Reden ist silber, Schreiben ist gold

16.10.2013 DIE MACHT DER STIMME

GFDK - Gottfried Böhmer

Die Stimme ist der Klang der Seele, sie gibt im Außen wieder, was Innen schwingt. Angelika Wende weiß das. Die ausgebildete Sprecherin und psychologische Beraterin arbeitet seit über 25 Jahren mit Stimme und Sprache. Mit ihrer warmen Altstimme und ihrer charismatischen Kamerapräsenz moderierte sie 13 Jahre lang das ZDF-Programm.

Sie war Sprecherin der heute-Nachrichten und gab vielen Beiträgen für Phönix und arte ihre Stimme. Heute bietet Angelika Wende in ihrer Wiesbadener Praxis Sprechtraining und psychologisches Coaching an.

Wir Menschen leben in der Sprache. Sie ist unser wichtigstes Mittel, Gedachtes und Gefühltes auszudrücken. Das macht sie zum einzigartigen Instrument unserer Kommunikation. Angelika Wende spricht aus Erfahrung: „Reines Sprechtraining, ohne die Persönlichkeit des Klienten einzubeziehen, ändert wenig und wirkt nicht nachhaltig. Der Raum, den die Arbeit mit Stimme und Sprache ausmacht, ist für mich enorm groß.

Eine Universalmethode, die bei allen Menschen gleich wirkt, gibt es meiner Erfahrung nach nicht. Die ganze Persönlichkeit entscheidet, wie das individuelle Training aussieht.“ Die Art und Weise, wie wir sprechen, sagt viel über uns und bestimmt, wie andere uns wahrnehmen. Wie ein Mensch spricht, gibt Hinweise auf sein Alter, sein Geschlecht und seine Herkunft. Gleichzeitig manifestieren sich in der Stimme auch wesentliche Charaktereigenschaften – etwa ob ein Mensch eher ängstlich oder gelassen ist, anderen gegenüber verschlossen oder offenherzig.

Besonders Dauerstress, Erschöpfung, Ärger, Kummer und Angst werden durch subtile Vorgänge in unserem komplexen Sprechapparat für andere hörbar. Sogar psychische und körperliche Erkrankungen schlagen sich in Stimme und Sprechweise nieder. Sprechwirkungsforscher konnten das eindeutig nachweisen.

„Stellen Sie sich einen völlig erschöpften Manager vor, der eine wichtige Präsentation halten soll. Er wird seine Kunden kaum überzeugen, weil man ihm anhört, dass er keine Energie mehr hat. Ein Politiker mit Kameraangst mag sein Programm im Schlaf abspulen können, steht er dann im Rampenlicht ohne seine Angst bearbeitet zu haben, fehlen ihm Glaubwürdigkeit und Charisma“, sagt die Trainerin. Eines ist für Angelika Wende klar: Unsere Stimme offenbart höchst Intimes – unsere Gefühle nämlich. Wer spricht, kann kaum verheimlichen, wie es ihm geht.

Umso unbegreiflicher ist es für Angelika Wende, wie wenig Menschen sich mit der eigenen Stimme und Sprechweise auseinandersetzen, sie bewusst wahrnehmen und trainieren.

Unsere Stimme und Sprechmuster vermitteln, neben Gestik und Mimik, ein Bild von uns selbst. Dieses Bild nehmen andere Menschen wahr. Sie sehen es, hören es – und bewerten. Wahrgenommenes schnell zu bewerten, war ein evolutionärer Vorteil. In der zivilisierten Gesellschaft ist es bisweilen ein Problem. Die Eigenschaften unserer Stimme wie Klang, Sprechduktus und Tonlage sind Werkzeuge der Persönlichkeit und formen und verfestigen sie zugleich.

Mit Stimme, Sprechweise und Wortwahl kommunizieren wir hörbar uns selbst. „Es kommt nicht nur darauf an, WAS wir sagen, sondern vor allem auch, WIE wir es sagen. Wie wir sprechen – wie laut, wie leise, wie schnell, wie tief, wie hoch – spricht vom Umgang mit uns selbst. Die Stimme ist der Klang unserer inneren Gestimmtheit“, davon ist Angelika Wende überzeugt, und das erfährt sie tagtäglich in ihrer Praxisarbeit.

Sprech- und Stimmtraining ist ein absoluter Mehrwert

Führungskräfte, PolitikerInnen, SängerInnen, Menschen aus unterschiedlichsten Berufen, aber auch BerufseinsteigerInnen und Azubis sind die Klienten der Trainerin. Bei allen zeigen sich schon nach kurzer Zeit positive Veränderungen, sowohl stimmlich als auch was das seelische Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl angeht.

„Sprechen, Hören und Fühlen haben viel miteinander zu tun. Viele Menschen sprechen. ohne sich selbst bewusst zu hören. Hineinhören in sich selbst ist aber wesentlich, um sich selbst wahrzunehmen. Das Bewusstsein für uns selbst beginnt damit, uns zu hören, sprich - uns zuzuhören. Wir alle möchten gehört werden, wir möchten, dass man uns zuhört, dass man uns erhört, auch das.

Aber wie soll das gehen, wenn wir uns selbst nicht (zu)hören? Sich zuhören, sich sprechen hören heißt auch: Achtsam mit sich selbst zu sein. Um dann achtsam mit Stimme und Sprache umzugehen. Das macht in der Kommunikation mit anderen selbstsicherer und überzeugender“, sagt Wende.

Für wen lohnt sich also Sprechtraining?

„Für alle Menschen“, sagt Angelika Wende. „Die Stimme ist nicht nur das entscheidende Werkzeug von BerufssprecherInnen. Ob jemand  im Vertrieb arbeitet oder am Bankschalter steht, Reden, Vorträge und Präsentationen hält oder sich stimmlich häufig in Meetings und Verhandlungen behaupten muss, die Stimme wird beansprucht. Daher ist es wichtig, sie zu schulen und zu pflegen.“

Und funktioniert das bei jedem?

„Aber sicher“, lächelt Angelika Wende. „Wir haben enorme Spielräume, die Frequenz, mit der die Stimmlippen schwingen, zu verändern. Schon die allgemeine Körperspannung, die bei psychischen Belastungen auftritt, wirkt auf die vielen kleinen Muskeln, die am Entstehen der Laute beteiligt sind. Sind wir aus irgendeinem Grund verkrampft, verkrampft sich die Stimme. Was sich nicht ausdrückt, drückt sich ein. Hier setzt meine Arbeit an.

Ich doktere mit meinen Klientinnen nicht am Symptom herum, wir arbeiten gemeinsam neben dem konsequenten Sprechtraining an den Ursachen für stimmliche Defizite mit dem Ziel, nicht nur hörbar, sondern spürbar zu einem freieren und selbstbewussteren Menschen zu werden.

Meine KlientInnen gewinnen nicht nur stimmliche Überzeugungskraft, sie gewinnen innere Stärke, Lebensfreude, Kraft und den Mut, endlich sie selbst zu sein. Das ist ein Prozess und wie der sich vollzieht, weiß ich aus meiner eigenen Biografie und Lebenserfahrung“, lächelt die kraftvolle und empathische Trainerin.

Sprech-und Stimmtraining macht

selbstsicherer

charismatischer

redegewandter

erfolgreicher

Angelika Wende ist auch Botschafter der Gesellschaft Freunde der Künste.

Angelika Wende
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08.10.2013 Das Literaturfest in Frankfurt

GFDK - Gottfried Böhmer

Heute Abend geht es los. In Frankfurt treffen sich 1.500 Autoren auf rund 3.000 Veranstaltungen mit 300.000 Leseratten. Spannende Neuerscheinungen erwarten die Besucher auf der weltgrößten Bücherschau in Frankfurt. 7.100 Aussteller aus der ganzen Welt präsentieren in den kommenden fünf Tagen ihre Autoren und Publikationen.

Die ersten drei Messetage sind leider nur dem Fachpublikum vorbehalten, erst am Wochenende dürfen die Lesebegeisterten das Messegelände erobern. Eröffnet wird die Bücherschau am Dienstagabend von dem noch amtierenden Bundesaußenminister Guido Westerwelle.

Digitale Umwälzung führt zu neuen Geschäftsmodellen

Buchmesse-Direktor Juergen Boos spricht sogar von einer "neuen Gründerzeit". "Die Digitalisierung habe sowohl das Verlegen als auch das Verkaufen in der herkömmlichen Form definitiv verändert. Vor drei Jahren habe noch niemand Self-Publisher ernst genommen, heute stellen diese Autoren eine wachsende und ernstzunehmende Größe dar" sagte er der ARD.

Durch die Digitalisierung wird der internationale Vertrieb einfacher, so Boos; heute orientierten sich Verleger an Themen, nicht an Länder und ihren Grenzen. Das verändere nicht nur die Branche, sondern auch die Messe selbst:

Das sehen nicht alle so. Der Deutsche Buchhandel blickt angesichts der Digitalisierung in eine unsichere Zukunft. Während Amazon und Gesellen weiter wachsen verzeichnet der traditionelle Buchhandel für das laufende Jahr erneut ein Minus von gut fünf Prozent. Dazu sagte Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels der Frankfurter Rundschau "Ich halte das für eine Zahl, über die man nachdenken muss."

Buchbranche macht sich aber Mut

Honnefelder zeigte sich dennoch optimistisch für den stationären Handel. Der FR sagte er: Bundesweit entstünden mit neuen Ideen neue Buchläden. "Mein Eindruck ist, dass jetzt die Stunde der inhabergeführten Buchhändler schlägt."

Kann die Deutsche Buchbranche vom Imageverlust der US-Bücherkrake Amazon profitieren? Zumindest ist sich die Branche einig, das Buch als Geschäftsmodell steht in Frankfurt wieder mal auf dem Prüfstand. Auch wenn die Deutschen zunehmend skeptisch gegenüber Amazon sind darf man sich nicht täuschen lassen, noch ist der US-Buchhändler die einzige nennenswerte Wachstumsgröße auf dem Buchmarkt. Weder der Skandal um die Leiharbeiter noch die NSA aktivitäten und Überwachungspraktiken des Internets haben daran etwas geändert.

Die Frage ist, wo wird gekauft?

Bisher liegen die Argumente bei Amazon. Wir können 24 Std. rund um die Uhr bestelllen, anderntags wird geliefert. Die FAZ stellte schon die Frage: Wer gegen Jeff Bezos (Amazon) Effiziensmaschine überhaupt noch eine Chance habe. Die Verlagsgruppe Weltbild mußte kurz vor der Frankfurter Buchmesse 2013 zugeben das sie in einer "prekären Lage" sei. Die Buchhandelsgruppe Thalia hat im Geschäftsjahr 2011/12 einen Vorsteuerverlust von 175 Millionen Euro gemacht und es werden bestimmt noch mehr werden.

Dazu schrieb die FAZ " Amazon ist der Supertanker; Weltbild und sein deutscher Wettbewerber Thalia sind im Vergleich dazu winzige Tretboote, in denen einem bei Sturm durchaus schlecht werden kann". Die Buchbranche in Deutschland muß umdenken.

Besser gut kopiert als schlecht kreiert

Was hat Amazon so stark gemacht? Einfach bestellen, schnell und gratis ausliefern. In den großen Ballungsgebieten und Städten kann der Deutsche Buchhandel sogar gegen Amazon gewinnen. Viele kleine Buchhandlungen setzen heute schon Fahrradkuriere ein, das hat den Vorteil dass das bestellte Buch sofern es auf Lager ist noch am gleichen Tag ausgeliefert werden kann. Und sollte es nicht auf Lager sein, kann es am nächsten Tag ausgeliefert werden, schneller ist Amazon auch nicht.

Mut machte der Branche am heutigen Dienstag eine Marktstudie der Beratungsgesellschaft PwC. Trotz rückläufiger Geschäfte im ersten Halbjahr erreiche der deutsche Buchmarkt im laufenden Jahr einen stabilen Umsatz von 9,6 Milliarden Euro.

Gottfried Böhmer

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30.09.2013 Der Herbst trübt unsere Antlitze

GFDK - Stefanie Tendler

Warum überfällt sie uns jedes Jahr wieder und warum fällt es dem einen leichter und dem anderen schwerer mit ihr Freundschaft zu schließen? In Fachkreisen schimpft man sie als saisonal affektive Störung oder saisonal affektive Depression und bereits in der Antike war sie berüchtigt, dennoch ist sie alljährlich erneut ein Überraschungsgast, der sich hartnäckig bei uns einnistet und mehrere Monate nicht von unserer Seite weicht.

Können wir uns nicht versuchen auf den herbstlichen Besuch vorzubereiten, uns gar auf ihn zu freuen? Auf eine gewisse Weise gestaltet er unser Leben bunter, abwechslungsreicher, färbt es in den buntesten Tönen und bringt die Hydraulik in die Achterbahnfahrt unseres irdischen Daseins.

Ohne ihn wüssten wir die langen warmen Tage, die uns der Sommer beschert vermutlich gar nicht richtig zu schätzen. Dennoch fällt es uns schwer die Kälte und Nässe, die der Herbst mit sich bringt, anzunehmen und die Dunkelheit, die uns morgens beim Aufstehen empfängt und abends nach Hause begleitet als treuen Kumpanen zu akzeptieren.

Es fällt uns von Tag zu Tag schwerer morgens die Decke abzustreifen und einen neuen Tag zu begrüßen, denn die Müdigkeit lässt sich ohne das lebensnotwendige Vitamin D kaum abschütteln. Der Herbst trübt unsere Antlitze, färbt sie in einem grau, das in unterschiedlicheren Nuancen und Abstufungen zu keiner anderen Jahreszeit vorkommt, nichts desto trotz ist es die Zeit in der die Nähe zu unseren Mitmenschen uns mit Energie auflädt und für etwas Ausgleich in dieser alltäglichen Grauheit sorgt.

Es ist wichtig diese Jahreszeit auszunutzen um etwas näher zusammenzurücken, um mit dem Partner zu kuscheln, sich Wärme zu spenden und die bunte Melancholie der herbstlichen Tristesse zu genießen! Es gibt kein Entkommen, sie überkommt euch ohnehin alle Jahre wieder...

Bangkok/Berlin - Mit dem gereiften Blick einer Wiederkehrenden fallen Stefanie Tendler Ähnlichkeiten auf

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/reden-ist-silber/meinung/bangkokberlin-mit-dem-gereiften-blick-einer-wiederkehrenden-fallen-stefanie-tendler-aehnlichkeit.html

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29.09.2013 Anna Bergmann eröffnet die Saison mit Ibsens „Frau vom Meer“

GFDK - Liane Bednarz

Trance. Morbidität. Halbdunkelheit. So beginnt Ibsens „Frau vom Meer“ in der Interpretation von Anna Bergmann. Die Saison 2013/14 am Wiener Akademietheater ist eröffnet. Mit einem Zeitlupen-Prolog. Einem stillen Tanz, Ibsens Worten vorangestellt. Der Blick geht auf die gemauerte nackte Bühnenrückwand. Links ein Aquarium auf einem weißen Sockel im klassizistischen Stil (Bühne: Ben Baur). Gelb-grün angestrahlt. Überall auf dem Fußboden: Vasen mit Blumen. Weiß. Rosa. Lila. Und mit norwegischen Fähnchen. Klingt nett, weckt aber Assoziationen von Friedhof und Beerdigung. Am rechten Bühnenrand: ein braunes Piano samt Schemel. Noch mehr Blumen.

In diese stille Szene hinein erklingen Akkorde von Lana del Reys „Video Games“. Verfremdet und düster. Eine Arbeit des Sounddesigners Heiko Schnurpel. Der Song wird neben dem Klassiker “Wonderful World“ als zweites Leitmotiv den Abend musikalisch begleiten. Alle Schauspieler der Inszenierung stehen auf der Bühne. Sie bewegen sich langsam, sehr langsam gemeinsam zur Musik und schwenken die Arme. Wie Untote. Interaktion gibt es nicht. Auf dem Boden zwischen Aquarium und Klavier liegt unbeachtet eine leblos anmutende, rothaarige Frauengestalt im bunten Seiden-Morgenmantel.

Meerfrau

Das im Jahre 1889 uraufgeführte Stück handelt von der „Meerfrau“ Ellida, die als Tochter eines Leuchtturmwärters an der Westküste Norwegens aufwuchs. Später ehelichte sie den gut situierten Arzt Doktor Wangel. Aus Vernunft. Allerdings zu einem für sie hohen Preis: Dem Entzug der Weite des offenen Meeres. Wangel nahm sie mit in seine Heimat, in die engen Schluchten eines Fjords. Und zu seinen zwei Töchtern. Die Patchwork-Idylle jedoch blieb aus. Keine Nähe, keine wirklichen Beziehungen entstanden. Das einzige gemeinsame Kind der Wangels verstarb im Säuglingsalter.

Anna Bergmann gelingt in Wien das Kunststück, aus einem zwar subtil psychologisierenden, aber handlungsarmen, selten gespielten Stück ein Psychodrama um eine Wahnsinnige zu machen, die am Tod des Kindes, einer langweiligen Ehe und - gleich einer im Fjord gestrandeten Nixe - am Verlust des offenen Meeres zugrunde geht. Der Preis, den die Regisseurin dafür zu zahlen bereit ist: fehlende Text- bzw. Handlungstreue beim Plot.

Gebannt starrt man mit schaudernder Faszination auf die immer schizoider werdende „Meerfrau“, großartig dargestellt von Christiane von Poelnitz. Die Sache wirkt echt. Geht an die Nieren. Diese Ellida ist eine psychisch schwer kranke Frau, die mit monströsen Stimmungsschwankungen die Familie malträtiert. Man könnte meinen, man wohne dem „Grande Finale“ einer Familienaufstellung bei. Regisseurin Bergmann spielt dabei gekonnt mit Assoziationen. Mit ihren langen kupferroten Haaren und ihren eleganten Kleidern (Kostüme: Claudia Gonzáles Espíndola) ist diese Ellida der Inbegriff der femme fatale, erinnert mit der Frisur und ihrem ätherischen Gesicht zugleich auch an Arielle, die zarte und schöne Meerjungfrau, zumindest dann, wenn sie ruhigere Töne anschlägt, was selten genug passiert.

Sturzbach

Ellidas Sehnsucht nach dem Meer wird im weiteren Verlauf zum emotionalen Crescendo, das immer rasanter anschwillt. Ein Gefühlssturzbach, der die elegante Welt der Wangels - visualisiert mittels strahlend weißer Rück- und Seitenwände mit edlen Bildern und Sprossenfenstern - überflutet.

Anna Bergmann dient die Kulisse zugleich als Leinwand für großflächige, rasante, die ganze Bühne ergreifende Video-Sequenzen (Sebastian Pircher, Impulskontrolle). Ellidas Vergangenheit. Die Hochzeit. Das quietschfidele Baby. Dessen Beerdigung. Und immer häufiger: das tiefblaue weite, offene Meer. Und Ellida mit vorgestreckten Armen auf den rauen Klippen. Bergmann spielt hier gekonnt mit dem „Holländer“ Motiv, mit der unentrinnbaren Sogwirkung der See.

Nur leider ist Ellidas Ehemann Wangel (Falk Rockstroh) keine maskuline Senta. Bergmann zeichnet ihn als gute Seele, als zunächst netten kauzigen Provinzarzt, der, emotional völlig überfordert, Ellida beständig und besorgt umtänzelt, der versucht, sie bei Laune zu halten, oder ihr, wenn das nicht gelingen will, Psychopharmaka verabreicht. Optisch mindestens 20 Jahre älter, mit wirrer Frisur, aber grauem eleganten Anzug unter dem weißen Kittel. Lieb, aber langweilig.

Die Restidylle, an der Wangel krampfig festhält, wird jäh zerstört, als Ellida ihm unvermittelt in einem Anfall von Hypernervosität erklärt, dass sie emotional unfrei und die gemeinsame Ehe eine Farce sei. Vor Jahren, noch vor der Ehe, habe sie sich mit einem Seemann verlobt. Dann aber habe ihr Auserwählter fliehen müssen, weil er an seinem Kapitän zum Mörder wurde. Die Rückkehr des Seemanns stünde nun bevor, noch in dieser Nacht. Und für jenen müsse sie frei sein, zumindest frei, sich für ihn entscheiden zu können. Deshalb müsse Wangel sie nun freigeben.

Psychothriller

In Ibsens Text taucht der Seemann wirklich auf und stellt Ellida vor die Wahl, mit ihm fortzugehen. Auch dort verlangt sie von ihrem Mann, sie freizugeben, was dieser schließlich tut. In einer recht abrupten Wendung entscheidet Ellida sich sodann, bei Wangel zu bleiben und wendet sich den Stieftöchtern endlich liebevoller zu. Friede, Freude, Patchwork. Also ganz untypisch für Ibsen; fast unglaubhaft.

Das findet offenbar auch Jungregisseurin Bergmann, von der Süddeutschen Zeitung „das explodierende Fräuleinwunder des deutschen Theaterbetriebs“ genannt. Kühn ändert sie die Handlung (Dramaturgie: Florian Hirsch). Die Rolle des Seemanns bleibt unbesetzt, offen sogar, ob er überhaupt je existiert hat. Seine bevorstehende Rückkehr jedenfalls ist nichts anderes als eine fixe Idee, ein Hirngespinst Ellidas, die schließlich zum wilden Tier wird.

Sie deliriert, sucht das tote Baby. Reißt mit der Kraft der Wahnsinnigen die schweren Planken des Parkettfußbodens raus, und lässt sie dann krachend niederdonnern. So stellt man sich heute Crack-Süchtige vor, wie ferngesteuert auf der Suche nach dem letzten Krümel Stoff. Aus dem zerstörten Fußboden quillt Wasser. Klar, das Meer, denn auch Fjorde bestehen aus Salzwasser, wenn auch in der Brack-Version. Und diese Vorboten des Meeres holen sich nun die Holländer-Ellida mit aller Macht zurück. Hat sie am Ende sogar ihr Kind selbst getötet? Die Regie deutet es an.

Coming-of-Age

Die verbleibenden Figuren kontrastieren scheinbar den Wahnsinn Ellidas, taumeln aber in Wahrheit ihrem ganz eigenen Abgrund entgegen. Das früh pubertierende Luder Hilde (Jasna Fritzi Bauer) räkelt sich in einer fulminanten Coming-of-Age Szene lasziv dem jungen Bildhauer und Tagträumer Lyngstrand (Christoph Luser) entgegen. Der erscheint als zappeliger Hipster mit kitschiger tannengrüner Haarsträhne im blonden Haar, der seine tödliche Lungenkrankheit fröhlich ignoriert und mit Hilde von einer gemeinsamen Zukunft träumt. Einer, die dann auch zerplatzt wie eine Seifenblase: Er hustet.  Spuckt Blut. Bricht zusammen. Alles aus.

Hildes Schwester Bolette (Alexandra Henkel), eine Spießerin, an der nur die Optik jung wirkt, gibt, nachdem sie bei Lyngstrand mit einem unbeholfenen Striptease-Versuch kläglich scheiterte, resigniert dem Werben ihres früheren Lehrers Arnholm (Tilo Nest) nach. Den hatte Wangel allerdings eigentlich nur zur Aufheiterung Ellidas eingeladen. Im Ursprungstext ist Arnholm eher putzig in seinem Werben um Bolette. In Wien sieht man ihn als fiesen und feisten Alterslustmolch, der am Piano ein Mischmasch aus „Video Games“, „Roxanne“ (Police) und „Kiss“ (Prince) zum Besten gibt. In seiner Schmierigkeit, Dumpfheit und grenzenlosen Selbstverliebtheit ist er allerdings etwas überzeichnet. Besonders, wenn er ins Aquarium steigt, untertaucht und vorher noch schnell sein Toupet abnimmt. Das wirkt recht komödiantisch. Fast slapstickhaft. Aber geschenkt.

Ein Highlight im Akademietheater ist wiederum der Auftritt des gerissenen Lebenskünstlers Ballested (Franz J. Csencsits), der sich im Verlauf des Stücks von einem tuntigen und exaltierten Esoteriktypen im Wallegewand optisch immer mehr Ellida annähert. Am Schluss kommt er gar im kupferroten Haar und schwarzem Pailletenkleid daher. Eine Mischung aus Rita Hayworth und Milva.

Brackwasser

Es kommt, wie es kommen muss. Wangel resigniert und besäuft sich. Torkelt volltrunken Arm in Arm mit Arnholm herum, um irgendwann auszurasten. Er schlägt Ellida. Und versucht verzweifelt, die herausgerissenen Planken wieder in den Fußboden einzusetzen. Es misslingt. Eine für den kurzen Moment scheinbar seelisch wieder aufgeräumte, frisch frisierte und adrett angezogene Ellida setzt sich am Ende zu ihm, bittet ihn ein letztes Mal, sie freizugeben. Und tatsächlich, Wangel kapituliert.

Wer das Originalstück kennt, schöpft noch einmal kurz Hoffnung. Vielleicht ist der Spuk jetzt vorbei. Doch dann kommt das grausame Erwachen. Ellida weiß mit ihrer frisch gewonnenen Freiheit nichts anzufangen. Erkenntnis. Dann Verzweiflung und allertiefste Depression. Jetzt kann nur noch der Tod Freiheit bedeuten. Sie bittet Wangel, sie zu erlösen, sie umzubringen. Und Wangel fügt sich. Er drückt Ellidas Gesicht in dieses elende Brack-Fjordwasser, das dort immerfort aus dem offenen Fußboden hervordringt.

Man kann über dieses neue Ende streiten. Eines ist Bergmanns ganz eigene Interpretation des Stücks in jedem Fall: konsequent. Konsequent durchdacht und mit großem Spannungsbogen. Atemlos wartet man stets darauf, wie schlimm der nächste Ausraster Ellidas sein wird. Der Versuch, aus dem etwas drögen Ibsen-Stück einen solchen Psychothriller zu kreieren, ist sehr gut gelungen. In einem ebenfalls dem Stück hinzugefügten Epilog erscheinen die noch Lebenden in Ballkleidung, in Smoking und großer Robe. Und schlendern erneut wie Untote umher. Nur Bollested steht entspannt in der Mitte und raucht. Vielleicht, weil er sich anders als die anderen nicht in eine von vornherein zum Scheitern verurteilte Beziehung geflüchtet hat. Großer Applaus zum Saisonauftakt.

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert und arbeitet als Rechtsanwältin im Bereich "Mergers & Acquisitions". Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung.

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24.09.2013 Beruhigt, enttäuscht aber auch

GFDK - Gottfried Böhmer

24. September 2013 - SPÄTE EINSICHT NACH DER WAHL

Die Rechnung wir sind die Guten und allen anderen moralisch überlegen ist nicht aufgegangen.
Der schleswig-holsteinische Energie- und Umweltminister Robert Habeck sagte heute dem Spiegel. "Wir haben skeptische Wähler mit unserer trotzigen Art für blöd erklärt." " Die Partei habe "ein Vorschreiber-Image" und "etwas Spießbürgerliches" erworben, "das wir nie sein wollten". Durch das Wahlprogramm der Grünen ziehe sich "die moralische Erziehung des Menschengeschlechts".

11. September 2013. Grüne Verbots-Partei wird abgestraft? 11 Tage vor der Bundestgswahl kommen die Grünen noch auf 9 Prozent in der Forsa-Umfrage. Das sind immer noch 9 Prozent zu viele Stimmen für eine Partei die mir ihre weltanschauung aufzwingen will.

Vor den Wahlen, ist nach den Wahlen. Seit dem 1. Mai 2013 hat NRW unter Führung der SPD im Verbund mit der grünen Verbotspartei das strikte Rauchverbot für alle gastronomischen Betriebe eingeführt. Damit wurden alle gastronomischen Betriebe, die sich als Raucherclubs auswiesen illegal und es dürfte, wenn es nach den Grünen geht, auch noch so weit gehen, dass der Raucher an sich demnächst illegal ist.

Wie man hört, haben diese schon umfangreiche Umerziehungspläne (Lager?) in der Schublade. Nun sind die ersten Monate vergangen und in NRW haben schon etliche Betriebe (ehemalige Kommunikationsinseln der guten Nachbarschaft pleite gemacht.) Für die süchtigen Täter (Raucher) brechen nun nach den Sommermonaten aber schwere Zeiten an, da die Außengastronomie sich dem Ende zuneigt.

Matthias Johann, Kölner Vize-Geschäftsführer des Hotel & Gaststättenverbandes hatte schon im Mai verärgert reagiert, der Welt sagte er, "in den klassischen Eckkneipen verkehren rund 10 mal so viele Raucher wie Nichtraucher". Für Johann geht es schon lange nicht mehr um den Nichtraucherschutz "jetzt geht es nur noch um die Umerziehung der Süchtigen".

Rot-Grüne Diktatoren

Die Rot-Grünen Diktatoren wollen sogar das Denunziantentum wiederbeleben. Offen erklärten sie, dass sie bei Verstößen auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen seien. Im kommenden Herbst und Winter wird es die vielen Jazz & Musikclubs in Köln, Düsseldorf, im Ruhrgebiet und anderswo hart treffen, da diese Clubs erfahrungsgemäß von vielen Rauchern aufgesucht werden. Den Hütern der korrekten politischen Gesinnung in NRW unter Federführung der Grünen, geht es anscheinend um die Durchsetzung einer fanatischen Ideologie.

Der Winterurlaub in Bayern wird nach Österreich ausgelagert

Ich möchte mal daran erinnern, dass die Grünen an jeder freien Ecken Drogenkonsumräume schaffen wollen, aber die letzten freien Rückzugsräume für Raucher mit allen Mitteln bekämpfen. Die Intoleranz der Grünen degradieren die Raucher in Deutschland zu Menschen zweiter Klasse. Die Tyrannei der vermeintlichen Mehrheit gegenüber der Minderheit ist aber langfristig zum Scheitern verurteilt. Der Winterurlaub in Bayern wird nach Österreich ausgelagert.

Und da spreche ich aus eigener Erfahrung, übernachten tun wir zwar noch im bayrischen Mittenwald, zum Ausgehen fahren wir aber ins benachbarte Seefeld auf österreichische Seite. Zum Shoppen mit anschliessenden geselligen Essen und Trinken, geht es nicht mehr nach Garmisch, sondern nach Innsbruck.

Was soll daran auch gut sein? Ein Kaffee ohne Zigarrette? Beim Gläschen Wein sich das Rauchen verkneifen? Anscheinenden haben die Grünen vergessen, dass noch gute 40% unserer Mitbürger das nicht missen wollen. Und so geht die Städtetour eben nicht mehr nach Köln oder Düsseldorf, sondern nach Salzburg, Wien oder Innsbruck. Und die Kegelclubs werden bestimmt keine Stationen mehr in NRW-Städte planen, wo ihnen die Regulierungswut der grünen Bevormundungspartei die gute Laune verdirbt.

Grüne Erlösermodelle und heile Welt Versprechungen

Das grüne Erlösermodell grenzt an eine fanatische Ideologie und hat nichts mit dem Schutz der Nichtraucher im Sinn. Die grünen Hüter der politisch korrekten Gesinnung haben per se schon seit langem ein Problem mit Menschen, die ihrem Weltbild und heile Welt Versprechungen misstrauen, weite Teile der Bevölkerung werden diskriminiert und entmündigt. Zudem haben die Grünen nicht nur in der Raucherfrage Schwierigkeiten mit Auffassungen, die ihrer eigenen widersprechen. Der grüne Gesundheitsrassismus degradiert den Raucher zu einem Menschen zweiter Klasse.

Im Juni 2013 wollten die GRÜNEN dem Neusser Bürgermeister Herbert Napp das Rauchen in seinem Dienstzimmer sogar per Gerichtsbeschluß verbieten lassen. Während der Nichtraucherschutz-Debatte im Düsseldorfer Landtag platzte dem FDP-Abgeordneten Joachim Stamp der Kragen. Er beschimpfte die Grünen als "Abbild eines neuen deutschen Spießertums".

Ihnen gehe es nicht um den Nichtraucherschutz, sondern um Umerziehung, sie seien autoritäre Moralisten, "eine Art ÖDP mit Dienstwagen", die ihre wohl altersbedingte Abstinenz nun der ganzen Gesellschaft verordnen wolle.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hatte die Städte und Gemeinden genötigt, die Einhaltung des Nichtraucherschutzgesetzes, das im Mai in Kraft trat mit allen Mitteln durchzusetzen. Sämtliche Ausnahmeregelungen, die die schwarz-gelbe Vorgängerregierung geschaffen hatte, gelten nicht mehr. Den Wirten drohen die GRÜNEN Bußgelder bis zu 2500 Euro an, im Wiederholungsfall drohten sie mit dem Entzug der Konzession.

Stellungsnahme in der RP

Karl-Josef Laumann, Chef der CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, kritisierte das neue Nichtraucherschutzgesetz. "Mit der Verschärfung des Rauchverbotes setzt Rot-Grün seine Politik fort, freie und mündige Bürger von oben herab per Gesetz zu bevormunden, zu erziehen und ihnen die Entscheidungsfreiheit zu nehmen", sagte der Unionspolitiker.

Dietmar Brockes, Landtagsabgeordneter der FDP, erklärte, die SPD gönne "dem einfachen Bürger nicht mehr das Feierabendbier mit Zigarette am Tresen". Kai Schmalenbach (Piratenpartei) bemängelte, SPD und Grüne hätten das Gesetz mit der "Holzhammermethode" durchgeboxt.

Ein Sargnagel in unsere freie Gesellschaft

Und daran möchte ich auch erinnern: die Politik hat die Aufgabe für alle Bürger einen Ausgleich zu schaffen und somit für den vielbeschworenen sozialen Frieden zu sorgen. Mit der totalen Abschaffungen der Raucherräume hat die Rot-Grüne Regierung in NRW nach meiner Meinung der Demokratie einen Bärendienst erwiesen. In wenigen Tagen wird in Deutschland gewählt und jede Stimme für die Grünen ist ein Sargnagel in unsere freie Gesellschaft.

Gottfried Böhmer

Berlin 9. November 2008 - Witz der Woche:

Von guten Menschen und Experten. Schoko-Zigaretten sollen verboten werden.

Krebsforscher und Verbraucherschützer haben ein Verbot von Schoko-Zigaretten in Deutschland gefordert. Zigaretten aus Schokolade oder Kaugummi führten bei Kindern später häufig zum Rauchen, teilten das Deutsche Krebsforschungszentrum und der Verbraucherzentrale Bundesverband mit.

Durch den Konsum und das Spielen mit zigarettenähnlichen Süßwaren lernten Kinder, Rauchen als normales Verhalten und harmloses Vergnügen anzusehen. Die Experten verwiesen auf eine repräsentative Umfrage aus den USA.

Was sagen die Rheinländer dazu? Dazu fanden wir folgendes in der Rheinischen Post. Experten sind Experten, weil sie Expertenwissen haben: Kluge Köpfe aus der Jugendsoziologie etwa haben jetzt festgestellt: durch Schoko-Zigaretten wird man nicht zum Raucher.

Beruhigt, enttäuscht aber auch

Das beruhigt, enttäuscht aber auch etwas. Können wir uns jetzt doch die Hoffnung abschminken, dass man nach dem Genuß von Hähnchenfleisch fliegen kann? Oder, essen Sie also ruhig Hamburger, Sie müssen nicht umziehen. Gönnen Sie sich Sauerbraten – Sie werden ihre gute Laune nicht verlieren.

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23.09.2013 15 Jahre zugeschaut und nichts getan

GFDK - Gottfried Böhmer

Es geschehen noch Zeichen und Wunder, sollte man aber nur meinen. 15 Jahre lang haben Abmahn-Anwälte sich in Deutschland eine goldene Nase verdient, in dem sie die Abmahnmasche zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben. Vier Millionen Deutsche sind unter den Augen von "Blinden" Politikern von CDU, CSU, SPD, FDP und Bündnis 90 Die Grünen seitdem abgezockt worden.

15 Jahre Zuschauen und nichts tun.

Am Freitag den 20. September 2013 hat der Bundesrat in seiner letzten Sitzung vor der Bundestagswahl endlich ein Gesetz gegen diese juristischen Verbrecherbanden, die jahrelang per Gesetz geschützt wurden, erlassen. Das Gesetz, auch Anti-Abzocke-Gesetz genannt, soll die Verbraucher nun nach anderthalb Jahrzehnten vor unseriösen Geschäftspraktiken von Anwaltskanzeleien schützen.

Für die erste Abmahnung dürfen Kanzeleien nur noch einen Gebühren-Höchstbetrag von 150 Euro geltend machen. Bisher wurden im Durschnitt mehr als 800 Euro von den Verbrauchern eingetrieben.

Auch wir können ein Lied davon singen. 2011 verlangte eine Berliner Kanzelei im Auftrag einer Fotoagentur für die angebliche widerrechtliche Verwendung eines einzigen Bildes von den Freunden der Kuenste 5.700 Euro. In einem anderen Fall wollte eine sehr renommierte Kanzelei aus Hamburg von der GFDK mehrere Tausend Euro für eine angebliche abgeschriebene Textpassage aus Who is Who eintreiben.

Renomierte Anwaltskanzeleien machten fette Beute

In beiden Fällen konnte unser GFDK-Anwalt Oliver Jakob aus Wiesbaden diesen Abzockern alle Zähne ziehen. Sowohl in dem ersten als auch im zweiten Fall konnte er nachweisen, dass es sich um nicht berechtigte Forderungen, bzw sogar um einen versuchten Betrug handelte.

Wohlgemerkt: hieran waren renommierte Anwaltskanzeleien beteiligt, die sich wohl fette Honorare einstreichen wollten. Nicht jeder Verbraucher war in der Lage sich einen Anwalt zu leisten, der den ungerechtfertigten Forderungen nachspürte und somit abwehren konnte.

Die besagten Kanzeleien haben sich umgehend von ihren Mandaten und Klienten getrennt, nachdem sie wussten, dass ihnen mit unserem Anwalt Oliver Jakob ein harter Hund auf den Fersen war, der den gegnerischen Anwälten auch zu verstehen gab, dass sie Beihilfe zum Betrug leisteten.

Die Rechtslage hat sich nur scheinbar geändert

Die Anwaltskanzeleien müssen nach dem neuen Gesetz künftig bis auf den letzten Cent genau aufschlüsseln, für wen und für was sie Abmahnungzahlungen geltend machen. Aber leider ist das nur die halbe Wahrheit. Alle Benutzer von Facebook oder WhatsApp machen sich weiter strafbar, wenn sie den Zugriff auf ihre Kontakte erlauben und damit personenbezogene Daten (das kann ein Bild sein) ermöglichen.

Hier tut sich ein neues lukratives Geschäftsfeld für die Abzockeranwälte auf, dass die Politik wieder besseren Wissens nicht geschlossen hat. Alles in allem ist das, was am 20. September 2013 beschlossen wurde, nur eine halbe Sache. Wir werden uns weiterhin mit dem Urheberrecht beschäftigen müssen.

Unglaubliche Zahlen, das wird einem schlecht

Laut einer Statistik des „Vereins gegen den Abmahnwahn“ kam es in Deutschland 2011 zu 218.560 Abmahnungen, mit denen insgesamt über 165 Millionen Euro gefordert wurden.

Kommentar auf der FAZ.de zum Thema:

"Dass die Regierung auch mal etwas für den Bürger zustande bringt..... Was für eine Leistung!"

Gottfried Böhmer

 

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17.09.2013 unter der Schirmherrschaft von Amnesty International

GFDK - Gottfried Böhmer

Eine Begegnung der besonderen Art - Wenn Michael Horbach zu einer Präsentation eines Kunst- und Kulturprojektes einlädt, kann man sich in Köln auf sehenswerte, auch zeitkritische Kunst freuen. Wenn dazu aber noch Roger Willemsen die Ausstellung eröffnet, kann man sich auf Wort-, Sprachgewaltiges, Tiefgründiges und Hintergründiges einstellen. Mit anderen Worten, wer in Köln dabei war, hat viel zu erzählen und mitgenommen.

Aber der Reihe nach:

Michael Horbach (Horbach Stiftung) präsentierte die Fotoserie ZORN des Saarbrücker Fotografen Axl Klein. 55 großformatige Portraits prominenter Zeitgenossen, bekannt aus Literatur, Film, Funk und TV, Autoren, Schauspieler, Musiker, und Moderatoren verteilt auf 3 großzügige Räume erwarteten die geladenen Gäste und Besucher.

Verdunkelte Studios, zwei Stunden Shooting

Axl Klein wollte wissen, wie sich ZORN in den Gesichtern von Menschen ausdrückt. Axl Klein fuhr mit seinem Assistenten Mattias Wittekind durch ganz Deutschland. Die Studios mietete er direkt vor Ort, mit Ausnahme von Markus Lanz, der stellte nicht nur sich, sondern direkt auch sein Hamburger Fernsehstudio zur Verfügung. 

Blicke des ZORNS in den Gesichtern

Ein nicht ganz leichtes Unterfangen, da seine Protagonisten (A und B-Promis) in aller Regel gute Gründe haben, ihrem ZORN, dieses elementare Gefühl menschlichen Lebens, das als eine der sieben Todsünden gilt, in der Öffentlichkeit zu vermeiden. Nicht alle waren von dieser Idee begeistert und so gab es auch etliche Absagen, aber auch viel Zustimmung, wie sich an der Liste der Portraitierten sehen läßt.

Axl Klein hat vor dem Beginn seines Projektes 150 Künstler angefragt, mehr als die Hälfte hat sofort abgewunken oder erst gar nicht reagiert. Prominente sehen sich lieber auf dem roten Teppich oder in guter Laune-Stimmung. ZORN, so Axl Klein ist nicht der Moment für Eitelkeiten.

Reiner Idealismus

Als Türöffner erwies sich Amnesty International, die die Schirmherrschaft für das Kunstprojekt übernommen hatten. An dieser Stelle müssen wir erwähnen, dass Axl Klein das Projekt ZORN aus reinem Idealismus verwirklicht hat. Der gesamte Verkaufserlös der Werke (abzüglich der Printproduktion) spendet der Künstler und Fotograf Amnesty International.

Großformatige Bilder in bestechender Qualität

Axl Klein konnte sich die fast zweijährige Arbeit nur leisten, weil er als Werbefotograf das Projekt querfinanzieren konnte. Die großformatigen Bilder in bestechender Qualität sind zu einem für den Kunstmarkt unglaublichen Preis von 1.250 Euro zu erwerben. Auch die Verkaufserlöse des gleichnamigen Buchtitels ZORN, das ab Mitte September im Buchhandel erscheint, gehen an Amnesty International.

Roger Willemsen und Michael Horbach

Roger Willemsen war einer der ersten Protagonisten, die dem Projekt zustimmten. Scherzhaft meinte er im Pressegespräch, das er nur mitgemacht hat, um mal an ein gutes Foto von sich zu kommen.

Willemsen war es auch, der den Kontakt zu seinem Freund Michael Horbach hergestellt hat. Roger Willemsen und Michael Horbach hatten sich vor sehr vielen Jahren auf einem Treffen in Düsseldorf des Afghanischen Frauenvereins kennengelernt, den Michael Horbach mit großzügigen Spenden, so Willemsen, bis heute unterstützt. Seit dem Frühjahr 2006 ist Roger Willemsen Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins e. V., der seinen Sitz in Osnabrück hat und für den er sich persönlich sehr engagiert.

Anmerkung der Redaktion: Michael Horbach hat den Freunden der Künste erst im Mai diesen Jahres ein Exklusiv-Interview gegeben. Unserer Redakteurin Michaela Boland hat er dabei tiefe Einblicke in sein Leben, sein Schaffen und der Horbach-Stiftung gegeben. Das ausführliche Interview können Sie im u.a. link nachlesen.

Das absolutes Highlight des Abends

Die beiden Freunde entschieden sofort, das die Ausstellung von Axl Klein in den Kunsträumen der Horbach Stiftung in Köln gezeigt und eröffnet werden muss. Roger Willemsen hat es sich auch nicht nehmen lassen, die Ausstellung zu eröffnen und das Vorwort für das Buch ZORN zu schreiben.

Die Ausstellungseröffnung durch Roger Willemsen war für viele Gäste ein absolutes Highlight des Abends. Was Willemsen mit Wortgewalt, Sprachwitz und Ironie pointiert zum Thema ZORN vortrug, stimmte nachdenklich, brachte aber auch die Zuhörer an vielen Stellen zum lachen. Der Schriftsteller Matthias Altenburg hat mal über Willemsen gesagt "das er schon drei kluge Sätze gesagt hat, bevor man den eigenen dummen, den man auf der Zunge hat noch verwerfen könnte" Das kann ich nun bestätigen.

Das Publikum klebte an seinen Lippen. Der ZORN so die Erkenntnis, ist allgegenwärtig, steckt in jedem von uns und ist nicht selten eine Triebfeder der Veränderung.

Irgendwie waren alle glücklich

Zum Mitschreiben liess er mir keine Chance. Willemsen feuerte seine Worte wie ein Sturmgewehr heraus und ich hätte es nicht mal zu Stichwörtern gebracht. Nach 20 Minuten war es leider schon vorbei. Die meisten Anwesenden hätten ihm gerne noch 1 Stunde zugehört. Irgendwie waren alle glücklich. Wir, Michael Horbach, Axl Klein, die Gäste und natürlich die vielen portraitierten Prominenten, die an diesem Abend erschienen waren, um das Werk von Axl Klein zu bestaunen.

Nachdem offiziellen Teil des Abends ging es nun zum get-together bei leckerem Kölsch wie man es in Köln auch nicht anders erwartet hätte. Erstaunt hat uns das unkomplizierte Aufeinandertreffen vieler Prominenter mit dem Publikum. Vielleicht ist so etwas auch nur in Köln möglich, wo selbst die Promis sich als ganz normale Menschen ohne Starallüren sehen und kein großes Trallalla um ihre Persönlichkeiten machen. Vielleicht lag es aber auch an dem sympathischen Michael Horbach, der als Gastgeber in Köln für seine direkten (offenen Worte) und unkomplizierte Art bestens bekannt ist.

Jedenfalls hatten Barbara Auer, Frank Schätzing (der uns leider den Titel seines neuen Buches, welches er im Februar 2014 präsentieren wird, nicht verraten konnte und wollte), sowie Wolke Hegenbarth, Dietmar Bär und Roger Willemsen keine Berührungsängste mit den Gästen. Gut gelaunt liessen sie sich fotografieren, hielten mit jedem ein Schwätzchen, beantworteten Fragen und genossen gemeinsam den Abend.

Zornig war an diesem Abend niemand.

Viele alte Freunde haben wir in Köln getroffen. Die Künstlerin Gila Abutalebi mit der die Gesellschaft Freunde der Künste schon mehrere Kunst und Kultur Projekte veranstaltet hat, unter anderem das Goethe-Festival 255 Jahre Goethe "Wie sehen Künstlerinen Goethe" erzählte uns das sie eingeladen wurde zu einer Einzelausstellung zum 16. ISLAMIC ART FESTIVAL 2013. Das Festival findet in Sharjah einem der sieben Emirate bei Dubai statt. Als Persisch-Deutsche Künstlerin empfindet sie das als grosse Auszeichnung womit sie niemals gerechnet hätte.

Ach ja, das hätte ich fast vergessen, immer wieder musste ich feststellen, wieviele Frauen Roger Willemsen im Arm lagen - meine auch.

Gerne getroffen hätte ich Kontantin Wecker, der aber verhindert war. Wir wünschen an dieser Stelle dem Künstler Axl Klein, der Horbach-Stiftung und Amnesty International noch viel Erfolg für dieses bemerkenswerte Ausstellungsprojekt.

Gottfried Böhmer

 

ZITAT:

„Aus bitterster Erfahrung zog ich diese eine und höchste Lehre: Man muss den Zorn in sich aufstauen, und so wie gestaute Wärme in Energie umgesetzt werden kann, so kann unser gestauter Zorn in eine Kraft umgesetzt werden, die die Welt zu bewegen vermag.“

Mahatma Gandhi (1869 – 1948)

Die Liste der Portraitierten umfasst:

Barbara Auer, Hugo Egon Balder, Dietmar Bär, Gabi Bauer, Frank-Markus Barwasser, Meret Becker, Carolyn Breuer, Peter Brugger, Jochen Busse, Thomas D, Samy Deluxe, Olli Dittrich, Anke Engelke, Herbert Feuerstein, Annette Frier, Chris Geletneky, Gentleman, Wolke Hegenbarth, Swantje Henke, Christoph Maria Herbst, Klaas Heufer Umlauf, Guildo Horn, Carolin Kebekus, Michael Kessler, Henning Krautmacher, Bettina Lamprecht, Leonard Lansink, Markus Lanz, Roman Lob, Peter Lohmeyer, Bjarne Mädel, Matthias Matschke, Lena Meyer-Landrut, Antoine Monot Jr., Silvia Neid, Sonsee Neu, Magdalena Neuner, Wolfgang Niedecken, Matthias Opdenhövel, Patrice, Axel Prahl, Frank Schätzing, Denis Scheck, Andreja Schneider, Nadine Schori, Devid Striesow, Heinz Strunk, Mina Tander, Konstantin Wecker, Oliver Welke, Julia Westlake, Daniel Wiemer, Roger Willemsen, Joko Winterscheidt, Ranga Yogeshwar


Wir lieben Kunst...
weil sie mehr sagt als 1000 Worte

Kunsträume der Michael Horbach Stiftung
Wormser Str. 23 (Hinterhaus)
50677 Köln
Telefon: +49 221 29993378

Öffnungszeiten: Sonntag 11:00 -13:00 Uhr, Mittwoch und Freitag 14:00 - 17:00 Uhr sowie nach Vereinbarung.

www.michael-horbach-stiftung.de
www.facebook.com/horbach.kunstraeume.koeln
Projektleitung / Kontakt Axl Klein:
Benjamin Knur / art conexxion GmbH / +49 171 286 1334

 

// Über Michael Horbach und die Stiftung

Michael Horbach (62) stieg im Jahr 2000 aus einem erfolgreichen Unternehmerleben aus und gründete die Michael Horbach Stiftung, die Entwicklungsprojekte in Ländern der sogenannten Dritten Welt fördert und sozial engagierten Künstlern eine Plattform bietet.

Schon während seiner Unternehmertätigkeit hat er sich einen Namen als Sammler und Galerist gemacht. Seine Fotosammlung „Die andere Seite der Schönheit“ wurde 1995 erstmals im Rheinischen Landesmuseum Bonn ausgestellt und befand sich dort bis 2011 als Dauerleihgabe in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Photo Archiv e.V. (Prof. Klaus Honnef).

Von 1986 bis 1991 führte Michael Horbach neben seinem Unternehmen die Galerie von Hans Jürgen Müller in der Kölner Schaafenstraße weiter mit Künstlern wie Blalla W. Hallmann, Thomas Huber, Marie-Jo Lafontaine und Heinz Zolper.

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05.09.2013 Das Schlachtopfer der Grünen sind die Deutschen

GFDK - Wolfgang Hübner

5. September 2013: - So kann es weitergehen. Zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl sind die Grünen auf den schlechteste Wert seit November 2009 geschrumft. Aber das ist eine traurige Nachricht. Sie kommen immer noch auf 10 Prozent und das sind immer noch 10 Prozent zuviel.

Letzte Meldung 29. August 2013: Umfragewerte der Grünen sinken. Die "Verbotspartei" verliert endlich an Zustimmung. Grüne noch bei elf Prozent, das sind immer noch elf Prozent zu viel.

Wer die kaum erträgliche Claudia Roth von den Grünen in den letzten Tagen im Fernsehen erlebt hat, wurde mit einer eifernden Furie konfrontiert, die endlich wieder Gerechtigkeit in Deutschland walten lassen will. Dazu sollen nach einmütigem Beschluss der Grünen Steuersätze angehoben, das Ehegattensplitting ebenso wie die Abgeltungssteuer erhöht und eine Vermögenssteuer eingeführt werden.

Das sind zwar Ankündigungen, doch wer nicht ignoriert, wie sich die Strompreise entwickelt haben und immer weiter entwickeln, der wird diese Pläne sehr ernst nehmen.

Denn es müssen gar nicht die Grünen selbst sein, die in einer künftigen Bundesregierung all diese Griffe in die Geldbörsen der Deutschen bewerkstelligen. Die „Energiewende“ hat gezeigt, dass diese Partei mit ihrer massiven Unterstützung in vielen meinungsbildenden Medien und wichtigen Institutionen ein erpresserisches Potential besitzt, das keiner Regierungsmacht bedarf, um die anderen politischen Kräfte zur Übernahme grüner Positionen zu nötigen.

Alternative für Deutschland wählen.

Es war schon immer ein wirksames Mittel der Grünen, ihre eigenen politischen Interessen unter moralisierendem Bombast zu verstecken. Wenn es darum geht, den Deutschen die nationale Identität zu rauben, dann haben sich die Grünen mit ihren Sympathisanten noch nie gescheut, die „Hitler-Keule“ zu schwingen und faktisch die unbefristete Erbschuld eines ganzen Volkes zu deklarieren. Und wenn es darum geht, eine große Kulturnation in der „multikulturellen Vielfalt“ verschwinden zu lassen, sind selbstverständlich die Grünen ganz vorne mit dabei.

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Keine andere Partei versteht es so gut, zugleich die historisch erklärbare Selbstverachtung vieler Deutscher anzustacheln wie auch auszunutzen. Für unzählige Mandatsträger, Mitglieder und Unterstützer der Grünen hat sich das in barer Münze ausgezahlt und tut es das mehr denn je. Mit finanzpolitischen Beschlüssen, die wie gehabt von moralisierender Rhetorik im peinigenden Stil einer Claudia Roth begleitet werden, gehen die Grünen nun zum Generalangriff auf Einkommen und Besitz jener über, die den Sozialstaat Deutschland letztlich tragen und ermöglichen.

Zeit für Widerstand


Klaus Müller, Landesvorsitzender der „Alternative für Deutschland“ in Rheinland-Pfalz, schreibt dazu:
„Während 1960 noch das 18fache des Durchschnittseinkommens notwendig war, um auf die Höhe des Spitzensteuersatzes zu kommen, zählt heute schon ein besseres Facharbeitergehalt zu den ‚Reichen‘. Schon ab 5000 Euro Monatseinkommen wird der Steuersatz erhöht, ab 6670 Euro ist dann der Spitzensteuersatz fällig. Der Abstand zwischen Arm und Reich beträgt somit gerade einmal um die 4000 Euro….


Hierzu passt, das laut der kürzlich veröffentlichten Vermögensstudie der Europäischen Zentralbank das Haushaltsvermögen der Deutschen das niedrigste in ganz Europa ist. Sukzessive wurde in Deutschland erst die Altersvorsorgen in Form von kapitalgedeckten Lebensversicherungen kaputtversteuert, dann Spareinlagen von kleinen Sparern in Milliardenhöhe durch Niedrigzins und Kapitalertragssteuer vernichtet und das ganze garniert mit der längsten Lebensarbeitszeit und den niedrigsten Renteneinkünften in Europa, Altersarmut garantiert.

Das krude Gesellschaftsbild der Grünen offenbart sich in der Aussage von Trittin, dass mit diesen, insgesamt 100 Mrd. Euro umfassenden Steuererhöhungsplänen der Bürger nicht belastet werden soll. Damit teilt er die deutsche Bevölkerung in Bürger (bis 5000 Euro Einkommen) und Un-Bürger ein, die offensichtlich nur dazu dienen, nach Strich und Faden ausgenommen zu werden.“

Die politische Kunst das Volk zu schlachten

Bei etlichen Kommentatoren in den Medien haben die Beschlüsse des Grünen-Parteitags zu der erstaunten Frage geführt, warum die Partei solche Absichten, deren Realisierung ja auch nicht wenige Grün-Wähler betreffen würde, vor den Wahlen publik macht und nicht, wie das so üblich ist, danach. Ist es Übermut? Ist es Arroganz? Oder ist es gar ein Anflug von Ehrlichkeit? Es lohnt auf jeden Fall, sich ein paar Gedanken über dieses in der Tat ungewöhnliche Vorgehen der Grünen zu machen. Was also bewegt die Partei dazu?
Erste Antwort:

Die Grünen brauchen für ihre Pläne Geld, viel Geld. Und auch die derzeit höchsten Steuereinnahmen der deutschen Geschichte reichen nicht aus, um all das zu finanzieren, was der Partei vorschwebt, um das Land noch mehr unter ihren Einfluss zu bringen. Dabei ist allerdings jetzt schon klar, dass auch bei der vollständigen Umsetzung der grünen finanzpolitischen Ziele nur die Begierde auf noch mehr Steuermittel geweckt werden würde.

Hierin unterscheiden sich die Grünen in keiner Weise von SPD und Linkspartei, die unter dem Ruf nach „Gerechtigkeit“ immer neue Gründe für höhere Abgaben derer entdecken, die mit Arbeit, Leistung und Besitz den Staat ernähren.


Zweite Antwort: Die Grünen haben in vielen Jahren ihrer Existenz gelernt, dass Frechheit Erfolg hat. Warum sollen sie also nicht schon jetzt offen sagen, dass sie höhere Steuern wollen, wenn die Wähler aus leidvoller Erfahrung wissen, dass alle etablierten Parteien nach den Wahlen anders handeln als zuvor versprochen. Sie erwarten also dieses Mal, den Preis für die irrsinnige Euro-Rettungspolitik Deutschlands zahlen zu müssen, auch und nicht zuletzt durch Steuererhöhungen. Dazu gibt es offenbar sogar eine Bereitschaft bei Teilen der steuerzahlenden Bevölkerung, solche Lasten zu tragen, jedenfalls so lange das staatliche Abmelken keine allzu schmerzlichen Folgen hat. Damit kalkulieren die Grünen, wahrscheinlich noch nicht einmal erfolglos.


Dritte Antwort: Die Grünen haben ebenfalls in ihrem Kalkül die immer größere Zahl von Wählern, die gar keine oder nur sehr geringe Steuern entrichten. Diese Bevölkerungsgruppe fühlt sich von den Steuerplänen der Grünen nicht bedroht – im Gegenteil: Wenn dem besser und viel verdienenden, besitzendem Teil der Deutschen möglichst viel weggesteuert wird, können sie auf die Fortsetzung und sogar Aufstockung staatlicher Transferzahlungen und Leistungen rechnen.

Ganz unverfroren zielen die Grünen dabei auch auf reichen Nutzen aus einer höchst unschönen menschlichen Neigung, dem Neid. Die ach so moralische Partei der Claudia Roth und Jürgen Trittin hat nicht die geringsten Skrupel, diesen Neid anzustacheln und in Wählerstimmen umzumünzen.
Vierte Antwort: Mit ihren finanzpolitischen Plänen erreichen die Grünen eine Polarisierung, die weder CDU/CSU noch SPD in dem Maße riskieren können. Wer polarisiert, stößt die einen ab, gewinnt aber umso stärker die anderen.

Und, was auch nicht unwesentlich ist, bestimmt die öffentliche Diskussion. Es hat den Grünen in der Vergangenheit nur einmal gefährlich geschadet, auch eine riskante Positionierung vorzunehmen, nämlich mit ihrer demonstrativen Unlust an der Wiedervereinigung, für die es bei der Bundestagswahl 1990 in der alten Bundesrepublik ein Ergebnis unter 5 Prozent gab. Offenbar sind die grünen Strategen sicher, dass sie inzwischen ein Niveau erreicht haben, um vor solchen Einschnitten sicher zu sein.


Es mag noch mehr Antworten auf die Frage geben, warum die Grünen diesen finanzpolitischen Kurs einschlagen. Eines ist sicher: Dieser Kurs liegt ganz auf der Linie einer Partei, die glänzend damit gefahren ist, unter Ausnutzung der deutschen Schuldkomplexe, im Wissen um die spezielle gutmütige politische Naivität und Staatsgläubigkeit breiter Schichten und im Vertrauen auf den Fleiß des Arbeitsvolkes in Europas Mitte für sich selbst und ihre Klientels zu profitieren.

Die Grünen haben es geradezu zur politischen Kunst gemacht, das Volk zu schlachten, dem sie selbst angehören, das sie aber verachten. Doch das gelingt nur so lange, wie dem kein energischer Widerstand entgegen gesetzt wird. Es ist nicht erst seit den Steuerbeschlüssen der Grünen Zeit für diesen Widerstand.


Wolfgang Hübner ist Journalist aus Frankfurt.

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Frankfurt ist
der neuen Alternative für Deutschland (AfD) beigetreten.


Joschka Fischer:

"Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger,disziplinierter und begabter sind, als der Rest Europas. Das wird immer wieder zu "Ungleichgewichten" führen. Dem kann aber gegengesteuert werden,indem soviel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal wofür, es kann auch radikal verschwendet werden - Hauptsache, die Deutschen haben es nicht."

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23.08.2013 ELIF „Unter Meiner Haut“

GFDK - Michael S. Kurth

Es gibt Dinge, deren Notwendigkeit liegt so sehr auf der Hand, dass man sich wundert, warum es sie noch nicht gibt: einen Streichelzoo für Eulen, ein nie endendes Coldplay Konzert oder einen Second-Hand Laden nur für schöne Kleider im Uniformen-Look. 

Elif würde uns all diese Dinge sofort verordnen. Die junge Frau, gerade mal 20 Jahre alt, ist nicht nur in der Auswahl ihrer Lieblings-Streicheltiere sehr „besonders“. Wenn man in ihre Augen schaut sieht man sofort ihr offenes Wesen. Sie ist klar, und dennoch verspielt. Sie ist reif für ihr zartes Alter, vielleicht ein Umstand der aus ihrer Biografie entwächst.

Frische Musik aus Berlin

Elif lacht gerne und laut, sie gestikuliert ausladend – und ist dann ganz plötzlich wieder still, introvertiert, vielleicht um auf sich zu hören, sich selbst zu fragen, ob das, was sie gerade tut, wirklich „wahr“ ist. Und wenn sie eine Antwort darauf gefunden hat, entscheidet sie sich trotzdem manchmal dazu diese zu ignorieren - und dann lacht sie wieder, wischt die Stille aus dem Raum, die Haare aus dem Gesicht und erzählt.

„Ich glaube, das was ich im Leben am aller liebsten mag ist es zu basteln!“ Basteln?  „Schau mal, du kannst mit Schere und Papier basteln und die wundersamsten Dinge machen! Aber du kannst auch mit Musik basteln. Du nimmst Eindrücke, Gefühle, vielleicht eine Melodie, die dir morgens in den Sinn kommt – und daraus bastelst du dann ein Lied. Und genauso bastelst du auch dein Leben. Wir alle tun das!“.  

Eine Künstlerin, eine Persönlichkeit, ein Talent

Elif bastelt ihre Welt – und sie erlebt sich selbst in den Liedern, die Sie schreibt. Lieder für den unbekannten Jungen im Fahrstuhl, der die Rettung ihrer Welt sein könnte („Ein Wort“).  Lieder für das Fernweh und den Abschied („Feuer“), für das kleine Glück („Regenstadt“) und für die Liebe. Immer wieder für die Liebe. Elifs Lieder erzählen Geschichten von Begegnungen, Gefühlen und Momenten, die ihr selbst tief unter die Haut gegangen sind. Und wenn Elif singt, schafft sie es immer wieder, dass diese Emotionen auch uns tief berühren.

Elif war verliebt – „aber mehr in die Idee.

Und so geht es uns auch bei dem Lied „Unter Meiner Haut“, welches dem Album seinen Namen verleiht. Elif besingt hier ein Erlebnis, das uns vielleicht alle einmal so berührt, beflügelt und verletzt hat: zum, ja, erneuten mal trifft sie „Ihn“. Denjenigen, der so viel zu versprechen scheint. Dessen Nähe auf einmal alles erhellt.

Mit dem sie wach ist und wach bleibt, über zwei Tage „Panic at the Disco Songs“ singend – nur um ihn dann nie wieder zu sehen. Elif war verliebt – „aber mehr in die Idee. In das, was er sein könnte. In meine Träume, die ich in ihm gesehen habe“. Eine Mücke, die zum Elefanten wurde, und die doch so nah und ehrlich ist. Weil wir sie alle kennen.

Eine Berlinerin, deren Lieder aus kleinen Momenten und großen Träumen entstehen

Fast so sehr wie das Basteln liebt Elif es nämlich, „aus einer Mücke einen Elefanten zu machen“. Wie sie selbst als erste zugibt. Und das hören wir auf diesem Album in seiner schönsten Form: Elif entdeckt die kleinen, anfassbaren Momente ihres Alltags, in denen diese besondere Magie liegt, das Große im Kleinen greifbar zu machen.

„Fahr mich noch mal auf deinem Fahrrad heim... ist jetzt die Luft raus? ...bitte, atme ein.“ Elif verabschiedet sich von einem Menschen, der zu viel verlangt, zu nah zu kommen droht.  Sie flüchtet vor dem Moment, in dem Nähe zu Obsession wird und in Abneigung zu kippen droht:  aus „Du“ wird „Du kannst mir nichts“ – denn der Rückzug wird mit verletztem Stolz und dem Versuch der Rache quittiert. 

Eine junge, besondere Frau. Hübsch und apart

Wow - ein ganz schöner „Elefant“ - der allerdings genau so sehr oder so wenig eine „Mücke“ ist. Elif repräsentiert diese Generation junger, selbstbewusster Mädchen in Deutschland, die zu Frauen heran wachsen zwischen Tradition und Facebook, zwischen Familienwerten und ihrer Dekonstruktion, zwischen strengen Vorstellungen und ihrer Biegung, Erweiterung und Überschreitung - durch den Durst nach Abenteuer. Immer bewusst und behutsam – doch sehr mutig.

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Elif ist eine Tochter Berlins, und die Stadt prägt sie ebenso wie es Musik, Phantasie und Offenherzigkeit tun. Dass gerade diese Generation von jungen Frauen bisher in der Popkultur und Musiklandschaft noch keine hörbare Stimme haben, ist äußerst verwunderlich.

Auf „Unter Meiner Haut“ hören wir eindringlich und deutlich, dass Elif keine Angst kennt, wenn es darum geht, ihr Inneres musikalisch nach Außen zu kehren. Und wir  spüren, dass hier Dinge ausgesprochen werden, die nicht aus Elifs lächelnder Seite stammen, sondern aus einer weitaus ernsteren Welt kommen. Das sind Geschichten, die ihren Ursprung im Herzen Berlins haben und von Erlebnissen berichten, die manchmal weniger mit einer heilen Welt zu tun haben. Elif will nichts erfinden.

Nächte von denen man sich wünscht, dass sie nie enden.

Sie will bei der Wahrheit bleiben. Bei einer Wahrheit, die Sie selbst durchlebt und gefühlt hat. Dinge passieren. Ereignisse, die sie prägen. Darüber spricht sie nicht – aber sie singt.  Und das tut sie sehr pur, sehr eindringlich. Nicht nur zu hören sondern zu spüren ist dieses ungeschminkte, rohe Wesen Elifs vor allem auch in Liedern, in denen sich die dunkle, schwierige Seite ihrer Welt findet. Manche Erlebnisse haben die Kraft, unsere Sicht nachhaltig grau zu färben. Und gerade in diesen Liedern hört man auf „Unter Meiner Haut“ die außergewöhnliche Reife einer Künstlerin, deren emotionaler Tiefgang uns mitnimmt und berührt. Ohne zu belasten. Doch mit einem bleibenden Eindruck

Doch Elif weiß: „Nichts Tut Für Immer Weh“ - denn sie liebt das Leben, ihr Leben. Sie liebt es so sehr, dass sie immer wieder dahin zurückkehrt, wo sie sich zu Hause fühlt: zu ihrem Herz. Und so ist „Nichts tut für immer weh“ das Motto dieses jungen Lebens, und es ist auch der Song von dem Elif sagt: „Der hat mir echt von allen am meisten weh getan. Ich war doch zum ersten Mal verliebt! Da gibt es keine Grenzen, keine Erfahrungen, auf die man zurück greift – da gibt es nur das Eine!“.

Hübsch und apart, mit schrägem Humor und funkelnder Schüchternheit

Und weiter: „Genau diesen Song musste ich „groß“ machen. Groß in der Musik, groß von der Stimme her“.   Immer wieder wird klar, was „Unter Meiner Haut“ ist: hier geht es um Liebe, offene Liebe, Versprechen, Träume und Zukunftspläne, gescheiterte und neugemachte, immer-noch-dran-geglaubte, und vollen Herzens gelebte. Elif ist nicht abgeklärt. Oft ist sie romantisch. Doch was sie sagt, sagt sie ehrlich. Aus dem Bauch, und eben aus dem Herzen. Ist das nicht genau das, was wir in dieser oft so ernüchternden Welt brauchen?

Elif veröffentlicht nun ihr erstes Album – ein Album, von dem erzählt wird, dass bereits die ersten Demosongs diese enorme emotionale Kraft hatten, die nun musikalisch vollendet zu hören ist. Ina Müller zumindest schien davon überzeugt zu sein, als sie Elif bereits im Jahr 2011 zu ihrer Show „Inas Nacht“ einlud, um die junge Künstlerin der Welt vorzustellen. Eine junge, besondere Frau. Hübsch und apart, mit schrägem Humor und funkelnder Schüchternheit, bescheiden und mit der Gabe, zu berühren.

Eine, der man zuhören möchte wie sie wächst, erlebt, liebt und verliert, versucht und vergibt.  Eine Berlinerin, deren Lieder aus kleinen Momenten und großen Träumen entstehen, in denen wir uns wiederfinden. Eine Künstlerin, eine Persönlichkeit, die so besonders ist, und dennoch so nah. Man wundert sich eigentlich warum es so eine Künstlerin bisher nicht gab. Bisher. Denn es gibt sie: Sie heißt Elif.

Michael S. Kurth

ELIF -  "Unter meiner Haut" erscheint am 30.08.2013 bei Urban /Vertigo/Universal Music.

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22.08.2013 ein nachruf auf eine Legende

GFDK - Gottfried Böhmer

Wir möchten uns an dieser Stelle nicht mit Aufzählungen all der Stars, die Fritz Rau im Rahmen seiner Karriere und seines Lebens als legendärer Konzertveranstalter nach Deutschland geholt hat beschäftigten, das machen ja schon unsere Qualitätsmedien, den ganzen Tag und zur genüge.

Über 35 Jahre galt Fritz Rau neben Marek Lieberberg, Marcel Avram und Matthias Hoffmann als der wichtigste und einflußreichste Konzertveranstalter in Deutschland. Der oft cholerische Rau galt für viele Künstler als Übervater der Musik- und Konzertszene. Nun ist die Legende im Alter von 83 Jahren in Kronberg an einem Schlaganfall gestorben.

Kofferträger, Visionär und Freund der Künstler

Fritz Rau begann seine schillernde Karriere 1955 als Kofferträger für den Musikmanager Horst Lippmann. Neben seinem Jurastudium arbeitete der junge Rau quasi Nebentätig als Tourneeleiter für diverse Jazzgrößen.

Lippmann, so wird erzählt, hatte Rau beim Deutschen Jazzfestival in Frankfurt 1954 daran gehindert, sich ohne Eintrittskarte in ein Konzert zu schummeln, wofür Rau ihn „Arschloch“ titulierte: So sollen sie sich kennen gelernt haben.

1963 bot ihm der mittlerweile zum Freund gewordene Lippmann eine Partnerschaft an. Daraufhin wurde die Konzertagentur "Lippmann und Rau" gegründet. Das erste große Ding war die Organisation des American Folk Blues Festivals und über Nacht wurde Fritz Rau ein Begriff in der internationalen Konzertszene.

Leidenschaft für die Jazz-, Indie- und Bluesmusik

Zu Anfang konzentrierte sich Rau vornehmlich auf die Jazz-, Indie- und Bluesmusik, deren Konzerte er mit viel Leidenschaft managte. Ehe man sich versah wurde die Agentur Lippmann und Rau der Branchenprimus. Fritz Rau sagte einmal, "die Welt hat einen Anwalt weniger und einen Kartenverkäufer mehr", so Fritz Rau zu seiner Entscheidung Konzertveranstalter zu werden.

Wenn Rau rief, kamen die Stars

Die Arbeitsaufteilung in der Agentur war klar geregelt. Lippmann holte die besten Musiker unter Vertrag, Rau machte die Organisation und Finanzen. Das erfolgreiche Duo bestimmte schnell, was in Deutschland auf den Konzertbühnen stand. Ohne jeden Zweifel kann man sagen, dass Rau einen großen Einfluss auf die Popularmusik genommen hat, vielleicht hat er sie sogar geprägt, zumindest mitbestimmt.

Kofferträger: eine maßlose Untertreibung

Der Förderer der deutschen Jazzmusik blieb aber bescheiden. Gerne bezeichnete er sich als Kofferträger (so hat er begonnen) für musikalische Stars. Und weil er ein guter Kofferträger sei, habe man ihm auch andere Dinge machen lassen, Konzerte veranstalten zum Beispiel.

Die Musiker aus aller Welt schätzten an Fritz Rau seine Professionalität, seine Zuverlässigkeit und seinen Arbeitsethos. Auch wenn er zuweilen ein aufbrausendes Wesen war, das die Nerven seiner Mitmenschen des öfteren strapaziert haben soll. Das brachte ihm, so wird es zumindest kolpotiert, den Spitznamen "Ayateollah Kollerie".

Nach den Jazzkonzerten in den 60-er Jahren, die Rau als Veranstaltungen gegen den Rassissmus verstand und den Folkkonzertreihen als Kampf gegen Militärismus, begann er 1970 sich dem Rock und Pop (Popularmusik) zu widmen, dessen größter Veranstalter er wurde.

Die Impresarios der Konzertmacher

Im Laufe der Jahre bekamen Lippmann und Rau aber auch Konkurrenz, da sich das Konzertbusiness zu einer Geldmaschine entwickelte. Schließlich gab es einen riesigen Kuchen zu verteilen, die Umsätze stiegen europaweit, schon bis in die 90er Jahre auf über 4,5 Mrd DM und Deutschland galt als wichtigster Markt. Auf der Bühne erschienen nun mit Marek Lieberberg, Marcel Avram und Matthias Hoffmann - drei neue Mitspieler, die an dem Kuchen naschen wollten. Zwei von diesen ist es wie sich später herausstellte nicht recht bekommen (verschluckt).

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1970 gründete Marek Lieberberg mit Marcel Avram die Konzertagentur Mama Concerts. Die beiden Newcomer waren vom ersten Tag an erfolgreich und eine starke Konkurrenz zu Rau. 1986 trennten sich beide im Streit und für Fritz Rau taten sich neue Perspektiven auf. 1989 fusionierte die Rau Agentur mit der von Marcel Avram geleiteten Agentur Mama Concerts.

In der Folge dominierten Rau und Avram über viele Jahre den deutschen Rock- und Popmarkt. Mit über 120 Millionen Mark Umsatz stiegen die Beiden schon 1992 zur größten Konzertagentur Europas auf. Das Ende dieser äußerst erfolgreichen Zusammenarbeit (Geldquelle) läutete 1997 die Staatsanwaltschaft und das Finanzamt ein.

Mit einem Bein im Gefängnis

Marcel Avram, der Mann mit den vielen Pässen, wurde 1997 verhaftet und wegen Steuerbetrugs zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Süddeutschen Zeitung sagte Fritz Rau beim Prozess gegen seinen damaligen Partner Marcel Avram "wir stehen doch mit einem Bein im Gefängnis". Eine Verurteilung seines Partners werde auch seine Existenz vernichten, er werde dann aus der gemeinsamen Agentur Mama Concerts aussteigen.

Dem Spiegel sagte er, "er fühle sich zu alt und gesundheitlich nicht auf der Höhe die Geschäfte alleine weiterzuführen". Weiter klagte Rau im Spiegel "Die Behörden hätten offenbar kein Verständnis für Avrams 30-jährige Kulturarbeit, fernab hochsubventionierter Staatstheater, wir stehen da wie Sittenverderber". An den Äußerungen von Fritz Rau ließ sich erkennen das er sichtlich geschockt war.

Na ja, auf die Freundschaft mit Marcel Avram sollt sollte man aber auch nicht setzen. Der liebe Marcel verklagte 2002 seinen "guten Freund" Michael Jackson, der ihn 1998 sogar im Münchner Knast besucht hat auf 21 Millionen Dollar.

Im Folge der Ereignisse wurde die Fritz Rau GmbH gegründet und der gute Fritz arbeitete von da an als unabhängiger Produzent- und Tourneeorganisator. Ohne jede Frage, Fritz Rau gehörte zu den großen Zeitzeugen einer Gründerzeit, die das Konzert- und Musikgeschäft nachhaltig gestaltet hat.

Ein Tag ohne Musik wäre ein verlorener Tag, hat Rau oft gesagt. 2004 zog sich Fritz Rau aus dem aktiven Konzertgeschäft zurück. 2005 veröffentlichte er seine Memorarien unter dem Titel "50 Jahre Backstage - Erinnerungen eines Konzertveranstalters".

Seinen langandauernden Erfolg erklärte er so "Herzblut, Angstschweiß und Freudentränen", das hat mich wohl über die Zeit gerettet.

So clever wie ein Haifisch

Seinen 80. Geburtstag feierte er mit 2500 Gästen und vielen prominenten Gratulanten aus der "Fritz-Rau-Familie" in der Frankfurter Alten Oper. Wolfgang Sandner, der Laudator des Abends, würdigte die besondere Menschlichkeit Raus im "Haifischbecken" des Showgeschäfts: "Er ist nie selbst ein Haifisch gewesen. Aber er war so clever wie ein Haifisch."

Mit bewegenden Worten verabschiedet sich Udo Lindenberg laut dpa

Mit bewegenden Worten hat Udo Lindenberg, 67, am Dienstag auf den Tod von Fritz Rau reagiert. "Ein letztes Ahoi, mein Abenteurer-Freund und großer Bruder Fritz Rau. Du warst immer schon ein Pionier – jetzt reist du schon mal vor, irgendwann folg ich dir...", schrieb Lindenberg am Dienstag in Anlehnung an seinen Songtext "Stark wie Zwei".

"Brian Jones, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Amy (Winehouse), Kurt (Cobain) und Michael (Jackson). Mach die Bühnen klar, Fritze, da oben – hinter den Sternen – the show goes on", schrieb er in einer Mitteilung. "Du bleibst immer dabei – stark wie zwei", meinte Lindenberg. "Du bist nicht von uns gegangen – du bist nur vor uns gegangen. Für immer – dein kleiner Bruder Udo L.

Ach ja, das hatte ich noch vergessen:

Der vierte im Bund der Konzert Impresarios Matthas Hoffmann wurde ein Jahr nach Marcel Avram gleichfalls der Steuerhinterziehung angeklagt und zu einer mehjährigen Haftstrafe verurteilt.

Das Ende der Konzert Impresarios?

Auch Marek Lieberberg ist seit 2000 nicht mehr Herr im eigenem Haus. Am 1. July 2000 übernahm die CTS Eventim AG aus München 51 Prozent der Anteile an MLK. Was auf die Bühne kommt entscheidet wohl nun der Ticketanbieter aus München und Lieberberg darf noch ein wenig mitspielen. Eventim hat sich durch Übernahmen von Mehrheitsbeteiligungen an weiteren Veranstaltern wie Semmel Concerts, Argo Konzerte und auch Peter Rieger etc, den Konzertmarkt in Deutschland unter den Nagel gerissen.

Marcel Avram gab nach Ende seiner Haftzeit die Agentur Mama Conzerts auf. Ende 2000 ließ er mitteilen, dass er mit der Deutschen Entertaniment (DEAG) von Peter Schwenkow kooperieren werde. Gemeinsam so ließ er verlauten werden beide die Firma Entertaniment One AG mit Sitz in Zürich führen. Avram legte großen Wert darauf, dass er kein Angestellter von seinem ärgsten Konkurrenten Schwenkow sei, und er weiterhin die Geschäfte aus Israel leiten werde.

Die DEAG erwarb 70 Prozent der Anteile an der von Marcel Avram als Generalbevollmächtigsten geführten Entertaniment One AG. Auch diese "Freundschaft" währte nicht lange. 2005 beendete Avram die Zusammenarbeit mit der DEAG. PS: Was aus der 70 Prozent Beteiligung der DEAG geworden ist konnte ich nicht ermitteln.

Wenn ihr wissen wollt, wen der gut Fritz in Deutschland auf die Konzertbühnen geholt hat, dann folgt dem link auf Wikipedia.

Gottfried Böhmer

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

 

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