Reden ist silber, Schreiben ist gold

08.01.2014 Es ist kein Beamter vor der Davidwache verletzt worden

GFDK - Gottfried Böhmer

Hamburg- Wiesbaden 8. Januar 2014. Noch gestern Vormittag wollte der Generalbundesanwalt Harald Range die Ermittlungen in Hamburg bezüglich des Angriffs auf die Davidwache an sich ziehen. Schon am Nachmittag ruderte er zurück. Die Bundesanwaltschaft ließ mitteilen:

"Nach Prüfung der dem Generalbundesanwalt bisher vorliegenden Erkenntnisse sind derzeit keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte gegeben, die eine Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft begründen."

"Bildung von terroristischen Vereinigungen"

Das hatte am Vormittag noch ganz anders geklungen: Es wurde von "Bildung von terroristischen Vereinigungen" gefaselt. Da haben wir uns schon Sorgen um den Geisteszustand des Herrn Bundesanwalt gemacht. Demonstranten mit Bierflaschen sollten schon Terroristen sein?

Hamburg im Ausnahmezustand

Nach Polizeiangaben sollen 30 bis 40 Vermummte die Davidwache und herauseilende Beamte mit Steinen und Flaschen angegriffen und Parolen wie "Ihr Scheißbullen, habt ihr noch immer nicht genug?" gebrüllt haben. Einer der Täter soll einen Polizisten kurz darauf an der Hein-Hoyer-Straße durch einen gezielten Steinwurf ins Gesicht so schwer verletzt haben, dass er einen Kiefer- und Nasenbeinbruch erlitt.

Der Hamburger Rechtsanwalt Andreas Beuth hat diesem Tathergang auch hier bei den Freunden der Künste ausführlich widersprochen. Andreas Beuth hatte unter Berufung auf mehrere, namentlich nicht öffentlich genannter Augenzeugen erhebliche Zweifel an diesem Geschehensablauf geäußert. Beuth sprach von einer "polizeilichen Inszenierung" zur Durchsetzung politischer Ziele.

So wie die Polizeipressestelle die Ereignisse geschildert hat, kann es nicht gewesen sein, es handele sich um "schlichte Falschbehauptungen". Beuth: "Es ist kein Beamter vor der Davidwache Ecke Reeperbahn/ Davidstraße durch einen Stein oder andere gefährliche Gegenstände verletzt worden."

Auf die Vorwürfe des Rechtsanwalts reagiert die Polizei mit Entsetzen. "Wie kommt ein Anwalt, ein Organ der Rechtspflege, bloß zu solchen Unterstellungen?", sagt Polizeisprecherin Sandra Levgrün. Dazu kann ich nur sagen, dass Frau Levgrün anscheinend ein sehr merkwürdiges Demokratie-Verständnis hat, wie auch der gesamte SPD Senat in Hamburg. Kritik unerwünscht ist wohl die neue Hamburger Parole.

Unbefristetes Gefahrengebiet, Hamburg im Kriegszustand?

Am Wochenende wurden insgesamt 400 Menschen überprüft und 90 Aufenthaltsverbote ausgesprochen. Und "DIE ZEIT" fragt nun: "Was ist los in der Hansestadt, die sich gern als liberal und weltoffen bezeichnet?"

Ein Vertreter der Polizeigewerkschaft rechtfertigt die Maßnahme folgendermaßen: Es sei "eine Dimension erreicht, die einen Schusswaffengebrauch situationsbedingt wahrscheinlich machen könnte". Wo soll das hinführen fragen wir uns. Was wenn da der erste Schuss fällt?. Egal wer ihn abgibt, das würde einen Flächenbrand auslösen, den keiner mehr löschen kann, das würde die ganze Republik treffen.

"Die Leute werden unter Generalverdacht gestellt, potenzielle Straftäter zu sein", sagt der Hamburger Anwalt Andreas Beuth. Andreas Beuth befürchtet, dass die Stimmung irgendwann kippt. "Je länger die Maßnahme dauert, desto gefährlicher wird es", sagt Beuth. Die Zone trage nicht zur Befriedung bei, eher im Gegenteil.

Ps: Mein FB Freund Heinrich Schmitz hat zu diesem Thema auf The European geschrieben:

www.theeuropean.de/heinrich-schmitz/7789-gefahrengebiete-in-hamburg

 

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07.01.2014 Die Qualitätsjournalisten haben ihren Job nicht gemacht

GFDK - Gottfried Böhmer

Hamburg- Wiesbaden 7. Januar 2014. Der gewaltsame Angriff von 30 bis 40 Vermummten auf die Davidwache in St. Pauli, bei der Polizisten angeblich schwer verletzt wurden, hat nicht so stattgefunden wie anfangs von der Polizei dargestellt. Der Hamberger Polizeisprecher Mirko Streiber mußte am Montag einräumen das es so nicht gewesen ist.

Die Qualitätsjournalisten haben ihren Job nicht gemacht

Ursprünglich hatte die Polizei behauptet, die Davidwache sei am Abend des 28. Dezember um 23.03 Uhr von dunkel gekleideten und teilweise mit St. Pauli-Schals vermummten Personen attackiert worden, die Sprechchöre skandiert hätten: „St. Pauli – Scheißbullen – habt ihr immer noch nicht genug!“

Hamburger Märchenstunde

Als Polizeibeamte aus der Wache gekommen seien, seien sie an der Ecke Reeperbahn/ Davidstraße „aus der Personengruppe heraus gezielt und unvermittelt mit Stein und Flaschenwürfen angegriffen“ worden. Als Polizeibeamte aus der Wache gekommen seien, seien sie an der Ecke Reeperbahn/Davidstraße „aus der Personengruppe heraus gezielt und unvermittelt mit Stein und Flaschenwürfen angegriffen“ worden. Dabei habe ein 45-jährige Beamte einen Kiefer und Nasenbeinbruch erlitten, als ihm einer der „Täter aus nächster Nähe heraus einen Stein ins Gesicht schlug“.

Am gestrigen Montag haben die Freunde der Künste und der Hamburger Anwalt Andreas Beuth dieser Darstellung widersprochen.

Gottfried Böhmer von der Gesellschaft Freunde der Künste stellte dabei die Frage nach einem Beweis-Video. "So wie es aussieht,  hat kein einziger Qualitätsjournalist nach einem Beweis-Video gefragt. Ist das nur ein Zufall oder Absicht? Dabei wäre das ganz einfach möglich gewesen. Jede Polizeiwache und erst recht die Davidwache wird 24 Std. täglich videoüberwacht. Auf diesem Video müsste man den Angriff der 30 bis 40 vermummten Angreifer auf die Polizisten sehen können. Warum hat die Polizei das Video der Öffentlichkeit bis heute nicht präsentiert?"

Polizeisprecher Mirko Streiber antwortete darauf wie folgt „Die Davidwache hat zwar zum Schutz Videoüberwachung“, „Es wird aber nichts aufgezeichnet – so sind die datenschutzrechtlichen Bestimmungen.“

Diese Aussage von Schreiber können wir nicht akzeptieren:

Da es sich, wenn es so gewesen wäre, um eine schwere Straftat gehandelt hätte, hätten die Hamburger Polizisten der Davidwache umgehend die Bänder gesichert. Die Aussage von Schreiber dürfte eine Schutzbehauptung sein um die Beteiligten zu schützen.

Schusswaffen legitimieren

Die angebliche Gewalt-Attacke auf die Davidwache hatte eine regelrechte Medienkampagne zur Folge in deren Verlauf Polizeigewerkschafter den Einsatz von Schusswaffen legitimieren wollten und die Einführung von Elektroschockern – sogenannten Tasern – forderten.

Die Öffentlichkeit wurde getäuscht:

"Nach Angriffen: Welle der Solidarität für Hamburger Polizei"

Können sich 53.801 wohlmeinende Bürger irren?

Dazu schrieben wir "Auf der Facebook Seite " Solidarität mit den Beamten der Davidwache" haben bis gestern Abend 5. Dezember 2014 - 22.00 Uhr 53.801 "sehr gut informierte Bürger" die Seite mit "gefällt mir" geadelt".

So leicht läßt sich Politik machen. Das die Hamburger Polizei in dieser Folge zwei mal die gesamte Innenstadt von Hamburg zum Sperrgebiet erklärt hat, scheint die "ach so besorgten Bürger nicht sonderlich zu jucken. Die Hamburger Polizei hat damit durch die Hintertür das Kriegsrecht ausgerufen für das sie keinerlei Legitmitation besitzt. Einen derartigen Vorgang hat es sogar in der DDR selten gegeben. Mittlerweile haben Stand, 7. Januar 2014, 14:30 Uhr 55.483 Bürger die Seite geadelt.

Unbefristetes Gefahrengebiet, Hamburg im Kriegszustand?

Am Wochenende wurden insgesamt 400 Menschen überprüft und 90 Aufenthaltsverbote ausgesprochen. Und "DIE ZEIT" fragt nun: "Was ist los in der Hansestadt, die sich gern als liberal und weltoffen bezeichnet?"

Ein Vertreter der Polizeigewerkschaft rechtfertigt die Maßnahme folgendermaßen: Es sei "eine Dimension erreicht, die einen Schusswaffengebrauch situationsbedingt wahrscheinlich machen könnte" Wo soll das hinführen fragen wir uns.

"Die Leute werden unter Generalverdacht gestellt, potenzielle Straftäter zu sein", sagt der Hamburger Anwalt Andreas Beuth. Andreas Beuth befürchtet, dass die Stimmung irgendwann kippt. "Je länger die Maßnahme dauert, desto gefährlicher wird es", sagt Beuth. Die Zone trage nicht zur Befriedung bei, eher im Gegenteil.

Ps: Mein FB Freund Heinrich Schmitz hat zu diesem Thema auf The European geschrieben:

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07.01.2014 Machtpolitik der bundesdeutschen Behörden

GFDK - Andreas Beuth/ Gottfried Böhmer

Hamburg - Wiesbaden, 6. Januar 2014. Liebe Freunde der Künste, wir sind etwas irritiert. Folgende Schlagzeilen konnten wir alle in den letzten Tagen lesen und dran haben wir nun berechtigte Zweifel.

Polizisten vor der Davidwache attakiert und schwer verletzt - DIE WELT

Nach Protesten zu "Roter Flora" Vermumte greifen Polizisten an - DER TAGESSPIEGEL

Polizisten vor der Davidwache attakiert -LÜBECKER NACHRICHTEN

Vermummte greifen Davidwache an - HAMBURGER MORGENPOST

Diese Schlagzeilen zogen sich durch die gesamte Deutsche Presse und TV Landschaft und wir fragen uns jetzt wie es um den vielbesungenen Qualitätsjournalismus bestellt ist. Für uns stellt sich die Frage, ob sich die Medien hier vor den Karren von Politikern und Polizeibehörden haben spannen lassen ohne deren Angaben zu prüfen. So wie es aussieht,  hat kein einziger Qualitätsjournalist nach einem Beweis-Video gefragt. Ist das nur ein Zufall oder Absicht?

Dabei wäre das ganz einfach möglich gewesen. Jede Polizeiwache, und erst recht die Davidwache wird 24 Std. täglich videoüberwacht. Auf diesem Video müsste man den Angriff der 30 bis 40 vermummten Angreifer auf die Polizisten sehen können. Warum hat die Polizei das Video der Öffentlichkeit bis heute nicht präsentiert? Die Krönung der Geschicht hat dann die Öffentlichkeit, sprich der desinformierte Bürger selber geliefert.

Das HAMBURGER ABENDBLATT titelte:

"Hamburger solidarisieren sich mit der Polizei"

Und DIE WELT:

"Nach Angriffen: Welle der Solidarität für Hamburger Polizei"

Können sich 53.801 wohlmeinende Bürger irren?

Auf der Facebook Seite " Solidarität mit den Beamten der Davidwache" haben bis gestern Abend 5. Dezember 2014 - 22.00 Uhr 53.801 "sehr gut informierte Bürger" die Seite mit "gefällt mir" geadelt. So leicht läßt sich Politik machen. Das die Hamburger Polizei in dieser Folge zwei mal die gesamte Innenstadt von Hamburg zum Sperrgebiet erklärt hat, scheint die "ach so besorgten Bürger nicht sonderlich zu jucken. Die Hamburger Polizei hat damit durch die Hintertür das Kriegsrecht ausgerufen für das sie keinerlei Legimitation besitzt. Einen derartigen Vorgang hat es sogar in der DDR selten gegeben.

Neue Erkenntnisse?

Am 5. Dezember gegen 18.00 Uhr erreichte uns folgendes Schreiben des Rechtsanwalts Andreas Beuth aus Hamburg.

Anlässlich der Darstellung und Diskussion in der Öffentlichkeit und in den Medien zu einem Zwischenfall am Samstag, 28.12.2013, gegen 23:03 Uhr im Bereich der Reeperbahn in Hamburg – St. Pauli zwischen bisher unbekannten Personen und PolizeibeamtInnen sehe ich mich zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst.

Im Rahmen meiner anwaltlichen Tätigkeit sind mir Tatsachen bekannt geworden, die den bisher öffentlich diskutierten Sachverhalt in einem anderen Licht erscheinen lassen bzw. schwerwiegende und begründete Zweifel an der bisher durch die Polizei bekannt gemachten Geschehensablauf nähren.

In einer Pressemitteilung der Polizei Hamburg vom 29.12.2013 wird folgender Sachverhalt im Kerngeschehen dargestellt:

Beamte der Davidwache seien aus einer Personengruppe heraus gezielt angegriffen und zum Teil schwer verletzt worden. Zur Tatzeit hätten 30 bis 40 dunkel gekleidete, zum Teil (u.a. mit St.Pauli-Schals) vermummte Personen in Sprechchören: "St.Pauli - Scheißbullen - Habt Ihr immer noch nicht genug!" skandiert. Als Polizeibeamte daraufhin aus der Davidwache herausgekommen seien, seien sie an der Ecke Reeperbahn/Davidstraße aus der Personengruppe heraus gezielt und unvermittelt mit Stein- und Flaschenwürfen angegriffen worden. Ein Polizeibeamter sei durch einen aus unmittelbarer Nähe geworfenen Stein erheblich verletzt worden sei und  habe eine Nasenbein- und Kieferfraktur erlitten.

Falsche Darstellung und Falschbehauptung

Wir haben hingegen nach den uns vorliegenden Informationen Grund zu der Annahme und hinreichende Anhaltspunkte dafür, dass diese polizeiliche Darstellung falsch ist.

So gab es bereits keine zum Teil vermummte Personengruppe von 30 bis 40 Personen. Darüber hinaus gab es keine Personen vor der Davidwache, deren Plan und Ziel es gewesen wäre, die Polizeirevierwache 15 oder deren BeamtInnen zu attackieren.

Entsprechend hat es zu keinem Zeitpunkt Stein- oder Flaschenwürfe auf das Gebäude der Revierwache gegeben; erst recht nicht auf aus der Wache herauskommende PolizeibeamtInnen.

Kriegsrecht in Hamburg

Entgegenstehende Behauptungen in der Polizeipressemitteilung vom 29.12.2013 sind schlichte Falschbehauptungen. Soweit es in der Pressemitteilung der Polizei vom 29.12.2013 heißt, „Als Polizeibeamte daraufhin aus der Davidwache herauskamen, wurden sie an der Ecke Reeperbahn/ Davidstraße aus der Personengruppe heraus gezielt und unmittelbar mit Stein- und Flaschenwürfen angegriffen.

Dabei erlitt ein Polizeibeamter (45) einen Kiefer- und Nasenbruch sowie eine Gesichtsschnittverletzung, als ihm einer der Täter aus nächster Nähe einen Stein ins Gesicht schlug,“ ist dies ebenso falsch. Es ist kein Beamter vor der Davidwache Ecke Reeperbahn/ Davidstraße durch einen Stein oder anderen gefährlichen Gegenstand verletzt worden.

Soweit in der Berichterstattung in den Medien behauptet wird, ein Beamter sei im Bereich Hein-Hoyer-Straße/Seilerstraße, mithin ca. 200 m vorm PK 15 entfernt, im Gesicht verletzt worden, entzieht sich dies unserer Kenntnis. Auch der Pressemitteilung der Polizei ist ein solcher Tathergang nicht zu entnehmen.

Weiterhin muss ich feststellen, dass die der Berichterstattung zugrunde liegende Mitteilung der Polizeipressestelle es unterlassen hat, die polizeilichen Maßnahmen der BeamtInnen zu schildern, nachdem diese unbehelligt vor die Wache getreten waren.

Aufrüstung der Polizei

Hinter der bewusst falschen Darstellung stehen augenscheinlich politische Interessen der Polizeiführung und ihrer Gewerkschaften wie zusätzliche Stellen, eine bessere Bezahlung der Polizei, eine „Aufrüstung“ der Polizei und aktuell die Einrichtung eines unbefristeten Gefahrengebiets in einem nie dagewesenen Ausmaß.

Die offensichtliche Desinformation der Öffentlichkeit lenkt ab von den brennenden sozialpolitischen Themen in der Stadt und diskreditiert legitime politische Inhalte.

Vor diesem Hintergrund halte ich eine öffentlich geführte Debatte über den möglichen polizeilichen Einsatz von Tasern oder gar den Schusswaffengebrauch einmal mehr für eine gefährliche, unverantwortliche und inakzeptable Reaktion.

Andreas Beuth

Rechtsanwalt

Anwalt Andreas Beuth ist eine Ikone in der linken Szene Hamburgs. Er war am Prozess um die Rote Flora und die Bauwagensiedlung Bambule beteiligt, hat Angeklagte des §129a nach dem G8-Gipfel 2008 verteidigt und mehrmals mit spektakulären Freisprüchen die Machtpolitik der bundesdeutschen Behörden entlarvt.

Ps: Mein FB Freund Heinrich Schmitz hat zu diesem Thema auf The European geschrieben:

www.theeuropean.de/heinrich-schmitz/7789-gefahrengebiete-in-hamburg

Aktuelle Meldung, Montag 6. Dezember


Der gewaltsame Angriff von 30 bis 40 Vermummten auf die Davidwache in St. Pauli, bei der Polizisten angeblich schwer verletzt wurden, hat nicht so stattgefunden, wie anfangs von der Polizei dargestellt. Das hat Polizeisprecher Mirko Streiber am Montag eingeräumt.

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06.01.2014 Darüber sollen wir lachen können?

GFDK - Gottfried Böhmer

Wie meinte Dieter Nuhr einmal auf die Frage, für was RTL stehe, Titten antwortete er. Vielleicht hat er dabei an "Tutti Frutti" gedacht, aber es sollte ja noch schlimmer kommen. Die Marken-Zeichen von RTL lesen sich wie ein Grussel-Schauer-Kabinett. Dschungelcamp, DSDS, Big Brother, Ich bin ein Star - Holt mich hier raus bis Bauer sucht Frau. Schlimmer wirds nimmer, könnte man meinen, aber wir haben da wenig Hoffnung.

Der Schmuddel TV-Sender auf seinem höchstem Niveau

Nun hat uns der Sender mit zwei abendfüllenden Jubiläumsshows erzählen wollen, dass er großartige TV-Geschichte geschrieben hätte. Thomas Gottschalk der Jubiläumsonkel des Deutschen TV gab sich zumindest alle Mühe uns das zu verkaufen. Der "Spiegel" schrieb: das war wie "Wetten, dass..?" ohne Wetten.

Ein alter Ausschnitt aus "RTL Samstag Nacht" zeigt, dann wer die Macher von RTL sind. Olli Dittrich verkleidet als Michael Schumacher, der von Wigald Boning interviewt wird. Dittrich trägt einen roten Rennanzug, das Kinn ist künstlich verlängert. Er antwortet auf die Frage, wo für einen Formel-1-Piloten denn die größte Gefahr hinterm Steuer lauere: "Sicherlich bei der Steuerhinterziehung."Darüber sollen wir lachen können?

Laut "Spiegel" hieß es vor Ausstrahlung der Sendung "je nach Schumachers Zustand müsse man die Show vor der Ausstrahlung am Freitagabend womöglich noch mal umschneiden". Das Hugo Egon Balder mit der Einblendung "Showlegende" angekündigt wurde, spricht Bände.

RTL ist nur noch platt

Frank Preuß von der Westdeutsche Allgemeine Zeitung schrieb in einem Kommentar: " Fangen wir mit dem Lob zum 30. Geburtstag des Privatfernsehens an: Es hat im zunehmenden Muff von ARD, ZDF und den Dritten in den Achtzigern für einen kurzen Durchzug gesorgt und eine Zeit lang sogar das Tempo diktiert.

Aber frech ist es schon lange nicht mehr. Nur noch platt. Und weil selbst die Duldsamsten sich an elefantös dicken Menschen beim Abnehmen, halbnackten Sachsen im Swingerclub, dem amerikanischen Seriengewitter und Dieter Bohlens Gemecker irgendwann sattgesehen haben, laufen den Sendern die Zuschauer in Scharen davon. Neue Ideen? Nichts mehr zu sehen".

Gottfried Böhmer

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05.01.2014 Rücksichtnahme sind für Amazon Fremdwörter

GFDK - Gottfried Böhmer

Das der Buchhandel den Freunden der Künste besonders am Herzen liegt, haben wir in vielen Artikeln dokumentiert. Nun überrascht uns die Osnabrücker Zeitung mit einer positiven Nachricht, die wir allerdings für überbewertet halten. Das der Deutsche Buchhandel im Weihnachtsgeschäft 1,2 Prozent zulegen konnte, ist nur im ersten Moment erfreulich, denn der Internethandel, Amazon legte im gleichen Zeitraum um 15 Prozent zu.

Insbesondere kleine Buchhandlungen mit einem Jahresumsatz unter 500.000 Euro sowie große Buchhandlungen mit einem Jahresumsatzvolumen von mehr als vier Millionen Euro verzeichneten mehrheitlich ein Umsatzplus, hat das Börsenblatt ermittelt.

Die kleinen Buchhandlungen könnten dabei auch, von der von den Freunden der Künste massiv unterstützten Aktion "Buchhandels Flashmob" profitiert haben. Am 6. Dezember 2013 haben wir zu der Aktion aufgerufen, als Antwort gegen Amazon sollten so viele Menschen wie möglich, die Bücher lieben in ihrer Lieblingsbuchhandlung mit dem Kauf eines Buches die Buchhandlungen unterstützen.

Darauf möchte wir hier auch noch mal hinweisen:

Hamburg-Neustadt. Aus die Maus Nikolaus heißt es nun für die 1933 gegründete Buchhandlung Laatzen. Am 23. Dezember wird der Laden geschlossen und Deutschland ist wieder um eine Buchhandlung ärmer. Die 1933 gegründete Traditionsbuchhandlung am Stephansplatz muß sich künftig auf den Versand konzentrieren.

Auch Sibylle Lewitscharoff die zur gleichen Zeit unbarmherzige Worte sprach könnte geholfen haben.

Die Eröffnungsrede der internationalen Buchmesse in Wien nutzte die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff für eine leidenschaftliche Tirade gegen Amazon: "Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Sollte es mir vergönnt sein, den Tod dieser verhassten Firma noch zu erleben - was leider nicht sehr wahrscheinlich ist - werde ich mit einem Jubelruf auf den Lippen ins Grab sinken."

Sibylle Lewitscharoff über junge Leute und Literaturstudenten die mal selber Bücher schreiben wollen.

"Hin und wieder kam ich in den letzten Jahren in Kontakt mit Literaturstudenten oder jungen Leuten, die selber Bücher schreiben wollen. Eine kuriose Erfahrung insofern, als etliche von ihnen erschreckend wenig gelesen hatten, zumindest kaum die wirklich erstklassigen Werke der Moderne. Es kostet Mühe, sie zum Kauf eines Buches zu überreden, obwohl sie in der Hoffnung leben, dermaleinst würde jemand ihre eigenen Bücher kaufen. Natürlich findet sich da inmitten einer großen Schar Ignoranten auch immer wieder ein Lesefex, an den sich Freude und Hoffnung klammern, dass es mit der Wirksamkeit hochmögender Literatur nicht vorbei ist."

Links denken aber....???

Aber da ist noch etwas anderes und es erbost mich zutiefst. Einige amerikanische Großfirmen, allen voran Amazon, sind ja bereits eifrig damit beschäftigt, elektronische Buchdienste anzubieten. In meinem Umfeld, das in jungen Jahren links eingestellt war und gern die Fahnen wider den Monopolkapitalismus hisste, ist eine staunenswerte Entwicklung vonstattengegangen: Ausgerechnet bei einem Monopolisten wie Amazon, der so ziemlich alles in den Schatten stellt, was Karl Marx einst über den Monopolkapitalismus schrieb, bestellen sie ungeniert.

Aktionstag am 06.12.2013

Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Amazon bezahlt keine Steuern in den Ländern, in denen dieser widerliche Klub eine Menge Geld verdient, er bezahlt seine Angestellten empörend schlecht, ruiniert die Buchhändler und zunehmend auch die Verlage.

Seriöse Betreuung, Herstellung und Vertrieb des gedruckten Buches jedoch sei, so Sybille Lewitscharoff eine arbeitsintensive Angelegenheit, für die eine ganze Branche mit einer Vielzahl von Angestellten nötig sei. "Nur um den einen Strawanzel, der das Buch geschrieben hat, geht es beileibe nicht."

Jedenfalls halte ich dem gedruckten Buch, den erstklassigen Verlagen und den Buchhändlern, die ich liebe, die Treue, schwatze vergnügt mit ihnen und lasse mich von ihnen auch gern auf etwas hinweisen, was mir bisher entgangen ist. Nichts lieber, als eine ordentliche Summe in eine Buchhandlung zu tragen. Dort soll Ihr Geld hin, werte Leser! Es soll nicht im Rachen einer Firma landen, die Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet und den wenigen, die für sie arbeiten, Hungerlöhne zahlt!

Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben

Komme, was wolle, ich glaube an die Zukunft des Buches zwischen zwei Deckeln und werde nicht davon ablassen, neue Lieblinge für schönes Geld bei einem Buchhändler zu erwerben. Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben – ich wünsche ihnen gute Umsätze und ein gedeihliches Leben!

Sibylle Lewitscharoff, zählt zu den bedeutendsten Autoren der Bundesrepublik. 2011 gewann sie den Deutschen Buchpreis, 2013 wurde ihr der Georg-Büchner-Preis verliehen. Zuletzt erschien von ihr bei Insel "Pong redivivus".

Mit den  vorliegenden Textauszügen hat Sibylle Lewitscharoff die sechste internationale Buchmesse "Buch Wien" eröffnet. Den gesamten Text finde ihr im unter aufgeführten link.

 

Die Osnabrücker Zeitung schreibt: "Wie erfreulich, wenn sich düstere Ahnungen oder Unkenrufe als unzutreffend erweisen. Gerade kleinere Buchhändler haben vom Weihnachtsgeschäft profitiert, und das nicht nur, weil es am Tag vor dem Heiligen Abend zu spät für den Internet-Versandhandel war. 1,2 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr belegen eindrucksvoll: Bücher sind nach wie vor hochattraktiv als Geschenk. Das Lesen bleibt eine beliebte Freizeitbeschäftigung trotz ständig nachwachsender Konkurrenz auf dem Bewegtbildmarkt".

Christine Adam stellt richtig fest und bringt es auf den Punkt: "Erstaunlich beim Überangebot von Filmen aller Art: die anhaltende Lust am Lesen als Rückzug in innere Fantasieräume, in denen die Bilder selbstständig hergestellt werden müssen. Vielleicht spüren viele vom hohen Tempo unserer Tage bedrängte Menschen, dass das Lesen eine der wenigen Nischen ist, die endlich ein höchst individuelles Tempo erlauben".

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29.12.2013 "grausame Unterhaltungs-Dominanz"

GFDK - Gottfried Böhmer

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat erneut die Medien runtergeputzt. Durch die Digitalisierung und die daraus folgende Dominanz der elektronischen Medien gegenüber den Printmedien habe sich ein Vorrang von Schnelligkeit gegenüber Gründlichkeit auch in der politischen Berichterstattung entwickelt, von Schlagzeilen gegenüber Analysen und von Personalisierung gegenüber Sachthemen, so Lammert in einem Interview mit der "Berliner Zeitung".

Er sprach von einer "grausamen Dominanz der Unterhaltung gegenüber der Information".

Als "fast ultimativen Beleg" für seine Beobachtungen bezeichnet Lammert die "heute-show" des ZDF. Zwar finde er sie gelegentlich zum Brüllen komisch. Aber das Leben sei halt nicht nur komisch und die Politik schon gar nicht. "Es darf nicht in ein solches Format verkürzt werden, was das ZDF insgesamt natürlich auch nicht tut."

Stahlgewitter

Lammert kritisiert, dass in der politischen Berichterstattung Menschen persönlich niedergemacht würden. Dafür gebe es viele Beispiele. Hier spielte er wohl auf den Fall Christian Wulff an, bis zum heutigen Tag haben sich BILD, Spiegel & Co. nicht öffentlich entschuldigt bei Wulff.

Die Bild sprach von "immer neuen Attacken auf die Medien und Journalisten". Fühlen sich da einige Herren ertappt?, scheint so, denn die Bild sieht in Lammers Kritik einen Generalangriff gegen Presse Funk und Fernsehen. Ausgerechnet die Springer-Presse spielt sich mal wieder als Hüter der Pressefreiheit auf.

Kampagnenjournalismus und Sensationsberichterstattung

...
Norbert Lammert wettert gegen "Heute Show" - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Norbert-Lammert-wettert-gegen-Heute-Show-id28234392.html

Eckard Schulze schrieb dazu: "Aktuell wird in den Medien, insbesondere auch bei der ARD, die zweite Vernichtung des Bundespräsidenten a.D. in Angriff genommen. Da soll nicht weiter sichtbar werden, dass ganz andere Interessenlagen zu der Hatz geführt hatten, um den obersten “Notar” Deutschlands , präziser, der BRD, auszuschalten".

Späte Reue

Norbert Lammert meinte weiter: "Es gibt dann regelmäßig, allerdings immer erst im nachhinein, selbstkritische Bemerkungen prominenter Journalisten, auch sie seien Teil der Meute gewesen. Noch schöner wäre es", so Lammert weiter, "wenn es solcher nachträglicher Sympathiebekundungen gar nicht bedürfte".

Schon im Oktober hatte Lammert einen Qualitätsverfall im deutschen Fernsehen öffentlich angeprangert.

"Wenn die Medien immer weniger ihrem eigentlichen Auftrag der seriösen Information nachkämen, stelle sich zunehmend die Frage, inwieweit das System der staatlichen Rundfunkgebühren noch gerechtfertigt sei".

Späte Einsicht:

In der aktuellen Ausgabe von Politik + Kultur (Januar/Februar 2014), der Zeitung des Deutschen Kulturrates, schreibt der ARD-Vorsitzende und Intendant des NDR, Lutz Marmor, im Leitartikel "Nicht alles ist Hochkultur" über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Der Snowden-Vertraute Glenn Greenwald hat beim Chaos Communication Congress die Medien scharf attackiert:

„Die Rolle der Medien ist es nicht, Gegner der Mächtigen zu sein; sie sind loyale Sprecher der Mächtigen.“

So hätten amerikanische und britische Medien Snowden als Verräter attackiert, doch die Lügen der Offiziellen aus Politik und Geheimdiensten bleiben von den Medien unkommentiert.

Journalismus sei die Kontrolle der Mächtigen, sagte Greenwald.

"Das sind schlichte Wahrheiten – die jedoch knapp und klar erklären, warum viele Medien nur noch zur als Lautsprecher von offiziellen Verkündigungen und als billige Vervielfältigungs-Maschinen von autorisierten O-Tönen fungieren".

Gottfried Böhmer

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17.12.2013 Verhandlungsdokumente geheim

GFDK - Konstantin Wecker

Liebe Freunde, ihr habt sicher schon gemerkt, dass mir der Aufstand gegen das geplante Freihandelsabkommen, das nun mit dieser Regierung ohne irgendeinen ernsthaften Widerstand durchgewinkt werden dürfte, sehr am Herzen liegt.


Die Kristallkugelleser sind fleissig am Werk: „Hoffnung für die deutsche Wirtschaft: Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung wäre die Bundesrepublik ein großer Profiteur eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA. Die wirtschaftsnahe Organisation rechnet mit steigenden Löhnen und bis zu 160.000 neuen Jobs.“ Das und ähnliches konnte man immer wieder lesen in den letzten Monaten.

Wer hat die Studie in Auftrag gegeben? Ach so!


Worum geht es wirklich?
“Einzelne Konzerne erhielten zukünftig denselben Rechtsstatus wie Nationalstaaten. Dadurch wären große Teile der Welt juristisch, dauerhaft und irreversibel verpflichtet, bei Vertragsverstößen entgangene Konzern-Gewinne aus Steuergeldern auszugleichen.“ (Le Monde diplomatique)

Konzerne erhalten Rechtsstatus wie Nationalstaaten


Das Transatlantic-Trade-and-Investment-Partnership-Abkommen, TTIP, ist kein klassisches Freihandelsabkommen. Es geht nicht um die Abschaffung von Zöllen und Handelsschranken, weil es die zwischen Europa und den USA kaum noch gibt. Ziel ist vielmehr der Abbau von so genannten „nicht-tarifären Handelshemmnissen“. Als Handelshemmnis können die Vertragspartner alles definieren: Verbraucherschutz, Kennzeichnungspflicht, Datenschutz, Arbeitnehmerrechte.


Warum aber erfahren wir so wenig über das TTIP? Die EU-Kommission hält die Verhandlungsdokumente geheim. Sie war noch nicht einmal bereit, das Verhandlungsmandat – also das, worüber sie verhandelt – offen zu legen. Dieses Mandat ist jedoch von der US-Regierung veröffentlicht und auf diesem Weg bekannt geworden.


Das Attac-Netzwerk lehnt die neoliberale Ausrichtung der Verhandlungen ab und hat auf dem Herbstratschlag beschlossen, Aktiviäten gegen TTIP zu einem Kernpunkt der Kampagnenarbeit des nächsten Jahres zu machen.


Hier kann man schon mal unterschreiben.
https://www.campact.de/ttip/appell/teilnehmen/?utm_campaign=%2Fttip%2F&utm_term=Unterzeichnen+Sie+jetzt+den+Appell...&utm_content=random-b&utm_source=%2Fttip%2Fappell%2F&utm_medium=Email

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12.12.2013 „WOELFE“, die zweite Singleauskopplung von Martin Goett

GFDK - Stefanie Tendler

„WOELFE“, so heißt die zweite Singleauskopplung des Singer-Songwriters Martin Goett.

Mit diesem Titel möchte der gebürtige Heidelberger auf sein geplantes Album einstimmen und greift mit ihr die Kehrseiten der Zeitverschwendung auf.

S.T.: Nach „Leinen Los“ veröffentlichst du nun mit „WOELFE“ deinen zweiten Song. Warum ausgerechnet dieser Titel und worum geht es dir thematisch?

Martin Goett: Nach meiner ersten VÖ mit Leinen Los im September habe ich „WOELFE“ ganz bewusst als 2ten Song ausgewählt. Das Lied bringt die Stimmung des kommenden Albums noch stärker zum Ausdruck. Bevorzugt arbeite ich mit einer möglichst kleinen Instrumentierung, die Reduzierung auf Gitarre und/oder Klavier intensiviert häufig die Emotionen, destilliert den Song.

Keine belanglosen Spielereien

Inhaltlich geht es natürlich nicht um Tiere, die Wölfe sind wir. Die Idee kam mir nach einer durchzechten Nacht mit Freunden. Wir haben praktisch alle den nächsten Tag verschlafen um nachts wieder um die Häuser zu ziehen. Es geht also um Zeitverschwendung im Positiven, wie im Negativen. Das gemeinsame, hungrige, rastlose Umherziehen in der Gruppe hat bei mir damals das Bild eines Wolfsrudels geweckt.

S.T.: Wie ist dir die Idee für das zugehörige Video gekommen?

Martin Goett: Es ging mir nicht darum einen qualitativ hochwertigen Performancevideo abzuliefern, sondern die leicht düstere Stimmung einzufangen und dieser visuelle Ausdrucksstärke zu verleihen.

Die Idee für die Umsetzung war schnell geboren.

Ich habe mich durch alte Familienaufnahmen meines Großvaters gegraben und entsprechende Szenen ausgewählt. Herausgekommen sind Aufnahmen, die belanglose Spielereien zeigen. Kinder verschwenden sich und ihre Zeit nicht. Sie spielen, erleben und können sich lange an einer Sache erfreuen und sich mit dieser begeistert beschäftigen. Was beim Ersteindruck vielleicht unverständlich oder morbide wirkt, erschließt sich hoffentlich beim mehrmaligen Ansehen.

Was Verschwendung ist, liegt im Auge des Betrachters. Falls mein Konzept nicht aufgeht kann man alternativ immer noch Wegsehen und sich ein paar Wölfe vorstellen, die den Mond anheulen...

S.T.: Welche persönlichen Emotionen hast du bei diesem Song?

Für mich ist WOELFE ein sehr intensives Lied, mit einem noch persönlicheren Videoclip. Er zeigt, wo meine musikalische Reise hingeht und was die Zuhörer zukünftig in Etwa erwartet.

Außerdem unterstreicht der Song meiner Meinung nach wunderbar in die kaltgräuliche Winterzeit. In Decken mümmeln, Kopfhörer auf und Abtauchen. Ein bisschen Zeit in das Lied zu investieren kann nicht schaden und wenn es für den Einen oder Anderen verschwendete Zeit war, kann ich immer noch behaupten, es sei Absicht gewesen.

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10.12.2013 Nach 80 Jahren ist schluß mit lustig

GFDK - Gottfried Böhmer

Hamburg-Neustadt. Aus die Maus Nikolaus heißt es nun für die 1933 gegründete Buchhandlung Laatzen. Am 23. Dezember wird der Laden geschlossen und Deutschland ist wieder um eine Buchhandlung ärmer. Die 1933 gegründete Traditionsbuchhandlung am Stephansplatz muß sich künftig auf den Versand konzentrieren.

Deutsche Innenstädte bald ohne Buchhandlungen?

Die allgemeine Verlagerung des Buchgeschäfts ins Internet, und eine langjährige Baustelle vor der Tür hätten zu starken Umsatzeinbußen geführt, begründet Inhaber Lauritz Laatzen die Schließung. Er will sich am 11. Dezember mit einem Fest verabschieden. Zwischen 10 und 19 Uhr wird zu jeder vollen Stunde ein Text gelesen. Jeder Kunde, der etwas kauft, erhält eine Erinnerung an die Buchhandlung geschenkt.

Unabhängige und inhabergeführte Buchhandlungen haben es in den letzten Jahren zunehmend schwerer gegen den Online-Buchhandel wie etwa dem des großen "A" anzukommen. Am 06.12.2013 haben die Freunde der Künste deshalb zu einem Flashmob gegen Amazon aufgerufen an dem sich viele Freunde beteiligt haben.


Die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff hatte erst kürzlich zur Eröffnung der internationalen Buchmesse in Wien die Gelegenheit für eine leidenschaftliche Tirade gegen Amazon genutzt:

"Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Sollte es mir vergönnt sein, den Tod dieser verhassten Firma noch zu erleben - was leider nicht sehr wahrscheinlich ist - werde ich mit einem Jubelruf auf den Lippen ins Grab sinken."

"Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Amazon bezahlt keine Steuern in den Ländern, in denen dieser widerliche Klub eine Menge Geld verdient, er bezahlt seine Angestellten empörend schlecht, ruiniert die Buchhändler und zunehmend auch die Verlage".

"Seriöse Betreuung, Herstellung und Vertrieb des gedruckten Buches jedoch sei, so Sybille Lewitscharoff eine arbeitsintensive Angelegenheit, für die eine ganze Branche mit einer Vielzahl von Angestellten nötig sei. "Nur um den einen Strawanzel, der das Buch geschrieben hat, geht es beileibe nicht".

"Jedenfalls halte ich dem gedruckten Buch, den erstklassigen Verlagen und den Buchhändlern, die ich liebe, die Treue, schwatze vergnügt mit ihnen und lasse mich von ihnen auch gern auf etwas hinweisen, was mir bisher entgangen ist. Nichts lieber, als eine ordentliche Summe in eine Buchhandlung zu tragen. Dort soll Ihr Geld hin, werte Leser! Es soll nicht im Rachen einer Firma landen, die Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet und den wenigen, die für sie arbeiten, Hungerlöhne zahlt!"

Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben

Komme, was wolle, ich glaube an die Zukunft des Buches zwischen zwei Deckeln und werde nicht davon ablassen, neue Lieblinge für schönes Geld bei einem Buchhändler zu erwerben. Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben – ich wünsche ihnen gute Umsätze und ein gedeihliches Leben!

Sibylle Lewitscharoff, zählt zu den bedeutendsten Autoren der Bundesrepublik. 2011 gewann sie den Deutschen Buchpreis, 2013 wurde ihr der Georg-Büchner-Preis verliehen. Zuletzt erschien von ihr bei Insel "Pong redivivus".

 

Der Verleger Christopher Schroer schrieb am 15. Februar einem offenen Brief an den Amazon Chef Jeff Bezos der auch bei den Freunden der Künste veröffentlicht wurde.

Wir geben den Brief hier noch mal im Wortlaut wieder:

"Heute nehmen wir Abschied, wir kündigen unsere Zulieferer- wie auch Kundenkonten. Mit sofortiger Wirkung. Ohne Wenn und Aber und mit allen Konsequenzen.

Seit Jahren ist es uns als Verlag ein Dorn im Auge, dass Sie an kleine Zulieferer wie uns überzogene Rabattforderungen von 55% stellen. Nein, es muss ja, um mit dem Buchpreisbindungsgesetz konform zu sein, heißen: 50% Rabatt plus 5% Lagerkosten. Dass aber Waren, die nachweislich Durchlaufposten sind, auch ohne Lagerung diese 5% zusätzlichen Kosten verursachen, war uns schon immer unverständlich.

Luftige Buchungstricks und Gewinne maximieren

Auch haben wir akzeptiert, dass Sie mit luftigen Buchungstricks bei der Umsatzsteuer Ihren Gewinn maximieren; dass Sie von kleinen Zulieferern verlangen, Rechnungen zu stellen, die dann ins EU-Ausland versandt werden müssen; dass Sie sich vertraglich einen unglaublichen Skontorahmen einräumen lassen. Dass neue, frisch angelieferte Titel in Ihrem eigenen "Marketplace"-Anbieterkonto als Mängelexemplare auftauchen. Und dass Sie Kommissionswaren remittieren, die Sie nicht pfleglich behandelt haben und diese somit vom weiteren Verkauf ausgeschlossen sind.

Amazon nutzt seine Marktmacht rigoros aus

Dass Sie Ihre Marktmacht gegenüber Ihren "Partnern" rigoros ausnutzen, sollte wohl jedem klar sein: Lebendig erinnern wir uns an Ihre Aktion gegenüber den "Independent Publishers" in Ihrem Heimatland, wo Sie neue Konditionen diktierten. Wer nicht mitzog, der wurde einfach ausgelistet, dessen Bücher waren urplötzlich nicht mehr verfügbar.

Aber, das haben wir hingenommen, zwar nicht ganz freiwillig, denn will ein Kleinverlag von Endkunden wahrgenommen werden, ist es zwangsläufg verpflichtend, bei Ihnen gelistet zu sein. Amazon macht sichtbar, und wer nicht bei Ihnen gelistet ist, der ist bei Endkunden auch nicht "seriös" – oder: Was es bei amazon.de nicht gibt, gibt's nirgends.

Wirtschaftlich trägt sich Ihr Geschäftsmodell für uns nicht. Hat es im übrigens noch nie. Zu überzogen sind Ihre Forderungen, wir fühlen uns nicht als Partner behandelt, sondern als Bittsteller, der bitte, bitte, bitte seine Bücher über Ihre Plattform vertreiben darf und zwar zu Konditionen und Verträgen, die Sie diktieren.

Nun aber bringt die aktuelle Berichterstattung das Fass zum Überlaufen: Sie behandeln Menschen wie Ware. Menschen, die in eine Notlage geraten sind, die Arbeit dringend brauchen. Diese Menschen, Ihre Arbeitnehmer, Ihr "Humankapital" behandeln Sie mit genauso unfairen Praktiken, die Sie schon uns haben angedeihen lassen.

Auf eine Wiederholung der Vorwürfe verzichten wir an dieser Stelle, stehen diese noch im Raum und sind aufmerksamen Zeitgenossen durchaus in lebendiger Erinnerung.

Respektvolles wirtschaften, faire Umgangsformen und gegenseitige Rücksichtnahme sind für Amazon Fremdwörter

Aber als Ergänzung sei hinzugefügt, dass unsere Ansprechpartner ebenfalls größtenteils nicht in Deutschland sitzen, sondern − so unser Verdacht – in Indien. Wie wohl hier die Menschen behandelt werden? Menschen, denen ein Staat weniger Schutz und Rechte gibt, als auf unserem europäischen Boden.

Respektvolles Wirtschaften, faire Umgangsformen und gegenseitige Rücksichtnahme in einer Geschäftsbeziehung halten wir für unabdingbar. Egal, ob es dabei um Kunden, Mitarbeiter, Zulieferer und Vertriebspartner geht.

Sie sind, waren es nie und werden es auch wohl zukünftig nicht werden: ein Unternehmen, das Menschen wie Menschen, das Verlage wie Partner, das Kunden wie Könige und Kaiser behandelt. Ein Unternehmen, welches sich u.a. dem Kulturgut "Buch" verschreibt und soziale und ethische Grundsätze beachtet.

Wir können daher nur unsere Konsequenzen ziehen und sagen "Adieu!".

Und eigentlich sind wir froh darüber, einen so schwierigen Geschäftspartner los zu sein."

Anmerkung der Redaktion:

Christian Lindner will die Bürger vor dem Konzernkapitalismus schützen?. Das sagte er zumindest dem Cicero im Foyegespräch am 24. November. Lindner mahnte die Kartellrechtliche Prüfung von Google und Youtube an, wie er Amazon dabei vergessen konnte bleibt uns ein Rätsel. Christian Lindner " Eine der „großen ordnungspolitischen Schlüsselaufgaben“ sei das Problem, dass Großkonzerne wie etwa Google sich „überhaupt nicht an der Finanzierung unseres Gemeinwesens“ beteiligten, während Familienunternehmen enorme Lasten zu tragen hätten.

Wir fragen uns nun, was Lindner sich dabei denkt. Dass Google Amazon und Co so gut wie keine Steuern in Deutschland auf ihre Milliarden Umsätze/ Gewinne zahlen, ist allen Parteien seit über 10 Jahren bekannt. Warum hat seine FDP ihre Regierungsverantwortung nicht genutzt, um diesen kläglichen Zustand zu ändern?

Das klingt nach Heuchelei

Die Konzernmacht der besagten Unternehmen konnte gerade nur deshalb entstehen, weil sie im Gegensatz zu allen deutschen Unternehmen keine Steuern zahlen mussten. Irgendwie klingt das nach Heuchelei. Erstaunlich ist auch, dass bei den jetztigen schwarz-roten Koalitionsverhandlungen kein Wort zu einer zukünftigen Besteuerung dieser Unternehmen auf der Tagesordnung steht.

Für die deutsche Politik scheint es bequemer zu sein, sich die Steuern beim Mittelstand und den sogenannten Besserverdienenden abzugreifen. Und wenn das nicht reicht, kauft man eben noch ein paar gestohlene Steuer CDs aus der Schweiz und Luxemburg an. Amazon & Co dürfen weiterhin ihre Gewinne verschieben.

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07.12.2013 Es gibt keine anständigen Kriege

GFDK - Jürgen Todenhöfer

Liebe Freunde, die bittersten Kapitel meines Buches „Du sollst nicht töten“ beschreiben die Vergewaltigung afghanischer Taliban durch Kampfhunde im US-Foltergefängnis Bagram und die brutale Vergewaltigung eines irakischen Widerstandskämpfers durch einen GI im Flughafengefängnis Bagdad – vor den Augen gefesselter irakischer Mädchen .

US-Gefängnis Bagram: Taliban durch Hunde vergewaltigt

Was wäre geschehen, wenn die Taliban in Afghanistan amerikanische GI’s auf Hockern festgebunden und durch Hunde vergewaltigt hätten? Was, wenn in Bagdad irakische Widerstandskämpfer einen GI vergewaltigt hätten – und amerikanische Frauen mit Gewalt gezwungen hätten zuzuschauen?

Jeder kennt die Antwort. Ein Aufschrei wäre durch die Welt gegangen. Die USA hätten die Orte dieser grauenvollen Schandtaten mit Raketen dem Erdboden gleichgemacht.

Freiheit, Menschenrechte und Demokratie?

Warum geht kein empörter Aufschrei durch die Welt, wenn westliche Soldaten afghanische oder irakische Kämpfer in fürchterlichster Weise demütigen, zerbrechen und seelisch töten? Hatten wir den Afghanen und Irakern nicht Freiheit, Menschenrechte und Demokratie versprochen?

Hass, Demütigung und Vernichtung

Warum liegt über diesen beiden Verbrechen ein bleierner Mantel des Schweigens? Ist muslimisches Blut wirklich so billig? Kann mir jemand diese bittere Frage beantworten?

Euer
Jürgen Todenhöfer

Eine emotional nicht einfache, durchaus empörte, aber auch sehr informative Lektüre „aus erster Hand“.

Jürgen Todenhöfer, geboren 1940, war bis 2008 Manager eines europäischen Medienunternehmens, davor 18 Jahre lang Bundestagsabgeordneter und Sprecher der Unionsparteien für Entwicklungshilfe und Rüstungskontrolle. Er schrieb die Bestseller "Wer weint schon um Abdul und Tanaya?", "Andy und Marwa – zwei Kinder und der Krieg", "Warum tötest du, Zaid?" und "Teile dein Glück". Mit seinen Buchhonoraren hat er u.a. ein Kinderheim in Afghanistan und ein Kinderkrankenhaus im Kongo gebaut sowie ein israelisch-palästinensisches Versöhnungsprojekt finanziert.

15,99 €

Thalia.de


Das Buch kostet 19,99 Euro. Wie man auf seiner Facebook-Seite lesen kann, erhält Herr Todenhöfer davon knapp 1 Euro. Das Honorar geht uneingeschränkt an schwer verletzte amputierte syrische Kinder.

Es gibt keine anständigen Kriege.

Anmerkung der Redaktion: Sebastian Riemer in der Rhein-Neckar-Zeitung am 4.12.2013

Egon Bahr traf in der Ebert-Gedenkstätte Heidelberger Schüler

Egon Bahr schockt die Schüler: "Es kann Krieg geben"


Egon Bahr: "Hitler bedeutet Krieg", habe sein Vater 1933 zu ihm gesagt. Als Heranwachsender habe er das nicht geglaubt. Und so sei das jetzt wieder: "Ich, ein alter Mann, sage euch, dass wir in einer Vorkriegszeit leben." Und die jungen Leute, sagte er, würden es ihm nicht glauben.
Bahr schlägt einen Bogen, wie es nur ein politisch versierter Zeitzeuge kann: von Hitler über den Kalten Krieg bis zur seiner Ansicht nach größten Gefahr der Gegenwart - dem Internet. "Wir weigern uns, zur Kenntnis zu nehmen, dass es das erste Mal wäre, dass eine bahnbrechende neue Erfindung nicht für den Krieg missbraucht wird."

Das Internet als die Atombombe des 21. Jahrhunderts?


Der wichtigste Tipp Bahrs an die Schüler? "In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt."

Das werden die Schüler sicher nie vergessen.

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