Reden ist silber, Schreiben ist gold

23.05.2013 Unklare Grenzen, Interpretationen

GFDK - Carsten Reinhold Schulz

Es macht offensichtlich keinen Sinn, bei den historisch genannten Findungen Hans Peter Riegels in seinem neuen Beuys-Buch, über einzelne Aspekte im Lebenslauf von Joseph Beuys, wie seine sowieso nie im Unklaren gewesene Nähe zur Anthroposophie oder das Fehlen (sic!) einer Matura zu debattieren. Wir wollen da nicht, wie in Interviews zum Thema hinlänglich bezeugt, alles in einfachster Manier vermengen ...

Zu den Gesetzmäßigkeiten im Leben berühmter Persönlichkeiten gehört es, dass irgendwann, quasi wissenschaftlich arbeitende Gutmenschen auftauchen, die mit Methode vom öffentlichen Niedergang eben dieser Persönlichkeit profitieren wollen. Herr Riegel ist wohl ebendort ein Künstler, der seine großen Zeiten als Texter und Unternehmensberater, u.a. für die Werbe- und Entertainmentbranche in den 80er und 90er Jahren wohl hinter sich hat. Gelernt ist jedoch gelernt.

Ungebremste Rache?

Die Seitenhiebe auf Eva Beuys-Wurms und ihre vom Autor explizit negativ herausgestellte Deutungshoheit machen nicht nur klar, dass Herr Riegel auf vielen Ebenen gut informiert scheint, sondern auch eine bewusst aggressive, möglicherweise sehr persönlich motivierte Zerstörungsabsicht, in diesem Fall schlecht verdeckt, warum auch immer, mit sich herum trägt.

Jene, in Interviews stets besonders kenntlich gemachte Wissenschaftlichkeit in der Buch-Recherche erweckt zeitig den hohlen Klang einer unangreifbaren und damit ungebremsten Rache.

Das wäre als Motiv zumindest emotionaler einzustufen als profanes finanzielles Kalkül, eines sich besonders gerne am, bereits als besonders kontrastreich einzustufenden, persönlichen Leben von Künstlern wie Immendorf und Beuys erregenden Autors.

Aber selbst das ist als schlichte Methode der Yellow-Press hinlänglich bekannt und für jeden gesunden Menschenverstand so zu bewerten.

Den Beuys Raum ausfegen

Autoren wie Riegel und die immer neue Opfer benötigende investigative Presse vergessen, dass des Autors akribische Recherche zu Schlussfolgerungen führt, die widerum beliebte aktuelle Klischees und Ressentiments gegen Künstler im Allgemeinen und Beuys im Besondern bedienen.

Mit dem Besen der Investigation fegt Herr Riegel den Raum Beuys aus – aber der aufgewirbelte Staub zeigt eigentlich nur, wie nebulös Arbeit, Leben und Werk von Beuys in der Öffentlichkeit diskutiert worden ist und wie miserabel eine mit Veränderungsabsicht angetretene Kunstform in unserer Demokratie verortet wird. Da ist eine persönliche Demontage immer leichter zu bewerkstelligen, als der Versuch von Kunsthistorikern Werk, Leben und Material in sensibler Weise zu beleuchten und für alle verständlich zu machen.

Der offene Weg Beuys

Joseph Beuys war offenbar zu Lebzeiten als Mensch und als Künstler zu einer sehr besonderen Reise aufgebrochen, die Herr Staeck kürzlich in einem Interview mit „sehr offen für Alles“ beschrieb.

Eine solche, auf das Leben neugierige Haltung, die eine zutiefst künstlerische ist,  passt denkbar schlecht in den gegenwärtigen gleichmachenden Kanon von Gut und Böse und war von jeher angreifbar. Sie entspricht einer mutigen aber diffizilen Haltung mit Ecken, Kanten, Reibung, Regung – Dinge, die von vielen beklagt, in unserer Gesellschaft schmerzlich vermisst werden.

Heute steht man, gerade wenn es etwas zu verkaufen gilt, offenbar besser auf der Seite der etwas einfacher strukturierten, geglätteten Ansichten, wie eben die Herrn Riegels. Da passen Besonderheiten, menschliche Veränderungsabsichten, Theorien, künstlerische Wagnisse, politische Visionen, Experimentelles (wie die Anthroposophie) und der Anspruch auf eine eigene existentielle Wahrheit offenbar nicht mehr dazu.

Das reaktionäre Weltbild H.P. Riegels


Die Politik Frau Merkels verdeutlicht mit ihrer Attitüde einer politisch einseitig orientierten Sachgebietsleitung auch die kulturelle Lage in Deutschland.

Ins gleiche, kulturell gleichgeschaltete, Horn bläst nun der Autor Riegel.

Seit wann aber geht es im Leben eines Künstlers um demokratische Weltanschauung oder die richtige Gesinnung? Seit wann soll ein Künstler ein anständiges oder nur ein korrektes Leben führen? Um nach dem Tod nicht angreifbar zu sein? Und wer bestimmt das? Vielleicht Herr Riegel?

Er versucht es offenbar und das ist – immer noch – das Gegenteil einer freiheitlichen Weltanschauung.

Wir erleben im Wirken Herrn Briegels ein klassisches Stück reaktionärer Politik in der Fortsetzung eines alten Titels der Bildzeitung über eine Aktion von Joseph Beuys:

„Der Professor lag der Länge nach in Margarine.“

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21.05.2013 „Beuys. Die Biographie“ Das ist völkische Diktion in Reinkultur

Gottfried Böhmer

Und schon wieder versucht sich da einer am Erbe des verstorbenen Joseph Beuys gesund zustoßen und sich als vermeintlicher Autor zu profilieren. Dieses Mal ist es Hans Peter Riegel, der schon mit seiner Biografie über Jörg Immendorff von sich Reden machte. Am 30. Mai 2013 will er sein Schundwerk, das im Aufbau Verlag erscheint in Zürich vorstellen. Zur Zeit reist er durch die Lande und rührt kräftig die Werbetrommel.

Hans Peter Riegel ist entgegen der Meinung von Spiegel und Welt-Redakteuren definitiv kein ernstzunehmender Autor, sondern eher ein Leichenfledderer. Das er davon etwas versteht, hatte er ja schon in seinem Machwerk über Jörg Immendorff bewiesen, in dem er über "brisante Details über den Maler und seine Kiez-Freunde" zum besten gab.

Joseph Beuys - die Biografie ist das neue Pamphlet und die Welt titelt schon von einer "bahnbrechenden Biografie". Die WAZ meint sogar: Hier wird ein Heiliger der Kunst auf den Boden der Tatsachen gestellt und spricht von einem Enthüllungsroman.

Bevor ich mich mit den hirnrissigen Thesen des Herrn Riegel auseinandersetze, schauen wir uns doch erstmal den Autor an.

Hans Peter Riegel ist ein ehemaliger Düsseldorfer PR-Mann, man könnte auch sagen Werbefuzzi, der sich später als Unternehmensberater betätigte. Mit welchem Erfolg können wir von hier aus nicht beantworten. Allerdings hat er wohl festgestellt, dass sich über das Schreiben über tote Künstler einiges verdienen läßt und so wie es scheint hat er das zu seinem Beruf gemacht.

In seinen biografischen Daten rühmt er sich damit, dass er während seines Studiums von 1979 bis 1982 Assisstent und Privatsekretär von Jörg Immendorff gewesen sei. Dazu liebe Leser kann ich Ihnen folgendes sagen: ich habe viele sogenannte Assisstenten von bekannten Künstlern kennengelernt. Im wesentlichen handelt es sich dabei und Koffer - und Wasserträger, die ein wenig in der Sonne des Künstlers stehen wollen.

Erstaunlich ist auch, dass Immendorff 1979 noch keine Berühmtheit war, bis 1981 war Immendorff nicht mehr und nicht weniger als ein "junger Künstler und Kunstlehrer in Düsseldorf". Erst 1984 gelang ihm der Durchbruch und 1996 bekam er seine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie. Die sogenannte Assisstenz des Herrn Riegel dürfte daraus bestanden haben, dem lieben Jörg dann und wann mal ein Bier zu bringen.

Dazu paßt auch ein Zitat aus dem Spiegel:

"Riegel und Immendorff lernten sich 1979 kennen, sie tranken zusammen Kokosnussmilch auf den Bahamas, sie feierten im La Paloma auf St. Pauli, sie fuhren 1982 gemeinsam zur Documenta nach Kassel."

Hans Peter Riegel zeigte sich dem toten Jörg Immendorff dafür auch sehr dankbar. Der angebliche "Berater" von Immendorff demontierte diesen nach seinem Tod, in dem er Immendorff Opportunität, Ideenklauer und mangelndes Talent vorwarf.

In seiner Selbsterhöhung scheint Herr Riegel nicht zimperlich zu sein, was für Werbeleute allzu bekannt ist. Aber es kommt noch besser. 1973 will er, nach seiner Aussage, Joseph Beuys zum ersten Mal begegnet sein. Aha, fragt sich nur, was Herr Riegel unter einer Begegnung versteht. Diese dürfte daraus bestanden haben, dass der damals gerade 14-jährige Bubi Herrn Beuys vielleicht mal aus der Ferne gesehen hat. In seiner Zeit als "Assisstent" von Jörg Immendorff will er ihm dann öfter begegnet sein.

Was Herr Riegel unter begegnet versteht, entzieht sich meiner Kenntnis (aber viel kann es nicht sein), denn der zu dieser Zeit gerade mal 20, 21-jährige Riegel war wohl für Beuys nicht gerade der adäquateste Gesprächspartner. Später, so brüstet sich Hans Peter Riegel in der Welt, habe er und jetzt kommt die Sensation für die 18-jährige Jessica, Tochter von Joseph Beuys eine Party organisiert. Wahrscheinlich durfte er da auch dem lieben Joseph ein Bierchen hinterhertragen.

In Düsseldorf haben wir solche Leute Aufschneider genannt.

Noch eine Anmerkung: der sogenannte Beuys-Experte (Spiegel) Hans Peter Riegel war 1986 als Joseph Beuys starb 27 Jahre alt. Laut Spiegel wäre er zwischen Immendorff und Beuys eine Art Kurier gewesen. Ich lach mich tot. Riegel, so der Spiegel, wollte zeigen "dass der Künstler (Beuys) ein geübter Lügner war". Alle Achtung. Hier zeigt sich schon wieder, was es mit dem Qualtitätjournalismus auf sich hat.

Den Vogel schießt natürlich die Welt ab.

Zitat: was der Autor Hans Peter Riegel nach "akribischer Recherche" über den Jahrhunderkünstler herausgefunden hat, ist beachtlich. So will Riegel rausgefunden haben, dass Beuys nie ein Abitur gemacht hat, sich für 12 Jahr bei der Luftwaffe verpflichtet hat und eine langjährige Beziehung neben seiner Ehe hatte. Was für beachtliche Neuigkeiten. Des weiteren behauptet Riegel, Beuys hätte unter dem Deckmäntelchen die Welt mit völkischen und totalitären Ideen Rudolf Steiners missionieren wollen.

In jedes "einzelne Werk" seiner symbolischen Kunst sei "Steiners Weltbild eingesickert". Die Sprengkraft des Buches, das 500 Seiten mit 1.300 Fußnoten (was hat Riegel eigentlich geschrieben) umfasst, besteht laut der Welt auf der antroprosopischen Lehre Rudolf Steiners auf das Werk von Joseph Beuys. Auch nach dem Untergang des "Deutschen Reiches" so Riegel in der Welt war Beuys von der Sonderrolle der Deutschen in der Weltgeschichte überzeugt gewesen. Da folge er nahtlos den Ideen Steiners.

Und so geht das Geblubber von Riegel weiter.

In der Berliner Zeitung gab er am 20. Mai seine Recherche Ergebnisse zum besten:


"Riegel, Ich bin auch an die Orte seiner Kindheit gefahren. So habe ich mir in Krefeld die Straße angeschaut, auf der Beuys zur Welt kam oder bin seinen Schulweg in Kleve nachgegangen.

Wir schauen mal bei Wikipedia nach:

Als Anthroposophie (von griechisch ἄνθρωπος ánthropos ‚Mensch‘ und σοφία sophίa ‚Weisheit‘) wird eine von Rudolf Steiner (1861–1925) begründete, weltweit vertretene spirituelle Weltanschauung bezeichnet. Ihr erklärtes Ziel ist es, den Menschen in seiner Beziehung zum Übersinnlichen zu betrachten.

Die Anthroposophie hatte und hat bedeutende Anhänger überwiegend aus dem Bereich des Kulturlebens, namentlich in der Kunst, darunter die bildenden Künstler Joseph Beuys, Wassily Kandinsky, Oscar Lüthy und Franz Marc, die Komponisten Viktor Ullmann und Bruno Walter, die Schriftsteller Saul Bellow, Andrej Bely, Michael Ende und Christian Morgenstern. Sympathisanten waren etwa Albert Schweizer, Alexej (von) Jawlensky, Jorge Luis Borges, Piet Mondrian, Richard Neutra, Le Corbusier, Henry van de Velde, Frank Lloyd Wright, Eero Saarinen, Erich Mendelsohn und Hans Scharoun (siehe auch Organische Architektur). Von den heute lebenden Architekten bezeichnet vor allem Frank Gehry Steiner als Inspirationsquelle.

Oh je, alles Faschos

Aber Hans Peter Riegel, unser Beuys Experte wird noch forscher. Die Biografien von Heiner Stachelhaus, Götz Adriani, Winfried Konnertz und Karin Thomas sind aus seiner überlegenen Sicht auf Beuys Hofbrichterstattungen, diese hätten die Bedeutung Steiners auf Beuys marginalisiert.

Im Diffamieren ist Riegel nicht kleinlich, aber irgendwie passt das schon.

Als sich 2010 niemand aus dem Bekannten - und Freundeskreis von Jörg Immendorff fand, der die obskuren Behauptungen Riegels bestätigen wollte, behauptet Hans Peter Riegel im Deutschland Radio Kultur "die hätten alle Angst". Desweiteren mockierte er sich darüber, das Immendorffs Witwe Oda Jaune weder mit ihm noch mit dem Spiegel sprechen wolle.

Das habe ich gerade noch gefunden:

Zitat von

Beuys Biographie – Ein Frontalangriff auf die Wahrheit

Wenn ein Mensch so charakterisiert wird, dass alles alles wofür er eintrat, ihm abgesprochen wird, alles wogegen er stand, ihm unterstellt wird, wenn dabei mit Lügen, Verzerrungen und Verleumdung operiert wird, dann kann man das, was da stattfindet nicht anders als einen Angriff nennen! 

Im weiteren behauptet Riegel Beuys sein "ein ewig gestriger mit engen Kontakten zu vielen Alt-Nazis".

Und jetzt wird es ganz gruselig.

Zeitlebens wäre Beuys von einflussreichen NS und SS-Männern, die ihn geschützt und finanziert hätten umgeben gewesen. Beuys so Riegel war ohne Skrupel in der HJ, der Schwiegervater Hermann Wurmbach, ein Rassismusforscher und seine Mäzene Karl Ströher und Erich Marx hätten eine tiefe braune Vergangenheit. Beuys hätte Zeit seines Lebens mit Nazis und Rechtsradikalen kooperiert, ich frage mich langsam ob es noch einen größeren Schwachsinn gibt.

Die WAZ schreibt am 20.5. allen ernstens Riegel hätte Fakten recherchiert wie noch kein Biograf vor ihm.

Die Recherche von Herrn Riegel schau ich mir mal an:

Der Präsident der Berliner Akademie der Künste widerspricht Thesen einer neuen Beuys-Biografie

Klaus Staeck im Deutschlandfunk:

Gut, der Herr Riegel hat auch mich für sein Buch interviewt und hat viele Fragen gestellt. Aber was er da nun rausgefunden haben will und der "Spiegel" nun daraus macht, die Ikone der Nachkriegs-Avantgarde wird als Ewiggestriger enttarnt, also da muss ich schon entschieden widersprechen.

Das ganze Gespräch, siehe Link:

Anmerkung der Redaktion

Die meisten Weggefährten von Joseph Beuys sind genau wie er schon lange tot und können sich gegen die unverschämten Behauptungen des Herrn Hans Peter Riegel leider nicht mehr zur Wehr setzen. Den sogenannten Qualitätsmedien empfehle ich bevor sie weiterhin das verquaste Zeug des Autors unter die Leute bringen mal eigene und ordentliche Recherchen zu machen.

Hier mal ein Ansatzpunkt: Herr Hans Peter Riegel behauptet er hätte für Jörg Immendorff Ausstellungen und Ausstellungstourneen organisiert und das wird in allen Medien anscheinend ohne Prüfung genauso kolportiert.

1. Frage: Welche Galeristen waren an diesen Ausstellungstourneen beteiligt? Was sagen die Galeristen zur Rolle des Herrn Riegel?

2. Wie hiessen die Kuratoren der Ausstellungen (dürften bei Herrn Immendorff recht namhafte sein)? Was können die zur Rolle des Herrn Riegel sagen?

3. Taucht sofern es diese Ausstellungen gab in den Katalogen oder Presseberichten der Tourneemacher und Organisatoren Hans Peter Riegel auf? Ausstellungstourneen bedürfen einer umfangreichen Planung und Logistik, an der sehr viele Leute beteiligt sind. Diese müßten sich alle an den großen Ausstellungsorganisator Hans Peter Riegel erinnern Können.

4. Was sagt der langjährige Weggefährte und Freund von Immendorff Markus Lüpertz zu Herrn Riegel? Man sollte auch dringend Imi Knöbel, Albert Oehlen und Georg Baselitz befragen.

Mit einem Generalangriff versuchte schon 2009 der Kunsthistoriker Beat Wyss in einem Essay das Ansehendes Künstlers Joseph Beuys zu beschmutzen. Hinter seiner intellektuellen Fassade fragt Beat Wyss, so konnte man in der FAZ lesen, ob Beuys „paramilitärisches“ Auftreten mit Springerstiefel und Fliegerjacke seine Jüngerbildung und sein Mythosbegriff nicht seltsame Kontinuitäten zum Dritten Reich pflegten.

Auch Kritiker, die nicht so weit gehen, befragen seine Vergangenheit neu: Oft hatte Beuys erzählt, Tataren hätten ihn im Zweiten Weltkrieg beim Abschluss seines Jagdflugzeuges sein Leben gerettet, in dem sie ihn in Filz und Fett wickelten, daher sein Interesse an diesen Materialien.

Hat, fragen die „Kritiker“, Beuys je über diejenigen gesprochen, die er als Wehrmacht-Soldat vor seinem Abschuss tötete; entschärfte die Geschichte von Filz und Fett nicht ein politisches Verbrechen, an dem Beuys beteiligt war, zum tröstlichen, allgemein menschlichen Mythos?

Als erstes müssen wir uns hier fragen, ob diese „Kritiker“ noch alle Tassen im Schrank haben. Oder wir könnten uns auch fragen, wie dummdreist oder besoffen muss man sein, um so einen Unsinn zu verbreiten. Dass die Verunglimpfung aller Deutschen, die in der Wehrmacht gedient haben, in Deutschland zum Standard geworden ist, brauche ich hier nicht weiter ausführen.

Dass man aber nun eine weltbekannte Persönlichkeit wie Joseph Beuys zur Zielscheibe machen kann, um damit Medienaufmerksamkeit zu erlangen, ist mehr als schändlich. Vielleicht verkauft der Führer jener Kritiker, Beat Wyss, nicht mehr genug Bücher („Die Wiederkehr des Neuen“, „der Wille zur Kunst“ und auch „Trauer der Vollendung“), dass er nun zu derartigen obskuren Mitteln greifen muss, um sich ins Gespräch zu bringen. An dieser Stelle kann man einfach nur noch sarkastisch werden.

Das ganze Theater erinnert uns an die Aufregung um Günther Grass, als 2006 „vermeintlich“ heraus kam, dass er nicht nur Soldat war, sondern als 17-jähriger zur 10. SS Panzerdivision Frundsberg einberufen wurde.  Wie wir uns erinnern, war das auch ein schönes Medienspektakel, ungeachtet der Tatsache, dass diese militärische Karriere schon nach 6 Monaten beendet war.

Aber zurück zu Beuys, vielleicht ist Beat Wyss einfach nur die Fantasie durchgegangen, nach dem Motto, eins und eins ist zwei. Schließlich haben Joseph Beuys und Günther Grass an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert und beide auch noch Bildhauerei. Wenn das mal keine Parallele ist. Oder zumindest ein Anfangsverdacht, dürfte sich Wyss gedacht haben. Und dass die großen alten Männer der deutschen Kulturgeschichte selbstverständlich Nazis waren, versteht sich für die Generation der Nachgeborenen sozusagen von selbst.

Der ehemalige Sekretär von Joseph Beuys, Heiner Bastian reagierte empört auf Wyss; die Fliegerweste, so argumentieren gleich mehrere Verteidiger sei in Wahrheit eine Anglerweste gewesen, die nur entfernt wie eine Fliegerweste aussehe. Im Gegensatz zu Günther Grass kann sich der Verstorbene Joseph Beuys nicht mehr persönlich gegen derartige Verunglimpfungen zur Wehr setzen.

 

Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Leiter und Kurator der Gesellschaft Freunde der Künste. Er hat unzählige Ausstellungsprojekte und Kulturfestivals für die Gesellschaft geplant, organisiert und durchgeführt. Diese 16-jährige Tätigkeit ist lückenlos dokumentiert.

 


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17.05.2013 Solidarität von allen Seiten

GFDK - Eva Horstick-Schmitt und Gottfried Böhmer

Die Künstlerin Eva Horstick-Schmitt ist überall dabei, wo man eine Künstlerin nicht unbedingt erwartet. Das erstaunt uns mittlerweile nicht mehr. In ihren Werken setzt sich Eva Horstick-Schmitt überwiegend mit sozialkritischen Themen auseinander.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sie bei recht trüben Wetter an einer Demo teilnimmt bei der es um die Belange von Beamten geht. Künstler sind so, wie uns scheint eben nicht berechendbar. Mit Eva Horstick-Schmitt muß man überall rechnen.

Nachrichten aus Deutschland

NRW ist das einzige Bundesland mit der Nullrunde für Beamte ab A 13. Nicht, dass diese in den letzten 10 Jahren nicht schon immens viele Einschnitte hatten wie Z.B. Wegfall von Zulagen und Rentenkürzungen , Rentenalter nach oben schrauben etc.
Mein Eindruck ist, dass die NWR  Führung unter von Frau Kraft sich keine Gedanken darum macht, wer die "Gewinner" sein sollen in dieser Nullrunde.
 
Die Inflation schreitet voran... und einen Ausgleich gibt es nicht. Aber was soll es.
Dafür gaben sich die Politiker 500 Euro mehr jeden Monat an Diäten-  noch letztes Jahr beschlossen.
 
Ich finde übrigens, dass die Solidarität von allen Seiten kommen sollte.
 
Das Land NRW ist dabei Teams zu spalten. Die Polizeiarbeit wird zu einem grossen Teil von Menschen geleitet und geleistet, die motiviert sind und der Gerechtigkeit dienen möchten sowie in Teams arbeiten egal ob A 13 A 12 oder A 15.
 
Die Polizei in NRW hat wirklich mehr Arbeit als z.B. die Polizei in Bayern, weil es in NRW wirkliche Brennpunkte gibt. Aber Bayern gestaltet keine Nullrunde, wie auch alle anderen Bundesländer nicht. Wo soll das hinführen? Eine NRW Regierung, die marode Banken rettet und kein Geld für Beamte hat?
 
Wie wäre es wenn Frau Kraft eine Kraftbrühe trinkt und darüber nachdenkt welchen Bockmist sie baut.
 
Ich kenne Männer, die  mehr unbezahlte Überstunden für die Polizei erledigt haben, als sie Zeit für Ihre Familien hatten. Das Land hat die RESTFREIZEIT auch noch aufgefressen mit ständiger Polizei- Rufbereitschaft und schwierigen Einsätzen, die nicht wirklich lustig waren.


Diese Menschen werden dafür bestraft, dass sie sich für das Land einsetzten und dürfen dann noch zusehen wie das Rentenalter erhöht wurde und die Rente um einige Prozent gekürzt.
Gerecht?


Ich werde eine SPD in NRW samt Grünen nicht wählen, die so mit ihren Menschen umgeht.
Die, die das Land stützen und weiterbringen in schwierigen Lagen die Verantwortung tragen und
oft keine andere Wahl haben als an Wochenenden zu arbeiten werden geschröpft von unserer Regierung.
 
Vor allen Dingen hat Frau Kraft vor der WAHL etwas versprochen. Sie hat ihr Versprechen gebrochen und ist somit für mich eine Lügnerin.
 
Wenn Politikerinnen und Politiker mit solchen Beispielen voran gehen...
gebt ihnen die Quittung.

Es waren mehrere gute Redner dort. Zu den maßgeblichen der Polizei zählte der Chef der GDP NRW
Adi Plickert. Die flammenden Reden für mehr Gerechtigkeit waren wirklich hörenswert.
  
Gruss
 
Eva Horstick-Schmitt

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01.05.2013 Der Jahrhundertkünstler im Fadenkreuz

GFDK - Gottfried Böhmer

Mit einem Generalangriff versuchte schon 2009 der Kunsthistoriker Beat Wyss in einem Essay das Ansehendes Künstlers Joseph Beuys zu beschmutzen. Hinter seiner intellektuellen Fassade fragt Beat Wyss, so konnte man in der FAZ über Joseph Beuys lesen, ob Beuys „paramilitärisches“ Auftreten mit Springerstiefel und Fliegerjacke seine Jüngerbildung und sein Mythosbegriff nicht seltsame Kontinuitäten zum Dritten Reich pflegten.

Auch Kritiker, die nicht so weit gehen, befragen seine Vergangenheit neu: Oft hatte Beuys erzählt, Tataren hätten ihn im Zweiten Weltkrieg beim Abschluss seines Jagdflugzeuges sein Leben gerettet, in dem sie ihn in Filz und Fett wickelten, daher sein Interesse an diesen Materialien.

Hat, fragen die „Kritiker“, Beuys je über diejenigen gesprochen, die er als Wehrmacht-Soldat vor seinem Abschuss tötete; entschärfte die Geschichte von Filz und Fett nicht ein politisches Verbrechen, an dem Beuys beteiligt war, zum tröstlichen, allgemein menschlichen Mythos?

Als erstes müssen wir uns hier fragen, ob diese „Kritiker“ noch alle Tassen im Schrank haben. Oder wir könnten uns auch fragen, wie dummdreist oder besoffen muss man sein, um so einen Unsinn zu verbreiten. Dass die Verunglimpfung aller Deutschen, die in der Wehrmacht gedient haben, in Deutschland zum Standard geworden ist, brauchen wir hier nicht weiter ausführen.

Dass man aber nun eine weltbekannte Persönlichkeit wie Joseph Beuys zur Zielscheibe machen kann, um damit Medienaufmerksamkeit zu erlangen, ist mehr als schändlich. Vielleicht verkauft der Führer jener Kritiker, Beat Wyss, nicht mehr genug Bücher („Die Wiederkehr des Neuen“, „der Wille zur Kunst“ und auch „Trauer der Vollendung“), dass er nun zu derartigen obskuren Mitteln greifen muss, um sich ins Gespräch zu bringen. An dieser Stelle kann man einfach nur noch sarkastisch werden.

Das ganze Theater erinnert uns an die Aufregung um Günther Grass, als 2006 „vermeintlich“ heraus kam, dass er nicht nur Soldat war, sondern als 17-jähriger zur 10. SS Panzerdivision Frundsberg einberufen wurde.  Wie wir uns erinnern, war das auch ein schönes Medienspektakel, ungeachtet der Tatsache, dass diese militärische Karriere schon nach 6 Monaten beendet war.

Aber zurück zu Beuys, vielleicht ist Beat Wyss einfach nur die Fantasie durchgegangen, nach dem Motto, eins und eins ist zwei. Schließlich haben Joseph Beuys und Günther Grass an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert und beide auch noch Bildhauerei. Wenn das mal keine Parallele ist. Oder zumindest ein Anfangsverdacht, dürfte sich Wyss gedacht haben. Und dass die großen alten Männer der deutschen Kulturgeschichte selbstverständlich Nazis waren, versteht sich für die Generation der Nachgeborenen sozusagen von selbst.

Der ehemalige Sekretär von Joseph Beuys, Heiner Bastian reagierte empört auf Wyss; die Fliegerweste, so argumentieren gleich mehrere Verteidiger sei in Wahrheit eine Anglerweste gewesen, die nur entfernt wie eine Fliegerweste aussehe. Im Gegensatz zu Günther Grass kann sich der Verstorbene Joseph Beuys nicht mehr persönlich gegen derartige Verunglimpfungen zur Wehr setzen.

Joseph Beuys 1941-1946 

Nach seinem Abschluss am Staatlichen Gymnasium 1941 meldete sich Beuys freiwillig zur Luftwaffe. Ab dem 1. Mai 1941 wurde er in Posen vom späteren Tier- und Dokumentarfilmer Heinz Sielmann zum Bordfunker ausgebildet. Sielmann förderte das Interesse seines Rekruten an der Botanik und Zoologie; Beuys besuchte sieben Monate lang als Gasthörer Vorlesungen in diesen Fächern und der Geographie an der Reichsuniversität Posen.

Nach seinem Ausbildungsabschluss als Bordfunker wurde er auf der Krim stationiert und nahm im Juni 1942 am Luftkampf um die Festungsstadt Sewastopol teil. Ab Mai 1943, Beuys war inzwischen Unteroffizier, wurde er in Königgrätz im damaligen Reichsprotektorat Böhmen und Mähren als Bordschütze in einem Sturzkampfflugzeug (Stuka) vom Typ Ju 87 eingesetzt. Nach der Verlegung zum Luftwaffenstab Kroatien im Sommer 1943 war er bis ungefähr 1944 an der östlichen Adria stationiert. Von dort flog er zeitweise zu Waffentests die Luftwaffenbasis in Foggia an. Zahlreiche Skizzen und Zeichnungen aus Kriegstagen sind hier entstanden.

Am 4. März 1944 begann die Rote Armee an der Ostfront ihre Frühjahrsoffensive und erzwang den Rückzug der deutschen Verbände aus der Ukraine. Bei einem Schneesturm am 16. März 1944 stürzte Beuys’ Stuka 200 Meter östlich von Freifeld, heute Snamenka, über der Krim ab; der Pilot Hans Laurinck starb. Joseph Beuys wurde bei diesem Unglück schwer verletzt; er erlitt einen Schädelbasisbruch, mehrere Knochenbrüche sowie ein Absturztrauma. Die Granatsplitter in seinem Körper konnten nie vollständig entfernt werden. Krimtataren entdeckten das abgestürzte Flugzeug und benachrichtigten ein deutsches Suchkommando.

Im August 1944 wurde er trotz seiner Verletzungen an die Westfront einberufen, wo er als Fallschirmjäger eingesetzt wurde. Er erreichte dabei den Dienstgrad eines Feldwebels. 1944 wurde er mit dem „Abzeichen für Fliegerschützen“, mit dem „Eisernen Kreuz 2. Klasse“ und mit dem „Eisernen Kreuz 1. Klasse“ ausgezeichnet. Aufgrund von fünf Verwundungen erhielt er zudem das goldene Verwundetenabzeichen.

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23.04.2013 eine unangemessene „Binärisierung“

GFDK - Christopher Lesko

Vielleicht unpopulär: Die aktuelle Hoeneß-Diskussion verbindet, wie ich finde, an manchen Stellen Themenfelder in einer annähernd demagogischen Weise miteinander. Sie spricht Hoeneß Aufrichtigkeit in Situationen ab, in denen er anderen geholfen hat und entwertet dies vor dem Hintergrund seines Schweizer-Kohle-Parkplatzes.


Ich halte diesen Ansatz für eine unangemessene „Binärisierung“. Jeder von uns allen verfügt über wahre, ehrliche, liebevolle und fürsorgliche Teile seiner Persönlichkeit und über dunkle, ungerechte, egositische: Auch Frau Merkel, alle Journalisten, mediale Trittbrettfahrer und Moralisten. Jeder. Dies - und nichts anderes- ist die Wahrheit.


Wohl gemerkt: Ich rechtfertige nicht das Vorgehen von Hoeneß – aus einem ganzen Bündel unterschiedlicher Gründe. Ich kritisiere die aktuelle Tendenz der Totalentwertung, die in der öffentlichen Diskussion deutlich wird. Jeder, der hier mitdiskutiert, kennt bei sich selbst beide Pole des Spektrums, wenn er seine Ehrlichkeit einmal einschaltet und muss sie anderen nicht zwingend absprechen, nur weil es aktuell dem eigenen Standpunkt dienen mag.


Es ist paradox, wenn etwa Frau Merkel Enttäuschungen bei Ulli Hoeneß anprangert, und Minuten später jene unreklektiert lässt, die sie selbst in politischen Feldern verursacht hat und weiter verursachen wird. Dies gilt für Plitiker aller Parteien. Ebenso paradox ist es, wenn Journalisten Hoeneß mangelnde Glaubwürdigkeit seiner „moralischen“ Statements der Vergangenheit vorwerfen und mit diesem Vorwurf exakt jene Position einnehmen, die sie an ihm kritisieren, um Tage später für die schnelle Headline oder die Exklusiv-Story die eigene Moral wichtigeren Zielen zu opfern und dabei noch Journalistenrabatte vieler Unternehmen zu genießen.


Bei aller Berechtigung einer notwendigen öffentlichen Diskussion sollte der Blick auf die eigene, trittbrettfahrerartige Verlogenheit nicht ganz verschwinden.
Auch, wenn dies eine Irritation der eingeschwungenen Kultur bedeuten mag.

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18.04.2013 Interessengemeinschaft der Freien Märkte

GFDK - Heinz Sauren

AFD. Die neue Kraft die alles wieder richten soll. Ich sehe diese Partei sehr skeptisch. Zwar ist ihr vorrangiges Ziel, auch eines das ich vertrete, aber damit ist die Gemeinsamkeit auch schon beendet. Eine Betrachtung der Protagonisten dieser Partei bringt schnell ans Licht, wess Geistes Kind sie sind. Sie vertreten den Neo-Liberalismus noch wesentlich nachdrücklicher als die FDP.

Ihr Bestreben ist es Deutschland aus dem Euro heraus zu holen, bei völliger Beibehaltung und Intensivierung der ungezügelten Marktmechanismen. Die Ausbeutung Europas durch deutsches Lohndumping und die weitere Entrechtung der Arbeitnehmer ist für sie Ziel. Einzig ihren Besitz und ihren Profit wollen sie vor einem europäischen Zugriff bewahren und die Länder sich selbst überlassen, die sie mit ihrem Raubtierkapitalismus zugrunde gerichtet haben. Finanzegoismus in Reinkultur.

Aber was soll man auch erwarten von einer Partei deren Mitgliederliste eher eine Interessengemeinschaft der Freien Märkte Philosophie und diplomierten Berufsökonomen vermuten lässt. Sie sind die Berater und Wirtschaftsweisen auf deren Geheiß wir einst diesen fatalen Weg begonnen haben. Wieso sollten gerade sie nun eine andere Lösung bringen. Leider ist ihr Ziel Mehrheitsfähig, ironischer Weise dadurch das ihre eigenen Rezepte völlig versagt haben.

Heinz Sauren studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
Rechtswissenschaften und Philosophie. Im weiteren bezeichnet er sich als Autodidakt.

Beruf: Schriftsteller
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS)

Berufung: Buchautor, Kolumnist, Essayist, Aphoristiker und Freigeist

Politische Ausrichtung
Politische Einstellungen sollten keinen Parteien-, sondern einen begründeten Sachbezug haben, daher reicht mein politisches Spektrum von rechtsliberal bis linkskonservativ und in Fällen empfundener Ungerechtigkeit, darf es auch mal etwas Anarchie sein.

Religiöse Einstellung
Die etwaige Existenz oder Nichtexistenz eines Schöpfergottes ist nicht, von persönlichen Präferenzen, gesellschaftlichen Definitionen oder einem Glauben daran, abhängig.

Seine Lieblingszitate

” Die meisten Menschen haben einen Erkenntnisradius gleich null, das nennen sie dann ihren Standpunkt.” Albert Einstein

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.” Theodor Adorno

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17.04.2013 Sie wissen nicht wie sie darauf reagieren sollen

GFDK - Stefanie Tendler

Alle nimmst du gütig auf. Jeder darf ein Stückchen mitreisen, frei nach Belieben ein- und aussteigen! Ganz gleich, ob man sich als Teil der Gesellschaft sieht oder sich von dieser losgesagt hat, hier gehört man irgendwie dazu! Im Wagen der U-Bahn ist jeder ein Pendler. -Reisende unterwegs irgendwohin.


Was sich ändert ist der Gesichtsausdruck, der das Antlitz der Passagiere ziert und der in Abhängigkeit der Tageszeit und des Sonnenlichts, das von außen eindringt, mal grau und müde erscheint, aber durchaus belebt und fröhlich wirken kann.


Vielleicht trägt hierzu auch der ein oder andere Musikus bei, der die U-Bahn als persönliche Tribüne für ein kleines Spektakel auserkoren hat, um seinen kleinen zerknautschen Pappbecher mit etwas Klimpergeld zu füllen. Wenn man tagtäglich die gleiche U-Bahnlinie nutzt begegnen einem hin- und wieder bekannte Gesichter.


Die Linie 8 stellt einen Schauplatz der besonderen Art dar. Die Mitreisenden könnten unterschiedlicher kaum sein. Auf dem Weg gen Hermannstraße wird einem irgendwann am Tag Grossi über den Weg laufen. Oft steigt er irgendwo zwischen Rosenthaler Platz und Moritzplatz ein. Einen Fahrschein besitzt er nicht, wie so viele, die das gelbe Gefährt beehren.


Immer mit dem gleichen Gedicht auf den Lippen wandelt er durch die Wagen der U8 und erhofft sich eine kleine Gabe seiner Weggefährten. Er trägt Zeilen vor, die aus einem Kinderbuch entsprungen sind: "Die Eintagsfliege, lieber Freund, die hat ein kurzes Leben/Zweimal zwölf Stunden sind ihr nur, auf dieser Welt gegeben/Besonders ärgerlich wird's dann, was Fliegen oft begegnet/Wenn es an diesem einen Tag noch ohne Pause regnet." Zum Abschied kommen von ihm immer die gleichen Zeilen: "Der Applaus war wie eine Droge für mich."


Nahezu jeder dieser vermeintlichen Gestalten hat eine Geschichte zu erzählen, so auch Grossi, der eigentlich Steffen Großmann heißt und unter anderem Kabarettist war, aber auch Radiosendungen, Videoclips und viele andere Projekte gemacht hat. Nun wird er manchmal als „Penner“ beschimpft- die Drogen haben ihn in die U-Bahnschächte geführt.


Wenn Grossi aussteigt, wünscht er den Reisenden viel Sonne im Herzen und die meisten sind sichtlich froh darüber, dass sie nicht direkt um Geld angehauen wurden. Viele von ihnen schauen beschämt auf den Boden, wenn er oder ein anderer um Geld Fragende durch die Wagen zieht. Die meisten wissen nicht wie sie darauf reagieren sollen- es ist ihnen unangenehm und somit schauen sie lieber weg. Wegschauen ist auch so ein Thema in der U-Bahn.


Es gibt ein ungeschriebenes Regelwerk an das sich die meisten halten- man darf sich nicht ignorieren aber auch nicht anstarren. Zu den Stoßzeiten ist dies manchmal gar nicht so leicht, da man oftmals gar nicht anders kann als irgendwen, irgendwie anzustarren, denn freie Sicht auf etwas gibt es nicht. Abhilfe schafft für diese Momente aber etwas Lesestoff, den man vor sein Gesicht halten kann und der für Ablenkung sorgt, oder das mittlerweile allzeitbeliebte Smartphone.

Vertieft stieren die meisten Reisenden zu jeder Tageszeit in diese Gerätschaft und nehmen dabei kaum etwas von ihrer Umwelt wahr- eine Umwelt, die wenn man sie etwas genauer unter die Lupe nimmt, eine kleine Utopie darstellt. Denn überwiegend friedlich reisen die unterschiedlichsten Menschen hier täglich miteinander. Die U-Bahnwelt bietet ein Sammelsurium an kunterbunter Vielfalt und ist der Spiegel der Großstadt. Das was reflektiert wird ist im großen und ganzen doch ganz passabel.

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15.04.2013 DIE POLIT-GEIER KREISEN UM UNSER EIGENTUM

GFDK - Iris Nicole Masson

Nichts ist schwieriger und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: NEIN (Kurt Tucholsky)

Ein Blick in die gar nicht mal so alte deutsche Geschichte beweist, über welche gefährlichen Beißwerkzeuge in Sachen Geldbeschaffung dieser korrupte Staat verfügt.

Die er notfalls auch einsetzen wird in seiner unendlichen GIER und himmelschreienden Ungerechtigkeit, um seine aufgrund von UNFÄHIGKEIT, ARROGANZ, DUMMHEIT und MISSWIRTSCHAFT angehäuften Schulden zu verringern – unabhängig davon, wie vermeintlich "clever" jeder meint, vorgesorgt zu haben: durch Sparen, Aktien, Lebensversicherung, Haus oder Gold. Jeder, der glaubt, ein Häusle sei die SICHERSTE Anlage, wird sich über kurz oder lang getäuscht sehen.

Zwar haben wir bereits die Immobilien-Zwangsabgabe in Form von Grunderwerbssteuer beim Kauf und der jährlich anfallenden Grundertragssteuer sowie u.U. der Spekulationssteuer beim Verkauf. Das heißt aber NICHT, dass die räuberische Staatskrake nicht noch zusätzlich zugreift und eine Strafsteuer einführt wie die Regierung der Weimarer Republik 1924 mit ihrer „Haus-Zinssteuer“ nach der Hyper-Inflation von 1923. Oder wie 1952 per so genanntem Lastenausgleichsgesetz, da Immobilieneigentümer per Zwangsabgabe derartig hoch besteuert wurden, was einer Zwangsenteignung nahe kam.

Damit will man wohl einer langen Tradition folgen ... Und den Beispielen Italien und Griechenland: Mario Montis Wiedereinführung der bei den Bürgern unbeliebten Immobiliensteuer hat dem Staat 2012 etwa 20 Milliarden eingebracht. In Griechenland beträgt die „neue“ Abgabe seit Ende 2011 zehn Euro pro Quadratmeter – per Stromrechnung abkassiert.

Dirk Müller hat in seinem Buch „Cashkurs“ auf eine eventuelle Zwangsabgabe für Immobilienbesitzer hingedeutet. Und rein „zufällig“ flattern einigen derzeit Erhebungsbögen des Landesbetriebs für Statistik über Immobilienbesitz in die Häuser. Nachtigall, ick hör dir trapsen ... Immobilien – der Inbegriff von Sicherheit und Altersvorsorge? Mitnichten: Der Staat hat deren Besitzer bereits im Visier. Längst hat das Polit-Federvieh diese Steuer-Spur aufgenommen. Und sie kreisen wie die Geier über unseren Immobilien. Neben vielen Schikanen droht die Erhöhung von Abgaben auf Grundbesitz.

Wenn Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) und laut manager magazin online „Schrecken aller Häuslebauer“, tatsächlich Anleihen von Spanien und Italien in größerem Umfang aufkauft, werden die Hypothekenzinsen steigen. Doch das scheint das geringere Übel! Ein weitaus schärferes Damoklesschwert schwebt über unseren Häuptern: Unser Bundesfinanz-Gollum Schäuble, Totengräber der staatlichen Souveränität, lechzt nach was ganz Feinem:

Besitzer von Eigentumswohnungen, Häusern oder landwirtschaftlichen Betrieben will er (zunächst) mit „zehn Prozent von dessen Wert in bar“ rupfen – in Form einer Zwangshypothek. Ein leichtes Spiel für die Polit-Geier: Schließlich haben sie spätestens dank des so genannten ZENSUS', der 2011 durchgeführten Volkszählung, konkrete Immobiliendaten erfasst – also mögliche Sicherheiten, die die Staats-Hyäne mittels Zwangsanleihe fleddern kann. Auch Mieter werden bluten müssen, da ihnen garantiert sämtliche Kosten für Beleihung sprich Hypothek serviert werden.

Solch eine Zwangsabgabe schlägt bei einer Eigentumswohnung mit einem Wert von rund 300.000 Euro mit 30.000 Euro zu Buche, die der Besitzer cash auf des Staates Teller zu legen hat. Blöd nur, dass ausgerechnet jetzt nach vielen Jahren von am Boden liegenden Immobilienpreisen diese – ausgelöst teils durch die südeuropäischen und hier aufkaufenden Steuerflüchtlinge – in die Höhe schießen.

Tja, und kann der Besitzer seine Hypothek, die er zwangsläufig aufnehmen muss, kurzfristig mal NICHT bedienen, gehört sein Grundstück ruckzuck den Verbrechern, die sich „Banker“ nennen ... Schließlich müssen wir alle „damit rechnen, dass die Bürger am Entschuldungsprozess beteiligt werden“, befürwortet Stefan Hofrichter solcherart Überlegungen. Er ist Chef-Volkswirt von Allianz Global Investors – mit einem verwalteten Vermögen von 350 Milliarden Euro Deutschlands größte Fondsfirma ...

Die Folge? Der Markt wird mit zum Verkauf stehenden Häusern überschwemmt. Und wo bereits zehn Prozent angekündigt sind, dürfen wir uns über 15 oder sogar 20 Prozent nicht wundern. Denn der Staat hat unzählige Löcher in seinem Hemd zu stopfen – zuoberst die regelmäßige Erhöhung der Politiker-Diäten und Alimentierung von Bundespräsidenten auf Lebenszeit ... Auch wenn er per Dementi diese Befürchtungen zu zerstreuen sucht, sei man erst recht auf der Hut. Schließlich müssen auch die Kostgänger im Süden mitgefüttert werden. Das großeuronische Reich ist schließlich „alternativlos". ODER?

Doch wie sagte Ed Rothschild einst gehässig, wenngleich nicht unzutreffend: „Lasset ihnen einige Zeit Spaß haben und sie im Safte schwimmen. Sie werden nicht bemerken, in welcher Welt sie eines Tages aufwachen."

Was Carl Friedrich von Weizsäcker freilich bestätigt: „Absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typischer Befehlsempfänger, ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage! Der typische Deutsche verteidigt sich erst dann, wenn er nichts mehr hat, was sich zu verteidigen lohnt. Wenn er aber aus seinem Schlaf erwacht ist, dann schlägt er in blindem Zorn alles kurz und klein, auch das was ihm noch helfen könnte.”

„Wie kommt es zur Macht über euch, wenn nicht durch euch selbst?“

Étienne de la Boétie in seinem Werk über die freiwillige Knechtschaft des Menschen

Iris Nicole Masson ist Journalistin, Fotoreporterin, Portrait- und Eventfotografin und schreibt als Gast für freundederkuenste.de

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13.04.2013 ein Stück über zerplatzte Illusionen und Langeweile

GFDK - Liane Bednarz

Enge. Engstirnigkeit. Erstarrung. Das sind die ersten, das sind die bleibenden Eindrücke der neuen, humorvollen Inszenierung von Tschechows „Onkel Wanja“ an den Münchner Kammerspielen. Man erlebt eine tunnelhafte Visualisierung des bedrückenden Klassikers um nicht gelebte Träume, lethargisches Selbstmitleid und unendliche Langeweile. Die dunkle Bühne (Muriel Gerstner) ist abgetrennt, die Zuschauer blicken auf eine schwarze Wand, aus der mittig ein schmaler rechteckiger Kasten herausgeschnitten ist.

Gerade hoch genug, um darin zu stehen. Gerade breit genug, um alle Schauspieler gleichzeitig auftreten zu lassen. Ein Schaufenster. Nicht mehr. Bis auf die später zum Einsatz kommende Pistole gibt es keine Requisiten. Davor, unter dem Guckkasten ein schmaler Bühnenrand. Düster-Purismus par excellence.

Die minimalistische Inszenierung trägt Karin Henkels Handschrift, wurde aufgrund einer Erkrankung der Regisseurin aber von Intendant Johan Simons würdig zu Ende geführt. Sie nimmt die Bewegungslosigkeit ins Visier, die das Leben von Tschechows Figuren kennzeichnet. Und verdeutlicht durch die räumliche Nähe, wie sehr sich die einzelnen Charaktere wechselseitig auf die Nerven gehen. Man entkommt einander nicht. Dazu muss man schon abreisen von dem Landgut, auf dem das Stück spielt. Und das alles erzählt Tschechows 1899 uraufgeführtes Drama mit einer Ironie, die in München bis in die klitzekleinste Ecke ausgeleuchtet wird.

„Onkel Wanja“ – ein Stück über zerplatzte Illusionen und Langeweile

„Onkel Wanja“ handelt von Iwan Petrowitsch Wojnizkij (Wanja), der seit Jahren das Gut seiner verstorbenen Schwester bewirtschaftet, um damit vor allem den Lebensunterhalt ihres Witwers, des Professors Alexander Wladimirowitsch Serebrjakow zu finanzieren. Unterstützung erfährt er dabei von seiner Nichte Sofja Alexandrowna, genannt Sonja, der Tochter des Professors aus der Ehe mit Wanjas Schwester.

All die Jahre über haben Wanja, Sonja und vor allem Wanjas Mutter Marija Wassiljewna Wojnizkaja den Professor glühend verehrt, nächtelang seine Werke übersetzt. Nun ist der inzwischen gebrechlich gewordene Hochschullehrer in den Ruhestand eingetreten und – da das Leben in der Stadt zu teuer wurde - zusammen mit seiner zweiten und 40 Jahre jüngeren Frau Jelena Andrejewna zu Wanja und den anderen auf das Landgut gezogen.

Einmal dort angekommen, bricht die ganze Illusion um den vermeintlichen Weltruhm des Professors in sich zusammen, löst sich wie eine Fata Morgana auf. Wanja erkennt, dass Serebrjakow in Wahrheit ein wissenschaftliches Nichts geblieben ist und fühlt sich um sein eigenes Leben betrogen. Er resigniert, verfällt in völlige Lethargie. Als der Professor schließlich ankündigt, das Gut verkaufen zu wollen, kommt es zum Showdown. Wanja versucht ihn zu erschießen, was jedoch wie alles andere in seinem Leben misslingt.

Wanja, der kleine dicke Jammerlappen

Wanja und der Professor. Der Professor und Wanja. Rein optisch könnten beide kaum unterschiedlicher sein. Wanja (Benny Claessens) - wie alle Gutsbewohner in unscheinbaren beige-grau-olivgrünen Tönen gekleidet - ist ein kleiner schäbig aussehender Kerl, der seinen dicklichen Körper in einen viel zu engen scheußlichen Herrenpullover mit Rautenmuster gestopft hat.

Der typische Außenseiter, den wohl nie eine Frau attraktiv fand und der nun, da er urplötzlich die Mittelmäßigkeit des jahrelang bewunderten Serebrjakows erkannt hat, jammert und jammert und ja: jammert. Voller Wut und Trotz sitzt er meistens am Rande des Schaukastens – stehen ist offenbar schon zu anstrengend -, lässt die Beine lustlos hängen und sondert boshafte Monologe über das „Gicht-Gerippe“ ab, den Professor, den keiner kennt und der, wie er nicht müde wird zu behaupten, sein Leben verpfuscht hat.

Benny Claessens spielt es großartig, dieses selbstmitleidige, verbitterte und mit finsterer Miene näselnde 47jährige Pummelchen, das ernsthaft glaubt, aus ihm hätte ein Schopenhauer oder Dostojewski werden können. Und so ist er nun widerborstig wie ein kleiner Junge, dem man sein Spielzeug weggenommen hat. Die monotonen Klageverse Wanjas intoniert Claessens gekonnt mit jener Messerspitze Übertreibung, die immer wieder zu Lachern im Zuschauerraum führt. Und entlarvt seine Figur gerade dadurch als egozentrische, lächerliche Nervensäge.

„Alexandre“ und der vermeintliche Ruhm

Die größte Bewunderin des Professors hingegen ist und bleibt Wanjas Mutter, an der sich zeigt, wie durchdacht diese Inszenierung mit ihren vielen ironischen Elementen ist. Denn Tschechow durchschaut diese Gestalten, die niemals echte Not erleiden mussten, in all ihrer selbstgeschaffenen Lethargie, all ihrem Hang zur Theatralik und Übertreibung. Zu letzterer, nämlich zur unerschütterlichen Bewunderung, nein zum absoluten Anhimmeln des Professors neigt auch Wanjas Mutter Marjia, die hier von Hans Kremer im hochgeschlossenen schwarzen Taft und mit grauem Dutt imposant verkörpert wird.

Sie ignoriert ihren Sohn Wanja, zupft ihm bestenfalls noch den Pulli zurecht. Aber schimpft mit ihm, sobald er ihren „Alexandre“ diskreditiert oder diesem auch nur widerspricht. Die Art und Weise, wie Kremer als Marija den Professor bei gleichzeitiger Verachtung des eigenen Sohns fast weihevoll „Alexandre“ nennt – bei Tschechow heißt er Alexander – ist wunderbar überzeichnet und gerade deshalb für dieses Stück, in dem alle irgendwie aneinander vorbeileben, so passend.

Und der Bewunderte? Ist tatsächlich ziemlich medioker. Elegant gekleidet zwar, das gewiss, im hellblauen Tuch. Mit Krawatte und Einstecktuch sichtbar aus der Stadt kommend, bestrebt, qua Wortwahl unbedingt den Anschein eines akademischen Genies aufrechtzuerhalten. Zugleich aber vollkommen hypochondrisch, larmoyant und über alle Maßen leidend an seiner Gicht oder seinem Rheuma, genau weiß man es nicht. Und natürlich, wie er ständig betont, am Alter. Stephan Bissmeyers spielerische Leistung ist glänzend, er zeigt die Selbstzentriertheit, die das Alter so oft mit sich bringt, das ewige Kreisen um die eigene Gebrechlichkeit und das Zutexten der Umgebung mit den eigenen Krankheiten.

Das Glamourgirl und der Greis

Darunter leidet vor allem die schöne Jelena (Wiebke Puls), seine gerade einmal 27jährige Frau. Sofern diese überhaupt leiden kann. Denn die Jelena, welche die Regie hier zeichnet, ist eiskalt und voller Verachtung für alle anderen. Wie ein Reptil gleitet sie immer wieder mit ihren Händen und pink lackierten Nägeln an der Rückwand des Schaukastens entlang. Optisch eine schillernde Hollywood-Diva der 40er/50er Jahre, mit roten Wasserwelle à la Rita Hayworth und imposanter pinkfarbener Tüll-Robe mit silbrig-funkelnden Strasssteinchen, ist sie charakterlich indes ein recht simples Wesen, das den Professor des vermeintlichen Ruhms wegen, also zwecks Flucht aus der eigenen Mittelmäßigkeit geheiratet hat.

Jelena verwechselte Bewunderung mit Liebe, wie sie selbst zugibt. Nichts ist es nun mit dem erträumten „life of leisure“ als Frau an der Seite eines berühmten Mannes. Aus Goldmarie wurde Pechmarie, und aus dem erträumtem Edel-Ehemann ein unglamouröser Frühvergreister. Diese Akzentuierung von Henkel und Simons trifft ins Heute. Ja doch, auch im 21. Jahrhundert wird noch hochgeheiratet – Feminismus hin, Emanzipation her.

Sonja – Fixstern und Kontrapunkt

Aber es gibt Hoffnung in all der Egozentrik, in diesem Sumpf einer fast schon refrainartig beschworenen Langeweile. Sie heißt Sonja. Gespielt von Anna Drexler, einer erst kurz vor der Premiere eingesprungenen Absolventin der Otto-Falckenberg-Schule. In Tschechows Originaltext ist Sonja ein hässliches Mädchen. Und genau ein solches ist auch im Schaukasten an der Maximilianstraße zu sehen: graues sackartiges Kleid, unförmige schwarze Stiefel, kein Make-Up, fettiges mittelblondes Haar.

Aber oh ha: Drexlers Sonja wird zum Fixpunkt der Inszenierung. Mit witzigen, das Elend stets durchschauenden, aber nie daran verzweifelnden Kommentaren, ist sie der Kontrapunkt zur Tristesse um sie herum. Sie lacht sogar über ihre eigene Hässlichkeit, fest entschlossen, nicht unterzugehen und der Langeweile die Stirn zu bieten. Und das, obwohl sie weiß, dass gerade ihre Hässlichkeit der Grund dafür ist, dass das Objekt ihrer Begierde, Doktor Astrow (Maximilian Simonischek), sie niemals lieben wird.

Drexler schafft es meisterhaft, Sonja zwischen verblüffender Lebensklugheit und kindlichen Zügen hin- und her schwingen zu lassen. Sobald sie Astrow anblickt, ist sie ganz verliebter Teenie, der sogar dann selig lächelt, wenn Astrow ihr achtlos in bester Kumpelmanier über den Kopf streicht und das Haar zerzaust.

Pollyester am E-Bass – so klingt russische Melancholie

Doktor Astrow selbst ist die einzige Schwachstelle an diesem Abend. Eindimensional gezeichnet. Schmierig. Ein heruntergekommener Säufer. Die bei Tschechow angelegte intellektuelle Brillanz und Liebe zur Natur gehen hier leider etwas unter. Auch sein Flirt mit Jelena wirkt nicht recht überzeugend. Ein gut gesetztes Highlight gelingt der Regie hingegen in Gestalt von Polina Lapkovskaja (genannt „Pollyester“), die als Marina über weite Strecken der Inszenierung hinweg im schwarzen Paillettenkleidchen und mit schneewitchenartigem Gesicht und Haar am rechten Bühnenrand steht. Dort zupft sie ihren E-Bass und singt wunderschöne melancholische russische Weisen.

Die optische Begleitkulisse steuert der Fluxus-Künster Robert Filou bei. Die ganze Zeit über laufen Spruchbänder wie „What are you afraid of?“, „Why did you get up this morning?“ oder “Why not work?” wie der Newsfeed eines TV-Nachrichtensenders von rechts nach links horizontal über dem Schaukasten entlang. Diese sollen wohl eine Brücke ins Leben der Zuschauer bauen, wirken bisweilen jedoch etwas gewollt. Aber auch das kann diesen großartigen Abend nicht schmälern.

Mit dieser Inszenierung haben Henkel und Simons den ironischen Röntgenblick des studierten Mediziners Tschechow aufgenommen und die verkorksten Charaktere auf dem Landgut messerscharf seziert. Selten wurde Selbstmitleid so treffend der Lächerlichkeit preisgegeben. Frenetischer Applaus des Premierenpublikums.

 

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert und arbeitet als Rechtsanwältin im Bereich "Mergers & Acquisitions". Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung.

 

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07.04.2013 NORD KOREAs Säbelrasseln

GFDK - Georg Wilhelm von Fürstenberg

Nord Koreas Diktator Kim Jong-uns, das Säbelrasseln und die berechtigte Frage ob da ein wahnsinniger Politiker agiert.

Auf Grund einer Facebook Diskussion, werde ich nochmal versuchen meine rein persönliche Meinung zur aktuellen Lage zusammen zufassen.

Bei dem „großen“ Diktator Kim deutet für mich nichts auf Wahnsinn hin. Eher ist klar, das er durchaus weis, was in der Welt passiert und sich dessen, was er tut sehr bewusst ist. Er wurde in Schweizer Internaten grundsätzlich geschult und ausgebildet. Sein Kontakt zu westlichen Schülern war sicher gut genug, um sich ein grobes Bild über die Welt zu machen.

Seinen Universitätsabschluss kann man nicht bewerten, allerdings hat er fünf Jahre studiert und das koreanische Bildungssystem hat nachweislich eine gute Qualität. Es wird Kim nachgesagt, ein guter Militärstratege zu sein. Also dürfte ihm im völlig klar sein, das seine Truppen wohl in der Lage wäre Süd Korea zu überrennen (Nord Korea hält immer hin ca 1mio Mann unter Waffen), nicht aber dessen Verbündete. Seine wenigen Atomwaffen taugen nur zur Abschreckung.

Vielmehr war zu beobachten, das Kim nach Amtsantritt einen moderateren innenpolitischen Kurs einschlug. Eine vorsichtige marktwirtschaftliche Öffnung und die Abwendung von marxistisch-leninistischen Dogmen. Im westlichen Staaten wohl dieser Fakt zwar willentlich ignoriert, aber im inneren Nord Koreas ist das fast revolutionär. Was beweist, das Kim sicher nicht das System umkrempeln wollte, aber doch allgemeine Notwendigkeiten der Modernisierungen erkannt hat.

Bis Ende 2012 war dieser Kurs auch klar erkennbar. Provokationen nach außen waren eher eine Ausnahme und als innenpolitische Inszenierung zu betrachten. Ein Kurswechsel der im Moment in gute, alte kalte Kriegsrethorik ausartet, ist erst seit Januar 2013 zu beobachten.

Dafür gibt es mindestens zwei Gründe und diese sind einfach zu erklären. Der erste Grund ist natürlich die Südkoreanisch – amerikanischen Truppenmanöver vor der Haustür. Ein Macht bewusster Führungskader, der sich als letztes Bollwerk gegen die imperialistischen Gefahr darstellt, muss wohl so handeln. Kim muss seinem Volk zeigen, das sie Alle den richtigen Weg gehen.


Der innenpolitisch jedoch wichtigste Grund sollte sein, das lt. Geheimdienst Quellen im Frühjahr ein Attentat auf Kim verübt wurde. Vermutlich aus den eigenen Reihen heraus. Was darauf schließen lässt, das sein zaghafter Versuch, eines moderater innenpolitischer Kurs, bei Hardlinern innerhalb des Militärs und der Koreanischen Arbeiter Partei nicht unbedingt nur Freunde fand.

In diesen Kontext ist das augenblickliche Gebaren Kims recht gut nachvollziehbar. Einerseits dem eigenen Volk zeigen, das man in der Lage ist außenpolitisch Stärke zu zeigen und sich notfalls verteidigen zu können, andererseits innenpolitisch Führungsstärke zu demonstrieren und die eigenen Reihen zu schließen. Vermutlich auch mit dem Ziel eigene Kritiker unauffällig auszuschalten. Er ist letztendlich ein Diktator.

Daran lässt sich wohl kaum Wahnsinn zu erkennen, sondern eher bestmögliche innenpolitische Strategie zum Machterhalt. Was Kim wiederum, als einen klugen, kaltblütigen Strategen zeigt.

Die Spekulation, das dieser Mann tatsächlich Atomraketen auf Süd Korea oder US amerikanische Stützpunkte abschießen würde und sich somit praktisch selbst aus der Geschichte tilgt, ist schon eher dumm.
Warum sollte Kim einen Anlass geben, Nord Korea anzugreifen? Was ohne Zweifel das Ende des „großen“ Diktators wäre. Er zündelt bewusst mit brutalst möglicher kalter Kriegsrethorik, hat ab die Lunte nicht angezündet. Kim beweist sich als geschickter innenpolitischer Populist. Sein Erscheinungsbild nach außen, dürfte ihm vermutlich relativ egal sein. Da er außenpolitisch praktisch isoliert ist.


Laut Geheimdienst Quellen, hat er zwei Atomwaffen fähige Mittelstreckenraketen an die Küste verlegt, die strategische Ziele in Süd Korea erreichen können und US Militärstützpunkte. Doch es wurde von keiner Mobilisierung berichtet. Was ein Indiz für praktische Kriegsvorbereitungen wäre, aber auch noch kein handfester Beweis, für eine Kriegsvorbereitung. Das würde bestenfalls beweisen, das der Verteidigungszustand hergestellt ist.

Natürlich ist eine solche politische Lage kritisch zu betrachtet, da von außen nicht zu 100% beurteilt werden kann, ob sich die Lage nicht zuspitzt. Aber ich sehe im Moment nur gezielte Panikmache. Die westliche Politik legitimieren soll und auch hervorragend geeignet ist, von wirklichen Problemen in der westlichen Welt abzulenken.

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