Reden ist silber, Schreiben ist gold

14.07.2013 Glück und Freude durch die Augen ihres Umfangs

GFDK - Rebekka J. Chapman

Wir bewerten Menschen anhand ihrer Erscheinung, bewerten ahand weniger Worte und subjektiver Eindrücke, als könnten wir in ihnen lesen wie in einem Buch, dessen Inhalt wir Wort für Wort kennen.
Wir messen den Wert eines Menschen anhand von Zahlen auf Papier, anhand seiner Leistung und seines Erfolges im wirtschaftlichen Sinne, statt dessen Herz und sein Wesen mit dem eigenen wahrzunehmen.


Wir betrachten Menschen in gesellschaftlichen Klassen, in Gruppierungen und Rassen, wie wir auch die Erde in Nationen teilen und betrachten, als wären sie seit Anbeginn abertausende von Kuchenstücken.
Wir betrachten Probleme und Leid von Menschen aus anderen Gebieten der Erde nahezu stetig durch die Brille der eigenen Nation, nicht gewillt die Farben ihrer Flagge beim betrachten abzulegen, zu versteift und festgefahren um als Flaggenloser erneut den anderen wahrzunehmen.


Wir verurteilen den Fremden, ohne ihn zu kennen, verurteilen Menschen leichtfertig für ihren Schmerz, ihre Wut und Tränen, ohne wirklich nach dem Warum zu fragen, ohne sein Gegenüber frei anzunehmen. Wir ersetzen fehlende Liebe und Freundschaft durch erworbene Dinge, durch Geschenke und die Flucht in erdachte, virtuelle Welten.


Wir kaufen einander teures Parfum, Liebesbeweise und Elektronik, statt einander warme Umarmungen, liebevolle Küsse, vertrauensvolle Hingabe und gemeinsame Zeit von Herzen zu schenken.
Wir messen unser Leben anhand von Errungenschaft und Erfolg, nicht aber an den kleinen Augenblicken, unserer Gesundheit und den lieben Menschen, welche uns im Leben begegnen und begleiten.


Wir betrachten Glück und Freude durch die Augen ihres Umfangs, ihres Wertes und ihrer Größe, oft das Kleine wie Unscheinbare nicht erkennend, im Sonnenaufgang das Alltägliche und Bekannte, im neusten Fernseher das Außergewöhnliche und Besondere sehend. Wir folgen pflichtbewusst und pflichtgetrieben dem Ticken von Uhren und Erwartungen gemäß dem Weg unserer Gesellschaft, doch viel zu selten dem, was das Herz uns sagt...

...und fragen uns, warum vieles mehr und mehr trist, mehr und mehr verloren, verworren und lieblos erscheint.

Und wer kann daran nun etwas ändern? Du, ich, ein jeder. Wir alle können das. Niemand kann behaupten, es gäbe nur einen "Schlüsselmeister".

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10.07.2013 Max' kulinarische Kolumne

GFDK - Michael H. Max Ragwitz

Der magische Stern für die junge Generation ist ein überdimensionales gelb-rot leuchtendes Logo meist an der Autobahn. Sie wissen schon... Kulinarisch gesehen haben diese Angebote wenig bis gar nichts mit Sterne-Gastronomie zu tun. Wie aber gerade diese Altersgruppe für den Gaumenkitzel gehobener Gastronomie begeistern?

Da ist die Idee beispielsweise von Sternekoch Tim Meierhans nicht ganz neu, mit einem speziellen Konzept jüngere Gäste an feine Küche heranzuführen. Der Koch ist selber gerade mal 30, kann sich also sicherlich in das kulinarische Gefühlsleben hineindenken. Und er weiß mit Sicherheit auch, wie man da Ganze zeitgemäß serviert.

Nicht zuletzt geizt er wohl auch mit Erklärungen zu Speisen und korrespondierenden Weinen. Berappen müssen die Damen und Herren um die 30 etwa 77 Euro für ein Menü samt Fingerfood und Wein. Geile Sache, und hat neben dem unmittelbaren kulinarischen Genuss auch einen "bildenden" und (ess-) kulturellen Anspruch.

Essen und Trinken

Ob man mit diesem (durchaus löblichen) Konzept aber eine breite Masse erreicht, wage ich noch zu bezweifeln. Denn auch den Preis für Sterne kann sich nicht jeder leisten. Schon gar nicht diejenigen, die erst ins Berufsleben starten, oder aus diesem mehr oder weniger zwangsläufig aussteigen mussten. Ein im nachhaltigen Sinne besserer Weg scheinen mir Konzepte zu sein, die schon die Kids im zarten Alter an gesundes, schmackhaftes und gutes Essen heranführt.

"Kochen mit Kindern" sozusagen. Auch dafür gibt es schon eine ganze Reihe interessanter Projekte. Die haben für mich den Vorteil, dass die Kids und Teenies viel Wissenswertes darüber erfahren, woher Lebensmittel kommen, wie man sie sinnvoll einsetzt und wie sie ansprechend zubereitet und serviert. 

Sicher, da muss man mit dem Urschleim anfangen. Das gehört dazu, wenn ein bleibender Effekt erreicht werden soll. Ich bin dabei allerdings kein Verfechter von Guerilla-Bio-Schulungen nach dem Motto "Nur Bio ist das Wahre". Immer schön auf dem Teppich bleiben und sich umschauen, woher die Produkte kommen, welche Inhaltsstoffe drin sind und wie man sie am schonendsten für den guten Geschmack einsetzt.

Ganz zu schweigen von dem Aspekt, dass solche Art von Kochen unheimlich Spaß macht und den Kindern mehr bietet als virtuelle Gaukelei aller Couleur. Wetten, dass da für manches Mädchen oder manchen Jungen der Traum heranwächst, in den Koch-Beruf einzusteigen?! Leute, das ist der Weg zu den Sterneköchen von morgen.

Abseits von coolem Schicky-Micky-Essen

Das bedingt aber auch, dass die Eltern diese Ambitionen hegen und pflegen. Stichwort: Vorbildwirkung in Sachen Kulinarik. Die erste Küchenlehrerin sollte also die Mutter (gern auch der Vater) sein, die solches Interesse und Verständnis weckt. Sie müssen den Kindern ohne Bio-Zwang vorleben, was gesundes Essen ist. Wenn der Sprössling sich dann an entsprechenden schulischen Projekten beteiligt, oder später in eine Art Kochclub wechselt, war das die richtige Strategie.

Dann reift meiner Meinung nach und nach auch der Wunsch, einmal gehobene, oder gar Sterneküche kennenzulernen. Das allerdings abseits von coolem Schicky-Micky-Essen, weil es eben "in" ist, sondern aus dem Gedanken heraus, dass auch Essen bildet. Da spart sicher mancher auf ein solches Essen, um seiner Freundin ein solches Erlebnis zu bieten.

In diesem Sinne mögen ganz viel zarte Koch-Pflänzchen wachsen, die später einmal die Kunde anspruchsvoller Gastlichkeit in die Welt tragen.

Kunst, Kultur und Kulinarik

Michael H. Max Ragwitz
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10.07.2013 Konstantin Wecker schreibt an die Volksvertreter

Konstantin Wecker und Henning Zierock

Ein offener Brief von Henning Zierock, Vorsitzender der Gesellschaft Kultur des Friedens, und Konstantin Wecker an die Volksvertreter. Kostantin Wecker sieht die Grundrechte und die Menschenwürde in Gefahr. Der NSU-Abhörskandalund und das Schweigen der Deutschen Politiker sind nicht zu ertragen.

Liebe Freunde,
ein offener Brief an unsere Volksvertreter.
(Wie sagte Dieter Hildebrandt mal so treffend, als man ihn fragte, was ein Volksvertreter denn eigentlich macht: Ein Versicherungsvertreter verkauft Versicherungen....)

Sehr geehrte Frau Merkel,
Sehr geehrter Herr Westerwelle,
Sehr geehrter Herr Friedrichs,

viele Bürgerinnen und Bürger unseres Landes sind irritiert und auch empört, wie Sie sich zu der Überwachung unserer Kommunikationsdaten seitens der US-Geheimdienste verhalten und fragen sich, wie Sie mit der Souveränität unseres Staates, seiner Organe und den Bürgerrechten
umgehen.

Haben Sie, Frau Bundeskanzlerin, bei Ihrem Treffen und Telefonat mit US-Präsident Obama relevante und nachprüfbare Informationen erhalten und welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Warum haben Sie, Herr Außenminister, nicht den US-Botschafter, wie nach so einem Affront üblich, einbestellt ?

Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus

Haben Sie, Herr Innenminister, Kenntnis von der Dimension der Total-Überwachung deutscher StaatsbürgerInnen, Staatsorgane, Wirtschaftsunternehmen, und der Bundesregierung seitens der US-Regierung?
Sind Sie selbst in die Überwachung einbezogen und lassen Sie selbst in dieser Weise die Staatsbürger/Innen überwachen?

Warum werden nicht die Verantwortlichen für dieses verfassungswidrige Vorgehen verfolgt - dafür der US-Bürgerrechtler Edward Snowden, dem die Bundesregierung Schutz verweigert ?

"Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen will endlich klare Worte von Angela Merkel hören"

Ihr bisheriges politisches Handeln erweckt den Eindruck von Unterwürfig-und Ahnungslosigkeit gegenüber der US-Regierung und seinen Dienststellen

Rechtfertigt die"Terrorismusbekämpfung" jeden Rechtsbruch, die Verletzung von Grundrechten und der Menschenwürde?

Unser Grundgesetz ist auch die Errungenschaft all derer, die für eine freie Gesellschaft mit ihrem Leben bezahlt haben. Die Überlebenden der Konzentrationslager haben bei ihrer Befreiung - gerade mit Hilfe der USA und seiner Bürger - einen Schwur geleistet: für den "freien Menschen" und „die Entwicklung einer freien Gesellschaft einzutreten".

Sie haben einen Amtseid geleistet: "Schaden vom deutschen Volk abzuwenden".
Wenn Sie dieser Verpflichtung nicht nachkommen, müssen die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes selbst Verantwortung übernehmen, damit unsere bürgerlichen Freiheitsrechte und unsere Souveränitätsrechte wieder respektiert und gewahrt werden, im Sinne unseres Grundgesetzes: "alle Staatsgewalt geht vom Volke aus".

Henning Zierock, Vorsitzender der Gesellschaft Kultur des Friedens
Konstantin Wecker

P.s.: Der Bundespräsident ist sehr leise-ein Leisetreter ausgerechnet, wenn es um Freiheit und Bürgerrechte geht.

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08.07.2013 PIRAT ZEIGT KANZLERAMTSCHEF WEGEN LANDESVERRATS AN

GFDK - Jürgen Neuwirth

Hiermit geben wir bekannt, dass der Landtagskandidat der Piratenpartei Unterfranken und Bürgerrechtler Jürgen Neuwirth heute Morgen um 9:00 Uhr Ortszeit Strafanzeige bei der Würzburger Staatsanwaltschaft gegen den Chef des Bundeskanzleramts Ronald Pofalla gestellt hat. Aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage sieht der Anzeigesteller den Anfangsverdacht des Landesverrats gegeben.
Dazu erklärt Jürgen Neuwirth:

„Als Demokrat sehe ich mich dem Volk verpflichtet und will daher für Aufklärung sorgen, wo parlamentarische Kontrollmechanismen versagt haben. Wenn die unbeschränkte Weitergabe von sensiblen Daten unserer Bürger an ausländische Geheimdienste nicht den Tatbestand des Landesverrats erfüllt: so muss ich mich doch fragen, welche noch tiefgreifenderen Verletzungen unserer verfassungsmäßig garantierten Grundrechte es hierzu noch bedarf.

Landesverrat

Durch diese Weiterleitung sehe ich die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährdet. Deshalb bestehen wir auf einer gleichberechtigten Partnerschaft.

Denn ohne gegenseitiges Vertrauen ist eine freundschaftliche Beziehung zweier demokratischer Staaten nicht möglich. Nach meinem jetzigen Kenntnisstand muss ich leider davon ausgehen, das die zur Schau gestellte Empörung sowohl der Regierungsparteien als auch der Opposition gespielt sein muss.“

In diesem Zusammenhang wollen wir auch auf den bundesweiten Aktionstag gegen die Überwachung durch PRISM und für den Schutz von Edward Snowden am Samstag, den 27. Juli 2013 hinweisen. Auch in Würzburg laufen Vorbereitungen für eine Demonstration.

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08.07.2013 Kommentar in der Kolumne: theeuropean.de

GFDK - Heinrich Schmitz

"In der kommenden Woche wird Innenminister Hans-Peter Friedrich mit einer Delegation aus Regierungsbeamten und Geheimdienstvertretern in Washington erwartet. Die Gespräche sollen dort am Mittwoch beginnen. Die US-Regierung hat bislang dem Verdacht nicht widersprochen, dass der Geheimdienst NSA mit seinem Spähprogramm "Prism" in großem Stil Kommunikation per E-Mail und Telefon auch in Deutschland überwacht hat."

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/3146544/deutsche-unterstuetzen-us-spione.html

Dazu mein Kommentar in der Kolumne:
"Ob es so sinnvoll ist, den Bundesinnenminister als Kopf einer Aufklärungsdelegation in die Vereinigten Staaten zu schicken, glaube ich aus zwei Gründen nicht. Zum Einen machte er bei seinen bisherigen öffentlichen Äußerungen zur NSA nicht den Eindruck, als habe er großartig etwas gegen deren Spitzeleien einzuwenden und zum anderen dürfte er im „Neuland“ derart desorientiert sein, dass er selbst dann nichts verstünde, wenn er dort wirklich die Wahrheit über PRISM erführe.

Das scheint so sinnvoll wie ihn ohne Dolmetscher nach China zu schicken. Vielleicht sollten ein paar Mitglieder des Chaos Computer Clubs in die Delegation integriert werden. Könnte hilfreich sein."


http://www.theeuropean.de/heinrich-schmitz/7168-sigmar-gabriel-und-die-nsa

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07.07.2013 Max' kulinarische Kolumne - Angst vor der virtuellen Fresssucht

GFDK - Michael H. Max Ragwitz

Sachen gibt's, da muss man erst einmal drauf kommen. Jüngst wurde gemeldet, dass man Essstörungen bekommen kann, wenn man sein Essen permanent fotografiert und die mehr oder weniger guten Ergebnisse dieses Lasters auf virtuellem Wege veröffentlicht. "Food Porn" (ein Schelm, wer Böses dabei denkt) wird das genannt. Herausgefunden haben will das eine kanadische Psychologin. Die Fotos, meint die Dame, können zu Fresssucht oder Bulemie führen.

"Ach du leiwe tied", würde der Norddeutsche sagen. Was kommt da noch alles auf die Menschheit zu? Verkommt gar das Internet zum kulinarischen Sündenpfuhl? Nein, meine ich. Trotzdem hat die gute Frau mit ihren Beobachtungen nicht nur für mich Fragen aufgeworfen. Denn die Angewohnheiten, in Restaurants die mehr oder weniger stilvoll angerichteten Teller zu fotografieren, haben mittlerweile nahezu inflationäre Züge angenommen.

Essen und Trinken

Man greift entzückt zum iPhone, weil man ja zeigen will, dass man eines hat, und klickt was das Zeug hält auf den Auslöser. Das man dabei später noch ganz dezent am Rande mitteilen kann, in welchem Nobelschuppen man war und wie viel Euronen man für das Menü abdrücken musste, dessen Namen man nicht mal aussprechen, geschweige denn schreiben kann.

Über den Sinn und Unsinn solcher Aktivitäten kann man nun gar trefflich diskutieren. Und genau genommen bin ich ja auch so ein Food-Paparazzo. Denn auch von mir gelangen Food-Fotos in die virtuellen Welten von Facebook und Co. Manchmal auch privat, überwiegend aber meinem journalistischen Faible für kulinarische Entdeckungen geschuldet.

Soll auch heißen, ich brauche für alle möglichen Beiträge Motive von gutem Essen. Vom schlechtem Essen lohnt sich sowieso kein Foto, weil man den Mangel an Genuss wohl nicht sichtbar machen kann. Es sei denn, eine dicke Schnecke rast fresssüchtig über den Salat.

Und was hat das Ganze mit Food-Porn zu tun? Gar nichts. Ich halte bis zum Beweis des Gegenteils nichts von der These, dass Food-Fotografie dick oder krank macht. Und das Schreiben über das Essen wohl auch nicht. Zugegeben, mir läuft manchmal schon das Wasser im Munde zusammen, wenn ich ein gelungenes Menü oder einen Spitzenkoch in seinem Metier fotografiere. Deswegen esse ich aber weder weniger noch mehr. Und wenn ich mal auf Diät-Trip gehen will, werde ich nur das Salatbuffet ablichten. Das hilft der schlanken Linie ungemein.

Im privaten Bereich aber halte ich von solcher Food-Pornografie nicht viel. Es schmälert durchaus den Genuss, wenn in einem Restaurant dauernd geklickt und geblitzt wird. Da konzentriere ich mich lieber auf das genussvolle Essen, einen guten Tropfen und auf anregende Gespräche (sofern vorhanden) mit meiner Begleiterin. Das hat für mich eine Menge mit Kultur zu tun. Kultur ist es aber auch, wenn man Kultur vermittelt.

Fazit: Es lebe die Food-Porno..., sorry, -Fotografie und die Diskussion darüber, was genussvoll über Zunge und Gaumen gleitet. Es kommt immer auf Umfeld und Maß an, beim Essen wie im Leben überhaupt. In diesem Sinne, bleiben Sie schön neugierig auf meinen nächsten Food-Bericht.

Kunst kultur und Kulinarik

Michael H. Max Ragwitz
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06.07.2013 Für radikale Muslime ist das willkommenes Öl ins Feuer

GFDK - Mukadder Bauer

Ich glaube vielen ist die politische Dimension des Putsches in Ägypten nicht klar..Der Putsch stärkt die Extremisten und destabilisiert über Jahre die ganze Region. Auch in Ägypten hat sich die Opposition einem Dialog verweigert und die jetzigen "Retter", der Verteidigungsminister und der neue Staatspräsident, der vorher Oberster Richter des Verfassungsgerichts gewesen ist, haben ihre Aufgabe, nämlich Brücken zu bauen nicht genutzt..


Für radikale Muslime ist das willkommenes Öl ins Feuer, weil sie damit bewiesen sehen, dass Muslime, wie vorher auch in Algerien (erinnert sich noch jemand?) selbst wenn sie demokratisch gewählt wurden, nicht davor geschützt sind verfolgt und unterdrückt zu werden. Die Verhaftung führender Muslimbrüder trägt ebenso zur Radikalisierung bei, sie ist zudem zutiefst undemokratisch und durch nichts zu rechtfertigen..


Und im Westen wird der Spin weiter gedreht, dass Muslime insgesamt mit der Demokratie nicht umgehen können und zynischerweise werden gerade die Länder in Nahen Osten am meisten, gerade militärisch und gerade auch von Deutschland, unterstützt, die jegliche Opposition brutal unterdrücken..
Meine Gedanken sind bei den Ägyptern, ich hoffe, dass die Spaltung nicht zu einem Bürgerkrieg führt..


Ich wünsche ihnen, dass sie jetzt bekommen, was sie sich wünschen,obwohl ich das nicht glaube..

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04.07.2013 Max' kulinarische Kolumne

GFDK - Michael H. Max Ragwitz

Woher soll die Meldung kommen, wenn nicht aus Frankreich, dem Land des guten kulinarischen Geschmacks: Um eben diesem guten Ruf der französischen Küche zu retten, wird gefordert, ein Gütesiegel für die Bezeichnung "Restaurant" einzuführen. Der das fordert, ist Jean-Pierre Chedal, der Vorsitzende des französischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Sein Ziel: "Wer Vorgekochtes auftischt, soll seine Gastwirtschaft nicht mehr Restaurant nennen dürfen."

À la bonne heure, Monsieur Chedal, das nenne ich mutig und konsequent. Trotzdem bleibt abzuwarten, zu welchen praktischen Folgen dieser Appell in Sachen kulinarische Aufrichtigkeit und Transparenz in Frankreich führen wird. Die Unterstützung seiner Landsleute hat Chedal auf jeden Fall. Laut der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung haben sich in einer Umfrage satte  96 Prozent für ein Gütesiegel für selbstgekochtes Essen in Restaurants ausgesprochen. Aber immerhin fast ein Drittel der Restaurants in Frankreich wären von der Aberkennung des Status "Restaurant" betroffen. Dicke Luft also in den Küchen.

Essen und Trinken

Wir aber leben in Deutschland. Und ich wundere mich schon ein wenig, dass man hierzulande nicht schon auf solche Ideen gekommen ist. Denn so abwegig und übel is(s)t die Vision gar nicht. Wer sich echtem kulinarischen Genuss verschrieben, der wird es zu schätzen wissen, wenn frische, selbstgemachte Kost auf den Tisch kommt. Das hat jetzt gar nichts mit Sterne- oder Spitzengastronomie zu tun. Das hat mit den einfachsten Grundsätzen ehrlicher Kochkunst zu tun.

Die Dekadenz am Herd

Es darf, das ist auch meine Meinung, nicht zum Restaurant-Alltag gehören, mit der Schere, statt mit dem Messer zu kochen. Soll auch heißen, in Plastik verschweißte Convenience-Produkte aufzuschneiden und mehr oder weniger lieblos auf den Teller zu bringen. Frei nach dem Motto: Gerade noch im Plastikbeutel, und schon auf dem Tisch des Gastes. Frei übersetzt: Kost "à la minute" sozusagen. Allerdings mit einer deutlich anderen Bedeutung.

"Fraß", würde der geschmacksbewusste Deutsche dazu sagen.

Und wie oft wird dem hungrigen Gast dann sogar frische Kost vorgegaukelt, obwohl in den Fertiggerichten meist Konservierungsmittel, künstliche Aromen und Geschmacksverstärker buchstäblich innewohnen. "Malbouffe" nennt das der Franzose. "Fraß", würde der geschmacksbewusste Deutsche dazu sagen.

Nun weiß ich aber, dass auch in deutschen Restaurants gern mit Convenience-Produkten hantiert wird. Das sieht meist gut aus, schmeckt oft auch gar nicht so übel und erspart dem Koch eine Menge Arbeit. Ist aber an sich Etikettenschwindel, denn kein Mensch deklariert solche Speisen als Convenience. Und es erweckt auch den Eindruck, das hinter dem Koch ein wahrer Künstler seines Fachs steht, der aufwändig kocht, anrichtet und serviert.

Kochen hat wie Kunst etwas mit Können zu tun.

Der Grund für solche Praktiken hat aber viele Facetten. Man muss zum Beispiel unter einem Level anbieten, dass der geneigte Gast nicht überschreiten will. Als magische Zahl sage ich mal 15 Euro. Aber dafür will man schon Spitzenküche, randvolle Teller und essen bis zum berühmten lutherschen Rülpsen (den Rest des Zitats lasse ich an dieser Stelle mal weg). Also muss der Gastronom irgendwo sparen und fängt meist mit dem Personal an.

Selbst in großen Hotelketten sollen solche Convenience-Produkte bereits einen Anteil von über vier Fünfteln des Angebots ausmachen. Und auch in der sogenannten gehobenen Gastronomie werden solche Produkte in Form von Suppen- und Saucenfonds, Teigmischungen und Pasteten immer mehr eingesetzt.

Preiswert essen, meinen Convenient-Hersteller, geht eben nur mit solchen Produkten. Man wisse schließlich, dass Qualität ihren Preis hat. Das heißt für mich aber noch lange nicht, dass gepresste Schnitzel, pappiges Gulasch, fades TK-Gemüse und fertige Einheits-Saucen auf den Tisch kommen. Weder im Bistro noch im Restaurant. Denn obwohl auch Fertigprodukte im Detail durchaus munden, hinken sie dem Frischgekochten in Sachen Inhaltsstoffe deutlich hinterher.

Aber die so hergestellten Gastro-Produkte werden mit dem Zusatz "OdZ" versehen. Und fertig ist die Sauce. Das heißt nämlich "ohne deklarationspflichtige Zutaten". Das sind der Koch oder sein Chef fein raus. Mit einer individuellen Handschrift eines Kochs oder dem originären Geschmack der eigentlich Speise hat das nicht viel tun  tun. Auch dann nicht, wenn man den Unterschied gar nicht schmeckt.

Fazit: Kochen hat wie Kunst etwas mit Können zu tun. Und ein "Restaurant" verkörpert schon von Namen her einen Anspruch. Da wäre es nicht schlecht, wenn schon begriffsmäßig Klarheit geschaffen und frische Kost produziert und serviert würde. Dann weiß der Gast Bescheid und kann alternativ auch ins Gasthaus, die Kneipe, den Imbiss oder eben ins Restaurant gehen. Das würde der deutschen Küche sehr gut zu Gesicht stehen und Ehrlichkeit beim Kochen und am Gast verkörpern. Wie würde der Franzose sagen "Vive la Restaurant..."

 

Michael H. Max Ragwitz
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20.06.2013 Ein erster Blick über die Stadt begeistert schon

GFDK - Stefanie Tendler

Relativ schnell muss ich feststellen, dass ein kurzer Besuch nicht ausreichen wird, um diese Stadt zu entdecken und vor allem zu begreifen. Dies mag für jede Großstadt gelten, doch dieses Mal ist es mein persönliches Bedürfnis alle Facetten Istanbuls kennen zu lernen und diese nicht nur oberflächlich zu berühren oder anzukratzen.

Ein erster Blick über die Stadt und meine ersten Berührungspunkte mit ihr zeigen mir, dass ein Großteil des Lebens auf den Straßen und Gassen stattfindet. Die ansteigenden Temperaturen im April locken alle nach draußen. Besitzer von kleineren Boutiquen sitzen entspannt mit einem Cay vor ihren Läden und beobachten das rege Treiben, das sich vor ihren Augen abspielt. Und als wäre es für eine Großstadt vollkommen natürlich haben sich unzählige Katzen in das Stadtbild eingewoben.

Umherstreunend oder herumlungernd lassen sie sich von ziemlich wenig beeindrucken oder beunruhigen. Sie durchstreifen die schmalen Gassen schlafen auf den Dächern, in den Eingangsbereichen der kleinen Geschäfte und scheinen sich dabei sehr wohl zu fühlen. Es ist ein harmonisches Zusammenspiel mit den Bewohnern der einzelnen Stadtteile, die sie in den Alltag der Großstadt mit einbeziehen. An vielen Ecken liegt sogar Katzenfutter aus, das den Hunger der vielen Streuner stillen soll.

Es fällt auf das Istanbul abgesehen von seinen zahlreichen Besuchern eine durchschnittlich junge Stadt ist, die lebt und mancherorts niemals schläft. Neben dem beruflichen Alltag weiß man hier für Ausgleich zu sorgen und das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Beim Überqueren der Galata Brücke kann man zahlreiche Fischer beobachten. Jeden Morgen stehen sie schon früh mit ihren Angeln am Geländer und warten geduldig darauf, dass etwas anbeißt. Ein Sesamring oder ein Cay dürfen für ein Päuschen natürlich nicht fehlen. Trotz seiner Größe und des Gewusels der Menschenmassen, das oftmals etwas chaotisch sein kann, kennt Istanbul keine Hektik, sondern ist auf entspannende Art entschleunigt. 

Mancherorts begegnen mir Misstrauen und Skepsis. Als Fremder wird man in den kleineren Bezirken und Stadtteilen wie Fener und Fatih zum Eindringling und als solcher auch ab und an wahrgenommen. Dennoch sind es gerade diese Viertel, die mich faszinieren. Anonymität untereinander gibt es nicht und es scheint eine richtige Gemeinschaft zu existieren. Allerdings sind Fener und Fatih auch deutlich konservativer. Das Frauenbild ist hier geprägt von den Einflüssen des Islams und Freizügigkeit wird hier regelrecht verachtet.

Abends finden an größeren Plätzen wie unter anderem am Galata Turm musikalische Spektakel statt, um die sich schnell größere Menschentrauben bilden, jeder mit einem mitgebrachten Getränk in der Hand lauschen sie den Klängen der Musik.

Die Takatuka Band ist eine der Gruppen, der man in Istanbul häufiger begegnen kann, ob auf der Straße, oder in einer Bar sie sind da nicht so festgelegt. Auf Türkisch bedeutet Takatuka Geräusch oder Gerassel und im übertragenen Sinne ist ihre Musik ein Sammelsurium an Weltenrasseln. Sie singen auf mehr als acht verschiedenen Sprachen und haben ihre eigenen Interpretationen von Balkan Musik oder traditionellen türkischen Liedern definiert.

Ihre Musik ist eine bunte Mischung aus Folk, Jazz, Blues, Reggae und Ska. 2010 haben sie sich zusammen gefunden und am Anfang waren es nur drei Freunde, die zusammen auf den Straßen gespielt haben, aber mit der Zeit sind sie gewachsen und nun spielen sie auch größere Gigs. Der Sänger und Gitarrist der Band Umut Dorudemir hat seinen Blick auf Istanbul, das Leben dort und die Bedeutung von Straßenmusik mit mir geteilt:


Welche Bedeutung hat Istanbul für dich und die Art der Musik, die du machst?


- Seitdem ich ein kleines Kind bin ist Istanbul für mich der Ort meiner Träume. Aber nicht nur mir geht es so. Istanbul ist schon immer ein einzigartiger Ort und dies nicht nur aufgrund der vielen interessanten historischen Hinterlassenschaften, die man hier entdecken kann. Es gibt außer den Museen, Schlößern, Moscheen, Kirchen, Hammams vor allem ein harmonisches Zusammenspiel von orientalischen und europäischen Gemeinschaften- eine Symbiose von Kulturen, die miteinander verschmelzen. Dieser Frieden hat mich stark beeinflusst und mich dazu gedrängt meine Beobachtungen mit der Stimme von Musik Ausdruck zu verleihen.

Welche Rolle hat Straßenmusik in deinen Augen?

- Die Straße ist die beste Bühne für Musiker, denke ich. Es ist ein Ort an dem wir uns ausprobieren können und dabei eine direkte und sehr ehrliche Resonanz von unserem Publikum erhalten. Nach einer gewissen Zeit ist mir aufgefallen, dass nicht alle Musiker Freude daran haben oder sich wohl fühlen, wenn sie auf der Straße spielen und mit der Realität konfrontiert werden. Sie ertragen die authentische Reaktion nicht oder fürchten das was ihnen begegnen könnte.


Für mich ist es aufregend, dass es keine Grenzen oder zeitlichen Limitierungen gibt wenn man draußen spielt, da man selbst entscheiden kann wie lange man spielt und vor allem was man spielt. Es ist ein Gefühl der Freiheit. Wir müssen niemandem gefallen, denn jeder kann selbst entscheiden, ob er Lust darauf hat uns zuzuhören. Wir fühlen uns hierdurch leicht und wild und das schönste daran ist, dass unsere Musik nichts kostet! Sie ist für alle da und gehört in dem Moment der Straße! 

Was wollt ihr mit eurer Musik zum Ausdruck bringen?

- Ich bin mir gar nicht so sicher, ob wir überhaupt wirklich etwas ausdrücken möchten. Musik ist niemals statisch genauso wie es sich mit den Gefühlen verhält, die in unserem Publikum ausgelöst werden. Wahrscheinlich ist unser Hauptthema Frieden.

Wovon handeln eure Texte?

- Ich schreibe normalerweise kurze Anekdoten oder Textauszüge aber mir ist es noch nicht ganz gelungen sie komplett in die Musik einzubetten. In erster Linie sind wir eine instrumentale Band.


Wie erfährst du das Leben in einer Stadt wie Istanbul?

- In Istanbul zu leben ist einfach verrückt. Es leben ungefähr 17 Millionen Menschen in dieser Stadt. Die genaue Zahl ist noch nicht einmal bekannt, da es viele illegale Einwohner gibt. Aber eigentlich muss man sich nur die sieben Hügel vorstellen, die sich über zwei Kontinente erstrecken in ein und derselben Stadt, öffentliche Verkehrsmittel, die dich 24 Stunden lang in jede Ecke der Stadt geleiten, in die du gerade möchtest und dann natürlich die unbeschreiblichen unzähligen Optionen seine Zeit zu verbringen. Möglichkeiten, die eine Stadt niemals schlafen lassen. Istanbul hat aber auch verschlafene Örtchen entlang des Bosporus, die einen extremen Kontrast zu dem pulsierenden Leben von Beyoglu oder Taksim bieten.

Bist du aus Istanbul oder bist du zugezogen, weil du von der Stadt angezogen wurdest?

- Ich wurde in Diyarbakir geboren, das im Südosten der Türkei liegt und wo viele Kurden leben. Hier habe ich meine Kindheit, meine ersten 10 Lebensjahre verbracht. Mit meiner Familie bin ich dann in eine andere Stadt gezogen. Erst vor 10 Jahren kam ich nach Istanbul und fühle mich hier absolut zu Hause und bin hier angekommen. Auch wenn die Stadt oft ziemlich verrückt ist und sehr viel um mich herum passiert, ist es eine positive Verrücktheit, die ich nicht mehr missen möchte.

Mit einer Sammlung an Eindrücken stelle ich nach 5 Tagen fest, dass ich einen kleinen Krumen des Sesamrings der für mich ein Symbol dieser Stadt geworden ist, probiert habe und definitiv wiederkommen möchte.

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20.06.2013 Der Zeitgeist ist nämlich vor allem eines: sehr flüchtig.

GFDK - Liane Bednarz

„Wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, wird bald Witwer“ –so treffend drückte es einst der dänische Philosoph Sören Kierkegaard aus. Der Zeitgeist ist nämlich vor allem eines: sehr flüchtig. Was heute „in“ ist, ist morgen schon wieder „out“. Ganz besonders gilt das für die so genannte „Populärkultur“, also all das, was in Musik, Mode, Film und Fernsehen jeweils den Ton angibt.

Wer heute die „In-Style“ aus dem Juni 2008 aufschlägt, oder den „Musikexpress“ aus dem März 2005, empfindet gewiss vieles, was damals noch als hip und „must have“ gefeiert wurde, längst als überholt, altmodisch, gestrig.

Neu auf dem Buchmarkt und im Buchhandel

Noch extremer wird dieses Gefühl, wenn man ein paar Jahrzehnte weiter zurückgeht. Also tief hinein in die 90er, 80er oder gar die 60er und 50er. Ein ganzer Kosmos von Trouvaillen der Populärkultur tut sich dort auf und man fragt sich unwillkürlich: „Was, das war mal en vogue?“ An vieles erinnert man sich gerne, anderes lässt einen hingegen geradezu erschaudern. So erging es auch dem Trierer Autor Frank Jöricke, der sich in seinem im Frühjahr erschienenen Buch als „Jäger des verlorenen Zeitgeists“ an genau diese Phänomene heranpirscht.

Herausgekommen ist eine humorvolle tour d’horizon. In 43 Kapiteln geht es quer durch die Dekaden, vom „Kommissar“ bis zu Madonna, von den „Vampire Diaries“ bis zu Stephan Sulke. Immer ironisch-bissig kommentiert, natürlich geprägt vom eigenen Geschmack des Autors. Den mag der Leser nicht immer teilen, aber das macht die Lektüre nicht weniger amüsant.

Die 80er – zwischen apokalyptischen Beschwörungen und säkularen „Wanderpredigern“

Zu Beginn beamt Jöricke den Leser in die letzten drei Jahrzehnte, also in die 80er und 90er und die sogenannten „00er-Jahre“ hinein und identifiziert jeweils eine Art „Dekaden-Zeitgeist“, also das Lebensgefühl, das diese Epochen prägte. Gleich das Anfangskapitel über die 80er gibt die Geisteshaltung des Autors vor. Man merkt schnell, dass dieser kein im Pathos schwelgender Gutmensch ist, der der großen Zeit der Ostermärsche nachtrauert.

Neue Literatur

Nein, die 80er waren für ihn ein Ärgernis, eine nervige Zeit voller selbsterklärter Weltverbesserer, die ständig die Apokalypse durch Krieg, Atomkraft, Aids oder was auch immer an die Wand malten. Und darin den musikalischen „Wanderpredigern“ jener Jahre, nämlich Wolfgang Niedecken und Bono Vox, beharrlich folgten. Für Jöricke beides Sänger, die permanent „die Schlechtigkeit der Welt anprangerten“, „das Leben als Jammertal“ zeichneten und damit zwar kein „Wasser in Wein“, „aber Phrasen in Gold“ verwandeln konnten.

Positive Aspekte der „Verworrenheit“ der 90er

Ganz anders hingegen, nämlich eine Brachialerleichterung, waren für Jöricke die 90er, das „verworrene Jahrzehnt“, in dem die Welt nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zwar komplizierter wurde, aber endlich Schluss mit der „Entweder-Oder“-Attitüde der 80er war. Und in dem Underground plötzlich zum Mainstream wurde, mit „Nirvana“ eine Independent-Combo an die Spitze der Charts schoss, noch dazu „mit Grunge, einem musikalischen Bastard aus Hardcore Punk und Metal“.

Und die 00er Jahre? Sind für Jöricke trotz zahlreicher Naturkatastrophen, Finanzkrisen und Terroranschlägen eine Zeit, in der die Leute unerschrockener agieren, kühler, illusionsloser. Und natürlich das Zeitalter, in dem das Internet seinen Siegeszug antrat, mit allen Vor- aber auch Nachteilen. Ausnahmslos gelungen sind die Vertiefungshinweise am Ende dieser, wie auch am Ende vieler anderer Kapitel. Zu den 80ern empfiehlt Jöricke Maxim Billers „Tempojahre“, zu den 90ern Judith Herrmanns „Sommerhaus“ und zu den 00er-Jahren Hans Weingartens Film „Die fetten Jahre sind vorbei“.

„Der Kommissar“ – die Antipode zum „Krimiklamauk“ und zur „Action“ unserer Tage

Fast fällt es schwer, aus dieser Masse von Zeitgeistphänomenen diejenigen herauszugreifen, die besonders gelungen sind. Denn davon gibt es nicht wenige. Auch stellt der Autor immer wieder den Bezug zum Hier und Jetzt her. Wer heute Sonntag abends den „auf Action getrimmten“ Til Schweiger als Tatort-Kommissar oder den „Krimiklamauk“ aus Münster erlebt, mag in der Tat kaum glauben, dass der von 1969 bis 1976 so beliebte „Kommissar“ mit Erik Ode als Kommissar Keller „niemals langweilig“ war, obwohl „das Höchstmaß an Rasanz“ dann erreicht war, wenn der Assistent Robert (Reinhard Glemnitz) „im Stile eines Aushilfs-Jerry Cotton über Jägerzäune hüpfte.“

Zugleich ist „Der Kommissar“ für Jöricke eine „Zeitgeiststudie“ schlechthin, in der die „Ermittlungstour“ immer auch ein Einblick in die bundesdeutsche Realität war, gepflastert von „Doppelmoral“ und „Exzess“, „Neurotikern“, „Nervenärzten“ und „Junkies“ aus „Wirtschaftswunder“-Elternhäusern. Gewissermaßen „der vielleicht letzte ernst zu nehmende Versuch des Fernsehens, in einer immer mehr zerfasernden Welt noch einmal klare Fronten zu schaffen.“

Keine Zeitgeistdiskussion ohne eine Betrachtung des Fernsehens

Und ja, vielleicht sind die Krimisujets tatsächlich ein Indikator für die zunehmende Preisgabe des ernsthaften Anspruchs, den zumindest das „Haushaltsabgaben“-finanzierte Fernsehen haben sollte. Überhaupt, das Fernsehen oder besser, dessen „langsames Sterben“ und zunehmende gesellschaftliche Irrelevanz beklagt Jöricke - der sonst nicht unbedingt zum Kulturpessimismus neigt - auch an anderer Stelle.

Für ihn hat vor allem das Privatfernsehen die „anfängliche Keckheit“ verloren, ist verzagt geworden. Selbst „alberne“ und „überdrehte“, aber dennoch immer überraschende Shows wie den „Kindergeburtstag“ für Erwachsene“, auch „Alles Nichts Oder“ genannt, oder „Samstag Nacht“ gebe es dort längst nicht mehr.

Stimmt, denkt man sich und möchte ergänzen, dass man stattdessen nunmehr alberne, dabei aber sterbenslangweilige Shows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sieht. Der Spritzigkeitsfaktor der jüngsten infantil-albernen Sommerausgabe von „Wetten, dass…?“ jedenfalls tendierte gegen null.

Auch der deutsche zeitgenössische Film kommt nicht allzu gut weg. Jöricke zählt fraglos zu der Schar derer, die „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ nicht wirklich euphorisieren. Viel eher hat er Sorge, dass nachfolgende Forschergenerationen, die das deutsche Kino des 21. Jahrhunderts betrachten, sich bis auf ganz wenige Ausnahmen wundern werden über Filme, die „ständig Emotionen beschwören, aber nie Gefühle zeigen“ oder Darsteller, die „unentwegt reden und doch nichts sagen.“

Ilja Richters „DISCO“ – wie ein Begriff eine ganz neue Bedeutung erhielt

Manche Themen Jörickes wie etwa die Erfolglosigkeit der Casting-Stars, die Facebook-Schelte, der Jugendkult Madonnas oder Sean Connerys kernige Männlichkeit sind vielleicht schon etwas abgehangen, aber andererseits kann man sie bei einer solchen Zeitgeist-Erforschungstour wohl auch nicht einfach ignorieren. Dafür sind andere Kapitel umso lustiger, erinnern an „Sternstunden“ der Populärkultur, denen oftmals etwas Groteskes innewohnt.

Wie etwa Ilja Richters „DISCO“, Lichtjahre entfernt von der englischen TV-Ikone „Top of the Pops“, in der sich die internationalen Stars die Klinke in die Hand gaben. Der Quotenkönig Richter hingegen, der „nie jugendlich“ wirkte, schon als 18-Jähriger grundsätzlich „im Zweireiher“ auftrat und sogar Tony Marshall und Heino in der Sendung hatte, gab dem „Wort DISCO eine völlig neue Bedeutung.“ Es sind Stellen wie diese, die Jörickes Buch zu einem heiteren Vergnügen machen. Man fragt sich, wie spießig unser Land eigentlich damals war.

Aktuelles für die Bestsellerliste

20 Jahre später, nämlich in den 90ern, setzte dann der Trend zur Übertreibung ein. Plötzlich füllten - was man ja am Liebsten verdrängen würde, Jöricke aber wieder in Erinnerung ruft - „Die drei Tenöre“ ganze Stadien mit „Potpourris aus Arien, Broadway-Melodien und Popsongs“. Und nicht lange dauerte es, bis Nachahmer wie Pilze aus dem Boden schossen. Aus drei wurden „erst fünf, dann zehn und irgendwann zwölf Tenöre“.

Und dann gibt es seit einigen Jahren auch noch den Trend zur Instant-Unterhaltung in Gestalt der vor allem zur Weihnachtszeit verbreiteten „Eventdinner“, auf die Jöricke ebenfalls mit Erstaunen blickt.

Die Rolle des Manns im Wandel des Zeitgeists

Immer wieder treibt den Autor die veränderte Rolle des Mannes um, also etwa die Frage, wie der Bond Sean Connerys, der „ungestraft raufte, rumtobte und Rabatz machte“, zum Bond Daniel Craigs wurde, der „weh- und selbstmitleidig herumirrt“. Oder wie es überhaupt zum heutigen Mann kommen konnte, der „einen Geburtsvorbereitungskurs besucht“, und „vom joggingtauglichen Hightech-Kinderwagen mit Alufelgen vorschwärmt“. Wer deshalb nun in Jöricke einen Ultramacho wähnt, irrt. Alice Schwarzer und der Feminismus werden ausdrücklich gelobt.

Und wer dessen Notwendigkeit bestreitet, soll sich Jöricke zufolge die in der prä-feministischen Zeit spielende Serie „Mad Man“ ansehen, in der „Frauen wahlweise betrogen, begafft oder begrabscht“ werden. Jöricke geht es also vor allem darum, dass der Feminismus nicht zur Feminisierung der Männer führen soll.

Man kann sich vorstellen, was der Autor von der neuesten Gender-Volte der Uni-Leipzig mit der Anrede „Herr Professorin“ hält, also von einer Sprache, die Alexander Kissler auf „cicero.de“ gerade erst ein „radikalfeministisches Herrschaftsinstrument zum Austrieb des Männlichen“ nannte.

Und wer denkt, hier tobe sich ein Kulturpessimist aus, hat ebenfalls Unrecht. Jöricke schwärmt nämlich auch von den „Helden des Zeitgeists“, den „Figuren, die uns die Welt erklären“, darunter die beharrlich dem Zeitgeist trotzende Hildegard Knef und der Württemberger Winzer Robert Bauer, der sich dem seit den 60ern regierenden Trend zur „Masse statt Klasse“ widersetze und viel dazu beitrug, dass deutsche Weine inzwischen wieder weltweit gefragt sind.

Helden des Zeitgeists sind für Jöricke also vor allem diejenigen, die sich nicht wie das Fähnchen im Wind vom nächstbesten Zeitgeist einfangen lassen. Ein ganz treffliches Fazit.

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert und arbeitet als Rechtsanwältin im Bereich "Mergers & Acquisitions". Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung.

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