Reden ist silber, Schreiben ist gold

07.12.2013 beispiellose Bedrohung unserer Demokratie

GFDK - Konstantin Wecker

Liebe Freunde, es gibt viele Gründe, gegen eine große Koalition zu sein. Der meines Erachtens entscheidende ist die Entmündigung der Opposition. Eine Demokratie ohne Opposition ist keine Demokratie, sondern ein Erfüllungsgehilfe neoliberaler Wirtschaftsinteressen. Und vor allem in Hinblick auf dasTransatlantische Freihandelsabkommen (TAFTA) eine Katastrophe.

Im Endeffekt können wir dann in naher Zukunft Bürgerinitiativen und Volksabstimmungen vergessen, da den großen Konzernen immer die Möglichkeit gegeben sein wird, dagegen zu klagen. Ja - Staaten zu verklagen, wenn die Gesetze zu sozial sind!! Ein Beispiel von vielen, um damit an die Diskussionen um meinen letzten Beitrag anzuknüpfen. Lori Wallach schreibt in der Le Monde diplomatique:


„Das amerikanische Fleischinstitut (AMI) empört sich, die Europäische Union bestehe auf ihrem "ungerechtfertigten" Verbot von Fleisch, das unter Einsatz von Wachstumshormonen erzeugt wurde. Diese Mittel, wie etwa Ractopamin, sind wegen der Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier in 160 Staaten - darunter allen EU-Ländern, aber auch Russland und China - verboten oder eingeschränkt. Auch der Verband der US-amerikanischen Schweinefleischproduzenten (NPPC) hat seine Wünsche:

Eine beispiellose Bedrohung unserer Demokratie

"Die US-Schweinefleischproduzenten werden ein Ergebnis nur akzeptieren, wenn es das EU-Verbot für den Einsatz von Ractopoamin im Produktionsprozess beseitigt." (Ich hoffe sehr, dass die radikalen Tierschützer sich auch auf anderen politischen Gebieten ebenso radikal für die Gesellschaft so engagieren).
Der SPIEGEL schreibt zu Recht: „Der Alptraum eines Grünen- oder Linken-Abgeordneten geht so:

Es ist Sitzungstag, Redner von Union und SPD loben sich stundenlang gegenseitig. Irgendwann darf die Opposition ein eigenes Thema setzen, aber nur ganz kurz und erst zu später Stunde, wenn das Fernsehen nicht mehr überträgt. In einer Regierungskrise wird der Wunsch nach einem Untersuchungsausschuss laut - und prompt abgeschmettert.

Die Koalition kann den Daumen senken, wann immer sie will.

Nun wollen sie uns Sand in die Augen streuen mit der Wahrung der sogenannten Minderheitsrechte im Koalitionsvertrag. In der Union steigen allerdings die Sympathien für das Modell einer freiwilligen Selbstverpflichtung. Das bringt ungefähr so viel, wie wenn sich die Deutsche Bank freiwillig selbst verpflichtet nicht mehr zu betrügen.


Auch nach dem Tod des verehrten Meisters stört Dieter Hildebrandts Stoersender. Wir machen weiter Dieter!!!

Anmerkung der Redaktion zum Thema:

Monsanto ist kurz davor, seinen größten Coup aller Zeiten zu feiern, doch wir haben noch bis zum Wochenende Zeit, dazwischenzufunken.

Die Transpazifische Partnerschaft ist ein Geheimabkommen zwischen zwölf Staaten, das Unternehmen beispiellose Macht verleihen würde. Vor globalen Gerichtshöfen könnten sie unsere Regierungen wegen Gesetzen verklagen, die Bürgern den Vorrang vor Unternehmen geben! Von der Kennzeichnung von Gen-Lebensmitteln bis zur Internetfreiheit ‒ alles könnte davon betroffen sein. Wikileaks hat die Geschichte aufgedeckt und nun bildet sich Widerstand. Doch in 48 Stunden wollen die Unternehmen den Deal bereits besiegeln.

Es ist wahnsinnig, doch wir können es stoppen ‒ 3 Länder sind noch zögerlich und wenn sie jetzt einen Rückzieher machen, könnte der Deal ins Wasser fallen. Fordern wir Entscheidungsträger in Chile, Neuseeland und Australien mit einem globalen Aufschrei zur Standfestigkeit auf. Verhindern wir, dass Unternehmen soviel Macht ergattern, bevor Monsanto die Korken knallen lässt. Unterzeichnen Sie jetzt und verbreiten Sie die Aktion:

http://www.avaaz.org/de/no_champagne_for_monsanto_loc/?bcTbHdb&v=32145

Die aufgedeckten Entwürfe der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) lesen sich wie eine lange Wunschliste der Großkonzerne ‒ über ein undurchsichtiges Gerichtssystem könnten Unternehmen unseren Regierungen standardmäßig ihren Willen aufzwingen. Diese Gerichtshöfe könnten Marken-Medikamente begünstigen und den Zugang zu Generika einschränken. Sie könnten Zigarettenfirmen befähigen, unsere Regierungen unter dem Vorwand zu verklagen, dass Gesundheitsvorschriften ihre Profite schmälern! Es ist so verrückt, dass man es kaum glauben mag.

Dennoch hat fast niemand von der Transpazifischen Partnerschaft gehört. Die Verhandlungsinhalte sind so streng geheim, dass sie selbst unseren gewählten Gesetzgebern unbekannt sind  einzig die Verhandlungspartner und 600 Firmenlobbyisten haben Zugang. Nun sind Texte ans Licht gekommen, die viele Politiker und Bürger aus Chile, Neuseeland und Australien schockiert haben. Sie versuchen der Schikane der Firmenlobbies und auch den USA die Stirn zu bieten ‒ dort setzt man alles daran, einen Deal zu besiegeln, bevor er von der Öffentlichkeit unter die Lupe genommen wird.

Die Transpazifische Partnerschaft betrifft uns alle ‒  sie verletzt unsere Rechte und untergräbt unsere Demokratie. Und das nur, um Unternehmen die Profite zu sichern. Uns bleiben nur noch ein paar Tage, um dies zu verhindern. Machen Sie jetzt mit und verbreiten Sie die Aktion:

http://www.avaaz.org/de/no_champagne_for_monsanto_loc/?bcTbHdb&v=32145

Gegenüber mächtigen Großunternehmen, die unsere Regierungen mit ihren Geldbeuteln steuern, kommt man sich oft unbedeutend vor. Doch die wahre Macht hat nicht das Geld, sondern die Bürger. Unsere Bewegung hat immer wieder bewiesen, dass wir unsere Rechte gegen übermäßigen Unternehmenseinfluss verteidigen können: Bei zahlreichen Versuchen der Internetzensur ‒ von SOPA und PIPA über ACTA und CISPA ‒ sind wir eingeschritten. Gemeinsam können wir erneut mit vereinten Kräften diese beispiellose Bedrohung unserer Demokratie anfechten.

Voller Hoffnung,

Alice, David, Jooyea, Alex, Aldine, Julien, Ricken und das Avaaz-Team

PS - Viele Avaaz-Kampagnen werden von Mitgliedern gestartet. Starten Sie jetzt Ihre eigene Petition, zu irgendeinem Thema - ob regional, national oder global: http://www.avaaz.org/de/petition/start_a_petition/?cl=3651982978&v=32145

QUELLEN: 

Trans-Pacific Partnership: WikiLeaks veröffentlicht Copyright-Kapitel von Handelsabkommen (Spiegel Online)
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/wikileaks-veroeffentlicht-copyright-kapitel-von-handelsabkommen-a-933401.html

Wikileaks veröffentlicht Details von Verhandlungen (Süddeutsche Zeitung) 
http://www.sueddeutsche.de/digital/freihandelsabkommen-tpp-wikileaks-veroeffentlicht-details-von-verhandlungen-1.1818005

Wikileaks veröffentlicht geheimes Kapitel der Transpazifischen Partnerschaft (The Guardian) (Englisch)
http://www.theguardian.com/media/2013/nov/13/wikileaks-trans-pacific-partnership-chapter-secret

Vollfassung des enthüllten Entwurfstexts (Wikileaks) (Englisch)
http://wikileaks.org/tpp/ 

Das Transpazifische Partnerschaftsabkommen ist alles andere als ein “Freihandelsabkommen” (The Guardian) (Englisch)
http://www.theguardian.com/commentisfree/2013/nov/19/trans-pacific-partnership-corporate-usurp-congress 

Beschleunigung birgt Risiken für das pazifische Handelsabkommen (Seattle Times) (Englisch)
http://seattletimes.com/html/businesstechnology/2022349766_biztaltoncol01xml.html

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04.12.2013 10.000 EURO FÜR AMNESTY INTERNATIONAL

Axl Klein - Gottfried Böhmer

10.000 EURO FÜR AMNESTY INTERNATIONAL AUS DEM PROJEKT ZORN! Nachdem nun die erste Ausstellung von ZORN in Köln super erfolgreich zu Ende ging, kann ich mitteilen, dass bisher 10.000 Euro aus dem Verkauf der Bilder Amnesty International gehen!

Das ist ganz großartig und an dieser Stelle möchte sich der Künstler Axl Klein nochmals herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Portraitserie bedanken! Ein riesen Danke auch an die Michael-Horbach-Stiftung, die uns Ihre wunderbaren Kunsträume in Köln absolut kostenfrei für die Ausstellung zur Verfügung gestellt und das Projekt so sehr unterstützt hat!

Michael Horbach (Horbach Stiftung) präsentierte die Fotoserie ZORN des Saarbrücker Fotografen Axl Klein. 55 großformatige Portraits prominenter Zeitgenossen, bekannt aus Literatur, Film, Funk und TV, Autoren, Schauspieler, Musiker, und Moderatoren verteilt auf 3 großzügige Räume erwarteten die geladenen Gäste und Besucher.

Axl Klein wollte wissen, wie sich ZORN in den Gesichtern von Menschen ausdrückt. Axl Klein fuhr mit seinem Assistenten Mattias Wittekind durch ganz Deutschland. Die Studios mietete er direkt vor Ort, mit Ausnahme von Markus Lanz, der stellte nicht nur sich, sondern direkt auch sein Hamburger Fernsehstudio zur Verfügung. 

Blicke des ZORNS in den Gesichtern

Axl Klein hat vor dem Beginn seines Projektes 150 Künstler angefragt, mehr als die Hälfte hat sofort abgewunken oder erst gar nicht reagiert. Prominente sehen sich lieber auf dem roten Teppich oder in guter Laune-Stimmung. ZORN, so Axl Klein ist nicht der Moment für Eitelkeiten.

Reiner Idealismus

Als Türöffner erwies sich Amnesty International, die die Schirmherrschaft für das Kunstprojekt übernommen hatten. An dieser Stelle müssen wir erwähnen, dass Axl Klein das Projekt ZORN aus reinem Idealismus verwirklicht hat. Der gesamte Verkaufserlös der Werke (abzüglich der Printproduktion) spendet der Künstler und Fotograf Amnesty International.

Großformatige Bilder in bestechender Qualität

Axl Klein konnte sich die fast zweijährige Arbeit nur leisten, weil er als Werbefotograf das Projekt querfinanzieren konnte. Die großformatigen Bilder in bestechender Qualität sind zu einem für den Kunstmarkt unglaublichen Preis von 1.250 Euro zu erwerben. Auch die Verkaufserlöse des gleichnamigen Buchtitels ZORN, das ab Mitte September im Buchhandel erscheint, gehen an Amnesty International.

Die Ausstellungseröffnung durch Roger Willemsen war für viele Gäste ein absolutes Highlight des Abends. Was Willemsen mit Wortgewalt, Sprachwitz und Ironie pointiert zum Thema ZORN vortrug, stimmte nachdenklich, brachte aber auch die Zuhörer an vielen Stellen zum lachen. Der Schriftsteller Matthias Altenburg hat mal über Willemsen gesagt "das er schon drei kluge Sätze gesagt hat, bevor man den eigenen dummen, den man auf der Zunge hat noch verwerfen könnte" Das kann ich nun bestätigen.

Das Publikum klebte an seinen Lippen. Der ZORN so die Erkenntnis, ist allgegenwärtig, steckt in jedem von uns und ist nicht selten eine Triebfeder der Veränderung.


Ein großes Dankeschön auch an Benjamin Knur von "studio das" – meiner Agenturvertretung! Auch er arbeitete honorarfrei fortwährend für dieses Projekt und trug maßgeblich zu dem tollen Erfolg bei!

Alle 55 großformatigen Portraits werden übrigens vom 27.2. – 13.4.2014 im „Unesco Weltkulturerbe Völklinger Hütte“ / Saarland erneut gezeigt.

Die Bilder stehen weiterhin - in limitierter Auflage von 5 - zugunsten von Amnesty zum Verkauf. Größe: 1,6m x 1,2m / Lambdabelichtung hinter Acryglas.
Das Buch mit allen Portraits der Serie ist im Gollenstein Verlag erschienen – das Autorenhonorar geht ebenfalls zugunsten von Amnesty.

Die Liste der Portraitierten umfasst:

Barbara Auer, Hugo Egon Balder, Dietmar Bär, Gabi Bauer, Frank-Markus Barwasser, Meret Becker, Carolyn Breuer, Peter Brugger, Jochen Busse, Thomas D, Samy Deluxe, Olli Dittrich, Anke Engelke, Herbert Feuerstein, Annette Frier, Chris Geletneky, Gentleman, Wolke Hegenbarth, Swantje Henke, Christoph Maria Herbst, Klaas Heufer Umlauf, Guildo Horn, Carolin Kebekus, Michael Kessler, Henning Krautmacher, Bettina Lamprecht, Leonard Lansink, Markus Lanz, Roman Lob, Peter Lohmeyer, Bjarne Mädel, Matthias Matschke, Lena Meyer-Landrut, Antoine Monot Jr., Silvia Neid, Sonsee Neu, Magdalena Neuner, Wolfgang Niedecken, Matthias Opdenhövel, Patrice, Axel Prahl, Frank Schätzing, Denis Scheck, Andreja Schneider, Nadine Schori, Devid Striesow, Heinz Strunk, Mina Tander, Konstantin Wecker, Oliver Welke, Julia Westlake, Daniel Wiemer, Roger Willemsen, Joko Winterscheidt, Ranga Yogeshwar


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Alle Infos zu ZORN auf der Projektseite: www.zorn-projekt.de

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02.12.2013 angst und bange um unsere Bürgerrechte

GFDK - Gottfried Böhmer

Wie sich die Zeiten, die Worte, Taten und Handlungen in wenigen Wochen ändern können. Das hat uns gerade die SPD vorgemacht. Aber wer wundert sich darüber? Erinnern wir uns mal kurz. Noch vor 8 Wochen hat die SPD im deutschen Bundestag einen Untersuchungsausschuss zur NSA Affäre gefordert und das Thema, weil es sehr medienpräsent war und viele Bundesbürger beschäftigte, suggestiv auch zu ihrem Wahlkampfthema gemacht, um damit auf Stimmenfang zu gehen.

Naja, das ist der Schnee von gestern. Schon beim Eintritt in die Koalitionsverhandlungen wollte die "alte Tante" SPD schon nichts mehr von einem Untersuchungsausschuss wissen, der zur Aufklärung der NSA Aktivitäten und deren milliardenfachen Datendiebstahls in Deutschland aufklären könnte. Nur die blauäugigen SPD Wähler sind dem Wahlkampfgetöse auf den Leim gegangen, aber nicht nur in dieser Frage, das ist aber heute nicht unser Thema.

Dass die SPD zu keiner Zeit willens war etwas zur Aufklärung beizutragen, ergibt sich schon aus dem Umstand, dass die SPD in ihren Regierungsjahren mit Schröder und Merkel über alle Aktivitäten der US Geheimdienste bestens informiert waren. Dass der größte Teil, der geheimen Verträge mit den USA nach der Wiedervereinigung unter der Regierungsverantwortung der SPD geschlossen wurde, ist heute zumindest kein Geheimnis mehr.

Frank-Walter Steinmeier steckt bis zum Hals im NSA Sumpf

Dass der Oppositionsführer im deutschen Bundestag Frank-Walter Steinmeier, der auch 6 Jahre als Geheimdienstkoordinator und weitere 4 Jahre als Bundesausenminister fungierte bis zum Hals im NSA Sumpf steckt, würden die Genossen heute lieber nicht als Gegenstand eines Untersuchungsausschusses sehen. Dass Herr Steinmeier in wenigen Wochen wieder ein hohes Ministeramt bekleiden wird, ist heute schon so gut wie sicher. Dass die SPD die Vorratsdatenspeicherung nun im Koalitionsvertrag mit der CDU aufgenommen hat, hätte niemanden verwundern dürfen.

Eines kann ich ihnen heute schon prognostizieren:

Der Deutsche Michel wird es in wenigen Jahren noch mal bedauern, dass die FDP die der Vorratsdatenspeicherung niemals zugestimmt hätte, nicht mehr im Deutschen Bundestag vertreten ist.

Kubicki will Bürger- und Freiheitsrechte in den Mittelpunkt liberaler Politik stellen

»Die Verteidigung der Bürger- und Freiheitsrechte solle künftig im Mittelpunkt liberaler Politik stehen, erläuterte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Wir können nicht zulassen, dass der Staat in immer größerem Ausmaß in die Privatheit der Menschen eingreift, da muss es Widerstand geben."«

Der britische Überwachungsforscher Steve Wright sagte kürzlich im Interview mit Jakob Steinschaden: Das Militär ändert seine Doktrin, nach der jeder ein Ziel werden kann. Es geht nicht mehr um Beobachtung, sondern um Targeting, und das ist der Punkt, an dem die Leute nervös werden. Wir haben Jahrzehnte ohne Kriege hinter uns, aber historisch gesehen wird das nicht immer so bleiben. Einem Staat die Fähigkeit zu geben, jeden Bürger orten zu können, ist sehr gefährlich.

Viele liegen einfach dem PR-Gag auf und glauben, ein wenig Freiheit für mehr Sicherheit aufzugeben. Ich denke, es wäre dumm zu glauben, dass irgendeine Regierung die Geheimdienste angreifen könnte. Es wird Untersuchungen geben und eine Debatte um das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit geben, aber niemand wird sie aufgeben wollen.

Steve Wright hat 1998 den Bericht für das EU-Parlament über das Spionagesystem Echelon verfasst und forscht seit den 1970ern zur NSA.

Jakob Steinschaden ist seit sieben Jahren publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist.

Vorratsdatenspeicherung

Die Vorratsdatenspeicherung stellt 80 Millionen Menschen in Deutschland unter einen Generalverdacht. Das Wissen, dass jeder Schritt, jeder Anruf und jede Mail, jeder Zugriff aufs Internet nun vom Staat nachverfolgt werden kann wird unserer freien und offenen Gesellschaft nachhaltigen Schaden zufügen. Mitten im größten Überwachungsskandal des digitalen Zeitalters ein derartiges Überwachungsgesetz zu verabschieden zeugt von Lernresistenz und mangelnder Weitsicht.

Dazu erklärt die Piratenpartei durch Katharina Nocun, Politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland:

Es wird einem Angst und bange um die Bürgerrechte

»Mit dem Beschluss, alle bei deutschen Telekommunikationsanbietern anfallenden Verbindungs- und Standortdaten zu speichern, um mögliche Straftaten oder organisierte Kriminalität zu bekämpfen, schießt die Koalition nicht nur mit Kanonen auf Spatzen: Sie setzt das rechtsstaatliche Grundprinzip der Unschuldsvermutung und wesentliche Grundrechte außer Kraft.

"Ein Dammbruch für unsere Freiheit und informationelle Selbstbestimmung"

Einmal gespeicherte Daten wecken Begehrlichkeiten. Hier helfen auch keine Lippenbekenntnisse, die Zugriffsrechte restriktiv zu gestalten oder Speicherfristen kurz zu halten. Ganz grundsätzlich ist die Glaubwürdigkeit der großen Koalition schon jetzt durch die bereits gebrochenen Versprechen nach den Enthüllungen der NSA-Spionagetätigkeiten beschädigt.

Statt in die Totalüberwachung der Bürger zu investieren, sollte die Regierung in soziale Prävention, eine bessere Ausstattung und Ausbildung der Ermittlungsbehörden und die zielgerichtete Ermittlung bei begründetem Verdacht setzen. Dass die Vorratsdatenspeicherung keine besseren Ermittlungserfolge bringt, sondern nur eine noch umfassendere Kontrolle und Gängelung der Bürger ermöglicht, ist durch eine Studie des Max-Planck-Instituts bereits in der Vergangenheit bewiesen worden.«

Die Piratenpartei hat darauf hingewiesen dass die Vorratsdatenspeicherung "die Unschuldsvermutung und damit das Fundament unseres Verständnisses von Recht außer Kraft setzt". Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung der Piratenpartei hat die SPD-Basis die ja noch dem Koalitionsvertrag zustimmen müssen die Pläne bei ihrem Mitgliederentscheid zu stoppen. "Alle unsere täglichen Kontakte und Bewegungen erfassen zu wollen, ist ein Vorhaben unerhörten Ausmaßes", moniern die Piraten.

Auch die Digitale Gesellschaft ist von dem Ergebniss des vorgelegten Vertrages erschütert, dass Schwarz-Rot "die Überwachungsinfrastruktur mit hohem Missbrauchspotenzial erneut einführen" will.

Die Drei Tricks der Überwachungslobby auf Spiegel.de

Wenn kein Anschlag passiert, liegt es an der Überwachung. Wenn ein Anschlag passiert, liegt es an mangelnder Überwachung. Politik und Öffentlichkeit sind der perfiden Verkaufstaktik der Überwachungslobby auf den Leim gegangen - eine Analyse der Argumentationstricks. Eine Kolumne von Sascha Lobo mehr...

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27.11.2013 Aktionstag am 06.12.2013 gegen Amazon

Sibylle Lewitscharoff - Gottfried Böhmer

Unabhängige und inhabergeführte Buchhandlungen haben es in den letzten Jahren zunehmend schwerer, gegen den Online-Buchhandel wie etwa dem des großen "A" anzukommen. Am 06.12.2013 gehen als "Antwort" darauf so viele Menschen wie möglich, die Bücher lieben, in ihre Lieblingsbuchhandlung und unterstützen sie bewusst mit einem Kauf. Ob, wo und wie viel bleibt selbstverständlich euch überlassen. Sie ist nicht in eurer Nähe? Ein Online-Bestellservice der zugehörigen Buchhandlung unterstützt genauso gut!


Die Eröffnungsrede der internationalen Buchmesse in Wien nutzte die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff für eine leidenschaftliche Tirade gegen Amazon: "Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Sollte es mir vergönnt sein, den Tod dieser verhassten Firma noch zu erleben - was leider nicht sehr wahrscheinlich ist - werde ich mit einem Jubelruf auf den Lippen ins Grab sinken."

Sibylle Lewitscharoff über junge Leute und Literaturstudenten die mal selber Bücher schreiben wollen.

"Hin und wieder kam ich in den letzten Jahren in Kontakt mit Literaturstudenten oder jungen Leuten, die selber Bücher schreiben wollen. Eine kuriose Erfahrung insofern, als etliche von ihnen erschreckend wenig gelesen hatten, zumindest kaum die wirklich erstklassigen Werke der Moderne. Es kostet Mühe, sie zum Kauf eines Buches zu überreden, obwohl sie in der Hoffnung leben, dermaleinst würde jemand ihre eigenen Bücher kaufen. Natürlich findet sich da inmitten einer großen Schar Ignoranten auch immer wieder ein Lesefex, an den sich Freude und Hoffnung klammern, dass es mit der Wirksamkeit hochmögender Literatur nicht vorbei ist."

Links Denken aber....???

Aber da ist noch etwas anderes, und es erbost mich zutiefst. Einige amerikanische Großfirmen, allen voran Amazon, sind ja bereits eifrig beschäftigt, elektronische Buchdienste anzubieten. In meinem Umfeld, das in jungen Jahren links eingestellt war und gern die Fahnen wider den Monopolkapitalismus hisste, ist eine staunenswerte Entwicklung vonstattengegangen: Ausgerechnet bei einem Monopolisten wie Amazon, der so ziemlich alles in den Schatten stellt, was Karl Marx einst über den Monopolkapitalismus schrieb, bestellen sie ungeniert.

Aktionstag am 06.12.2013

Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Amazon bezahlt keine Steuern in den Ländern, in denen dieser widerliche Klub eine Menge Geld verdient, er bezahlt seine Angestellten empörend schlecht, ruiniert die Buchhändler und zunehmend auch die Verlage.

Seriöse Betreuung, Herstellung und Vertrieb des gedruckten Buches jedoch sei, so Sybille Lewitscharoff eine arbeitsintensive Angelegenheit, für die eine ganze Branche mit einer Vielzahl von Angestellten nötig sei. "Nur um den einen Strawanzel, der das Buch geschrieben hat, geht es beileibe nicht."

Jedenfalls halte ich dem gedruckten Buch, den erstklassigen Verlagen und den Buchhändlern, die ich liebe, die Treue, schwatze vergnügt mit ihnen und lasse mich von ihnen auch gern auf etwas hinweisen, was mir bisher entgangen ist. Nichts lieber, als eine ordentliche Summe in eine Buchhandlung zu tragen. Dort soll Ihr Geld hin, werte Leser! Es soll nicht im Rachen einer Firma landen, die Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet und den wenigen, die für sie arbeiten, Hungerlöhne zahlt!

Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben

Komme, was wolle, ich glaube an die Zukunft des Buches zwischen zwei Deckeln und werde nicht davon ablassen, neue Lieblinge für schönes Geld bei einem Buchhändler zu erwerben. Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben – ich wünsche ihnen gute Umsätze und ein gedeihliches Leben!

Sibylle Lewitscharoff, zählt zu den bedeutendsten Autoren der Bundesrepublik. 2011 gewann sie den Deutschen Buchpreis, 2013 wurde ihr der Georg-Büchner-Preis verliehen. Zuletzt erschien von ihr bei Insel "Pong redivivus".

Mit den  vorliegenden Textauszügen hat Sibylle Lewitscharoff die sechste internationale Buchmesse "Buch Wien" eröffnet. Den gesamten Text finde ihr im unter aufgeführten link.

Der Verleger Christopher Schroer schrieb am 15. Februar einem offenen Brief an den Amazon Chef Jeff Bezos der auch bei den Freunden der Künste veröffentlicht wurde.

Wir geben den Brief hier noch mal im Wortlaut wieder:

"Heute nehmen wir Abschied, wir kündigen unsere Zulieferer- wie auch Kundenkonten. Mit sofortiger Wirkung. Ohne Wenn und Aber und mit allen Konsequenzen.

Seit Jahren ist es uns als Verlag ein Dorn im Auge, dass Sie an kleine Zulieferer wie uns überzogene Rabattforderungen von 55% stellen. Nein, es muss ja, um mit dem Buchpreisbindungsgesetz konform zu sein, heißen: 50% Rabatt plus 5% Lagerkosten. Dass aber Waren, die nachweislich Durchlaufposten sind, auch ohne Lagerung diese 5% zusätzlichen Kosten verursachen, war uns schon immer unverständlich.

Luftige Buchungstricks und Gewinne maximieren

Auch haben wir akzeptiert, dass Sie mit luftigen Buchungstricks bei der Umsatzsteuer Ihren Gewinn maximieren; dass Sie von kleinen Zulieferern verlangen, Rechnungen zu stellen, die dann ins EU-Ausland versandt werden müssen; dass Sie sich vertraglich einen unglaublichen Skontorahmen einräumen lassen. Dass neue, frisch angelieferte Titel in Ihrem eigenen "Marketplace"-Anbieterkonto als Mängelexemplare auftauchen. Und dass Sie Kommissionswaren remittieren, die Sie nicht pfleglich behandelt haben und diese somit vom weiteren Verkauf ausgeschlossen sind.

Amazon nutzt seine Marktmacht rigoros aus

Dass Sie Ihre Marktmacht gegenüber Ihren "Partnern" rigoros ausnutzen, sollte wohl jedem klar sein: Lebendig erinnern wir uns an Ihre Aktion gegenüber den "Independent Publishers" in Ihrem Heimatland, wo Sie neue Konditionen diktierten. Wer nicht mitzog, der wurde einfach ausgelistet, dessen Bücher waren urplötzlich nicht mehr verfügbar.

Aber, das haben wir hingenommen, zwar nicht ganz freiwillig, denn will ein Kleinverlag von Endkunden wahrgenommen werden, ist es zwangsläufg verpflichtend, bei Ihnen gelistet zu sein. Amazon macht sichtbar, und wer nicht bei Ihnen gelistet ist, der ist bei Endkunden auch nicht "seriös" – oder: Was es bei amazon.de nicht gibt, gibt's nirgends.

Wirtschaftlich trägt sich Ihr Geschäftsmodell für uns nicht. Hat es im übrigens noch nie. Zu überzogen sind Ihre Forderungen, wir fühlen uns nicht als Partner behandelt, sondern als Bittsteller, der bitte, bitte, bitte seine Bücher über Ihre Plattform vertreiben darf und zwar zu Konditionen und Verträgen, die Sie diktieren.

Nun aber bringt die aktuelle Berichterstattung das Fass zum Überlaufen: Sie behandeln Menschen wie Ware. Menschen, die in eine Notlage geraten sind, die Arbeit dringend brauchen. Diese Menschen, Ihre Arbeitnehmer, Ihr "Humankapital" behandeln Sie mit genauso unfairen Praktiken, die Sie schon uns haben angedeihen lassen.

Auf eine Wiederholung der Vorwürfe verzichten wir an dieser Stelle, stehen diese noch im Raum und sind aufmerksamen Zeitgenossen durchaus in lebendiger Erinnerung.

Respektvolles Wirtschaften, faire Umgangsformen und gegenseitige Rücksichtnahme sind für Amazon Fremdwörter

Aber als Ergänzung sei hinzugefügt, dass unsere Ansprechpartner ebenfalls größtenteils nicht in Deutschland sitzen, sondern − so unser Verdacht – in Indien. Wie wohl hier die Menschen behandelt werden? Menschen, denen ein Staat weniger Schutz und Rechte gibt, als auf unserem europäischen Boden.

Respektvolles Wirtschaften, faire Umgangsformen und gegenseitige Rücksichtnahme in einer Geschäftsbeziehung halten wir für unabdingbar. Egal, ob es dabei um Kunden, Mitarbeiter, Zulieferer und Vertriebspartner geht.

Sie sind, waren es nie und werden es auch wohl zukünftig nicht werden: ein Unternehmen, das Menschen wie Menschen, das Verlage wie Partner, das Kunden wie Könige und Kaiser behandelt. Ein Unternehmen, welches sich u.a. dem Kulturgut "Buch" verschreibt und soziale und ethische Grundsätze beachtet.

Wir können daher nur unsere Konsequenzen ziehen und sagen "Adieu!".

Und eigentlich sind wir froh darüber, einen so schwierigen Geschäftspartner los zu sein."

Anmerkung der Redaktion:

Christian Lindner will die Bürger vor dem Konzernkapitalismus schützen?. Das sagte er zumindest dem Cicero im Foyegespräch am 24. November. Lindner mahnte die Kartellrechtliche Prüfung von Google und Youtube an, wie er Amazon dabei vergessen konnte bleibt uns ein Rätsel. Christian Lindner " Eine der „großen ordnungspolitischen Schlüsselaufgaben“ sei das Problem, dass Großkonzerne wie etwa Google sich „überhaupt nicht an der Finanzierung unseres Gemeinwesens“ beteiligten, während Familienunternehmen enorme Lasten zu tragen hätten.

Wir fragen uns nun, was Lindner sich dabei denkt. Dass Google Amazon und Co so gut wie keine Steuern in Deutschland auf ihre Milliarden Umsätze/ Gewinne zahlen, ist allen Parteien seit über 10 Jahren bekannt. Warum hat seine FDP ihre Regierungsverantwortung nicht genutzt, um diesen kläglichen Zustand zu ändern?

Das klingt nach Heuchelei

Die Konzernmacht der besagten Unternehmen konnte gerade nur deshalb entstehen, weil sie im Gegensatz zu allen deutschen Unternehmen keine Steuern zahlen mussten. Irgendwie klingt das nach Heuchelei. Erstaunlich ist auch, dass bei den jetztigen schwarz-roten Koalitionsverhandlungen kein Wort zu einer zukünftigen Besteuerung dieser Unternehmen auf der Tagesordnung steht.

Für die deutsche Politik scheint es bequemer zu sein, sich die Steuern beim Mittelstand und den sogenannten Besserverdienenden abzugreifen. Und wenn das nicht reicht, kauft man eben noch ein paar gestohlene Steuer CDs aus der Schweiz und Luxemburg an. Amazon & Co dürfen weiterhin ihre Gewinne verschieben.

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24.11.2013 Bürgerstiftung Hospiz Hamburg in Not

GFDK - Konstantin Wecker

Liebe Freunde, ein Hospiz ist ein Ort, an dem man in Würde und so schmerzfrei wie möglich sterben kann. Ich habe oft darüber geschrieben, denn ich engagiere mich schon lange für die Hospizbewegung. Ich habe heute Nachmittag, zusammen mit meinem Freund Jo, in Fulda, in einem Hospiz gesungen, weil es den Menschen dort nicht mehr möglich ist, ins Konzert zu kommen.


Meine Mutter durfte in München in einem Hospiz sterben, liebevoll betreut und gepflegt von den Ärzten und Pflegekräften, denen ich immer dankbar sein werde. Ich bewundere Menschen, die nicht nur am eigenen Leid leiden, sondern versuchen auch anderen beizustehen, denen das Schicksal übel mitspielt. Die sich dem Nächsten nähern, beistehen, Hilfe leisten. (Interessant, wie in unserer Leistungsgesellschaft das Hilfe leisten immer an letzter Stelle der Leistungen kommt.)

Bürgerstiftung Hospiz Hamburg in Not

Der Tod wird ausgeklammert aus unserem Leben, wer sich mit dem Tod auseinandersetzt und sich der Vergänglichkeit allen Seins bewusst ist, der ist nicht mehr so leicht manipulierbar in dieser ausschließlich auf Gewinnmaximierung bedachten Gesellschaft. Er wird wie alle selbstbewusst denkenden Menschen überflüssig.

Nun haben die Hamburger das grosse Glück, dass in nächster Zeit ein bereits fertig gestelltes Hospiz eröffnet werden kann. Wenn nicht - ja so unglaublich absurd es klingt- wenn nicht der böse Nachbar wäre.
Die Gründe gegen das Hospiz sind so ekelerregend peinlich, dass man kaum wagt es auszusprechen.
Eventuell sinkende Grundstückspreise und ein Leichenwagen der ein paar mal im Monat vorbeifährt und die Ruhe (!) dieses Ehepaars stören könnte.


So wie es aussieht, hat der Kläger Chancen und das Hospiz muss wieder abgerissen werden.
Hoffen wir auf einen mutigen und mitfühlenden Richter.


Empört Euch!
Die Kläger können vielleicht ja auch nichts für ihren Starrsinn. Sie sind die gehirngewaschenen Marionetten eines Systems, das ihnen täglich eintrichtert, dass Mitgefühl ein Minusgeschäft sei und ein Leichenwagen immer nur für anderen bestimmt.


Uns jedenfalls hat der heutige Besuch bei diesen großartigen Menschen im Herz-Jesu- Krankenhaus gezeigt, wie wertvoll es ist sich zu umarmen und wie sehr der Tod dem Leben inne wohnt.


Um es mit Rilke zu sagen:
Der Tod ist groß
Wir sind die Seinen,
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen
Wagt er zu weinen
Mitten in uns.

Konstantin Wecker

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20.11.2013 Das schlechte Gewissen der Nation ist tot

GFDK - Konstantin Wecker

Liebe Freunde! - Dieter Hildebrandt ist tot! Ich bin völlig erschüttert und aufgelöst von dieser Nachricht. So kurios das klingen mag, wenn jemand mit 86 Jahren stirbt: sein Tod kommt als ein unerwarteter Schock über uns.


Noch vor wenigen Monaten habe ich Dieter live erlebt. Alle waren ganz fasziniert von seiner impulsiven Vitalität. Satte drei Stunden ist er auf der Bühne gewesen und hat gesprüht vor Geist und Witz wie eh und je! Und tatsächlich haben wir ihn gerade jetzt ganz dringend gebraucht. Ich meine, ich kannte ihn wirklich sehr gut. Ich verdanke Dieter mein erstes, richtig großes Konzert, damals in der Lach- und Schießgesellschaft: mit 21 Jahren!

Das schlechte Gewissen der Nation ist tot

Aber so wütend, wie in den letzten Jahren, habe ich ihn nie vorher erlebt. Dieter Hildebrandt war entsetzt über die Entwicklung in unserem Land, über den Verfall des Geistes, Korruption, maßlose Bereicherung und öffentliche Niedertracht. Dieter Hildebrandt war alarmiert und hatte das dringende Gefühl, dass etwas Dramatisches passieren muss, um das Ruder herumzureissen. Dieter war angriffslustig – und er hat angegriffen.


Und wie! Dieter hat sich auch außerhalb der Bühne immer vehementer eingemischt. Er hat sein ganzes Gewicht als moralische und geistige Instanz in die Waagschale geworfen. Er das Projekt StörsenderTV aus der Taufe gehoben. Das wird uns bleiben und das ist ganz wichtig: der Störsender muss weiterleben und weiterwachsen!


Bleiben wird uns auch das Werk und die Erinnerung an einen grandiosen Kabarettisten, Schauspieler, Autor und fabelhaften Menschen – aber plötztlich fehlt da ein Freund, ein Vorbild, die Ehrlichkeit, der Anstand, der Scharfsinn und die Klugheit des Dieter Hildebrandt.


Servus, Dieter
Ich kann es nicht fassen.
Was für eine Lücke wird da gerissen.

Konstantin Wecker

Anmerkung der Redaktion:

Dieter Hildebrandt stellte er mit seinem Freund, dem Karikaturisten Dieter Hanitzsch, das Online-Kabarett-Projekt Störsender.tv auf die Beine. "Es ist ein großer Verlust", sagte Hanitzsch, "für uns alle". Am Mittwoch stand auf der Startseite des Projekts: "Danke, lieber Dieter, für alles."

"Ich muss mal ... zur Reparatur" hieß es in den vergangenen Wochen auf der Homepage von Dieter Hildebrandt Ende August hatte er noch gesagt: "Wäre ich ein Schiff, müsste ich in die Werft. So muss ich nun Reparaturarbeiten an mir durchführen lassen und kann von Anfang September bis Mitte Oktober nicht auftreten."

Dieter Hildebrandt

"Politisches Kabarett ist Notwehr"

"Die da oben haben angefangen"

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20.11.2013 „Sonntags Tod“ - will ich sehen

GFDK - Heinrich Schmitz

Carla Berling, bisher bekannt für autobiografische Romane wie „Vom Kämpfen und vom Schreiben“, „Die Rattenfänger“ oder wechseljahrsgeprägten Humor der „Jesses Maria“-Reihe, hat einen Kriminalroman geschrieben. Einen westfälischen. „Sonntags Tod“ ( http://www.amazon.de/Sonntags-Tod-Carla-Berling-ebook/dp/B00FGUDG5A) .

Als Rheinländer fragt man sich natürlich sofort:“ Ja kann dat dat dann?“ und beginnt vorsichtig mit der Lektüre. Westfalenland ist ja nicht so unbedingt unser Ding. Rehme und Bad Oeynhausen sind reale Orte, deren Unterhaltungswert von uns linksrheinischen ja eher im Bereich einer Rehaklinik für Hüftoperierte eingeordnet werden. Eher finster, unlustig und uninteressant. Kommt wahrscheinlich von den alljährlich im TV zu bewundernden „Karnevalsveranstaltungen“, die weniger Stimmung ins heimische Wohnzimmer transportieren, als jeder durchschnittliche Leichenschmaus im Rheinland.

Spannend wie stimmig

Und dann geht das ganze auch noch mit einer Beerdigung los. Ira Wittekind, eine Journalistin, trifft dort auf ihre Vergangenheit und landet in einer wahren Familiensaga, die ebenso spannend wie stimmig ist.

In der kleinen Stadt Rehme, wo man meint die Welt sei in Ordnung, ja die Zeit sei sogar stehen geblieben hat der Hotelier Richard seine Frau Verena und sich selbst getötet. Ira Wittekind kehrt zur Beerdigung ihrer früheren Freundin an den Ort zurück, in dem sie als Kind gelebt hat. Die Reporterin ist im Rahmen einer Reportage über Polizeiarbeit dabei, als stark verweste Leiche in einer Messiwohnung aufgefunden wird. Und dann ermittelt sie die Zusammenhänge zwischen dem Tod ihrer Freundin, dem Toten in der Wohnung und einem schrecklichen Geschehen in der Vergangenheit.

Ohne Massenmörder und oberschlaue Kommissare

Die Geschichte entwickelt einen Sog, der den Leser ebenso wie die nach und nach ermittelnde Journalistin immer tiefer in die finsteren Geheimnisse der Bewohner des Hofes Eskendor hineinzieht. Da braucht es weder einen irren Massenmörder noch einen oberschlauen Kommissar, hier fließt eine Erzählung. Nichts klingt konstruiert, nichts aufgesetzt. Spätestens ab dem 2. Kapitel kann man nicht mehr aufhören zu verfolgen, wie die Geschichte weitergeht.

Die einzelnen Personen werden so plastisch geschildert, dass man einen in dunklen Farben gehaltenen Krimi vor seinem geistigen Auge sieht. Ruhig, aber in jeder Phase spannend. Psychologisch stimmig. Und sie reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Die Dialoge sind zum Teil in einem knorrigen Dialekt, der einem gleich im Ohr bleibt.

Schnapskonsum und eigenartiger Humor

Nebenbei erfährt man einiges über die Mentalität der Westfalen, ihren Schnapskonsum und ihren durchaus vorhandenen, eigenartigen Humor. Trotz oder gerade wegen des ruhigen Erzählflusses entwickelt sich eine Hochspannung, die einen das Buch nur ungern aus der Hand legen lässt. Irgendwann geht es neben dem was denn nun wirklich passiert ist noch mehr um die Frage, warum es passiert ist bzw. warum es passieren musste. Man beginnt zu zweifeln, ob das offenbar den Westfalen prägende Sprichwort „Schweigen ist Gold“ nicht vielleicht doch gründlich falsch ist, ob es nicht eher die Ursache manchen Unglücks ist.

Als bekennender TV-Krimi-Konsument musste ich in der Vergangenheit manch unstimmigen Krimi gefallen lassen. Unrealistische Polizeiarbeit, unrealistische Geschichten, videoclipähnliche Schnitte. Das ließe sich einfach ändern, wenn ein Produzent einfach diesen Westfalenkrimi machen würde. Ira Wittekind ist eine ermittelnde Journalistin, die ich gerne im TV sehen würde. Und nicht nur einmal. Die Antwort auf die rheinische Eingangsfrage, ob Carla Berling einen Krimi schreiben kann, lautet ohne Wenn und Aber,“ Un dat dat dat kann!“.

Heinrich Schmitz ist Strafverteidiger, Kolumnist und ein viel beachteter Autor des
The European das Debatten-Magazin.

 

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18.11.2013 Na gut mein Sohn.....

Georg Wilhelm von Fürstenberg

Das Internet als Plattform der Begegnung ist vermutlich die innovativste, unfreiwilligste Erfindung des 20 Jahrhunderts. Niemand hätte gedacht, dass diese Plattform, die für den Kontakt von Wissenschaftlern erdacht wurde in der Zukunft zur Informationsbörse, Date-Plattform, Datenautobahn für Unzähliges und Sprachrohr für Jedermann würde.

Die entwickelte Eigendynamik des Mediums macht klar, es war Zeit für die globale Vernetzung. Eine nächste Ebene menschlicher Kommunikationsform. Das ist natürlich nur ein Spiegel der aktuellen Gesellschaft. Den sowohl die Dummen, als auch die Klugen nutzen das Internet. Das Internet ist demokratisch, anarchisch und noch relativ frei. Abgesehen von einigen staatlichen und privateren Stalking Aktionen, denen man als versierter User vorbeugen kann.

Es hat auch gegenüber der echten Offline Welt einen großen Vorteil. Besonders lästige Nutzer, die klickt man hier einfach weg. Da gibt es vielerlei Wege. Doch versucht mal in der offline Welt da draußen, eure Nachbarn auf die“ignoriert“ Liste zu setzen.

Natürlich ist es so, dass durch die häufige Dominanz der Dummen und der Dummheit viel Gutes und Interessantes verdorben wird. Doch wer gut zu unterscheiden weiß, dem kann das Internet helfen, sich die Welt noch viel intensiver zu erschließen. Wer klug zu trennen weiß, zwischen on und off, besonders auf emotionaler Ebene. Wer versteht, dass hinter den Nullen und Einsen der binären Zahlencodes, deren sich unsere Kommunikationsmaschinen, die PCs, Laptops, Tablets und Handys bedienen, zwar auch Menschen stehen, aber oft hinter einer Maske, der kann mit diesem Medium wunderbar umgehen und in die beiden Welten gut verknüpfen.

Wer diese einfache Regel missachtet, setzt beim Umgang mit dem Medium Internet die Dramen der offline Welt im Internet nur fort. Das ist dumm. Im Laufe der Jahre, die ich nun schon mit dem Internet lebe, das zum Teil auch meinen Lebensunterhalt finanziert, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass online leben erschreckend real sein kann.

Bis vor einiger Zeit lächelte ich noch über online Date's, doch auch da musste ich verstehen, dass es zwar richtig ist wie ich im allgemeinen darüber denke. Es ist eine ziemlich blöde Fleischbeschau, oft Zeit und Geldverschwendung. Viele Fake's und falsche Träume, besonders bei kommerziellen Anbietern.  Doch es ist in seltensten Fällen möglich, im Internet einen Partner kennen und lieben zu lernen, wenn man nicht sucht, sondern sich einfach findet.

Das Internet ist ein Teil unser Lebensrealität und Qualität geworden. Doch frei bin ich nur, solange ich noch offline gehen kann.

Und eins muss ich noch erwähnen, wenn wir uns nicht bequemen den Unterschied zwischen “real life“ und der Internet PC Welt besser zu trennen, werden wir spätestens in einer Generationen unseren Kindern so die Welt erklären müssen.

Sohn
"Papa, wie bin ich auf die Welt gekommen?"

Vater
"Na gut mein Sohn, ... irgendwann müssen wir dieses Gespräch wohl führen. Also, der Papa hat die Mama in einem "chatroom" kennen gelernt. Später haben der Papa und die Mama sich in einem "cyber café" getroffen und auf der Toilette hat die Mama ein paar "downloads" von Papas "memory stick" machen wollen. Als Papa dann fertig für das "uploaden" war, merkten wir plötzlich, dass wir keine "firewall" installiert hatten.

Leider war es schon zu spät, um “cancel" oder "escape" zu drücken, und die Meldung "Wollen Sie wirklich uploaden?" hatten wir in den "Optionen" unter "Einstellungen" schon am Anfang gelöscht. Mamas Virenscanner war schon länger nicht "upgedated" worden und kannte sich mit Papas "Trojaner" nicht so recht aus.
Wir drückten die "Enter" Taste und Mama bekam die Meldung:

"Geschätzte Download-Zeit 9 Monate!"

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18.11.2013 ein Blick auf den Einigungsvertrag

GFDK - Iris Nicole Masson

Die Antwort wird so lange NEIN lauten, wie eine Angela Merkel sich nicht aus ihrem devoten Kniefall vor der angeblichen Supermacht erhebt und nach knapp 70 Jahren nunmehr endlich die Bundesrepublik auf souveräne Füße stellt.

Zwar hatten 1952 die drei Westmächte (die Sowjet-Union drei Jahre später) einseitig den Kriegszustand mit Deutschland für beendet erklärt. Doch formal ist der "Zwei-plus-Vier-Vertrag" kein Friedensvertrag und unser Grundgesetz keine Verfassung im völkerrechtlichen Sinne. Es war die deutsche Wehrmacht, die kapituliert hatte – nicht aber das Deutsche Reich. Bis heute haben Frankreich, USA, Großbritannien, China und Russland ein Vetorecht, aufgrund dessen sie alles blockieren können, was ihren Interessen zuwider steht.

Das stets in Diskussionen zitierte Grundgesetz, das immer wieder als "Verfassung" ausgelegt wird, kann de jure keine sein, da ein von den Besatzern diktiertes Grundgesetz keine Verfassung nach freiem Selbstbestimmungsrecht und per Volksentscheid bestimmtes darstellt.

Ein Blick auf den Einigungsvertrag

Hier lohnt sich auch der Blick auf den Einigungsvertrag: (1) Mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes am 3. Oktober 1990 werden die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Länder der Bundesrepublik Deutschland. Für die Bildung und die Grenzen dieser Länder untereinander sind die Bestimmungen des Verfassungsgesetzes zur Bildung von Ländern in der Deutschen Demokratischen Republik vom 22. Juli 1990 – Ländereinführungsgesetz –(GBl. I Nr. 51 S. 955) gemäß Anlage II maßgebend.

Wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen!

Wie es um unsere Souveränität bestellt ist, hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) – ausnahmsweise einmal von Ehrlichkeit durchdrungen – im Rahmen des European Banking Congress' im November 2011 in Frankfurt vom Stapel gelassen: Die Souveränität der europäischen Nationalstaaten sei ohnehin nur ein Relikt der Vergangenheit. Und „wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen!“

Zurück zur Frage: Die Antwort lautet noch immer NEIN, solange wir in einem europäischen Verbund – als eigenständiger regionaler Block – nicht wahrgenommen und anerkannt werden. So lange wir nicht eine unabhängige und selbstbewusste deutsche wie europäische Außenpolitik wagen nach dem (zögerlichen) Beispiel Lateinamerikas, das nach 100jähriger Abhängigkeit von imperialer Macht den Emanzipationsprozess wagt.

Wo bleibt das Machtwort von Angela Merkel

Die Antwort lautet NEIN, so lange Frau Merkel nicht ein Machtwort spricht und sich gegen die zuwider Grundgesetz agierende Spionage ihres Volkes durch die einstige Besatzungsmacht Amerika verwahrt. So lange BND und Verfassungsschutz in enger Symbiose mit der NSA und unterwürfiger Zustimmung des Kanzleramts unsere Demokratie untergraben aufgrund der alliierten Vorbehaltsrechte, dem Zusatzvertrag zum NATO-Truppenstatut von 1959 sowie der Novellierung des G10-Abkommens (Artikel 7a) durch die Große Koalition im Jahr 2009.

Wir brauchen kein Amerika, das sich als Herr im Hause Bundesrepublik aufspielt, dieweil diese als dressiertes Schoßhündchen vor Angst zittert, der Supra-Macht endlich einmal ans Bein zu pissen. Es geht auch ohne das "Imperium" Amerika, das nur noch ein tönerner Riese ist und dessen arrogantes Vormachtgehabe einzig auf Überlegenheit von Militärausrüstung und IT-know-how fußt, wirtschaftlich und finanziell längst aber seine Bedeutung eingebüßt hat.

Gesetze und mehr Selbstbewusstsein sind gefordert

Wir brauchen kein Amerika, denn nunmehr ist Big Brother mehr von Europa abhängig als umgekehrt. Allerdings hat sich diese Tatsache noch nicht herumgesprochen. Vorrangig und zunächst aber ist es angebracht, fremden und offensichtlich autark agierenden Geheimdiensten im Auftrag der USA mit einer Strategie effizienter Abwehr und zuverlässiger Gesetze sowie mehr Selbstbewusstsein und konsequenter Strafverfolgung zu begegnen. Selbstbestimmungsrecht der EU-Bürger darf nicht länger der Willkür fremder militärischer Geheimdienste obliegen.

Deutschland kann nur souverän werden und autark handeln, indem es sich bewusst ist, dass es ALLE Rechte dazu hat. Indem es Partnerschaft mit den USA auf Augenhöhe einfordert – mit sattelfest ausgehandelten und in trockene Tücher verbrachten Spielregeln.

Wenn schon Europa, dann ein einiges

Um aber auch innerhalb Europas auf Augenhöhe behandelt zu werden, muss seine Entzweiung durch die Merkelschen Diktate unterbleiben. Wenn schon Europa, dann ein einiges und nicht ein sich zunehmend in Arm und Reich, Nehmer und Geber unterteilendes. Ein solch gewaltiger Block mit knapp 740 Millionen Menschen (Stand 2011) und einem Markt mit gemeinsamer Wirtschaftspolitik ist nicht von Freihandelsabkommen abhängig und kann die Nivellierung und den relativ hohen Standard seiner Lebensverhältnisse autonom bestimmen.

Es geht auch ohne Amerika

Geht es auch ohne Amerika? Ja. Es geht auch ohne. Denn für die USA waren wir de facto zu keinem Zeitpunkt die viel zitierten "Freunde". Wir waren lediglich nützliche Komparsen im Spiel der Macht, in dem die USA ihre imperiale Rolle ausleben konnten. Doch nun ist es an der Zeit, sich vom Nebenschauplatz unterwürfigen Schmierentheaters ins Scheinwerferlicht von Selbstbewusstsein zu stellen und auf der Bühne der Souveränität eine Hauptrolle einzunehmen.

Von Iris N. Masson

Nachtrag 21.11.2013

Vor zwei Tagen durfte das geneigte Publikum Zeuge eines abscheulichen Schmierentheaters im Operettenhaus des Bundes werden: Es ging um die NSA-Affaire! Plötzlich wollte die SPD nichts mehr von einem Untersuchungsausschuss wissen, sitzt sie doch bereits mit einer Backe auf der Regierungsbank!


Die Grünen demonstrierten durch ihren einzigen Querdenker Ströbele wieder einmal, dass sie noch an einen rudimentären Rest von Staat glauben. Diese Naivität hat Gregor Gysi längst aufgegeben: Er wollte sich nur noch über die Verrenkungen der Regierung ausschütten vor Lachen!


Und die CDU? Klar, sie hatte nichts zu sagen, weil sie es sich mit den Amis nicht verderben will!
Die entscheidende Frage bleibt: WOMIT haben die USA Angela Merkel in der Hand, dass sie sich keinen Pips mehr zu sagen getraut? Haben die ihre Stasi-Akte? Oder hat sie am Telefon soviel zynischen Mist über die Euro- Rettung verzapft, dass die Amis sie total blamieren könnten?
2013

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15.11.2013 "Was nix kostet is auch nix"

GFDK - Heinrich Schmitz - 3 Bilder

Heinrich Schmitz ( HS) :„Herr Salentin, Sie gelten als einer der besten Trompeter der heutigen europäischen Jazz-Szene, haben eine Professur in Würzburg für Jazz und konzertieren international. Heute Morgen erschien auf SPIEGEL-ONLINE ein Artikel über die trüben Zukunftsaussichten von jungen Jazzmusikern (http://www.spiegel.de/kultur/musik/jazz-nachwuchs-esra-dalfidan-s-fidan-und-hammer-klavier-trio-a-906917.html ).

Sie haben schon vor ein paar Wochen haben auf Ihrer Facebook-Seite einen Mindestlohn für Künstler gefordert. Wie kam es zu diesem Aufruf?“

Hans Peter Salentin (HPS): ,,Das haben viele nicht auf dem Schirm, das Kunst kosten muss. Schüler, die alles umsonst downloaden, Veranstalter, Kneipen z.B., die permanent bei ,,freiem Eintritt'' veranstalten, aber leider genauso auch Musiker, die permanent umsonst spielen.

Es ist eine,, umsonst Mentalität ''entstanden, bei denen die, die Musik schaffen, finanziell auf der Strecke bleiben, weil niemand mehr bereit ist, die Künstler angemessen zu entlohnen.

Bei Künstlern glauben viele offenbar, eine Bezahlung wäre entbehrlich. Es ist ja Kunst .“

HS: „ Sie haben als international anerkannter Künstler mit vielen Jazz-Größen national wie international gespielt wie : die vielleicht der Allgemeinheit noch geläufigsten Namen sind: Chick Corea, Bob Mintzer, Simon Phillips (Toto), Brandford Marsalis, John Scofield u.v.a. mit denen sie zusammen gespielt haben.

Sie gehören damit zu den renommierten Musikern.

Sind Sie trotzdem von dieser ,,umsonst Mentalität'' der Veranstalter auch selbst betroffen?“

Berufsmusiker möchten von ihrer Kunst leben.

HPS: „ Ja, selbstverständlich. Aber auch meine Studenten. Gerade für die ist dieses Thema sehr wichtig. Es ist wichtig, weil ihnen mit dem Status Quo die ökonomische Grundlage genommen wird. Offenbar sind viele Veranstalter der Meinung, es sei für Künstler eine reine Freude umsonst spielen zu dürfen. Wir haben z.B. hier einen Veranstalter bei dem jedes Wochenende bei freiem Eintritt Live-Veranstaltungen stattfinden und manchmal sogar an 2 Tagen in der Woche.

Auf meine Frage, was das denn soll, weil man damit ja anderen Veranstaltungen, die Geld kosten, das Wasser abgräbt, lautet die Antwort des Bookers, „die Musiker wollen es so. Er ist übrigens derjenige, der daran verdient. Er macht die grafische Werbung, die er sich normal bezahlen läßt.''


HS: „ Können Sie diese Antwort bestätigen?“

HPS: „ Nein, denn Berufsmusiker möchten von ihrer Kunst leben. Und auch eine große Anzahl von Hobby-Spielern kümmert sich darum nicht. Ja, diese wollen um jeden, Entschuldigung, um keinen Preis spielen. Es ist ja völlig in Ordnung, wenn eine Band dies tun, ich gebe aber zu bedenken, wenn sie da umsonst spielen, warum soll man ihnen später woanders etwas zahlen? Berufsmusiker, die diesen gefährlichen Unsinn auch noch mitmachen, schädigen sich und nachfolgende Kollegen. Und damit meine ich nicht nur die Musiker, sondern auch die Musik selbst.

Natürlich spielt jeder Musiker gerne vor Publikum und freut sich über den Applaus.Vom Applaus alleine kann aber niemand existieren. Es gibt viele Veranstalter, die sich diese, nennen wir es einmal freundlich Unsitte, zu eigen gemacht haben und manche lassen Musiker nur noch gegen Eintritt spielen, d.h. sie selbst zahlen keine Gage. Davon kann kein Musiker leben, weil oft auch der Werbeanteil dieses Veranstalters nicht wirklich professionell funktioniert. Da spielt man oft vor einer Hand voll Leute, weil kein Mensch überhaupt etwas von dem Konzert erfahren hat.“

HS: „Sie hatten jetzt in ihrem Aufruf einen garantierten „Mindestlohn“ von für Jazz-Klassik-Folk-Spirituelle ect. -Musiker von 150,- € Garantie plus 7% plus Fahrtkosten Zuschuß gefordert. Welchen Sinn hat diese eher moderate Forderung?“ (Anmerkung: in der Klassik werden oft per se andere Gagen gezahlt.)

HPS: „Die genannten Beträge liegen weit unter dem beim Finanzamt abrechenbaren Satz. Wenn man alle abzugsfähigen Kosten zusammen zählt , macht man sogar Gewinn. Soll heißen, man ist soweit im Minus, das ohnehin nichts bezahlt wird.Die meisten Künstler in der KSK ( Künstlersozialkasse ) verdienen pro Jahr 1000,-Euro.

Wir brauchen einen garantierten Mindestlohn.

Da ist es ziemlich egal ob Netto oder Brutto. Mein Vorschlag zur Abwicklung eines Konzertes soll einem Veranstalter möglich machen, seriös zu arbeiten und evtl. auch mal bei „freiem Eintritt“. Natürlich wird durch diesen „freien Eintritt“ der Wert der künstlerischen Arbeit der Musiker in den Augen der Öffentlichkeit dauerhaft entwertet. ,,Was nix kostet is auch nix''.

Wenn es an jeder Ecke gute Musik ,,für umsonst'' gibt, glaubt der Konsument irgendwann, Musik sei nicht nur kosten- , sondern auch wertlos. Das sollte auch jedem Musiker bewusst werden. Der Veranstalter könnte z.B. auf Spendenbasis einen Obulus einfordern,was ich wie bereits erwähnt, grundsätzlich aber auch nicht für wünschenswert halte.

Die oft entstehende Differenz könnte durch einen Sponsor aufgefangen werden. Beispiel: ein Trio bekommt 450 Euro plus 7% garantiert. An Spenden , bei freiem Eintritt kamen aber nur 250 Euro zusammen. Die Differenz zahlt der Sponsor. Durch das Bemühen um einen Sponsor belegt der Gastronom auch, das ihm die Musik etwas wert ist.

HS: „ Die Musik ist also, wenn ich Sie richtig verstehe, aus Sicht der Veranstalter heute oft nicht Hauptzweck der Veranstaltung, sondern nur ein Mittel um den Verzehr oder den Verkauf anzukurbeln? “

HPS: „ Leider oft ja. Es geht den Veranstaltern, in der jetzigen Situation, letztlich einfach nur um den Getränke und Verzehr-Umsatz. Die Musik ist denen häufig völlig egal. Bitter, aber wahr.“

HS: „ Haben Sie Reaktionen auf Ihren Aufruf nach Einigkeit unter den Musikern bekommen?“

Die berufliche Zukunft einer ganzen Sparte ist längst aus den Angeln gehoben worden. “

HPS.“ Na ja, das ist ein wirklich heißes Eisen und man muss um dieses Anliegen werben. Im ersten Moment wird dies allen Beteiligten nicht so ganz klar und es bedarf durchaus einiger Gespräche um dann Verständnis zu wecken. Es geht aus meiner Sicht nicht um Verständnis allein, sondern darum wieder eine Existenzgrundlage für Musiker zu generieren. Die berufliche Zukunft einer ganzen Sparte ist längst aus den Angeln gehoben worden. “


HS: „Es gibt eine ganz Reihe hervorragender Musiker, gerade im Jazzbereich, die trotz ihrer künstlerischen Brillianz von ihrer Musik nicht oder nur prekär leben können. Worauf führen Sie das zurück?“

HPS: „ Das ist leider richtig und ebenfalls ein schwieriges Thema. Nicht ganz so einfach zu beantworten. Weil damit auch die Frage der Schuld oder was ist falsch gelaufen verbunden ist.Dies wäre ein extra Aufsatz und meine Sicht der Dinge werde ich gerne zu einem andern Zeitpunkt ausführlich erörtern“

HS: „ Macht es Sie wütend, wenn z.B. sogenannte volkstümliche Musiker fette Honorare einstreichen und ständig im Radio gespielt werden, obwohl deren musikalische Qualitäten sich bestenfalls im Hobbybereich bewegen?“

Für Künstler ist es immer schwer von ihrer Kunst zu leben.

HPS: „ Ganz so ist es ja nicht. Auch da gibt es sehr gute Leute. Richtig ist , auch diese Branche jammert. Und nicht zuletzt sind Casting Shows von Plattenfirmen entwickelt worden, um wieder einen Absatzmarkt zu schaffen. Leider hat oft die musikalische Qualität eines Musikers wenig mit seinem kommerziellen Erfolg zu tun hat. Millionen Fliegen fressen …....dieses Wort muss ich hier nicht aussprechen. Aber haben die Fliegen dadurch recht ? Ist ein Bohlen ein großer Künstler oder ein sehr guter Vermarkter, der die Gesetzmäßigkeiten erkannt hat und für sich auslegt.

Für Künstler ist es immer schwer von ihrer Kunst zu leben. Darum fordere ich ja auch nichts Unmögliches, nur 150 Euro. Kommerzieller Erfolg ist schwierig, aber nicht unmöglich bzw. um bei der Wahrheit zu bleiben, für die meisten Künstler schon. Viele Größen der Musikgeschichte sind erst Jahre nach ihrem Tod wirklich „entdeckt“ , entsprechend vermarktet und gewürdigt worden. Da hatten dann nur die Erben und Verlage etwas von der Kunst. “

HS: „ Der Marktanteil der Jazzmusik bei den verkauften Tonträgern liegt bei knapp 2%, auch im öffentlich-rechtlichen Radio findet man Jazzmusik nur gelegentlich in Spartensendungen oder Kulturkanälen. Ist der Jazz tot?“

HPS: „ Nicholas Payton, ein in der heutigen Zeit wichtiger Vertreter des Jazz in USA, sagte in einem Interview:,,Jazz ist 1950 gestorben.'' Ich teile diese Meinung. Abgekürzt , Musik ist viel zu spannend und interessant , als das man sie laufend mit Etiketten belegen sollte und in Schubladen ablegen sollte. Musik mit hohem improvisatorischen Anteil ist für mich spannend. Alzu vorhersehbare Musik leider nicht . Miles Davis sagte :,, Call it Jazz -call it Anything.''

HS: „ Zumindest in den wenigen Musikgeschäften die es überhaupt noch gibt bin ich ganz froh, wenn nicht alle Musik alphabetisch sortiert ist und ich gleich in die Abteilung Jazz/Blues/Fusion gehen kann.“

HPS:,,Das hat sich leider auch verändert. Das Internet hat den normalen Läden längst den Rang abgelaufen.Und dort gibt es alles umsonst.Von jedem You Tube Video kann man die Musik rausfiltern und hat dann den Song als Mp3. Damit sind wir dann schnell beim illegalen Download, der als Kavaliersdelikt gehandelt wird.

Da bedarf es viel Aufklärung in den Schulen, ohne aber gleich mit dem Zeigefinger zu kommen : das dürft ihr nicht , das ist illegal. Nein, auch da sollte Aufklärung betrieben werden,z.B Musiker in die Schulen schicken und den Menschen erklären,was eine Musikstück eigentlich in der Produktion kostet ect.. Es gibt eine Plattform im Netz, wo die Leute die Musik , nach ihrer subjektiven Wertigkeit ,runter laden und zahlen können.

Wenn du Musik um ihrer Wertigkeit willen machst , hast du schon verloren.''

HS: „ Sie sind neben Ihrer eigenen künstlerischen Tätigkeit , Besitzer eines Platten Labels -Dewey Records-und auch noch Professor an der Hochschule für Musik Würzburg . Müssten Sie Ihren Studenten nicht eigentlich raten vom Jazz die Finger zu lassen? Ist ein Jazzstudium nicht heute ein Studium für das finanzielle Desaster? Sind Ihre Studenten nicht eigentlich Irre oder muss man als Jazzmusiker irgendwo ein Irrer sein?“

HPS: Ich möchte hier wieder ein Zitat von einem deutschen Musiker Mathias Schriefel, einem wirklich interessanten und frechen Selbst -Verwirklicher im besten Sinne, verwenden:,, Wenn du Musik um ihrer Wertigkeit willen machst , hast du schon verloren.'' Heißt , wenn du es nicht um der Musik selbst Willen machst, hat es keinen Sinn. Dies ist jedenfalls meine Interpretation und ich füge hinzu , die Wertigkeit in ökonomischer Hinsicht sollte eine Rolle spielen.

Den Rest dieser Frage werde ich ebenfalls an andere Stelle in einem Artikel noch ausführlich beantworten. Das wird eine Zustandsbeschreibung und ein möglicher Ausblick. Ich würde grundsätzlich nicht das Wort Irre nehmen, sondern die Leute lieber als -Zitat Calli Calmund :,, postiv Bekloppte'' , bezeichnen.

HS:“ Was muss passieren, damit diese positiv Bekloppten auch von ihrer Kunst, für die sie ja eine Menge Ausbildungs- und Übungszeit investiert haben, auch wieder leben können?“

Die Leistung eines Musikers kann nicht umsonst sein.

HPS:“ Es muss ins Bewusstsein der Musikkonsumenten dringen und zur Selbstverständlichkeit werden, dass die Leistung eines Musikers nicht umsonst sein kann. Kunst hat einen Auftrag Menschen nicht nur abzulenken, sondern sie zum Gegenteil dem Nachdenken zu drängen. Nur wenn man Dinge reflektiert, hat man eine Chance auf Veränderung.

Kunst soll drängen. Und nach :,, Geiz ist geil'' ist es an der Zeit wieder über Wertigkeit zu reden. Was und wie viel ist mir Kunst wert ? Und ich gebe auch zu bedenken: gute Kunst entsteht aus einer zeitlich sehr aufwendigen Beschäftigung mit derselben. Da wird viel Zeit zB mit täglichen Üben verbracht, damit es dann auch die Wertigkeit hat, die sie haben soll.

HS:“ Vielen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg auf dem Weg zum Mindestlohn für Musiker.“

HPS: Das war mir die Zeit wert. Vielen Dank.

Dazu schreibt Benjamin Schaefer


Musiker haben es derzeit aus verschiedenen Gründen nicht leicht. Die KSK gibt das durchschnittliche Jahreseinkommen dieser Berufsgruppe mit gerade einmal 12.400 Euro brutto an; bei den Berufsanfängern sind es sogar weniger als 10.000 Euro brutto. Damit sind Musiker nicht nur meilenweit entfernt von den üblichen Einstiegsgehältern für Hochschulabsolventen, sondern schneiden sogar innerhalb der freiberuflichen Kreativszene am schlechtesten ab.

 

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