Reden ist silber, Schreiben ist gold

21.08.2012 Sprache: Fremde oder Heimat?

Liane Bednarz

Das Lustspielhaus unweit der Münchner Freiheit ist eine Kleinkunstbühne, ein Kabarett im Herzen Schwabings. Hier sitzt man an Tischen und diniert vor der Vorstellung. Axel Hacke, der zusammen mit Giovanni di Lorenzo den 2010 erschienenen Bestseller „Wofür stehst Du?“ geschrieben hat, tritt hier monatlich auf. An diesem Abend im August aber ist di Lorenzo zu Gast. Um aus dem gemeinsamen Werk zu lesen. Das klingt vielversprechend, auch wenn der Titel des Buchs zunächst etwas abgegriffen wirkt.

Denn „Wofür stehst Du“? ist keine gestelzte Selbstveredlungsfibel. Keine pathetische Ode an die Tugend. Keine selbstgefällige Plauderei zweier arrivierter Herren. Nein, „Wofür stehst Du“? ist ein kurzweiliger und dabei mühelos tiefer gehender Gesprächsband in sieben Kapiteln: Ehrliche und schonungslose Erinnerungen und Reflektionen, sich selbst und anderen gegenüber. Ja, selbst die Familie di Lorenzos kommt nicht immer gut dabei weg. Aber keine Angst, die Sache ist durchaus humorvoll gestaltet. Hier sind zwei echte Meister jener spitzen Selbstironie am Werke, die selten geworden ist.

Im vollbesetzten Publikum sind beinahe alle Altersklassen vertreten. Der Chefredakteur der ZEIT erscheint pünktlich um 20.30 Uhr auf der Bühne. Dunkler Anzug, weißes Hemd ohne Krawatte, dunkle Hornbrille. Lässige Intellektuellen-Eleganz.

Mit dem Nachtzug auf den fremden Planeten Hannover

Los geht es mit der Suche nach Heimat. Nach den eigenen Wurzeln. Es ist wohl so: Wenn alles unsicher wird, die Welt immer größer und unverständlicher erscheint, wird die Suche nach einem unverrückbaren Zuhause dringlicher. Eben nach diesem vielbemühten Anker im Treibsand des eigenen Seins in einer verrückter werdenden Welt. „Was ist Heimat“? titelte etwa DER SPIEGEL im April 2012. Für di Lorenzo - Kind einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters - ist es ein echtes „Lebensthema“, wie er betont. Ist es auch sein Lebensdrama?

Früh, zu Jugendzeiten nämlich, fühlte er sich einem regelrechten Kulturschock ausgesetzt. Eine Folge des durch die Trennung der Eltern ausgelösten Umzugs nach Deutschland. Das klingt dann so: „An einem kalten Wintermorgen landeten wir auf einem fremden Planeten namens Hannover. Wir waren mit dem Nachtzug aus Rom gekommen […].“ Gefühlte Heimatlosigkeit: „Ich machte mich auf die Suche nach einem Stück Heimat in Hannover, aber ich fand nichts. Das Essen in den Pizzerien schmeckte anders als das in Rom […].“ „Im Hintergrund dudelte trostlose italienische Schlagermusik, die ich in Italien noch nie gehört hatte: Mamma Leone, gesungen von einem gewissen Bino, und Tornerò von I Santo California.“ An den Tischen im Lustspielhaus hört man Lachen. Mit Melancholie Fröhlichkeit abzuholen gelingt nicht jedem. Hier klappt es auf Anhieb.

Sprache: Fremde oder Heimat?

„Heimat“ – das ist der Ort, die spezielle Region. Heimat aber kann, so erfahren wir, auch in der Sprache zu finden sein. Oder auch nicht. Denn Sprache kann ebenso zur Fremde werden, im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos machen. Nämlich dann, wenn die Sprache am neuen Ort noch nicht richtig vertraut ist: „[…] aber ich spürte die Ohnmacht, wenn ich versuchte, etwas genauer zu beschreiben, und mir die Worte fehlten.“

Später, zu Abizeiten, als di Lorenzo bereits für die Hannoversche Neue Presse schrieb, wandelte sich das: „Meine Mutter und mein Bruder gingen zurück nach Italien. Ich blieb. Denn ich hatte endlich eine Heimat gefunden: die Sprache. Es war ein schönes Gefühl.“ Sprache als Heimat. Ein schöner Gedanke. Das Publikum applaudiert. Ja, das klingt eben auch dankenswert integrativ, ohne belehrend zu sein. Das kapiert man, das hat sogar etwas Vernünftiges.

„Mein Glaube an den Untergang“ – Der Deutschen Lust an der Panikmache

Ein Thema darf keinesfalls fehlen, wenn sich ein Intellektueller hierzulande fragt, wofür er steht: „Mein Glaube an den Untergang oder Warum ich früher in die Kirche ging und heute auf den Wertstoffhof“ heißt das zugehörige Buchkapitel. Ach ja, der Deutschen Lust an der Beschwörung immer neuer Untergangsszenarien. „Nachrüstung“, „atomare Bedrohung“ und „Vogelgrippe“ sind nur einige Beispiele, die di Lorenzo aus der schier endlosen Liste anführt. Gegen diese Dauerpanikmache hilft nur Ironie.

Di Lorenzo schildert deshalb eine Schmunzel -Szene, die sich 1984 auf seiner ersten Lesereise zutrug. Ein Paradebeispiel für die zermürbende Auswirkung kollektiver ökologischer Untergangsbeschwörungen auf das Alltagsleben: „erzählte eine Frau, die sich als Erzieherin vorgestellt hatte, wie sehr es ihr Lebensgefühl und das der ihr anvertrauten Kinder trübe, dass am Ende des Jahrzehnts in Deutschland kein einziger gesunder Baum mehr stehen werde, aller Wald werde dann gestorben sein, das sei gewiss.“

Diese Schilderung des seit den 80ern grassierenden apokalyptisch überhöhten Wald-Lamentos hat an Aktualität nichts eingebüßt. Weil es für viele andere Untergangsszenarien exemplarisch ist, die immer wieder an die Wand gemalt werden. Und die jenen Typus Mensch im Lande auf den Plan gerufen haben, den man heutzutage „Wutbürger“ nennt.

„Sind Bedürfnisse und Begehrlichkeiten in unserer Gesellschaft genau steuerbar?“

Aber dann wird di Lorenzo auch sehr ernst: „Sind Bedürfnisse und Begehrlichkeiten in unserer Gesellschaft genau steuerbar?“ Dafür spricht das Beispiel eines Tierfutterherstellers, der – da sich der Marktanteil kaum noch steigern ließ - durch geschickte PR-Maßnahmen in der Bevölkerung ein Bedürfnis nach der Anschaffung großer Hunde weckte. Die fressen bekanntlich mehr. Und es funktionierte: „Das Ergebnis der Kampagne war messbar. Zwar nahm der Marktanteil des Auftraggebers, wie erwartet, nicht weiter zu, wohl aber der Umsatz. Denn die Deutschen kauften plötzlich mehr Hunde, vor allem große und sehr große Hunde.“ Stille im Publikum.

Ein Glaubensbekenntnis: Wie di Lorenzo das Sterben von Papst Johannes Paul II. erlebte

Di Lorenzo berichtet, dass ausgerechnet der Teil des Buchs, der von seinem Glauben handelt, zu seiner eigenen Überraschung die größte Aufmerksamkeit provoziert habe, obwohl dies gar nicht seine Absicht gewesen sei. Er handelt davon, wie er das Sterben von Papst Johannes Paul II. im Jahre 2005 erlebt hat: „Wir zündeten Kerzen an und verharrten in Andacht. In diesem Moment fühlte ich mich ganz und gar eins mit meiner Kirche. Das Gefühl war: Nicht wir waren ihm, dem Papst, im Sterben nahe, sondern der Papst war sterbend bei uns.“ „Nein, es war kein Erweckungserlebnis.

Seit einigen Jahren jedoch haben wir zu Hause etwas aufleben lassen, was lange verschüttgegangen war: Vor dem Essen wird still gebetet, auch wenn Gäste da sind. Sehr oft ist das der schönste Moment des Tages.“ Das klingt echt, das berührt auf eine Weise, wie sie vor allem auch Matthias Matussek in seinem 2011 erschienenen „Katholischen Abenteuer“ wieder gesellschaftsfähig gemacht hat.

„Was sagen Sie dazu, Herr Schmidt“? Was sagen Sie dazu, Herr di Lorenzo?

Als besonderes Schmankerl serviert di Lorenzo dem Münchner Publikum zum Abschluss der inklusive Pause rund 100minütigen Lesung das von ihm verfasste Vorwort des nächsten Monat erscheinenden Bands „Was sagen Sie dazu, Herr Schmidt?“, einem Kompendium der gleichnamigen Kolumne di Lorenzos und Schmidts im ZEITmagazin.

Dann ist Zeit zum Fragen. Volle 45 Minuten lang. Die Fragen sind direkt, bisweilen provokant. Man will etwa wissen, welche Macht die Medien haben, wie di Lorenzo die EU-Politik sehe, wie es um die politische Kultur in unserem Lande stehe, wie die Familie die nicht immer schmeichelhaften Darstellungen verkraftet habe. Di Lorenzo gibt klare Antworten, weicht nicht aus. Zeigt sich als kritischer, dabei aber sehr besonnener, differenziert denkender Kopf.

Wehrt sich etwa gegen den Vorwurf, die Medien wären oft kampagnenhaft. Betont die Pressevielfalt im Lande, die sich vor allem im Vergleich zu Italien in ihrer ganzen Fülle erschließe. Bekennt sich zu Europa, ist aber kritisch, auf welche Weise die Europolitik unter Anrufung des alten Pathos durchgezogen wird. Und fordert eine auseichende politische Kommunikation der grundsätzlichen Fragen zur Zukunft Europas.

Sagt aber auch, dass man bei aller berechtigten Kritik nicht vergessen dürfe, was wir an unserem bundesrepublikanischen politischen System haben. Auch hierbei helfe ein Blick nach Italien. Di Lorenzos Antworten kommen an, an diesem Abend in München. Viele kennen ihn ja als Fragensteller in der Talkrunde 3nach9. Die Facette des Antwortgebenden steht ihm mindestens ebenso gut.

Dr. Liane Bednarz

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."

 

 

 

 

mehr

14.08.2012 Klarere Regeln für das Entfernen

Augusta King

Sobald wir Videos hochladen, Fotos teilen oder Artikel veröffentlichen machen wir uns in der Regel abhängig von Entscheidungen privater Firmen – unsere Inhalte können von heute auf morgen verschwinden… Im August 2010 zum Beispiel musste Mario Sixtus auf einmal feststellen, dass die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) seine eigenen Videos bei Vimeo entfernen lies.

Dasselbe Schicksal erleidete Alexander Lehmann und sein Video “Du bist Terrorist”. Im Juli 2011 sperrte der GEMA-Youtube-Streit einen Spielfilm von Nina Paley auf YouTube. Und erst vor kurzem wurde bekannt, dass momentan eine Mit-Eigentümerin eines Rüstungsunternehmen versucht, ein kritisches YouTube-Video löschen zu lassen. Die Fälle sind zahlreich, nicht nur Rechteinhaber oder staatliche Institutionen wollen Inhalte löschen lassen, sondern auch viele andere, denen irgend etwas im Netz nicht passt. Das ist oft gerechtfertigt, aber oft eben auch nicht.

Klarere Regeln für das Entfernen illegaler Inhalte sind in Europa längst überfällig. Dabei ist es aber besonders wichtig ein System zu finden, das nicht missbraucht werden kann, welches verhindert, dass kritische Videos einfach verschwinden können, und gleichzeitig sicherstellt, dass unser Recht auf freie Meinungsäußerung nicht verletzt und die Möglichkeiten, die ein offenes und freies Netz für unsere Demokratie bietet, nicht eingeschränkt werden.

Dass der Digital Millenium Copyright ACTA (DMCA) in den USA eine eher suboptimale Lösung bietet, ist schon lange bekannt. Wer Zweifel hat, kann sich die Takedown Hall of Shame der Bürgerrechtsorganisation EFF anschauen.

Jetzt möchte die Europäische Kommission aktiv werden. Bis zum 5. September läuft noch die Konsultation zu den sogenannten ‘Notice and Action’ Verfahren – den Fragebogen darf jeder ausfüllen und einsenden. Ob, wie und wann Provider für die Inhalte der Nutzer verantwortlich sind oder nicht, sollte in der sogenannten E-Commerce Richtlinie von 2000 zur Providerhaftung geregelt werden. In allen Mitgliedstaaten gibt es aber Auslegungen in vielen bunten Varianten – bei uns wurde die Richtlinie im Telemediengesetz §§ 8-10 umgesetzt.

Für unsere eigene Hall of Shame, möchten wir zahlreiche ge- oder missglückten Löschversuche der letzten Jahre in Deutschland sammeln und rufen Euch daher hier in den Kommentaren auf, uns weitere Beispiele oder eigene Erfahrungen zu nennen. Das Ganze schicken wir dann an die zuständige Direktion in der EU-Kommission, damit Grundrechte, Transparenz und Widerspruchsmöglichkeiten bei zukünftigen Leitlinien für ein europäisches Notice und Takedown-System nicht übersehen werden.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in EU und getagged . Bookmark the Permalink. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Augusta King, Netzpolitik.org.

mehr

01.08.2012 Klamauk, rote Haare und eine grandiose Stimme

Liane Bednarz - 6 Bilder

Die Zauberflöte im fürstlichen Schlosshof. Prinz Pamino und Prinzessin Pamina in der Märchenkulisse St. Emmerams. Was für ein Auftakt für die Thurn & Taxis Schlossfestspiele, die heuer zum 10. Mal einluden. Und auch diesmal ein zauberhaftes kulturelles Potpourri boten, von Katie Melua über Roger Cicero und Peter Kraus bis hin zu Vittorio Grigolo.

Oper für jedermann, für die ganze Familie hieß es also. Aufgeführt von der Oper Chemnitz. Die Inszenierung von Dominik Wilgenbus betonte passend dazu die lustigen Seiten des märchenhaften Stücks. Und die Gegensätze. Edle und filigrane (Guibee Yang als Pamina) bzw. ausdrucksstarke (Julia Bauer als Königin der Nacht) Frauenfiguren kontrastierten auffällig mit den männlichen Protagonisten, die - rollengemäß – mal eher derb (Andreas Kindschuh als Papageno) und- nicht rollengemäß – mal eher facettenlos (André Riemer als Tamino) waren.

Anmut und Abgrund – Pamina und die Königin der Nacht

Guibee Yangs Pamina be-, ja verzauberte die Zuschauer. So viel Anmut, so viel Grazie, so viel Zartheit und Feenhaftigkeit sind selten. Eine wahre Prinzessin im weißen, chiffondurchzogenen Gewand. Stimmlich unterstrichen durch ihren hellen, glasklaren und unschuldig wirkenden Sopran. Und die perfekte Antipode ihrer Mutter, der Königin der Nacht. Dominik Wilgenbus widerstand der Versuchung, jene durch eine überbordende gothichafte Optik zu überzeichnen.

Gewiss trug sie ein dramatisches schwarzes Gewand, gewiss wirkte sie düster. Aber wirklich ausgefüllt wurde die Figur durch Julia Bauers nahezu perfektes Mimikspiel, durch ihre zugleich subtile und dramatische Körpersprache. In jeder Sekunde spürte man die Boshaftigkeit und den Hass, sah man das rachsüchtige Herz der nächtlichen Königin, das die eigene Tochter zum Vatermord verführen will.

Auch Julia Bauers stimmliche Leistung war herausragend, unterstrich die Verdorbenheit, die Verlorenheit, den abgründigen und manipulativen Charakter, wenngleich ihrer Arie der Königin der Nacht vielleicht der allerletzte Tick Strahlkraft fehlte. Allerdings machten es die kühlen Temperaturen und der ab der Pause einsetzende Platzregen den Sängern auch alles andere als einfach.

Klamauk, rote Haare und eine grandiose Stimme: Kindschuhs Papageno

Bei den männlichen Charakteren Papageno und Tamino zeigte Wilgenbus ein Faible für leuchtend rotes Haar, gepaart mit einem Schuss Ironie – trugen doch zwei weiße Bauern des Schachspiels ebenfalls leuchtend rote Perücken. Der lustige Vogelsänger Papageno machte in seiner Schusseligkeit und fehlenden Tollkühnheit seiner Rolle alle Ehre, rutschte aber bisweilen arg ins Klamaukhafte ab. Stimmlich aber war Andreas Kindschuh herausragend und fing vor allem die hinter allen Albernheiten versteckte Wehmut des einsamen Papageno ein. Das Publikum dankte es ihm mit langem und begeistertem Applaus.

Sarastro als esoterische Fantasyfigur

Schade, dass demgegenüber der in der Oper eigentlich angelegte heldenhafte Charakter Taminos kaum zum Vorschein kam. André Riemer sang ihn zwar gut, wirkte aber inszenatorisch oftmals auf der Bühne etwas verloren. Sarastro (Kouta Räsänen) hingegen hatte zwar eine große Bühnenpräsenz, erinnerte allerdings in seinem weißen Gewand, mit seinen langen Haaren und der ornamentalen Esoterikkette an den Anführer einer nach Erleuchtung suchenden Hippiekommune oder den Helden eines Fantasy-Epos. Sein tiefer, sonorer Bass glich dies jedoch aus und verschaffte ihm die notwendige Gravitas.

Kontrastreiche Bühne im Schlosshof

Kontrastreich war auch das Bühnenbild: mal elegant-puristisch, mal kindlich-märchenhaft, und manchmal auch etwas naiv. Dreh- und Angelpunkt war die bereits im Libretto angelegte weiße Pyramide, die sich beliebig öffnen, schließen und ausdehnen ließ. Mit fortschreitender Dunkelheit zogen die irisierenden Lichtspiele das Publikum in den Bann. Mal tauchte die weiße Pyramide in ein sattes Grün, mal in ein strahlendes Rot und mal in ein tiefes Blau ein. Im Kontrast dazu stand das düstere schwarz-graue Weltall, das den Hintergrund für die Auftritte der nächtlichen Königin bot. Ein bisschen weniger Dampf aus der auf Hochtouren laufenden Nebelmaschine hätte es allerdings auch getan.

Kindlich-märchenhaft hingegen waren zumeist die Kulissen für Papagenos Szenen. Hier sah man einen schlaraffenlandartigen Baum, an dem überdimensioniertes Obst aller Art wuchs. Zu klamaukhaft hingegen wirkte der Kinderwagen mit den Babypuppen, den die schwerstverliebten Papageno und Papagena in Vorfreude auf künftigen eigenen Nachwuchs euphorisch über die Bühne zogen. Alles in allem jedoch war diese Zauberflöte ein schönes Erlebnis für das buntgemischte Premierenpublikum.

Keine hochintellektuelle Inszenierung, aber das muss ja gerade bei diesem Stück auch nicht immer sein. Schikaneders Libretto nämlich zeigt durchaus auch Singspiel-Züge. Und nur wenige Opern haben ähnlich viele weltberühmte Melodien hervorgebracht, wurden allgemeines Kulturgut. Nicht nur für die hochkulturelle Elite. Mozart, das Genie, begeistert einfach alle. Und deshalb gilt auch weiterhin: Rock me, Amadeus.

Dr. Liane Bednarz

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."

 

 

mehr

09.07.2012 welche dem ESM-Vertrag zugestimmt haben

Heinz Sauren

So ihr lieben. Ich war ja gerade auf der Polizeiwache.
Ich bin selbst hin, da ich mit postalischen oder Online Anzeigen bisher keine guten Erfahrungen gemacht habe, siehe 9-11.

Daher also jetzt ganz Amtlich und direkt hin. Der staunte nicht schlecht der Herr, als ich bei ihm in der Türe stand und ihm sagte was ich wollte, nachdem ich mich höflichst vorgestellt habe versteht sich. Wir fallen ja nicht mit der Tür ins Haus.
Warum offene Türen einrennen. ;-)

Na jedenfalls musste er (zuständig für solche Fälle) ersteinmal 2-3 Minuten suchen um das passende zu meinem Anliegen zu finden. Scheint wohl nicht allzu oft vorzukommen, das dort jemand steht und sehr detaillierte Informationen hereinreicht. Danke an dieser Stelle an die Innitiatoren für die äußerst gut ausgearbeite Vorlage zur Strafanzeige wegen Hoch und Landesverrates.

Nun, jedenfalls bin ich als patriotischer Bürger meines Landes meiner Pflicht nachgekommen und habe mein demokratisches Grundrecht zum Schutze der deutschen Demokratie wahrgenommen und kann behaupten, für mein Land einzustehen!

Und, wann machst du es mir nach..?? ;-)

http://eurodemostuttgart.wordpress.com/2012/07/08/esm-anzeige-wegen-hochverrat-durch-die-regierenden/

 

Heinz Sauren

Heinz Sauren studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
Rechtswissenschaften und Philosophie. Im weiteren bezeichnet er sich als Autodidakt.

Beruf: Schriftsteller
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS)

Berufung: Buchautor, Kolumnist, Essayist, Aphoristiker und Freigeist

Politische Ausrichtung
Politische Einstellungen sollten keinen Parteien-, sondern einen begründeten Sachbezug haben, daher reicht mein politisches Spektrum von rechtsliberal bis linkskonservativ und in Fällen empfundener Ungerechtigkeit, darf es auch mal etwas Anarchie sein.

Religiöse Einstellung
Die etwaige Existenz oder Nichtexistenz eines Schöpfergottes ist nicht, von persönlichen Präferenzen, gesellschaftlichen Definitionen oder einem Glauben daran, abhängig.

Seine Lieblingszitate

” Die meisten Menschen haben einen Erkenntnisradius gleich null, das nennen sie dann ihren Standpunkt.” Albert Einstein

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.” Theodor Adorno

Kontakt zu mir

E-mail: HeinzSauren@gmail.com

 

mehr

04.07.2012 Einfache Lösungen sind populär beim Volk

Heinz Sauren

Manchmal sind es einfache Begriffe die komplexe Zusammenhänge erklären und manchmal sind Umstände so unpopulär, dass sie mit Hilfe einfacher Ausdrücke verfälscht werden um ihr tatsächliches Wesen zu verschleiern. Solche Wortspiele werden gerne von Politikern und Personen die im öffentlichen Fokus stehen genutzt, um ihre eigene Unverbindlichkeit zu wahren.

Der entstehende Eindruck der Beliebigkeit ist ihnen weniger bedenklich, als ihnen ein offenes Wort wäre. Zwei dieser Begriffe sind aus dem Sprachschatz der Krisen geschüttelten Nationen nicht mehr weg zu denken, Wachstum und Konsolidierung.

Sie sind ein Synonym für den guten, den richtigen Weg aus der Krise und mitunter zum alternativlosen Garanten einer Zukunft überhaupt, verklärt worden. Die Gründe aus denen die Politik und Wirtschaft die Deutungshoheit zu den Begriffen hält und pflegt sind offensichtlich, offenbaren jedoch nicht was hinter diesen Begriffen steht.

Per Definition heißt Konsolidierung Verfestigung oder Stabilisierung und meint im Finanzwesen die Änderung kurzfristiger Schulden in Langfristige. Dem wäre im Grunde wenig entgegen zu setzen, wenn der Begriff Konsolidierung für den größten Teil der Bevölkerung nicht etwas anderes bedeuten würde. Eine bessere Umschreibung für diesen Begriff wäre, zumindest in seiner Wirkung auf die Allgemeinheit, Streichung und Verlust.

Die Löhne und Sozialleistungen werden zusammengestrichen, Vergünstigungen und Zuwendungen oftmals ersatzlos gestrichen und da bei all dem was gestrichen wird, nicht zu erwarten ist, dass die Bevölkerung diesem freiwillig zustimmt, werden Rechte die vor diesen Streichungen schützten ebenfalls gestrichen. Konsolidierung bedeutet Verlust.

Nicht nur ein Verlust an Behaglichkeit, sondern der Verlust von allem was nötig zu sein scheint um das wirtschaftliche Ziel zu erreichen. Allein das übergeordnete Ziel der Wirtschaft ist in einer Konsolidierung maßgeblich, das jeden Verlust des Einzelnen und seine dafür notwendige Entrechtung zu legitimieren scheint.

Noch scheint es eine Mehrheit innerhalb der Bevölkerung zu geben, die den Konsolidierungskurs unserer Regierung billigt, da der Glaube an seine Alternativlosigkeit weit verbreitet ist. Es sind die Satten und Selbstzufriedenen, die immer noch von diesem Wirtschaftsmodel profitieren und erfolgreich verdrängen, dass ihr Wohlstand auf der Entrechtung und Ausbeutung Anderer basiert.

Wer von ihnen will schon gerne hören, dass für das meiste, was sie stolz glauben selbst erarbeitet zu haben, nur deshalb in ihrem Besitz ist weil dafür irgendwo auf diesem Globus Kinder gearbeitet und Familien gehungert haben. Niemand von ihnen will hören, dass ihr opulenter Einkauf im Supermarkt nur deshalb möglich ist, weil andere diese Dinge nicht essen können, Landstriche veröden und ganze Lebensräume vernichtet werden.

Allein schon die nicht Teilnahme an ihrem Konsumwahn ist ihnen so suspekt, dass die Nichtteilnehmer für sie als unwillig, gemeinschaftsschädlich oder arbeitsscheu gelten und jene die gegen ihr Treiben das Wort ergreifen als weltfremde Querulanten und missgönnende Spielverderber ihres naiven Glaubens an immer währenden Konsumwohlstand gelten. Die Politik folgt dieser bigotten Mehrheit und flötet das beruhigende Lied der Simplifizierung.

Wenn man zuviel Geld ausgegeben hat, muss man halt in Zukunft sparen, lautet die einfache Formel mit der die Politik, hoch komplexe Finanz- und Wirtschaftskreisläufe, auf Lieschen Müllers Haushaltsheft herunter dividiert. Fragen nach dem wer, dem was und dem warum werden, um keine Irritationen bei einer potentiellen Wählerschaft aufkommen zu lassen, ausgeblendet.

Einfache Lösungen sind populär beim Volk, welches bei einer schwer verständlichen Krise nicht auch noch schwer verständliche Lösungen haben will. Es herrscht der Wunsch, dass alles wieder so werden soll wie es vor der Krise war und Politiker die das versprechen, dürfen sich generös die Belästigungen mit Details sparen.

Die Lüge des folgenlosen Konsums und des gerechten Wachstums wurde so lange wiederholt, bis sie in den Augen eines großen Teiles unserer Gesellschaft, gerne und endlich zur Wahrheit wurden.

Wenn Lieschen Müller ihren Kredit bezahlen und deshalb sparen muss, dann tut sie das zum Wohle und zum Nutzen ihrer Bank. Schafft sie es nicht die Forderungen ihrer Bank zu befriedigen, wird sie in die Pleite getrieben und aus dem Wirtschaftskreislauf ausgestoßen. Die Bank macht ihre Forderung steuerlich geltend und verkauft danach den Titel.

Eine Mischkalkulation bei der die Bank über die Menge der Kredite immer im Plus bleibt. Dieses perfide System welches immer nur einen Gewinner kennt, wurde in der Vergangenheit auch auf Staaten angewandt. Diesmal jedoch schreckte die Finanzwirtschaft auch nicht davor zurück das System durchzusetzen, obwohl der Betroffene nicht aus dem Wirtschaftskreislauf entfernt werden kann.

Die Betroffenen sind heute Staaten wie Griechenland und morgen wird es wahrscheinlich Spanien sein. Sie sind in Europa und können nicht heraus gelöst werden, ob sie im Euro bleiben oder nicht. An Staaten wie Griechenland ist abzulesen, was Konsolidierung heißt und welche Folgen es mit sich bringt.

Haushaltskonsolidierung war das Diktat an Griechenland und es war Nötigung. Um Griechenland keine Möglichkeit zu geben dem Konsolidierungsdiktat zu entkommen, wurden lebenserhaltende Geldspritzen eingesetzt. Nie genug um es auf die eigenen Beine kommen zu lassen, obwohl dieses wahrscheinlich billiger gewesen wäre, sondern immer gerade genug um nicht zu kollabieren. Die griechische Wirtschaft wurde künstlich am Leben gehalten um sie ausbluten zu lassen.

Die Griechen mussten der Konsolidierung folgen und sich damit in den Abgrund sparen. Das Ergebnis der griechischen Haushaltskonsolidierung zeigt deutlich, dass diese keine Hilfe war. Dem Staat Griechenland und den Griechen geht es heute schlechter als vor dem Sparzwang. Aber für was war der nütze, wenn nicht zur Hilfe. Griechenland hat sich so lange konsolidiert, bis die Geldgeber ihre Risiko behafteten Kredite auf die Schultern der Sozialgemeinschaften abgewälzt hatten. Griechenland hat die Konsolidierung nichts genutzt.

Im Gegenteil hat es den Staat handlungsunfähig gemacht, die Bevölkerung verarmt und die Demokratie gefährdet. Aus Sicht der Politik war das ein akzeptabler Preis für die Haushaltskonsolidierung, die doch keine war und nur dem Zweck folgte, den Finanzsektor nicht zu verärgern oder wohlmöglich gegen sich selbst aufzubringen. Der propagierte Zweck des Sparens hat sich ebenfalls nicht eingestellt. Es wurde nicht weniger Geld bewegt, sondern mehr, allerdings immer zu Gunsten der Banken, deren Zinsgewinne sich während der Hilfe an Griechenland noch einmal stiegen.

Es wird offensichtlich, das unserer Regierung die Wirtschaft in ihrem Streben, vor die Demokratie und ihre Durchführung stellt. Die Empörung über das griechische Wahlergebnis zeigt deutlich wo die Gewichtung liegt. Das griechische Volk hat sich mehrheitlich gegen das Spardiktat ausgesprochen.  Unseren Finanzminister interessieren demokratische Gepflogenheiten offensichtlich nur, wenn sie im Konsens mit seinen Zielen stehen.

So versuchte er das Votum des griechischen Volkes mit den Worten „pacta sund servanda“ weg zu wischen. Sicherlich ist die neue Lage für ihn ärgerlich, wie auch das nicht einhalten von Verträgen ärgerlich sein kann, aber das er durch sein Zitat, Verträge und wirtschaftliche Forderungen über den Willen eines Volkes gestellt hat, spricht Bände.

Die Mehrheit der Griechen möchte einen anderen Weg beschreiten und ist bereit dafür mit bestehenden Forderungen der Finanzwelt zu brechen. Auch wir haben in unserer Geschichte bestehende Verträge gebrochen. Das ist legitim, wenn ein Volk das für notwendig erachtet.

Ebenso gerne wie die Konsolidierung wird der Begriff des Wachstums, als wirtschaftliches Allheilmittel propagiert. Wirtschaftswachstum bedeutet Produktion und Arbeit. Durch die Produktion wird Mehrwert generiert und durch die Arbeit die Sozialkassen befüllt. Für viele Jahrzehnte war dieses simple und effektive Model, der Garant für unseren Wohlstand und da es sich so leicht verständlich machen lässt, ein Lieblingskind der Politik.

Doch so fördernd dieses Model in der Vergangenheit für uns war, so schädlich wird es für unsere Zukunft sein. Wachstum bedeutet Expansion, doch wohin lässt sich expandieren, wenn alle Ressourcen verbraucht, oder zumindest bereits verteilt sind, wenn keine neuen Märkte mehr erschlossen, sondern in ihnen nur noch verdrängt werden kann.

Dann ist der Wachstum des einen, immer der Grund für den Kollaps des anderen. Das Wachstum das heute noch und das auch nur zeitlich sehr befristet entstehen kann, wird aus der letzten Ressource generiert, die noch nicht gänzlich ausgereizt ist. Der Mensch als Human-Ressource. Wir wissen das schon länger und haben diesem Ziel einen unverfänglichen Namen gegeben.

Die Dienstleistungsgesellschaft. In ihr ist die Leistung des Einzelnen der Rohstoff, aus dem der Mehrwert erwirtschaftet wird. Der Mensch als Ressource bedeutet, die Anwendung marktwirtschaftlicher Gesetze und Mechanismen auf ihn. Er muss ein immer mehr erwirtschaften, um den Mehrwert zu gewährleisten und immer günstiger werden um im Wettbewerb den Gewinn zu sichern.

Der Mensch als Ressource ist bereits bittere Realität. Sinkende Reallöhne, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und arbeiten zu müssen, ohne davon leben zu können, sind die Auswirkungen der Marktmechanismen auf die Ressource Mensch, die in Verdrängungswettbewerben der Kosten- und Aufwandsminimierung folgen.

Wachstum bedeutet in unserem Wirtschafts- und Finanzsystem, in dem sich der Gewinn des Einen, aus dem Verlust und der Schuld des Anderen ergibt, immer die gewollte und bewusste Förderung der Armut Vieler zum Nutzen Weniger.

Die Propheten des Wachstums sind die Propheten einer Gesellschaft, in der der Mensch nicht mehr als ein Produktionsmittel ist. Den Gesetzen des Marktes folgend, muss der Mensch immer produktiver werden und das wird seine völlige Entrechtung bedeuten.

Politiker oder Parteien die auch weiterhin auf Wachstum setzen, tun dies entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die deutlich das Ende allen möglichen Wachstums zeigen. Auch der Wunsch ihr Klientel zu befriedigen und ihre Macht zu erhalten, setzt ein simples Gesetz nicht außer Kraft. Ein System unbegrenzten Wachstums – hier die Wirtschaft – kann innerhalb nicht wachsender Systeme – hier die Erde – nicht überleben.

Wer dennoch Wachstum und Konsolidierung vertritt offenbart den Geist der dahinter steht und ist eine Gefahr für die Freiheit jedes Einzelnen, eine Bedrohung für jede demokratische Gesellschaft und der GAU für unseren Lebensraum Erde.

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Heinz Sauren studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
Rechtswissenschaften und Philosophie. Im weiteren bezeichnet er sich als Autodidakt.

Beruf: Schriftsteller
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS)

Berufung: Buchautor, Kolumnist, Essayist, Aphoristiker und Freigeist

Politische Ausrichtung
Politische Einstellungen sollten keinen Parteien-, sondern einen begründeten Sachbezug haben, daher reicht mein politisches Spektrum von rechtsliberal bis linkskonservativ und in Fällen empfundener Ungerechtigkeit, darf es auch mal etwas Anarchie sein.

Religiöse Einstellung
Die etwaige Existenz oder Nichtexistenz eines Schöpfergottes ist nicht, von persönlichen Präferenzen, gesellschaftlichen Definitionen oder einem Glauben daran, abhängig.

Seine Lieblingszitate

” Die meisten Menschen haben einen Erkenntnisradius gleich null, das nennen sie dann ihren Standpunkt.” Albert Einstein

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.” Theodor Adorno

Kontakt zu mir

E-mail: HeinzSauren@gmail.com

 

mehr

02.07.2012 Die Blumen des Bösen unserer Zivilisation

Angelika Wende

Wenn nichts mehr hilft, sperren wir sie weg! So sieht er aus, der Lösungsansatz der deutschen Politiker gegen die steigende Kriminalitätsrate unter Kindern und Jugendlichen.

Der Sprecher der SPD-Innenminister, Berlins Innensenator Ehrhart Körting unterstützt den Vorstoß seiner Unions-Kollegen. „Heime, in denen die Kinder kommen und gehen können, wie sie wollen, sind völlig sinnlos“ Dem schließt sich Reinhard Grindel, Innenexperte der Unions-Bundestagsfraktion, an: “Falls alles nichts mehr hilft, dann sollte man junge Täter zum Schutz der Bevölkerung auch wegschließen.“

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, sieht die geschlossenen Heime sogar als einzige reelle Maßnahme. „Untersuchungshaftanstalten mit Krabbelecken für Zwölfjährige sind ja wohl keine Alternative.“ Freiberg fordert auch Konsequenzen für Eltern, die ihre Aufsichtspflicht verletzen. „Ihnen sollten die Sozialleistungen, die sie für die Kinder erhalten, gekürzt werden.“

Laut Kriminalstatistik gab es im vorigen Jahr 96.627 Tatverdächtige im Alter von acht bis 14 Jahren.


Also weg mit den „bösen“ Kindern, wegsperren in Heime, die höchstwahrscheinlich keiner dieser Politiker je von innen gesehen hat. Ich habe sie gesehen, einige. Und ich habe die Betreuer in diesen Heimen erlebt, einige. Sie sind schlichtweg überfordert mit all den Kindern und Jugendlichen, die lange bevor sie im Käfig Heim landen im Käfig einer Gesellschaft lebten, die die Bedürfnisse ihrer Seelen nicht wahrnimmt. Längst wissen wir, dass nicht nur eine hohe Zahl der jugendlichen Straftäter, die im Knast landen, wieder straffällig werden, nachdem sie draußen sind. Wer heute tatsächlich noch an eine Sozialisierung durch Gefängnisse oder Heime glaubt ist entweder dumm, oder schlicht ignorant. Ich tippe auf Letzteres.

Wie immer in unserer Gesellschaft wird am Symptom herum gedocktert. Das ist billiger, weniger anstrengend und vor allem weniger Zeit aufwendig als nach der Ursache zu suchen und diese in einem dauerhaften Prozess nachhaltig zu "behandeln". Aber wer will denn schon der Ursache auf den Grund gehen, da würde sich ja im Zweifel so etwas wie Kausalität und Verantwortlichkeit finden lassen - und verantwortlich - das sind wir doch nicht. Wir selbst, unser Kollektiv, verantwortlich für das Böse da draußen? Unvorstellbar, wo kommen wir denn da hin?

Eine Kultur, die den Verstand verherrlicht und von der Geburt ihrer Kinder den Wert und die Wichtigkeit von Gefühlen unterdrückt, die das eigene „Böse“ verdrängt und ins Außen projiziert, wird niemals Verantwortung übernehmen. Denn dann müsste man ja Fehler korrigieren.

Wir leben in einer Law and Order Gesellschaft. Aus zehn Geboten sind Millionen von Gesetzen und Verboten geworden um das Böse in Schach zu halten. Verschwunden ist es deshalb nicht. Es zeigt sich mit weit aufgerissenem Rachen in einer Gesellschaft dereen beherrschendes Grundgefühl es ist nicht zu versagen.

Das Streben nach Sicherheit, nach Ansehen, nach Macht und Geld führt dazu, dass der Mensch von Kindesbeinen an zum Funktionieren erzogen wird. Versagen ist tödlich in einer Gesellschaft, die für Versager keinen Platz hat, absurderweise aber immer mehr von diesen „Versagern“ produziert.

Das Streben nach Erfolg und Macht schließt Menschlichkeit und Mitgefühl aus.

Der Gedanke im Wettbewerb nicht unterzugehen, das Ziel nicht zu versagen ist der Nährboden für die Angst. Angst vor der Ohmacht, Angst nicht mehr mithalten zu können, Angst vor dem Verlust der Arbeit, Angst vor dem Verlust einer scheinbaren Sicherheit. Angst lähmt. Da wo sie nicht als Warnsystem für das nackte Überleben Sinn macht ist sie destruktiv. Angst nimmt dem Menschen die Möglichkeit sich zu entwickeln, die eigene Identität zu leben, kreativ zu sein und Emotionen zu zeigen. Der moderne Mensch orientiert sich an den Parametern der Masse, er strebt nach diesen und das führt zum Verlust von Empathie.

Wer nur sich selbst sieht, wer immer seinen eigenen Erfolg im Auge hat wird blind für den Nächsten und fatalerweise auch blind für die eigenen emotionalen Bedürfnisse. Damit wird er folgerichtig blind für die eigenen Kinder, deren Wünsche und Bedürfnisse.

Das Streben nach Erfolg, das wir fälschlicherweise für Selbstverwirklichung halten, vermittelt das illusionäre Gefühl von Lebendigkeit. Ein schnelles Auto, eine schicke Wohnung, ein teurer Urlaub vermitteln Lebensfreude und Lebensqualität. Beziehungen werden mehr und mehr unter dem Aspekt des Nutzens gelebt und nicht aus dem Bedürfnis heraus sich erwartungslos zu verbinden. Liebe ist ein Konsumgut geworden, das wir zwar alle verzweifelt suchen, aber nicht mehr als Geben begreifen oder als oberstes Ziel unseres Seins verstehen. Lieben lenkt ab vom Funktionieren, macht weich, wo Härte gefragt ist.

Unsere Kultur ist reduziert auf den ökonomischen Imperativ.

Das menschliche Verhalten wird so zu einem Rollenspiel in dem schöpferische Impulse gebremst und vernichtet werden. In einem Kontext wo es um Streben und Kontrolle geht ist kein Platz für authentische Selbstverwirklichung und schon gar nicht für Individualität. Es geht ums Überleben und nicht ums Erleben, nicht um ein „sich selbst erleben“. Kampf ist angesagt, denn nur der Stärkere überlebt - ein Gift, das wir unseren Kindern schon früh injezieren, weil wir längst nicht mehr wissen wer und was wir eigentlich sind. Menschen nämlich, mit Gefühlen und der Anlage zu wissen, was ein Mensch sein könnte.

Das Streben nach Mehrwert und Überschuss verändert das Sein. Das Mehrwertprinzip kennzeichnet diese Zivilisation. Anstatt Empathie ist der Verstand das Mittel der Wahrnehmung, der unbewusste Drang ist der Drang nach Macht, das Ziel ist das Beherrschen Anderer mit starrem Blick auf die Anhäufung privaten Eigentums. Die Beziehung zu uns selbst und zum Mitmenschen ist von Konkurrenz- und Feinddenken bestimmt. Das eigene Ziel versinkt im Ziel der Masse. Erwartungen müssen erfüllt werden und Gehorsam gehört zum Leben. Fatal, denn Gehorsam erzeugt Unlust und Frust.

Erziehung sollte nicht als oberstes Prinzip Gehorsam lehren, sondern auch, wie man Unsicherheit erlebt und damit umgeht. Unsere Gesellschaft aber erklärt Unsicherheit zu Schwäche.

Kinder brauchen um seelisch zu überleben Liebe, Geborgenheit, Vertrauen und Schutz und sie brauchen das Gefühl in ihrer Individualität wahrgenommen und geachtet zu werden. Die Erwachsenen von heute sind viel zu sehr damit beschäftigt selbst zu funktionieren, als dass ihnen die Zeit für echte Zuwendung bleibt. Der Fernseher ersetzt die Nestwärme, der CD Player das Vorlesen, der Hort, der Kindergarten und die Schule ersetzen die Familie.

Die Peergroup wird zum sozialen Netz aus dem heraus juvenile Sozialisation entsteht. Der Chatroom im Internet wird zum Kommunikationsfeld, indem man sich fremden „Freunden“ mitteilt, weil es echte Nähe nicht mehr gibt, das Internet wird zum Zeitvertreiber und der Sexualunterricht in der Schule ist längst nicht so spannend wie die Sexseiten im Netz, die offen, für alle sichtbar Gewalt und Perversion als Normalität vermitteln.

Die Kinder und Jugendlichen von heute sind Waisenkinder einer Gesellschaft in der moralische Werte hochgehalten, aber nicht gelebt werden. Sogar die Kirche hat sich als Hort der Heuchelei und des Missbrauchs an Schutzbefohlenen geoutet.

Woran sollen sich Kinder und Heranwachsende heute noch halten, wenn es keinen Halt mehr gibt?

Wenn ein Kind fühlt, noch bevor es denken kann, dass das Reden und das Handeln der Erwachsenen nicht übereinstimmen. Jeder Psychologe weiß, dass Doppelbotschaften zu Verunsicherung, zu Verwirrung und Haltlosigkeit führen und dass Dauerstimuli und Reizüberflutung das Gehirn überfordern und Affekte abstumpfen.

Die Haltlosigkeit unserer Kinder ist geboren aus der Janusköpfigkeit unserer Gesellschaft.

Aus Mangel an Halt erwächst Ohnmacht. Ohnmacht auch, weil das gefühlte Erleben der Kinder nicht übereinstimmt mit dem, was ihnen vorgelebt wird. Kinder fühlen sich hilflos ob der überwältigenden Kraft der Erwachsenenwelt. Die Natur der Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen ist die eines Machtkampfes, der verhindern will, dass sich die kindliche Individualität entfaltet und durchsetzt. Das Überleben des Kindes hängt davon ab, dass es sich mit den Eltern arrangiert, ganz gleich wie diese Eltern sind. Die kindliche Identität orientiert sich an der Erwachsenenidentität.

Das Eigene muss verleugnet werden, das Gefühl: „Das ist nicht richtig, nicht wahrhaftig“ wird unterdrückt. Die so beschränkte Erlebniswelt unserer Kinder verdrängt die Bedürfnisse nach Wärme und verleugnet die Entfaltung eines eigenen Selbst. Menschen, die keine eigene Identität haben sind beziehungslose Menschen die kein Mitgefühl für andere entwickeln, weil ihnen das Gefühl für sich selbst aberzogen wurde.

Was wir selbst nicht fühlen, können wir beim anderen nicht mitfühlen. Wenn der Mensch keine Anerkennung für die eigene Identität erfährt, verliert er seine Würde und damit seine Menschlichkeit. Die Entweihung des Inneren führt zu Hass auf andere. Der Schmerz darüber wird zur potentiellen Quelle eines inneren Terrors. Der Terror führt in eine überwältigende Hilflosigkeit und schließlich zu unterdrückter Wut, die sich Ausdruck sucht.

Menschenverachtung und Empathielosigkeit sind die Blumen des Bösen unserer Zivilisation.

Darin liegt die Ursache, dass immer mehr Kinder zu Tätern werden. Drogenabhängigkeit, Komasaufen, Sexual – und Gewaltdelikte unter Kindern und Jugendlichen steigen. Das Böse breitet sich unter den Kindern aus. Es ist ein ansteckender Virus, deren Überträger unsere Zivilisation ist.

Die „bösen“ Kinder sind, bevor sie zu Tätern werden, nicht böse. Sie sind Opfer einer empathielosen Täterschaft. Sie sind Opfer, die ob der Nichtachtung ihres Seins, Andere bestrafen, für den Schmerz, den sie fühlen und nicht fühlen dürfen.

Und jetzt sperren wir sie ein, die kleinen Verbrecher - in seelenlose Heime und lieblose Jugendgefängnisse - damit sie erst mal weg sind aus den Augen einer Gesellschaft, die mit Blindheit für ihr eigenes Verbrechen geschlagen ist.

Ich bin mir fast sicher, sie werden zurückschlagen, sobald man sie wieder frei lässt.

 

Angelika Wende

Vita & mehr

  • Freie Journalistin und Autorin
  • Sprecherin, Moderatorin, Schauspielerin
  • Dreizehn Jahre Fernseherfahrung als Moderatorin und Nachrichtensprecherin beim Sender PRO 7 in München und im Zweiten Deutschen Fernsehen
  • OFF- Sprecherin für ZDF, Arte und Phönix
  • Freie Mitarbeiterin der Allgemeinen Zeitung Mainz
  • Presse-und Öffentlichkeitsarbeit für die Eventagentur oncue, Mainz
  • Kreation, Umsetzung und Saloniere des "Silbernen Salon"
  • Kreation, Umsetzung und Moderatorin des Kultur Salons Mainz mit dem Produzenten oncue event & communication
  • Inhaberin der Agentur workingforart
  • Kuratorin für das Kulturamt der Stadt Mainz:
  • "Leben ist Form - die Bildhauerin Irmgard Biernath"
  • Kuratorin des Kunstvereins Eisenturm in Kooperation mit dem Kulturamt Mainz: "Generationen"
  • Laudatorin für den Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Rheinland-Pfalz
  • Freie Tätigkeit als Laudatorin in öffentlichen Institutionen und Galerien in Mainz, Wiesbaden, Berlin, Leipzig, Ludwigshafen, Kaiserslautern 

angelikawende@remove-this.aol.com

www.angelikawende.com

mehr

29.06.2012 Thomas Zander zeigt 50 Alltagsfotografien von Andy Warhol

Liane Bednarz

Im Mai 1979 trafen sich in der Düsseldorfer Galerie Denise René/Hans Mayer Andy Warhol und Joseph Beuys, der Mann mit dem Filzhut. Vieles trennte sie, doch die einfache Feststellung, dass in jedem Menschen ein Künstler stecke oder eben jeder Mensch das Recht habe, für fünfzehn Minuten ein Star zu sein, hatte eine Stahlkraft, die bis ins Facebook-Zeitalter nachwirkt.

Sie werden unweigerlich zu Paten von rund einer Milliarden Menschen, die allerdings davon zumeist keinen Schimmer haben. Das hätte Warhol und Beuys sicher amüsiert. Ein Grund mehr, sie wiederzuentdecken. Das Erbe war hier im Rheinland nie ganz tot. Beide waren Säulenheilige, wenn auch mit Patina. Beuys ist längst wieder im Kommen. Jetzt wird das Warhol-Feuer neu entfacht.

New York City am Rheinufer

Galerist Thomas Zander zeigt einen anderen Warhol als den Ikonographen der Pop-Art. Siebdrucke sucht man hier vergeblich. Dafür findet man den Alltagsfotografen. Und knüpft so an Warhols Treffen mit Beuys an. Damals fragte Warhol Beuys spontan, ob er ihn fotografieren dürfe. Und der war einverstanden. Den Spontan-Fotografen Warhol gilt es nun neu zu entdecken. Fünfzig gerahmte Schwarz-Weiß-Fotografien (Silbergelatine) an einer großen weißen Wand. Alle im 8x10-Inch Format.

Nur wenige Schritte vom Ufer des deutschen Schicksalsflusses Rhein entfernt, der selbst schon so viele Geschichten erzählen kann, ist man auf einmal mittendrin im Big Apple der 70er und 80er-Jahre. Die Aufnahmen: ein buntes Sammelsurium von Alltagseindrücken. Tische ohne Essen. Tische mit Essen. Schlafende Menschen. Müllsäcke. Badezimmer. Flohmärkte. Und immer wieder Zeitungsständer, Schuhe und Schaufenster, in denen „Sale“-Schilder hängen. Lomografie? Nein, nur fast. Keine Ansammlung unreflektierter Zufälle könnte so eine Sogwirkung erzeugen.

Warhol, der Alltagsabbilder – mehr als 30 Jahre vor Facebook

50 Bilder, die nur eine Auswahl sind. Warhol hat tausende ähnlicher Aufnahmen gemacht. Ob Warhol heute wohl facebooken würde? Millionen von Facebookern machen ja genau das: haben, wie Warhol, immer die Kamera dabei, oder moderner: ihr Smartphone, und fotografieren Alltägliches. Um es dann in virtueller Geschwindigkeit auf ihrer Facebook-Pinnwand sichtbar zu machen. Zu „posten“. Und Warhol? Der exzentrische Amerikaner liebte die Medien wie alle Amerikaner. Und benutzte alle, die ihm damals zur Verfügung standen.  

Warhol zückte die Kamera nicht nur für den elegant gedeckten Tisch mit dem frisch servierten Essen, sondern richtete seine Linse auch auf die vollkommen abgegraste Tafel. Auf die verschmierten Überreste von Speisen, die dann später in die ebenfalls fotografierten Müllsäcke wanderten. Warhol hatte, so Dagmar Kürschner, Registrarin und Assistentin von Thomas Zander, „einen genauen Blick auf die Dinge des Alltags, aber er hinterfragte sie nicht.

Für ihn war alles gleichwertig.“ So weisen auch die in Köln ausgestellten Fotos keine vom Künstler angelegte Hierarchie auf. Warhol hielt einfach das fest, was ihm relevant erschien. Ein „Zeitgeist-Catcher“ sozusagen. Mit dem man jetzt nach 30-40 Jahren durch ein anderes, ein gewesenes New York spazieren geht. Der Blick streift vorbei an Männern im Park, die Drachen steigen lassen. Vorbei an Mülltonnen, Müllsäcken, Obstständen. Vorbei an Hinweisschildern mit den Aufschriften „Hospital“ oder „Emergency“. Kein Wunder, Warhol war oft kränklich.

Und der Streifzug geht weiter. Hin zu Schaufenstern, die zum „Sale“ einladen. Darunter finden sich durchaus kuriose Dinge wie scheußliche Topflappen im Tierdesign. Oder auch als Schnäppchen dekorierte edle Loafer. Aus Warhols Werbegraphikerzeit stammt seine Faszination für Schuhe, er zeichnete unzählige davon. Das Titelbild der Ausstellung in Köln ist ein Foto mit ausgetretenen Cowboystiefeln. Insignien des US-amerikanischen Alltags-Lifestyles. Und auch ein schon leicht abgewetzter Teppich im typischen 70er-Jahre-Muster hatte es Warhol angetan.

„Photographs and Screen Tests“

Thomas Zander kommt der Verdienst zu, dass man nun diese Alltagsfotographien in so großer Anzahl anschauen kann. Vereinzelt waren sie zwar bereits andernorts zu sehen. Zuletzt etwa im Frühjahr 2012 in der Ausstellung „Warhol: Headlines“ im Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Ergänzt wird die Kölner Ausstellung um eine Auswahl der legendären Screen Tests.

Dreiminütige Filmaufnahmen, die Warhol in der Factory von mehr oder minder berühmten oder noch berühmt werden sollenden Freunden anfertigte. Drei Minuten, in denen die Gefilmten auf sich allein gestellt waren, Monologe hielten, bisweilen Unsicherheiten zeigten. Und damit Warhols Neugier für den Moment befriedigten. Zu Facebook kommt also auch noch ein bisschen Youtube hinzu. Gibt es aktuellere Argumente, nach Köln zu fahren? Warhol anzuschauen? Und anschließend zu facebooken, wie es gefallen hat?

Dr. Liane Bednarz

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."

 

Galerie Thomas Zander

„Andy Warhol – Photographs and Screen Tests“

30. Juni – 2. September 2012

Schönhauser Str. 8, 50968 Köln

www.galeriezander.com

mehr

19.06.2012 Unmensch, Machtphantast, Narziss. Ein Ausbeuter

Liane Bednarz - 3 Bilder

Ex-Bankdirektor John Gabriel Borkman: Unmensch, Machtphantast, Narziss. Ein Ausbeuter, der tief gefallen ist. Grund genug für Armin Petras, ihn in seiner Inszenierung in den Münchner Kammerspielen kurzer Hand unter Tage zu verfrachten. Das grandiose Bühnenbild Olaf Altmanns zeigt das Wohnhaus der Borkmans als Bergwerkstollengewirr.

Im architektonischen Zickzackkurs von oben nach unten. Nur zwei kleine Kammern lassen Bewegungsfreiheit. Die Beklemmung ist spürbar. Ja, sogar aggressiv machend. Zwischen den Szenen wirbeln Unmengen von Papier umher. Geschäftsunterlagen, Kinderzeichnungen – Dokumente eines unterirdischen Lebens.

Innenansichten eines Gefühls

John Gabriel Borkman: „The play to play” in Zeiten der Finanzkrise. Auch wenn Petras Parallelen erfreulicherweise vermeidet. Borkman (André Jung) wollte alles: „es ging darum, alles was dieses Land hervorbringt, alle Quellen der Macht, alle Ressourcen in meine Hände zu bekommen“. Das dafür fehlende Geld nahm er sich und stürzte damit andere in den Ruin. Mit Folgen: fünf Jahre Gefängnis wegen Untreue.

Aber Ausbeuter sind hier auch andere. Allen voran Borkmans Frau Gunhild (Cristin König), in München eine in die Jahre gekommene Blondine, verzweifelt bemüht, einen Rest verlorener Grandezza durch Frisur und Make-Up aufrechtzuerhalten.

Und voller Hass auf „den Bankdirektor“, wie sie ihn nennt, den Zerstörer der Familienehre, den sie nach dessen Freilassung für weitere acht Jahre in die obere Kammer des Stollens verfrachtete. Und dort nie wieder aufsuchte. Verachtung und Nichtbeachtung. Die emotionale Höchststrafe des wütenden Weibes, das seither die untere Kammer im Stollen bewohnt.

Gunhilds Hoffnung ruht allein auf dem gemeinsamen Sohn Erhart, der sie aus ihren seelischen Höllenqualen erlösen und die Familienehre durch eine glanzvolle Karriere wiederherstellen soll.

Zwei „Mütter“, ein Sohn, ein Machtkampf

Gunhilds farblose Existenz im Stollen erfährt eine plötzliche Wendung, als ihre feurig-dominante rothaarige Schwester Ella Rentheim – überzeugend verkörpert von Wiebke Puls - nach acht Jahren Funkstille auftaucht und sich holen will, was ihr aus ihrer Sicht zusteht: Erhart, den sie einst an Stelle der überforderten Gunhild aufzog.

Der Besuch der Schwester, der als neckisches, spielerisches Wiedersehen beginnt, wird zum hasserfüllten „Mütter“-Konkurrenzkampf um Erhart. Denn Ella ist sterbenskrank, was sie nicht müde wird zu betonen. Ihre restlichen Tage soll nun ausgerechnet Erhart versüßen.


Eiskalter Narziss

Borkman, der Titelheld – herausragend verkörpert von André Jung –– zeigt im Stollen all seinen eiskalten Narzissmus. Sein ungebrochener Größenwahn blitzt schon beim anfänglichen Besuch des naiven und trotteligen Hilfsschreibers Foldal auf. Borkman prahlt, gibt an und macht sich die Haare schön. Mit Creme – Pomade gibt’s in seinem Stollenkabuff offenbar nicht. Nur die Blässe und das Elend im Gesicht wollen einfach nicht dazu passen. Eine tragische Parodie fast. Später weicht der anfänglich getragene alte Anzug einem Stresemann. Borkman faselt – geradezu berauscht von den eigenen Allmachtsphantasien.


Das Riesenbaby rastet aus

Die fleischgewordene Antithese: Sohn Erhart (Lasse Myhr). Petras zeigt ihn – klischeehaft überrissen - als abgerockten und angeschickerten Verbindungsstudenten mit schlechtsitzendem, dreckigen Anzug, eine Magnumflasche Schampus im Arm. Darunter aber brodelt ein Vulkan, eine Magmakammer jahrelang angestauter Wut des Jungen und des Mannes, der von beiden „Müttern“ emotional ausgebeutet wurde. Und die stehen jetzt vor ihm und fordern eine Entscheidung. Sie oder ich. Ich oder sie. Die Explosion ist unvermeidbar. Erhart schreit, er wütet, er brüllt wirre Monologe ins Publikum – und bleibt dabei doch unbeholfen wie ein Kind. Lasse Myhr macht das sehenswert.

Vor allem aber will Erhart einmal so richtig „provokant“ sein! Tja, was kann das wohl im gescholtenen deutschen Regietheater heißen? Klar, Ausziehen! Ausziehen! Ausziehen! Natürlich. Endlich nackt, greift sich Erhart sofort an sein bestes Stück und wedelt damit fröhlich herum, als gäb’s kein morgen. Als Borkman später seinen Oberkörper freimacht, schaut er ins Publikum und gibt Entwarnung: „keine Angst“. Das sorgt für Gelächter. Für Petras ist Nacktheit eben auch Ironie. Dass Erhart sich schließlich noch in ein viel zu enges Superman-Kostüm quälen muss – gut, sei es halt verziehen.

Ironie des Schicksals: Flucht mit der Großmutter

Ironie des Schicksals: Die Flucht aus den emotionalen Klauen von Mutter und Tante wagt Erhart erst mit der älteren Geliebten Fanny Wilton. Schon der Altersunterschied von sieben Jahren, den Ibsen im Originaltext vorgibt, lässt aufhorchen. Die Geliebte als Mutter Nr. 3? Petras jedenfalls überzeichnet diese Assoziation großartig: seine Fanny Wilton ist mindestens über 60, eine ältliche, angesäuselte und indifferent wirkende Diva im blauen Abendkleid. Die Gummistiefel unter ihrem Kleid entlarven ihre Verkleidung. Erhart jedoch sieht in Fanny sein Glück. Da lassen „Harold und Maude“ grüßen.

Mit im Schlepptau haben die beiden Foldals Tochter Frida (Hanna Plaß), optisch ein „Mädchen“ – fast wie Lucilectric! Sie beglückte das Publikum zuvor mit Songs von Rio Reiser und den Ton Steine Scherben. Selbst begleitet am Klavier, vorgetragen mit schriller Stimme - eine Hommage Petras an die gemeinsame Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Sänger.

Dann kommt der Tod. Auch „Borkman“ ist am Ende nur ein „Jedermann“. Und dann fällt der Vorhang. Ein Theater-Erlebnis: weil es vielleicht unser Leben ist.

Dr. Liane Bednarz

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."

 

mehr

19.06.2012 Die Vereinigten Staaten von Europa ???

Heinz Sauren

Die Wahl der Griechen offenbart die bigotte Haltung der Entscheidungsträger der Politik- und Finanzwelt. Lange haben sie uns in dem Glauben gelassen, dass ihr gewünschtes Ergebnis das jetzige Wahlergebnis wäre. Doch als es nun wieder erwarten eintrat, geschah merkwürdiges.

Der Kapitalmarkt beruhigte sich nicht, sondern straft das Ergebnis durch höhere Zinsen ab und auch die Politik nahm das Heft nicht auf, sondern überschlägt sich mit Relativierungen und Warnungen, dem Ergebnis nicht zuviel Gewicht bei zu messen. Offensichtlich sind die Herrschaften von dem Ergebnis enttäuscht.

Man hatte wohl den Plan B schon zum Masterplan erklärt und wollte den Zusammenbruch Griechenlands als Brandbeschleuniger einer allgemeinen Verarmungsphobie nutzen um das neue Ziel möglichst Wiederstandsfrei anzugehen. Die Vereinigten Staaten von Europa, die nicht der Wunsch der europäischen Völker sind, sondern die konsequente Umsetzung der wirtschaftlichen Wünsche mit politischen Mitteln.

Nun wird es schwieriger. Die USE bedeuten zuerst die Herstellung eines gemeinsamen Levels, ein Level der sich nur findet, wenn man sich auf den kleinsten Gemeinsamen Nenner verständigt, welcher für den Großteil der europäischen Bevölkerungen eine massive Herabstufung der sozialen Standards und freiheitlichen Rechte bedeuten wird.

Nur noch mal zur Anmerkung:

Es ist noch nicht so lange her, da haben Merkel-Steinbrück-Müntefering und Steinmeier, Spanien als Musterbeispiel der Staatsökonomie gelobt. Heute dürfen wir erkennen was so lobenswert war, das es uns als leuchtendes Beispiel vor Augen geführt wurde.

Mich beschleicht der Gedanke das diese Herrschaften tatsächlich nicht einmal rudimentäre Kenntnisse zu dem haben, was sie so verbreiten und es ist offensichtlich, dass sie auch weiter im Tal der Ahnungslosen wandeln.

Nachtrag 29. Juni 2012 zum ESM

Natürlich bedarf das einer genaueren juristischen Prüfung, aber wenn mich nicht alles täuscht hat Deutschland soeben einen Teil seiner staatlichen Souveränität aufgegeben. Auch Frau Merkel und ihre Berater wissen das, ebenso wie sie wissen, dass das nur aus einem zwingenden, die Bundesrepublik in ihrem Bestand akut gefährdenden Grund möglich ist. Nach internationalen diplomatischen Gepflogenheiten ist das so etwas wie eine Teilkapitulation nach einem kriegerischen Akt.

Es wäre doch angebracht, wenn die Dame mal öffentlich den benennt, der begonnen hat, gegen unser Grundgesetz Krieg zu führen und dabei auch noch siegte

mehr

08.06.2012 Von Calixto Bieito ist man Krawall gewöhnt

Liane Bednarz - 3 Bilder

Schreie, Nackte, Bomben. Von Calixto Bieito ist man Krawall gewöhnt. Ihn erwartet das Publikum. Und bekommt ihn in Bieitos Münchner Inszenierung „Kirschgarten“- im Residenztheater zu sehen. Wenn auch etwas zahmer als erwartet.

Sein Kollege Thomas Dannemann setzt in seiner Inszenierung von Tschechows „Drei Schwestern“ im Volkstheater ebenfalls partiell auf laute und schrille Töne. Gleich zweimal gibt es also aktuell Tschechow-Neuinszenierungen in München zu sehen. Die Spätwerke des Meisters der subtilen Psychologie.

Zufall? Zeitphänomen? In beiden geht es um zerplatzte Träume und den Untergang einer alten Zeit. Um emotionale Abgründe sowieso. Und somit ganz generell um die Frage:

Desillusion oder Neuanfang? Der späte Tschechow ist sicher auch deshalb derzeit ganz besonders en vogue. Nicht nur in der bayerischen Metropole, sondern im ganzen Lande. „Der Kirschgarten“ etwa ist auch in Berlin (Deutsches Theater, Berliner Ensemble) und Hamburg (Thalia Theater) zu sehen.

Die beiden Spätwerke Tschechows sind fast schon Antipoden. Im „Kirschgarten“ (uraufgeführt 1904) endet der dekadente, aber längst schuldenfinanzierte Lifestyle der Gutsbesitzerin Ranjewskaja (Sophie von Kessel) und ihrer Entourage mit der Zwangsversteigerung des Kirschgartens.

Und die wird zum Neuanfang. Raus aus dem Kirschgarten, raus aus den Schulden, raus aus der Provinz. Die „Drei Schwestern“ (uraufgeführt 1901) - und nicht nur sie - sind hingegen am Schluss desillusioniert, früh ermüdet und ermattet. Vom grauen Leben. Und von der Liebe, die zur Langeweile und zum Betrug wurde. Was bleibt ist die Tristesse der russischen Provinz.

Inszenierungsparallelen – Robbie Williams lässt grüßen

Es gibt überraschende Inszenierungsparallelen, die nicht auf Tschechow zurückzuführen sind. Tschechow wird in München ohne Pause gespielt, man bleibt ganz im Bann der seelischen Abgründe der Protagonisten. Und der Quotennackte ist an beiden Spielorten eine nackte männliche Kehrseite. Robbie Williams lässt grüßen.

Aber welcher Gewinn versteckt sich hinterm „mooning“? Nein, auf diesen UK-Import könnte man getrost verzichten. Auch setzen beide Häuser auf spärliche Kulissen.

Das Gutshaus im „Kirschgarten“ ist eine heruntergekommene weiße Fassade, die die Bühne einrahmt und nach und nach zusammenbricht (Bühnenbild: Rebecca Ringst). Und als Haus der „Drei Schwestern“ dient eine zusammengezimmerte Holzlaube. Statt Fenstern gibt es Plastikfolie (Bühne: Stefan Hageneier).

Das eigentlich Verbindende der beiden Inszenierungen ist der schrille, krawallige Touch, wenn auch bei Bieito viel ausgeprägter. Tschechow in München anno 2012 heißt Geschrei und Hysterie, heißt Prolls und zickig-kapriziöse Frauen.

Heißt ein Schuss zu viel Klamauk. Schadet all das den feinen psychologisierenden Spielanordnungen Tschechows? Im Detail, ja, vielleicht. Aber insgesamt erstaunlicherweise kaum. Auch mit Krawall und lauten Tönen kann man sich Tschechow nähern.

Krawallige Dekadenz im Residenztheater

Im Residenztheater wird Lopachin (Guntram Brattia), Sohn ehemaliger Leibeigener und späterer Ersteigerer des Kirschgartens, als prolliger Emporkömmling in geschmackloser Kleidung gezeigt. Aber auch als Realist, der sich der realitätsfernen Dekadenz seiner Mitakteure entgegenstellt. Sophie von Kessels Ranjewskaja schwebt aus Paris ein und bleibt in Habitus und Optik dort: eine mondäne blonde und hochgewachsene Schönheit:

Die schlürft dann Champagner und feiert eine wilde Party mit heißen Latino-Rhythmen. Charakterlich aber bleibt sie fragil und kapriziös, himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Diese Zerrissenheit hat bei Bieito leider keine Konstanz. Dazu ist Kessels Ranjewskaja oft zu entrückt, zu überdreht.

Passend hingegen die Überzeichnung Warjas, der Pflegetochter von Ranjewskaja (Friederike Ott): Sie ist eine überspannte verkniffene alte Jungfer, fast klischeemäßig mit biederem Rock, biederer Flechtfrisur, noch biederer heller Hornbrille und biederem hellblauem Kittel.

Ihre Kontrollsucht und hysterischen Ausfälle machen sie mitunter zur Keifzange, heben sie aber auch wohltuend von der recht facettenlosen leiblichen Tochter Ranjewskajas, Anja (Marie Reiser), ab. Ja und der Onkel Gajew (Manfred Zapatka) – das ist der liebe, als solcher aber auch oft nervende gemütliche Gutmeiner: einer, der die Realität ebenfalls fröhlich verdrängt.

Auch wenn es an der Vielschichtigkeit der Charaktere bisweilen mangelt, es entsteht in ihrem Zusammenspiel ein Mehr. Man schreit, man keift und kreischt im Chor. Man randaliert, man besäuft sich und tanzt wild Salsa. Man knutscht, heult und zerstört die spärliche Kulisse.

Das ist keine subtile Psychologie. Das ist Krawall. Aber trotzdem trifft es Tschechow, wenn auch mit Makeln. Denn die ganze Exaltiertheit zeigt die brüchige Fassade der Figuren, die naive Verdrängung des finanziellen Desasters. Und wie sehr die ganze Party auf Sand, vulgo Schulden aufgebaut war.

So gesehen passt die Inszenierung gut in unsere Zeit. Passend dazu verteilt Lopochin, der Proll und kühle Rechner am Ende Sekt –nicht Schampus – aus der Discountertüte und in Plastikbechern an die Zuschauer in den ersten Reihen. Au revoir, décadence.

Geballte Desillusion am Volkstheater

Auch im Volkstheater geht es durchaus laut und schrill zu. Aber hier regiert keine Überdrehtheit, sondern wachsende Tristesse, die sich immer mehr in Wutausbrüchen entlädt. Sind die Schwestern am Anfang noch mit schriller, teilweise nuttig anmutender Kleidung (Mascha (Xenia Tiling)) sowie Perücken aufgebrezelt, voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft, sind sie nach vier Akten immer farbloser.

Die Kleidung wird biederer – Maschas schwarze Latexleggins weichen einem blauen Kleid im Laura-Ashley-Stil. Die Perücken verschwinden und bringen lieblose Frisuren zum Vorschein.

Und die Konflikte werden größer. Die Enttäuschungen auch, allen voran die eheliche Desillusionierung. Der zickige Feger Natalja, den der fast schon zu dürre und überdrehte Bruder der drei Schwestern, Andrej (Oliver Möller), übereilt heiratet, wird von Kristina Pauls der Rolle entsprechend recht einförmig dargestellt.

Die Vergötterung ihrer Babys, die Indifferenz gegenüber dem eigenen Ehemann und das schamlose Fremdgehen mit dessen Vorgesetzten sind durchaus überzeugend gespielt. Ebenso das subtile Herausekeln der Schwestern aus dem gemeinsamen Haus.

Das spielerische Highlight aber bilden wie zu erwarten die drei Schwestern. Xenia Tilling (Mascha), Lenja Schultze (Irina) und Mara Widmann (Olga) schaffen es im Verlauf des Stücks, immer noch einen Tick fertiger und müder zu erscheinen. Mascha – als einzige der drei verheiratet – ist in jedem Moment anzusehen, wie sie zunehmend gelangweilt und genervt von ihrem – nennen wir es mal modern:

„Nerd-Ehemann“ ist, seines Zeichen Lateinlehrer und – dazu passend – Nylonrucksackträger. Kurzfristige Lebendigkeit verschafft ihr nur die kurze Affäre mit dem Brigadegeneral Werschinin – grandios verkörpert von Jean-Luc Bubert, der mit seinen wilden Gesangseinlagen und seiner lässigen maskulinen Ausstrahlung Pep in die Bude bringt. Herausragend ist auch Lenja Schultze als Irina.

Sie, für die zunächst die Hoffnung auf eine sinnstiftende Arbeit, vor allem aber auf einen Umzug ins hymnisch angerufene Moskau stets Ausweg, stets Lebenselixier war, verblasst in Optik, Gestik und Mimik immer mehr, wird immer verbitterter. Am Ende steht für sie die Erkenntnis, dass sie, die drei Schwestern ebenso wie die Zeit vergehen und vergessen werden.

Ja doch, so viel Nihilismus und Resignation rufen fast schon Trotz hervor. Und auch das wäre nicht ganz unpassend in unserer Zeit. Tschechow anno 2012 in München ist also in jedem Fall ein Gewinn.

 

Von Dr. Liane Bednarz

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."

Bild 1 - v.l. Sophie von Kessel (Ljubow Andrejewna Ranewskaja), Katrin Röver (Dunjascha), Gerhard Peilstein (Boris Borissowitsch Simenow-Pischtschik), Guntram Brattia (Jermolaj Alexejewitsch Lopachin), Franz Pätzold (Jascha), Marie Seiser (Anja), Friederike Ott (Warja) 

Copyright: Matthias Horn

Bild 2 - Xenia Tiling, Mara Widmann, Lenja Schultze

Fotograf: Copyright by Arno Declair

Der Kirschgarten

http://www.residenztheater.de/spielplan/

 

 

mehr
Treffer: 797