Waffenexporteur der Welt wurde. Sie haben es geschafft, dass Deutschland mit Österreich und Tchechien die einzigen Länder von 27 EU - Staaten sind, die nicht einmal die Mindestanforderungen an einen demokratischen Rechtsstaat erfüllen.

Sie habn es geschafft, das Deutchland keine Trennung von Judikative, Executive, Legislative und keine Trennung von Kirche und Staat kennt. Und nun werden Sie wahrscheinlich erneut mit einem Ergebnis zur CDU - Parteivorsitzenden gewählt, das Diktatoren von Unrechtsstaaten vor Neid erblassen lassen würde.

Angela Merkel ist alternativlos und daher ohne Gegenkandidat

Sie haben es ja schliesslich auch geschafft, dass es gar keinen Gegenkandidaten bei der Wahl gibt. Richtig Frau Dr. Merkel: Wenn sich in Deutschland zwei Kandidaten um ein Amt bewerben, dann ist die Partei zerstritten, wenn es nur einen Kandidaten gibt, dann ist das eine Wahl. Ja, Frau Dr. Merkel, Sie haben uns alle geschafft.

Marc Friedrich und Matthias Weik habe auf Focus-Online eine Prognose gewagt die man beachten sollte.
 

"Die Wahlen sind eine Abrechnung mit den Eliten. Trump wurde nicht zum Präsidenten gewählt, weil er so ein toller Hecht ist, sondern weil die Menschen es satthaben, dass sich das oberste Prozent der Bevölkerung ausschließlich um sich selbst kümmert und sich bereichert, während der Rest auf der Strecke bleibt und obendrein für dumm verkauft wird.

"Sollten die Eliten nicht ganz schnell anfangen umzudenken, werden die Bürger mit einer urdemokratischen Waffe gnadenlos zurückschlagen – mit ihrem Wahlzettel. Dann werden in Zukunft noch ganz andere Personen als Donald Trump das Zepter der Macht ergattern. Der Ball liegt jetzt bei denen oben. Wenn sie nicht beginnen, etwas zu Gunsten aller Menschen, anstatt nur ihresgleichen zu verändern, dann werden sie abgewählt werde

Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.

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16.07.2020 ein streng gehütetes Familiengeheimnis

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

„Unschuldige Täter“ - erschienen für 22 Euro bei Tropen (www.tropen.de) - heißt der neue Roman des erfolgreichsten japanischen Kriminalschriftstellers Keigo Higashino: In dem malerischen Küstenort Harigaura findet eine Konferenz zur Erschließung von Bodenschätzen statt.

Das Thema polarisiert; die eine Seite der Bevölkerung fürchtet um die Zerstörung der Natur, die andere hat nur Reichtum im Sinn; doch als die Leiche eines Mannes gefunden wird, stößt Kriminalkommissar Kusanagi auf ein streng gehütetes Familiengeheimnis, das von der Vergangenheit bis in den heutigen Tag reicht.

Higashino schafft es auch in diesem Buch, aktuelle politische Ereignisse mit Fiktion zu verschmelzen und seiner Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, insbesondere wenn es darum geht, den Anschein zu wahren, dabei überrascht er den Leser immer wieder und hält einen Spannungsbogen über 428 Seiten, die süchtig nach mehr machen.

Übersetzt hat „Unschuldige Täter“ Ursula Gräfe, die 2019 mit dem Noma Award for Translation of Japanese Literatur ausgezeichnet wurde.

Um Wahrnehmung vs. Wirklichkeit geht es auch im neuen Roman des russischen Autoren Andrej Kurkow mit dem Titel „Kartografie der Freiheit“ oder anders gesagt: Europäischer Traum, lebst du noch?

Es ist die Nacht, in der sich die Grenzen öffnen; drei junge Paare entschließen sich, ihre Heimat Litauen zu verlassen und ihr Glück in Westeuropa zu suchen. London, Paris, egal, Hauptsache weg.

Menschlich packend schildert Kurkow die Lebenswege seiner Heldinnen und Helden, gleichzeitig erzählt er die Geschichte einer Generation „neuer“ Europäer.

Hoffnungen und Enttäuschungen wechseln sich ab, uns „alten“ Europäern wird auch hier der Spiegel vorgehalten und stellt so manches Wertesystem in Frage, insbesondere der Begriff Leitkultur bekommt so eine neue und ehrlichere Bedeutung, als uns so mancher Politiker zu suggerieren versucht.

(Der Autor bezeichnet sich übrigens selbst als Europa-Optimist und Europa-Realist.) „Kartografie der Freiheit“, erschienen bei Haymon (www.haymonverlag.at) im zauberhaften Österreich, ist ganz gewiß kein Somermärchen, selbst wenn es um Träume geht. Die 624 Seiten kosten 29,90 Euro.

Sönke C. Weiss

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11.07.2020 Alles begann am 25.5.2020

GFDK - Reden ist Silber - Matthias Hausladen

Ein Leser wendet sich an unsere GFDK Redaktion und berichtet über die Zustände in den Niederbayrischen Krankenhäusern. Das Erstaunlichste ist, in den letzten Monaten, sind unsere Krankenhäuser und das Personal über den grünen Klee in den Medien und von den Politikern gelobt worden.

Nur, dass was wir hier zu Lesen bekommen haben, sollte zu denken geben, wie es vor allen um unsere älteren Patienten bestellt ist. Ist das alles nur ein schöner Schein, der uns da vorgegaukelt wird?

Hier nun der Brief

Alles begann am 25.5.2020, mein an Herzinsuffizienz leidener Großvater muss sich wegen Wasserödemen in Behandlung begeben. Er wird bis 29.5 von seinen Beschwerden befreit und will nach Hause.

Da kommt der Oberarzt ins Spiel (der erste im Bunde, der der deutschen Sprache nicht allzu mächtig ist) und verweist auf die schlechten Nierenwerte, die unbedingt behandelt werden müssen.

Aus purer Angst lassen wir uns dazu überreden. Doch schnell wird klar, er verträgt die Medikamente nicht. Es geht jeden Tag mehr und mehr abwärts. Auch nach mehrmaligen Gesprächen hören die Ärzte nicht mit der Behandlung auf.

Als mein Großvater, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist und 50 Jahre Unternehmer war die Schwester auffordert die Infusion zu beenden, wird dem Wunsch nicht entsprochen.

Im Gegenteil der Oberarzt kommt mit dem Stationsarzt (dieser spricht noch schlechteres Deutsch) und erklärt ihm "hier passiert was er sagt" und die Infusion bleibt. Es geht weiter abwärts, nichts geschiet.

Durch Corona kann nur meine Mutter in Krankenhaus. Schließlich bricht mein Großvater die Behandlung ab und geht auf eigenen Wunsch nach Hause. Unser Hausarzt hat bis heute keinen vernünftigen Abschlußbericht.

Mein Großvater wurde innerhalb 5 Tage pflegebedürftig und ist jetzt nach 5 Wochen einigermaßen erhohlt.

Am 26.6. geht es mit meiner Großmutter weiter. Der Hausarzt überweist sie in stationäre Behandlung mit dem Verdacht eines sich nähernden Schlaganfalls. Sie wurde am 30.6. 84 Jahre alt.

Als der Krankenwagen in einem anderen Kreiskrankenhaus angekommt stellen die Ärzte Fieber fest. Anstatt einen Schnelltest zu machen, wird der normale Test (der einige Tage dauert) veranlasst.

Meine Großmutter kommt auf die Corona Station und nichts geschieht. Ich muss vorweg nehmen, die Schwester auf der Corona Station hat sich vorbildlich gekümmert.

Doch kein Arzt ist ans Telefon zu bringen und meine Großmutter versteht keinen dort, wen wundert es,  da keiner deutsch spricht. Die Tage vergehen sie bekommt Infusionen und Katheter gelegt. (Man muss wissen, am Freitag Vormittag ist sie noch Auto gefahren), da die Entzündungswerte hoch sind. OK. Das verstehe ich. Aber es geht um keinen sich nähernden Schlaganfall mehr, sondern nur noch ob der Corona Test positiv oder negativ ist. Sonst nichts.

Am Montag, endlich die erlösende Nachricht - kein Corona. Sie kommt auf die Innere. Das Thema Schlaganfall ist längst erledigt und wird auch nicht mehr verfolgt. Jetzt komme ich ins Spiel.


Ich schlage im Krankenhaus auf. Meine Großmutter mittlerweile durch das viele liegen wackelig auf den Beinen hangelt sich vom Bad gerade zum Bett. Ich komme gerade noch rechtzeitig, da beim Bett nicht mal die Feststellbremse angezogen ist. Ich will ein Gespräch mit dem Stationsarzt.

Die Dame weiss von nichts und ganz ehrlich ich war sehr bemüht, hab aber fast nichts verstanden. Es geht hin und her. Sie behandeln den Sauerstoffmangel und die Entzündungswerte.

Mehr wollen wir auch gar nicht mehr. Plötzlich meldet sich der medizinische Dienst. Ansage: "Ihre Mutter verweigert jegliche Hilfe". Gegenfrage: "braucht sie den Hilfe"? Dann wurde mir in perfekten Deutsch erklärt, dass sich meine Großmutter gerade zum Pflegefall entwickelt und wir tätig werden müssen.

Die junge Dame hat einen Wind gemacht, unglaublich. Ein Pflegedienst muss her, ein Sanitätshaus benannt werden. Was wir machen. Es kommt wie es kommen muss, nicht das genannte meldet sich, sondern das, dass die Dame will.

Ich hätte nicht mal interveniert, wenn sie nicht so auf einen bestimmten Pflegedienst bestanden hätte. Plötzlich habe ich das Gefühl bekommen da steckt Methode dahinter. Ich bin fest überzeugt, dass sich die Zusammenarbeit lohnen wird. 

Jetzt ist meine Großmutter zu Hause, ein Pflegebett steht im Wohnzimmer und die Welt dreht sich weiter. Sie selbst sagte mir, dass sie ca. 8 Ärzte gesehen hat und nur eine junge Ärztin sprach deutsch.

Sie hat nichts verstanden und fühlte sich überrannt und übervorteilt. Zumindest gibt es einen Arztbericht und einen Befund. Unser Hausarzt muss jetzt den Blutdruck einstellen, weil die das nicht machen konnten. Was soll ich dazu noch sagen.

Ich kann nicht sagen, ob ich mich nur so ärgere oder ob es mich einfach nur traurig macht wie mit unseren Alten umgeganen wird...

Matthias Hausladen

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07.07.2020 Schicksalsmelodie

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

„Liebe heißt, nie um Verzeihung bitten zu müssen.“ Erinnern Sie sich noch an diesen Satz? Na klar. „Love Story“ von Erich Segal. Seit 50 Jahren der Klassiker der Liebes-Literatur. Jetzt bei Fischer (www.fischerverlage.de) für 12 Euro in einem handlichen Kleinformat für die Hosentasche wunderbar neu aufgelegt.

Hier noch mal kurz eine Zusammenfassung für die Nichteingeweihten: Oliver, aus reichem Hause, und Jenny, aus ärmlichen Verhältnissen, sind zwei Studenten, die sich Hals über Kopf ineinander verlieben und allen Hindernissen zum Trotz heiraten, auch dass Oliver enterbt wird, kann sie nicht davon abhalten.

Ohne Geld sind sie glücklich und alles scheint perfekt für sie zu laufen, doch dann erfährt das Paar, dass ihre Liebe nicht von Dauer sein kann.

„Love Story“ wurde 1970 äußerst erfolgreich mit Ryan O’Neal und Ali McGraw in den Hauptrollen verfilmt, die Titelmusik, in Deutschland als Schicksalsmelodie bekannt, erhielt sogar einen Oscar.

Ich empfehle Buch wie Film, beide sind zeitlos schön und romantisch, und lassen einen an die ewige Liebe glauben, selbst wenn sie unseren beiden Helden nicht vergönnt ist.

Die 70er Jahre waren auch der Höhepunkt in der Karriere von „Joni Mitchell“, die David Yaffe in der gleichnamigen Biografie sehr eindrucksvoll porträtiert.

Brillant führt uns der Autor durch Mitchells Entwicklung als Musikerin, voller imposanter Beschreibungen über die Entstehung jedes einzelnen Albums von Song to a Seagull bis Shine aus dem Jahre 2007.

Dutzende Interviews mit der Künstlerin selbst - oftmals innerlich zerrissen, verletzlich in ihrer ganzen Person, ein Freigeist des Lebens - sowie Freunden und Geliebten - zum Beispiel Leonard Cohen und David Crosby - liegen den 583 kurzweiligen Seiten zugrunde und ist der Musik Mitchells würdig, die übrigens wunderbar zur Lektüre von „Love Story“ passt.

„Joni Mitchell - Ein Porträt“ ist bei Matthes & Seitz Berlin (www.matthes-seitz-berlin.de) erschienen und kostet 28 Euro.

Was ich indes schade finde: In der US-amerikanischen Originalausgabe heißt das Werk „Reckless Daughter“ - also Rücksichtslose Tochter. Ein Titel, der der Künstlerin wirklich gerecht wird und den sie mit Stolz trägt.

Sönke C. Weiss

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07.07.2020 asoziale Holländer

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Kurz und knapp, dafür saftig - Deutschland diskutiert über die Maskenpflicht im Kampf gegen Corona. Mal wieder. Dabei ist die Sache ganz einfach: Wer beim Einkaufen oder in der Bahn keine Maske trägt, handelt asozial, schreibt der Reporter Christoph Seidler vom Spiegel.

Nun ich war gestern in Holland. Dort hatte niemand eine Maske in den Geschäften auf, weil sie es auch nicht müssen. Demnach sind wohl, für das Spiegel-Männlein, alle Holländer und auch die dortige Regierung asozial. Das wird unsere lieben Nachbarn sicherlich freuen. Ich rate Herrn Seidler dringend davon ab, in der nächsten Zeit seinen Urlaub in Holland zu verbringen.

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06.07.2020 Die alpine Heimsuchung

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Die alpine Heimsuchung - Ruhig sieht das Dorf aus, verlassen, keineswegs wie ein Tourismus-Ungeheuer mit 250 Millionen Euro Umsatz jährlich und 1,4 Millionen Übernachtungen bei knapp 1.600 Einwohnern. Delirium Alpinum. Ischgl in Tirol. Eine Heimsuchung.

Ein nie enden wollender Rausch. Vermutlich die Partnergemeinde von Sodom und Gomorrah. Aber auch eines der besten Skigebiete in den Alpen und Hochburg der - auf Neudeutsch - Eventkultur und seit Corona auch Drehscheibe der Ausbreitung von Covid-19 für ganz Europa und vermutlich darüber hinaus.

In seinem jüngsten Fotoband „Ischgl“ zeigt Lois Hechenblaikner Schreckensbilder dieser enthemmten und zügellosen Urlaubswelt, dass einem sofort klar wird, warum sich das Virus so rasant hat ausbreiten können:

Ausufernde Aprés-Ski-Orgien und andere Exzesse, die sprachlos machen. Hechenblaikner war mit seiner Kamera so gnadenlos mitten unter diesen Menschen, dass ich schon Anblicken seiner Fotos den Wahnsinn dieser verantwortungslosen Vergnügungsindustrie fühlen konnte.

„Ischgl“ irritiert, ist aber alternativlos, kommt einem einzigen Grenzgang nahe, verspricht und liefert eine visuelle Herausforderung, versprüht pure visuelle Wucht, der Hammer unter den neuesten Fotobüchern und geht es zur Zeit auch verkaufstechnisch durch die Decke, die dritte Auflage ist bereits im Druck, was für dieses Buchgenre sehr ungewöhnlich ist.

Alkohol. Hormonstau. Abfall. Chaos. Ich war den 240 Seiten ausgeliefert. Besonders auch wegen der Aktualität. Als „Ischgl“ bei Steidl (www.steidl.de) erschien, wurde die Quarantäne über dem Ort aufgehoben.

Der Spuk verspricht schon bald wieder zu beginnen. „Ischgl“ kostet 34 Euro, für eine Flasche Wein blättern Mann wie Frau dort schon mal 3.000 hin. Zum Wohl!

Sönke C. Weiss

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06.07.2020 Davis Bowie der Bücherwurm

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

David Bowie hasste Flugzeuge. So es ihm möglich war, reiste er mit dem Zug, wobei er in speziellen Koffern stets seine mobile Bibliothek mit sich führte, was für den einen oder anderen Leser eine Überraschung sein mag, aber David Bowie, einer der größten musikalischen Künstler der zurückliegenden Jahrzehnte, liebte Literatur.

Er sagte: „Die einzige Kunst, mit der ich mich jemals beschäftige, ist die, bei der ich mich bedienen kann.“ Bowie hat immer und überall gelesen, vor Konzerten, nach Konzerten, im Drogenrausch und während des Entzugs; er hat Rezensionen verfasst und sprach pausenlos über die unzähligen Werke, die er über die Jahre verschlungen hat.

Ob es Der Fremde von Albert Camus war, Madame Bovary von Gustave Flaubert, die Ilias von Homer, Unterwegs von Jack Kerouac oder Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, sie alle waren bis zu Bowies Tode 2016 im Alter von nur 69 Teil seines Lebens.

100 dieser Bücher stellt der Londoner Journalist John O’Connell jetzt mit Hilfe kurzer Essays in „Bowies Bücher“ vor; jeder gibt uns einen neuen Einblick in den Mann Bowie, wie die Literatur seine Musik beeinflusst hat und lassen uns so einen Künstler neu kennenlernen, der über vier Jahrzehnte wie kaum ein anderer die Musikwelt geprägt hat.

Die Wahl dieser Bücher stammt übrigens von Bowie selbst. Er hat sie 2013 für die Londoner Ausstellung „David Bowie Is“ zusammengestellt, eine Retrospektive seiner Karriere mit Rekordbesucherzahlen, wo sie zum Teil von der Decke des The Victoria & Albert Museums hingen.

Es sind die für ihn wichtigsten und prägendsten Bücher. Und schaut man sich die Werke genauer an, werden folgende zwei Muster deutlich:

Das erste bilden die kulturellen Elemente, die Bowies künstlerisches Empfinden formten; das zweite zeigt einen Weg durch Bowies Leben vom Kind zum Teenager und vom drogenumnebelten Superstar zum zurückgezogen lebenden Familienmenschen auf.

Bowie hat sich - zum Glück - nie in oberflächlichen Interviews oder einer selbstherrlichen Autobiografie gemein gemacht hat. (In der Bowie-Biografie „Ein Leben“ von Dylan Jones kommen nur Weggefährten und Kollegen zu Wort.)

Wer also war David Bowie? Ich denke, die Antwort steckt in seinen Lieblingsbüchern. „Bowies Bücher“ ist frisch bei Kiepenheuer & Witsch (www.kiwi-verlag.de) erschienen, hat knapp 400 Seiten und kostet 16 Euro. Großartig!

Sönke C. Weiss

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06.07.2020 The Atmosphere of Crime

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Als ehemaliger Polizeireporter bin ich von dem Fotoband „The Atmosphere of Crime, 1957“ des US-amerikanischen Fotografen Gordon Parks restlos begeistert:

Als das Life-Magazin Gordon Parks 1957 bat, eine Reihe von Artikeln über Kriminalität in den USA zu illustrieren, war er bereits seit fast einem Jahrzehnt fest bei Life angestellt, der erste Afroamerikaner, der diese Position innehatte.

Parks begab sich auf eine sechswöchige Reise, die ihn auf die Straßen von New York, Chicago, San Francisco und Los Angeles führte.

Im Gegensatz zu vielen seiner früheren Arbeiten fotografierte er dieses Mal in Farbe. Der daraus resultierende achtseitige Fotoessay "The Atmosphere of Crime" war nicht nur wegen seiner kühnen ästhetischen Raffinesse bemerkenswert, sondern auch, weil er Stereotypen über Kriminalität in Frage stellte, die damals in den Mainstream-Medien allgegenwärtig waren.

Parks lieferten eine farbenprächtige Darstellung einer weitgehend verborgenen Welt: Gewalt, Polizeiarbeit und Inhaftierung, gesehen mit Empathie und Offenheit.

Parks lehnte Klischees von Kriminalität, Drogenkonsum und Korruption ab und entschied sich für eine differenziertere Sichtweise, die die sozialen und wirtschaftlichen Faktoren spiegelte, die mit kriminellem Verhalten verbunden sind.

Parks tat das, was er am besten konnte: die Realität so lebendig und überzeugend aufzunehmen, dass der Betrachter die Komplexität dieser in den Revolverblättern seiner Zeit chronisch vereinfachten Situationen erkannte.

„The Atmosphere of Crime, 1957“, vor wenigen Wochen bei Steidl (www.steidl.de) für 38 Euro erschienen, enthält auf 120 Seiten eine umfangreiche Auswahl nie zuvor veröffentlichter Aufnahmen aus der Originalreportage von Parks (1912 - 2006), der als erster afroamerikanischer Fotograf und Filmemacher landesweite Beachtung in den USA fand.

Sönke C. Weiss

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05.07.2020 Klima- und Coronahysterie, Rassismushysterie

GFDK - Reden ist Silber - Klaus Miehling

Zur Klima- und Coronahysterie haben sie die Rassismushysterie hinzugefügt. Denkmäler werden besudelt oder gar gestürzt, der Film „Vom Winde verweht“ nicht mehr gezeigt, einzelne Folgen der Serie „Scrubs“ gelöscht.

Synchronsprecher der Serie „Die Simpsons“ geändert, Mohrenköpfe aus dem Sortiment genommen, nach dem Sarotti-Mohr auch die Werbefigur von „Uncle Ben‘s“ Reis eliminiert.

„Mohrenapotheken“ und „Mohrenstraßen“ umbenannt, die Flagge des US-Bundesstaates Mississippi geändert … und was die Selbstzensur nicht schafft, das zensieren die Sozialen Medien.

Man kann das nur noch als absoluten Wahnsinn bezeichnen. Wahrscheinlich hätte keine einzige dieser Maßnahmen eine Mehrheit in der Bevölkerung – trotzdem werden sie durchgesetzt. Wie kann das sein?

Warum lassen wir uns von einigen extremistischen Spinnern diktieren, wie wir uns zu verhalten haben, was wir reden und schreiben dürfen?

Das auch noch

Merkel, von der Leyen und Lagarde: „Das Damen-Trio mobilisiert gemeinsam also mehr als 2.000.000.000.000 Euro. Würde man diese Menge in 50-Euro-Scheinen der Länge nach hintereinanderlegen, könnte man 140-mal um die Erde kommen.

Alternativ könnte man - nach Berechnung des Frankfurter Mathematikprofessors Matthias Ludwig - damit das deutsche Autobahnnetz zweimal komplett bekleben - und das in Österreich und der Schweiz gleich mit dazu, inklusive Leitplanken und Standstreifen.“

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04.07.2020 Werbeboykott Facebook

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Eines muß ich mal loswerden. Ich habe 1300 "Freunde" bei Facebook, und habe in den vergangenen 10 Jahren, weder auf meiner Seite, noch bei den "Freunden" jemals einen Hasskommentar gelesen. Ok: Es hat mal einer geschrieben, der alte weiße Mann soll aufhören zu schreiben. Nun gut, damit kann ich Leben. Aber das Unternehmen und Konzerne sich nun als Wächer aufspielen, geht mir zu weit.

Die Streamingplattform Twitch hat den Account des Wahlkampfteams von US-Präsident Donald Trump vorübergehend gesperrt. Grund dafür sind Hassinhalte und der Verstoß gegen die Community-Richtlinien der Plattform, wie mehrere US-Medien unter Berufung auf eine Twitch-Sprecherin berichteten.

Twitch, gehört zum Amazon-Konzern. Das Jeff Bezos und Donald Trump keine Freunde sind, ist ja auch bekannt.

Die Plattform Reddit sperrte die bei Trumps Anhängern beliebte Gruppe "The_Donald", die laut "New York Times" zuletzt knapp 800.000 Mitglieder hatte. "Gefährliche Individuen" oder Organisationen werden nun auch bei Facebook  gesperrt.

Werbeboykott gegen Facebook

Facebook ergreift unter dem Druck des Werbeboykotts erste Maßnahmen, um Hass und Hetze auf seiner Plattform den Riegel vorzuschieben. Wie das Unternehmen mitteilte, wurden rund 320 Konten, mehr als 100 Gruppen und 28 Seiten des rechtsextremen und regierungsfeindlichen "Boogaloo"-Netzwerks aus den USA gesperrt.

Die Bewegung bemühe sich aktiv darum, Gewalt gegen Zivilpersonen, Sicherheitskräfte, Beamte und Regierungsinstitutionen anzustacheln.

In seiner Erklärung betonte Facebook, dass man gewaltverherrlichende Inhalte der Bewegung seit Monaten entferne. Nun aber gehe man noch einen Schritt weiter. Davon ist nicht nur das Boogaloo-Netzwerk betroffen.

Daneben wurden auch noch 400 weitere Gruppen und über 100 Seiten gesperrt, die gemäß Facebooks Richtlinien als gefährliche Individuen oder Organisationen einzustufen sind.

Für die freie Meinungsäußerung

Facebook wehrt sich: "Wir investieren jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar in Mitarbeiter und Technologien, um unsere Plattform sicherer zu machen, schrieb der Chef der globalen Unternehmenskommunikation von Facebook, Nick Clegg.

"Wir haben die Zahl der Menschen, die für die Sicherheit unserer Plattformen zuständig sind, verdreifacht auf mittlerweile mehr als 35.000 Personen", berichtet Clegg.

Wenn Inhalte weder als Hassrede eingestuft würden noch gegen andere Richtlinien wie zum Beispiel Wahlbeeinflussung verstießen, entscheide man sich im Zweifel für die freie Meinungsäußerung."

Nick Clegg nimmt in seinem Gastbeitrag, der in Deutschland in der FAZ erschienen ist, das Netzwerk in Schutz. In den täglich mehr als 100 Milliarden Nachrichten und Interaktionen sei nur ein "winziger Bruchteil" hasserfüllt.

"Bei so vielen Inhalten, die jeden Tag veröffentlicht werden, ist das Entfernen von Hassrede wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen", schreibt der Ex-Politiker.

"Wenn wir Hassrede auf Facebook und Instagram finden, verfolgen wir einen Null-Toleranz-Ansatz und entfernen sie." Mittlerweile haben sich über 300 Unternehmen dem Werbeboykott gegenüber dem sozialen Netzwerk angeschlossen. Dazu muß man Wissen, Facebook hat über sieben Millionen Kunden.

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