Reden ist silber, Schreiben ist gold

30.05.2013 Max' kulinarische Kolumne

GFDK - Michael H. Max Ragwitz

Die einen sagen so, die anderen so. Die einen lieben einen großen Teller mit viel drauf und wenig Kosten. Die anderen schätzen ein raffiniert zubereitetes und angerichtetes Gericht und lassen sich das auch etwas kosten. Ist eben alles Geschmackssache. Beim Thema Trinkgeld aber scheiden sich die Geister. Eine kürzlich erschienene Meldung im Internet hat mich diesbezüglich zum Nachdenken bewogen:

Ich kenne noch Gaststätten in der ehemaligen DDR, in deren Speisenkarte (sinngemäß) geschrieben stand: "Unser Bedienungspersonal ist wirtschaftlich so gestellt, dass es auf Trinkgeld verzichten kann". Zugegeben, diese Regelung hatte nicht lange Bestand. Aber die Trinkgeld-Frage beschäftigt bis heute die Gemüter. Während in der Stammkneipe eher auf den Cent genau oder auf 50 Cent aufgerundet wird, fühlt sich der Gast in einem Restaurant schon verpflichtet, den obligatorischen Obolus zu entrichten.

Essen und Trinken

Für mich ist Trinkgeld immer doppeldeutigem Sinne eine Frage des Geschmacks, aber auch der Qualität von Service und Ambiente. Hat mir das Essen gemundet und der Abend war rundum ein Erlebnis, fällt es nicht schwer, ein adäquates Trinkgeld zu überreichen. Gewisse Bedenken habe ich diesbezüglich immer, wenn von sogenannten Prozent-Regeln die Rede ist. Denn Trinkgeld ist schließlich kein Muss und kann aus meiner Sicht folglich auch keine Frage einer Regel sein. Was angemessen ist, bestimmt der Gast. Und auch der blamiert sich bekanntlich so gut er kann.

Wenn ich mir ein 5-Gänge-Menü samt Getränken für über 100 Euro leiste, dann ist es auch selbstverständlich, dass ich dafür mindestens 10 Euro zusätzlich auf den Rechnungsteller lege. Der Prozentsatz zur Rechnung ist mir dabei völlig egal. Ich drücke damit meine Wertschätzung gegenüber Küche und Service aus und werde das auch beim Bezahlen in recht höflicher Form mündlich ausdrücken. Da mache ich auch keine Unterschiede zwischen einem "normalen" Restaurant und der Sternegastronomie. Wichtig ist in jedem Fall meine Zufriedenheit.

Und wenn die Anlass zur Kritik gibt, sollte man sich auch nicht davor scheuen, sie sachlich an den Mann oder die Frau zu bringen. Das muss sich im Detail noch nicht einmal auf das Trinkgeld auswirken. Denn der Kellner kann wohl kaum dafür, wenn dem Koch einmal etwas nicht so richtig gelungen ist. Erst wenn die Mängel gravierend sind und die Bedienung freundlich und fachlich eine Nullnummer war, scheue ich mich auch nicht, den Betrag ohne Aufschlag zu bezahlen.

Und ebenfalls nix gibt's bei mir, wenn ich weiß, dass der Chef des Hauses seinem Bedienpersonal auch das Trinkgeld abknöpft. Das gibt es durchaus, zugegeben wohl eher nicht im gehobenen Gastronomiebereich. Grundsätzlich aber reiche ich das Trinkgeld persönlich und in bar aus. Schließlich kommt man ja auch mal in die Situation, mit Karte zu bezahlen. Eine Extraquittung für das Trinkgeld zu erbitten, erachte ich als sogenanntes "no go", oder besser: geht gar nicht.

Bei besonderen Anlässen, zum Beispiel bei einer größeren Tafelrunde oder einer Feier erlaube ich mir meist auch, der Küche einen angemessenen Betrag in die "Kaffeekasse" zu geben. Ich meine, das ist auch eine Anerkennung guter Leistungen in diesem Bereich. Und es versteht sich von selbst, dass man seine diesbezügliche Wertschätzung auch dem Küchenchef kundtut, wenn der eventuell sogar persönlich an den Tisch kommt und sich erkundigt, ob alles in Ordnung ist und gut mundet.

Zu guter Letzt gibt es in vielen Restaurants auch noch Gästebücher. Darin kann man Lob und Kritik gleichermaßen anbringen. Wobei ich mir gut überlegen würde, ob ich letzere wirklich für die Nachwelt darin verewigen sollte.  Man muss ja schließlich die kleinen Sünden nicht über Gebühr dokumentieren, die längst der Vergangenheit angehören. Aber wenn es nötig ist, den Mund aufzumachen, dann sollte man auch Klartext schreiben.

Michael H. Max Ragwitz
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Nächste Woche: Wie viel Koch braucht das Fernsehen?

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27.05.2013 kein Essen von der Stange

GFDK - M H Max Ragwitz - 6 Bilder

Die meisten Dinge im Leben sind mit einer kleinen Geschichte verbunden. Die Geschichte, von der ich jetzt schreibe, begann an einem Samstag im Juli 2008 im Rahmen der Recherchen zu meinem Buch "Kulinarische Entdeckungsreise durch Sachsen" (www.weltbild.de/3/15600256-1/buch/eine-kulinarische-entdeckungsreise-durch-sachsen.html).

Zwei Termine in Radebeul und Sebnitz erfolglos hinter mir, weil die Protagonisten mich trotz Terminvereinbarungen sozusagen haben abblitzen lassen. Für diesen Ärger wurde ich wenig später einigermaßen entschädigt. Denn mit dem malerischen "Landgasthaus zum Schwarzbachtal" (www.schwarzbachtal.de) in Lohsdorf bei Hohnstein hatte ich einen echten kulinarischen Geheimtipp entdeckt.

Essen und Trinken

Mehr noch, die Inhaberin Barbara Siebert hatte mich mit ihren aufgeweckten Augen und einfühlsamen Beschreibungen sehr beeindruckt. Vor allem, was sie über ihre Koch-Philosophie berichtete, galt mein Interesse. Ihr Speisenangebot, meinte sie, richtet sich nach dem Rhythmus der Jahreszeiten und der Natur. Sie setze auf gesunde saisonale und regionale Küche. Ein Blick in die Speisenkarte hat mich seinerzeit schnell überzeugt, dass sie nicht übertreibt. Und schnell hat sich der Wunsch gefestigt, diese Küche einmal in aller Ruhe kennenzulernen und zu genießen. Dass sich dieser Vorsatz erst nach Jahren umsetzen ließ, hatte viele Gründe. Aber, was lange währt, wird bekanntlich gut.

Fast auf den Tag genau vier Jahre später traf ich zu einem Kurzurlaub in der Sächsischen Schweiz wieder in dem gastlichen Haus ein und nahm mit meiner Frau dort Quartier. Und wie immer war auch diesmal der erste Eindruck der beste. Die Gaststube lädt in ein liebevoll im Detail ausgestattetes ländlich-rustikales Ambiente ein. Barbara Siebert, Wirtin und Küchenchefin in einer Person, erzählt, dass sie über 20 Jahre hinweg die Einrichtung des Hauses zusammengetragen und nahezu jeder Gegenstand seine eigene Geschichte habe.

Kulinarisches Deutschland

Besonders neugierig waren wir aber natürlich wegen der Kochkünste der ambitionierten Köchin, wie es eine Urkunde im Haus verspricht. Obwohl ich auf solche Urkunden gewöhnlich nichts gebe, konnte ich mich schnell eines Besseren belehren lassen.

Dazu muss man wissen, dass Barbara Siebert eigentlich promovierte Germanistin ist, die erst vor gut 10 Jahren aus der Not eine Tugend machte und selbst das Zepter in der Küche übernahm. Inzwischen, verrät sie augenzwinkernd, hat sie gelernt, sich in ihrem Reich die Zeit nicht zum Feind zu machen, sondern in die Qualität der Speisen zu investieren. Und sie setzt mehr denn je auf regionale Produkte, denn hinter den Lebensmitteln stehen Gesichter und Namen. Für sie sind regionale Erzeuger alternativlos und unschlagbar gut, wie es auch auf ihrer Homepage heißt.

Kein Essen von der Stange

Ihre kulinarische Kreativität nimmt die Siebert wohl aus einer Mischung von eigenen Intentionen, einer Gabe zur gelungen Kombination von Zutaten, reichlich Literatur in ihrer gut bestückten Küchen-Bibliothek und schier immerwährender gastronomischen Neugier und Freude, den Gästen stets etwas Unverwechselbares auf den Tisch zu zaubern. Wie sonst ist es zu erklären, dass sie auf Einfälle wie Aperitifs aus Basilikum- oder Jasmin-Essenz mit erfrischendem Sekt kommt?

Und gar ihre Menü-Vorschläge, die einem bereits beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Allein die Suppenvariationen des Hauses zeugen von dem Faible der Chefin zu Kräutern aller Geschmacksrichtungen.

Sie kombiniert Tomatensuppe mit Basilikumraviolo oder Basilikumsuppe mit Cunnersdorfer Käse. Ein Hochgenuss ist die Sauerampfersuppe mit Streifen vom Zander. Trotz der Tatsache, dass ich durchaus kein Vegetarier bin, war ich von ihrem "Alles Käse"-Angebot, bestehend aus Kartoffeltäschchen, gefüllt mit Wehrsdorfer Blauschimmelkäse, Ziegenkäse-Kartoffel-Törtchen mit Tomaten sowie Kartoffelpuffer mit Cunnersdorfer Käse (auf meinen Wunsch mit Speck) und Radieschenquark mehr als begeistert. Das sind, angerichtet mit allerlei Gemüse und Kräutern, echte kulinarische Leckerbissen.

Dem stehen die Fleischgerichte in nichts nach. Bin ich sonst bei Rumpsteak immer sehr skeptisch, was da angeboten wird, hat Barbara Siebert zart und auf den Punkt gebraten (ich mag es einen Tick weniger gebraten als Medium) auf den Teller gebracht. Dazu geschmelzte Tomaten, Basilikumkartoffeln und ein Hauch Knoblauch. Echt empfehlenswert.

Auch meiner Frau hat Perlhuhnbrust mit Gemüsevariationen und Schupfnudeln ausgezeichnet gemundet. Eine sehr angenehme Geschmacksnote hatte auch die Suppe aus regionalen Edelfischen mit Flusskrebsravioli und Safran, dazu Brotchips mit Tomaten-Chili-Paste. Da macht schon ein Detail, aber natürlich die ideenreiche Zubereitung insgesamt, einen wahren Hochgenuss aus.

Und immer wieder Kräuter, Kräuter und Blüten. Hier beweist die Chefin ein untrügliches Gespür für geschmackliche und visuelle Effekte. Das wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass Barbara Siebert oder ihre Küchenhilfen die Kräuter und Blüten jedes Mal ganz frisch aus dem eigenen Garten pflücken. So entstehen neben den Zutaten für diverse Gerichte fantasievolle Schöpfungen wie Löwenzahnblütenmousse mit Holunderblüten-Himbeertörtchen und Tannenspitzenparfait, oder Estragon-Erdbeeren mit Eisvariationen.

Das Landgasthaus wartet also nicht mit Essen von der Stange und nach dem Motto VfB (viel, fettig, billig) auf: Hier wird eine sehr individuelle, kreative Küche zelebriert, die anspruchsvollsten Wünschen gerecht wird. Und was andere Restaurants mit einem aufwändigen Service-Aufgebot vorhalten, erledigt Barbara Siebert schlicht und einfach im Koch-Outfit mit entwaffnender Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Humor.

Kurz: Sie sagt, was Sache ist, die Gäste warten gern ein Weilchen länger, und kommen gern wieder. Meine Frau und ich waren jedenfalls nicht das letzte Mal im Schwarzbachtal...

Landgasthaus Schwarzbachtal
Niederdorfstraße 3
01848 Hohnstein OT Lohsdorf
Deutschland

Inhaber: Dr. Barbara Siebert

Tel.: 035975 80345
Fax: 035975 84492

schwarzbachtal@freenet.de

Michael H. Max Ragwitz
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27.05.2013 ein Langzeitprojekt von Eva Horstick-Schmitt

GFDK - Eva Horstick-Schmitt

Die Fotografin Clara Bahlsen aus Berlin erhält den 10. Aenne-Biermann-Preises für deutsche Gegenwartsfotografie. Ihre Arbeit »Töchter« beschäftigt sich mit der Frage nach Herkunft und Familie und deren individuellen Stellenwert für Biografie und Identität.

Lieber Gottfried,

kann man einen Preis gewinnen, wenn man sich eventuell bei anderen Fotografen umschaut und abschaut?

Seit etlichen Jahren fotografiere ich u.a. Töchter des Reviers, Töchter des Münsterlandes und so weiter. Die Frage nach Herkunft und Identität ist dabei meine Intention bei all meinen Arbeiten mit den Töchtern.

Dabei habe ich Frauen portraitiert zwischen 13- 18 Jahren  und diese auch zum Teil interviewt.

Ich wundere mich sehr, diese meine Töchteridee   zu sehen als Wettbewerbsgewinn. 1 . Preis.

Ich habe es leider nicht geschafft mich mit meiner Serie Töchter...dort  zu bewerben, weil ich im Ausland unterwegs war und es einfach zeitlich nicht schaffte. 

Da ich aber nachweislich diese Töchter- Arbeiten zum Teil auf meiner Webside habe und auch damit öffentlich  , frage ich mich wie es kann, dass eine Fotografin mit derselben Idee um die Ecke kommt.

Als Künstlerin/Fotografin agiere ich  auch mit meinen Arbeiten  und bin aktiv.

Ist das alles Zufall? Hatte die Dame eben nur Jahre später dieselbe Idee ?

Ich gratuliere natürlich der Gewinnerin, aber ist es ihre Idee-, denn ich war  vorher schon damit am Markt und lasse ungern das im Raum stehen. Verständlich oder?

Sie gewann mit "Töchter" den Aenne Biermann Preis 2013 mit Fotografien aus 2012.

Wie gesagt, ich gönne es jedem von Herzen. 

Nur leider beschleicht mich so ein blödes Gefühl bei der Serie , die ich mit viel Herzblut auf eigene Kosten durchgeführt habe und weiter führe, dass mal wieder alles umsonst war.

Du weisst ja sicher was ich meine... das Kunstgeschäft ist schon hart genug und die non Profit Arbeit damit kostet Zeit, Engagement und Geld.

Projekt Töchter von Eva Horstick-Schmitt

Im Zentrum der persönlichen Begegnungen stehen die konkreten Zukunftsvisionen und individuellen “Zukunftsterzählungen” junger deutscher Bürgerinnen. Die protokolierten  individuellen Zukunftserzählungen spiegeln voraussichtlich ähnliche, gleiche und unterschiedliche Ängste und Hoffnungen, Erwartungen und Vorstellungen. Die Interviews werden zugleich durch die persönliche Nähe der Interviewgespräche die jeweiligen unterschiedlichen sozialen Persönlichkeitsprägungen der Zukunftsbilder  eindrucksvoll zeigen.

Neben der konkreten Bebilderung ist es die authentische persönliche Unmittelbarkeit, die die Zukunfsterzählungen der jungen Menschen ebenso spannend wie fazinierend macht. In der Zusammenschau der erkundeten Zukunftsvisionen ergibt sich sowas wie eine cognitive erste Stadtkarte   für der im Stadtraum gleichzeitig vorhandenen Meinungen und Visionen, sowie derer auf dem Land. Es geht nicht um eine statistische Erhebung.

Vielmehr sollen durch eine Recherche die Zukunfstvisionen mit den authentischen Persönlichkeitsbildern eng verbunden werden. Das moderne Medium der zozialdokumentarischen Fotografie leitet hier einen herausragenden Beitrag. In der Realisierung dieser Bildprotokolle und Interviews ensteht ein gemeinsames Sozialbild der Zukunftsvisionen dieser Generation. Dieses neue und aktuelle “Fotojournalistische Format”  präsentiert Herkunft und Identität auf besondere Weise und macht die” Töchter “zu einem Sprachrohr ihrer Generation.  

Dr. M. Pape 2011

Beste Grüsse 


Eva Horstick-Schmitt 

Künstlerin - Artist

Art@Live.de

 

 

 

 

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26.05.2013 Angelika Mann: Was treibt mich nur?

GFDK - M H Max Ragwitz

Während Angelika Mann in ihrer Autobiografie "Was treibt mich nur?" meint, sie fängt immer mit dem Anfang an, versuche ich mal eine Art Quereinstieg in das Thema: Ihren Namen habe ich natürlich seit Jahrzehnten gekannt und gewusst, dass sie, musikalisch gesehen, mit dem Lakomy rumgemacht hat.

Virtuell kennengelernt habe ich die "Lütte" dann über Facebook. Von Angesicht zu Angesicht kennengelernt habe ich sie am 8. März 2013 in der Dresdner Comödie, wo sie mit fünf anderen Grazien als Kalender-Girls in köstlich-amüsanter Art und Weise die Hüllen fallen ließ. Wenige Wochen später haben wir uns aus traurigem Anlass bei Lackys Beerdigung wiedergesehen. So ganz habe ich aber auch dann noch immer nicht gewusst, woran ich bei der Mann bin.

Und nun dieses Buch, das ich in zweieinhalb Abend-Runden nahezu verschlungen habe. Ähnliche Aktivitäten meinerseits sind relativ lange her. Das erinnert mich übrigen an Kindheits- und Jugendtage, an denen ein Buch pro Tag sozusagen Satz war. Wie Angelika Mann in das Thema einsteigt, macht Spaß. Da ist, nach meinem Empfinden, nichts Koketterie um ihrer selbst willen. Sie beschreibt mit wohltuender Nüchternheit, aber auch erkennbarem inneren Bezug über ihre Eltern und Großeltern. Damit beginnt sie genau genommen noch vor dem (ihrem) Anfang. Das weitet den Blick auf die spätere Entwicklung der Lütten, wie sie schon in frühester Kindheit in vielfacher Abwandlung genannt wurde.

Sie schildert in sehr bildhafter, im Detail oft erfrischend pointierter Sprache, was sie in ihren jungen Jahren (voran) getrieben hat. Und sie offenbart auch ziemlich schnörkellos ihr Verhältnis zum privaten und gesellschaftlichen Umfeld. Wenn man die DDR aus anderer Sicht und aus anderen Lebensverhältnissen heraus erlebt, verstanden und geliebt hat, ist eben diese Offenheit der Mann schon schockierend, die diesem Staat (fast) nichts abringen konnte.

Umso faszinierender sind ihre kleinen und größeren Zugeständnisse an den ehemaligen deutschen Osten, in dem sie ihre Freunde, Kollegen und, fast wörtlich zu nehmen, auch ein recht gut behütetes (bewachtes) Umfeld hatte. Sie relativiert in manchen Passagen ihr DDR-Bild fast liebenswürdig-innig. Aber sie bleibt sich immer selber treu und hat mit dem sozialistischen Staatskonstrukt eigentlich nichts am Hut. Das muss man nicht mögen, kann man aber wohl schätzen.

Mir war vieles, was die Mann sich da von der Seele schreibt jedenfalls Anlass dazu, eigenen Positionen zu überprüfen und zumindest gedankliche Toleranz zu proben. Das macht ja auch den Wert eines Buches aus, meine ich. Und mir kam in diesem Zusammenhang auch der alte Adenauer-Spruch in den Sinn, dass man die Menschen nehmen möge, wie sie sind. Weil es ja keine anderen gibt.

Richtig spannend wird's natürlich, wenn Angelika Mann in die kulturell-künstlerische Szene eintaucht. Sie klärt auch den uneingeweihten Leser buchstäblich auf, was da so alles vor und hinter den Kulissen abgegangen ist. Sie skizziert Mini-Porträts von künstlerischen Wegbegleitern und Freunden. Und sie revidiert damit für mich zumindest in Ansätzen die Sichtweise auf Leute wie Nina Hagen, Ute Freudenberg und Wolfgang Lippert.

Was nicht heißt, dass ich jetzt von denen ein grundsätzlich anderes Bild habe. Aber ich akzeptiere, das sie als Menschen offenbar etwas auszeichnet. Denn sonst hätte die Lütte sie anders, distanzierter, beschrieben. Dass mir trotzdem regelmäßig die Haare zu Berge stehen, wenn Lippert irgendwo auftaucht und den Mund aufmacht, mag und wird sie mir (vielleicht nicht unkommentiert) nachsehen.

Ganz nahe gehen mir ihre Kapitel zu ihrem beruflich-wirtschaftlichem Umfeld. Sie beschreibt ihre Odyssee im bundesdeutschen Paragrafen- und Behördendschungel in einer Weise, zu der Mut gehört. Sie beschönigt weder eigene Fehler, besser: Unkenntnis, noch hält sie ihre Klappe, wenn es darum geht, Nepper, Schlepper und Bauernfänger zu kritisieren und so ganz eigene Erfahrungen im Leben weiterzugeben.

Auch hier räumt sie mit Halbwissen über die DDR Künstler-Szene auf und offenbart sich im doppeldeutigen Sinne des Wortes auch als Opfer der für sie und viele anderen neuen bundesdeutschen Bedingungen. Sie nennt es nahezu lapidar "Lehrgeld". Wohl wissend, wie viel persönliche Nackenschläge und Tiefpunkte damit verbunden waren und sind.

Nun wäre ich nicht ich, wenn ich nicht auch was zu kritisieren hätte: Limbach-Oberfrohna, liebe Angelika, liegt nun ganz gewiss nicht im Vogtland. Das weiß ich als gebürtiger Erzgebirgler ziemlich genau. Was nicht heißen soll, dass die Stadt im Erzgebirge liegt. Wohl aber in Sachsen. Und dazu gehört das Erzgebirge bekanntlich nicht

Wer das anzweifelt, dem empfehle ich, bei einem Heimspiel von Erzgebirge Aue einmal einen Fan als Sachsen zu bezeichnen... Damit wäre die Kritik auch schon beendet. Cool, oder?

Was ich mir gewünscht hätte, wären ein paar mehr Sätze zu ihrem Verhältnis zu Lakomy unmittelbar vor und längere Zeit nach ihrer Ausreise in den Westen, wenn auch nicht weit weg, wie sie es sagen würde "gleich umme Ecke"....

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17.05.2013 Solidarität von allen Seiten

GFDK - Eva Horstick-Schmitt und Gottfried Böhmer

Die Künstlerin Eva Horstick-Schmitt ist überall dabei, wo man eine Künstlerin nicht unbedingt erwartet. Das erstaunt uns mittlerweile nicht mehr. In ihren Werken setzt sich Eva Horstick-Schmitt überwiegend mit sozialkritischen Themen auseinander.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sie bei recht trüben Wetter an einer Demo teilnimmt bei der es um die Belange von Beamten geht. Künstler sind so, wie uns scheint eben nicht berechendbar. Mit Eva Horstick-Schmitt muß man überall rechnen.

Nachrichten aus Deutschland

NRW ist das einzige Bundesland mit der Nullrunde für Beamte ab A 13. Nicht, dass diese in den letzten 10 Jahren nicht schon immens viele Einschnitte hatten wie Z.B. Wegfall von Zulagen und Rentenkürzungen , Rentenalter nach oben schrauben etc.
Mein Eindruck ist, dass die NWR  Führung unter von Frau Kraft sich keine Gedanken darum macht, wer die "Gewinner" sein sollen in dieser Nullrunde.
 
Die Inflation schreitet voran... und einen Ausgleich gibt es nicht. Aber was soll es.
Dafür gaben sich die Politiker 500 Euro mehr jeden Monat an Diäten-  noch letztes Jahr beschlossen.
 
Ich finde übrigens, dass die Solidarität von allen Seiten kommen sollte.
 
Das Land NRW ist dabei Teams zu spalten. Die Polizeiarbeit wird zu einem grossen Teil von Menschen geleitet und geleistet, die motiviert sind und der Gerechtigkeit dienen möchten sowie in Teams arbeiten egal ob A 13 A 12 oder A 15.
 
Die Polizei in NRW hat wirklich mehr Arbeit als z.B. die Polizei in Bayern, weil es in NRW wirkliche Brennpunkte gibt. Aber Bayern gestaltet keine Nullrunde, wie auch alle anderen Bundesländer nicht. Wo soll das hinführen? Eine NRW Regierung, die marode Banken rettet und kein Geld für Beamte hat?
 
Wie wäre es wenn Frau Kraft eine Kraftbrühe trinkt und darüber nachdenkt welchen Bockmist sie baut.
 
Ich kenne Männer, die  mehr unbezahlte Überstunden für die Polizei erledigt haben, als sie Zeit für Ihre Familien hatten. Das Land hat die RESTFREIZEIT auch noch aufgefressen mit ständiger Polizei- Rufbereitschaft und schwierigen Einsätzen, die nicht wirklich lustig waren.


Diese Menschen werden dafür bestraft, dass sie sich für das Land einsetzten und dürfen dann noch zusehen wie das Rentenalter erhöht wurde und die Rente um einige Prozent gekürzt.
Gerecht?


Ich werde eine SPD in NRW samt Grünen nicht wählen, die so mit ihren Menschen umgeht.
Die, die das Land stützen und weiterbringen in schwierigen Lagen die Verantwortung tragen und
oft keine andere Wahl haben als an Wochenenden zu arbeiten werden geschröpft von unserer Regierung.
 
Vor allen Dingen hat Frau Kraft vor der WAHL etwas versprochen. Sie hat ihr Versprechen gebrochen und ist somit für mich eine Lügnerin.
 
Wenn Politikerinnen und Politiker mit solchen Beispielen voran gehen...
gebt ihnen die Quittung.

Es waren mehrere gute Redner dort. Zu den maßgeblichen der Polizei zählte der Chef der GDP NRW
Adi Plickert. Die flammenden Reden für mehr Gerechtigkeit waren wirklich hörenswert.
  
Gruss
 
Eva Horstick-Schmitt

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01.05.2013 Der Jahrhundertkünstler im Fadenkreuz

GFDK - Gottfried Böhmer

Mit einem Generalangriff versuchte schon 2009 der Kunsthistoriker Beat Wyss in einem Essay das Ansehendes Künstlers Joseph Beuys zu beschmutzen. Hinter seiner intellektuellen Fassade fragt Beat Wyss, so konnte man in der FAZ über Joseph Beuys lesen, ob Beuys „paramilitärisches“ Auftreten mit Springerstiefel und Fliegerjacke seine Jüngerbildung und sein Mythosbegriff nicht seltsame Kontinuitäten zum Dritten Reich pflegten.

Auch Kritiker, die nicht so weit gehen, befragen seine Vergangenheit neu: Oft hatte Beuys erzählt, Tataren hätten ihn im Zweiten Weltkrieg beim Abschluss seines Jagdflugzeuges sein Leben gerettet, in dem sie ihn in Filz und Fett wickelten, daher sein Interesse an diesen Materialien.

Hat, fragen die „Kritiker“, Beuys je über diejenigen gesprochen, die er als Wehrmacht-Soldat vor seinem Abschuss tötete; entschärfte die Geschichte von Filz und Fett nicht ein politisches Verbrechen, an dem Beuys beteiligt war, zum tröstlichen, allgemein menschlichen Mythos?

Als erstes müssen wir uns hier fragen, ob diese „Kritiker“ noch alle Tassen im Schrank haben. Oder wir könnten uns auch fragen, wie dummdreist oder besoffen muss man sein, um so einen Unsinn zu verbreiten. Dass die Verunglimpfung aller Deutschen, die in der Wehrmacht gedient haben, in Deutschland zum Standard geworden ist, brauchen wir hier nicht weiter ausführen.

Dass man aber nun eine weltbekannte Persönlichkeit wie Joseph Beuys zur Zielscheibe machen kann, um damit Medienaufmerksamkeit zu erlangen, ist mehr als schändlich. Vielleicht verkauft der Führer jener Kritiker, Beat Wyss, nicht mehr genug Bücher („Die Wiederkehr des Neuen“, „der Wille zur Kunst“ und auch „Trauer der Vollendung“), dass er nun zu derartigen obskuren Mitteln greifen muss, um sich ins Gespräch zu bringen. An dieser Stelle kann man einfach nur noch sarkastisch werden.

Das ganze Theater erinnert uns an die Aufregung um Günther Grass, als 2006 „vermeintlich“ heraus kam, dass er nicht nur Soldat war, sondern als 17-jähriger zur 10. SS Panzerdivision Frundsberg einberufen wurde.  Wie wir uns erinnern, war das auch ein schönes Medienspektakel, ungeachtet der Tatsache, dass diese militärische Karriere schon nach 6 Monaten beendet war.

Aber zurück zu Beuys, vielleicht ist Beat Wyss einfach nur die Fantasie durchgegangen, nach dem Motto, eins und eins ist zwei. Schließlich haben Joseph Beuys und Günther Grass an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert und beide auch noch Bildhauerei. Wenn das mal keine Parallele ist. Oder zumindest ein Anfangsverdacht, dürfte sich Wyss gedacht haben. Und dass die großen alten Männer der deutschen Kulturgeschichte selbstverständlich Nazis waren, versteht sich für die Generation der Nachgeborenen sozusagen von selbst.

Der ehemalige Sekretär von Joseph Beuys, Heiner Bastian reagierte empört auf Wyss; die Fliegerweste, so argumentieren gleich mehrere Verteidiger sei in Wahrheit eine Anglerweste gewesen, die nur entfernt wie eine Fliegerweste aussehe. Im Gegensatz zu Günther Grass kann sich der Verstorbene Joseph Beuys nicht mehr persönlich gegen derartige Verunglimpfungen zur Wehr setzen.

Joseph Beuys 1941-1946 

Nach seinem Abschluss am Staatlichen Gymnasium 1941 meldete sich Beuys freiwillig zur Luftwaffe. Ab dem 1. Mai 1941 wurde er in Posen vom späteren Tier- und Dokumentarfilmer Heinz Sielmann zum Bordfunker ausgebildet. Sielmann förderte das Interesse seines Rekruten an der Botanik und Zoologie; Beuys besuchte sieben Monate lang als Gasthörer Vorlesungen in diesen Fächern und der Geographie an der Reichsuniversität Posen.

Nach seinem Ausbildungsabschluss als Bordfunker wurde er auf der Krim stationiert und nahm im Juni 1942 am Luftkampf um die Festungsstadt Sewastopol teil. Ab Mai 1943, Beuys war inzwischen Unteroffizier, wurde er in Königgrätz im damaligen Reichsprotektorat Böhmen und Mähren als Bordschütze in einem Sturzkampfflugzeug (Stuka) vom Typ Ju 87 eingesetzt. Nach der Verlegung zum Luftwaffenstab Kroatien im Sommer 1943 war er bis ungefähr 1944 an der östlichen Adria stationiert. Von dort flog er zeitweise zu Waffentests die Luftwaffenbasis in Foggia an. Zahlreiche Skizzen und Zeichnungen aus Kriegstagen sind hier entstanden.

Am 4. März 1944 begann die Rote Armee an der Ostfront ihre Frühjahrsoffensive und erzwang den Rückzug der deutschen Verbände aus der Ukraine. Bei einem Schneesturm am 16. März 1944 stürzte Beuys’ Stuka 200 Meter östlich von Freifeld, heute Snamenka, über der Krim ab; der Pilot Hans Laurinck starb. Joseph Beuys wurde bei diesem Unglück schwer verletzt; er erlitt einen Schädelbasisbruch, mehrere Knochenbrüche sowie ein Absturztrauma. Die Granatsplitter in seinem Körper konnten nie vollständig entfernt werden. Krimtataren entdeckten das abgestürzte Flugzeug und benachrichtigten ein deutsches Suchkommando.

Im August 1944 wurde er trotz seiner Verletzungen an die Westfront einberufen, wo er als Fallschirmjäger eingesetzt wurde. Er erreichte dabei den Dienstgrad eines Feldwebels. 1944 wurde er mit dem „Abzeichen für Fliegerschützen“, mit dem „Eisernen Kreuz 2. Klasse“ und mit dem „Eisernen Kreuz 1. Klasse“ ausgezeichnet. Aufgrund von fünf Verwundungen erhielt er zudem das goldene Verwundetenabzeichen.

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23.04.2013 eine unangemessene „Binärisierung“

GFDK - Christopher Lesko

Vielleicht unpopulär: Die aktuelle Hoeneß-Diskussion verbindet, wie ich finde, an manchen Stellen Themenfelder in einer annähernd demagogischen Weise miteinander. Sie spricht Hoeneß Aufrichtigkeit in Situationen ab, in denen er anderen geholfen hat und entwertet dies vor dem Hintergrund seines Schweizer-Kohle-Parkplatzes.


Ich halte diesen Ansatz für eine unangemessene „Binärisierung“. Jeder von uns allen verfügt über wahre, ehrliche, liebevolle und fürsorgliche Teile seiner Persönlichkeit und über dunkle, ungerechte, egositische: Auch Frau Merkel, alle Journalisten, mediale Trittbrettfahrer und Moralisten. Jeder. Dies - und nichts anderes- ist die Wahrheit.


Wohl gemerkt: Ich rechtfertige nicht das Vorgehen von Hoeneß – aus einem ganzen Bündel unterschiedlicher Gründe. Ich kritisiere die aktuelle Tendenz der Totalentwertung, die in der öffentlichen Diskussion deutlich wird. Jeder, der hier mitdiskutiert, kennt bei sich selbst beide Pole des Spektrums, wenn er seine Ehrlichkeit einmal einschaltet und muss sie anderen nicht zwingend absprechen, nur weil es aktuell dem eigenen Standpunkt dienen mag.


Es ist paradox, wenn etwa Frau Merkel Enttäuschungen bei Ulli Hoeneß anprangert, und Minuten später jene unreklektiert lässt, die sie selbst in politischen Feldern verursacht hat und weiter verursachen wird. Dies gilt für Plitiker aller Parteien. Ebenso paradox ist es, wenn Journalisten Hoeneß mangelnde Glaubwürdigkeit seiner „moralischen“ Statements der Vergangenheit vorwerfen und mit diesem Vorwurf exakt jene Position einnehmen, die sie an ihm kritisieren, um Tage später für die schnelle Headline oder die Exklusiv-Story die eigene Moral wichtigeren Zielen zu opfern und dabei noch Journalistenrabatte vieler Unternehmen zu genießen.


Bei aller Berechtigung einer notwendigen öffentlichen Diskussion sollte der Blick auf die eigene, trittbrettfahrerartige Verlogenheit nicht ganz verschwinden.
Auch, wenn dies eine Irritation der eingeschwungenen Kultur bedeuten mag.

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18.04.2013 Interessengemeinschaft der Freien Märkte

GFDK - Heinz Sauren

AFD. Die neue Kraft die alles wieder richten soll. Ich sehe diese Partei sehr skeptisch. Zwar ist ihr vorrangiges Ziel, auch eines das ich vertrete, aber damit ist die Gemeinsamkeit auch schon beendet. Eine Betrachtung der Protagonisten dieser Partei bringt schnell ans Licht, wess Geistes Kind sie sind. Sie vertreten den Neo-Liberalismus noch wesentlich nachdrücklicher als die FDP.

Ihr Bestreben ist es Deutschland aus dem Euro heraus zu holen, bei völliger Beibehaltung und Intensivierung der ungezügelten Marktmechanismen. Die Ausbeutung Europas durch deutsches Lohndumping und die weitere Entrechtung der Arbeitnehmer ist für sie Ziel. Einzig ihren Besitz und ihren Profit wollen sie vor einem europäischen Zugriff bewahren und die Länder sich selbst überlassen, die sie mit ihrem Raubtierkapitalismus zugrunde gerichtet haben. Finanzegoismus in Reinkultur.

Aber was soll man auch erwarten von einer Partei deren Mitgliederliste eher eine Interessengemeinschaft der Freien Märkte Philosophie und diplomierten Berufsökonomen vermuten lässt. Sie sind die Berater und Wirtschaftsweisen auf deren Geheiß wir einst diesen fatalen Weg begonnen haben. Wieso sollten gerade sie nun eine andere Lösung bringen. Leider ist ihr Ziel Mehrheitsfähig, ironischer Weise dadurch das ihre eigenen Rezepte völlig versagt haben.

Heinz Sauren studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
Rechtswissenschaften und Philosophie. Im weiteren bezeichnet er sich als Autodidakt.

Beruf: Schriftsteller
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS)

Berufung: Buchautor, Kolumnist, Essayist, Aphoristiker und Freigeist

Politische Ausrichtung
Politische Einstellungen sollten keinen Parteien-, sondern einen begründeten Sachbezug haben, daher reicht mein politisches Spektrum von rechtsliberal bis linkskonservativ und in Fällen empfundener Ungerechtigkeit, darf es auch mal etwas Anarchie sein.

Religiöse Einstellung
Die etwaige Existenz oder Nichtexistenz eines Schöpfergottes ist nicht, von persönlichen Präferenzen, gesellschaftlichen Definitionen oder einem Glauben daran, abhängig.

Seine Lieblingszitate

” Die meisten Menschen haben einen Erkenntnisradius gleich null, das nennen sie dann ihren Standpunkt.” Albert Einstein

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.” Theodor Adorno

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17.04.2013 Sie wissen nicht wie sie darauf reagieren sollen

GFDK - Stefanie Tendler

Alle nimmst du gütig auf. Jeder darf ein Stückchen mitreisen, frei nach Belieben ein- und aussteigen! Ganz gleich, ob man sich als Teil der Gesellschaft sieht oder sich von dieser losgesagt hat, hier gehört man irgendwie dazu! Im Wagen der U-Bahn ist jeder ein Pendler. -Reisende unterwegs irgendwohin.


Was sich ändert ist der Gesichtsausdruck, der das Antlitz der Passagiere ziert und der in Abhängigkeit der Tageszeit und des Sonnenlichts, das von außen eindringt, mal grau und müde erscheint, aber durchaus belebt und fröhlich wirken kann.


Vielleicht trägt hierzu auch der ein oder andere Musikus bei, der die U-Bahn als persönliche Tribüne für ein kleines Spektakel auserkoren hat, um seinen kleinen zerknautschen Pappbecher mit etwas Klimpergeld zu füllen. Wenn man tagtäglich die gleiche U-Bahnlinie nutzt begegnen einem hin- und wieder bekannte Gesichter.


Die Linie 8 stellt einen Schauplatz der besonderen Art dar. Die Mitreisenden könnten unterschiedlicher kaum sein. Auf dem Weg gen Hermannstraße wird einem irgendwann am Tag Grossi über den Weg laufen. Oft steigt er irgendwo zwischen Rosenthaler Platz und Moritzplatz ein. Einen Fahrschein besitzt er nicht, wie so viele, die das gelbe Gefährt beehren.


Immer mit dem gleichen Gedicht auf den Lippen wandelt er durch die Wagen der U8 und erhofft sich eine kleine Gabe seiner Weggefährten. Er trägt Zeilen vor, die aus einem Kinderbuch entsprungen sind: "Die Eintagsfliege, lieber Freund, die hat ein kurzes Leben/Zweimal zwölf Stunden sind ihr nur, auf dieser Welt gegeben/Besonders ärgerlich wird's dann, was Fliegen oft begegnet/Wenn es an diesem einen Tag noch ohne Pause regnet." Zum Abschied kommen von ihm immer die gleichen Zeilen: "Der Applaus war wie eine Droge für mich."


Nahezu jeder dieser vermeintlichen Gestalten hat eine Geschichte zu erzählen, so auch Grossi, der eigentlich Steffen Großmann heißt und unter anderem Kabarettist war, aber auch Radiosendungen, Videoclips und viele andere Projekte gemacht hat. Nun wird er manchmal als „Penner“ beschimpft- die Drogen haben ihn in die U-Bahnschächte geführt.


Wenn Grossi aussteigt, wünscht er den Reisenden viel Sonne im Herzen und die meisten sind sichtlich froh darüber, dass sie nicht direkt um Geld angehauen wurden. Viele von ihnen schauen beschämt auf den Boden, wenn er oder ein anderer um Geld Fragende durch die Wagen zieht. Die meisten wissen nicht wie sie darauf reagieren sollen- es ist ihnen unangenehm und somit schauen sie lieber weg. Wegschauen ist auch so ein Thema in der U-Bahn.


Es gibt ein ungeschriebenes Regelwerk an das sich die meisten halten- man darf sich nicht ignorieren aber auch nicht anstarren. Zu den Stoßzeiten ist dies manchmal gar nicht so leicht, da man oftmals gar nicht anders kann als irgendwen, irgendwie anzustarren, denn freie Sicht auf etwas gibt es nicht. Abhilfe schafft für diese Momente aber etwas Lesestoff, den man vor sein Gesicht halten kann und der für Ablenkung sorgt, oder das mittlerweile allzeitbeliebte Smartphone.

Vertieft stieren die meisten Reisenden zu jeder Tageszeit in diese Gerätschaft und nehmen dabei kaum etwas von ihrer Umwelt wahr- eine Umwelt, die wenn man sie etwas genauer unter die Lupe nimmt, eine kleine Utopie darstellt. Denn überwiegend friedlich reisen die unterschiedlichsten Menschen hier täglich miteinander. Die U-Bahnwelt bietet ein Sammelsurium an kunterbunter Vielfalt und ist der Spiegel der Großstadt. Das was reflektiert wird ist im großen und ganzen doch ganz passabel.

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15.04.2013 DIE POLIT-GEIER KREISEN UM UNSER EIGENTUM

GFDK - Iris Nicole Masson

Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: NEIN (Kurt Tucholsky)

Ein Blick in die gar nicht mal so alte deutsche Geschichte beweist, über welche gefährlichen Beißwerkzeuge in Sachen Geldbeschaffung dieser korrupte Staat verfügt.

Die er notfalls auch einsetzen wird in seiner unendlichen GIER und himmelschreienden Ungerechtigkeit, um seine aufgrund von UNFÄHIGKEIT, ARROGANZ, DUMMHEIT und MISSWIRTSCHAFT angehäuften Schulden zu verringern – unabhängig davon, wie vermeintlich "clever" jeder meint, vorgesorgt zu haben: durch Sparen, Aktien, Lebensversicherung, Haus oder Gold. Jeder, der glaubt, ein Häusle sei die SICHERSTE Anlage, wird sich über kurz oder lang getäuscht sehen.

Zwar haben wir bereits die Immobilien-Zwangsabgabe in Form von Grunderwerbssteuer beim Kauf und der jährlich anfallenden Grundertragssteuer sowie u.U. der Spekulationssteuer beim Verkauf. Das heißt aber NICHT, dass die räuberische Staatskrake nicht noch zusätzlich zugreift und eine Strafsteuer einführt wie die Regierung der Weimarer Republik 1924 mit ihrer „Haus-Zinssteuer“ nach der Hyper-Inflation von 1923. Oder wie 1952 per so genanntem Lastenausgleichsgesetz, da Immobilieneigentümer per Zwangsabgabe derartig hoch besteuert wurden, was einer Zwangsenteignung nahe kam.

Damit will man wohl einer langen Tradition folgen ... Und den Beispielen Italien und Griechenland: Mario Montis Wiedereinführung der bei den Bürgern unbeliebten Immobiliensteuer hat dem Staat 2012 etwa 20 Milliarden eingebracht. In Griechenland beträgt die „neue“ Abgabe seit Ende 2011 zehn Euro pro Quadratmeter – per Stromrechnung abkassiert.

Dirk Müller hat in seinem Buch „Cashkurs“ auf eine eventuelle Zwangsabgabe für Immobilienbesitzer hingedeutet. Und rein „zufällig“ flattern einigen derzeit Erhebungsbögen des Landesbetriebs für Statistik über Immobilienbesitz in die Häuser. Nachtigall, ick hör dir trapsen ... Immobilien – der Inbegriff von Sicherheit und Altersvorsorge? Mitnichten: Der Staat hat deren Besitzer bereits im Visier. Längst hat das Polit-Federvieh diese Steuer-Spur aufgenommen. Und sie kreisen wie die Geier über unseren Immobilien. Neben vielen Schikanen droht die Erhöhung von Abgaben auf Grundbesitz.

Wenn Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) und laut manager magazin online „Schrecken aller Häuslebauer“, tatsächlich Anleihen von Spanien und Italien in größerem Umfang aufkauft, werden die Hypothekenzinsen steigen. Doch das scheint das geringere Übel! Ein weitaus schärferes Damoklesschwert schwebt über unseren Häuptern: Unser Bundesfinanz-Gollum Schäuble, Totengräber der staatlichen Souveränität, lechzt nach was ganz Feinem:

Besitzer von Eigentumswohnungen, Häusern oder landwirtschaftlichen Betrieben will er (zunächst) mit „zehn Prozent von dessen Wert in bar“ rupfen – in Form einer Zwangshypothek. Ein leichtes Spiel für die Polit-Geier: Schließlich haben sie spätestens dank des so genannten ZENSUS', der 2011 durchgeführten Volkszählung, konkrete Immobiliendaten erfasst – also mögliche Sicherheiten, die die Staats-Hyäne mittels Zwangsanleihe fleddern kann. Auch Mieter werden bluten müssen, da ihnen garantiert sämtliche Kosten für Beleihung sprich Hypothek serviert werden.

Solch eine Zwangsabgabe schlägt bei einer Eigentumswohnung mit einem Wert von rund 300.000 Euro mit 30.000 Euro zu Buche, die der Besitzer cash auf des Staates Teller zu legen hat. Blöd nur, dass ausgerechnet jetzt nach vielen Jahren von am Boden liegenden Immobilienpreisen diese – ausgelöst teils durch die südeuropäischen und hier aufkaufenden Steuerflüchtlinge – in die Höhe schießen.

Tja, und kann der Besitzer seine Hypothek, die er zwangsläufig aufnehmen muss, kurzfristig mal NICHT bedienen, gehört sein Grundstück ruckzuck den Verbrechern, die sich „Banker“ nennen ... Schließlich müssen wir alle „damit rechnen, dass die Bürger am Entschuldungsprozess beteiligt werden“, befürwortet Stefan Hofrichter solcherart Überlegungen. Er ist Chef-Volkswirt von Allianz Global Investors – mit einem verwalteten Vermögen von 350 Milliarden Euro Deutschlands größte Fondsfirma ...

Die Folge? Der Markt wird mit zum Verkauf stehenden Häusern überschwemmt. Und wo bereits zehn Prozent angekündigt sind, dürfen wir uns über 15 oder sogar 20 Prozent nicht wundern. Denn der Staat hat unzählige Löcher in seinem Hemd zu stopfen – zuoberst die regelmäßige Erhöhung der Politiker-Diäten und Alimentierung von Bundespräsidenten auf Lebenszeit ... Auch wenn er per Dementi diese Befürchtungen zu zerstreuen sucht, sei man erst recht auf der Hut. Schließlich müssen auch die Kostgänger im Süden mitgefüttert werden. Das großeuronische Reich ist schließlich „alternativlos". ODER?

Doch wie sagte Ed Rothschild einst gehässig, wenngleich nicht unzutreffend: „Lasset ihnen einige Zeit Spaß haben und sie im Safte schwimmen. Sie werden nicht bemerken, in welcher Welt sie eines Tages aufwachen."

Was Carl Friedrich von Weizsäcker freilich bestätigt: „Absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typischer Befehlsempfänger, ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage! Der typische Deutsche verteidigt sich erst dann, wenn er nichts mehr hat, was sich zu verteidigen lohnt. Wenn er aber aus seinem Schlaf erwacht ist, dann schlägt er in blindem Zorn alles kurz und klein, auch das was ihm noch helfen könnte.”

„Wie kommt es zur Macht über euch, wenn nicht durch euch selbst?“

Étienne de la Boétie in seinem Werk über die freiwillige Knechtschaft des Menschen

Iris Nicole Masson ist Journalistin, Fotoreporterin, Portrait- und Eventfotografin und schreibt als Gast für freundederkuenste.de

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