Reden ist silber, Schreiben ist gold

15.04.2012 "Dann greift sie und tötet sie, wo ihr sie findet"

Heinz Sauren

Lies den Koran ist das Motto der Kampagne “Lies!”, bei der deutsche Salafisten 25 Millionen Koran-Übersetzungen kostenlos verteilen wollen. 300.000 Exemplare wurden bereits unters Volk gebracht.

Generell gibt es nichts gegen das Glaubensbekenntnis zum Islam zu sagen. Religion ist Privatsache und das ist auch gut so. Problematisch wird die Werbung für eine Glaubensgemeinschaft, die die verfassungsrechtliche Ordnung dieses Landes in Frage stellt. Genau an diesem Punkt ist gegen den Koran und die Salafisten Stellung zu beziehen und diesem Treiben Einhalt zu gebieten.

Die Scharia das einzig geltende Gesetzeswerk

Nach der Überzeugung der salafistischen Strömungen im Islam ist jede pluralistische Gesellschaft abzulehnen und zu bekämpfen, die Scharia das einzig geltende Gesetzeswerk, Gewalt gegen Frauen zur Züchtigung nach den Regeln des Koran und der Hadithen legitim und alle Bemühung auf die Errichtung eines Gottestaates zu richten.

Auch der Koran richtet sich gegen eine freiheitliche Weltordnung, zumindest gesteht er den Ungläubigen, also Christen keine Freiheiten zu und bedroht sie in ihrer Freiheit sowie ihr Leben.

Der Koran sagt dazu: Sure 2, Vers 193: “Und bekämpfet sie, bis die Verführung zum Unglauben aufgehört hat, und der Glaube an Allah da ist. …” Sure 2, Vers 216: “Vorgeschrieben ist euch der Kampf, doch ist er euch ein Abscheu. Aber vielleicht verabscheut ihr ein Ding, das gut für euch ist, und vielleicht liebt ihr ein Ding, das schlecht für euch ist; und Allah weiß, ihr aber wisset nicht.”

Sure 4, Vers 74: “Und so soll kämpfen in Allahs Weg, wer das irdische Leben verkauft für das Jenseits. Und wer da kämpft in Allahs Weg, falle er oder siege er, wahrlich dem geben wir gewaltigen Lohn.” Sure 4, Vers 76: „Wer da glaubt, kämpft in Allahs Weg, und wer da nicht glaubt, kämpft im Weg des Tagut.

Nehmet aber keinen von ihnen zum Freund

So bekämpft des Satans Freunde. Siehe, des Satans List ist schwach.“ Sure 4, Vers 84: „So kämpfe in Allahs Weg; nur du sollst gezwungen werden; und sporne die Gläubigen an. …“ Sure 4, Vers 89: „Sie wünschen, dass ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, und dass ihr ihnen gleich seid.

Nehmet aber keinen von ihnen zum Freund, ehe sie nicht auswanderten in Allahs Weg. Und so sie euch den Rücken kehren, so ergreifet sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet; und nehmet keinen von ihnen zum Freund oder Helfer.“ Sure 4, Vers 89: „Sie möchten gern, ihr wäret ungläubig, so wie sie ungläubig sind, damit ihr gleich wäret.

Dann greift sie und tötet sie, wo ihr sie findet

Nehmt euch daher niemand von ihnen zu Freunden, solange sie nicht um Gottes willen auswandern! Und wenn sie sich abwenden, dann greift sie und tötet sie, wo ihr sie findet, …“ Sure 5, Vers 33: “Der Lohn derer, die gegen Allah und seinen Gesandten Krieg führen und im Land eifrig auf Unheil bedacht sind , soll darin bestehen, daß sie umgebracht oder gekreuzigt werden, oder daß ihnen wechselweise Hand und Fuß abgehauen wird, oder daß sie des Landes verwiesen werden.

Das kommt ihnen als Schande im Diesseits zu. Und im Jenseits haben sie eine gewaltige Strafe zu erwarten.” Dies war die Sure, die auf dem Zettel stand, den der Mörder Bouyeri mit einem Messer an die Brust seines Opfers Theo van Gogh geheftet hatte.

So haut ein auf ihre Hälse und haut ihnen jeden Finger ab

Sure 5, Vers 51: “Oh ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden; …” Sure 8, Vers 12: „ … Wahrlich in die Herzen der Ungläubigen werfe ich Schrecken. So haut ein auf ihre Hälse und haut ihnen jeden Finger ab.“ Sure 8, Vers 39: „Und kämpfet wider sie, bis kein Bürgerkrieg mehr ist und bis alles an Allah glaubt..“ Sure 8, Vers 41: „

Und wisset, wenn ihr etwas erbeutet, so gehört der fünfte Teil davon Allah und dem Gesandten und Verwandten und…“ Sure 8, Vers 60: „So rüstet wider sie, was ihr vermögt an Kräften und Rossehaufen, damit in Schrecken zu setzen Allahs Feind und euern Feind und andre außer ihnen, die ihr nicht kennt, Allah aber kennt. …“ Sure 9, Vers 5:

So erschlaget die Götzendiener, wo ihr sie findet

„Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die Götzendiener, wo ihr sie findet, und packet sie und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch bereuen und das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen, so lasst sie ihres Weges ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig.“ Sure 9, Vers 5:

„Und wenn nun die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Heiden, wo ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf! …“ Sure 9, Vers 111: „Siehe, Allah hat von den Gläubigen ihr Leben und ihr Gut für das Paradies erkauft. Sie sollen kämpfen in Allahs Weg und töten und getötet werden. … Freut euch daher des Geschäfts, das ihr abgeschlossen habt; und das ist die große Glückseligkeit.“


Sure 9, Vers 111: „Gott hat den Gläubigen ihre Person und ihr Vermögen dafür abgekauft, dass sie das Paradies haben sollen. Nun müssen sie um Gottes willen kämpfen und dabei töten oder den Tod erleiden. … Freut euch über euren Handel, den ihr mit ihm abgeschlossen habt. Das ist dann das große Glück.“

Sure 9, Vers 52: „Sprich: ‚Erwartet ihr etwa, dass uns nicht eins der beiden schönsten Dinge treffen wird?’ Und wir erwarten von euch, dass euch Allah mit einer Strafe treffen wird, sei es von Ihm oder durch unsere Hand. Und so wartet; siehe wir warten mit euch.“

Und erlahmet nicht in der Verfolgung des Volkes der Ungläubigen


Sure 61 , Vers 3 u. 4 : „Großen Hass erzeugt es bei Allah, dass ihr sprecht, was ihr nicht tut. Siehe Allah liebt die, welche in seinem Weg in Schlachtordnung kämpfen, als wären sie ein gefestigter Bau.“ Sure 4, Vers 104: „ Und erlahmet nicht in der Verfolgung des Volkes der Ungläubigen; leidet ihr, so leiden sie, wie ihr leidet. …“ Sure 47, Vers 35: „Werdet daher nicht matt und ladet sie nicht ein zum Frieden, während ihr die Oberhand habt; …“ Sure 5, Vers 38:

„Und der Dieb und die Diebin, schneidet ihnen ihre Hände ab als Lohn für ihre Taten. Dies ist ein Exempel von Allah, und Allah ist mächtig und weise.“

Es muss hier in aller Deutlichkeit betont werden, dass im Gegensatz zur Bibel der Koran von den Gläubigen und insbesondere die Salafisten bekennen sich ausdrücklich dazu, Buchstaben getreu verwirklicht werden muss und nicht interpretiert, oder an andere Regelwerke angeglichen werden darf.

Behauptungen, die besagen, dass diese Koranstellen nicht befolgt werden müssten oder anders ausgelegt werden könnten, sind unwahr und stehen den Forderungen des Koran selbst entgegen, als auch den Lehrbriefen der höchsten islamischen Lehranstalt, der iranischen Universität von Quom.


Die meisten dieser Zitate erfüllen nach deutschem Recht den Tatbestand der Anstiftung zu Verbrechen, §30 StGB, oder der öffentlichen Billigung einer Straftat, § 140 StGB.

Diese Grundhaltung lässt sich auch in dem YouTube-Video, das eine salafistische Gruppe ins Internet stellte, erkennen. Darin sind Journalisten der “Frankfurter Rundschau” und des “Tagesspiegels” bedroht worden, die es gewagt haben, über die Koran Verteilung kritisch zu berichten.

Und erschlagt sie die Ungläubigen, wo immer ihr auf sie stoßt

Die Bibel auf diese Art in muslimischen Ländern zu verbreiten, wäre übrigens bei Starfe verboten, da der Koran zu solcher Art Missionierung in Sure 2, Vers 191 sagt: “Und erschlagt sie die Ungläubigen, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben; denn Verführung zum Unglauben ist schlimmer als Totschlag,“  oder gänzlich unmöglich da die Einführung einer Bibel in einigen muslimischen Staaten wie Saudi Arabien, bei Strafe verboten ist.

Heinz Sauren studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
Rechtswissenschaften und Philosophie. Im weiteren bezeichnet er sich als Autodidakt.

Beruf: Schriftsteller
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS)

Berufung: Buchautor, Kolumnist, Essayist, Aphoristiker und Freigeist

Politische Ausrichtung
Politische Einstellungen sollten keinen Parteien-, sondern einen begründeten Sachbezug haben, daher reicht mein politisches Spektrum von rechtsliberal bis linkskonservativ und in Fällen empfundener Ungerechtigkeit, darf es auch mal etwas Anarchie sein.

Religiöse Einstellung
Die etwaige Existenz oder Nichtexistenz eines Schöpfergottes ist nicht, von persönlichen Präferenzen, gesellschaftlichen Definitionen oder einem Glauben daran, abhängig.

Seine Lieblingszitate

” Die meisten Menschen haben einen Erkenntnisradius gleich null, das nennen sie dann ihren Standpunkt.” Albert Einstein

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.” Theodor Adorno

Kontakt zu mir

E-mail: HeinzSauren@gmail.com

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28.03.2012 Einzeltäter - Einzeltäter - Einzeltäter

Marco Pino

Um die Mordserie von Toulouse ist es glücklicherweise und angemessen schnell wieder relativ ruhig geworden. Groß war in der vergangenen Woche weltweit die Bestürzung, gleichwohl die Sorge, es könne sich bei dem Täter um ein Mitglied einer der unzählbar vielen Terrororganisationen handeln, die in der jüngeren Vergangenheit mit tausenden Anschlägen weltweit für Angst und Schrecken sorgten.

Und der Verdacht lag durchaus nahe, dass das Motiv für die abscheulichen Taten jene menschenfeindliche, rassistische und hasserfüllte Ideologie sein musste, die weit über terroristische Milieus hinaus den Geist von Millionen Menschen befallen hat: Rechtsextremismus.

Dementsprechend groß war am vergangenen Donnerstag die Erleichterung als bekannt wurde, dass es sich bei dem Mörder von Toulouse um Mohammed Merah, einen Anhänger der Friedensreligion und folglich um einen Einzeltäter handelte.

Sein gänzlich überflüssiger und bedauernswerter Tod sorgte vor allem unter anderen Einzeltätern für große Bestürzung. In Toulouse liefen sich rein zufällig 30 Einzeltäter über den Weg, als jeder einzelne von ihnen ganz für sich allein für Mohammed Merah demonstrieren wollte.

Noch größer war die Anteilnahme im Internet: Über 10.000 Einzeltäter stolperten rein zufällig über eine Seite, die ein unbekannter Einzeltäter zur Huldigung Mohammed Merahs eingerichtet hatte, und bekundeten dort, freilich jeder einzeln, ihre Solidarität mit dem verstorbenen Einzeltäter.

Zudem wurde jüngst bekannt, dass es sich bei Abdelkader Merah, rein zufällig der Bruder des Getöteten, ebenfalls um einen Einzeltäter handeln könnte. Des Weiteren ließ Vater Merah, rein zufällig ebenfalls mit Mohammed und Abdelkader Merah verwandt, am Dienstag die trauernde Weltöffentlichkeit wissen, dass er gedenkt, den französischen Staat für die skandalöse Ermordung seines Sohnes anzuzeigen.

Derweil wurde dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira (deutsch: „EinzeltäterTV“) ein Video zugespielt, das offenbar Mohammed Merah bei seinen Einzeltaten zeigt. Der Einzeltäter soll seine Morde bekanntlich gefilmt haben.

Da Mohammed Merah tot ist und Abdelkader Merah im Gefängnis sitzt, mutmaßen Sicherheitskräfte, Journalisten und Imame, dass es noch einen dritten Einzeltäter geben muss, der das Video von den Einzeltaten an Einzeltäter-TV geschickt hat.

Das wäre durchaus möglich, denn Mohammed Merah hatte sich bekanntlich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet zum Einzeltäter ausbilden lassen. Dementsprechend gut könnte Merah mit anderen Einzeltätern vernetzt gewesen sein. Die Redaktion von EinzeltäterTV übergab das Video inzwischen der französischen Polizei.

Die Franzosen wiederum rätseln derzeit, was sie mit dem Leichnam des Einzeltäters machen sollen. In seiner Heimatstadt Toulouse möchten die Behörden die sterblichen Überreste Mohammed Merahs lieber nicht bestatten. Das Grab könnte schließlich zur Pilgerstätte für Einzeltäter werden.

Daher nahmen die Franzosen bereits mit Algerien Kontakt auf, jenem Land inmitten der Einzeltäterischen Welt, in dem Familie Merah ihre Wurzeln hat. Sollten auch die Algerier kein Interesse an einer Pilgerstädte für Einzeltäter haben, bliebe als letzter Ausweg wohl nur das, was die Amerikaner mit dem Leichnam des bekannten Einzeltäters Osama bin Laden gemacht haben: Ins Meer kippen. Am besten wohl in Einzelteilen.

Während die Ereignisse in Toulouse von deutschen Mainstream-Medien mit einer geradezu vorbildhaften Sachlichkeit behandelt werden, machen sich in den Sphären des Internets, insbesondere auf kruden Hetzer-Seiten wie „Politically Incorrect“, wildeste Spekulationen und krudeste Thesen breit.

Im Forum des bekannten, einzeltäterphoben Blogs wurden sogar Leserkommentare veröffentlicht, in denen es kruderweise hieß, Mohammed Merah sei kein Einzeltäter gewesen.

Auf „Politically Incorrect“ hatte es in der Vergangenheit immer wieder krude Behauptungen gegeben, weswegen die seriöse, für ihre Objektivität bis in die Andromedagalaxie bekannte Frankfurter Rundschau einst mit Blick auf den kruden Blog von einem „Netzwerk der Einzeltäterhasser“ sprach. Eine Bezeichnung, die zwar hart klingt, die sich nun aber einmal mehr zu bestätigen scheint.

Ruhig ist es indes um Aiman Mazyek geworden. Der Vorsitzende des Zentralrats der Einzeltäter in Deutschland hatte noch am vergangenen Donnerstag mit einem flammenden Plädoyer für Freiheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit auf sich aufmerksam gemacht.

Darin appellierte Mazyek an die Tausenden rechtsextremistischen Terrorzellen im Deutschland, gleichwohl an ihre Millionen und Abermillionen heimlichen Unterstützer in westlichen Gesellschaften, ihren tief verwurzelten Hass, ihre Intoleranz und ihre Neigung zu Terror und Gewalt im Sinne des friedlichen Miteinanders endlich aufzugeben.

Glücklicherweise stellte sich kurze Zeit später heraus: Falscher Alarm! Kommando zurück! Es war schließlich nur ein Einzeltäter.

Marco Pino Unter dem Pseudonym Frank Furter machte sich der Sohn einer Deutschen und eines Spaniers einen Namen in der politischen Bloggosphäre der Republik. In seiner Kolumne auf Citizen Times kommentiert der Frank Furter so ziemlich alles, was in Sachen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik nicht spätestens bei Drei auf die Bäume ist.

http://www.blu-news.org/

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20.03.2012 diese ständige Diskriminierung

Marco Pino

In ihrer gestrigen Live-Berichterstattung zur Wahl des Bundespräsidenten schaltete die ARD mehrfach in ein türkisches Restaurant und befragte dort den Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, wie er, die Türken und Muslime, die Wahl Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten sehen.

Andere Einwanderergruppen kamen – wie üblich – nicht zu Wort. Jetzt reichts! – findet blu-Mitbegründer Marco Pino, Sohn eines Spaniers, und beschwert sich in einem Offenen Brief an die ARD über diese ständige Diskriminierung.

OFFENER BRIEF AN DIE ARD

An den Intendanten Peter Boudgoust, die Redaktion, die Geschäftsführung und den Rundfunkrat

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beschwere ich mich offiziell über Ihre gestrige, skandalöse Live-Berichterstattung zur Wahl des Bundespräsidenten. Als Sohn eines spanischen Einwanderers fühle ich mich von der deutschen Gesellschaft im Allgemeinen und von Ihrer gestrigen Sendung im Speziellen diskriminiert!

Ich fordere Sie auf, es umgehend zu unterlassen, alle Einwanderergruppen außer einer einzigen zu diskriminieren!

In ihrer gestrigen Sendung haben Sie mehrfach in ein türkisches Restaurant geschaltet und dort einen Herren Namens Kenan Kolat (Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, TGD) nach seiner Meinung gefragt.

Abgesehen davon, dass mich, die meisten Nicht-türkischen Einwanderer und sicher auch die meisten Deutschen nicht ansatzweise interessiert, was Herr Kenan Kolat über den deutschen Bundespräsidenten denkt, frage ich mich, warum Sie dann nicht wenigstens auch andere Einwanderergruppen befragt haben?!

Nicht nur, weil das Essen besser schmeckt beim Spanier, Griechen oder Italiener, sondern auch, weil diese Einwanderergruppen genauso wie die Türken als Gastarbeiter angeworben wurden und mitunter sogar noch länger in diesem Land sind!

Aber vor allem: Mit Spaniern, Griechen oder Italienern gab und gibt es keine Integrationsprobleme! Warum? Weil wir uns integriert haben! Ganz im Gegensatz zu erschreckend vielen Türken, beziehungsweise Muslimen.

Wie kann es bitte schön sein, dass Sie in Ihrer gestrigen Berichterstattung (wie mittlerweile allgemein üblich) ausgerechnet jener Einwanderergruppe Aufmerksamkeit schenken, die (als einzige!) so große Probleme bei der Integration bereitet?

Eine solche Form der Berichterstattung ist nicht nur diskriminierend, sondern ein Schlag ins Gesicht aller anderen Einwanderer! Es ist ein Schlag ins Gesicht derer, die sich integriert haben!

Es ist ein Schlag ins Gesicht meines Vaters, der seit Jahrzehnten hier lebt, die Sprache gelernt hat, sich den Rücken krumm malocht hat und für den es selbstverständlich war, dass seine Kinder in diesem Land als Deutsche aufwachsen!

Müssen wir Spanier, Griechen und Italiener auch erst Parallelgesellschaften gründen, das Erlernen der Sprache verweigern, Bräute importieren, unsere Frauen unterdrücken, statistisch höchst überproportional gewalttätig und kriminell werden, bestenfalls gar noch einen archaischen, aufklärungs-, bildungs- und fortschrittsresistenten religiösen Fundamentalismus pflegen, damit Sie uns endlich wahrnehmen?

Damit man uns zum Bundespräsidenten befragt? Damit man wegen uns Talkshows macht? Damit man uns zu Integrationskonferenzen und Gipfeln zum Cafe-Schlürfen, Kuchen-Fressen und Blödsinn-Schwätzen nach Berlin einlädt?

Ist es das, was Sie unter Integration verstehen? Mit Verlaub: Sind Sie irre???

Im Namen aller Einwanderer, die sich in diesem Land integriert haben, fordere ich Sie auf: Stoppen Sie endlich diese dumme, verächtliche und diskriminierende Form der Berichterstattung! Fragen Sie diejenigen, die integriert sind. Und nicht diejenigen, deren Lebenswerk – wie im Falle Kenan Kolats – die organisierte Integrationsverweigerung ist!

Mit freundlichen Grüßen,

Marco Pino

Marco Pino Unter dem Pseudonym Frank Furter machte sich der Sohn einer Deutschen und eines Spaniers einen Namen in der politischen Bloggosphäre der Republik. In seiner Kolumne auf Citizen Times kommentiert der Frank Furter so ziemlich alles, was in Sachen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik nicht spätestens bei Drei auf die Bäume ist.

http://www.blu-news.org/

 

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12.03.2012 Dann doch lieber ein sinnspruch?

Angelika Wende

sinnsprüche wohin das auge blickt. sinnsprüche überfluten uns in einem solchen übermaß, dass sie einem zum halse heraushängen. so sehr, dass kürzlich einer meiner "freunde" im sozialen netzwerk an die sinnspruchpostergemeinde appellierte, sich selber zu ficken und mit dem posten sinnhafter sprüche, die, davon abgesehen, bereits nach einer minute vergessener sind als die zeitung von gestern, aufzuhören und stattdessen etwas authentisches zu kommunizieren.

na ob das sinnvoller ist, frage ich mich und andererseits, wenn ich weiter darüber nachdenke, muss ich sagen: recht hat er! bis auf die aufforderung dem f... wort nachzukommen. ja, selber denken würde sinn machen, für so manchen jedenfalls, der ständig von anderen gedachtes wiederkäut wie die kuh das gras der wiese.

wie wir aber wissen ist es so, dass selberdenken mühe macht und sinnvolles selber denken noch mehr. das kann sogar richtig anstrengend werden, wenn man damit erst einmal anfängt.


da ist es doch viel einfacher einen sinnigen spruch im world wide web einzufangen, ihn zu kopieren und in die große weite welt der facebookgemeinde rauszublasen. wohl wissend - the answer my friend, also dein gefällt mir - ist mitsamt sinnspruch, sekunden später blowing in the wind. hm, macht also so gesehen gar keinen sinn das sinnspruchposten, denn - ob bei derart kurzer halbwertzeit etwas hängen bleibt vom sinnhaften? ich wage es zu bezweifeln.

was also dann ist der sinn dieses scheinbar sinnlosen tuns und warum machen wir das denn?

ich mache das auch recht gern, ich habe ordner voll mit sinnvollem, das meiner weltsicht entspricht. darunter sind auch sinnsprüche. die poste ich gern, neben allem, was ich mir selbst ausdenke oder ich nehme sie als anstoß um weiter zu denken, um mir selbst darüber hinaus etwas auszudenken oder um das von mir selbst ausgedachte zu untermauern.

ich finde dazu sind sinnsprüche richtig sinnvoll. außerdem: das rad können wir nicht neu erfinden. es ist alles gesagt, alles gedacht und eigentlich kann man es sinnvoller weise von daher gesehen lassen überhaupt etwas zu sagen. ich habe den leisen verdacht - es gibt nichts mehr zu finden was einen absolut innovativen, die welt erhellenden, sinn machen würde.

ich bin daher geneigt zu behaupten, dass so ein einsam dahin gesetzter sinnspruch so ziemlich das sinnloseste ist, was ich machen kann wenn ich etwas sinnvolles erreichen will, wie zum beispiel die menschen an das erinnern, was wirklich wichtig ist, wozu auch das selber denken zählt.

verdammt, warum mache ich das trotzdem immer wieder und warum machen es all die anderen, die das auch machen, obwohl sie merken, dass das ganze sinnspruchposten gar nichts nutzt?

der einzige sinn, den ich darin finden kann: weil es die sehnsucht in uns menschen gibt.

die sehnsucht verstehen zu wollen, die sehnsucht gedanken zu finden, die den unseren gleichen, unser denken und fühlen bestätigen, die sehnsucht zustände herbeizurufen, die wir uns wünschen und in diesem leben nicht finden, die sehnsucht nach dem mehr als dem, was da ist in dieser schnöden wirklichkeit, die bisweilen sinnloser ist als jeder noch so kurze sinnspruch.

wir machen das, weil wir einen sinn suchen in einem universum, in das wir ungefragt hinein geworfen wurden, nackt, ohne kompass und vor allem, ohne, dass man uns verbindlich sagen kann, warum und wofür. also suchen wir, denn - das ganze muss doch verdammt noch mal einen sinn haben, sonst wäre ja in der tat alles sinnlos.

ist es auch, da bin ich einig mit albert camus, der die sinnlosigkeit erkannte und sich trotzdem nicht das sinnlose leben nahm, sondern den sinn darin sah, das sinnlose anzuerkennen und aus dem anerkennen selbst seinen sinn zog. ein guter ansatz, finde ich.

übrigens, camus hat eine menge sinnsprüche verfasst, die ein ganzes werk ausmachen. er hat, wie viele denker und kreative, etwas aus sich selbst heraus erschaffen in diesem sinnlosen dasein und ihm damit sinn gegeben. sehr sinnvoll! jedenfalls sinnvoller als nur wiederzukäuen. da gebe ich dem wütenden kritiker uneingeschränkt recht. selber kreieren, ansatt konsumieren.

sinnvolle erkenntnis! sie nutzt aber nichts, denn wir menschen können es nicht lassen zu konsumieren, zu zitieren und zu rezitieren. und, mal im ernst: muss denn ein jeder sinnvolles produzieren und posten, um beim thema zu bleiben?

wo kämen wir denn da hin, wenn eine ganze menschheit aus "sinnvolle gedanken schöpfenden denkern" bestehen würde. ich behaupte: das wäre der kollektive untergang.

immerzu sinnvoll denken kostet zeit und energie und es erfordert vor allem den willen und den geist es zu tun. das ist luxus und denen vorbehalten, die die zeit haben, weil sie nichts anderes zu tun haben, oder sich den luxus leisten können sie sich zu nehmen, weil sie es geschafft haben davon zu leben oder reich geerbt haben. letztere sind allerdings eher selten zu finden.

die anderen müssen ganz profan arbeiten um das system am leben zu halten. sie haben keine zeit sich sinnsprüche auszudenken und vermutlich auch nicht den inneren drang es zu müssen. und das ist völlig in ordnung. und außerdem, wer immerzu versucht sinnvoll zu denken bewegt sich nahe am rande des wahnsinns. ich weiß es aus erfahrung.

da ist es doch ganz schön, wenn sich der "normale" mensch besinnt und sich sinnsprüche auf die seite postet, weil sie ihm den moment verschönern oder ihn anregen an das sinn- und wertvolle im leben zu denken und wenn er es verbreitet via facebook um es zu teilen mit seinen "freunden". jeder nach seiner facon bitteschön! ups, auch ein sinnspruch und sehr sinnvoll!

hin und hergedacht komme ich zu dem schluß: ich für meinen teil lese so manchen sinnspruch lieber als die kunde: ich bin grade beim shoppen in der city oder: heute gibts lecker eintopf oder gar das f...wort. derartiges macht für mich als emfänger gar keinen sinn.

Dann doch lieber ein sinnspruch?

Angelika Wende

Vita & mehr

  • Freie Journalistin und Autorin
  • Sprecherin, Moderatorin, Schauspielerin
  • Dreizehn Jahre Fernseherfahrung als Moderatorin und Nachrichtensprecherin beim Sender PRO 7 in München und im Zweiten Deutschen Fernsehen
  • OFF- Sprecherin für ZDF, Arte und Phönix
  • Freie Mitarbeiterin der Allgemeinen Zeitung Mainz
  • Presse-und Öffentlichkeitsarbeit für die Eventagentur oncue, Mainz
  • Kreation, Umsetzung und Saloniere des "Silbernen Salon"
  • Kreation, Umsetzung und Moderatorin des Kultur Salons Mainz mit dem Produzenten oncue event & communication
  • Inhaberin der Agentur workingforart
  • Kuratorin für das Kulturamt der Stadt Mainz:
  • "Leben ist Form - die Bildhauerin Irmgard Biernath"
  • Kuratorin des Kunstvereins Eisenturm in Kooperation mit dem Kulturamt Mainz: "Generationen"
  • Laudatorin für den Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Rheinland-Pfalz
  • Freie Tätigkeit als Laudatorin in öffentlichen Institutionen und Galerien in Mainz, Wiesbaden, Berlin, Leipzig, Ludwigshafen, Kaiserslautern 

angelikawende@remove-this.aol.com

www.angelikawende.com

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11.03.2012 Was die Medien so alles berichten

Stephan Lüring

Berlin ist immer eine Reise wert. So sollte es auch dieses Mal sein. Eigentlich ging es mir nur um den Besuch auf der ITB, dem jährlichen Treffen der Tourismusleute aus der ganzen Welt.

Seit Jahren fahre ich dorthin und das Wiedersehen mit Kollegen ist immer wieder bereichernd. Doch dann plötzlich diese Nachricht in den Onlineausgaben der bekannten Zeitungen und Zeitschriften.

Vuvuselas in Berlin ausverkauft – Bis zu 3000 Demonstranten wollen Wulff den Marsch blasen, ihm einen Schlussakkord setzen, den er nie vergessen wird

Das machte mich neugierig und so bereitete ich mich mental auf eine laute Großkundgebung vor. Noch im Hellen erkannte ich ca. 200 Presseleute, die mit Kameras und Mikrofonen „bewaffnet“ die ganzen Protestler interviewen und beim Vuvusela-blasen filmen wollten. Doch da war nichts – sogar eine viertel Stunde vor Beginn des Zapfenstreiches nur „Neugierige“ und Polizisten.

Selbst der Realsatiriker Martin Sonneborn hatte so seine Schwierigkeiten. Er war mit einer Gruppe Musikern vorbeigekommen, um den Abschied des Bundespräsidenten „in Szene zu setzen“. Die adrette NVA-Kleidung saß wie angegossen und ein gerahmtes Foto vom Bundespräsidenten machten schon Eindruck.

Die heute-Show wollte dem „Abgespiel auf Wulff“ eine ganze Sendung füllen, doch es fanden sich nur ganz wenige Leute, die etwas sagen wollten, geschweige denn eine Vuvusela dabei hatten.

Lediglich ein „Demonstrant“ hatte Unterhaltungswert. Bei jeder Staatskarosse mit Blaulicht, rief er laut: „Da saß der Maschmeyer drin. Ich habe es genau gesehen”.

700 Demonstranten zählten die Offiziellen. Ich selbst habe höchstens die Hälfte gesehen; denn „Schaulustige“ und normale „Passanten“, die wegen der Absperrungen diesen Weg nehmen mussten, wurden kurzer Hand zu Demonstranten gemacht.

Auch sah ich auf den Pressefotos nur jeweils ein bis zwei Vuvuselas. Wenn es denn insgesamt 100 waren? – Ich weiß es nicht. Ausverkauft sind sie in Berlin aber auf gar keinen Fall, denn allein in den Souvenierläden unter den Linden konnte der wache Beobachter in drei Geschäften diese Tröten in unterschiedlichen Farben kaufen.

Heike Oelker-Rosenhain schreibt dazu:

Es geht um Sensation und leider nicht mehr um Information. Und wenn es keine Sensationen gibt, dann müssen eben welche konstruiert werden. Mit freiem Journalismus hat das alles nichts mehr zutun. Das ist eine dramatische Situation, deren Auswirkungen wir nur erahnen können. Eine Falsch-Information der Bürger, um Bürgers Meinung zu manipulieren. Aber eigentlich ist das nichts Neues, keine Sensation, eben. Bürger, seid wachsam!

Links zum Thema:

Wir von der Gesellschaft Freunde der Künste, sagen DANKE, für diese Worte - KOMMENTAR VON HAPE KERKELING: WULFF ODER BILD?

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/wir_von_der_gesellschaft_freunde_der_kuenste_sagen_danke_fuer_diese_worte_kommentar_von_hape_kerke.html

Hape Kerkeling auf seiner Facebook-Homepage.

Weiter Lesen: Hape Kerkeling stellt sich weiter hinter Wullf

http://www.stern.de/kultur/tv/hape-kerkeling-bei-tietjen-und-hirschhausen-ich-bin-eindeutig-fuer-wulff-1776507.html

Montag 23.01.2012

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Günther kritisierte die Medien auch für ihren Umgang mit Bundespräsident Christian Wulff. Derzeit werde das Staatsoberhaupt von einer "Journalistenmeute wie ein räudiger Fuchs über sämtliche Titelblätter und durch alle Fernsehsendungen gehetzt", schrieb der frühere sächsische Landesvorsitzende in seinem Rundbrief.

Zur Strecke gebracht

Im Fall Wulf tauchen die wirklich heiklen Fragen erst jetzt auf – Ein Kommentar

http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/zur_strecke_gebracht_1.15125869.html

Hier noch weitere hintergründe warum Christian Wulff zur strecke gebracht wurde:

http://ddpberlin.wordpress.com/2012/02/29/srafanzeige-gegen-jeden-abgeordneten-der-fur-den-esm-vertrag-stimmt-jurg-jurgens/

Quellenangabe (http://www.fbwe.de/?p=1102)

Der ehemalige Mitarbeiter Harald Schumann beim Spiegel TV, erzählt sehr interesannte Fakten zu diesem Lobbyverein Spiegel. Er zeigt, dass bestimmte Medien NICHT objektiv sind.

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07.03.2012 Streit um Wulffs Ehrensold

Frank Georg Bechyna

Alles Spekulation, die nicht weiterhilft . Prof. Carstens , der frühere ordinarius der rechte an der univ. zu Köln, würde aus einem Grund kommen : Es gibt keinen einzigen Beweis, dass sich Herr Wulff strafbar gemacht hat .

Das ist dem " Publikum " dermassen eingetrichtert worden . Gustav Heinemann war ebenfalls ein ausgewiesen sriöser Jurist : Er würde kommen, weil auch für ihn wie seinen Juristenfreund Posser natürlich galt, dass Herr Wulff als BP nichts Strafbares gemacht hat . Nichts .

Und zum zigten Mal : Herr Wulff ist kein Freiwild für Hausfrauenjuristerei . Johannes Rau , den ich auch noch 1994 das letzte Mal in einem Konzert erlebt habe, würde schon lange das Wort ergriffen haben . Rau würde aber nicht " pludern " , sondern mindestns den Mediator verkörpern .

Raus Wort hätte in der bevölkerung mehr gewicht als das aller seiner auf ihn folgenden leitgenossen um Gabriel . heuss käme nicht . Und Lübke war doch nichts anderes als eine Marionette von Adenauer . ---

Was jetzt stattfindet ist ein Warten ( gerade in der merkel - CDU ) auf den politischen Alltag . Manches an dem, was jetzt passiert ist surrealistisch . --- Eine Frage an die , die so geschichtskennerisch jetzt auftreten : Wer war noch einmal der Vater von R. v. Weizsäcker ? Genau.....

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27.02.2012 Die Grundrechte der Marktwirtschaft geopfert

Bruno Kramm 1 Bild 1 Video

Liebe Freunde, liebe Mitbürger des Internets,

als Fritz Lang vor fast 100 Jahren mit seinem Film Metropolis den Grundstein der Filmindustrie legte, war das Internet noch nicht geboren. Sein Held Freder lehnt sich gegen Unterdrückung, Zensur und die Kontrolle von oben auf und erschüttert die Grundfeste von Metropolis.

Heute bedroht die Überwachung die Grundfeste unserer demokratischen Gesellschaft im Internet bis in die Sphäre des Privaten. Neben die Bedrohung der staatlichen Überwachung tritt heute aber immer öfter die privatwirtschaftliche.

Betrachtet man die großen Krisenherde der vergangenen Jahre, so ging es dabei ausschliesslich um Wirtschaftsinteressen. Ob Rohstoffe, Patente oder Nutzungsrechte. Geld und Geschäft sind der Motor des sozialen Marktwirtschaftens. Doch aus dem Motor wurde längst eine getunte Maschine mit Allmachtsanspruch.


Ein System das die eigenen Regelwerke abseits der bürgerlichen Kontrollgremien bestimmen möchte und längst nach höherem strebt. Der Maschinenraum ist zu klein geworden, jetzt wird die virtuelle Welt erobert.
Ihre Botschafter sind Handelsabkommen wie ACTA, TRIPS und IPRED die ohne demokratische Legitimation eine wehrhafte Mauer um freies Wissen und das freie Internet ziehen.

Die Vertreter der Contentindustrie werfen uns vor, wir würden übertreiben, polemisieren und lügen, wenn wir ACTA verteufeln.

Sie werfen uns vor, wir würden unlautere Methoden nutzen um die Massen auf die Strasse zu treiben, wenn wir im Internet zum Protest rufen.

Unsere Regierung bezeichnet uns als Wutbürger und unsere Proteste als unreflektiert, wenn wir unser Recht auf demokratische Mitbestimmung einfordern.

Die konservativen Chaoten in Berlin behaupten: Überwachung sei innerhalb gesetzlicher Normen nötig aber widersetzen sich selbst der Kontrolle durch die Bürger. Wie lange hat es denn gedauert bis das weltweite Informationsfreiheitsgesetz endlich in Deutschland ankam? In Bayern sträubt sich die Landesregierung ja noch heute dagegen.

Ich frage:

Warum wurde ACTA hinter verschlossenen Türen ausgehandelt, wenn es so harmlos sein soll?

Warum wurde ACTA von einem nur im Entferntesten zuständigen Fischereiausschuss durchgewunken?

Und warum warnen sämtliche humanitäre Organisationen von Amnesty International, über Ärzte ohne Grenzen, Brot für die Welt oder Aktionsbündnis gegen AIDS vor ACTA, wenn es so harmlos ist?

Wenn alle Punkte von ACTA bereits seit langem in Deutschem Recht verankert sind, warum braucht man dann eine Unterschrift? Und viel schlimmer – welche Teile von ACTA sind denn schon jetzt deutsches Recht?

Wie lange wollen wir uns die schleichende Aushöhlung der Freiheit im Netz eigentlich noch gefallen lassen?

ACTA ist so schwammig formuliert, das nur geschulte Anwälte die eigentlichen Absichten freischälen können.
Doch dann findet man die eigentliche Vision von ACTA: Unter dem Schutzmäntelchen fast schon poetischer Rechtsformulierungen werden Grundrechte der Marktwirtschaft geopfert und ein 200 Jahre altes Urheberrecht in Stein gemeisselt.


Ein Patentrecht, das ursprünglich nur den zeitweiligen Marktvorteil für die Entwickler sicherstellen sollte, ist längst zum Knebel der armen Länder geworden.

ACTA ist die schreiende Ungerechtigkeit gegenüber diesen Schwellenländern. In heimlicher Mission werden mit ACTA Importe und Exporte von Generika sanktioniert. Hersteller von Generika könnten dank ACTA sehr viel schneller verklagt werden. Das Ergebnis wäre, das sich die Ärmsten viele überlebensnotwendige Medikamente gar nicht mehr kaufen könnten.

Große Konzerne wie z.b.Monsanto, früher der Hersteller von Agent Orange und heute einer der aggressivsten Konzerne der industriellen Landwirtschaft, vergiftet nicht nur die Welt mit Pestiziden.

Nein, sie verbieten mit Patenten die wenigen Agrarprodukte die in den Schwellenländern produziert werden und treiben gleichzeitig mit ihren genetisch veränderten Produkten die Monopolisierung der Ernährung voran.

solche Konzerninteressen stehen hinter ACTA. Wir werden nicht mehr weiter wegsehen und dagegen kämpfen.

Ein Vergleich der Verhältnismässigkeiten öffnet die Augen.
Hätte es im antiken Griechenland bereits eine so restriktive Rechteverwertung gegeben wie jetzt, so würden wir dem hochverschuldeten Griechenland von Heute Billionen für die Fundamente der Mathematik, Physik, Philosophie und Geisteswissenschaften schulden.

Und sogar das Papier auf dem die Patente und Nutzungsrechte gedruckt wurden ist eine Entwicklung aus China, das so häufig für sein Urheberrechtliches Unrechtsbewusstsein gerügt wird.

Mir scheint: Je geringer die Schöpferische Leistung, umso höher wächst oft das Anspruchsdenken. Die Unterhaltungsindustrie ist dafür das beste Beispiel.
Sie leidet bereits seit dem Aufkommen des Internets in den 90ern unter einem unaufhaltsamen Realitätsverlust.


Ausbeuterische Nutzungsrechte an den Werken Anderer werden wie selbstverständlich auf das Internet angewendet. Einer Lobby der kalten Krieger des Kapitalismus ist jedes Mittel recht ist um die alten Erlösstrukturen zu betonieren.

Ein Beispiel zur Verhältnismäßigkeit: Wer in einem Plattenladen eine CD mitgehen lässt und erwischt wird, zahlt eine einmalige Fangprämie um 100 Euro. Dagegen werden jährlich eine halbe Million Menschen ungerechtfertigt abgemahnt, zahlen aus Angst vor zusätzlichen Prozesskosten zwischen 800 und 2000 Euro an eine Schattenwirtschaft krimineller Anwaltskanzleien und Verwerter. Das muss endlich ein Ende finden

Und all das wir mit den unhaltbaren Behauptung der Verwerter gerechtfertig, eine digitale Kopie käme dem Diebstahl in der realen Welt gleich. Dabei ist der direkte Schaden der aus einem CD Klau entsteht ungleich höher als die digitale Kopie, die eben nur eine Kopie ist.

Den Beweis, dass diese unrechtmäßig erstandenen Werke unter anderen Verhältnissen legal erworben wären, konnte die Contentindustrie bisher jedoch nicht abliefern. Mit diesen unhaltbaren Argumenten rechtfertigt die Industrie dann die Abschottung des Internets, Vorratsdatenspeicherung und Zensur. Ich übertreibe? Mitnichten.

ACTA wünscht sich, Provider in die Pflicht zu nehmen und bei Verstößen die persönlichen Daten der Nutzer herauszugeben. Das ist nichts anderes als privatwirtschaftliche Vorratsdatenspeicherung.

Und den Wächtern der Musikindustrie ist das noch lange nicht genug. Schon liebäugelt man mit dem französischen Warnstufen Modell. Ein System dessen finale Sanktion die Abschaltung des Konsumenten vom Netz bedeutet. Im Zeitalter von Skype, Onlinebanking und elektronischer Steuererklärung kommt das einem digitalen Todesurteil gleich. Und das alles nur für die Verletzung eingeräumter Nutzungsrechtes.

Wir wollen aber das Recht, im Internet Daten frei tauschen zu können um dann selbst zu entscheiden, ob uns das Werk einen Kauf wert ist.

Besonders wütend macht mich aber die Ignoranz der öffentlichen Anstalten ARD und ZDF, die eine zügige Unterzeichnung ACTAs fordern. Wenn sie dies tun, verletzen sie ihren gesetzlichen Neutralitätsauftrag.

Wenn sie uns alle hier als eine Horde unrechtsbewusster und politikverdrossener Diebe bezeichnen, beissen sie nicht nur die Hand die sie füttert, sie verpassen unserer freiheitlichen Bewegung eine schallende Ohrfeige.

Ich könnte jetzt ganz plump skandieren „Wer jetzt noch weiter GEZ Gebühren zahlt, ist selber schuld“ Ich frage aber lieber die Intendanten der ARD „Wie weit seid ihr abgehoben, euch zu erlauben, uns zu übergehen”

Abkommen wie ACTA sind nicht nur der Stacheldraht im Fleisch der Netzfreiheit, sie sind der Schleichweg in die digitale Vollkontrolle. Und wenn ich auf die folgenden Abkommen wie IPRED2 oder TPP blicke, wird mir schlecht. In dieser nicht so fernen Zukunft soll die Bufferung von Werken strafbar werden. Visualisierungen und Abbildungen könnten dann rechtlich verfolgt werden.

Das bedeutet: Popups oder Webradiostreams mit unlizensierten Inhalten ziehen eine Abmahnung nach sich. Verkleidungen als Donald Duck oder geschützer Manga Figur könnten dann strafbar werden. IPRED, die böse Schwester von ACTA streicht sogar einen der grundlegendsten Rechtsgrundsätze einer Zivilgesellschaft: Die Unschuldsvermutung.

Alleine die Kooperation von Zugangsanbieter und Rechteinhaber kann dann über Verstösse befinden und die Leitung des Nutzers kappen. Man kann schon nicht mehr von einem Raster oder Netz sprechen, nein, es geht um die lückenlose Auswertung und Kontrolle all unserer Daten, unseren Lebensraum im Internet und der Integrität unserer fundamentalen demokratischen Rechte.

Das zeigt uns aber erst recht: wir dürfen nicht leise werden.
Wir müssen auch weiterhin für unsere Rechte auf die Strasse gehen.
Wir tun das bis ACTA und all die anderen zivilgesellschaftlichen Trojaner und Spione verschwunden sind.

Wir wollen ein freies und unzensiertes Internet, denn es ist unser Instrument der Freiheit und Demokratie.

Sagt Nein zu ACTA und zeigt der Unterhaltungsindustrie den hier.

Bruno Kramm

kontakt@dansemacabre.de

Kommentar von Bruno Kramm - "gewohnt reißerisch"- Stefan Herwigs polemischer Artikel in der musik.woche zu ACTA

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Kommentar von Bruno Kramm - Musik braucht Freiheit - Warum Musik ein neues Urheberrecht braucht und ACTA gestoppt werden muß

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Kommentar von Bruno Kramm - “Two Strikes” ” vergiftet das Klima einer freien Gesellschaft und erodiert die Basis der Kreativwirtschaft

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Kommentar von Bruno Kramm - Der feine Unterschied: Megaupload und Rapidshare …oder: „Wenn SOPA kommt sind wir alle Mr. Kimble“

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Kommentar von Bruno Kramm - Verfassungsschutz und Vorratsdatenspeicherung - “Am bayerischen Wesen soll Deutschland genesen”

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Kommentiert von Bruno Kramm - ACTA – Warum wir uns wehren müssen - ACTA ist Kafkas Alptraum der Informationsgesellschaft

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22.02.2012 Schöpferisches Angebot und kreative Nachfrage -

Bruno Kramm

Musik als Ausdruck einer unausprechlichen Metawelt ist wie alle geistigen Schöpfungen auf die vernetzte Vermittlung angewiesen. Musik und Kunst brauchen Aufmerksamkeit, kommunikative Rezeption und Vererbung. Rezeption die nur so lange bedingungslos öffentlich und frei bleibt, bis sie genügend Nachfrage erzeugt hat, so zumindest das bisherige Prinzip ihrer Vermarktung.


Vererbung die leider auch immer finanzielle Begehrlichkeiten der Rechteinhaber bei den schöpfenden Erben weckt und die kulturelle Weitergabe verhindert.
Je stärker wirtschaftlicher Druck auf die Urheber ausgeübt wird, umso stärker verpflichten sich ihre Schöpfungen dem gesellschaftlichen Konsens von Geschmack und allgemeinverständlichen Strukturen und Formen.


Die Unterhaltungsindustrie fördert jene Werke die dem Bekannten ähnlich genug sind und trotzdem wohldosiert aus dem Schatten der Vergangenheit treten, denn so ist ihr nicht nur eine breite Konsumentenantwort sicher, sondern sie kann auf bereits erprobte und erfolgsversprechende Muster der Vermarktung zurückgreifen.

Diese Wechselwirkung von breitem Konsumenteninteresse und dosierter künstlerischer Innovation ist bezeichnend für eine monopolistische Verwerterindustrie, die jahrzehntelang Produktions- und Vertriebswege kontrollierte und gleichzeitig kreative Innovationen hemmte.

“Professionelle Inspiration” und das Recht auf kreative Teilhabe

Zwar sind und waren Kulturgüter Kraft ihres Ausdruckes immer das Ventil gesellschaftlichen Wandels, der nicht per se der reinen Wirtschaftlichkeit verpflichtet sein sollte, doch die marktbasierte Nachfrage entschied bisher fast ausschliesslich über die Präsenz und Platzierung von Kunst im öffentlichen Fokus und damit über die Verbreitung.


Urheber werden und wurden häufig über ihren Erfolg in zwei Kategorien eingeteilt: Amateure, die ausschliesslich durch die Aufmerksamkeit des Publikums Entlohnung erfahren und Urheber, die von den früchten ihrer Schöpfungen leben.


Die qualitative Unterscheidung zur professionellen Liga ist fliessend, mitunter sogar umgekehrt proportional. Um diese Unterscheidung zu legitimieren, führt die gewerbliche Urheberklasse die hohen Werbungs- und Produktionskosten an.


Ein weiteres Spannungsfeld entsteht durch die Liberalisierung des Kulturbetriebs durch die neuen Netztechnologien, denn sowohl der Wegfall selektiven Repertoiremanagements als auch die freie Verfügbarkeit von Produktions- und Vertriebswegen macht die Grenzen noch fliessender.


Künstlerisches Schaffen entspricht nicht mehr dem tradierten Arbeitsbegriff unserer Gesellschaft, da sie als menschliche Äusserung ein Grundrecht wie auch die freie Sprache darstellt. Erst durch die finanzielle Entlohnung wird aus der persönlichen Ambition der öffentliche Beruf. Menschen haben das Recht sich kreativ und künstlerisch einzubringen.

Dieser Begriff der Teilhabe ist in der modernen Informationsgesellschaft selbstverständlich. Trotzdem wird die Trennung zwischen Amateuren und professionellen Schöpfern von Verwertern, Verwertungsgesellschaften und Künstlerverbänden weiterhin untermauert.

Dies findet den besonderen Ausdruck in den Verteilungsschlüsseln der Verwertungsgesellschaften und der ausschliesslichen Beteiligung von Mitglieder in den satzungsgebenden Gremien, die ihr Stimmrecht auf eine entsprechend hohe Ausschüttung von GEMA Erlösen stützen können.

Bearbeiter, Epigonen und Kopisten

Das geltende Urheberrecht verunsichert die Urheber durch Kategorisierung kreativer Prozesse. Original, Bearbeitung, Kopie und Plagiat sind musikhistorisch gewachsene Begriffe eines fliessenden Übergangs. Urheberrechtlich wurden sie durch Kriterien ersetzt, die sich nur an der Wirtschaftlichkeit orientierten.

Noch in der klassischen Musik galt das Einflechten von Zitaten und die Bearbeitung in die eigenen Werke als eine besondere Disziplin und Kunstfertigkeit, die erst durch das Aufkommen des kommerziellen Notendruckes reguliert und sanktioniert wurde.


Die produktive Entlehnung, das Zitat und die Neuwidmung von Ideen sind Bausteine der Entwicklungsbrücke, die das kulturelle Gestern mit dem multimedialen Heute verbindet. Das gilt umso stärker in einer offenen, schnelllebigen und kreativen Netzgesellschaft, welche de kulturelle Gegenwart in die Zukunft führt.


Die Orientierung am Prinzip von Angebot und Nachfrage hatte im 17.Jahrhundert ihren Ursprung und wurde im Zuge der Demokratisierung und Verbreitungsrevolution durch Massenmedien wie Radio, TV, CD und Internet immer weiter auf Produktion- und Vertriebsprozesse hin optimiert. Die schöpferische Freiheit hingegen wurde aus vermarktungsrechtlicher Überlegung Schritt für Schritt eingeschränkt.


In einem Zeitalter, das häufig den klanglichen Charakter eines Audiomems zum eigentlichen Merkmal einer kreativen Schöpfung stilisiert, vermischen sich die Begriffe Urheberrecht und Leistungsschutzrecht in einem Maße, das keine eindeutigen Unterscheidung zulässt und den Begriff der Werkhöhe ins Absurde steigert.


Die Informationsgesellschaft hingegen wandelt die Ausschliesslichkeit von Kulturgütern zu einem öffentlichen Gut und befreit den bisher ausschliesslich wirtschaftlich regulierten Markt.


Adornos Kritik an der vereinheitlichenden Kulturindustrie beschrieb bereits in der Nachkriegszeit die Unterwerfung des Nichtidentischen und Nichtverfügbaren durch die Mechanismen der verwalteten und vermarktwirtschaftlichten Welt, den Konsum.


Um seinem bisher vorwiegend ökonomisch motivierten Auftrag besser darzustellen, sollte daher der missverständliche Begriff “Urheberrecht” durch den Terminus “Verwerterrecht” ersetzt werden, denn er wird seiner historischen Bedeutung und Entwicklung weit gerechter.

Das geltende Urheberrecht wurde immer von Verlegern und Verwertern geschrieben, so bemühen Verwerter das Urheberrecht zur Illegalisierung von Urhebern und Nutzern und der Kontrolle von künstlerischem Wandel der ästhetischen Normen.

Sie behindert die eigentliche Innovationsfähigkeit von Kulturgütern indem sie den Urheber mit dem Urheberrecht eng ins wirtschaftliche Korsett schnüren, gleichzeitig ökonomisch regulierend durch Anreizmodelle wie Chartnotierungen und Preisverleihungen belohnen und künstlerische Freiheit zu Geradlinigkeit erzieht.


Auch die Verwertungsgesellschaften, allen voran die GEMA tragen dieser Abhängigkeit Rechnung, indem sie durch Multiplikationspunkte finanziellen Erfolg zusätzlich honorieren. Gleichzeitig sind Entscheidungen über Verwertungsschlüssel nur den ordentlichen Mitgliedern mit entsprechendem Mindestumsatz vorenthalten.


Diese Reduktion erzeugt neben nivellierter Kreativität eine Permanenz der Durchschnittlichkeit. Durch die reduzierte qualitative Schwelle steigt auch das Angebot von handwerklich mässig begabten Urhebern. Die Armee der Auftragskomponisten für Funk, Film, Fernsehen, Werbung, Hörspiele, Videospiele und Präsentationen ist entsprechend gestiegen.

Das wiederum verschafft den Verwertern einen ausserordentlichen Vorteil. Aufgrund des höheren Angebots an niederschwelligen Werkschöpfungen kann der eigene Ertrag durch eine geringere Honorierung der Urheber gesteigert werden. Einer minimalen Honorierung der dann viele Urheber auf Grund des gestiegenen Wettbewerbsdrucks zustimmen.


Seit der Entwicklung des Internets entzieht sich jedoch die kulturelle Schöpfung und Vermittlung zusehends der Kontrolle der Verwerterindustrie. Aus dem Streit des Urheberrechts gegen die freie Verfügbarkeit von immateriellen Gütern in der Netzwelt hat sich heute längst ein Wertesystem der Privilegien legitimiert, welches die Förderung schöpferischer Leistung in den Grenzen des wirtschaftlichen Wertekanons beansprucht, jedoch der nachfolgenden Kreativgeneration die Quelle untersagt, die sie als Inspiration einer eigenen Innovationsfähigkeit benötigt.

Inflation und Diversifikation

So sehr die Verknappung von Angeboten die Nachfrage steigert, so sehr beschränkt sie die Erlösschöpfung in redundanten Systemen. Dieser Verknappung im Netz steht eine inflationäre Nutzung von übertragenen Rechten gegenüber.

Der Erstverwertung von kreativen Schöpfungen folgen besonders in den breiten Märkten der konsumorientierten Musikstile die Zweit- und Drittverwertungen, also Kopplungen an andere Medieninhalte. Die Allgegenwart durch diese Kopplungsdichte stösst auf zunehmende Ablehnung der Konsumenten und seine geringere Bereitschaft dafür zu bezahlen.


Darüber hinaus werden gerade diese Inhalte wegen ihres hohen Verbreitungsgrades häufig als Allgemeingut wahrgenommen. Dem gegenüber belegt die selten mehrteilige, aber umso erfolgreichere Vermarktung von Nischenstilen die steigende Würdigung des Konsumenten durch seinen Kaufentscheid.

Die wachsende Fangemeinde und ihre direkte Verbindung mit dem Urheber der Werke verstärkt zusätzlich das gemeinsame Erleben und die Bereitschaft, das Werk und seine Schöpfer auch finanziell zu belohnen.

Die horizontale und vertikale Diversifikation trägt deshalb einerseits für das sinkende Bedürfnis bei, die mannigfaltig gekoppelten und vermarkteten Angebote des Massenmarktes zu honorieren, unterstützt jedoch in besonderem Masse die wirtschaftliche Urbarmachung von Werken des sogenannten Longtailmarktes, der weiterhin Wachstum verzeichnet.

Die Vielzahl der gestiegenen Subgenres und ihrer begleitenden Medienpublikationen off- und online verstärken diese Tendenz zur kleinteiligen Direktvermarktung durch den Urheber.


Wertekreise

Das Urheberrecht unterliegt seit seiner Deklaration einem kulturhistorischen Wandel hin zu übertragener Nutzung. Dieser Wandel wurde immer aus dem Kompromiss zwischen technischen Neuerungen, dem kulturellen Wandel von Normen und dem wirtschaftlichen Interesse heraus angetrieben.

Die Durchsetzung der Urheberrechte stammt seinem Ursprung nach vom neoklassischen Wohlstandsmodell ab, das Schöpfungen nur durch den Anreiz der Entlohnung als prosperierendes System sieht.

Entsprechend sollen dieser Entlohnung Investitionen vorausgehen, die dann das Monopolrecht der Auswertung rechtfertigen. Doch hat sich gerade die Investition in einer Gesellschaft der frei verfügbaren Produktionsgüter und Vertriebsstrukturen als Argument überholt.


Dem gegenüber gewinnt der Anspruch der Allgemeinheit auf die frei Nutzung zunehmend Gewicht, denn neue Schöpfungen sind nicht ohne den Einfluss des umgebenden Kulturkreises möglich. Ein Kulturkreis, der durch das Internet ins Unendliche gewachsen ist und sich selbstverständlich auch andere Wertenormen der Begriffe Original, Kopie und dessen Nutzung aneignet.


Während sich der westliche Kulturkreis auf finanzielle Honorierung immaterieller Güter stützt und gegen die Idee des gemeinsamen Weiterentwickeln von Schöpfungen zu Gunsten der Mystifizierung der Genieleistung aufbaut, huldigt man im asiatischen Raum der Kopie als Ausdruck der höchsten Wertschätzung.

Das Internet hat in seiner Funktion als Kollektor und Katalysator der Paradigmen, aber auch in seiner anarchischen Struktur den Begriff der Allmende grundlegend weiterentwickelt und bereits die Praxis im Alltags nachhaltig verändert. Vorstellungen des Gemeinguts wie der Begriff der Wikipedia prägen die Wahrnehmung des Internets.

Eine Vision des Informationszeitalters die bereits seit der Geburtsstunde des Netzes in der akademischen Welt manifestiert wurde. Doch sind es gerade die marktwirtschaftlichen Angebote, die das Gratispotential des Internets für die eigenen Werbezwecke nutzen, jedoch ihre Nutzungsrechte an Inhalten unverhältnismässig mit den Standarts eines unskalierten Urheberrechts durchsetzen, das der physischen Welt entstammt.

Der Konsument nimmt daher heute die Ansprüche der Urheber häufiger als das aggressive Durchsetzen von Interessen der Konzerne als die Entlohnung der kreativen Leistung wahr und wird durch eine zunehmend verkrampfte Urheberrechtsdebatte in seinen Positionen bestätigt.

Schöpferkraft vs. Geschöpftes Produkt

Das physische Knappheitsprinzip zieht gegenüber der virtuellen Welt ein Grenze, die gerne von konservativen Vertretern eines allgemeinen Urheberrechts übertreten wird.


Die Argumentation, daß die Aneignung digitaler Immaterialgüter keine Entlohnung auf Grund der unendlichen Kopierbarkeit im Internet benötige, ist ebenso wenig haltbar wie die pauschale Gleichstellung von physischen und geistigen Gütern. Auf Grund des fehlenden Knappheitsprinzip erfährt das einzelne kopierte Immaterialgut zwar keine begründete Entlohnung, doch steht ihm gegenüber die Knappheit der schöpferischen Kraft an sich.

Im besonderen Masse jene, die künstlerisch und wissenschaftlich herausragenden gesellschaftlichen Stellenwert tragen und sich durch ihre Schöpfungshöhe auszeichnen. Verdichtung, Umdeutung und Neuschöpfung sind Summe von Eigenleistung und kulturell gewachsener Inspiration, ohne welche die Gesellschaft immer wieder vom intellektuellen Nullpunkt aus beginnend neu schöpfen müsste.


Doch gerade eine Gesellschaft,die so stark von einer Vergeistigung ihrer Werte in digitaler Form geprägt ist, muss ihre Urheber, die als Quell zeitlich und inhaltlich begrenzt sind, angemessen entlohnen.


Gerade eine vernetzte Gesellschaft des Miteinanders muss das soziologische Prinzip der gegenseitigen Beziehung und des Austausches zwischen den Bezugssystemen achten. So wird zwar dem Urheber durch die Aneignung nichts entwendet, der Benutzer erfährt aus dem Download jedoch einen Zugewinn in Form einer kulturell affirmativen Dienstleistung, Unterhaltung und Wertschöpfung.


Entlohnung schöpferischer Tätigkeit und der Wunsch nach anonymen und kostenlosem Zugriff verlangen im gleichen Zuge einen digitalen Fair Trade der eine umfassende Neugestaltung und Bewertung von Erlösstrukturen und Lizenzzahlungen fordert. Statt einer Stärkung von Eigentumsrechten an Immaterialgütern muß die schöpferische Tätigkeit an und für sich stärker entlohnt werden.

Vielfältige Förderkonzepte helfen Künstlern unmittelbar, im Gegensatz zu Regulierungsversuchen. Sowohl eine größere Verfügbarkeit von öffentlichen Auftrittsmöglichkeiten, unterstützter Zugang zu Produktionsmitteln und die Bereitstellung von detailliertem Wissen bzgl. Marketing und Geschäftsmodelle, aber auch die Förderung der Selbstständigkeit und ein unkomplizierter Zugang zur Künstlersozialkasse helfen Schöpfern von geistigen Gütern bei den Kernaufgaben selbstbestimmten Urhebertums.

Fokus eines neuen Urheberrechts

Kleinteiligkeit satt Monopolisierung fördert die kulturell benötigte Diversifikation. Dabei wird das unmittelbare Interesse des Urhebers gegenüber der kulturellen Monopolisierung von Urheberrechten des letzten Jahrhunderts gewahrt.
Eine elementare Unterscheidung zwischen physischer und virtueller Welt muss massgeblich die Ausgestaltung eines modernen Urheberrechtes begleiten.


Neue Schrankenregelungen für das legale Kopieren von Inhalten aus dem Netz müssen auch die gleichzeitige direkte Wertschöpfung für Urheber ermöglichen. Darunter fallen Premiumangebote und Streamingdienste ebenso wie z.B. dezente Erhöhungen von Lehrmedienabgaben bei gleichzeitiger Sicherstellung eines angemessenen, transparenten und demokratischen Verteilungsschlüssel dieser Erlöse.

Unmittelbare Urheberlizenzen aus virtuellen Diensten und die Erweiterung transformationeller Rechte wie Bearbeitungen müssen grundlegend von den Forderungen der Verlagsbranche getrennt werden. Schutzfristen sollten auf die Lebensspanne beschränkt werden und der branchenüblichen Kopplung von Schutzfristen und Auswertungsdauer die legale Grundlage entzogen werden.


Der Fokus muß von der kurzfristigen, einseitigen und profitorientierten Werkförderung hin zur nachhaltigen Förderung von schöpferischer Leistung verschoben werden. Im gleichen Masse wie Handwerks-, Industrie- und Handelskammern ihren Mitgliedern Seminare und Massnahmen zur wirtschaftlichen Sicherung anbieten, müssen Urheber Hilfe und Unterstützung für die kleinteilige und direkte Vermarktung erhalten.

Das beinhaltet neben der finanziellen Absicherung auch die Sozial- und Altersicherung. Eine Gesellschaft die sich so sehr auf ihre Stärke im Bereich der „geistigen Güter“ beruft, muss gerade für die Schöpfer Alternativen und Lebenskonzepte eröffnen, die sowohl den Bedürfnissen einer freien Informationsgesellschaft gerecht werden, als auch dem Urheber einen kreativen und geschützten Freiraum für seine Schöpfungen und dessen direkte Vermarktung eröffnen.

Bruno Kramm

kontakt@dansemacabre.de

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Kommentar von Bruno Kramm - “Two Strikes” ” vergiftet das Klima einer freien Gesellschaft und erodiert die Basis der Kreativwirtschaft

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Kommentar von Bruno Kramm - Der feine Unterschied: Megaupload und Rapidshare …oder: „Wenn SOPA kommt sind wir alle Mr. Kimble“

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Kommentar von Bruno Kramm - Verfassungsschutz und Vorratsdatenspeicherung - “Am bayerischen Wesen soll Deutschland genesen”

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Kommentiert von Bruno Kramm - ACTA – Warum wir uns wehren müssen - ACTA ist Kafkas Alptraum der Informationsgesellschaft

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12.02.2012 die Privatsphäre im Netz ist das erste Opfer

Bruno Kramm

Dieser Tage wurde der Bundesregierung eine folgenschwere Studie übergeben, die mindestens einen Empörungssturm ausgelöst hätte, wäre sie nicht im Windschatten der sich anbahnenden EU weiten ACTA Proteste veröffentlicht worden.

Die Forschungsstelle für Medienrecht hat im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium das “Two Strikes” Modell zur Verwarnung von Filesharing Usern geprüft und als verhältnismässiges Mittel zur Durchsetzung von Urheberrechten im Internet empfohlen.

Die gesetzliche Umsetzung wird nicht zu lange auf sich warten lassen, denn das wirtschaftsdevote Verhalten der Regierung spielt hier mindestens eine genauso große Rolle wie die Vernetzung der Verwerterlobby in Berlin. Auch kein Wunder, wenn man bedenkt, wie minimal die Ablehnung des ACTA Handelsabkommen in Regierungskreisen ausfällt.

Es scheint, das in Zeiten globaler Finanzkrisen die ökonomischen Interessen immer weit vor den Bürgerrechten rangieren, doch die Verhältnismässigkeit spottet hier jeglicher Beschreibung.

Weder der wirtschaftliche Erfolg noch der pädagogische Wert dieses tiefgreifenden Einschnitts in die Privatsphäre der User zeitigt Erfolg – das zumindest haben Studien, die sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen des des französischen Hadopi Unrechtssystems “Three Strikes” erwiesen.

Sieht man einmal von den zusätzlichen Einnahmen aus den lukrativen standardisierten Abmahnungen ab, die bereits für ein einziges widerrechtlich geladenes Album bis zu Tausend Euro aufrufen, strafen die Konsumenten die Überwachung ihres privaten Datenverkehrs mit Ablehnung der herkömmlichen Angebote der Musikindustrie.

Die Umsatzzahlen der Musikindustrie in Frankreich sind seit der Einführung entsprechend gesunken. Zwar ist die klassischen P2P Nutzung zurückgegangen, doch haben sich dem gegenüber neue anonyme und professionelle Alternativen etabliert. Das Wettrüsten hat begonnen und die Privatsphäre im Netz ist das erste Opfer der französischen “Revolution du droit de la propriete immaterielle”.


Leidtragende sind in erster Linie kleinere Kreativschmieden, Independentfirmen und sich selbst vermarktende Urheber, die nur in seltenen Fällen an den industrietypischen Abmahnverfahren teilnehmen und trotzdem in den Augen der Konsumenten unter dem Generalverdacht der mangelnden Verhältnismässigkeit der drakonischen Strafen stehen, an deren Ende die Abschaltung des privaten Internetzugangs steht.

In Deutschland erfährt Der gerade erst 2008 erwirkte Auskunftsanspruch gegenüber den Providern durch die Legitimation des neuen Verwarnmodells zusätzliche Akzeptanz und fördert die niederschwelligsten Begehrlichkeiten und Ansprüche auf Herausgabe persönlicher Nutzerdaten.

So ist gerade im Zuge der sinnflutartigen Abmahnungen eine Schattenwirtschaft entstanden, die ihre zweifelhafte Rechtfertigung gegenüber vielfach unberechtigten Beschuldigungen mit unangemessenen Drohkulissen durchsetzen.

Konsumenten werden systematisch verängstigt und eingeschüchtert, Unterlassungserklärungen und Schuldgeständnisse erpresst. “Two Strikes” gießt Öl in die Flammen und rüstet das Arsenal der Verwerteranwälte noch weiter auf.

Im gesellschaftlichen Diskurs hat die Verwerterindustrie bisher nur Porzellan zerbrochen und das Gegenteil eines modernen und zukunftsorientierten Musikmarktes erreicht. Die rigide Durchsetzung von unzeitgemässen immateriellen Eigentumsvorbehalten gegenüber der individuellen Autonomie im Netz trifft auf keine gesellschaftliche Akzeptanz.

Das Verletzen des Telekommunikationsgeheimnisses für die Wahrung eines veralteten und zweifelhaften Urheberrechtes stößt bei den Konsumenten auf berechtigte Abehnung.


Die Bevorzugung der Verwerterinteressen als Vermittler zwischen den Kreativen und den Konsumenten durch die politischen Entscheidungsträger stösst mindestens auf das gleiche Unverständnis wie die unsinnige Argumentation, jedes illegal übertragene Werk wäre ohne illegale Downloads legal erworben worden.

So schaufelt die Verwerterindustrie weiterhin das eigene Grab, denn das wachsende gesellschaftliche Bedürfnis nach informellem Schutz, einer digitalen Privatsphäre und der freien Verfügbarkeit geistiger Schöpfungen im Netz ist auch den meisten Kreativen ein grundsätzliches Anliegen.

Die täglich neuen Angebote zur Selbstvermarktung gegenüber den mangelhaften Alternativen der Verwerter macht die eigentlich Kreativen langfristig unabhängig und zentriert die Beziehung zwischen Nutzer und Urheber auf ein gesundes Maß. Die Verwerter haben sich obsolet gemacht, es nur noch nicht gemerkt.

“Two Strikes” vergiftet das Klima einer freien Gesellschaft und erodiert die Basis der Kreativwirtschaft: Das Vertrauen in ein ausgewogenes Verhältnis von freier Rezeption gegenüber dem wertschätzenden Erwerb von Schöpfungen durch den Konsumenten.


Kultur, Kunst und Kreativität braucht heute mehr denn je den freiheitlichen Nährboden und Entfaltungsraum, den die Industrie ihr nicht bieten kann.

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10.02.2012 Profit als Maßstab von Gerechtigkeit

Monika Metternich

Dass aber die Partei mit dem christlichen „C“ im Namen sich nicht (mehr) als Partei des Sonntagsschutzes, sondern als die Partei des ungehemmten Konsums präsentiert, ist schon erstaunlich - Ein Kommentar von Monika Metternich

Köln (kath.net)
Der Sonntag als Tag des ultimativen Kaufrausches, als Tag des Handels und der Umsätze - in Deutschland schien sich bisher mehr und mehr die Meinung durchzusetzen, der Sonntag sei der hohe Feiertag der Konsums.

In diese marktorientierte Idylle dröhnten plötzlich zwei Donnerschläge, als kürzlich die Stadt Siegen als avantgardistische Vorreiterin und ihr folgend auch der Stadtrat von Bochum mehrheitlich beschlossen, den Sonntag zukünftig als „Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“ gesetzlich zu schützen, ganz so, wie es auch im Grundgesetz vorgesehen ist.

„Bochum darf nicht auf den Status des Provinznestes zurückfallen“, wetterte Thomas Lenk, Vorsitzender des Bochumer Einzelhandelsverbandes, der WAZ, gegen die demokratische Bochumer Entscheidung. „Das ist ein unglaublicher Schlag ins Gesicht der Händler.“

Und Klaus Franz, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion Bochum, klagte gestern beim Kölner „Domradio“: „Wir glauben, dass man erstens aus Gründen der Arbeitsplatzsicherheit im Einzelhandel und zweitens aus Gründen der Stadtentwicklung insgesamt einen solchen Alleingang nicht machen kann.

Der Einzelhandel ist darauf angewiesen, dass man im Konzert der anderen Städte - und das gilt gerade im Ruhrgebiet - gleiche Wettbewerbsbedingungen hat“.

Profit als Maßstab von Gerechtigkeit

Dass der Handel Sturm gegen die – wie wir sehen werden, äußerst vernünftige - Entscheidung der beiden Stadträte läuft, ist nicht so überraschend. Wer den Profit als Maßstab von Gerechtigkeit ansetzt, für den sind Umsätze ein besseres Argument als das Recht möglichst vieler – also auch hunderter, tausender von Verkäufern und Verkäuferinnen! – auf einen kollektiv freien Tag.

Dass aber die Partei mit dem christlichen „C“ im Namen sich nicht (mehr) als Partei des Sonntagsschutzes, sondern als die Partei des ungehemmten Konsums präsentiert, ist schon erstaunlich. „Wir beobachten auch, dass Familien gemeinsam einkaufen gehen, wozu in der Woche oftmals gar keine Zeit besteht“, schiebt der CDU-Mann Klaus Franz beim „Domradio“ nach.

Vielleicht darf er an dieser Stelle daran erinnert werden, dass der Samstag in unseren Breiten für fast alle – wieder einmal ausgenommen die Verkäuferinnen und Verkäufer – ein arbeitsfreier Tag ist, an dem nach Herzenslust mit der ganzen Familie eingekauft werden kann.

Die Gerechtigkeit erfordert es aber, dass an einem einzigen Tag in der Woche auch diejenigen, die ständig dem Konsum anderer zu dienen haben, einen freien Tag für sich und ihre Familien reklamieren können. Und das ist der Sonntag.

Das Argument, „die“ können sich ja auch einen anderen Tag freinehmen, zieht nämlich nicht: Denn an keinem anderen Tag ist es möglich, ganz unkompliziert ohne größere Planungen in Familie und Freundeskreis zusammen kommen zu können: Die Kinder müssen an Wochentagen in die Schule, die allermeisten Leute arbeiten unter der Woche.

Wer also ersatzweise an Wochentagen seinen freien Tag nehmen muss, bleibt allein. Er oder sie kann höchstens – einkaufen. Womit wir wieder beim Primat des Konsums wären.

Der Partei mit dem „C“ im Namen sei hier in Erinnerung gerufen, dass das 3. Gebot „Du sollst den Sabbat heiligen“ nicht nur für Juden galt, sondern ein Gesetz war, dass alle betraf: Volksgenossen und Fremde, Arme und Reiche, Gläubige und Ungläubige.

An einem Tag in der Woche sollten alle Menschen gleich sein – gleich frei. Beim Sabbat ging es nämlich nicht allein um einen Ruhetag für ein auserwähltes Volk, sondern um einen Ruhetag für alle!

Ein uraltes und dennoch überaus modernes Stück Sozialgesetzgebung, darüber hinaus aber die praktische Umsetzung eines theoretischen Postulates, welches noch heute von Menschen aller Weltanschauungen verteidigt wird und das die Stadträte in Siegen und Bochum – und dafür sei ihnen ein großes Danke gesagt! – offenbar mehrheitlich wiederentdeckt haben:

Gleich an Würde und Rechten

Dass alle Menschen gleich an Würde und Rechten sind. Im Dritten der Zehn Gebote wurde und wird dieses Axiom ganz konkret und praktisch in die Realität umgesetzt – an einem Tag in der Woche. Eine Neuentdeckung des kollektiv freien Tages auf der Basis der Gleichheit an Würde und Rechten macht also auch in einer säkularen Gesellschaft tiefen Sinn.

Der christliche Sonntag – Tag der Auferstehung Christi – war hingegen in seinen Anfängen ein Arbeitstag. Seine Bedeutung definierte sich seit jeher über die gemeinsame Danksagung („Eucharistie“) derer, die in Jesus Christus den Sohn Gottes erkennen, der der Garant für jenes dritte der zehn Gebote ist: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“.

Unabhängig von ihrem Glauben

Als Kaiser Konstantin im frühen 4. Jahrhundert den “dies solis“, den Sonnentag, zum freien Tag für die ganze Bevölkerung erklärte, verband sich das jüdische Sabbatgebot und die sonntägliche christliche Danksagung in einem Tag, der wirklich human war und auf alle Menschen – unabhängig von ihrem Glauben – ausstrahlte. Als Licht des ersten Tages.

„Erholende Ruhe und heiteres Spiel scheinen für das Leben notwendig zu sein“, sagte schon Aristoteles, und wie recht er hatte, zeigt der kollektiv freie Sonntag: In einer Tradition von 1700 Jahren hat sich dieser der Humanität dienliche Tag ins kollektive Bewusstsein geprägt als Tag der Ruhe und der Erholung für alle. Selbst die Ausnahmen spiegelten diesen Anspruch:

Heilen und Helfen, Spiel und Sport, Kunst, Musik und Theater

Heilen und Helfen, Spiel und Sport, Kunst, Musik und Theater, das gemeinsame Essen – all das sind Tätigkeiten, die dem Wohl der Menschen dienen. Handel, monetärer Wettbewerb, Konsum und Geldgeschäfte gehörten hingegen nie dazu. Bezeichnenderweise haben auf der ganzen Welt Banken und Börsen am Sonntag geschlossen.

Ein „Zurück“ hinter diesen höchst vernünftigen Maßstab der Humanität wäre ein eklatanter Kulturbruch zugunsten des Mammons.
Wer dem Mammon Priorität gegenüber der Humanität gibt, stellt sich an die Seite derer, die den Sonntag einst ganz abschafften:

Die französischen Revolutionäre, die mit ihrer wirtschaftsdienlichen 10-Tage Woche kläglich scheiterten, und die russischen Kommunisten, deren produktionsfördernde rotierende Arbeitswoche nicht mal im „Arbeiterparadies“ funktionierte und abgeschafft werden musste:

 

An einem Tag in der Woche Gemeinsamkeit

 

Die Menschen brauchen an einem Tag in der Woche Gemeinsamkeit. Ohne einen kollektiv überwiegend freien Sonntag wäre es Glückssache, als Familie, als Freundeskreis irgendwann einmal gesellig zusammentreffen zu können. Das rotierende System freier Tage funktionierte nicht einmal unter diktatorischen Bedingungen in Russland – es wird auch heute nirgends funktionieren. Unzufriedenheit und Entfremdung sind die Folgen einer totalen Vereinzelung zugunsten des Profits.

Eine Tradition von 1700 Jahren steckt einer Kultur eben in den Knochen. Und hier treffen sich die Interessen derer, die am Sonntag unkompliziert mit anderen Gemeinschaft pflegen wollen mit jenen, die den Sonntag als das feiern wollen, was er von seinen Anfängen her war:

Gegen die Interessen von Wirtschaft und Handelsverbänden

 

Als Tag des Herrn. Beide Seiten tun gut daran, einander zu respektieren und gemeinsam diesen Wunsch gegen die Interessen von Wirtschaft und Handelsverbänden durchzusetzen. Der Arbeitssonntag schafft keine Arbeitsplätze, das hat die Praxis der letzten Jahre gezeigt. Er schafft keine Gerechtigkeit, keinen Wohlstand und keinen kulturellen Gewinn.

Die jüdisch-christlichen und die Werte der Aufklärung treffen sich hier in einem wesentlichen Punkt, sodass der christliche Standpunkt problemlos auch ins Säkulare „übersetzt“ werden kann: In der Humanität, die sich nicht am Geldwert bemessen kann und darf.

Eine Abkehr davon kann nur bedeuten, Gerechtigkeit allein am Mammon zu orientieren. Wo Gerechtigkeit am Geld festgemacht wird, sind Umsätze tatsächlich ein besseres Argument als das Recht möglichst vieler auf einen menschenwürdigen, der Gemeinschaft dienlichen Sonntag.

Wenn der Profit zum absoluten Wertmaßstab von Gerechtigkeit wird, dann ist es nur eine Sache der Zeit, wann jeder sich gleichermaßen in dessen Joch einspannen lassen muss.

Produktion, Handel und Profit über die Humanität

In der Geschichte hat sich gezeigt, dass es die Christen sind, die sich gegen schreiendes Unrecht einsetzen müssen, wenn Produktion, Handel und Profit über die Humanität gestellt wurden. Während der Industrialisierung, als Menschen zugunsten von Profit und Marktwettbewerb versklavt wurden, und gegen die Rechte der Arbeiterschaft genau dieselben Argumente vorgebracht wurden, die heute Verkäuferinnen und Verkäufer zur Sonntagsarbeit zwingen, war es Bischof Emmanuel von Ketteler, der sich an die Seite der Arbeiterbewegung stellte:

„Als ich zum Bischofe geweiht wurde hat mir die Kirche, ehe sie mir die bischöfliche Weihe und Vollmacht erteilte, unter anderem die Frage vorgelegt: Willst du den Armen und den Fremdlingen und allen Dürftigen im Namen des Herrn liebevoll und barmherzig sein? – Und ich habe geantwortet:

Auf dass sie Gerechtigkeit erfahren

Ich will. Wie könnte ich also, nach diesem feierlichen Versprechen, bei einer Frage teilnahmslos sein, die mit den wesentlichsten Bedürfnissen mit einer so zahlreichen Klasse der Menschen sich beschäftigt? Wenn auch die Trennung im Glauben eine beklagenswerte Scheidewand zwischen uns errichtet hat, die noch fortbesteht, so hat doch die christliche Liebe keine Grenzen.“

Die Partei mit dem christlichen „C“ im Namen sollte sich von dieser Sichtweise eine große Scheibe abschneiden. Und Christen aller Konfessionen sollten sich auch heute wieder entschieden an die Seite all derer stellen, die zugunsten des Konsums in der Sonntagsdebatte nicht einmal mehr in der Debatte vorkommen: Die der Verkäuferinnen und Verkäufer. Auf dass sie Gerechtigkeit erfahren.

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