Reden ist silber, Schreiben ist gold

07.03.2011 zum Teil hofiert, zum Teil gefürchtet

Carsten Reinhold Schulz

Kunst besprechen und kritisieren: das gehört selbstverständlich auch zum Alltag eher regional orientierter Gazetten wie der Westdeutschen Zeitung. Zu wenig untersucht wird die Bedeutung einzelner journalistischer Köpfe innerhalb der Feuilletons, bzw. der Kulturseiten als gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Machtfaktor.

Die angesprochenen  Kulturjournalisten werden von Künstlern und Galerien zum Teil hofiert, zum Teil gefürchtet, fände man doch als kulturelle Leistung nur unzureichend statt, hätte man nicht ab und an eine Besprechung in Form eines redaktionellen Artikels (zumal, wenn man kein Blogger ist ...).

Da halten viele, trotz mancher Ungerechtigkeit, lieber den Mund, um sich den nächsten Pressebesuch nicht zu verscherzen. An welchen künstlerischen Vorstellungen und journalistischen Werten orientieren sich jedoch derzeit diese Journalisten? Aus welchen Quellen fliessen zusätzliche Honorare?

Nach welchen Kriterien filtern Kultur-Journalisten Kunstinformationen für die Leser heraus? Welches gesellschaftliche Bild erzeugen sie damit?

Um das genauer zu beleuchten, möchte ich ein konkretes, ein nachprüfbares Beispiel geben und Namen nennen, um zu zeigen, wie Mitarbeiter von Zeitungen Entwicklungen steuern, verschieben oder gar unterbinden können, im besten Fall ohne darüber nachzudenken.

Die Fakten: ein in deutsch-weissrussischer Kooperation gänzlich neu entwickeltes Galerieprojekt in Düsseldorf Flingern, wird von einer Journalistin der WZ, Frau Helga Meister, besucht – sie sagt, sie möchte etwas über die Künstler und die Idee der Galerie schreiben. Alle Fragen werden der Journalistin detailliert beantwortet.

Aus diesem Interview entsteht ein Artikel, der zum größten Teil das genaue Gegenteil der Festgestellten berichtet und die Galerie-Idee nicht nur vollständig unterschlägt, sondern sie regelrecht untergräbt.

Ein Artikel, der in Teilen bis heute im Internet erscheint und sich für diese Galerie lange imagezerstörend ausgewirkt hat.

Frau Meister, die sich mit den Sternchen der regionalen Szene immer wieder gern selbst fotografisch in Szene setzt, berichtete in ihrer Arbeit ohne jeden Skrupel davon, das die Galerie nur Künstler des Stadtteils zeigt, alle Macher aus Flingern stammen und das selbst die Galeristin im Haus wohnen würde.

Was scheinbar harmlos klingt ist nicht nur falsch, es ist zudem für den beginnenden Ruf einer international ausgerichteten Kunstvermittlung eine weltweit abrufbare, fatale Fehlinformation.

Die so in der Zeitung und später im Web angezeigte, angeblich regionale Ausrichtung der Galerie, die offizielles Mitglied des BVDG und der profilierten Düsseldorfer Galeriengemeinschaft „parallel“ ist, verfügte jedoch von Beginn an über ein breit gefächertes Angebot von Künstlern verschiedener programmatischer Ansätze und Nationalitäten aus ganz Deutschland und tatsächlich zur Hälfte aus Osteuropa.

Das Ziel, der auf privater Initiative entstandenen, mit hohem persönlichem und finanziellem Einsatz gestalteten Idee, osteuropäische Kunst und Kultur, gerade aus dem weitgehend unbekannten Weissrussland hinter dem Vorhang des Politischen und Unsichtbaren hervor zu holen und in Düsseldorf öffentlich diskutieren zu lassen, wurde von der Kulturredaktion der WZ und Frau Meister mit einer Leichtfertigkeit verspielt, die im schlimmsten Fall den Verdacht der Korruption oder der Absprache innerhalb des Systems der Galerien und des Kulturjournalismus in Düsseldorf nahelegen könnte.

Das nach diesem Artikel verhängte Hausverbot von Frau Meister hatte zum Resultat, dass für eine gewisse Zeit in keiner wichtigen Zeitung der Region mehr Reaktionen oder Artikel über die Galerie erschienen.

Noch nicht einmal zum Anlass der erneuten, auch kunsthistorisch gesehen, nicht unbedeutenden Ausstellung mit Deutschlands erster Aktionskünstlerin Chris Reinecke in Düsseldorf, der Mitbegründerin der legendären LIDL Gruppe.

Diese Künstlergruppe hat Reinecke in Kunstkreisen und ihren Ehemann Jörg Immendorf in der Welt berühmt gemacht (noch etwas, das man hinterfragen müsste).

Wäre dies ein journalistischer Einzelfall, so würde man vielleicht resigniert mit den Achseln zucken, jedoch liegen diesem Blog Informationen vor, das auch in einem anderen Fall Frau Meister für die WZ erstelltes Bildmaterial zur Verfolgung eher persönlicher oder vielleicht politischer Ziele benutzte.

Ein Foto, das von ihr auf einer Kunstausstellung gemacht wurde, taucht im Zuge eines sozio-politischen Tauziehens um alte Fabrikgebäude später in eben diesen Zusammenhängen wieder auf.

Auf diesem Fotos abgebildet auch Menschen, die mit den Zielen des Artikels überhaupt nicht konform gehen. Hier hätte zumindest eine einfache Recherche gut getan.

Übrigens: mehrfache Versuche Gegendarstellungen der offensichtlichen Unwahrheiten in der WZ zu erhalten, wurden mit der Androhung von sehr teuren und langwierigen Gerichtsverfahren durch den damaligen Vorgesetzten von Frau Meister in mehrstündigen persönlichen Gesprächen mit der Galerieleitung unterdrückt.

Dieser Blog plädiert hiermit nachdrücklich für einen Journalismus der Kritik, aber gegen journalistische Fahrlässigkeit und eklatanten Machtmissbrauch.

Die Frage, ob Blogs den seriösen Journalismus beschädigen, darf somit gerne auch ganz anders gestellt werden.

Helga Meister, Kulturjornalismus und Machtmissbrauch II - das beschriebene Prinzip veröffentlichter Fehlinformation in der WZ durch Helga Meister

Der letzte Blogbeitrag zum Thema des persönlich instrumentalisierten Kulturjournalismus, betitelt „Helga Meister, Kultur und Korruption?“, hat zu etlichen positiven Reaktionen geführt.

Nicht nur Künstler und sonst verhaltene Galeristen haben diesem Blog von weiteren Fällen des journalistischen Missbrauchs berichtet und (zumindest stille ...) Solidarität erklärt, ich erhielt auch einen Artikelvergleich, der das beschriebene Prinzip veröffentlichter Fehlinformation in der WZ durch Frau Helga Meister im kulturellen Bereich in weitere fatale Dimension trägt.

Diesen Vergleich möchte ich den Lesern des Blogs nicht vorenthalten, bestätigt er präzise geschilderten Verdacht und Methode. Dass Frau Helga Meister selbst kuratorisch tätig ist und sein möchte, könnte ein Indiz sein für die Steuerungsabsichten und persönlichen Interessen hinter den scheinbar schlecht recherchierten Kulturbeiträgen, bei der sie möglicherweise die Westdeutsche Zeitung für ihre Zwecke nutzen darf.

Der gut recherchierte und seriös formulierte Artikel aus der NRZ (WAZ Gruppe) von Frau Julia Killet vom 7. September 2010 beschreibt Geschichte, Veränderungen und die kulturellen Verdienste des mitgliederstarken und innovativen Kunstvereins WP8 in Düsseldorf.

Im Artikel-Vergleich dazu sieht man erneut die fehlerhaft recherchierte, mangelhaft ausgeführte Berichterstattung der WZ Kulturedaktion durch die bereits erwähnte Autorin Meister, vom 26.8. 2010.

Das mehrfache, vollkommen überflüssige Namedropping Andreas Gurskys als Gründer und Retter des Kunstvereins WP8 verdeutlicht die bereits peinlich zu nennende, simpel gestrickte Rechnung Meisters, die im gesamten Artikel die Rolle und die Lage des Kunstvereins nicht nur nicht erkennt, sondern ihn verfälscht und destabilisiert.

Von der beschriebenen ästhetischen Tarnung der Räume gegen Obdachlose und Drogenabhängige lässt sich wohl eher auf  beinahe rassistische Vorurteile der Autorin schliessen, als auf das offene künstlerische Klima im Kunstverein.


Ein Tabu unserer Gesellschaft bleibt die Situation von Kultur und ihren Strukturen, die zum Teil von einem freien, verantwortlichen Umgang mit menschlicher Kreativität wegführen.

Die Presselandschaft braucht mehr kritische Journalisten mit einer echten Haltung und mehr sozialer Kompetenz. Meinen Dank an Frau Killet die mutig genug war, genau das aufzuzeigen. Beide erwähnten Artikel sind mit dem unten stehenden Link nach zu lesen.

Carsten Reinhold Schulz

 

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21.02.2011 Reden ist Silber, schreiben ist Gold

Angelika Wende

Um mein Brot zu verdienen, spreche und schreibe ich unter anderem über die Kunst, die Bildende, um es genau zu sagen, weil sie mir die Liebste aller Künste ist. Ich verfasse und halte Laudatien, schreibe Texte für Künstlerkataloge und Rezensionen über Kunstausstellungen.

Das heißt auch: Ich darf Kunst „kritisieren“. Das Wort gefällt mir aber gar nicht, ich sage lieber „besprechen“ oder „rezensieren“, das hört sich für mich stimmiger an, zudem bin ich der Auffassung, dass Kunst und Kritik keine gute Allianz abgeben.

Kunstkritik ist ein schwieriges Unterfangen, weil jeder ein Kunstwerk anders betrachtet, empfindet und bewertet. 

Was dem einen ein visueller Genuss ist, ist dem anderen ein schmerzhafter Dorn im Auge. Man kann weggucken, wenn’s nicht gefällt. Das erlaubt die Kunst, ohne beleidigt zu sein. Apropos beleidigt:

Auf dem Portal der Gesellschaft der Freunde der Künste, das ich täglich und gern verfolge, fand ich neulich einen ziemlich beleidigten und zugleich beleidigenden Artikel über das Thema „Kunstkritiker“ und was die alles anrichten können.

Der Tenor des Verfassers war in der Tat sehr beleidigt, es wurde sogar der Name einer Rezensentin genannt, sozusagen als Paradebeispiel für böse „Kritiker“, die Kunst, Künstler und Galerien, durchdrungen von egostischen Motiven oder übler Tageslaune, so richtig schön und mit Genuss niedermachen.

Eine wahrhaft niederträchtige Spezies, die sich, glaubt man dem Verfasser des Artikels, auf Vernissagen herumschleicht, des Gastgebers Prosecco und Häppchen goutiert, sich hofieren und beschleimen lässt, damit sie ja was Gutes schreibt, und dann das journalistische Machtwort ausspuckt um die ganze schöne Kunst mit giftigem Schleim voll zu kotzen.

Ja, der Mensch ist des Menschen Wolf und diese Rezensentenspezies gibt es, aber gleich die ganze Kritikerzunft in die Gitfbrühe zu tauchen? Muss das sein?

Ja doch, über Kunst lässt sich streiten, wie über alles andere im Leben auch, es macht nur keinen Sinn.

Weil der Mensch aber zum Sinnlosen ebenso neigt wie zur Sinnsuche, haben eben auch vernichtende Kritiken eine Existenzberechtigung. Zudem leben wir in einem Land, das die Meinungsfreiheit im Grundgesetz verankert hat.

Übrigens, das kann sich ändern, hatten wir auch schon mal, aber egal, jetzt ist das so und basta. Und weil das so ist, darf jeder der schreibt, schreiben was er will, vorausgesetzt er kann schreiben.

Ob einer schreiben kann oder nicht lässt sich, nebenbei bemerkt, besser beurteilen, als ob einer gute Kunst macht oder nicht, denn die Bewertung von Bildender Kunst ist mehr als vieles andere, abhängig vom Auge des Betrachters, das liegt nun mal in ihrer Natur als visuelle Erscheinungsform.

Nun scheint diese Erkenntnis, die schon Kant postulierte - nämlich, dass, ich will mich kurz fassen - die Welt, die wir sehen, niemals Welt ist, wie sie an sich ist - noch nicht zu allen vorgedrungen zu sein. Schade eigentlich, sonst könnte ich mir das hier sparen.

Sie glauben mir nicht? Gut, dann weiter! Auch der alte Schopenhauer, übrigens auch so ein beleidigter Zeitgenosse, aber dafür sehr klug, ließ sich seitenweise über die Fragwürdigkeit einer allgemeingültigen Wirklichkeit aus und erkannte, dass wir das „Ding an sich“ nie erkennen können.

Noch eins drauf setzte Paul Watzlawick mit dem Konstruktivismus. Ich zitiere: „Der Glaube, es gäbe nur eine Wirklichkeit ist die gefährlichste aller Selbsttäuschungen.

Es gibt sie nicht, diese eine Wirklichkeit, es gibt vielmehr zahllose Wirklichkeiten, die sehr widersprüchlich sein können, die alle das Ergebnis von Kommunikation und nicht der Widerschein ewiger objektiver Wahrheiten sind“.

Watzlawick kommt zu dem Schluss, dass der Glaube, dass die eigene Sicht der Wirklichkeit die Wirklichkeit schlechthin bedeute eine gefährliche Wahnidee sei, eine Anmaßung, ja gar die „think crime“ der menschlichen Existenz. Finde ich übrigens auch.

Aber was, wenn die Dinge nicht sind, was sie sind, es niemals sein können, wenn es dieses objektiv Seiende nicht gibt, wenn das Seiende eine nichtfassbare Größe ist, wenn jedes Ding nur der Widerschein dessen ist, was sich in uns spiegelt und wir uns wiederum in ihm?

Dann gibt es nur subjektive Annahmen und keine Wirklichkeit. Dann gibt es kein Richtig und kein Falsch, sondern nur Ansichten.

Und genau darauf will ich hinaus: Kunst ist Ansichtssache, Geschmacksache, Gefühlsache. Sie geht über die Sinne in uns hinein und jeder rezipiert sie individuell.

Nun behauptet der beleidigte, beleidigende Verfasser weiter: Kunstkritik ist Macht.

Wenn jemand der Meinung ist, dass Kunstkritik ein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Machfaktor ist, dann ist das seine Wahrheit und damit hat er erst mal Recht, zumal es ja im ganzen Leben in jedem Beziehungskonstrukt, ob individuell oder kollektiv, immer auch um Macht geht.

Die Behauptung jedoch, dass „eher regional orientierten Gazetten“, zu wenig untersuchen, wem sie die Macht des Kunstkritisierens übergeben, ist doch eher fragwürdig.Hallo, woher will man denn wissen ,ob einer nun von Kunst Ahnung hat oder nicht?

Ein Studium der Kunsthistorik impliziert noch lange nicht, dass einer die Weisheit über Kunst gefressen hat, da gibt es einfach keine.

Und was ist denn gute Kunst und was ist schlechte Kunst? Manche sagen so, manche so und die Ranking-Listen sind doch als Qualitätsmerkmal nicht wirklich ernst zu nehmen, wissen wir doch längst, dass Kunst heutzutage eine Marketingsache ist. und ganz viel mit dem schnöden Mammon zu tun hat.

Da liegt die Macht, nicht in den Händen des Schreiberlings der regionalen Gazette und wenn da einer latent Bestechung unterstellt, dreist nach dem Motto: Aus welchen Quellen fließen zusätzliche Honorare?

Also das wüsste ich auch gern! Mir jedenfalls ist noch kein Kunstmafioso begegnet, der mir ein paar Euro extra gibt, damit ich eine Galerie oder einen Künstler nieder mache. Wieso eigentlich nicht? Ich sage es Ihnen, weil nichts älter und nichts schneller vergessen ist, als die Zeitung und der Interneteintrag von gestern. Die Investition lohnt sich schlicht und einfach nicht.

Ach, fast hätte ich es vergessen zu erwähnen: Eine vernichtende Kunstkritik zerstört nicht das Image einer Galerie und macht keinen Künstler platt.

Angelika Wende

www.angelikawende.com

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