Reden ist silber, Schreiben ist gold

02.07.2012 Die Blumen des Bösen unserer Zivilisation

Angelika Wende

Wenn nichts mehr hilft, sperren wir sie weg! So sieht er aus, der Lösungsansatz der deutschen Politiker gegen die steigende Kriminalitätsrate unter Kindern und Jugendlichen.

Der Sprecher der SPD-Innenminister, Berlins Innensenator Ehrhart Körting unterstützt den Vorstoß seiner Unions-Kollegen. „Heime, in denen die Kinder kommen und gehen können, wie sie wollen, sind völlig sinnlos“ Dem schließt sich Reinhard Grindel, Innenexperte der Unions-Bundestagsfraktion, an: “Falls alles nichts mehr hilft, dann sollte man junge Täter zum Schutz der Bevölkerung auch wegschließen.“

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, sieht die geschlossenen Heime sogar als einzige reelle Maßnahme. „Untersuchungshaftanstalten mit Krabbelecken für Zwölfjährige sind ja wohl keine Alternative.“ Freiberg fordert auch Konsequenzen für Eltern, die ihre Aufsichtspflicht verletzen. „Ihnen sollten die Sozialleistungen, die sie für die Kinder erhalten, gekürzt werden.“

Laut Kriminalstatistik gab es im vorigen Jahr 96.627 Tatverdächtige im Alter von acht bis 14 Jahren.


Also weg mit den „bösen“ Kindern, wegsperren in Heime, die höchstwahrscheinlich keiner dieser Politiker je von innen gesehen hat. Ich habe sie gesehen, einige. Und ich habe die Betreuer in diesen Heimen erlebt, einige. Sie sind schlichtweg überfordert mit all den Kindern und Jugendlichen, die lange bevor sie im Käfig Heim landen im Käfig einer Gesellschaft lebten, die die Bedürfnisse ihrer Seelen nicht wahrnimmt. Längst wissen wir, dass nicht nur eine hohe Zahl der jugendlichen Straftäter, die im Knast landen, wieder straffällig werden, nachdem sie draußen sind. Wer heute tatsächlich noch an eine Sozialisierung durch Gefängnisse oder Heime glaubt ist entweder dumm, oder schlicht ignorant. Ich tippe auf Letzteres.

Wie immer in unserer Gesellschaft wird am Symptom herum gedocktert. Das ist billiger, weniger anstrengend und vor allem weniger Zeit aufwendig als nach der Ursache zu suchen und diese in einem dauerhaften Prozess nachhaltig zu "behandeln". Aber wer will denn schon der Ursache auf den Grund gehen, da würde sich ja im Zweifel so etwas wie Kausalität und Verantwortlichkeit finden lassen - und verantwortlich - das sind wir doch nicht. Wir selbst, unser Kollektiv, verantwortlich für das Böse da draußen? Unvorstellbar, wo kommen wir denn da hin?

Eine Kultur, die den Verstand verherrlicht und von der Geburt ihrer Kinder den Wert und die Wichtigkeit von Gefühlen unterdrückt, die das eigene „Böse“ verdrängt und ins Außen projiziert, wird niemals Verantwortung übernehmen. Denn dann müsste man ja Fehler korrigieren.

Wir leben in einer Law and Order Gesellschaft. Aus zehn Geboten sind Millionen von Gesetzen und Verboten geworden um das Böse in Schach zu halten. Verschwunden ist es deshalb nicht. Es zeigt sich mit weit aufgerissenem Rachen in einer Gesellschaft dereen beherrschendes Grundgefühl es ist nicht zu versagen.

Das Streben nach Sicherheit, nach Ansehen, nach Macht und Geld führt dazu, dass der Mensch von Kindesbeinen an zum Funktionieren erzogen wird. Versagen ist tödlich in einer Gesellschaft, die für Versager keinen Platz hat, absurderweise aber immer mehr von diesen „Versagern“ produziert.

Das Streben nach Erfolg und Macht schließt Menschlichkeit und Mitgefühl aus.

Der Gedanke im Wettbewerb nicht unterzugehen, das Ziel nicht zu versagen ist der Nährboden für die Angst. Angst vor der Ohmacht, Angst nicht mehr mithalten zu können, Angst vor dem Verlust der Arbeit, Angst vor dem Verlust einer scheinbaren Sicherheit. Angst lähmt. Da wo sie nicht als Warnsystem für das nackte Überleben Sinn macht ist sie destruktiv. Angst nimmt dem Menschen die Möglichkeit sich zu entwickeln, die eigene Identität zu leben, kreativ zu sein und Emotionen zu zeigen. Der moderne Mensch orientiert sich an den Parametern der Masse, er strebt nach diesen und das führt zum Verlust von Empathie.

Wer nur sich selbst sieht, wer immer seinen eigenen Erfolg im Auge hat wird blind für den Nächsten und fatalerweise auch blind für die eigenen emotionalen Bedürfnisse. Damit wird er folgerichtig blind für die eigenen Kinder, deren Wünsche und Bedürfnisse.

Das Streben nach Erfolg, das wir fälschlicherweise für Selbstverwirklichung halten, vermittelt das illusionäre Gefühl von Lebendigkeit. Ein schnelles Auto, eine schicke Wohnung, ein teurer Urlaub vermitteln Lebensfreude und Lebensqualität. Beziehungen werden mehr und mehr unter dem Aspekt des Nutzens gelebt und nicht aus dem Bedürfnis heraus sich erwartungslos zu verbinden. Liebe ist ein Konsumgut geworden, das wir zwar alle verzweifelt suchen, aber nicht mehr als Geben begreifen oder als oberstes Ziel unseres Seins verstehen. Lieben lenkt ab vom Funktionieren, macht weich, wo Härte gefragt ist.

Unsere Kultur ist reduziert auf den ökonomischen Imperativ.

Das menschliche Verhalten wird so zu einem Rollenspiel in dem schöpferische Impulse gebremst und vernichtet werden. In einem Kontext wo es um Streben und Kontrolle geht ist kein Platz für authentische Selbstverwirklichung und schon gar nicht für Individualität. Es geht ums Überleben und nicht ums Erleben, nicht um ein „sich selbst erleben“. Kampf ist angesagt, denn nur der Stärkere überlebt - ein Gift, das wir unseren Kindern schon früh injezieren, weil wir längst nicht mehr wissen wer und was wir eigentlich sind. Menschen nämlich, mit Gefühlen und der Anlage zu wissen, was ein Mensch sein könnte.

Das Streben nach Mehrwert und Überschuss verändert das Sein. Das Mehrwertprinzip kennzeichnet diese Zivilisation. Anstatt Empathie ist der Verstand das Mittel der Wahrnehmung, der unbewusste Drang ist der Drang nach Macht, das Ziel ist das Beherrschen Anderer mit starrem Blick auf die Anhäufung privaten Eigentums. Die Beziehung zu uns selbst und zum Mitmenschen ist von Konkurrenz- und Feinddenken bestimmt. Das eigene Ziel versinkt im Ziel der Masse. Erwartungen müssen erfüllt werden und Gehorsam gehört zum Leben. Fatal, denn Gehorsam erzeugt Unlust und Frust.

Erziehung sollte nicht als oberstes Prinzip Gehorsam lehren, sondern auch, wie man Unsicherheit erlebt und damit umgeht. Unsere Gesellschaft aber erklärt Unsicherheit zu Schwäche.

Kinder brauchen um seelisch zu überleben Liebe, Geborgenheit, Vertrauen und Schutz und sie brauchen das Gefühl in ihrer Individualität wahrgenommen und geachtet zu werden. Die Erwachsenen von heute sind viel zu sehr damit beschäftigt selbst zu funktionieren, als dass ihnen die Zeit für echte Zuwendung bleibt. Der Fernseher ersetzt die Nestwärme, der CD Player das Vorlesen, der Hort, der Kindergarten und die Schule ersetzen die Familie.

Die Peergroup wird zum sozialen Netz aus dem heraus juvenile Sozialisation entsteht. Der Chatroom im Internet wird zum Kommunikationsfeld, indem man sich fremden „Freunden“ mitteilt, weil es echte Nähe nicht mehr gibt, das Internet wird zum Zeitvertreiber und der Sexualunterricht in der Schule ist längst nicht so spannend wie die Sexseiten im Netz, die offen, für alle sichtbar Gewalt und Perversion als Normalität vermitteln.

Die Kinder und Jugendlichen von heute sind Waisenkinder einer Gesellschaft in der moralische Werte hochgehalten, aber nicht gelebt werden. Sogar die Kirche hat sich als Hort der Heuchelei und des Missbrauchs an Schutzbefohlenen geoutet.

Woran sollen sich Kinder und Heranwachsende heute noch halten, wenn es keinen Halt mehr gibt?

Wenn ein Kind fühlt, noch bevor es denken kann, dass das Reden und das Handeln der Erwachsenen nicht übereinstimmen. Jeder Psychologe weiß, dass Doppelbotschaften zu Verunsicherung, zu Verwirrung und Haltlosigkeit führen und dass Dauerstimuli und Reizüberflutung das Gehirn überfordern und Affekte abstumpfen.

Die Haltlosigkeit unserer Kinder ist geboren aus der Janusköpfigkeit unserer Gesellschaft.

Aus Mangel an Halt erwächst Ohnmacht. Ohnmacht auch, weil das gefühlte Erleben der Kinder nicht übereinstimmt mit dem, was ihnen vorgelebt wird. Kinder fühlen sich hilflos ob der überwältigenden Kraft der Erwachsenenwelt. Die Natur der Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen ist die eines Machtkampfes, der verhindern will, dass sich die kindliche Individualität entfaltet und durchsetzt. Das Überleben des Kindes hängt davon ab, dass es sich mit den Eltern arrangiert, ganz gleich wie diese Eltern sind. Die kindliche Identität orientiert sich an der Erwachsenenidentität.

Das Eigene muss verleugnet werden, das Gefühl: „Das ist nicht richtig, nicht wahrhaftig“ wird unterdrückt. Die so beschränkte Erlebniswelt unserer Kinder verdrängt die Bedürfnisse nach Wärme und verleugnet die Entfaltung eines eigenen Selbst. Menschen, die keine eigene Identität haben sind beziehungslose Menschen die kein Mitgefühl für andere entwickeln, weil ihnen das Gefühl für sich selbst aberzogen wurde.

Was wir selbst nicht fühlen, können wir beim anderen nicht mitfühlen. Wenn der Mensch keine Anerkennung für die eigene Identität erfährt, verliert er seine Würde und damit seine Menschlichkeit. Die Entweihung des Inneren führt zu Hass auf andere. Der Schmerz darüber wird zur potentiellen Quelle eines inneren Terrors. Der Terror führt in eine überwältigende Hilflosigkeit und schließlich zu unterdrückter Wut, die sich Ausdruck sucht.

Menschenverachtung und Empathielosigkeit sind die Blumen des Bösen unserer Zivilisation.

Darin liegt die Ursache, dass immer mehr Kinder zu Tätern werden. Drogenabhängigkeit, Komasaufen, Sexual – und Gewaltdelikte unter Kindern und Jugendlichen steigen. Das Böse breitet sich unter den Kindern aus. Es ist ein ansteckender Virus, deren Überträger unsere Zivilisation ist.

Die „bösen“ Kinder sind, bevor sie zu Tätern werden, nicht böse. Sie sind Opfer einer empathielosen Täterschaft. Sie sind Opfer, die ob der Nichtachtung ihres Seins, Andere bestrafen, für den Schmerz, den sie fühlen und nicht fühlen dürfen.

Und jetzt sperren wir sie ein, die kleinen Verbrecher - in seelenlose Heime und lieblose Jugendgefängnisse - damit sie erst mal weg sind aus den Augen einer Gesellschaft, die mit Blindheit für ihr eigenes Verbrechen geschlagen ist.

Ich bin mir fast sicher, sie werden zurückschlagen, sobald man sie wieder frei lässt.

 

Angelika Wende

Vita & mehr

  • Freie Journalistin und Autorin
  • Sprecherin, Moderatorin, Schauspielerin
  • Dreizehn Jahre Fernseherfahrung als Moderatorin und Nachrichtensprecherin beim Sender PRO 7 in München und im Zweiten Deutschen Fernsehen
  • OFF- Sprecherin für ZDF, Arte und Phönix
  • Freie Mitarbeiterin der Allgemeinen Zeitung Mainz
  • Presse-und Öffentlichkeitsarbeit für die Eventagentur oncue, Mainz
  • Kreation, Umsetzung und Saloniere des "Silbernen Salon"
  • Kreation, Umsetzung und Moderatorin des Kultur Salons Mainz mit dem Produzenten oncue event & communication
  • Inhaberin der Agentur workingforart
  • Kuratorin für das Kulturamt der Stadt Mainz:
  • "Leben ist Form - die Bildhauerin Irmgard Biernath"
  • Kuratorin des Kunstvereins Eisenturm in Kooperation mit dem Kulturamt Mainz: "Generationen"
  • Laudatorin für den Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Rheinland-Pfalz
  • Freie Tätigkeit als Laudatorin in öffentlichen Institutionen und Galerien in Mainz, Wiesbaden, Berlin, Leipzig, Ludwigshafen, Kaiserslautern 

angelikawende@remove-this.aol.com

www.angelikawende.com

mehr

29.06.2012 Thomas Zander zeigt 50 Alltagsfotografien von Andy Warhol

Liane Bednarz

Im Mai 1979 trafen sich in der Düsseldorfer Galerie Denise René/Hans Mayer Andy Warhol und Joseph Beuys, der Mann mit dem Filzhut. Vieles trennte sie, doch die einfache Feststellung, dass in jedem Menschen ein Künstler stecke oder eben jeder Mensch das Recht habe, für fünfzehn Minuten ein Star zu sein, hatte eine Stahlkraft, die bis ins Facebook-Zeitalter nachwirkt.

Sie werden unweigerlich zu Paten von rund einer Milliarden Menschen, die allerdings davon zumeist keinen Schimmer haben. Das hätte Warhol und Beuys sicher amüsiert. Ein Grund mehr, sie wiederzuentdecken. Das Erbe war hier im Rheinland nie ganz tot. Beide waren Säulenheilige, wenn auch mit Patina. Beuys ist längst wieder im Kommen. Jetzt wird das Warhol-Feuer neu entfacht.

New York City am Rheinufer

Galerist Thomas Zander zeigt einen anderen Warhol als den Ikonographen der Pop-Art. Siebdrucke sucht man hier vergeblich. Dafür findet man den Alltagsfotografen. Und knüpft so an Warhols Treffen mit Beuys an. Damals fragte Warhol Beuys spontan, ob er ihn fotografieren dürfe. Und der war einverstanden. Den Spontan-Fotografen Warhol gilt es nun neu zu entdecken. Fünfzig gerahmte Schwarz-Weiß-Fotografien (Silbergelatine) an einer großen weißen Wand. Alle im 8x10-Inch Format.

Nur wenige Schritte vom Ufer des deutschen Schicksalsflusses Rhein entfernt, der selbst schon so viele Geschichten erzählen kann, ist man auf einmal mittendrin im Big Apple der 70er und 80er-Jahre. Die Aufnahmen: ein buntes Sammelsurium von Alltagseindrücken. Tische ohne Essen. Tische mit Essen. Schlafende Menschen. Müllsäcke. Badezimmer. Flohmärkte. Und immer wieder Zeitungsständer, Schuhe und Schaufenster, in denen „Sale“-Schilder hängen. Lomografie? Nein, nur fast. Keine Ansammlung unreflektierter Zufälle könnte so eine Sogwirkung erzeugen.

Warhol, der Alltagsabbilder – mehr als 30 Jahre vor Facebook

50 Bilder, die nur eine Auswahl sind. Warhol hat tausende ähnlicher Aufnahmen gemacht. Ob Warhol heute wohl facebooken würde? Millionen von Facebookern machen ja genau das: haben, wie Warhol, immer die Kamera dabei, oder moderner: ihr Smartphone, und fotografieren Alltägliches. Um es dann in virtueller Geschwindigkeit auf ihrer Facebook-Pinnwand sichtbar zu machen. Zu „posten“. Und Warhol? Der exzentrische Amerikaner liebte die Medien wie alle Amerikaner. Und benutzte alle, die ihm damals zur Verfügung standen.  

Warhol zückte die Kamera nicht nur für den elegant gedeckten Tisch mit dem frisch servierten Essen, sondern richtete seine Linse auch auf die vollkommen abgegraste Tafel. Auf die verschmierten Überreste von Speisen, die dann später in die ebenfalls fotografierten Müllsäcke wanderten. Warhol hatte, so Dagmar Kürschner, Registrarin und Assistentin von Thomas Zander, „einen genauen Blick auf die Dinge des Alltags, aber er hinterfragte sie nicht.

Für ihn war alles gleichwertig.“ So weisen auch die in Köln ausgestellten Fotos keine vom Künstler angelegte Hierarchie auf. Warhol hielt einfach das fest, was ihm relevant erschien. Ein „Zeitgeist-Catcher“ sozusagen. Mit dem man jetzt nach 30-40 Jahren durch ein anderes, ein gewesenes New York spazieren geht. Der Blick streift vorbei an Männern im Park, die Drachen steigen lassen. Vorbei an Mülltonnen, Müllsäcken, Obstständen. Vorbei an Hinweisschildern mit den Aufschriften „Hospital“ oder „Emergency“. Kein Wunder, Warhol war oft kränklich.

Und der Streifzug geht weiter. Hin zu Schaufenstern, die zum „Sale“ einladen. Darunter finden sich durchaus kuriose Dinge wie scheußliche Topflappen im Tierdesign. Oder auch als Schnäppchen dekorierte edle Loafer. Aus Warhols Werbegraphikerzeit stammt seine Faszination für Schuhe, er zeichnete unzählige davon. Das Titelbild der Ausstellung in Köln ist ein Foto mit ausgetretenen Cowboystiefeln. Insignien des US-amerikanischen Alltags-Lifestyles. Und auch ein schon leicht abgewetzter Teppich im typischen 70er-Jahre-Muster hatte es Warhol angetan.

„Photographs and Screen Tests“

Thomas Zander kommt der Verdienst zu, dass man nun diese Alltagsfotographien in so großer Anzahl anschauen kann. Vereinzelt waren sie zwar bereits andernorts zu sehen. Zuletzt etwa im Frühjahr 2012 in der Ausstellung „Warhol: Headlines“ im Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Ergänzt wird die Kölner Ausstellung um eine Auswahl der legendären Screen Tests.

Dreiminütige Filmaufnahmen, die Warhol in der Factory von mehr oder minder berühmten oder noch berühmt werden sollenden Freunden anfertigte. Drei Minuten, in denen die Gefilmten auf sich allein gestellt waren, Monologe hielten, bisweilen Unsicherheiten zeigten. Und damit Warhols Neugier für den Moment befriedigten. Zu Facebook kommt also auch noch ein bisschen Youtube hinzu. Gibt es aktuellere Argumente, nach Köln zu fahren? Warhol anzuschauen? Und anschließend zu facebooken, wie es gefallen hat?

Dr. Liane Bednarz

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."

 

Galerie Thomas Zander

„Andy Warhol – Photographs and Screen Tests“

30. Juni – 2. September 2012

Schönhauser Str. 8, 50968 Köln

www.galeriezander.com

mehr

19.06.2012 Unmensch, Machtphantast, Narziss. Ein Ausbeuter

Liane Bednarz - 3 Bilder

Ex-Bankdirektor John Gabriel Borkman: Unmensch, Machtphantast, Narziss. Ein Ausbeuter, der tief gefallen ist. Grund genug für Armin Petras, ihn in seiner Inszenierung in den Münchner Kammerspielen kurzer Hand unter Tage zu verfrachten. Das grandiose Bühnenbild Olaf Altmanns zeigt das Wohnhaus der Borkmans als Bergwerkstollengewirr.

Im architektonischen Zickzackkurs von oben nach unten. Nur zwei kleine Kammern lassen Bewegungsfreiheit. Die Beklemmung ist spürbar. Ja, sogar aggressiv machend. Zwischen den Szenen wirbeln Unmengen von Papier umher. Geschäftsunterlagen, Kinderzeichnungen – Dokumente eines unterirdischen Lebens.

Innenansichten eines Gefühls

John Gabriel Borkman: „The play to play” in Zeiten der Finanzkrise. Auch wenn Petras Parallelen erfreulicherweise vermeidet. Borkman (André Jung) wollte alles: „es ging darum, alles was dieses Land hervorbringt, alle Quellen der Macht, alle Ressourcen in meine Hände zu bekommen“. Das dafür fehlende Geld nahm er sich und stürzte damit andere in den Ruin. Mit Folgen: fünf Jahre Gefängnis wegen Untreue.

Aber Ausbeuter sind hier auch andere. Allen voran Borkmans Frau Gunhild (Cristin König), in München eine in die Jahre gekommene Blondine, verzweifelt bemüht, einen Rest verlorener Grandezza durch Frisur und Make-Up aufrechtzuerhalten.

Und voller Hass auf „den Bankdirektor“, wie sie ihn nennt, den Zerstörer der Familienehre, den sie nach dessen Freilassung für weitere acht Jahre in die obere Kammer des Stollens verfrachtete. Und dort nie wieder aufsuchte. Verachtung und Nichtbeachtung. Die emotionale Höchststrafe des wütenden Weibes, das seither die untere Kammer im Stollen bewohnt.

Gunhilds Hoffnung ruht allein auf dem gemeinsamen Sohn Erhart, der sie aus ihren seelischen Höllenqualen erlösen und die Familienehre durch eine glanzvolle Karriere wiederherstellen soll.

Zwei „Mütter“, ein Sohn, ein Machtkampf

Gunhilds farblose Existenz im Stollen erfährt eine plötzliche Wendung, als ihre feurig-dominante rothaarige Schwester Ella Rentheim – überzeugend verkörpert von Wiebke Puls - nach acht Jahren Funkstille auftaucht und sich holen will, was ihr aus ihrer Sicht zusteht: Erhart, den sie einst an Stelle der überforderten Gunhild aufzog.

Der Besuch der Schwester, der als neckisches, spielerisches Wiedersehen beginnt, wird zum hasserfüllten „Mütter“-Konkurrenzkampf um Erhart. Denn Ella ist sterbenskrank, was sie nicht müde wird zu betonen. Ihre restlichen Tage soll nun ausgerechnet Erhart versüßen.


Eiskalter Narziss

Borkman, der Titelheld – herausragend verkörpert von André Jung –– zeigt im Stollen all seinen eiskalten Narzissmus. Sein ungebrochener Größenwahn blitzt schon beim anfänglichen Besuch des naiven und trotteligen Hilfsschreibers Foldal auf. Borkman prahlt, gibt an und macht sich die Haare schön. Mit Creme – Pomade gibt’s in seinem Stollenkabuff offenbar nicht. Nur die Blässe und das Elend im Gesicht wollen einfach nicht dazu passen. Eine tragische Parodie fast. Später weicht der anfänglich getragene alte Anzug einem Stresemann. Borkman faselt – geradezu berauscht von den eigenen Allmachtsphantasien.


Das Riesenbaby rastet aus

Die fleischgewordene Antithese: Sohn Erhart (Lasse Myhr). Petras zeigt ihn – klischeehaft überrissen - als abgerockten und angeschickerten Verbindungsstudenten mit schlechtsitzendem, dreckigen Anzug, eine Magnumflasche Schampus im Arm. Darunter aber brodelt ein Vulkan, eine Magmakammer jahrelang angestauter Wut des Jungen und des Mannes, der von beiden „Müttern“ emotional ausgebeutet wurde. Und die stehen jetzt vor ihm und fordern eine Entscheidung. Sie oder ich. Ich oder sie. Die Explosion ist unvermeidbar. Erhart schreit, er wütet, er brüllt wirre Monologe ins Publikum – und bleibt dabei doch unbeholfen wie ein Kind. Lasse Myhr macht das sehenswert.

Vor allem aber will Erhart einmal so richtig „provokant“ sein! Tja, was kann das wohl im gescholtenen deutschen Regietheater heißen? Klar, Ausziehen! Ausziehen! Ausziehen! Natürlich. Endlich nackt, greift sich Erhart sofort an sein bestes Stück und wedelt damit fröhlich herum, als gäb’s kein morgen. Als Borkman später seinen Oberkörper freimacht, schaut er ins Publikum und gibt Entwarnung: „keine Angst“. Das sorgt für Gelächter. Für Petras ist Nacktheit eben auch Ironie. Dass Erhart sich schließlich noch in ein viel zu enges Superman-Kostüm quälen muss – gut, sei es halt verziehen.

Ironie des Schicksals: Flucht mit der Großmutter

Ironie des Schicksals: Die Flucht aus den emotionalen Klauen von Mutter und Tante wagt Erhart erst mit der älteren Geliebten Fanny Wilton. Schon der Altersunterschied von sieben Jahren, den Ibsen im Originaltext vorgibt, lässt aufhorchen. Die Geliebte als Mutter Nr. 3? Petras jedenfalls überzeichnet diese Assoziation großartig: seine Fanny Wilton ist mindestens über 60, eine ältliche, angesäuselte und indifferent wirkende Diva im blauen Abendkleid. Die Gummistiefel unter ihrem Kleid entlarven ihre Verkleidung. Erhart jedoch sieht in Fanny sein Glück. Da lassen „Harold und Maude“ grüßen.

Mit im Schlepptau haben die beiden Foldals Tochter Frida (Hanna Plaß), optisch ein „Mädchen“ – fast wie Lucilectric! Sie beglückte das Publikum zuvor mit Songs von Rio Reiser und den Ton Steine Scherben. Selbst begleitet am Klavier, vorgetragen mit schriller Stimme - eine Hommage Petras an die gemeinsame Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Sänger.

Dann kommt der Tod. Auch „Borkman“ ist am Ende nur ein „Jedermann“. Und dann fällt der Vorhang. Ein Theater-Erlebnis: weil es vielleicht unser Leben ist.

Dr. Liane Bednarz

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."

 

mehr

19.06.2012 Die Vereinigten Staaten von Europa ???

Heinz Sauren

Die Wahl der Griechen offenbart die bigotte Haltung der Entscheidungsträger der Politik- und Finanzwelt. Lange haben sie uns in dem Glauben gelassen, dass ihr gewünschtes Ergebnis das jetzige Wahlergebnis wäre. Doch als es nun wieder erwarten eintrat, geschah merkwürdiges.

Der Kapitalmarkt beruhigte sich nicht, sondern straft das Ergebnis durch höhere Zinsen ab und auch die Politik nahm das Heft nicht auf, sondern überschlägt sich mit Relativierungen und Warnungen, dem Ergebnis nicht zuviel Gewicht bei zu messen. Offensichtlich sind die Herrschaften von dem Ergebnis enttäuscht.

Man hatte wohl den Plan B schon zum Masterplan erklärt und wollte den Zusammenbruch Griechenlands als Brandbeschleuniger einer allgemeinen Verarmungsphobie nutzen um das neue Ziel möglichst Wiederstandsfrei anzugehen. Die Vereinigten Staaten von Europa, die nicht der Wunsch der europäischen Völker sind, sondern die konsequente Umsetzung der wirtschaftlichen Wünsche mit politischen Mitteln.

Nun wird es schwieriger. Die USE bedeuten zuerst die Herstellung eines gemeinsamen Levels, ein Level der sich nur findet, wenn man sich auf den kleinsten Gemeinsamen Nenner verständigt, welcher für den Großteil der europäischen Bevölkerungen eine massive Herabstufung der sozialen Standards und freiheitlichen Rechte bedeuten wird.

Nur noch mal zur Anmerkung:

Es ist noch nicht so lange her, da haben Merkel-Steinbrück-Müntefering und Steinmeier, Spanien als Musterbeispiel der Staatsökonomie gelobt. Heute dürfen wir erkennen was so lobenswert war, das es uns als leuchtendes Beispiel vor Augen geführt wurde.

Mich beschleicht der Gedanke das diese Herrschaften tatsächlich nicht einmal rudimentäre Kenntnisse zu dem haben, was sie so verbreiten und es ist offensichtlich, dass sie auch weiter im Tal der Ahnungslosen wandeln.

Nachtrag 29. Juni 2012 zum ESM

Natürlich bedarf das einer genaueren juristischen Prüfung, aber wenn mich nicht alles täuscht hat Deutschland soeben einen Teil seiner staatlichen Souveränität aufgegeben. Auch Frau Merkel und ihre Berater wissen das, ebenso wie sie wissen, dass das nur aus einem zwingenden, die Bundesrepublik in ihrem Bestand akut gefährdenden Grund möglich ist. Nach internationalen diplomatischen Gepflogenheiten ist das so etwas wie eine Teilkapitulation nach einem kriegerischen Akt.

Es wäre doch angebracht, wenn die Dame mal öffentlich den benennt, der begonnen hat, gegen unser Grundgesetz Krieg zu führen und dabei auch noch siegte

mehr

08.06.2012 Von Calixto Bieito ist man Krawall gewöhnt

Liane Bednarz - 3 Bilder

Schreie, Nackte, Bomben. Von Calixto Bieito ist man Krawall gewöhnt. Ihn erwartet das Publikum. Und bekommt ihn in Bieitos Münchner Inszenierung „Kirschgarten“- im Residenztheater zu sehen. Wenn auch etwas zahmer als erwartet.

Sein Kollege Thomas Dannemann setzt in seiner Inszenierung von Tschechows „Drei Schwestern“ im Volkstheater ebenfalls partiell auf laute und schrille Töne. Gleich zweimal gibt es also aktuell Tschechow-Neuinszenierungen in München zu sehen. Die Spätwerke des Meisters der subtilen Psychologie.

Zufall? Zeitphänomen? In beiden geht es um zerplatzte Träume und den Untergang einer alten Zeit. Um emotionale Abgründe sowieso. Und somit ganz generell um die Frage:

Desillusion oder Neuanfang? Der späte Tschechow ist sicher auch deshalb derzeit ganz besonders en vogue. Nicht nur in der bayerischen Metropole, sondern im ganzen Lande. „Der Kirschgarten“ etwa ist auch in Berlin (Deutsches Theater, Berliner Ensemble) und Hamburg (Thalia Theater) zu sehen.

Die beiden Spätwerke Tschechows sind fast schon Antipoden. Im „Kirschgarten“ (uraufgeführt 1904) endet der dekadente, aber längst schuldenfinanzierte Lifestyle der Gutsbesitzerin Ranjewskaja (Sophie von Kessel) und ihrer Entourage mit der Zwangsversteigerung des Kirschgartens.

Und die wird zum Neuanfang. Raus aus dem Kirschgarten, raus aus den Schulden, raus aus der Provinz. Die „Drei Schwestern“ (uraufgeführt 1901) - und nicht nur sie - sind hingegen am Schluss desillusioniert, früh ermüdet und ermattet. Vom grauen Leben. Und von der Liebe, die zur Langeweile und zum Betrug wurde. Was bleibt ist die Tristesse der russischen Provinz.

Inszenierungsparallelen – Robbie Williams lässt grüßen

Es gibt überraschende Inszenierungsparallelen, die nicht auf Tschechow zurückzuführen sind. Tschechow wird in München ohne Pause gespielt, man bleibt ganz im Bann der seelischen Abgründe der Protagonisten. Und der Quotennackte ist an beiden Spielorten eine nackte männliche Kehrseite. Robbie Williams lässt grüßen.

Aber welcher Gewinn versteckt sich hinterm „mooning“? Nein, auf diesen UK-Import könnte man getrost verzichten. Auch setzen beide Häuser auf spärliche Kulissen.

Das Gutshaus im „Kirschgarten“ ist eine heruntergekommene weiße Fassade, die die Bühne einrahmt und nach und nach zusammenbricht (Bühnenbild: Rebecca Ringst). Und als Haus der „Drei Schwestern“ dient eine zusammengezimmerte Holzlaube. Statt Fenstern gibt es Plastikfolie (Bühne: Stefan Hageneier).

Das eigentlich Verbindende der beiden Inszenierungen ist der schrille, krawallige Touch, wenn auch bei Bieito viel ausgeprägter. Tschechow in München anno 2012 heißt Geschrei und Hysterie, heißt Prolls und zickig-kapriziöse Frauen.

Heißt ein Schuss zu viel Klamauk. Schadet all das den feinen psychologisierenden Spielanordnungen Tschechows? Im Detail, ja, vielleicht. Aber insgesamt erstaunlicherweise kaum. Auch mit Krawall und lauten Tönen kann man sich Tschechow nähern.

Krawallige Dekadenz im Residenztheater

Im Residenztheater wird Lopachin (Guntram Brattia), Sohn ehemaliger Leibeigener und späterer Ersteigerer des Kirschgartens, als prolliger Emporkömmling in geschmackloser Kleidung gezeigt. Aber auch als Realist, der sich der realitätsfernen Dekadenz seiner Mitakteure entgegenstellt. Sophie von Kessels Ranjewskaja schwebt aus Paris ein und bleibt in Habitus und Optik dort: eine mondäne blonde und hochgewachsene Schönheit:

Die schlürft dann Champagner und feiert eine wilde Party mit heißen Latino-Rhythmen. Charakterlich aber bleibt sie fragil und kapriziös, himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Diese Zerrissenheit hat bei Bieito leider keine Konstanz. Dazu ist Kessels Ranjewskaja oft zu entrückt, zu überdreht.

Passend hingegen die Überzeichnung Warjas, der Pflegetochter von Ranjewskaja (Friederike Ott): Sie ist eine überspannte verkniffene alte Jungfer, fast klischeemäßig mit biederem Rock, biederer Flechtfrisur, noch biederer heller Hornbrille und biederem hellblauem Kittel.

Ihre Kontrollsucht und hysterischen Ausfälle machen sie mitunter zur Keifzange, heben sie aber auch wohltuend von der recht facettenlosen leiblichen Tochter Ranjewskajas, Anja (Marie Reiser), ab. Ja und der Onkel Gajew (Manfred Zapatka) – das ist der liebe, als solcher aber auch oft nervende gemütliche Gutmeiner: einer, der die Realität ebenfalls fröhlich verdrängt.

Auch wenn es an der Vielschichtigkeit der Charaktere bisweilen mangelt, es entsteht in ihrem Zusammenspiel ein Mehr. Man schreit, man keift und kreischt im Chor. Man randaliert, man besäuft sich und tanzt wild Salsa. Man knutscht, heult und zerstört die spärliche Kulisse.

Das ist keine subtile Psychologie. Das ist Krawall. Aber trotzdem trifft es Tschechow, wenn auch mit Makeln. Denn die ganze Exaltiertheit zeigt die brüchige Fassade der Figuren, die naive Verdrängung des finanziellen Desasters. Und wie sehr die ganze Party auf Sand, vulgo Schulden aufgebaut war.

So gesehen passt die Inszenierung gut in unsere Zeit. Passend dazu verteilt Lopochin, der Proll und kühle Rechner am Ende Sekt –nicht Schampus – aus der Discountertüte und in Plastikbechern an die Zuschauer in den ersten Reihen. Au revoir, décadence.

Geballte Desillusion am Volkstheater

Auch im Volkstheater geht es durchaus laut und schrill zu. Aber hier regiert keine Überdrehtheit, sondern wachsende Tristesse, die sich immer mehr in Wutausbrüchen entlädt. Sind die Schwestern am Anfang noch mit schriller, teilweise nuttig anmutender Kleidung (Mascha (Xenia Tiling)) sowie Perücken aufgebrezelt, voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft, sind sie nach vier Akten immer farbloser.

Die Kleidung wird biederer – Maschas schwarze Latexleggins weichen einem blauen Kleid im Laura-Ashley-Stil. Die Perücken verschwinden und bringen lieblose Frisuren zum Vorschein.

Und die Konflikte werden größer. Die Enttäuschungen auch, allen voran die eheliche Desillusionierung. Der zickige Feger Natalja, den der fast schon zu dürre und überdrehte Bruder der drei Schwestern, Andrej (Oliver Möller), übereilt heiratet, wird von Kristina Pauls der Rolle entsprechend recht einförmig dargestellt.

Die Vergötterung ihrer Babys, die Indifferenz gegenüber dem eigenen Ehemann und das schamlose Fremdgehen mit dessen Vorgesetzten sind durchaus überzeugend gespielt. Ebenso das subtile Herausekeln der Schwestern aus dem gemeinsamen Haus.

Das spielerische Highlight aber bilden wie zu erwarten die drei Schwestern. Xenia Tilling (Mascha), Lenja Schultze (Irina) und Mara Widmann (Olga) schaffen es im Verlauf des Stücks, immer noch einen Tick fertiger und müder zu erscheinen. Mascha – als einzige der drei verheiratet – ist in jedem Moment anzusehen, wie sie zunehmend gelangweilt und genervt von ihrem – nennen wir es mal modern:

„Nerd-Ehemann“ ist, seines Zeichen Lateinlehrer und – dazu passend – Nylonrucksackträger. Kurzfristige Lebendigkeit verschafft ihr nur die kurze Affäre mit dem Brigadegeneral Werschinin – grandios verkörpert von Jean-Luc Bubert, der mit seinen wilden Gesangseinlagen und seiner lässigen maskulinen Ausstrahlung Pep in die Bude bringt. Herausragend ist auch Lenja Schultze als Irina.

Sie, für die zunächst die Hoffnung auf eine sinnstiftende Arbeit, vor allem aber auf einen Umzug ins hymnisch angerufene Moskau stets Ausweg, stets Lebenselixier war, verblasst in Optik, Gestik und Mimik immer mehr, wird immer verbitterter. Am Ende steht für sie die Erkenntnis, dass sie, die drei Schwestern ebenso wie die Zeit vergehen und vergessen werden.

Ja doch, so viel Nihilismus und Resignation rufen fast schon Trotz hervor. Und auch das wäre nicht ganz unpassend in unserer Zeit. Tschechow anno 2012 in München ist also in jedem Fall ein Gewinn.

 

Von Dr. Liane Bednarz

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."

Bild 1 - v.l. Sophie von Kessel (Ljubow Andrejewna Ranewskaja), Katrin Röver (Dunjascha), Gerhard Peilstein (Boris Borissowitsch Simenow-Pischtschik), Guntram Brattia (Jermolaj Alexejewitsch Lopachin), Franz Pätzold (Jascha), Marie Seiser (Anja), Friederike Ott (Warja) 

Copyright: Matthias Horn

Bild 2 - Xenia Tiling, Mara Widmann, Lenja Schultze

Fotograf: Copyright by Arno Declair

Der Kirschgarten

http://www.residenztheater.de/spielplan/

 

 

mehr

26.05.2012 Mit Vorsorge meinte ich nicht, eine Hungersnot

Heinz Sauren

Unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Tatsachen, muss ich davon ausgehen, dass unsere Bundesregierung einen Plan B, für den Fall des Zusammenbruchs des Euro hat. Einen Plan der für die meisten von uns Existenz bedrohende Einschnitte vorsieht und nur deshalb nicht publik wird, da die Offenbarung einem politischen Selbstmord gleich kommt.

Er wird erst publik gemacht werden, wenn die Situation so dramatisch ist, dass dieser Plan dann das geringere Übel ist. Wir werden es bald sehen. Ich empfehle jedem dringend, für sich selbst Vorsorge zu betreiben und sich nicht auf die beruhigenden Worte der Politik zu verlassen.

Wenn es zu einer Währung bedingten Systemkrise kommt, bedeutet das nicht das Verbindlichkeiten oder Forderungen aus Vertrags- oder Schuldverhältnissen sich auflösen. Im Gegenteil, der daraus entstehende Druck sowie Konsequenz wird wesentlich stärker, da auch die Gläubiger ihr Kapital sofort haben oder wiederhaben wollen.

Alles was als Schuld oder Pflicht gegenüber einem anderen ausgelegt werden kann, wird problematisch. Der Staat wird versuchen das System zu stabilisieren und damit denen die etwas fordern können wesentlich mehr Rechte zugestehen um einen Kapitalfluss auch ohne Produktivität zu gewährleisten. In der Vergangenheit bedeutete das in anderen Ländern oft Gefängnis für auch schon geringe Verbindlichkeiten.

Beispiele konnten wir bereits im Laufe der letzten Jahre in den USA sehen. Viele verloren ihr Haus oder ihr Auto, obwohl sie die Raten weiter hätten zahlen können.

Die Banken nahmen ihr Geld nicht mehr, da sie die Bonität neu einstuften (scouring) und antworteten mit sofortiger Rückforderung der Gesamtsumme, Zwangsvollstreckung und Strafanzeigen ( eine nicht bezahlte Rechnung, rechtfertigt immer den Anfangsverdacht des Betruges - auch in Deutschland -. Die Deutsche Bank war ein Vorreiter und kam mit dieser Nummer durch.

Es macht keinen Sinn mehr das Finanzsystem zu kritisieren. Es sind nur Heldenlieder oder Schmäh-Gesänge auf einen Toten. Wie ein Huhn rennt dieser Toter auch trotz abgeschlagenem Kopf, noch ein wenig weiter. Es ist nun an der Zeit sich den Fragen des "danach" zu stellen, sonst kann aus dem Toten schnell eine Hydra werden, deren Kopf nach wächst.

Während die meisten noch staunend das Sterben des Mollochs bewundern, sind die Profiteure nicht untätig geblieben. Sie beginnen schon heute ihr Modell für das danach zu präsentieren. Es bleibt nur noch wenig Zeit, dann werden sie ihre bestimmende Stellung auch für die Zukunft gesichert haben.

Wir sind dann auf ihre große Lüge herein gefallen und erwarten noch immer den Crash, der aber schon 2008 war und werden eine historische Chance verpasst haben. Schuld daran tragen nicht die Profiteure, sondern die denkfaulen Durchschnittsbürger, die durch ihre naive Passivität die Ketten ihrer Knechtschaft neu schmieden.

Die breite Masse fördert eine bemerkenswerte Naivität zu Tage. Langsam dämmert ihr, dass mit diesem Finanzsystem etwas nicht stimmt und einige Fehler werden ihr offenbar. Der Räuber ist erkannt. Doch anstatt selbst das Heft in die Hand zu nehmen, zeigen sie nun mit dem Finger auf den bösen Räuber, der in ihrer infantilen Logik nun als solcher erkannt, natürlich sofort aufgibt.

Sie Schulmeistern den bösen Buben, als ob dieser nicht viel besser um die Fehler des Systems wüsste. Während sie nun in ihrer Naivität die demütige Reue des so gemaßregelten erwarten, besinnt sich dieser seiner Stärken.

Seit Beginn der Krise wird von den Eliten der Finanz- und Wirtschaftswelt eine Heerschar von Politologen, Ökonomen, Soziologen und Medienberater bezahlt, die nur eine Aufgabe haben. Die Situation zu verschleiern und die Profite in eine neue Zukunft zu retten.

Es ist ihnen egal, ob es im nachhinein als unfair oder amoralisch gesehen wird, sie schaffen Fakten und der Narr auf der Straße will ihnen Glauben, weil sie ihm Angst machten, das sein Mallorca Urlaub oder sein Mittelklasse-Kombi sonst in Gefahr ist. Wir opfern die Chance auf eine gerechtere Zukunft den Erfolgsdevotionalien einer feigen Spießergesellschaft.

E-mail: HeinzSauren@gmail.com

www.facebook.com/Gedankenmomente

mehr

26.04.2012 Die Antwort: eine erstaunliche Solidaritätswelle

Liane Bednarz - für Freunde der Künste

Mit Spannung erwartet: Christian Kracht liest „Imperium“ im Literaturhaus München. Ein Abenteuerbuch für Erwachsene. Und ein echter Aufreger: Denn dem Autor wurde im Spiegel vorgeworfen, mit seinem bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Roman „rechtes“ Gedankengut zu verbreiten.

Die Antwort: eine erstaunliche Solidaritätswelle renommierter Schriftsteller und des versammelten deutschsprachigen Feuilletons. Und Ausgangspunkt eines ausgewachsenen Literaturstreits, wie ihn die Republik seit Christa Wolfs „Was bleibt“ lange nicht mehr so ausführlich zelebriert hat. Aber trotz der zahlreichen Fürsprecher hatte Kracht „bedrückt“ die angekündigte Buchpremiere im Deutschen Theater Berlin abgesagt.

Dann las er in Zürich. Kracht ist Schweizer. Also sicheres Terrain. Würde er sich nun über München ans zuvor verschmähte Berlin herantasten? Und vor allem: wie spannend kann es werden? Passionierte Leser lieben Lesungen. Hier kann man den Autor leibhaftig erleben, ihm zuhören.

Also Potenzial für ein sinnliches Vergnügen. Eine wachsende Hörbuchgemeinde spricht dafür. Also Hörbuch live. Bei Kracht aber ist das so eine Sache. Jürg Altwegg schrieb unlängst für die FAZ über die Zürich-Lesung des Erfinders der Popliteratur: „Kracht las mit leicht heiserer Stimme, etwas mehr als eine Stunde lang. Es war ihm offensichtlich nicht sehr wohl in seiner Haut.

Minutenlang streichelte seine Hand die Tischplatte. Kaum je modulierte er seinen Ton.“ Nein, das klingt nicht vielversprechend, hielt aber offenbar die Münchner Literaturfreunde nicht davon ab, für ein ausverkauftes Haus zu sorgen. Welche Passagen wird Kracht aus seinem neuen Roman lesen?

Was sagt er zu den Vorwürfen des Spiegels? Erscheint er so dandyhaft wie auf den seltsam inszeniert wirkenden wenigen autorisierten Fotografien? Fragen über Fragen. Nervös, Herr Kracht? Rauchen auf der Bühne wie zuletzt in Zürich wird für den Romancier jedenfalls keine Option sein; in Bayern gilt auch für Kracht striktes Rauchverbot.

Christian Kracht Superstar. Gepflegtes Mysterium, Ästhet, aber auch enfant terrible der zeitgenössischen deutschen Literatur, der er mit seinem Bestseller-Debütroman „Faserland“ vor fast zwei Jahrzehnten ein neues Genre spendierte. Der Opener der Popliteratur führt nach Sylt und dann quer durch die Republik. High Society.

Der Nachfolgeroman „1979“ begibt sich in die mondäne Oberschicht im vorrevolutionären Iran und endet im Straflager in der Wüste Lop Nor. Sein neuer Roman „Imperium“ spielt in den deutschen Südseekolonien. Darunter macht es Kracht nicht mehr. Das brandenburgische Zehdenick („Deutschboden“ von Moritz von Uslar) und der Harz („Deutscher Sohn“ von Ingo Niermann und Alexander Wallasch) sind seine Sache nicht.

Kracht also kam, sah und – um es vorweg zu nehmen –  siegte! Der Wahlargentinier – oder Florentiner, Berliner oder doch Afrikaner, wie er unlängst Denis Scheck ins Mikro flüsterte? – begeisterte seine Zuschauer, wie der Applaus nach einer Stunde zwanzig unzweifelhaft klärte. Die Ouvertüre gab Christopher Schmidt von der Süddeutschen Zeitung.

Und der machte keinen Hehl aus seiner Begeisterung für den Roman. Der Feuilletonist bot als Aperitif eine leidenschaftliche Analyse und wischte die im Spiegel erhobenen Vorwürfe kurzer Hand vom Tisch. Der Weg für Krachts Lesung war also freigeräumt.

Schmidt erklärte nochmals die Vielschichtigkeit des Romans. Für ihn eine Reise in die verdrängte deutsche Kolonialgeschichte. Krachts Protagonisten Engelhardt – Nudist und die Kokosnuss verehrender Sinnsucher – gab es übrigens wirklich. Der spleenige Deutsche war zu Beginn des 20 Jahrhunderts nach Herbertshöhe ausgewandert.

"Herbertshöhe" – das klingt nach Eckkneipe unter Palmen. Nach Schrankwand im Gelsenkirchener Barock vor Fototapete mit Palmen am türkisblauen Meer. Aber der Ort ist so verbürgt wie die Person Engelhardt. Nicht im Harz oder im Weserbergland, sondern da, wo bis heute die Sehnsucht ein Zuhause hat: in der Südsee. Dennoch ist „Imperium“ keine Chronik dortiger Ereignisse.

Und keine Biographie über Engelhardt. Oder jedenfalls nicht nur. Denn Engelhardts Leben und die Erzählung sind – wie Schmidt unter Hinweis auf die zahlreichen Fehldatierungen überzeugend illustrierte – eben nur fast identisch.

Und die Unterschiede beider gerade so groß, um das Vertrauen des Lesers in den dokumentarisch anmutenden Charakter des Romans zu erschüttern. Weshalb Schmidt die merkwürdige „Verschiebung“ von Herbertshöhe als Schlüssel für das literarische Verfahren des Romans sieht.

Verschiebung? Ja, Verschiebung. Herbertshöhe wird im Roman – nachdem der Hafen mehr und mehr versandete – Stück für Stück abgetragen und nicht einmal 20 Kilometer strandaufwärts wieder aufgebaut. In fast, aber eben nur fast identischer Anordnung der Gebäude.

In der Realität hat es die Verschiebung von Herbertshöhe nie gegeben. Sie entspringt der Fantasie Krachts, ist konstruiert. Schmidt mahnt deshalb „höchste Vorsicht“ vor dem Erzähler als Chronisten an. Mal übernehme er die großdeutsche Sprache der Kolonialisten, dann wieder distanziere er sich deutlich vom Geschehen, zeige Ekel vor Totschlag und Kannibalismus.

Kracht geht es Schmidt zufolge in „Imperium“ um die „unhintergehbare Realität des 20. Jahrhunderts“, den stellvertretenden Schritt Engelhardts aus der Zivilisation in die „exquisiteste Barbarei“. Herbertshöhe und Kabakon als „Brennglas“ der „blutigsten Epoche“ in der Geschichte.

Als „Untergang im Mikrokosmus der Südsee“. Inmitten von lauter „absonderlichen Blüten der Blumen des Bösen.“ Mit „Menschheitsutopien, die den Kern der Vernichtung in sich tragen“.

Und warum dann keine Chronik? Warum die Verschiebungen? Weil Geschichtsschreibung immer auch Interpretation sei. Und weil deshalb die Echtheit der eigenen Position stets reflektiert werden müsse. Eben dies zeige „Imperium“.

So gut vorbereitet kann es dann auch losgehen. Kracht betritt die Bühne. Feinstes Parkett. Spotlight. Ein kleiner viereckiger Tisch. Weißes Tischtuch. Wasserglas. Das Logo des Veranstaltungsortes auf dunkel-rot bestimmt optisch den Hintergrund des Geschehens.

Der Erwartete wie man ihn erwartet: jungenhaft-charmant, fast schüchtern. Er grüßt kurz, setzt sich dann und sagt verlegen, beinahe verdruckst: „Ich beginne dann mal am Anfang und lese ein paar Kapitel“. Selbst aus der Nähe wirkt Kracht jung. Frisch. Ausgeruht.

Ok, ein paar Fältchen im fein geschnittenen Gesicht des 45-Jährigen, aber nicht der Rede wert. Für Modeinteressierte: Beige Hose, hellblaues Hemd, darüber ein grauer Pullover mit V-Ausschnitt, klassisch – halbhohe Wildlederschuhe, dunkelblauer Kurzmantel wie in Zürich.

Kein Problem, Batman trägt ja auch immer dasselbe. Jetzt fehlt nur noch der Joker. Aber halt, der war ja schon. Nur dass er ungeschminkt und als Freund kam: Christopher Schmidt.

Krachts erster Satz ist auch der erste Satz seines Romans „Imperium“: „Unter den langen weißen Wolken, unter der prächtigen Sonne unter dem hellen Firmament, da war erst ein langgedehntes Tuten zu hören, dann rief die Schiffsglocke eindringlich zum Mittag, und ein malayischer Boy schritt sanftfüßig und leise über das Oberdeck ab, um jene Passagiere mit behutsamem Schulterdruck aufzuwecken, die gleich nach dem üppigen Frühstück eingeschlafen waren“.

Huch, ist das tatsächlich der Kracht, der in Zürich „kaum je seinen Ton modulierte“? Hier und jetzt macht schon der erste Satz Lust auf mehr. Eine tiefe, sonore, mit Bedacht und Betonung lesende Stimme.

Ziemlich gut also, denn man sieht die Szenerie auf dem Oberdeck regelrecht vor sich, die skurrilen Gestalten, spürt die Atmosphäre an Bord der Prinz Waldemar – so heißt der Dampfer – und schippert mit Kracht durch das erste Kapitel von „Imperium“ gen Herbertshöhe.

Man hört, man lauscht, und man lässt sich entführen mitten hinein ins Abenteuer. Und natürlich treffen wir an Bord Engelhardt, „ein zitterndes, kaum fünfundzwanzig Jahre altes Nervenbündel mit den melancholischen Augen eines Salamanders“, wie Kracht mit ganz fein anklingender Ironie bemerkt.

Um dann durch seine dunkle Hornbrille jene Stelle zu lesen, die den Parabelcharakter des Romans deutlich macht, das von Schmidt beschriebene „Brennglas“ der Ereignisse in Europa: „und wenn dabei manchmal Parallelen zu einem späteren deutschen Romantiker und Vegetarier ins Bewusstsein dringen, der vielleicht lieber bei seiner Staffelei geblieben wäre, so ist dies durchaus beabsichtigt und sinnigerweise, Verzeihung, in nuce auch kohärent.“ 

Hier an Bord ist Engelhardt allerdings zunächst noch ein spinnerter Zeitgenosse. Kurz darauf ist der vorlesende Kracht schon mit seinem Protagonisten in Herbertshöhe angekommen.

„Ich springe jetzt etwas vor, eigentlich eher zurück“, sagt Kracht und beamt dann seinen Engelhardt in einen Zug von Nürnberg nach München. Nicht ungezogen nackig, wie später in der Südsee, sondern noch ganz angezogen.

Wir erfahren beispielsweise mehr über dessen Frisur: „Seine Harre, beiderseits des Antlitzes offen getragen, reichen hinunter bis zum Sternum“ – Kracht unterstreicht dies, indem er mit der linken Hand vom Kopf abwärts den Oberkörper hinabfährt, so als streiche er über eigenes langes Haar. Knappe Gesten. Schön anzuschauen. Lustig.

Der Schmunzelwert ist überhaupt stellenweise sehr hoch. Weiter geht’s nach Memel, wo Engelhardt - inzwischen schon wieder ganz nackt - „hinaus aufs baltische Meer starrt.“ und sich wohl entschließt, „für immer und für alle Zeiten in die Deutschen Überseegebiete im Stillen Ozean zu reisen.“

Krachts Augenkontakt zum Publikum wird häufiger, so als läse er sich in Fahrt: „Wuchsen einst fünf junge Mädchen schlank und schön am Memelstrand. Sing, sing was geschah. Keines den Brautkranz wand. Keines den Brautkranz wand.“

Zum Abschluss liest Kracht noch ein „ganz kurzes Kapitel.“ Wirklich „ganz kurz“. Und dann sieht der Zuhörer Engelhardt „an Kabakons Strande“, an dem er gerade überlegt, „ob seine Uhr nicht etwa langsamer lief“ und daraufhin „in die Zeit hinab“ fiel, und zwar die Zeit seiner Kindheit. Kurz. Knapp.

Schön. Und damit ist die Lesung tatsächlich schon vorbei. Schon? Nein, die Zeit verging nur einfach wie im Flug dank Krachts Münchner Lesequalitäten. Die Zuhörer danken es ihm mit langem Applaus.

Der Autor verbeugt sich formvollendet, geht von der Bühne ab. Ein weiterer imaginärer Vorhang folgt. Wieder Verbeugung. Fragen des Publikums sind allerdings nicht erlaubt. Ok, es kann ja nicht plötzlich alles ganz anders sein. Verstörungen gab es schon genug im Vorfeld.

Gemach sprach der Kaiser. Das gilt auch für die Schlange der Kracht-Fans mit Buch in der Hand, die weit bis zur Tür zum Vorraum reicht. Signierstunde. Thea Dorn ist auch in der Nähe von Kracht. Autorin des Bestsellers „Die deutsche Seele“. Ein Kapitel darin heißt „Freikörperkultur“ und beschreibt die Nudistenwelt der vorletzten Jahrhundertwende, der eben auch Engelhardt angehörte.

Wer beides gelesen hat, genießt einen Mehrwert. So wie zweifellos die Zuhörer an diesem Abend in München, wo sich vor über einem Jahrhundert ein junger Nürnberger Namens August Engelhardt mit dem Wanderprediger Gustaf Nagel im Englischen Garten sonnte.

Und wäre es schon Sommer 2012, sicher auch ein toller Platz für eine Kracht-„Imperium“-Lesung. Solange allerdings bleibt der Salvatorplatz 1 unangefochtene Top-Frühlingsadresse.

Liane Bednarz

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."

Christian Kracht: „Imperium“ (Roman), Kiepenheuer & Witsch, gebunden, Köln 2012, 243 S., € 18,99

mehr

22.04.2012 Kommentar zu den 100 Köpfen

Bruno Kramm

Bevor man sich im Detail mit der propagandistischen Großinquisition des Handelsblattes „Kreative hört die Signale“ und „Mein Kopf gehört mir“ auseinander setzen kann, muss man die Vorgeschichte beleuchten, aus welcher die Initiative zu dieser und noch vielen folgenden Beiträgen hervorging und die Fehlinformationen bewusst in Kauf nehmend, einsetzt.

Das Verlagshaus Gruner + Jahr hat bereits in der brancheninternen Publikation Musikwoche und dem angeschlossenen Mediabiz Portal in der Ausgabe Woche 12 die interne Kampagne „Kreativität schützen, Vielfalt bewahren“ vorgestellt.

Man will mit dieser Kampagne die eigene Medienmacht in denn 500 angeschlossenen Publikationen nutzen und „ratlose und inaktive Politiker .., ihr kritikloses Eintreten für Providerinteressen, … die Meinungshoheit weniger Blogger …“ mit dem „O-Ton der Wut von Urhebern“ auf Kurs der … Kreativindustrie in ihrem Kampf um das Überleben und gegen politische Ignoranz“ bringen.

Gruner und Jahr beweist gerade mit dieser Kampfansage die Nichterfüllung einer grundlegenden journalistischen Neutralität. Mit dem Begriff des „Qualitätsjournalismus“ begründete man in der Vergangenheit die Kampfansage gegen Blogs und Internetjournalismus.

Die inhaltlich deckungsgleichen Kommentare von Sven Regener oder den 51 Tatort Drehbuchautoren weisen in die gleiche Richtung einer falschinformierenden Kampagne gegen die Piratenpartei.

Damit bestärken Verlage nicht nur unser Bestreben gegen die restriktiven Forderungen eines Leistungsschutzrechtes für den Journalismus im Internet, sondern fordern einen besonderen Schutz individueller und freier Publikationen, die nicht unter dem Druck von Verlagsvorgaben entstanden sind.

Der Artikel selbst beginnt mit einem inhaltlich schwach recherchierten Auftakt, dem die besagten 100 Köpfe mit individuellen Statements folgen.
Bereits in der Einleitung wird die Piratenpartei mit schweren Anschuldigungen konfrontiert und ein einziger Teilbereich aus dem Kontext des kompletten Programms isoliert und zum anarchistischen Aufruf der Freibeuterei mutiert:

„Alles umsonst, Enteignung aller Rechte“.

Eine Forderung, die jeder Grundlage entbehrt und in keiner Form in unserem Parteiprogramm gestützt wird. Den schwachen ersten Zitaten, die tendenziös die „piratige“ Nichtentlohnung von schöpferischer Tätigkeit dokumentieren sollen, obliegt auch die größte Schwäche des gesamten Artikels.

Statt auch utilitaristische und sinnstiftende Motivation des Urhebertums darzustellen, wird plump auf das vordergründige und monetäre Interesse jeder schöpferischen Tätigkeit reduziert. Eine Wahrnehmung, die dokumentiert, wessen Geistes Kind diese Kampagne ist: Der Verwerterindustrie.


Darüber hinaus verwechselt der Autor häufig wissenschaftliche Unterscheidungsmerkmale von öffentlichen Gütern mit dem von der Piratenpartei so häufig als irreführend bezeichneten und deshalb abgelehnten Begriffes „geistiges Eigentum“. Noch schwerwiegender erscheint jedoch die unentwegte Gleichstellung von „geistigem“ und „physischem“ Eigentum.

„Physisches Eigentum“ verschwindet durch den Raub, „Immaterialgüter“ können per se nicht geraubt, sondern nur kopiert werden. Eindeutiger Piratenstandpunkt ist hingegen: Wer „Immaterialgüter“ als eigenes Werk deklariert oder weiter veräussert macht sich strafbar.


Der private Download ist hingegen die kulturelle Technik eines medienkompetenten Bürgers. Dank der Demokratisierung von Vertriebs-, Produktions- und Marketingkanälen im Internet nutzt sowohl der Urheber als auch der Konsument diese Technik zum Vertreiben und Bewerben, zum Vorhören und Selektieren. Im Falle des Gefallens wird häufig gekauft – das hat die Industrie bis heute auch nicht widerlegen können.


Der generelle Umsatzeinbruch der herkömmlichen Unterhaltungsindustrie liegt hingegen an vielen Faktoren, zuerst jedoch an der mangelnden Flexibilität und Blockierung des Angebots und der Inhalte, aber auch an der Diversifizierung eines kulturell mannigfaltig gewachsenen Angebots verschiedenster Genres und der individualisierten Form von Selbstdarstellung und Eigenkreativität des Konsumenten, die sich besonders in der transformationellen Nutzung widerspiegelt.

Öffentliche Güter, sogenannte Mischgüter (Allmende und Gemeingüter) sowie Mautgüter unterscheiden sich in ihrer Nutzung und der damit verbundenen Lizenzierung wesentlich.


Die Vereinfachungen des Autors und einer ganzen Industrie werden nicht der Debatte um Urheberrechte gerecht, sie verzerren die Wahrnehmung aber auch die Verhältnismäßigkeit von rechtlicher Durchsetzung ins Extrem:

Die „raubtierkapitalistische“ Auswertung von Medienkonzernen, die längst den Anschluss an die moderne Informationsgesellschaft verpasst haben, wollen um jeden Preis ein veraltetes Auswertungsrecht der physischen Welt unskaliert auf die Netzwelt anwenden und die Urheber weiterhin in restriktive und einseitige Vertragsabhängigkeiten einer umfassenden und auf alle Nutzungsarten anwendbare Auswertung zwingen.


Der flachen und impertinenten Gleichstellung von Urzeitmenschen und Piraten stellen wir gerne die Ideen des Kulturphilosophen Adorno entgegen, der die Unterwerfung des Nichtidentischen und Nichtverfügbaren durch die Mechanismen der verwalteten und vermarktwirtschaftlichten Welt, den Konsum in der Kulturindustrie als einzige antreibende Motivation der Verwerterbranche kritisierte.


Wenn dann der Autor sogar in die Trickkiste der Aufklärung und Klassik zur Untermauerung eines Urheberrechtes greift, verdreht er die Tatsachen. Durch das Aufkommen der Verlagswelt, die im Notendruck ihr Geschäftsmodell witterte, wurde gerade die künstlerische Freiheit auf das stärkste beschnitten.

Galt es im Barock noch als stilistischer Adelsschlag und Huldigung der großen Vordenker, Melodien, musikalische Motive und Ideen in eigene Kompositionen einzuweben, so verarmte das restriktiv von Verwertern eingeführte Urheberrecht diese Kulturtechnik.

Und auch heute melden viele Urheber noch immer ihre Werke lieber als Coverversion anstatt als Bearbeitung an, um dem Konflikt mit Verlagen aus dem Weg zu gehen. Genauso trifft das „Sampling“ Urheber, die daraus kreative und spannende neue Inhalte schaffen, immer wieder hart.

Würden Verwerter wirklich Urheberinteressen unterstützen, so wären bereits unzählige Erschwernisse für Urheber beseitigt worden. Erschwernisse, an denen in besonderem Umfang die vielfältig verzweigte Verwerterindustrie verdient.


Der Autor hat hingegen Recht, wenn er die Datensammelwut und das Erfolgsmodell großer Konzerne wie Google und Facebook kritisiert. Aber auch hier unterscheidet sich die Position der Piraten nicht maßgeblich.
Wenn er jedoch behauptet, Piraten wären nur Programmierer und keine Urheber, so versucht er wieder ein Klischee zu bedienen.

Denn gerade Piraten haben umfassende Vorschläge zur Opensource Technologie bei Software entwickelt, sind als Urheber tätig und betrachten beide Seiten der Informationsgesellschaft: Die Position von Urheber und Nutzer.


Besonders erschreckend ist jedoch das Verschweigen unserer umfassenden Positionen zum Urheberrecht, die sich in einem 50-seitigen Antrag zur Reform darstellen, der sogar bereits von einigen Lobbyvertretern der Verwerterschaft als diskussionswürdig bezeichnet wurde.

Ebenso fordert die Piratenpartei ein neues Urhebervertragsrecht, das dem Urheber gegenüber den Verwertern und der Unterhaltungsindustrie weitreichende Rechte einräumt.


Wer jedoch versucht einseitig Politik, Gesellschaft und Urheberschaft zu instrumentalisieren, wie in diesem umfangreichen Artikel geschehen, braucht sich nicht über ein sinkendes Vertrauen in die Publikationen des eigenen Hauses wundern. Wir Piraten stehen für einen fairen und gerechten Ausgleich zwischen Urheber und Konsument.

Kommentar zu „Mein Kopf gehört mir!“

Entgegen der Vorabinformation, dass es sich großteils um die Stimmen aktiver Urheber handeln würde, sind es dann doch nur größtenteils männliche Verwerter, Verlagschefs und Schauspieler, die zu Wort kommen. Eine Elite, die heute in besonderem Maße mit ihrer Durchsetzung von Verwertungsrechten und Leistungsschutzrechten an den Erlösen von wirklichen Urhebern profitieren.


Auch hier gilt: Statt Urheber zu stärken, werden Verwertungsrechte im Schafspelz eines veralteten Urheberrechtes aufgetragen und dringend erforderliche Reformen zu Gunsten eines gerechten und direkten Ausgleiches zwischen Urheber und Konsument blockiert.


Die zitierten Schauspieler betrifft das Urheberrecht im Internet übrigens genausowenig wie bildende Künstler oder Modedesigner. Darüber hinaus fällt neben unreflektierten Kommentaren besonders häufig eine durchaus kritische, mitunter ablehnende Haltung gegenüber der Intension des Handelsblattes auf. Hat man allen ernstes gehofft, das nur die Anzahl der Teilnehmer und nicht ihre Aussagen gezählt werden?


Darüber hinaus sprechen sich fast ausschließlich die klassischen Verwerter und nicht-kreativen Befragten gegen eine Reform des Urheberrechtes aus. So weit sind wir dann wohl nicht voneinander entfernt.

Julia Friedrichs, Schriftstellerin

Sehr geehrte Frau Friedrichs,
Sie sind der Lüge der Verwerter aufgesessen. Klauen hat nichts mit Kopieren zu tun und auf viele Künstler wird der Konsument erst durch den Kulturozean Internet aufmerksam. Das Internet bedeutet Freiheit für Urheber, weg von den Gatekeepern geistiger Schöpfungen.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesjustizministerin

Sehr geehrte Frau Leutheusser-Schnarrenberger,
d´Accord, wir brauchen neue Wirtschaftsmodelle für die direkte Vermarktung. Jedoch waren Sie lange genug in den Gremien und Komissionen tätig, um wirkliche Reformen anzustoßen. Reformen die bis heute nicht stattgefunden haben. Sie müssen ja auch noch taktieren.

Rolf Dobelli, Get Abstract

Sehr geehrter Herr Dobelli,
wenn man sich die heutige Unterhaltung zwischen öffentlich-rechtlichem und privaten Fernsehen anschaut, fördert gerade die Unterhaltungsindustrie größtenteils ihre “Eventclowns”. Kultur ist viel mehr und sie braucht Freiheit und Teilhabe.

Juli Zeh, Schriftstellerin und Juristin

Sehr geehrte Frau Zeh,
Sie differenzieren und fragen, ob wir wirklich alles umsonst wollen. Wir wollen einen fairen und direkten Ausgleich ohne die monopolistische Verwertermacht von Gestern.

Ernst Schmachtenberg, Rektor der Technischen Hochschule Aachen

Sehr geehrter Herr Schmachtenberg,
aus Ihrer Antwort stellt sich uns die Frage: Was wurden die 100 Köpfe genau gefragt? Sie sprechen das an, was wir auch für richtig halten. Außer dem Begriff des “geistigen Eigentums”, den wir nicht mögen, da er zu einfach ist. Als Metapher mag er funktionieren, dann aber auch nur mit metaphorischer Entlohnung, dem Lob oder der Empfehlung.

Christopher Teuner, n-tv Moderator

Sehr geehrter Herr Teuner,
Sie sprechen nur von leistungsschutzrechtlichen Inhalten, nicht vom Urheberrecht.

Helmut Thoma, Ex-RTL Chef

Sehr geehrter Herr Thoma,
wir glauben Ihnen ungesehen, dass Sie nur für Geld aktiv werden. Kunst und Kultur folgt jedoch einem inneren Reflex des Kreativen und will zuerst einmal nur Rezeption. Vielleicht kommen Sie ja mal drauf, es ist nie zu spät.

Bert Rürup, Maschmeyer Rürup AG

Sehr geehrter Herr Rürup,
wir fragen uns ehrlich, wie sie den Bogen von einer weiteren Schranke des Urheberrechts zur Stärkung der Privatkopie mit dem Untergang unserem, der Wissensgesellschaft verpflichteten Wirtschaftsmodell hinbekommen. Gerade die Freiheit von Wissen beflügelt neue Werke. Unzählige verlegte Dissertationen – im doppelten Sinn – gibt es nur für horrende Beträge zu kaufen. Trotzdem dürfen diese Urheber ihre Werke nicht einmal selbst im Netz publizieren. Wem ist dadurch geholfen?

Prof. Fritz Vahrenholt, Autor

Sehr geehrter Herr Prof. Vahrenholt,
auch sie glauben an den alleinigen Antrieb von Wissensdurst und Schöpferkraft durch Monetarismus. War das damals Ihr Antrieb für die akademische Laufbahn?

Arnd Haller, Google
Sehr geehrter Herr Haller,
genau, es geht um eine Reform des Urheberrechts an die moderne Informationsgesellschaft. Für den Urheber und für den Nutzer.

Dieter Hahn, Medienunternehmer

Sehr geehrter Herr Hahn,
Sie gehören also zu jener Spezies, die gerne unverhältnismässig kontrolliert und spioniert, um an einem veralteten Zahn um Zahn Verwertermodell, an welchem die Urheber am wenigsten verdienen, festzuhalten?

Helmut Heinen, Präsident des Bundes Deutscher Zeitungsverleger

Sehr geehrter Herr Heinen,
die wahre Vielfalt der Medien begann erst mit dem Internet. Davor gab es das Nadelöhr der wirtschaftlich-politischen Selektion kultureller Güter durch Medienoligopole.

Hartwig Masuch, BMG

Sehr geehrter Herr Masuch,
als Musikverleger geht es Ihnen vor allem um Musik und einen Rechtekatalog, der noch lange nach dem Tod des Urhebers Rendite erwirtschaftet. Sie wollen natürlich über einen Song unstrittig für sämtliche Asuwertungsarten verfügen können. Musik braucht zur akustischen Übertragung Luft. Genauso wie es unsinnig wäre, von jedem Passanten eines Openair Konzertes, der das Lied der Stunde mitsummt, eine Gebühr zu erheben, so unsinnig ist es, jeden Download mit einer Gebühr oder gar einer unverhältnismäßigen Abmahnung zu belegen. Das Internet ist der digitale Äther der Informationsgesellschaft. Und die Downloader oder Streamer sind die Passanten. Wenn denen Ihr Lied gefällt, wird er es auch kaufen.

Thomas Middelhoff, Ex-Bertelsmann Chef

Sehr geehrter Herr Middelhoff,
wen meinen Sie mit den treibenden Kräften, die Liberalisierung und Schutz des geistigen Eigentums gleichermassen vorantreiben wollten? Ihre Firma? Deutsche Rechteinhaber? Das sogenannte Web 1.0 wurde von unzähligen Entwicklern in großen Stücken unentgeldlich zu dem gemacht, was es ist: Der Ozean der freien Wissensgesellschaft von Morgen. Sie und Ihre hochdotierten Freunde aus den Chefetagen der Medienkonzerne haben dank dieser Leistungen fürstlich verdient, auch wenn Ihre eigenen Beiträge zur Netzgesellschaft eher bescheiden waren: Sowohl der AOL Einstieg, als auch die Napster Übernahme waren wenig erfolgreich, noch innovationsstiftend. Nein, das Netz verödet nur durch die unentwegte Bedrohung aus Kontrolle und Verlust der Neutralität.

Volker Rieble, Rechtsprofessor
Sehr geehrter Herr Rieble,
Sie sagen es, Ideen und Wissen sind nicht geschützt. Ihre Sichtweise ist differenziert und umschifft bewusst den hier angefragten Begriff “geistiges Eigentum”. Wir sollten uns mal treffen. Piraten freuen sich über den qualifizierten Input. Das steigert die Schwarmitelligenz.

Bernd Buchholz, Vorstandschef Fruner + Jahr

Sehr geehrter Herr Buchholz,
wer so wie Sie in einem Verlagshaus mit 500 Publikationen zum einseitigen journalistischen Feldzug gegen Ideen der Piraten ruft (Mediabiz), verstößt nicht nur gegen eine journalistisch ausgewogene Berichterstattung, sondern möchte seine Medienmacht gewalttätig und aggressiv für die eigenen Auswertungsinteressen einsetzen.

Raimund Stecker, Direktor des Lehmbruck Museums

Sehr geehrter Herr Stecker,
Sie sprechen Wahres: Wer kein Geld hat, kann seine Ideen nicht umsetzen. Wir fördern gezielt neue Modelle wie Crowdfunding, Sellaband, Flatter u.v.a., um Urheber aus langfristigen Knebelverträgen der Industrie zu befreien. Konzerne die nur noch mit Geld winken, denn die Infrastruktur wurde ja bereits aus den monopolistischen Fängen der Verwerter befreit.

Christian v. Zittwitz, Verleger und Journalist

Sehr geehrter Herr Zittwitz,
Sie glauben wohl auch nur an die rein monetäre Idee von Kultur. Und wer will den alles gratis? Lesen Sie unser Programm, bevor sie sich dazu äussern.

Peter Altmaier, parlam. Geschäftsführer der Unionsfraktion

Sehr geehrter Herr Altmaier,
genau, das Urheberrecht war und ist einem stetigen Wandel unterzogen und es wurde bisher immer von Verwertern und Verlagslobbyisten geschrieben. Es wird Zeit für eine Urheberrechtsreform im Sinne des Urhebers und des Nutzers. Es wird Zeit, dass Urheber und Nutzer ein eigenes Urheberrecht verfassen.

Priska Pasquier, Galeristin

Sehr geehrte Frau Pasquier,
richtig, denn es kommen mal wieder vor allem Verwerter zu Wort.

Utz Claasen, Ex-Chef EnBW

Sehr geehrter Herr Claasen,
es fing ja gut an, aber dann waren auch Sie bei dem Begriff, der eindeutig zu polemisch verwendet wird und in seiner eigentlichen Bedeutung widersprüchlich und revisionistisch geprägt ist: Geistiges Eigentum.

Michael Spreng, Medienberater

Sehr geehrter Herr Spreng,
uns als kulturfeindlich zu stigmatisieren zeigt, wie wenig Sie sowohl den Wandel zur Informationsgesellschaft als auch unser Urheberrecht begriffen haben. Ich empfehle die Lektüre unseres Parteiprogramms.

Michael Konken, Vorsitzender Deutscher Journalisten Verband

Sehr geehrter Herr Konken,
vom Leistungsschutzrecht im Internet hat der einzelne Journalist gar nichts, denn die meisten Journalisten müssen ?Total Buy Out? Verträge unterschreiben, die sämtliche Beteiligungen ausschließen.

Lothar Leonhard, Chairman Ogilvy & Mather

Sehr geehrter Herr Leonhard,
wir wollen klare Gesetze und ein Urheberrecht, das dem Wandel zur Informationsgesellschaft gerecht wird. Aber eine Kopie ist kein Raub.

Wolfgang A. Herrmann, Präsident der techn. Universität München
Sehr geehrter Herr Herrmann,
Sie sprechen fast ausschließlich vom Patent. Wäre also eine Themaverfehlung. Das Patent- und Urheberrechte eine Reform benötigen, dürfte Ihnen aber auch klar sein.

Maria Furtwängler, Schauspielerin

Sehr geehrte Frau Furtwängler,
als Schauspielerin betreffen Sie ja die Urheberrechte nur peripher als Leistungsschutzrechte oder sogenannte dem Urheberrecht verwandte Schutzrechte. Natürlich verbietet Ihnen das keine Haltung zum Urheberrecht. Trotzdem müssen wir Ihnen vehement widersprechen, wenn Sie das Wort Diebstahl benutzen. Etwas was kopiert wird, ist nicht gestohlen. Der Begriff Raubkopie ist eine strategisch geschickt genutzte Metapher der Verwerterindustrie, um die restriktive Unterbindung zu rechtfertigen.

Hans-Hermann Tiedje, Ex-BILD Chefredakteur

Sehr geehrter Herr Tiedje,
wenn Ihre Bildzeitung schon nur den kleinsten Aspekt von Eigentumsrechten, die Persönlichkeitsrechte ernst nehmen würde, wäre viel gewonnen. So reihen Sie sich nun als vordergründiger Vertreter von Urheberrechten ein, der nur die eigenen Auswertungsrechte schützen will, aber gar nichts für selbstbestimmtes Urhebertum übrig hat. Im Jargon der “Raubmordkopierer” wäre das ein “Meuchelmörder”.

Philipp Welte, Vorstand Hubert Burda Media
Sehr geehrter Herr Welte,
mit parasitärer Nutzung meinen Sie sicher die transformationelle Nutzung von Werken anderer. Dass diese oft origineller ist als die Werke aus dem Hause Burda mag Sie an der eigenen Geschäftsidee zweifeln lassen. Fakt ist: Das beflügelt Kultur und macht Spaß.

Helge Hesse, Autor

Sehr geehrter Herr Hesse,
bei Ihrem Beitrag geht es wohl gar nicht so sehr um unsere weitere Schranke des Urheberrechtes für eine erweiterte Privatkopie im Netz, sondern um die Festschreibung alter Strukturen, in denen Sie groß geworden sind. Der Paradigmenwechsel in eine Kultur der Teilhabe bedeutet aber auch die Möglichkeit der transformationellen Nutzung. Dadurch sind mitunter Werke entstanden, die über das, was im Auftrag öffentlich rechtlicher Autoren fürstlich per GEZ finanziert wird, inhaltlich und kulturell weit hinaus gehen.

Markus Lüpertz, Künstler

Sehr geehrter Herr Lüpertz,
hier schreit niemand! Das Menschen sich auch aus der Informationsgesellschaft verabschieden können und in der Diaspora einer netzfreien Welt leben, ist ein selbstbestimmtes Menschenrecht. Das Andere aber das Netz als Befreiung vom verkrusteten und kulturkonservativen Monopolismus ohne Gatekeeper begreifen, ist auch ok. Leben und leben lassen und fair und direkt honorieren.

Gaby Hauptmann, Autorin

Sehr geehrte Frau Hauptmann,
ich hoffe, Ihr schreiberischer Antrieb ist nicht nur dem Monetarismus geschuldet. Gerade das Netz hat viele neue Plattformen zur künstlerischen Entfaltung geschaffen. Noch nie haben gleichzeitig so viele Menschen publiziert. Genau deshalb müssen Konsumenten auch erst einmal selektieren um festzustellen, welche Werke ihnen wirklich etwas bedeuten und einen Kauf rechtfertigen: So etwas nennt man Filesharing. Was Ihre Arbeit betrifft: Wenn Sie einen Ihrer Romane als Drehbuch verkaufen, erhalten Sie direkte Honorare. Im Falle des öffentlich rechtlichen Fernsehens werden Sie bereits über die GEZ finanziert.

Franka Potente, Schauspielerin

Sehr geehrte Frau Potente,
die Qualität im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hängt größtenteils finanziell von der GEZ ab. Was den Film betrifft, gibt es gerade über netzfinanzierte Konzepte großartige Förderung von unbekannten Künstlern. Wie schwer war das wohl damals, “Lola rennt2 zu produzieren? Wie viele Rechte musste Ihr damaliger Lebensgefährte Tom Tykwer wohl abgeben, um diesen Film zu realisieren? Heute kann der Urheber mit Crowdfunding sein eigener Chef bleiben, behält die Rechte und kann Dank günstiger Produktions- und Vertriebsmittel alles selbstbestimmt durchführen. Keiner redet rein. Wenn das nicht Kunst ausmacht.

Conrad Albert, Vorstand Pro Sieben Sat 1

Sehr geehrter Herr Albert,
die Sozialisierung von Immaterialgütern hat Ihrem Konzern unglaubliche Möglichkeiten geschenkt. Oder bezahlen Sie dem Schöpfer von HMTL und der Idee des Internets eine Lizenzgebühr? Und auch Sie haben wiederum nicht begriffen, dass der Begriff “Raubkopie” und die Gleichsetzung von Diebstahl und Kopie falsch sind. Sie möchten restriktiv für jedes geladene Bit Information kassieren und am Besten jede Email auf geschützten Inhalt kontrollieren? Das wird mit uns nicht möglich sein.

Antje Kunstmann, Verlegerin

Sehr geehrte Frau Kunstmann,
wenn Sie sich zu hundert Prozent Sven Regeners uninformierten Schwall an Vulgärausdrücken anschliessen können, haben Sie leider eine sehr begrenzte Vorstellung davon, wie Rezeption und Kundenfindung in der modernen Netzgesellschaft funktionieren. Als Verlegerin ist Ihr Hauptinteresse ja auch die Bindung von urheberischen Leistungen bis weit nach dem Tod der Autoren. Ihr antiquirtes Geschäftsmodell hat dann wenig mit einem fairen Ausgleich zwischen Urheber und Nutzer zu tun.

Stephan A. Jansen, Direktor des Civil Society Center

Sehr geehrter Herr Jansen,
auch Sie würden wir gerne einladen, denn Sie unterscheiden nicht in physischem und geistigem Eigentum, sondern führen die Begriffe öffentliche Güter und Mautgüter in Ihrer Erklärung. Wir stehen zur direkten Refinanzierung von Urhebern aus dem Verkauf Ihrer Werke. Wir verstehen nur die nichtkommerzielle Weitergabe im Netz als einen Vorgang der einer Kaufentscheidung vorangeht und frei sein soll.

Dietmar Karpinski, KNSK Werbeagentur
Sehr geehrter Herr Karpinski,
Ideen gehören niemanden. Und die Gleichsetzung der Begriffe „geistiges“ und „physisches“ Eigentum sind genauso tendenziös wie „Raubkopie“. Hier ging jede Verhältnismässigkeit sträflich verloren.

Nadeshda Brennicke, Schauspielerin
Sehr geehrte Frau Brennicke,
hat sich das Handelblatt eigentlich Ihren Text durchgelesen, bevor er gedruckt wurde? Denn er widerspricht der Intension der ganzen Kampagne sowie dem einleitenden Aufsatz. Sie haben begriffen, worum es geht.

Alena Gerber, Model und Moderatorin

Sehr geehrte Frau Gerber,
Als Model und Moderatorin werden Sie unmittelbar durch Honorare bezahlt. Sie beweisen in ihrem Beitrag eindrücklich, unser Programm nicht gelesen zu haben, wenn Sie behaupten, das Piratenforderungen Urheber zum Rückzug aus Geschäftsfeldern bewegen würden. Das Gegenteil wäre der Fall. Wir wollen Urhebervertragsrechte zur Sicherung gegenüber restriktiven Verwerterforderungen und wir wollen ein reformiertes und auf die modernen Medien angepasstes Urheberrecht.

Dietmar Kawohl, Musikproduzent

Sehr geehrter Herr Kawohl,
Als Ausreisser aller beteiligten Kommentatoren wünschen Sie uns direkt vor die Gerichte, bezeichnen unsere Forderungen dümmlich, wollen Sich auch noch an der Frau eines Piraten vergehen und mit diesem Beispiel physisches und geistiges Eigentum definieren. Unabhängig davon, das wir Ihr Frauenbild furchtbar finden, lassen wir Ihre Behauptung, wir würden Urheberrechte abschaffen wollen, nicht durchgehen.

Leslie Mandoki, Musikproduzent

Sehr geehrter Herr Mandoki,
auch Sie vergreifen Sich im Ton wahrscheinlich nur, weil Sie unser Programm nicht kennen und Sie von der Handelswoche und Gruner + Jahr ideologisch aufgeladen wurden. Und richtig, auch wir sehen Google, Facebook und Konsorten sehr kritisch. Wir wollen einen fairen Ausgleich. Wer mit kommerziellen Angeboten urheberrechtlich geschützte Werke weitergibt und daran verdient, ohne den Urheber zu entlohnen, ist kein Freund der Piraten. Wir wollen aber Konsumenten vor einem radikalen Zugriff der Verwerter schützen und dabei spielt übrigens auch der Datenschutz und die digitale Privatsphäre eine große Rolle.

Jette Joop, Modedesignerin
Sehr geehrte Frau Joop,
keine Angst: Mode lässt sich nicht herunterladen. Mehr hatten Sie zu diesem Thema ja auch nicht zu sagen, oder?


Frank Dopheide, Chairman Deutsche Markenarbeit

Sehr geehrter Herr Dopheide,
Irrtum – Ideen sind nicht geschützt und werden es auch nie sein. Ihre Idee, durch Werbung Geld zu verdienen hat Sie wohl sehr reich gemacht. Zum Glück darf aber auch jeder Andere eine Werbeagentur gründen.

Klaus G.Friese, Bundesverband Deutscher Galerien

Sehr geehrter Herr Friese,
Sie treten bei uns offene Türen ein, wenn Sie argumentieren, das Schutzfristen verkürzt werden müssen, da sie in ihrer jetzigen Form nicht den Urhebern nützen. Leider halten Sie sich auch an dem falschen Begriff „geistiges Eigentum“ fest. Gemein ist uns das Honorieren von Werken, die der Konsument auch wirklich besitzen möchte. Ebenso wollen wir den Urheber stärken und durch gesetzliche Änderungen motivieren, sich selbst zu vermarkten um einen größeren Teil des Erlöses direkt zu erwirtschaften. Die Ideen hierfür existieren und sie sind umsonst wie die Idee des Internets.

Ulrich Schacht, Schriftsteller

Sehr geehrter Herr Schacht,
Asoziale Demagogen – Als umstrittener Schriftsteller mit rechten Tendenzen dürften Ihnen beide Begriffe nicht einmal in gedruckter Form peinlich sein. Sie sind dennoch ideologisch aufgeladen und bringen uns in der Debatte der Reformierung von Urheberrechten nicht weiter. Sie verlegen dagegen die Diskussion in den Bereich des nautischen Vokabulars, das einem so komplexen Thema kaum gerecht wird. Wut ist ein schlechter Ratgeber.

Christoph Keese, Axel Springer

Sehr geehrter Herr Keese,
Nach der Aufklärung durften Urheber auch nicht mehr zitieren oder die Praxis des Einarbeitens fremder Motive als Hommage des Zitierten nutzen. Dadurch starb eine große Tradition von Barock bis Rennaissance aus. Heute nennt man das transformationelle Nutzung. Eine der vielen Dinge, die unsere Sicht des Urheberrechts zulassen möchte. Etwas was wir abschaffen möchten, ist hingegen das Wahlgeschenk, das Ihnen die gelb-schwarze Regierung mit einem restriktiven Leistungsschutzrecht für Journalismus im Internet gemacht hat.

Gottfried Honnefelder, Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Sehr geehrter Herr Honnefelder,
bereits in Ihrem Schulflyer des Börsenvereins fiel Ihre eklatante Unwissenheit bezüglich elementarer Kulturtechniken im Internet auf. Mit dieser Publikation verstärken Sie eine zunehmende Angstkultur im Umgang mit dem Internet auf schulischer Ebene. Der einseitige Fokus auf die Verschärfung zu Gunsten rein wirtschaftlicher Interessen beschneidet auf desaströse Weise die Medien-Kompetenz einer jungen Generation und leistet dem Verdruss in der Nutzung von Netzinhalten Vorschub. Sie höhlen gleichzeitig die Rechte von Urhebern aus.

Jan Fleischhauer, Journalist und Autor

Sehr geehrter Herr Fleischhauer,
uns als Netzsozialisten zu bezeichnen ist abenteuerlich, entspricht aber Ihrer bekannten Rechts-Links Autokratie im Spiegel, die aber bei Piraten nicht funktioniert. Auch leider leiden Sie unter der gleichen einseitigen Wahrnehmung, Piraten wollten “Umsonstkultur”. Einfach mal die Augenklappe abnehmen.


Andrea Verpoorten, Medienpolitische Sprecherin der CDU Landtagsfraktion NRW

Sehr geehrte Frau Verpoorten,
In der modernen Netzkultur die Ausdünnung kultureller Inhalte zu sehen ist abenteuerlich, denn gerade durch die Befreiung von Vertriebs-, Produktions- und Promotionkanäle hat das Internet zu einer unglaublichen Diversifizierung der Stile und Inhalte beigetragen. Besuchen Sie doch einmal ihren Parteikollegen Peter Altmaier, der wird Ihnen das Netz ein bisschen näher bringen.

Ulrich Wickert, Journalist

Sehr geehrter Herr Wickert,
kein Pirat will Autoren, die von ihren Werken nicht leben können, auch noch die Rechte nehmen. Ebenso wenig jenen, die davon leben können. Jedoch, ab dem Moment, in dem ein Urheber sein Werk in die Freiheit der physischen und digitalen Welt entlässt, muss er sowohl mit Kritik, als auch mit transformationeller Nutzung rechnen. Wenn jemand Ihren Roman umschreibt, so darf er das auch im aktuellen Urheberrecht, solange er daraus keinen kommerziellen Nutzen zieht. Leider haben Sie so gesehen nicht das Recht, welches Sie gerne durchsetzen würden. Dann vielleicht doch lieber nur im erlauchten Kreise der wochenendlichen Weinrunde aus den eigenen Werken rezitieren. Ich wäre gerne dabei.

Jens de Buhr, JDB Media GmbH

Sehr geehrter Herr de Buhr,
wir fordern keine Gratis- und Umsonst-Kultur. Gerade in der Werbeindustrie baut ein Konzept auf das andere auf. Das nennt man Inspiration. Das wird auch in Ihrer Firma nicht anders sein.

Michael Enzenauer, Werbemanager

Sehr geehrter Herr Enzenauer,
Als Werbemanager zu fordern, das Internet abzuschaffen ist eine aberwitzige aber unkonstruktive Idee. Statt dessen möchten wir Ihnen die Angst nehmen: Wir möchten niemanden enteignen. Es geht nur um eine dringende Reform des Urheberrechtes. Das Urheberrecht wurde schon seit jeher auf technische Neuerungen angepasst. Warum nicht auf die größte Kulturrevolution seit der Einführung des Fernsehens und Rundfunks?

Hans Mahr, Ex-RTL Chef

Sehr geehrter Herr Mahr,
leider beweisen Sie Unwissenheit, wenn Sie einen Ladendiebstahl mit einer Kopie gleichsetzen. Die mangelnde Verhältnismässigkeit der Rechtedurchsetzung wird übrigens unmittelbar mit folgendem Vergleich plastisch und demonstriert, wie radikal Verwerter versuchen, ihre Rechte durchzusetzen. Ein ertappter Ladendieb einer physischen CD wird mit einer Fangprämie von 100 bis 200 Euro bestraft. Eine Kopie, die keinen Schaden anrichtet, wird durch eine kriminelle Schattenwirtschaft von Anwaltskanzleien mit einer Abmahnung in Höhe von bis zu 2000 Euro bestraft. Das passiert im Jahr 500000 mal und entbehrt jeglicher Verhältnismässigkeit.

Clemens Pflanz, Meisterkreis, Vereinigung von Luxusmarken

Sehr geehrter Herr Pflanz,
Ihr Markenschutz, der im Patentrecht zu finden ist, hat nichts mit der dringend nötigen Urheberrechtsreform zu tun.

Pater Anselm Grün, Buchautor

Sehr geehrter Pater Grün,
die Zeit rast heute schneller als in Ihrer Jugend – eines der Opfer der vernetzten Welt. Dem hingegen hat zu allen zeiten jedes Werk auf anderen Werken aufgebaut. Inspiration ist der Treibstoff aller Kreation. Auch in Ihrem Werk sind sicher viele geistige Paten zu finden und das ist auch gut so. Wir verorten Werke in geistigen Koordinatensystemen. Das findet heute schneller statt, ist aber einer der größten technologischen und wissenschaftlichen Beschleunigungsfaktoren. In anderen Kulturkreisen wird übrigens die Kopie als eine Hommage an den Ursprungsschöpfer gesehen. In einer globalen, vernetzten Welt sind sich auch die kulturellen Paradigmen näher gekommen. Unsere westliche Geistesdisziplin steht nun einem ebenbürtigen Chor der anderen Gesellschaften gegenüber. Das ist die Vielstimmigkeit einer neuen Welt und sie klingt herrlich.

Peter Raue, Ex Vorsitzender Freunde der Berliner Nationalgalerie

Sehr geehrter Herr Raue,
die meisten Redakteure arbeiten umsonst, wenn man die Nutzung ihrer Publikationen im Netz betrachtet. Das liegt nicht an den Piraten, sondern an den Verlegern, die in den Anstellungsverträgen ihrer Redakteure „total buy out“ Absätze vereinbart haben. Das neu geplante Leistungsschutzrecht sichert den Verlagen zusätzliche Einnahmen an denen die Urheber der Texte nichts verdienen. Das ist schwarz-gelbe Politik.

Birgit Politycki, Pressebüro Politycki & Partner
Sehr geehrte Frau Politycki
Sie behaupten zwar, unseren Forderungskatalog gelesen zu haben, beweisen aber das Gegenteil, wenn Sie Angstkultur beschwören und die Enteignung von Schöpfungen als Piratenidee deklarieren.

Martin C. Wittig, Roland Berger Chef

Sehr geehrter Herr Wittig,
Sie haben Recht: Wer Andere achtet kauft Originale. Und genau das tun Menschen, wenn Sie sich im Netz davon überzeugt haben, das sie das Werk schätzen und achten und als persönlich inspirierend, honorieren möchten. Das Netz hilft uns in der Flut der Veröffentlichungen klar zukommen und jene Werke zu finden, die uns beflügeln. Gemeinsames Schöpfen, wie in Open Source Programmen beweist übrigens die Stärke dieses noch so jungen Konzeptes der Schwarmintelligenz und multipliziert den Fortschritt der vernetzten Welt.

Petra Müller, Filmstiftung NRW

Sehr geehrte Frau Müller,
alleine der Wille und der rechtlich restriktive Rahmen, von schöpferischen Leistungen leben zu können, macht es aber nicht möglich. Schon immer hat in der Summe die Beteiligung von Verwertern und Verwertungsgesellschaften das Einkommen von Urhebern rigoros geschmälert, besonders das jener mittleren und durchschnittlichen Urhebereinkommen. Noch nie hatten Urheber eine Garantie von ihren Werken leben zu können. Wenn man jetzt dem dringend nötigen Urheberrechtsreformgedanken unterstellt, Urheber zu benachteiligen, benutzt man die scheinheiligen Argumente einer Verwerterindustrie, die sich in großen Teilen obsolet gemacht hat.

Christian Veith, Boston Consulting AG

Sehr geehrter Herr Veith,
die Betonierung eines dringend sanierungsbedürftigen Urheberrechtes wird langfristig den wirtschaftlichen Wachstum der Kreativindustrie blockieren, denn restriktive Leistungsschutzrechte und Schutzfristen mit Laufzeiten, die in der schnellebigen Netzwelt von heute an die Ewigkeit reichen, bremsen gerade Entwicklungen aus, die nahtlos an vorherige Schöpfungen anknüpfen.

Thomas Carl Schwörer, Kulturmanager

Sehr geehrter Herr Schwörer,
Sie fordern die Einführung von radikalen und restriktiven Warnmodellen, wie bereits in Frankreich praktiziert. Datenschutzrechtlich bedeutet das ein proaktives Scannen des kompletten Datenverkehrs direkt beim Provider. Es öffnet Vorratsdatenspeicherung und der Verschärfung von Handelsinteressen Vorschub und verletzt die digitale Privatsphäre.

Klaus Beucher, Partner Freshfriends Bruckhaus Deringer

Sehr geehrter Herr Beucher,
Piraten fordern keine Gratiskultur. Die freie Verfügbarkeit von geistigen Schöpfungen hat aber die Kreativität und Vielfalt der Schöpfungen befeuert. Noch nie gab es ein so vielfältiges kulturelles Angebot.

Katrin Burseg, Autorin

Sehr geehrte Frau Burseg,
leider werden die meisten Piraten nicht ihrer visuellen Vorstellung gerecht und so ist das auch inhaltlich. Wir fordern eine Stärkung von Urheberinteressen. Die Schranke im Internet für eine Ausweitung der privaten Kopie muss man im Zusammenhang unseres gesamten Programmes sehen. Und ja, sehr gerne, lasst uns miteinander reden um die Missverständnisse, die von den Verwertern gestreut wurden, aufzulösen.

Thorsten Grenz, Veolia Umweltservice

Sehr geehrter Herr Grenz,
Sie sagen es, Künstler und Autoren sollten viel stärker nach den Möglichkeiten des Internetsv greifen und sich zusätzliche Vermarktungsmodelle erarbeiten, an Stelle sich allzu freigiebig fast auf Ewigkeit an Unternehmen zu ketten, die dann phantasielos ein Monopol verwaltet.

Werner Lippert, Kulturmanager

Sehr geehrter Herr Lippert,
die mangelnde Akzeptanz des Begriffs „geistiges Eigentum“ in der Bevölkerung ist dem Verständnis und der steigenden Medienkompetenz geschuldet, die längst die Missbräuchlichkeit dieses Begriffes verstanden hat.

Jan Hagemann-Snabe, Vorstandschef SAP

Sehr geehrter Herr Hagemann-Snabe,
es ist erschreckend. Der Vorstandschef der SAP glaubt, man könne Ideen perse schützen. Die Gedanken sind frei, sowie alle Ideen. Die Idee, eine Firmenverwaltungssoftware zu schreiben, ist zum Glück frei, sonst könnte niemand ausser SAP Software Open Source Projekte für eben diesen Zweck entwickeln.

Marie-Christine Ostermann, Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer

Sehr geehrte Frau Ostermann,
was die Energiewende, der Demographiewandel und die Staatsschulden mit einem vermeintlichen Piraten-Sozialismus im Urheberrecht zu tun haben, erschliesst sich nicht einmal mit einer regen Phantasie. Was ist denn für Sie der Prozess der Bildung geistigen Eigentums? Eine chemisch-technische Reaktion? Wir freuen uns auf weitere Worthülsen.

Ute Biernat, GF Grundy Light Entertainment

Sehr geehrte Frau Biernat,
ein charmanter Vergleich von Kutschen und Autos, aber ja, wir brauchen definitv ein neues Urheberrecht, um den Anforderungen des digitalen Wandels und der Nutzung von Medieninhalten und immateriellen Gütern im Sinne eines fairen Ausgleichs zwischen Urheber und Nutzer gerecht zu werden.

Stephan Berg, Intendant Kunstmuseum Bonn

Sehr geehrter Herr Berg,
ja, es gibt viele Machtstrukturen, die in das Netz drängen und unsere bisherige Politik hat es nicht geschafft, die langfristige Neutralität des Netzes zu gewährleisten. Die universelle Kommunikationsleistung wird nicht nur in den gesellschaftlich-politischen Umbrüchen in allen Regionen dieser Welt sichtbar, sondern verändert unsere Gesellschaft nachhaltig. Nur ein reformiertes Urheberrecht wird diesen Anforderungen gerecht und garantiert eine Partizipation aller bei gleichzeitiger Honorierung von geistigen Schöpfungen, statt eines indiskutablen Eigentumsbegriffes für Immaterialgüter.

Wolfgang Ferchl, Verleger

Sehr geehrter Herr Ferchl,
der harten Arbeit des schöpferischen Schreibens steht heute eine unverhältnismässig hoch beteiligte reine Verwaltungsarbeit monopolistisch orientierter Verlage gegenüber, die mit DRM Massnahmen Produkte für den digitalen Markt schaffen, die hinsichtlich der eingeschränkten proprietären Nutzbarkeit und der zeitlich fragwürdigen Alleinstellung für den Urheber, den Nutzer und die Schöpfung ein wirkliches Hindernis darstellen.

Marcus Wolter, GF Endemol Deutschland

Sehr geehrter Herr Wolter,
Klauen und Kreativität in einem Satz haben nichts mit den Ideen der Piratenpartei zu tun. Unsere Urheberrechtsreform beschneidet sicher die Rechte von großen Verwerterkonzernen, reicht sie jedoch an den Urheber weiter, der in einem fairen, direkten und kommunikativen Prozess honoriert werden soll.

Thomas Strobel, CDU Landeschef BW

Sehr geehrter Herr Strobel,
Dichter, Denker, Tüftler und Erfinder scheinen Ihnen fremd zu sein. Sie schöpfen aus sich selbst und aus den Ideen anderer heraus. Der Antrieb kommt aus der menschlichen Neugier. Wir sorgen für neue und unmittelbare Förderung, die gegenüber der klassischen Verwerterinteressen echte Freiheit bedeutet.

Thomas Schnädter, GF Montblanc

Sehr geehrter Herr Schnädter,
DNA ist nicht statisch, sie vererbt sich in Rekombination, Transformation und Neuschöpfung. Ihr Beispiel ist das Argument unserer Idee, dass freie Schöpfungen besonders stark Innovationen befördern. Wenn die Rechte dann bei den Urhebern liegen, bedeutet das wirkliche Freiheit, faire Kompensation und steigende Innovation.

Bernd Leifeld, GF Documenta
Sehr geehrter Herr Leifeld,
wenn Sie Kreativität unter der Bedingung von Freiheit von den Auftraggebern sehen, sind Sie bereits auf Piraten Territorium. Mit Gier hat das nichts zu tun. Gierig sind die klassischen Verwerterstrukturen, die weitgehend unskaliert veraltete Auswertungsrechte auf das Internet anwenden möchten.

Stefan Heidbrenner, GF Stiftung Familienunternehmen

Sehr geehrter Herr Heidbrenner,
gerade der technische Fortschritt der Netztechnologie ist ein Produkt der Schwarmintelligenz. HTML und all die anderen Protokolle des frühen Internets sind im Schwarm entwickelt worden. Open Source ist das Paradebeispiel, das ihre Position widerlegt. Und nein, Piraten wollen das Urheberrecht reformieren und nicht abschaffen.

Utz Tillmann, GF Verband der Chemischen Industrie

Sehr geehrter herr Tillmann,
Gerade das Wissen, das in öffentlichen Einrichtungen mit öffentlichen Geldern produziert wird, gehört der Allmende. Dem hingegen werden wissenschaftliche Publikationen viel zu oft von Verlagen blockiert und verwaist. Hier fordern wir eine weitreichende Öffnung.

Brigitte Kronauer, Schriftstellerin

Sehr geehrte Frau Kronauer,
finden Sie es gut, wenn Kulturgüter immer stärker auf kleinste Nutzunggebiete reduziert werden, anstatt eine breite Partizipation zu ermöglichen? Gerade für Autoren wie Sie, haben die Verlage ein Arsenal von Digital Rights Management Massnahmen ersonnen, die ihre Bücher als digitales Äquivalent nur noch in reduzierter Form erlebbar machen. Und das nur, um höhere Gewinne zu erziehlen.


Hans Demmel, GF n-tv

Sehr geehrter Herr Demmel,
wo haben Sie gelesen, die Piratenpartei fordere „Ich will alles und umsonst“? Im Handelsblatt? Ach so.

Tobias Künzel, Musiker

Lieber Tobias,
Ich duze Dich, da wir uns das schon mal auf einem gemeinsamen Festival bei Berlin angeboten hatten. Wir Piraten sind weder aus Hollywood, noch aus Somalia, sondern wir wollen Dir im Netz ermöglichen, dass Du unmittelbar von Deinen Fans honoriert wirst und nicht nur durch eine kleine Beteiligung Deiner Plattenfirma. Eine Band Deiner Größe macht etwas falsch, wenn sie sich an die herkömmlichen Bandübernahme- oder Künstlerverträge klammert. Beiss die Hand, die Dich jetzt mit Almosen füttert und entdecke die wahre Freiheit. Ahoi.

Thomas P.Friedl, Filmproduzent

Sehr geehrter Herr Friedl,
Die materiellen Errungenschaften der Ingenieurskunst und ihre Produktfälschung mit der Freiheit von geistigen Schöpfungen im Netz gleichzustellen, zeugt von einer mangelhaften Auseinandersetzung mit den Realitäten des Urheberrechtes in der Informationsgesellschaft von heute.

Kay Krüger, NBB Kommunikation

Sehr geehrter Herr Krüger,
zweistellige Wahlerfolge gibt es wohl nur für einen systemischen Wechsel in der Politik und daran Arbeiten wir. Mit Umsonstkultur hat das gar nichts zu tun.

Andreas Föhr, Roman- und Drehbuchautor
Sehr geehrter Herr Föhr,
wir vergeben Ihnen Ihre Unkenntnis in der Entwicklung von Internetstandarts und Protokollen, Betriebssystemen und Computertechnologie. Bereits Bill Gates meinte, das der Großteil des technologischen Fortschrittes in der Computerindustrie engmaschig aufeinander baut, als er sagte: „We sit on the shoulders of giants“. Als Drehbuchautor leben Sie in erster Linie von einer Honorierung aus GEZ Geldern, sofern Sie für die öffentlich rechtlichen Sender schreiben. Gerade die Paradigmen der TV Unterhaltung bauen direkt und indirekt auf bereits Geschaffenes auf. Man spricht hier auch gerne von der „kleinen Münze“ des Urheberrechtes. Dennoch wollen wir das Urheberrecht nicht abschaffen, sondern reformieren.

Knut Hechtfischer, ubitricity Elektroauto

Sehr geehrter Herr Hechtfischer,
kein Pirat entwendet Ihr Patent auf Ihr Elektroauto.

Moritz Rinke, Autor

Sehr geehrter Herr Rinke,
schreiben Sie wirklich nur für Buchläden oder sind da auch Ebooks mit DRM dabei? Finden Sie es gut, wenn dieses teuer erworbene Ebook eines Tages nicht mehr funktioniert, da der Lizenzschlüssel ungültig wurde oder aber das Gerät nicht mehr weiterentwickelt wurde? Dann ist ihr Werk für immer verloren. Bleiben wir bei den Systemadministratoren. Ab und zu braucht man ein neues Update, sonst droht der Systemabsturz.

Antje Lange, Labelmanagerin

Sehr geehrte Frau Lange,
schon klar, Sie würden ihre Künstler am liebsten im Kühlschrank lagern – halten sich länger und Metalmusiker können anstrengend sein – und nur bei Bedarf rausholen, wenn man damit Umsatz generieren kann. Die Musikindustrie hat bis heute nicht nachweisen können, ob die momentan als illegal geltenden Downloads ohne dieses Angebot auch legal erworben worden wären. Auf der anderen Seite spricht viel dafür, das gerade Musikliebhaber über ihre Downloads ihr Hörgewohnheiten erweitern und dann bei Gefallen auch regelmässig kaufen oder Konzerte besuchen. Ganz zu Schweigen von den Möglichkeiten für Nischenkünstler, die früher keinen Vertriebsweg fanden. Unsere Industrie muss sich den neuen Gegebenheiten anpassen, die neue Musik dafür entsteht bereits.

Tosten Casimir, Chefredaktuer Börsenblatt

Sehr geehrter Herr Casimir,
das Sie von G+J für diese Kampagne geimpft wurden, ist offensichtlich. Zu inhaltsleer, zu durchsichtig und zu tendenziös die Befragung der huntert Köpfe, die größtenteils aus der Verwerterlobby stammen und teilweise nicht einmal ihrer Kampagnenlinie entsprechen. Wenn Verlage ihre Macht für wirtschaftliche Zwecke instrumentalisieren, brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn die Leserzahlen zurückgehen. Die Medienkompetenz ist dank des Internets gestiegen und nur davon profitieren wir.

Christian Gysi, Vorstandschef Cinemaxx

Sehr geehrter Herr Gysi,
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, benötigt aber auch eine erweiterte Privatsphäre jedes einzelnen. Der Wert von filmischen Werken geht nicht verloren, es gelten in der Flut der Veröffentlichung jedoch neue Selektionsmechanismen und Werteskalen. Das Internet hilft dem Konsumenten dabei, zu entscheiden, was einen Kauf rechtfertigt.

Julia Franck, Schriftstellerin

Sehr geehrte Frau Franck,
Sie unterschlagen hierbei, das der Ursprung unseres westlichen Paradigmas aller Wissenschaften, der Philosophie und der Kunst bereits in der Antike gelegt wurde. Eine Epoche die gerade auf die Freiheit der Gedanken baute und ohne Urheberrechtsschutz funktionierte. Und auch später war es für die technische und gesellschaftliche Entfaltung in Deutschland weitaus förderlicher, Wissen befreit in allen Schichten zu vermitteln. Während in England ein restriktives Copyright die Entwicklung blockierte, konnten in Deutschland durch vielfältige Nachdrucke große Teile der Bevölkerung an der Bildung teilhaben. Ein Beleg für die sinnstiftende Kraft befreiter Geistesleistungen. Darüber hinaus haben Studien ergeben, das die Urheber im frühen Copyright geschützten England trotzdem an der Armutsgrenze lebten, denn die Verlage diktierten schon immer die Honorare.

Helge Sasse, Vorstandschef Senator Film

Sehr geehrter Herr Sasse,
Nur weil Filme ins Internet gelangen, verlieren sie nicht ihren Wert, denn die Wirkung eines Kinobesuches ist nicht zu ersetzen, erst recht nicht in 3D. Natürlich bedeutet die Verfügbarkeit im Netz auch einen optimierten Verbraucherschutz, denn der Konsument besucht nicht mehr auf Verdacht Kinovorführungen, sondern überlegt sich genau, welcher Film den Erwerb der Kinokarte rechtfertigt. Das bedeutet natürlich auch, das Filmproduzenten höhere Qualitätsmassstäbe ansetzen müssen, denn gerade durch die transformationelle Nutzung von Filmen und die gestiegene Verfügbarkeit von Produktionsmitteln ist die filmische Kompetenz und erwartungshaltung des Nutzers gestiegen. Ebenso wird in der Zukunft das Angebot alternativer Filmkonzepte und neuer filmischer Stilistiken, die auch die vom Konsumenten im Internet erlernte Interaktivität einbeziehen, zunehmen. Dem gegenüber muss das klassische Zuschauerkino neue Konzepte entwickeln.

Renate Künast, Grüne

Liebe Frau Künast,
da ein großer Teil unserer Positionen deckungsgleich ist, gibt es dem nichts hinzu zu fügen, außer: Eine Kulturflatrate wie Sie sie fordern ist für uns nicht möglich, denn durch die Ermittlung eines Verteilungsschlüssels entstehen persönliche Nutzungsprofile. Das widerspricht unserer Vorstellung von Datenschutz. Der CCC hat mit der Kulturwertmark ein interessantes Konzept entwickelt.

Bernhard Frohwinter, GF ipcom

Sehr geehrter Herr Frohwinter,
an der misslichen Lage im Patentbereich der „Schlangengrube“ Mobilfunk sind nicht die Piraten Schuld. Gerade bei den Patenten im Mobilfunk werden Milliardenklagen für inhaltsleere Patentschriften eingeklagt. Die Dichte der “Rechtetrolls” ist nirgendwo höher als im Mobilfunkmarkt. Auch hierfür ist eine dringende Reform nötig, die wir als Piratenpartei begrüßen und weiterentwickeln.

Dieter Gorny, Bundesverband der Musikindustrie

Sehr geehrter Herr Gorny,
wir landen in einem dumpf brütenden Mittelmass, wenn wir all die Überwachungs- und Kontrollmittel einsetzen, die Sie am liebsten sofort anwenden würden. Die Medienkompetenz der Bürger ist ihren Vermarktungskonzepten schon lange davon gelaufen und lehnt in einem breiten Konsens Ihre Visionen einer Bit für Bit abgerechneten Mediennutzung ab, denn digitale Medien sind nicht per se kreativ. Die modernen Nutzungsarten unterschieden sich aber im Vergleich zur vergangenen Passivkultur massgeblich, denn sie fördern eine neue Kultur des Schöpfergeistes und monetären Ausgleiches, die auf klassische Verwerterstrukturen und Gatekeeperkonzepte verzichten kann.

Torsten Albig, SPD Spitzenkandidat SH

Sehr geehrter Herr Albig,
der Wahlkampf hat ja in Schleswig-Holstein bereits begonnen und ihre nautische Fantasie ist sicher Ihrer Herkunft geschuldet. Sie hat jedoch wenig mit der Wirklichkeit piratiger Grundsätze zu tun. Und eine nackte Idee allein ist nicht schützbar. Wir wollen Urheber vergüten, wir wollen einen direkten Ausgleich zwischen ihm und dem Nutzer seiner Schöpfung und wir haben hierfür Konzepte.

Christian Nienhaus, GF WAZ Gruppe

Sehr geehrter Herr Nienhaus,
Sie prangern die Umsonstkultur im Journalismus an? Die Verlage haben selbst die Angebote ins Netz gestellt, mit denen sie große Werbeumsätze generieren. Wenn jetzt ein Leistungsschutzrecht für verlinkte Inhalte von Ihnen gefordert wird und das mit der Beteiligung der Journalisten und Autoren begründet wird, offenbart sich die typische Verwertertaktik, denn die meisten Jounalisten erhalten keinen Cent aus diesen Leistungen, denn sie binden Sie ja bereits an Honorare für eine alle Nutzungsrechte umfassende Auswertung ihrer Leistung.

Rainer Moritz, Leitung Literaturhaus Hamburg

Sehr geehrter Herr Moritz,
halten Sie sich doch nicht an diesem aufgeladenen Kampfbegriff der Verwerterindustrie fest. Wir wollen die Leistungen von kreativen Köpfen honorieren, verstehen aber die Art und Weise, wie Inhalte im Netz individuell genutzt werden als Privatsphäre, auf die Verwerterinteressen schon allein aus datenschutzrechtlichen Grunde keinen Zugriff erhalten dürfen. Dagegen sind wir sehr dafür, Urheber endlich aus dem Joch der restriktiven Vollauswertung bis nach der Lebenszeit zu befreien.

Dennis Snower, Kieler Institut für Weltwirtschaft

Sehr geehrter Herr Snower,
Stehlen ist nie billiger als Kaufen, denn die rechtlichen Konsequenzen eines Diebstahls können schmerzhaft sein. Ein Diebstahl bedeutet das Entwenden einer Sache, die dann dem ursprünglichen Eigentümer fehlt. Genau das ist aber eine digitale Kopie nicht – sie ist also auch kein Diebstahl.

Philipp Rösler, FDP Chef und Vizekanzler

Sehr geehrter Herr Rösler,
auch wir fördern attraktive Angebote für die digitale Welt. DRM ist hingegen alles andere als attraktiv, es behindert und bestraft den fairen Nutzer und erzeugt den gegenteiligen Effekt. Aber auch Sie müssen sich von der aufgeladenen Begrifflichkeit des „geistigen Eigentums“ lösen, damit Sie Ihre eigenen Inhalte ohne Widersprüche bei Frau Merkel vortragen können.

Ferdinand Kayser, Satellitenkonzern SES

Sehr geehrter Herr Kayser,
Sie klingen so, als würden Sie jetzt gerne jedes Datenpaket, welches Sie senden, einer “Deep Packet Inspection” unterziehen. Das ist weder im Interesse ihrer Kunden, noch des Nutzers und würde Ihr Geschäftsmodell nachhaltig schädigen. Wir sind jedoch einer Meinung, wenn wir fordern, das schöpferische Leistungen honoriert werden müssen. Das jedoch ohne totale Kontrolle. Diese widerspricht nicht nur dem Freiheitsgedanken des Internets, sondern würde Innovationen langfristig ersticken.

Bruno Kramm

kontakt@dansemacabre.de

Zum Thema:

Unter den 100 Handelsblatt-”Kreativen” sind 47 Manager, nur 26 Kreativschaffende

http://www.neunetz.com/2012/04/05/unter-den-100-handelsblatt-kreativen-sind-47-manager-nur-26-kreativschaffende/

Die komplette Selbstdemontage des Handelsblatt

http://www.neunetz.com/2012/04/05/die-komplette-selbstdemontage-des-handelsblatt/

Handelsblatt startet Frontalangriff auf Strohmänner

http://www.neunetz.com/2012/04/05/handelsblatt-startet-frontalangriff-auf-strohmaenner/

 

Alle Artikel von Bruno Kramm:

Angriff auf Bruno Kramm - Wird Stefan Herwig dafür bezahlt ? Soll er die ACTA Gegner spalten ?

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/angriff_auf_bruno_kramm_wird_stefan_herwig_dafuer_bezahlt_soll_er_die_acta_gegner_spalten.html

Der Schleichweg in die digitale Vollkontrolle - Rede von Bruno Kramm “Stop ACTA Demo” Nürnberg 25.2.2012

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/der_der_schleichweg_in_die_digitale_vollkontrolle_rede_von_bruno_kramm_stop_acta_demo_nuernberg_2.html

Kommentar von Bruno Kramm - "gewohnt reißerisch"- Stefan Herwigs polemischer Artikel in der musik.woche zu ACTA

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/kommentar_von_bruno_kramm_gewohnt_reisserisch_stefan_herwigs_polemischer_artikel_in_der_musikwo.html

Kommentar von Bruno Kramm - Musik braucht Freiheit - Warum Musik ein neues Urheberrecht braucht und ACTA gestoppt werden muß

http://www.freundederkuenste.de/startseite/einzelansicht/article/kommentar_von_bruno_kramm_musik_braucht_freiheit_warum_musik_ein_neues_urheberrecht_braucht_und.html

Links zu weiteren Kommentaren von Bruno Kramm:

Kommentar von Bruno Kramm - “Two Strikes” ” vergiftet das Klima einer freien Gesellschaft und erodiert die Basis der Kreativwirtschaft

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/kommentar_von_bruno_kramm_two_strikes_vergiftet_das_klima_einer_freien_gesellschaft_und_erodie.html

Kommentar von Bruno Kramm - Der feine Unterschied: Megaupload und Rapidshare …oder: „Wenn SOPA kommt sind wir alle Mr. Kimble“

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/kommentar_von_bruno_kramm_der_feine_unterschied_megaupload_und_rapidshare_oder_wenn_sopa_komm.html

Kommentar von Bruno Kramm - Verfassungsschutz und Vorratsdatenspeicherung - “Am bayerischen Wesen soll Deutschland genesen”

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/kommentar_von_bruno_kramm_verfassungsschutz_und_vorratsdatenspeicherung_am_bayerischen_wesen_so.html

Kommentiert von Bruno Kramm - ACTA – Warum wir uns wehren müssen - ACTA ist Kafkas Alptraum der Informationsgesellschaft

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/kommentiert_von_bruno_kramm_acta_warum_wir_uns_wehren_muessen_acta_ist_kafkas_alp

http://www.kunstfreunde-magdeburg.de/

mehr

16.04.2012 ca. 100.000 Menschen die bereits auf der Straße leben

Heinz Sauren

Unsere Bundesregierung betreibt großen Aufwand, wenn es darum geht relevante Daten und Information zu ihren Bürgern zu bekommen. Unzählige Statistiken werden erstellt, Volkszählungen vorgenommen und Befragungen werden durchgeführt. So wäre anzunehmen, dass ihr die Lebensumstände ihres Volkes bekannt sind.

Leider ist das nicht so in Bezug auf die Menschen, die soweit an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, dass sie für die Belange unserer Regierung nicht mehr von Interesse sind. Sowas geschieht in einem Land, wenn es seine Bürger an dem zu erwartenden Mehrwert bemisst.

Diese Menschen konsumieren nicht mehr signifikant, sie erwirtschaften keinen Mehrwert und sind der Makel in dieser Hochglanz – Selbstdarstellungsgesellschaft. Man redet mit den Aussätzigen nicht, man schirmt sich von ihnen ab und betet, das dieser Kelch an einem vorüber ziehe. Eine schon im Mittelalter sehr beliebte Politik.

Wohl aus diesem Grunde gibt es auch keine offizielle Statistik zu der immer größer werdenden Zahl von Obdachlosen. Die private Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe fordert bereits seit Jahren, das Ausmaß von Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit öffentlich in Form einer bundeseinheitlichen Statistik zu dokumentieren – leider vergeblich.

Unsere Regierung sieht nicht einmal eine Notwendigkeit sich mit diesem Thema zu beschäftigen und möchte dazu keine Zahlen. So gilt es sich mit Schätzungen zu begnügen. Laut solcher Schätzungen sind etwa 591.000 Menschen in Deutschland ohne einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum. Dazu kommen noch einmal ca. 100.000 Menschen die bereits auf der Straße leben.

Die wenigsten dieser Verlierer unserer ungehemmten Wirtschaftspolitik haben diese Lebensart freiwillig für sich gewählt. Die meisten sind durch die Maschen des sozialen Netzes gefallen, das eigentlich den Auftrag hat sie vor genau diesem Schicksal zu schützen.

Es ist zu beobachten, dass die Anzahl der Betroffenen seit Beginn der Wirtschaftskrise sprunghaft angestiegen ist. Eine Folge der Prioritätensetzung unserer Regierung. Ein Vergleich zu den aufgewendeten Geldern zur Rettung maroder Banken offenbart, dass nur ein Bruchteil dessen aufgewendet werden müsste um diesen Menschen zu helfen.

Vielen Menschen droht durch die Auswirkungen unseres fatalen Wirtschaftssystems und der perfiden Ignoranz unserer Bundesregierung der Tod. Aktuell verhungerte ein zwanzig jähriger Mann in seiner Wohnung in Speyer, in der mit seiner Mutter lebte. Seine Mutter beklagt, dass sie sich schon seit längerem kein Essen mehr kaufen konnten.

In Athen erschoss sich ein pensionierter Apotheker vor dem Parlament. In seiner Tasche fand sich ein Schreiben, wonach er lieber sterben als sein Essen aus dem Abfall suchen möchte.

Das sind keine Einzelfälle. Die Zahl der aus wirtschaftlicher Not, oder einfacher gesagt, aus Mangel an Geld für das Nötigste, zu begründenden Toten und Selbstmorden, stieg in den letzten Jahren in Griechenland um 30% und in Italien um 40%. Dort gibt es zumindest offizielle Statistiken dazu.

Es besteht ein ungeschriebener Gesellschaftsvertrag zwischen der Bevölkerung dieses Landes und seiner Regierung, als Grundlage seiner staatlichen Gemeinschaft. Dieser Vertrag besagt, das wir, solange wir wirtschaftlich dazu im Stande sind, mit Hilfe von Steuern und Abgaben, die Regierung bei der Durchsetzung ihrer Ziele unterstützen.

Dieser Vertrag besagt aber auch, dass wir bei Verlust unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, als Gegenleistung für die Hilfe die unsere Regierung durch uns erhält, diese uns dann helfen muss. Diese Hilfe ist für beide Empfänger kein Almosen, sondern ein sich aus dieser Vereinbarung ergebendes Recht und Pflicht und ist nicht von einem gewünschten Verhalten des Empfängers abhängig.

Weder wir können die Zahlung unsere Steuern und Abgaben einstellen, weil uns die Handlungen unserer Regierung missfallen, aber auch der Staat kann seine Leistung nicht einstellen, weil er gerade anderes für wichtiger erachtet oder die Leistungen an ein, ihm gefälliges Verhalten koppeln.

Die einseitige Auflösung dieses Vertrages durch die Nichterfüllung einer Pflicht daraus, ist die Aufkündigung der Grundlage jeder staatlichen Gemeinschaft.

Es ist zynisch, wenn unsere Bundesregierung uns vorrechnet das genug Geld ausgegeben worden sei und auch keines mehr zur Verfügung stünde. Nicht der Betrag in Euro hat eine Bedeutung für die Erfüllung der Pflicht des Staates. Einzig relevant ist die Frage; war es genug Geld um die Missstände aufzuheben. Diese Frage ist mit nein zu beantworten.

Der Einwand, es stünde kein Geld mehr zur Verfügung ist dann nur noch ein Verhöhnung der Leidtragenden. „Pacta sund servandum“, wussten schon die alten Römer zu sagen und die Einhaltung dieses Vertrages gebietet das Geld von anderen Ausgaben abzuziehen, solange und so viel bis es ausreicht die Umstände aufzuheben.

Dies ist auch eine Frage grundsätzlicher menschlicher Werte. Der Schutz des Lebens und die Gewährung einer angemessenen Lebensgrundlage ist und muss die oberste Aufgabe allen staatlichen Wirkens sein. Diese Grundforderungen lassen sich nicht von vermeintlichen Sparzwängen definieren oder diktieren.

Sie ist so hochrangig, das sie die einzig legale Begründung für die Führung eines Krieges für einen Staat ist. Um diese Umstände aufzuheben wäre viel weniger nötig, als der Beginn eines Krieges.

Missstände hat es immer gegeben und doch ist es kaum 20 Jahre her, da wären solche Umstände undenkbar gewesen. Es bestand ein funktionierendes Sozialnetz und ein gesellschaftlicher Konsens, denen Hilfe zu bieten, die diese brauchen. Ist dieses heute wirklich undenkbar, wo wir doch, nach dem bekunden unserer Bundeskanzlerin, seit dem um so vieles größer, reicher und stärker wurden?

Die Regierung dieses Landes hat Fehler gemacht und wir haben diesen Fehler zugestimmt und sie übernommen. Es ist an der Zeit diese Fehler zu korrigieren. Es gibt starke und einflussreiche Kräfte in diesem Land, die diese Zustände wollten und auch weiter in diese Richtung arbeiten.

Gegen sie haben wir vieles verloren. Doch es gibt auch eine Opposition zu ihnen, aus Menschen die sich nicht im Reichstag finden und die genau fühlen, das es ein falscher Weg war, den wir gingen und wissen das wir es besser machen können.

Heinz Sauren

Link zum Thema:

Wenn die Krise tötet

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,827618,00.html

Heinz Sauren studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
Rechtswissenschaften und Philosophie. Im weiteren bezeichnet er sich als Autodidakt.

Beruf: Schriftsteller
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS)

Berufung: Buchautor, Kolumnist, Essayist, Aphoristiker und Freigeist

Politische Ausrichtung
Politische Einstellungen sollten keinen Parteien-, sondern einen begründeten Sachbezug haben, daher reicht mein politisches Spektrum von rechtsliberal bis linkskonservativ und in Fällen empfundener Ungerechtigkeit, darf es auch mal etwas Anarchie sein.

Religiöse Einstellung
Die etwaige Existenz oder Nichtexistenz eines Schöpfergottes ist nicht, von persönlichen Präferenzen, gesellschaftlichen Definitionen oder einem Glauben daran, abhängig.

Seine Lieblingszitate

” Die meisten Menschen haben einen Erkenntnisradius gleich null, das nennen sie dann ihren Standpunkt.” Albert Einstein

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.” Theodor Adorno

Kontakt zu mir

E-mail: HeinzSauren@gmail.com

www.facebook.com/Gedankenmomente

 

 

mehr

15.04.2012 "Ja, ich bin männlich, ich bin nicht homosexuell"

Michaela Boland

Pop-Star Robin Gibb von den legendären Bee Gees befindet sich nach fünf Jahren jetzt wieder auf Deutschland Tournee.  Seit dem ersten Mai tourt er durch die größten Hallen unseres Landes und begeistert seine Fans im Rahmen des Programms „An Evening of Bee Gees Greatest Hits“.

Einer seiner wohl größten Fans ist Moderatorin Michaela Boland. Im Alter von 13 Jahren hatte sie 1983 beschlossen, den Mega-Star zu interviewen. Dass es 25 Jahre bis dahin dauern und hierfür notwendig sein würde, erst einmal Journalistin zu werden, hatte sie damals zunächst zwar nicht gedacht, wurde dann jedoch eines Besseren belehrt. In Oberhausen war es nun endlich soweit, der Juliet-Sänger nahm sich Zeit zum Plausch.

Michaela Boland:        

Robin, Du hast in Deinem bisherigen Leben schon jede Menge Tourneen hinter Dir. Genießt Du es heute anders, live auf der  Bühne zu stehen, als beispielsweise vor 20 bis 30 Jahren?

Robin Gibb:          

Ja, der Unterschied ist, dass wir heute einen so großen Katalog an Liedern haben. Wir sind sehr stolz darauf, ihn im Laufe der Jahre immer weiter aufgefüllt zu haben. Die meiste Zeit unseres Lebens haben wir Songs geschrieben, was wir auch immer sehr genossen haben.

Das erreicht zu haben, was wir erreicht haben, ist etwas, worauf wir sehr stolz sind. In diesem Bewusstsein heute auf der Bühne zu stehen und diese Lieder zu singen, ist insofern schon etwas anderes.   

Michaela Boland:        

Nach welchen Kriterien hast Du bei all Euren Hits entschieden, welche Songs Bestandteil Deines aktuellen Tourprogramms sein sollen und welche nicht?

Robin Gibb:          

Es gilt immer sicherzustellen, nicht zu viele Wiederholungen einzubauen. Da gibt es ja eine riesige Auswahl. Und natürlich sind da einige Songs, die man lieber singt als andere. Und da gibt es ja auch Lieder, die wir für andere Leute geschrieben haben und die wir selbst nicht aufgenommen haben, die ich diesem Programm zum ersten Mal singe.

 Wie z.B „Woman in Love“ für Barbra Streisand, „Islands in Stream“,  „Emotion“ das Beonce mit Destiny`s Child interpretiert und zum Welterfolg gemacht wurde, „Heartbreaker“ (Dionne Wawrick), also alles Lieder, die wir normalerweise nicht auf der Bühne singen würden. Aber nichts desto trotz  sind es nach wie vor unsere Songs.

Insoweit ist es dann lediglich eine Frage, wie man jene Lieder herüberbringt. Also jedes Mal, wenn wir uns auf eine Show vorbereiten, gehen wir den ganzen Katalog durch und überlegen uns, was wir wie machen. So einfach ist das.

Michaela Boland:        

Manche Besucher des Konzerts haben unterschiedliche Lieder vermisst.

Robin Gibb:            

Nun, die Menschen möchten natürlich immer, dass man ganz bestimmte Songs singt. Doch das würde den Rahmen unweigerlich sprengen.

Michaela Boland:        

Ein Stück innerhalb des Programms hast Du einem gewissen DJ gewidmet. Was hat es damit auf sich?

Robin Gibb:          

Ja, das ist ein brandneuer Song, der bisher noch nicht mal veröffentlicht wurde. Er ist Alan Freeman gewidmet, der ein Pioneer Disc-Jockey in den 60-er Jahren war. Er hat insoweit Pionierarbeit hinsichtlich britíscher Musik und  dem Songwriting betrieben, als dass er den Weg für britische Musik in die Staaten geebnet hat, die Beatles eingeschlossen. Er brachte als einer der Ersten britische Musik in die USA und hat eine Plattform hierfür  geschaffen. Das soll eine Ehrerbietung an ihn sein.

Michaela Boland:        

In der Regel hat die Musik der BeeGees einen sehr beschwingenden Charakter. Es macht einen irgendwie fröhlich, wenn man ein Stück von Euch hört, selbst wenn man kurz zuvor noch schlechte Laune hatte. Was ist das Geheimnis dieser Gabe, anderen Menschen ein gutes Gefühl vermitteln zu können?

Robin Gibb:                

Das ist eigentlich kein Geheimnis. Ich glaube, das, was unser Manager, Robert Stigwood, einmal zu uns sagte als wir das erste Mal zurück nach England kamen und wir übrigens stets in Erinnerung behalten haben, ist der Grund. Er meinte: „Schreibt 40 Jahre in der Zukunft, schreibt über menschliche Gefühle!“

Und das haben wir immer beherzigt, wir sind immer solchen Songs verhaftet geblieben,  mit denen auch die Leute einmal würden etwas anfangen können, die da noch gar nicht geboren waren. Mit menschlichen Gefühlen können sich nun mal alle identifizieren.

Und das ist etwas, was die Menschen offenbar immer verbindet, Junge ebenso wie Alte. Es ist ein Teil von ihnen, sie finden sich selbst in den Stücken wieder. Ich glaube, das ist der Grund, das sind die Zutaten. Schlicht und ergreifend: Emotion, Melodie und menschliche Beziehungen.

Michaela Boland:      

Hattest Du eigentlich auch jemals ein Idol?

Robin Gibb:                

Roy Orbison. Er wurde Jahre später dann ein persönlicher Freund. Er war meine erste Inspiration als ich sehr jung war. Die erste und letzte Platte, die ich jemals gekauft habe, war von ihm.“Crying“ Ich war elf Jahre alt und lebte noch in Brisbane. He war einfach bahnbrechend und neuartig.

Michaela Boland:        

Was war der schönste Moment in Deiner Karriere?

Robin Gibb:

Musik zu schreiben. Wir begannen ja Musik zu schreiben als wir acht Jahre alt waren. Wir hörten immer Radio und wir drei forderten uns gegenseitig dazu heraus, einmal einen Song zu schreiben, der auch mal im Radio gespielt werden würde. Ich glaube wirklich, das Schönste in unserer Karriere war und ist stets, das Komponieren. Ein Komponist sein zu dürfen.

Wir sind niemals darin unterrichtet worden. Das ist alles ist immer einfach in unseren Köpfen gewesen. Musik lässt Dich irgendwie ganzheitlich fühlen, sie kann Dich zu einem anderen Ort tragen, sie hat einfach so viel zu bieten, vielmehr als nur Worte. Es fühlt sich schlichtweg gut an, dazu in der Lage zu sein, Musik komponieren zu können.

Michaela Boland:        

Was hättest Du eigentlich für einen Beruf ergriffen, wenn Du keine Musikkarriere gemacht hättest?

Robin Gibb:                

Oh, Zimmermann oder Schreiner! Nein, keine Ahnung. Ich habe nie in Betracht gezogen, etwas anderes zu tun, weil ich immer genossen habe, das zu tun, was ich mache. Ich glaube, ich hatte immer Spaß. Ich hätte nicht irgendetwas tun können, nur um Geld zu verdienen, ohne es zu lieben.

Michaela Boland:        

Inwieweit interessierst Du Dich für Dich für bildende Kunst?

Robin Gibb:                

Ich mag photographische Kunst sehr. Manchmal interessiere ich mich auch für Malerei, aber es ist eher die Photografie, die es mir angetan hat.

Michaela Boland:        

Ist es für  jemanden, wie Dich, der stets ursprüngliche eigene Musik gemacht hat, schwer zu verstehen, wie heutzutage Pop-Stars in Castingshows „hergestellt“ werden?

Robin Gibb:                

So richtig komme ich da in der Tat nicht mit. Ich meine, das sind natürlich nur Fernsehshows. Es sind gutgemachte Sendungen, ich bezeichne sie als gelenktes Fernsehen. Das hat nichts mit guter Musik zu tun, sondern mit guter TV-Unterhaltung. Dort geht es um Einschaltquoten. Und deshalb ist es eigentlich schwierig zu behaupten, dass aus ihnen Stars hervorgingen.

Ob es tatsächlich um Talent geht, weiß ich nicht. Alles, was ich eigentlich daraus schließe, ist lediglich, dass Plattenfirmen heute völlig anders sind als zu der Zeit als wir im Musikbusiness anfingen.

Also, wenn man eine große Bandbreite an Songs hat, ist das natürlich gut, aber wo sind die neuen Acts, die heutzutage ihre Karriere beginnen, wie sollen sie sich diese große Bandbreite erschaffen, die beispielsweise Leute wie wir, Lennon/Mc Cartney, Abba, Queen oder Elton John haben. Wo sind diese neuen Acts?

Michaela Boland:        

Hältst Du es denn grundsätzlich für möglich, neue Bands dieser Größenordnung zu erschaffen?

Robin Gibb:                

Nein, nicht in dieser Industrie.

Michaela Boland:        

In den frühen 90-igern gab es einen Bee-Gees Hit mit dem Titel odinary lives. Wie gewöhnlich lebst Du eigentlich tatsächlich?. Könnte man Dich beispielsweise zu Hause auch mal im Garten beim Einpflanzen von Blumenzwiebeln antreffen?

Robin Gibb:                

Nein, eher nicht. Songs sind zwar biografisch, doch sie zu schreiben ist ein bisschen wie schauspielern. Du stellst Dir eine andere Person in diesem Song vor, aber du gibst nicht notwendigerweise das Leben wieder, dass Du selbst lebst. Ich glaube zwar, dass die Menschen die Vorstellung mögen, dass es sich um Dich selbst handelt, aber wenn Du das tätest, würdest Du ja irgendwann zusammenbrechen.

Du kannst natürlich nicht all das sein, worüber Du so schreibst, aber Du kannst über Gefühle schreiben, was wir ja stets gerne tun und immer getan haben. Ich glaube einfach, letztendlich geht es doch immer nur um die Umwandlung der Vorstellungskraft in einen Song.

Michaela Boland:        

Als vorsitzender Präsident der Dachgesellschaft der Verwertungsgesellschaften ( International Confederation of Societies of Authors and Composers /CISAC), welche sich für den Schutz der Kreativ-Schaffenden im Hinblick auf Verwertungsrechte einsetzt, hast Du jüngst massive Urheberrechtsverletzungen in den Ländern China, Russland, Afrika und Indien beklagt und jene Länder diesbezüglich öffentlich scharf kritisiert.

Was kann man Deiner Meinung nach tun, um zu verhindern, dass der weltweiten Musikindustrie durch diese Länder weiterhin Verluste in Millionenhöhe entstehen, weil dort Urheberrechte oftmals mit Füßen getreten werden?

Robin Gibb:                

Zunächst einmal sei gesagt, dass es nicht ausschließlich um Autoren und Komponisten geht, sondern weltweit auch um Designer, Drehbuchautoren, Texter also Kreative allgemein. Es geht darum, die Urheberrechte dieser Menschen zu schützen. Es geht um Immaterialgüterrecht, das Recht am geistigen Eigentum.

Es ist schlimm, wenn plötzlich jemand anderer Dein geistiges Eigentum besitzt und daran verdient. Fakt ist ja, auch bei dem, was ein Kreativer schafft, geht es um ein Produkt, im Prinzip genauso wie bei körperlichen Gegenständen. Die eben erwähnten Länder, gerade Russland und China bezahlen ja in dieser Hinsicht noch nicht einmal ihre eigenen Leute.

Sie sind, was das anbelangt, auf einem Stand, auf dem die USA, Europa oder das United Kingdom bereits Mitte des 18. Jahrhunderts befand. Das gibt es noch sehr viel zu tun, das schafft man wohl nicht über Nacht auch in diesen Ländern den Kreativ-Schafenden zu ihren ihnen zustehenden Rechten zu verhelfen.

Es geht zunächst mal darum, ein öffentliches Bewusstsein für dieses Problem zu schaffen, gerade auch in diesen Ländern. Ich hoffe, es wird ein Wandel stattfinden. Man muss eben in den Ländern darüber sprechen.

Michaela Boland:        

Noch eine letzte Frage…

Robin Gibb:                

Ja, ich bin männlich, ich bin nicht homosexuell..(lacht).

Michaela Boland:        

Spürt man als Popstar eigentlich auch die Auswirkungen der augenblicklichen Weltwirtschaftskrise?

Robin Gibb:                

Also als Songwriter leben ja nicht wirklich auf Kredit. Und das ganze ist ja mehr oder weniger eine Kreditknappheit. Wir werden ja direkt bezahlt. Nur wenn Du leihst, spürst Du ja die Effekte. So gesehen ist es eigentlich ein Glücksfall in dieser Branche zu sein.

Michaela Boland:        

Herzlichen Dank für dieses Interview und viel Spaß bei Deinen weiteren Deutschland Auftritten in Hannover (17.05.2009) und Frankfurt (19.05.2005)

Siehe hierzu auch unsere Konzertempfehlung.  

ROBIN GIBB wurde am 22.Dezember 1949 als drittes Kind von Barbara und Hugh Gibb, einer Sängerin und einem Drummer aus Manchester, in Douglas, der Hauptstadt der Isle of Man, geboren. Gemeinsam mit seinem um 35 Minuten jüngeren Zwilling, Maurice, und dem drei Jahre älteren Bruder Barry, stellten sie als Bee Gees die erfolgreichste Familien-Pop-Band aller Zeiten dar. Neben Maurice (gest. 2003) und Barry wuchs Robin mit der älteren Schwester Lesley und dem Nesthäkchen Andy (gest.1988) auf.

Bereits im Alter von sechs Jahren hatten Robin und seine Brüder erste öffentliche Auftritte in Manchester, wohin die Familie 1953 wieder zurück gezogen war. Schon im Kindesalter  bastelten Robin, Maurice und Barry sich Gitarren und traten damit im Kino als Band auf.

In Wirklichkeit taten sie nur so als ob sie spielten und im Hintergrund lief eine Platte. Als diese jedoch einmal zerbrach, sangen sie selbst und hatten so großen Erfolg damit, dass am nächsten Tag die Zeitung darüber berichtete.

Damit war der Grundstein für ihre Musikkarriere gelegt. 1958 wanderte die Familie Gibb nach Australien aus. Hier fanden die musikalischen Brüder bald wieder die Möglichkeit, öffentlich aufzutreten: Sie sangen an einer Rennstrecke in den Pausen der Rennen.

Auf diese Weise wurde ein bekannter australischer DJ auf sie aufmerksam, der mit ihnen ein Demotape aufnahm. Um die Musik der Jungen vermarkten zu können, kreierte man den Namen Bee Gees, der für Brothers Gibb steht.

Die Band begeisterte die Australier mit harmonischen Gesängen und Robin, der in den meisten Liedern die erste Stimme sang, steuerte das hohe Falsett bei, das zum Markenzeichen der Bee Gees wurde.

Verstärkt durch Gitarrist Vince Melouney und Schlagzeuger Colin Petersen hatten sie im Frühjahr 1967 ihren ersten weltweiten Millionen Erfolg mit der düsteren Ballade „New York Mining Desaster 1941“. Es folgten weitere Hits wie „To love somebody“, Massachusetts“, „World“, „Words“, I`ve got a massage to you“ u.v.a. Die Bee Gees wurden innerhalb kürzester Zeit als größte Konkurrenz der Beatles gehandelt.

Ende 1969 löste sich die Gruppe auf, nachdem sich die Brüder zerstritten hatten. Als erster verließ Vince Melouney, dann Robin Gibb und dann Colin Petersen die Band. Die einzelnen Mitglieder schlugen Solopfade ein, dabei war Robin der Erfolgreichste. Mit „Saved by the bell“ hatte Robin im selben Jahr einen weltweiten Hit.

Das Soloalbum „Robin`s Reign“ folgte 1970. Nach 15-monatiger Trennung fanden die Brüder wieder zusammen und feierten in den 70er Jahren unzählige Erfolge u.a mit der Filmmusik zu "Saturday Night fever“, mit welchem sie die Disco Ära maßgeblich prägten.

Dieser Soundtrack zum Film mit Welthits wie „Stayin`alive“, „Night Fever“ und „How deep is your love“ machte die Bee Gees zu Mega Stars. Das Album ist bis heute der zweitmeistverkaufte Soundtrack in den USA. Nur „Bodyguard“ von Whitney Houston ging dort häufiger über den Ladentisch.

Als es in den 80ern wieder etwas ruhiger um die Bee Gees wurde, brachte Robin weitere Soloalben heraus, die ebenfalls Hits hervorbrachten. Der bekannteste davon war „Juliet“ von dem Album „How old are you?“ Er landete mehrere Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts.

1984 erschien das Album „Secret Agent“ mit dem Single Hit „Boys do fall in Love“. 1985 veröffentlichte Gibb das Album „Walls have eyes“. Die Auskopplungen „Like a Fool“ und „Toys“ wurden von den Radiostationen rauf und runter gespielt.

Nach einer Pause, in denen die Bee Gees wieder gemeinsam aktiv gewesen waren, veröffentlichte Robin dann erst 2003 wieder ein Soloprojekt. Mit dem Album „Magnet“ und dem Single Hit „Please“ begeisterte der Sänger nicht nur seine Fans.

In 2006 folgte dann noch ein Weihnachtsalbum mit dem Titel „My Favourite Christmas Carols“. Im Jahre 2007 nahm Robin gemeinsam mit der Pop-Band US 5 den Bee Gees-Klassiker „Too much heaven“ erneut auf.

Das offizielle Ende der Pop-Gruppe Bee Gees wurde im September 2006 bekannt, nachdem Robin und Barry bereits am 12. Januar 2003 den Verlust ihres Bruders Maurice, der plötzlich und unerwartet verstarb, hinnehmen mussten. Künftige gemeinsame Projekte von Robin und Barry würden nunmehr nicht mehr unter dem Namen Bee Gees, sondern Brothers Gibb veröffentlicht werden .

Robin Gibb war in erster Ehe mit der Sekretärin Molly Hullis verheiratet. Aus dieser Ehe gingen Sohn Spencer Gibb (36) und Tochter Melissa Gibb (34) hervor. Die Ehe wurde 1980 geschieden. In zweiter Ehe ist der Sänger, Texter und Komponist mit Dwina Murphy Gibb verheiratet.

Aus dieser Ehe stammt Sohn Robin-John Gibb (26). Aus einer Affäre mit seiner Haushälterin, Claire Yang, ging Gibbs bisher jüngste Tochter, Snow Evelyn Robin Juliet Gibb (sechs Monate), hervor. Im Mai 2004 erhielt Robin Gibb in Manchester die Ehrendoktorwürde der Universität.

MICHAELA BOLAND ist Journalistin und TV-Moderatorin. Für den Westdeutschen Rundfunk stand sie nach dem Jura-Studium seit 1996 als jüngste deutsche Fernsehmoderatorin eines Unterhaltungsformates für die sonntagnachmittägliche Sommer-Familien-Talk-Show „Hollymünd“ vor der Kamera.

In der ARD präsentierte sie neben ihrer Tätigkeit als Redakteurin der creatv-Fernsehproduktions GmbH für die daily Talk-Formate „Hans Meiser“ und „Oliver Geissen“, die Vorabend Live-Show „Studio Eins“.

Als Guten-Abend-RTL-Reporterin berichtete Michaela über spannende Themen aus ganz NRW. Außerdem war sie Gastgeberin der Freitag-Abend-Gala-TV-Show „Casino Life“auf TV NRW.

Ein begnadeter Sänger, der den unvergleichlichen "Staying Alive"-Sound prägte - Robin Gibb: Insgesamt 1.038 Wochen in den deutschen Charts

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/medienpreise-ausschreibung/einzelansicht/article/ein_begnadeter_saenger_der_den_unvergleichlichen_staying_alive_sound_praegte_robin_gibb_insgesam.html

 

mehr
Treffer: 822