Reden ist silber, Schreiben ist gold

03.03.2014 mit Volldampf zurück in absolutistische Zeiten

Konstantin Wecker

Liebe Freunde, das Gedicht "Der Krieg" von Georg Heym hat mich schon als Jugendlicher fasziniert. Es stammt aus dem Jahr 1911 und setzt sich drei Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit dem Thema des Krieges auseinander. Der Krieg lag seit der Marokkokrise (1905/06 und 1911) atmosphärisch in der Luft.

Heym, der schon 1912 im Alter von 24 Jahren bei einem Unfall ums Leben kam, hat die Schrecken des Krieges im Gegensatz zu seinen Altersgenossen nicht mehr erlebt.
Umso faszinierender, mit welchem prophetischen Genie er das Grauen der nächsten Jahre in Worte zu fassen vermochte.

Das Gedicht beginnt mit den Zeilen:

Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

Man muss kein Prophet sein um zu spüren, dass diese Zeilen aktueller sind als in den letzten Jahrzehnten. Die Rhetorik der Presse und unserer Politiker wird kriegerischer, auch wer nicht hellhörig ist, hört die Kriegstrommel. Gauck, Merkel und zunehmend auch Kommentatoren in bürgerlichen Zeitungen rüsten verbal auf.


Der Textschreiber Stefan Scholl schreibt in der Südwestpresse in einem Beitrag über den "heroischen Kampf in der Ukraine", nachdem er erstmal über die "zivilisierte, von Pazifismus und Rundumtoleranz getränkten Öffentlichkeit Westeuropas " lästert:


" Die Ukrainer haben ihren ostslawischen Brüdervölkern gezeigt, wie man Zaren das Fürchten lehrt. Und dass Demokratie lohnt, sein BLUT FÜR SIE ZU VERGIEßEN."
Es war ja auch selten das Blut der Journalisten, das in Kriegen vergossen wurde, nicht wahr, Herr Scholl? "Nach Kriegsende sollte man die Kriegsliteraten einfangen und von den Kriegsinvaliden auspeitschen lassen" schrieb Karl Kraus.


Und der wußte, wovon er schrieb.
Freunde - fallen wir säbelrasselnd in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg zurück?
Der Journalist und Autor Jürgen Weber schreibt, er schäme sich für seinen Berufsstand, wenn er so etwas liest. Er hat eine lesenswerte Erwiderung geschrieben.

Konstantin Wecker

http://hinter-den-schlagzeilen.de/2014/02/28/heldentot-und-heroischer-kampf/

Dazu ein Leser:

Nicht nur militärisch und sprachlich, auch gesellschaftlich befinden wir uns auf dem Weg mit Volldampf zurück in absolutistische Zeiten. Der neue Herrscher heißt nicht mehr König, sondern Vorstandsvorsitzender, CEO oder Investor, der seine Schergen in der Politik ausschickt, um die Steuern einzutreiben und die jungen Männer in den Krieg zu schicken. Das ganze wird von einem Staatsoberhaupt befördert, der Kriegseinsätze im Ausland befürwortet (dass der Mann Theologe ist, spielt wohl in einem anderen Leben eine Rolle).

Die Hofberichterstattung findet alles toll, kritische Stimmen sind kaum zu hören und werden gern als Vaterlandsverräter gebrandmarkt. Der Russe ist wie immer der Böse, auch und gerade für die Presse. Und wo wir gerade dabei sind, irrlichtert ein bayrischer Provinzfürst mit dumpfen rassistischen und fremdenfeindlichen Aussprüchen durch die Stammtische und wird dafür bejubelt.

Das ganze wird begleitet von der systematische betriebenen Verarmung weiter Bevölkerungsteile, damit diese über der Sorge um ihr täglich Brot nicht mehr auf die Idee kommen, sich um mehr zu kümmern. Die Wahlen werden ohnehin nur noch als Folklore inszeniert, denn eine Wahl hat man nicht mehr. Da macht es auch schon nichts mehr, dass manche fordern, dass ein jeder nach seinem Einkommen wählen dürfen soll.

Der Staat wird ausgehungert und abverkauft, damit immer mehr Könige und Fürsten immer mehr Macht kriegen können. Gesegnet wird das von den Auguren und Priestern der Marktwirtschaft, die heute Wirtschaftswissenschaftler heißen. Da passt das Säbelrasseln in der Ukraine doch wunderbar ins Bild.

mehr

28.02.2014 es gab darauf keine einzige reaktion

GFDK - Heinz-Josef Mess

Das waren noch strenge Zeiten, jaja, das war eine geile Geschichte , hatte 100 aus Blattgold bestehende Kerzenbilder gemacht und komplett an einen Sammler verkauft, diese wurden (kein scheiß) als Weihnnachtsgeschenk vom Sammler an seine Kunden verschenkt.

Und wie es in Germany nun um die Kunst bestellt ist, gab es darauf keine einzige Reaktion. So wurde ein außergewöhnliches Unterfangen einfach ignoriert. Das muß so 1997 gewesen sein.

"Das hätte ich auch machen können"

Kunstbanause oder Kulturbanause ist ein Vorwurf von fehlendem Kunstverständnis. Die Banausie ist das rein handwerksmäßige Betreiben einer Kunst oder Wissenschaft.

"Ist das Kunst oder kann das weg"

Heinz-Josef Mess wurde 1955 im Münsterland, in Legden, geboren. Nach der Schulausbildung, die er mit Abitur beendete, studierte er an der Fachhochschule für Grafik und Design in Münster Freie Malerei und Fotografie. An der Hochschule für bildende Künste in Hamburg folgten bei Prof. Franz E. Walther weitere drei Jahre Studium der Malerei.

Seit 1985 arbeitet Heinz-Josef Mess freischaffend in Köln, Düsseldorf und auf Teneriffa. Im gleichen Jahr gründete er in Köln die Künstlergruppe »Köln 1« mit L. Grossmann, R. Schmilorz und M. Niepel. Mit Ausstellungen im »Klapperhof« wurde die Gruppe rasch über die Grenzen Kölns hinaus bekannt. Es folgten sehr schnell Einzelausstellungen. In den ersten Jahren fand er in Hans-Jürgen Müller und seiner Galerie in Stuttgart einen Förderer. Bis heute unterstützt Heinz-Josef Mess seinerseits das Projekt »Mariposa«.

Daran möchte unsere Redaktion noch einmal erinnern

Kultur kostet Geld. Sie kostet vor allem deshalb, weil der Zugang zu ihr nicht in erster Linie durch einen privat gefüllten Geldbeutel bestimmt sein darf. (…)

Substantiell hat die Förderung von Kulturellem nicht weniger eine Pflichtaufgabe des öffentlichen Haushalts zu sein als zum Beispiel der Straßenbau, die öffentliche Sicherheit oder die Finanzierung der Gehälter im öffentlichen Dienst. Es ist grotesk, dass wir Ausgaben im kulturellen Bereich “Subventionen” nennen, während kein Mensch auf die Idee käme, die Ausgaben für ein Bahnhofsgebäude oder einen Spielplatz als Subventionen zu bezeichnen.

Der Ausdruck lenkt uns in eine falsche Richtung. Denn Kultur ist kein Luxus, den wir uns entweder leisten oder nach Belieben auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert.

Und Kultur hängt auch von Personen ab, die sie ins Werk setzen sollen. Es ist ein zentrales öffentliches Interesse, dass Leute, die das können und die schon in Berlin leben, die notwendigen Entfaltungsmöglichkeiten behalten oder bekommen. Und darüber hinaus auch, dass in möglichst großer Dichte und Qualität solche Menschen für Berlin gewonnen werden, wenn sie bereit sind, sich zu engagieren, damit sie hier ihre Kreativität und ihre Kenntnisse wie ihre Weltläufigkeit in den Dienst der Kultur der Stadt und des ganzen Landes stellen.

Richard von Weizsäcker

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr

27.02.2014 Der Künstler hat ein eigenes verständnis von räumen

Michaela Boland - Gottfried Böhmer

2013 war ohne Zweifel das bisher erfolgreichste Jahr der Michael Horbach Stiftung. Begonnen hat es mit der Preisverleihung der Horbach-Stiftung an den Fotografen Thomas Karsten, der für seine Arbeiten "60 Bicycles for Uganda" und "Foundation Mukisa, Uganda" mit dem 10.000 € dotierten Preis ausgezeichnet wurde.

Von Mai bis August 2013 zeigte die Horbach-Stiftung die Ausstellung "Wunden" von 4 prominenten Fotografen und einer Malerin an der Jaro Poncar, Marcos Zimmermann, Heiner Schmitz, Thomas Karsten und Pari Moradi teilnahmen. Im September konnte die Horbach-Stiftung ein einzigartiges Ausstellungsprojekt des Künstlers Axl Klein präsentieren.


Zur Ausstellung von Axl Klein waren viele Prominente wie Roger Willemsen, Barbara Auer, Frank Schätzing sowie Wolke Hegenbarth und Dietmar Bär in die Horbach Stiftung geströmt. Die Freunde der Künste waren vor Ort und Gottfried Böhmer hat über die Austellung ausführlich berichtet.

Im Oktober folgte der Abschluß der Jahres mit der Ausstellung „Che Guevara. Fotografien der Revolution

2014 startet die Horbach Stiftung mit einer Ausstellung des Künstlers Joan Cortes

Mit seinem "Teorema de l`espai" (Raum Theorem) fasziniert der spanische Künstler Joan Cortes derzeit die Besucher der Michael Horbach Stiftung in Köln. Der 1964 im mallorquinischen Pollensa geborene Cortes zählt zu den profiliertesten Künstlern der Balearen.

Michaela Boland hat für die Freunde der Künste die Ausstellung von Joan Cortes in der Michael Horbach Stiftung Köln besucht und hat sich ein ganz eigenes Bild von den besonderen Kunstwerk des Spaniers gemacht.

Im Rahmen seiner Installation "Teorem de l `espai" beschäftigt er sich in erster Linie  mit der Relation zwischen Mensch, Gegenstand und Raum. So staunte das interessierte Publikum beim Anblick der Installation von zahlreichen weißen Couchtischen, die durch eine zweieinhalb Monate lang dauernde, sensible Aufhängungstechnik miteinander verwoben, beinahe wie ein helles Kampffluggeschwader in der Luft anmuteten, nicht schlecht.

Ausstellung in Köln bei Michael Horbach

Der multidisziplinäre Künstler hat sich eben ein neues Raumverständnis angeeignet. Cortes befasse sich mit der Eingliederung des einzelnen Objekts in die Gruppe und die der Gruppe in den Raum, heißt es in seinem aktuellen Katalog.

Beim Empfang zu Ehren einer balearischen Delegation, bestehend aus Antoni Vera Alemany (Leiter des Instituts d`Estudis Balearics/ IEB), Margalida Vidal Llabres (Koordinatorin IEB), Joan Carles Gomis (Kulturberater der Regionalregierung der Balearen) und Karen Müller (Projektleiterin für Bildende Kunst am IEB), welche die Ausstellung kuratiert und finanziert, präsentierte  Joan Cortes seine Kunst jetzt erstmals in den Räumlichkeiten der Horbach-Stiftung.

Alberto Giacometti war sein großes Idol

Inspiriert durch seinen Großvater, einem Handwerker, der mit Holz arbeitete und nebenbei immer wieder Skulpturen angefertigt hatte, kam Cortes im Alter von 14 Jahren auf die Idee, auch selbst einmal Skulpturen zu gestalten. Studiert hat der 50-Jährige, der eine Aachener Lebensgefährtin hat, jedoch leider weder Deutsch noch Englisch spricht, dann in Palma de Mallorca und Barcelona. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings längst Alberto Giacometti  für ihn zum Idol geworden. "Die Art und Weise, wie Giacometti menschliche Figuren gestaltet hat, hat mich stets fasziniert," schwärmt der Mallorquiner.

Ein flexibles Kunstwerk

Entwickelt hat sich Corte`s recht geometrisches Raum Theorem, das zuvor noch in London ausgestellt war, jedoch zunächst über menschliche Formen, von denen der Künstler dann zu tierischen Formen überging. Diese hat Joan Cortes dann immer mehr abstrahiert bis hin zu organischen Formen. Die klare geometrische Form stellt somit den aktuellen Entwicklungsstand seiner Kunst dar. Das Besondere am Theorem des Raumes: Abhängig von der jeweiligen Ausstellungsräumlichkeit werden die Bestandteile der Installation immer wieder anders zusammengefügt.

Zu bestaunen ist das Raum Theorem noch bis zum 2. April 2014 in der Michael Horbach Stiftung, Wormser Str. 23 in Köln. Infos unter: www.michael-horbach-stiftung.de  oder:  www.joancortes.es

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr

18.02.2014 zum 90. Geburtstag von Georg Ratzinger

GFDK - Gottfried Böhmer

Gottfried Böhmer und die Gesellschaft Freunde der Künste sind stolz auf den Künstler Baptiste Pawlik, der für Papst Benedikt XVI und Georg Ratzinger ein Konzert in Vatikan gab.


2001 hatte Baptiste Pawlik mit seiner Schwester Melissa Pawlik im Rahmen des Kulturfestivals "The Exhibition OK 2", an dem die Künstlerinnen Gabriele Weinspach, Anke Stalpers, Petra Peschkes, Christina Assmann, Mutsumi Aoki und Pia Dehne teilnahmen, für die Freunde der Künste das erste Mal für uns einen Konzertabend gestaltet.

2007 gab er gleich zwei Konzerte für die Kunstfreunde aus Düsseldorf. Anläßlich der Preisverleihung gab er mit seinen "feinen jungen Musikern" ein Konzert zu Ehren der Kaiserswerther Kunstpreisträgerin Dorothea Schüle, die für ihren Werkzyklus "Der Gesang der Amazonen" von der Gesellschaft Freunde der Künste ausgezeichnet wurde.

Im gleichen Jahr gestaltete Baptiste Pawlik mit dem "Sonnenscheinkabinett" den musikalischen Abend anläßlich des Neujahrsempfangs für die Freunde der Künste. Die poetische Performance lieferte die Künstlerin Gila Abutalebi mit dem Titel "Das Zeitalter der schnellen Liebe". Die Kaiserswerther Kunstpreisträgerinnen Johanna Rzepka Wiens und Kristin Dembny stellten ihre neuesten Ausstellungsprojekte im Rahmen einer Doppelausstellung vor.

2011 gab Paptiste Pawlik noch einmal ein Konzert für die Kunstfreunde aus Düsseldorf anläßlich der Preisverleihung des Kaiserswerther Kunstpreises an Barbara Rapp, die für ihren Werkzyklus "Frauenbild zu entsorgen" ausgezeichnet wurde.

Ein Jahr nach seinem offiziellen Rücktritt feiert der emeritierte Papst Benedikt XVI, den 90 Geburtstag seines Bruders im Vatikan und Düsseldorf war ganz nah dabei.

Konzert im Vatikan für Papst Benedikt XVI und Georg Ratzinger

Eine große Ehre widerfuhr nun dem Düsseldorfer Violinisten Baptiste Pawlik, als er im Vatikan vor dem emeritierten Papst Benedikt XVI. spielen durfte. Anlass für das Konzert, war der 90. Geburtstag des Papstbruders Georg Ratzinger.

Ratzinger leitete 30 Jahre lang den Chor der „Regensburger Domspatzen“, machte sie auf Tourneen durch die USA, Kanada und Japan zu einer weltweiten Institution und komponierte mit der „Missa Anno Santo“ eines der Hauptwerke der modernen Kirchenmusik. Obwohl er gewöhnlich in Regensburg wohnt, feierte er seinen Geburtstag mit seinem Bruder im Vatikan.

Bereits vor einem Jahr hatte Baptiste in Regensburg auf einem „Abschiedskonzert für Papst Benedikt“ gespielt, das die Initiative „Deutschland pro Papa“ veranstaltete. Bei dieser Gelegenheit hatte er Papstbruder Georg Ratzinger kennengelernt, der sich begeistert über das Können des jungen Violinisten äußerte.

Das brachte Historiker  und Autor Michael Hesemann („Mein Bruder, der Papst“; „Papst Franziskus“)der das Konzert organisierte auf die Idee Baptiste als ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk einzuladen und dem Papst und seinem Bruder erneut damit eine Freude zu bereiten.

Baptiste Pawlik begann seine Karriere als „Wunderkind“. Mit drei Jahren erhielt der Düsseldorfer seinen ersten Geigenunterricht, mit vier Jahren gewann er als jüngster Teilnehmer den Wettbewerb „Jugend musiziert“. Sechs weitere Preise sollten folgen, Unterricht bei dem weltweit renommierten Violin-Professor Zakhar Bron, Auftritte oder Proben mit vielen internationalen Weltstars wie Céline Dion, Take That und Justin Bieber folgten. Doch der Höhepunkt seiner Karriere ist mit Sicherheit der Papstauftritt.

Es war erst der dritte öffentliche Auftritt Benedikts XVI. seit seinem spektakulären Amtsverzicht im Februar 2013. „Der Papst machte einen entspannten und erholten Eindruck“, erklärte Hesemann nach dem Konzert, „er trug wie früher auch seine weiße Soutane und den weißen Pileolus, jetzt aber braune, keine roten Schuhe.“

Aufmerksam verfolgte Benedikt XVI. die einstündige Darbietung der drei Solisten, neben Baptiste hatten Hesemann und der Papstsekretär Erzbischof Georg Gänswein, weitere Künstler wie der Salzburger Tenor Wolfgang Nöth und die amerikanische Starpianistin Lauren Green verpflichtet . Wie schon beim Abschiedskonzert spielte Baptiste Mozarts „Ave verum“, Massenets „Meditation aus Thais“ und das liebste Weihnachtslied der Ratzinger-Brüder: „Es ist ein Ros entsprungen“. 

„Anschließend stand der Papst auf, um jedem der Künstler persönlich zu danken“, berichtete Hesemann, „eine halbe Stunde verbrachte er mit seinen 50 geladenen Gästen, bevor er zu Erzbischof Gänswein meinte: ‚Packen wir’s!‘ - und sich, gefolgt von seinem Bruder, wieder in sein Kloster „Mater Ecclesiae“ in den vatikanischen Gärten zurückzog“. Im Anschluss wurde das Konzert vom Radio Vatikan weltweit übertragen.

Als Ausnahmetalent begann Baptiste schon im Alter von drei Jahren mit dem Geigenunterricht und gewann mit vier Jahren als jüngster Teilnehmer den Wettbewerb „Jugend Musiziert“. In seiner Ausbildung bekommt er Unterricht von dem weltweit renommierten Professor Zakhar Bron und wird Jungstudent an der Folkwang Hochschule Essen, wo er im Jahre 2010 sein Studium erfolgreich abschliesst. Baptiste Pawlik konzertiert international und komponiert eigene Werke.

Neben der solistischen Tätigkeit tritt Baptiste als Geigenbegleitung von Weltstars wie z.B. Celine Dion beim Bambi 2012 auf. Seine Solo Auftritte beim offiziellen Abschiedskonzert vom Papst Benedikt vor einem Jahr und erneut vor kurzen im Vatikan Radiosaal anlässlich des 90 Geburtstag von Bruder des Papstes Georg Ratzinger, welcher nach dem talentierten Violinisten verlangte, krönen seine bisherigen Karriere.   

mhesemann@remove-this.aol.com

baptiste.pawlik@remove-this.gmx.de

Gottfried Böhmer

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr

04.02.2014 das lebhafte Spiel der Farben und Formen

GFDK - Herwig Nowak

So und nicht anders fällt das Ergebnis der Vernissage von Werken der deutsch-persischen Künstlerin Gila Abutalebi aus ,die am 17.Januar 2014 in den Räumen der salve art gallery im Bartels Hof in Leipzig stattfand. Die progressiven Galeristinnen Ines Keerl und Karin Krzenck-Liechtenstein taten einen guten Griff, als sie die „Transparente Lyrik“ in der Serie “In love with K-K Visuals“ von Gila Abutalebi in ihr Haus holten.

Es ist sowohl die Mehrschichtigkeit der Werke als das lebhafte Spiel ihrer Farben und Formen ,die eine kunstreiche Atmosphäre schaffen, wie sie der Rezensent so noch nicht erlebt hat. Wenn die „Grundschicht“ der Werke durchweg der Kalligraphie in moderner Formgebung und Aussage vorbehalten ist, so formulieren die davor liegenden transparenten Schichten Aussagen zum Heute, meist orientiert an dem Buchstaben „K“ in seinen vielfältigen Deutungen.

Ungesehen. Intensiv. Individuell. Vielschichtig!

Aber hier verdient auch die Präsentation der Werke, also ihre Hängung, besondere Beachtung .Einzelne kleinere Räumlichkeiten der Galerie gewinnen durch die gezeigte Kunst den Charakter intimer Kunstkabinette mit geradezu museumsreifer Atmosphäre.

Andere Wände zeigen grossflächigere Werke und strahlen etwas aus von der Grosszügigkeit der Kunst aus,die den Werken Gila Abutalebis zu eigen sein kann. In seiner Rede auf der Vernissage brachte Prof.Rayan Abdullah(HGB Leipzig) zum Ausdruck, wie sich bei der Künstlerin Persisches und Europäisches glückhaft miteinander vermählen.

Indessen Worte, auch die hiesigen ,vermögen nur unvollkommen wiederzugeben ,was sich letztlich nur dem Auge und dem Sentiment erschliesst. Sehen und Schauen sind geboten und lohnen. Die Ausstellung ist bis zum 3.März 2014 geöffnet.

Gila Abutalebi auf dem 16. Islamic Arts Festival in Sharjah

Das 16. Islamic Arts Festival vom 06. Januar bis zum 06. Februar 2014 in Sharjah, der Kulturhauptstadt in der arabischen Welt mit über 20 Museen, ist ein Spagat zwischen neu und alt. Zum einen werden moderne künstlerische Ausdrucksformen visualisiert, zum anderen wurzeln die Arbeiten in alten orientalischen Kunsttraditionen.

Diese Mischung ist es, die Erstaunen hervor ruft, Hochachtung abruft, ja frappiert.

Dabei zeigen die Ausstellungen in der Kulturhauptstadt eine umfassende Internationalität des Kulturgeschehens im Orient und dies mit über 252 Künstlern. Es stachen die Künstler Marisa Caichiolo, Mohamed Abouelnaga und Gila Abutalebi besonders hervor. Ihren Werken sind tiefgreifende Inhalte zu eigen, die in originellen und vielschichtigen Darstellungen ihren Ausdruck finden.

Die Eröffnung des Festivals am 06. Januar durch die Hoheit Scheich Dr. Sultan Bin Mohammed Al Qasimi, wurde zu einem Ereignis für die Kölner Künstlerin Gila Abutalebi und ihre Transparente Lyrik. In zwei Ausstellungsräumen ist sie präsent mit 19 Arbeiten aus ihrer derzeitigen Serie „In love with K – K Visuals“, die bereits als ein Highlight des Festivals bezeichnet worden sind. Das brachte der Scheich im Rahmen des Eröffnungsrundgangs mit den Worten zum Ausdruck: Die Kunst von Abutalebi habe ihn am meisten berührt.

Die Künstlerin Gila Abutalebi, mit der die Gesellschaft Freunde der Künste schon mehrere Kunst und Kultur Projekte veranstaltet hat, unter anderem das Goethe-Festival 255 Jahre Goethe "Wie sehen Künstlerinen Goethe", wird Botschafter der Gesellschaft Freunde der Künste.

Wer die Deutsch-Iranerin kennt oder kennenlernt ist sogleich gefangen: Intensität, Leidenschaft, Kreativität, Gefühl und die ausgefeilte Sprachvirtuosität in fünf Sprachen rauben dem Gegenüber den Atem. Und so ist es auch mit ihrer Kunst: Einmalig.

Ungesehen. Intensiv. Individuell. Vielschichtig!

Auf ihrer Reise zu sich und zu ihrer Kunst hat Abutalebi u.a. in den USA, Spanien, Österreich und Deutschland gelebt. Stets galt und gilt ihr besonderes Interesse dabei ebenso der Kultur, Individualität und Geschichte der Menschen wie der Sprache und Kalligrafie. Ihr bisheriger Lebensweg wird auch ergänzt durch umfangreiche Bühnenerfahrung.

Und nur aus dieser und keiner anderen Kombination der intensiven Lebenserfahrung und kulturell-künstlerischen Auseinandersetzung konnte sich das Fundament für ihre einzigartigen Werke, ihrer ganz individuellen Kompositionen aus Srache, Bild und neuartiger Tiefe und Transparenz – die „Transparente Lyrik“ - bilden.

Mit dieser kreiert sie ein vollkommen neues, revolutionierendes Kunstchambre, das in seiner Intensität nur gelingen kann, wenn ein unendliches Feuer der Liebe und der Leidenschaft zur Sprache, den Menschen und einer ganz besonderen Ausdrucksweise brennt. Gila Abutalebi lebt und arbeitet in Köln und Leipzig. Ihre Arbeiten sind vielfach in Privat- und Firmenbesitz in Italien, Spanien, USA und Deutschland.

Gottfried Böhmer

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

Transparente Lyrik

Gila Abutalebi

www.transparente-lyrik.de

look@transparente-lyrik.de

mehr

01.02.2014 Und täglich grüßt das Murmeltier

GFDK - Gottfried Böhmer

Während weltweit die Fans dem Finale der American National Football League am 2. Februar 2014 entgegenfiebern, bringen sich die Unternehmen mit ihren Werbespots schon in Stellung.

Für die Werbespots beim Superbowl geben die international agierenden Unternehmen Unsummen aus. Es werden Hollywood-Stars und Top-Regisseure engagiert, um ein Millionen Publikum zu erreichen. Zum Superbowl-Finale ist ein unbedingtes Muss aufwendige und teure Spots dem Publikum zu präsentieren. Ein 30 sec Spot kostete 2013 schon 3,8 Millionen US-Dollar. Die Big-Player machen es aber nicht unter 1 Minute und so sind es dann 7,6 Millionen US-Dollar plus Produktionskosten, die oftmals im mehrstelligen Millionenbereich liegen.

Gewaltiges Kommerz-Spektakel

Viele dieser Spots haben es in der Vergangenheit zu Kultstatus zB. der VW Spot Darth Vader gebracht. Dieser wurde übrigens nach der Superbowl Ausstrahlung zum besten Werbespot in den USA gekürt. Aber nicht jeder darf bei diesem Mega-Event dabei sein.

Wie die Freunde der Künste schon in ihrem Marketingnews berichteten wurde der TV Spot mit Scarlett Johansson, der von Sodastream produziert wurde, vom Superbowl ausgeschlossen. Sodastream hatte den TV-Spot eigens für den Superbowl kreieren lassen.

Henner Rinsche, Regional General Manager, Germany, Austria, Switzerland von Sodastream hatte schon gestern Abend gegenüber der Redaktion von Freunde der Künste sein Unverständnis darüber klargestellt. So wie es aussieht will der US-Sender VOX wohl auf Intervention der Big-Player/ Großinvestoren Coca Cola und Pepsi den Sodastream Spot nicht senden.

Sodastream präsentiert sich in dem TV-Spot als umweltfreundliches Unternehmen gegenüber den beiden Süßzucker-Getränke-Mischern Coca-Cola und Pepsi. Der Hollywood-Star Scarlett Johansson hat mit nur 4 Worten die Getränkeriesen zur Weißglut gebracht "Sorry, Coke and Pepsi" haucht sie dem Publikum entgegen. Das war zu viel für die angeschlagenen Gemüter in den Vorstandsetagen der beiden "Zuckerriesen", die nach Sicht des Werbespots nahe der Ohnmacht gewesen sein sollen.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Schon 2013 haben die Superwerbe- "Zuckerkunden" Pepsi und Coca Cola einen Werbespot von Sodastream zum Superbowl 2013 gekippt. Der US TV-Sender CBS wollte den Spot des Wassersprudler Herstellers nicht ausstrahlen. Zuvor hatte Sodastream Coca Cola schon einmal mit einem Spot bloßgestellt. Auch diesen Spot hatte Coca Cola in Großbritannien gerichtlich verbieten lassen.

Alex Bogusky hatte den provokanten Spot kreiert, der zeigte, wie Coca Cola Flaschen auf Knopfdruck in ihren Kästen platzen. Woraufhin dem Management von Coca Cola der Kragen geplatzt ist.

Rückblick:

Schon 2012 hatte Coca Cola versucht eine Aktion von SodaStream, mit der der Hersteller von Trinkwassersprudlern auf die verheerende Umweltschädigung von PET-Flaschen hinweisen wollte, zu verhindern. SodaStream hatte einen Käfig gegenüber dem Coca Cola Museum in Altanta aufgestellt, der mit Tausenden Wegwerfflaschen und Getränkedosen der Marke Coca Cola gefüllt war.

Trinkwassersprudler gegen das Kartell der Getränkeindustrie

Weltweit hatte SodaStream 30 Installationen (Käfige) aufstellen lassen, um auf das riesige Problem und die Umweltbelastung mit den Wegwerfflaschen aufmerksam zu machen. Unvorstellbare 1 Milliarde Flaschen und Dosen landen täglich in Flüssen Ozeanen und auf Müllkippen.

Umwelt und gesundheitsschädlich

Anmerkung der Redaktion: Zucker ist ein Todfeind für unseren Körper, er macht krank, antriebslos, müde und depressiv. US-Experten halten Zucker für einen der größten Killer der Menschheit überhaupt und sagen, dass es schädlicher sei als Alkohol. Nach Schätzungen der US-Experten gehen 35 Millionen Todesfälle jährlich auf das Konto von Zucker.

Hier nur mal zum Vergleich, in einem Liter Coca Cola sind 110 g Zucker, das entspricht ca. 37 Zuckerwürfeln oder anders: stellen Sie sich einmal vor, Sie würden eine Tasse Kaffee (0,2l) mit 7,5 Zuckerwürfeln trinken und davon 5 am Tag. Abgesehen davon, dass dies wohl kaum einer tut, hätten Sie wahrscheinlich keine große Lebenserwartung.

Der Werbespot wird nun aber zum Politikum

Während Sodastream noch an der Werbefront kämpft, wird die Schauspielerin Scarlett Johansson wegen ihres Werbevertrags mit dem Wassersprudler Hersteller von Pro-Palästinensischen Aktivisten attackiert. Sodastream produziert seine Wassersprudler in einer Siedlung im West-Jordanland, das von den Palästinensern beansprucht wird. Die US-Schauspielerin hatte sich die letzten Jahre für die Entwicklungsorganisation Oxfam als Botschafterin engagiert.

Diese Zusammenarbeit hat Scarlett Johansson nun für beendet erklärt, da Oxfam jeden Handel mit Erzeugnissen aus diesen Gebieten ablehnt, ohne die Hintergründe zu berücksichtigen. Das Wassersprudler Unternehmen sieht wie die Johansson die Produktion in diesem Gebiet als Friedensmission zwischen Israel und Palästina an. Wörtlich meinte sie: Sie sei "eine Unterstützerin der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und des sozialen Austausches zwischen Israel und Palästina".

Werbevertrag zwischen Scarlett Johansson und Sodastream sorgt für künstliche Aufregung

So ganz dürfte die Johansson damit auch nicht falsch liegen. Das Sodastream Management hat noch einmal betont, dass sie die Produktionsstätte im West-Jordanland für ein Friedensmodell aufrechterhalten habe. Vorstandschef Daniel Birnbaum ließ uns über Henner Rinsche mitteilen, dass die Firma dabei helfe hunderte Palästinensische Familien zu ernähren und jeder Tag beweist, dass Frieden zwischen den Völkern möglich ist. "Irgendwo muss man ja mal anfangen", so Birnbaum.

Deutsche Leitmedien

Während einige deutsche Leitmedien mal wieder liebend gerne untergründige Ressentiment schüren, gibt sich Scarlett Johansson kämpferisch "Sodastream wolle eine Brücke zum Frieden zwischen Israel und Palästina bauen", betonte die Johansson in einer Erklärung. Die Schauspielerin wies nochmal daraufhin, dass in der Fabrik "Nachbarn Seite an Seite" arbeiten. Israelis und Palästinenser erhalten den gleichen Lohn, die gleichen Sozialleistungen und haben die gleichen Rechte.

Das Engagement von Sodastream im Westjordanland

Der Konflikt zwischen Sodastream, Pepsi und Coca Cola soll wohl zu einem Politikum hochgeschaukelt werden, um von den gesundheits - und umweltschädlichen Verhalten der beiden US-Konzerne abzulenken die mit vielen Milliarden Werbedollar ihre Stellung behaupten.

Daniel Birnbaum meinte "es wäre für ihn das leichteste die Fabrik zu schliessen, damit wäre den palästinensischen Mitarbeitern aber nicht geholfen. Die Koexistenz sei ein Beispiel für Frieden in einer Region, die so viele Probleme hat und so viel Hoffnung braucht".

Die unangemessene Kritik einiger Medien, immer auf der Suche nach dem Haar in der Suppe, führt allerdings dazu, dass Sodastream nun anscheinend einen Umzug ihres Werkes plant. Für die palästinensischen Angestellten, 500 an der Zahl und ihre Familien sind das keine guten Nachrichten.

Anmerkung der Redaktion: Selbstverständlich wissen wir auch, dass Sodastream mit seinen Werbebotschaften kommerzielle Ziele verfolgt, allerdings halten wir das für einen Kampf David gegen Goliath, auch weil die beiden US-Konzerne eine unverhältnismäßige Medienmacht ausüben können. Und davon mache sie reichlich Gebrauch.

Gottfried Böhmer

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

 

 

 

mehr

25.01.2014 300 Künstler (Musiker, Komponisten, bildende Künstler) aus 50 Ländern

GFDK - Stephanie Lottermoser

Stephanie Lottermoser erhielt im letztem Jahr den bayrischen Kulturförderpreis in Form eines 6-monatigen Stipendiums für einen Aufenthalt an der Cité internationale des arts Paris. Den Freunden der Künste schrieb sie damals, dass sie sehr glücklich ist in Paris zu leben, zu üben, zu komponieren und die Szene kennenlernen darf. Stephanie Lottermoser - Deutsche Mädels erobern die Jazzmusik

Nun hat uns Stephanie Lottermoser ihre Eindrücke aus Paris mitgeteilt.

Ich bin zwar erst seit knapp zwei Monaten hier, aber dadurch, dass ich noch nie so viel Zeit allein UND in einer neuen Umgebung verbracht habe, kommt es mir manchmal auch schon viel länger vor.

Ich wohne in einem Studio-Appartement in der „Cité International des Arts“ im Stadtteil Marais im 4. Arrondissement, es könnte also kaum zentraler sein. Das Gebäude liegt direkt an der Seine, Notre Dame ist 5 Minuten zu Fuß entfernt.

Wohnen mit 300 Künstlern

Mit mir wohnen hier aktuell ca. 300 Künstler (Musiker, Komponisten, bildende Künstler) aus 50 Ländern, an jedem Studio gibt es ein Schild, auf dem entweder der Name des Herkunftslandes oder einer bekannten Persönlichkeit aus diesem Land steht. Mein Studio heißt „Richard Wagner“. Alle zwei Monate finden die „Open Studios“ statt – zwei Tage lang kann jeder in seiner Wohnung seine Arbeit ausstellen und vorführen, da ist von Performance über Fotografie bis zu Solokonzerten alles dabei und die Bandbreite ist wirklich riesig.

Viel Jazz in Paris

Jazz gibt es in Paris finde ich sehr viel, es gibt insgesamt sehr viel Live-Musik hier und bisher kommt es mir so vor, dass es auch ein recht großes Publikum dafür gibt – natürlich auch viele Touristen. Neben den Jazzclubs gibt es wirklich viele Restaurants und Bars die Jazz anbieten, außerdem einige sehr gute Sessions.

Konzert-Highlights in Paris

Ich hatte das Glück, das erste mal hier mit Antonella Mazza auf der Bühne zu stehen, einer italienischen Bassistin, die ich vor zwei Jahren auf dem Jazzfestival in Ascona kennengelernt habe. Für den Anfang war es sehr angenehm, zumindest eine Person zu kennen. Mittlerweile war ich auf ein paar Sessions und habe tolle Musiker gehört und kennengelernt und denke, dass sich da für die Zukunft vielleicht ein paar gute Kontakte ergeben.

Meine Konzert-Highlights hier waren bisher Wolfgang Muthspiel´s „Vienna Naked“, der israelische Saxophonist Eli Degibri und Lake Street Dive. Für die nächsten Monate steht da aber noch einiges auf meiner Liste.

In Paris kann man sich die Zeit auch gut vertreiben...

Was ich hier die ganze Zeit so tue, ist eigentlich schnell erzählt und viele Tage sind fast genauso wie daheim in München – ich übe, komponiere und mache Bürokram (Booking, Werbung, Planung,...), aber das ist auch schon alles an Struktur, was ich hier habe und die ist ja nur von mir selbst vorgegeben. Mir fehlen die Konzerte schon, aber es tut wirklich gut, mal so viel Zeit zu haben. Und in Paris kann man sich die Zeit auch gut vertreiben... die Stadt ist toll und ich fühle mich sehr wohl hier und es gibt noch genug, was ich gern sehen und tun möchte.

Ich hoffe, dass mein Französisch noch besser wird, aber das Klischee von den Franzosen, die sich weigern mit anderssprachigen Gästen zu sprechen, hat sich bisher überhaupt nicht bestätigt. Im Gegenteil... ; kulinarisch gibt es noch viel zu probieren, Foie Gras und Froschschenkel haben mich noch nicht überzeugt und an Schnecken hab ich mich noch nicht ran getraut..

Ich liebe Mode und Bars und allein davon hat Paris mehr als genug. Mit dem Komponieren der Stücke für die nächste CD komm ich ganz gut voran und bin einfach gespannt, was hier noch alles passiert...

Morgen flieg ich aber erst einmal nach München und freu mich auf ein paar anstehende Konzerte!

Die Freunde der Künste wünschen Stephanie Lottermoser weiterhin viel Erfolg in Paris

Gottfried Böhmer

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr

14.01.2014 Attacke auf Helene Fischer und ihre Fans

GFDK - Gottfried Böhmer

Zuletzt glänzte Helene Fischer mit der Weihnachtsausgabe 2013 mit ihrer Fernsehshow. Nun ist das aber nichts neues. 5 Millionen Alben hat sie bisher verkauft, ihre Shows sind phänomenale Inszenierungen, die mittlerweile internationale Beachtung finden und sie sind natürlich immer ausverkauft.

Noch im August 2013 haben die Freunde der Künste geschrieben:


"Erstaunlich ist auch, und das spricht für die Künstlerin, dass selbst die überaus kritischen Medien, wie Die FAZ, Der Spiegel, STERN, Die Zeit etc die oft kein gutes Haar an "Schlagersternchen" lassen, an Helene Fischer nichts auszusetzen haben".

Attacke auf Helene Fischer und ihre Fans

Damit ist es wohl vorbei, den nun fährt "die taz" eine harte Attacke gegen Helene Fischer und wir können uns den Stimmungswandel der" taz" nicht wirklich erklären, zumal er weit unter die Gürtellinie geht.

"Die taz" "Bereits ihre Ansagen sind so banal, dass man vor Langeweile mit dem Kopf auf die Tischplatte knallen und in tausendjährigen Tiefschlaf verfallen will: mit der Weihnachtsausgabe ihrer Fernsehshow holte sie den Quotensieg und lockte rund fünf Millionen Matschbirnen vor die Mattscheiben. In der Folge verstopfte sie sogar die Timeline bei Twitter".

Fans von Helene Fischer kommen aus debilen Familien

Laut "der taz" hätten "etliche Freunde und Bekannte von Familienmitgliedern die am ersten Weihnachtsfeiertag nichts Besseres zu tun hatten den Abend mit der „Helene-Fischer-Show“ im ZDF verbracht, und diese hätten Helene Fischer „scharf“ und perfekt gefunden. Die Fans von Helene Fischer kommen laut "der taz" aus debilen Familien weil sie die Fischer mögen oder gut finden.

Fans sind debil, notgeil und Matschbirnen

Das Schlagerwesen der Helene Fischer sei ein Feuerwerk der Langweile und sie grinse mit immer gleichen Honigkuchengesicht in die Kamera. Helene Fischer habe ihre Perfektion vor allem in den Disziplinen Dösbackigkeit, Gefühlsduselei und Harmlosigkeit zelebriert so der Autor des Artikels Philip Meinhold.  "Summa summarum ein rund dreistündiger K.-o.-Cocktail für das Gehirn". Und die Gäste von Helene Fischer, das waren: Howard Carpendale, Otto Waalkes und Peter Kraus wären alle nicht bei drei im Altersheim gelandet.

Fleischgewordene Spießerfantasie und notgeile Säcke

Die Fans der Fischer bezeichnet der taz-Autor Philip Meinhold als gehirnlose Köpfe mit Fleischgewordenen Spießerfantasien und notgeile Säcke. Und zum guten schluß meint der Autor "
Nein, „scharf“ kann diese singende Schlaftablette nur finden, wer zu den Scorpions rockt, die SPD für links hält und die Peperoni auf seiner Pizza am Tellerrand sammelt. Es stimmt schon: Spinner und Träumer hat diese Welt nicht genug – im Gegensatz zu Helene-Fischer-Fans".

Ich weiß nicht was den Autor dazu gebracht hat eine solche Hasstirade gegen Helene Fischer und ihre Fans zu schreiben, aber ich bin der Meinung das es nicht nur zu weit geht, das ist eine übelste Beleidigung für fünf Millionen Fischer Fans. Und was sich die taz dabei denkt diesen Artikel zu veröffentlichen weiß sie wohl nur selbst.

Die Kommentare waren aber eindeutig:


Oops, an error occurred! Code: 20210918030311280d58a1


Oops, an error occurred! Code: 202109180303119d022c63


Oops, an error occurred! Code: 2021091803031119b5199b


Oops, an error occurred! Code: 202109180303118584938a


Oops, an error occurred! Code: 202109180303118debb25a

"
Oops, an error occurred! Code: 20210918030311e025972e

 

Gottfried Böhmer

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr

12.01.2014 Ausländische Elitepolizisten auf Deutschen Demos?

GFDK - Gottfried Böhmer

Liebe Freunde der Künste. Gestern haben wir hier auf unserem Portal die Mitteilung der kritischen PolizistInnen zu den Vorgängen vom 21.12.2013 in Hamburg und den Geschehnissen rund um die Rote Flora Demonstration veröffentlicht. Das hat bei unseren Lesern zu kontroversen Diskussionen geführt.

Die Freunde der Künste betonen noch einmal, dass sie weder rechts noch links stehen. Wenn es aber um die Bürgerrechte oder um die Kunstfreiheit geht, beziehen wir Stellung.


In dieser Mitteilung forderte Thomas Wüppesahl, Sprecher der BAG KRITISCHE POLIZISTEN UND POLIZISTINNEN den Hamburger Senat dazu auf zu folgender Frage Stellung zu nehmen:

V-Leute, verdeckte Ermittler, Zivilfahnder, Polizei-SöldnerInnen

Zitat: "Wie viele V-Leute, verdeckte Ermittler, Zivilfahnder und ausländische Polizei-SöldnerInnen waren vor Ort? Wir fordern das Offenlegen der Zahlen für eingesetzte V-Leute, verdeckte Ermittler bzw. Zivilfahnder, gleichgültig von welchen Landesämtern bzw. Ministerien und/oder Bundesbehörden, sowie im Besonderen inwieweit ausländische Beamte/Bürger zur verdeckten Informationserhebung eingesetzt waren bzw. Steuerung aus der Versammlung heraus. Es war erheblich".

Nach dem wir die Presseerklärung veröffentlicht haben entwickelte sich auf Facebook eine hitzige Debatte um die Äußerung "Polizeisöldner", die für Empörung sorgte.

Aufregung auf Facebook

Ein Leser meinte: "Spätestens bei dem Satz mit den "ausländischen PolizeiSöldnerInnen" sollte jedem klar sein, dass der Mann einen Knall hat". Eine andere Stimme war der Meinung "seine Informanten wären wohl besser beraten, wenn sie sich einen anderen Sprecher suchen würden".

Und weiter: "Bei diesem Artikel wird es einem schwindlig, soviel Blödsinn steht da drin! In Hamburg sind die Linken einfach immer die Guten, egal was sie machen. Die Polizei ist in den Medien und der entsprechenden politischen Szene eh immer der Buhmann, egal was sie macht. Die Steinwerfer und Randall-Touristen werden jetzt zu Opfern gemacht und die Mitbürger, die für uns und den Rechtsstaat den Kopf hinhalten, sind jetzt üble Schläger - es ist unfassbar!

Darauf habe ich wie folgt geantwortet: "Polizeisöldner" das Undenkbare kann, muß aber nicht stimmen, OK, ich habe mit allen Beteiligten vor Veröffentlichung unserer Artikel ausführlich gesprochen, insbesondere mit Andreas Beuth dem Hamburger Rechtsanwalt, mit Wüppesahl habe ich das nicht getan, weil es kein Artikel von uns ist, sondern eine Presserklärung. Ich werde aber nun ein Telefonat mit ihm führen und genau danach fragen, worauf er das stützt, mal sehen?.

Ausländische Elitepolizisten auf Deutschen Demos?

Eine andere Leserin gab mir einen Tipp:

Der Spiegel hatte am 13.11.2010 über einen Streit beim Castor-Transport berichtet bei dem es um den Einsatz von französischen Polizisten in Gorleben ging.

Der Spiegel: "Grundlage sei der 2005 zwischen Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Luxemburg, Österreich und den Niederlanden geschlossene Vertrag von Prüm zur grenzüberschreitenden Polizeiarbeit. Auch Polizisten aus Kroatien, Polen und den Niederlanden seien im Wendland im Einsatz gewesen". Es stellte sich sogar heraus das es sich um französische Elitepolizisten gehandelt hatte. Polizisten aus den Niederlanden und Polen waren laut Ministerium in Zivilkleidung unterwegs wurde dem Spiegel mitgeteilt.

Die Behörden erklärten: "Bei Großeinsätzen seien Beamte aus anderen Ländern regelmäßig als Gäste dabei". Somit ist es gut möglich, dass in Hamburg sehr wohl "Polizeisöldner-GÄSTE" dabei waren, womöglich gar verdeckt als Provokateure. OK, ich muß also nicht mehr beweisen das in Hamburg ausländische Polizisten dabei waren, da die Behörden ja schon eingeräumt haben, dass "bei Großeinsätzen" regelmäßig Beamte aus anderen Ländern dabei sind. Die Demo um die Rote Flora war ohne jeden Zweifel ein Großeinsatz.

Bei Wikipedia heißt es: im Auftrag von Behörden der Staatsanwaltschaft, der Polizei und Geheimdiensten

Als Agent Provocateur (frz. "provozierender Agent, Lockspitzel") bezeichnet man eine Person, die üblicherweise im Auftrag des Staates einen oder mehrere Dritte zu einer gesetzeswidrigen Handlung provozieren soll. Im weiteren Sinne wird damit auch ein Handeln bezeichnet, das durch die gezielte Vortäuschung oder auch Provokation einer ruchbaren Handlung die Stärkung der eigenen Position und die Legitimation für einen Eingriff anstrebt. Der Einsatz eines Agent Provocateur durch den Staat erfolgt üblicherweise im Auftrag von Behörden der Staatsanwaltschaft, der Polizei und Geheimdiensten.

Mit brachialer Gewalt gegen Einzelne

Thomas Wüppesahl schrieb zu den Vorgängen, die sich auf der Demonstration ereigneten weiter:

"Von der Kausalitäten am 21.12.2013 (polizeiliche Stoßtrupps greifen „präventiv“ die ersten Reihen des Demonstrationszuges an) zu den Kausalitäten der Jahre vor dem 21.12.2013. Es hat dutzende Vorfälle gegeben, in denen seitens der Hamburger Polizei mit brachialer Gewalt gegen Einzelne – gerade bei Versammlungen/Demonstrationen – vorgegangen worden ist, aber auch bei anderen polizeilichen Arbeitszusammenhängen".

"Dabei kam es zu gravierendsten Verletzungen; allemal vergleichbar mit jenen Verletzungen, die der eine Kollege der Davidswache durch den brutalen Steinwurf am späten Abend des 30.12.2013 erlitt".

Wir haben uns folgende Frage gestellt:

Wie konnte sich die Hamburger Polizei diese erweiterten Rechte (Gefahrengebiet-Sperzone) ohne Senat, ohne richterlichen Beschluß, ohne die Zustimmung des Parlaments selbst geben? Viele Bürger in Deutschland, nicht nur die Hamburger, haben sich in der vergangenen Woche gefragt, welche Gründe die Polizei mit Rückendeckung des SPD Senats dazu zwang in mehreren Stadtteilen "Gefahrengebiete" sogenannte "Sondersperrzonen" einzurichten.

Der Hamburger Anwalt Andreas Beuth vermutete hinter der Angaben der Polizei ein Kalkül. Die Hamburger Polizei hatte sich in der Innenstadt Sonderrechte verschafft, die von nicht wenigen Touristen als verfassungswidrig eingestuft werden. Dem Hamburger SPD Senat sind dererlei Einwände anscheinend piepen egal. Die SPD, die sich deutschlandweit gerne als großer Mahner und Anwalt der Bürgerrechte verkauft, hat mit eben diesen "im Fall des Falles wenig im Sinn" wie die Vorkommnisse in Hamburg gezeigt haben.

Beängstigend ist, dass die Forderung nach dem "Schusswaffengebrauch", den die Polizei forderte, auch nicht vom Senat energisch widersprochen wurde. Wem das keine Sorgen bereitet, und ich spreche da eher von der Zukunft, dem kann man wohl nicht mehr helfen.

Wohin die Reise führen kann und wie gefährlich es für Demonstranten in Deutschland werden könnte, zeigt die Aussage des CDU Innenpolitikers Wolfgang Bosbach, der am 8.Januar 2014 die Demonstranten in Hamburg mit der RAF verglich. So beginnt die "scharfe Kriminalisierung" von Bürgern, die ihre Grundrechte wahrnehmen. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch noch auf folgendes hinweisen:

Die "Anhaltemeldung"

Von allen in der Gefahrenzone kontrollierten Bürgern hat die Polizei eine " Personenbeschreibung" angefertigt und eine "Anhaltemeldung" geschrieben. Diese Anhaltemeldung wird im Polizeicomputer für mindestens fünf Jahre gespeichert und so beginnt schon die Kriminalisierung teils harmloser Bürger die nur zufällig mal in Hamburg zu Besuch waren.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie waren in Hamburg zu Besuch im Schanzenviertel oder in St. Pauli oder wohnen in diesen Gefahrengebieten und wurden kontrolliert. Zwölf oder vierundzwanzig Monate später kommen Sie in Bayern auf dem Weg in den Urlaub in eine Verkehrskontrolle. Der Beamte liest im Computer beim Abfragen Ihrer Daten die "Anhaltemeldung".

Sie werden unverzüglich als vermeintlicher Unruhestifter eingestuft, Ihr Auto, das Reisegepäck, Ihre Taschen und alles weiter wird wahrscheinlich penibelst auseinandergenommen. Und weil in München am nächsten Tag eine größere Demo angekündigt ist, werden Sie vorsichtshalber mal gleich zur "Gefahrenabwehr" inhaftiert. Sie halten das für ausgeschlossen? Wir nicht.

50.000 Hamburger Bürger und eine unbekannte Anzahl von Touristen waren letzte Woche von diesen Polizeimaßnahmen betroffen. Die Polizei macht keinen Unterschied zwischen guten und bösen Demonstranten. Die US Botschaft hatte sogar in Sorge um ihre Bürger eine Reisewarnung für Hamburg ausgesprochen.

Laut Polizei wurden mehr als 950 Personen kontrolliert und erfasst. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar betonte, dass die Betroffenen " in einklagbares Recht auf Löschung der Daten" hätten, "wenn ihre Speicherung für die Erfüllung der polizeilichen Aufgaben nicht mehr erforderlich ist".

Deckmantel, Redefreiheit, Desinfektionsbad

Der Philosoph Peter Sloterdijk im Cicero -" Wir haben uns – unter dem Deckmantel der Redefreiheit und der unbehinderten Meinungsäußerung – in einem System der Unterwürfigkeit, besser gesagt: der organisierten sprachlichen und gedanklichen Feigheit eingerichtet, das praktisch das ganze soziale Feld von oben bis unten paralysiert".

"Die sogenannte „Öffentlichkeit“, der politisch-publizistische Raum, die Sphäre der vorgesagten und nachgesagten Meinungen ist auf eine Weise durchsterilisiert und homogenisiert, dass man meinen möchte, fast alle, die bei uns öffentlich das Wort nehmen, kämen geradewegs aus dem Desinfektionsbad".


Wie sagte v. Hirschhausen: " ich würde mich gern mit Ihnen geistig duellieren, aber ich erkenne, Sie sind ja unbewaffnet!"

 

Gottfried Böhmer

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr

09.01.2014 Hamburg - Rote Flora, Politik und Polizei

GFDK - Thomas Wüppesahl

Die kritischen PolizistInnen nehmen heute erstmals zu den auch militanten Auseinandersetzungen zwischen Staatsorganen und BürgerInnen um die Rote Flora in Hamburg schriftlich Stellung.

Ein Polizeieinsatz wie jener vom 21.12.2013 kann natürlich nicht auf über 700 verletzte Personen verweisen, diverse Sachbeschädigungen (und mehr!) an Häusern der Elbchaussee, ein stärker beschädigtes Bezirksamt Eimsbüttel, eine beschädigte GdP-Geschäftsstelle in Hamburg (direkt neben dem Polizeipräsidium) etc. und serieller rechtswidriger polizeilichen Handlungen sowie weiteren Gewaltexzessen in den seither verstrichenen 14 Tagen, wenn er erfolgreich gewesen wäre.

Dieses polizeilich-politische Desaster (nur wie nebenbei angemerkt: am stärksten für unseren Rechtsstaat) kann auch nicht durch markige Worte oder serieller Gruß- und Solidaritätsadressen an die Konfliktpartner ungeschehen gemacht werden. Schon gar nicht an die hoheitlich agierende Polizei, deren Gewerkschaftsfunktionäre sich (und ihre Kumpel in Uniformen) gerne mit dem Habitus von „Schutzmann Eifrig“ und „Schutzfrau Naive“ in Opferrollen stilisieren möchten:

Hamburger Polizei, Ordnungsmacht des finsteren Mittelalters

„Wer die Genesis zur Seite schiebt, kommt zwangsläufig zu falschen Analysen und Bewertungen“. Die Hamburger Polizei führt sich auf wie eine Ordnungsmacht des finsteren Mittelalters. Die Hamburger Politik lässt sich wie hilflos von „ihrer“ Polizei vorführen. Die Rolle von Exekutive und Legislative scheint verkehrt  zu sein. Derselbe Wortstamm (Polis) scheint in beiden Gewalten erhebliche Verunsicherungen für die Interpretation und das Selbstverständnis von Politik wie Polizei in einer Republik herbeigeführt zu haben.

Dies dürfte vor dem Hintergrund des normativen Wertemodells unseres Grundgesetzes mit einer klar definierten Gewaltenteilung niemals eintreten. Tatsächlich findet genau dies aber derzeit in Hamburg statt, tobt sich immer noch aus und ein Ende ist nicht abzusehen. Seitens der Polizei Hamburg gab es in der nachfolgenden Aneinanderreihung mindestens drei Begründungen für ihr rechtswidriges Vorgehen gegen die angemeldete Versammlung vom 21.12.2013:

1. Die Demonstranten seien zu früh losgegangen,

2. Die Demonstranten hätten Gewalt ausgeübt (Steine von einer Eisenbahnbrücke Nähe des Bahnhofes Sternschanze), und

3. weil in der Demonstration ohnehin Gewalttäter waren, wollte man die genehmigte Demonstration nicht in die Innenstadt gehen lassen.

Die beiden ersten „Begründungen“ stellen glatte Lügen dar und wurden schnell widerlegt; sie schliefen dann gewissermaßen ein. Die dritte Begründung ist hier einschlägig. Nur ist genau diese „Begründung“ rechts- und verfassungswidrig; deshalb auch die beiden ersten Schutzbehauptungen („zu früh losmarschiert“ bzw. „Gewalt gegen PolizeibeamtInnen“) zuvor.

Dazu sollte man wissen, dass polizeiliche „Pressestellen“ seit dem Drama um das Gladbecker Geiseldrama 1988 professionell aufgestellt sind. Vorher nicht! Und dass es unzählige Kontakte zwischen dem sog. höheren Dienst bei den Polizeien zu JournalistInnen gibt, weil mittlerweile zur Ausbildung auch eine Hospoitation bei Medien gehört.

Auch darum ist so klar, dass die beiden ersten „Begründungs“ziffern nichts anderes als Idiotentests darstellten. Es scheint bedauerlicherweise viel zu viele „Idioten“ zu geben. Wir teilen niemandem etwas Neues mit – schon gar nicht in Hamburg – wenn wir ausführen, dass der Polizeikessel im Juni 1986 den Gründungsanlass für unsere BAG Kritischer PolizistInnen darstellte.

Der Kessel war rechtswidrig, so dass allen über 700 eingeschlossenen DemonstrantInnen von dem Hamburger Verwaltungsgericht ein symbolisches Schmerzensgeld zuerkannt worden war und drei verantwortliche Polizeiführer eine symbolische strafrechtliche Sanktion erhielten.

Die Skupellosigkeit von Senat und Polizei

Wohlgemerkt, eine symbolische strafrechtliche Sanktion für über 700 Freiheitsberaubungen, Nötigungen und andere Tatbestände. Nun denn, so ist das mit dem gleichen Recht für nicht alle.  Allerdings weit über Hamburg hinaus... Aber das was wir am 21.12.2013 erlebten, übertrifft den Gründungsanlass von uns kritischen Polizisten in seiner Disqualität, Skrupellosigkeit und Quantität um den Faktor 3. Der weit überwiegende Teil des angetretenen Demonstrationsmarsches war nachweislich friedlich und wurde durch die polizeiliche Eskalationsstrategie daran gehindert, sein Versammlungsrecht auszuüben.

V-Leute, verdeckte Ermittler, Zivilfahnder

Wie viele V-Leute, verdeckte Ermittler, Zivilfahnder und ausländische Polizei-SöldnerInnen waren vor Ort? Wir fordern das Offenlegen der Zahlen für eingesetzte V-Leute, verdeckte Ermittler bzw. Zivilfahnder, gleichgültig von welchen Landesämtern bzw. Ministerien und/oder Bundesbehörden, sowie im Besonderen inwieweit ausländische Beamte/Bürger zur verdeckten Informationserhebung eingesetzt waren bzw. Steuerung aus der Versammlung heraus. Es war erheblich.

Eine solche Offenlegung verletzte keine personengeschützte Daten, gefährdete keine staatlichen Quellen, schüfe aber erhebliche Transparenz. Die Parlamente, insbesondere der Feierabend-Landtag Hamburg, die „Bürgerschaft“, könnten(?!?) sich ja dann überlegen, ob sie sich die Berichte, Lagemeldungen und eigenen Handlungen dieser eingesetzten Menschen (Beamte wie bezahlte Bürger) einmal näher ansehen. Was dies alles mit den Abläufen am 21.12.2013 zu tun hat?

Wir reden lieber noch über konkrete Gewalttaten als über deren Kausalitäten. Die Hamburger SPD hatte nun drei Jahre Zeit, um aus einer unter Ronald Barnabas Schill / Ole von Beust sehr weitgehend aus dem Ruder gelaufenen Polizei wieder etwas Vorzeigbares zu entwickeln. Die Hamburger SPD hat nichts davon geschafft, sondern gerade auch mit dem amtierenden SPD-Innensenator das von Schill & seinen Nachfolgern Geschaffene fortgesetzt.

Ein grauenhaftes Kontinuum, dass ja auch immer häufiger Normalbürger erreicht, betrifft und betroffen macht. Es gab 2013 bereits fünf Monate eine „Gefahrenzone“ um das Schanzenviertel, angeblich wg. Drogenhandel, also eigentlich(!) klassisches Strafrecht. Das hat wenig an polizeilichen Erkenntnissen gebracht, aber reichlich polizeiliche Missbräuche und Übergriffe sind dokumentiert.

Überhaupt diese „Gefahrenzone“, jetzt wieder eine, die gleich einen relevanten Bereich der gesamten Hamburger Mitte umfasst, und zwar „bis auf Weiteres...“ sind alles Schritte weg von zivilisatorischen Errungenschaften hin zu polizeistaatlichen Elementen. Es gab diverse weitere Ausrufungen von „Gefahrenzonen“, um den PolizeibeamtInnen das Nachdenken noch mehr abzutrainieren, ob sie einen konkreten Eingriff in Grund- und Bürgerrechte begründen können, was eben nicht bloß in der Ausbildung so häufig misslingt.

Inzwischen praktizieren viele PolizeibeamtInnen in Hamburg ihren Regeldienst mit dem Selbstverständnis das sie in „Gefahrenzonen“ als Prägung erfuhren. Nach drei Jahren SPD-Alleinregierung, politische Führung findet nicht statt! Dieser für Inneres und Sport Hamburgs zuständige Senator, seit März 2011 Herr Michael Neumann, sorgt maßgeblich für die Verunsicherung der Szene, nein, aller Akteure.

Anstatt, dass er sich mal mit dem Bausenator und der Bezirksamtsleitung, vielleicht noch jemanden aus der Senatskanzlei(?) an einen Tisch setzte, um zu besprechen, wie gehen wir mit der Roten Flora (und Herrn Klausmartin Kretschmer) um, um dann mitzuteilen, wie die Stadt sich die weitere Verwendung des Objektes vorstellte? Nichts, dort wo politische Führung vonnöten ist: Leere.

Es ist doch völlig logisch, dass die Rotfloristen vor dem Hintergrund des Agierens von Herrn Kretschmer und der bewusst im Unklaren belassenen Sichtweisen des Senats bei jeder Kleinigkeit die Gardinen hochgehen. Das Problem (für die Stadt) ist doch nicht das Gebäude, sondern sind die Menschen die darin agieren. Die Stadt muss konzeptionell handeln. Das Aussitzen mit der Hoffnung, der Zahn der Zeit brächte die Lösung, bringt solche Zustände wie wir sie derzeit in Hamburg erleben.

Wenn jetzt im Zusammenhang mit dem 21.12.13 Teile der Elbchaussee besetzt waren, diverse Häuser beschädigt und angegriffen wurden, das Bezirksamt Eimsbüttel nennenswerte Beschädigungen aufweist, dann muss es doch langsam mal klingeln. Aber das tut es nicht, wie die Ereignisse um das Neujahr 2014 dokumentieren. Dieses Kalkül muss schief gehen.

Wir machen nochmals darauf aufmerksam, dass die polizeiliche Strategie der Stärke, die seit Schill/von Beust, also seit 2001, konsequent angewendet wird, angesichts der sich weiter zuspitzenden sozialen Konflikte in einer Lost-Lost-Situation für alle enden muss. Es gibt gesellschaftliche Konflikte, da ist die Polizei machtlos: so bei den Auseinandersetzungen in Pariser Vorstädten oder auch in Großbritannien– nicht bloß in 2011.

Hamburg steuert dank des Versagens der Politik und der polizeilichen Kraftmeiereien in eine solche Situation. Und zwar ziemlich zielstrebig, weil die Politik nicht das Heft in der Hand hat, sondern diese Schill-/von Beust-Polizei. Hat die Polizei in einer Demokratie nicht Instrumentencharakter?

Das Erschreckendste an diesen Tatsachen ist aber, dass heute, über 27,5 Kalenderjahre nach dem „Hamburger Kessel“ und einer rechtsstaatlich abträglichen wie abenteuerlichen Entwicklung im sog. Polizeirecht (in der polizeilichen Praxis sowieso) nur noch Minderheiten an den Fehlentwicklungen Anstoß nehmen und die veröffentlichte Meinung das polizeiliche Vorgehen weitestgehend unterstützt, mindestens glatt bügelt. Selbst das aktuelle krasse Versagen.

Mit brachialer Gewalt gegen Einzelne

Von der Kausalitäten am 21.12.2013 (polizeiliche Stoßtrupps greifen „präventiv“ die ersten Reihen des Demonstrationszuges an) zu den Kausalitäten der Jahre vor dem 21.12.2013. Es hat Dutzende Vorfälle gegeben, in denen seitens der Hamburger Polizei mit brachialer Gewalt gegen Einzelne – gerade bei Versammlungen/Demonstrationen – vorgegangen worden ist, aber auch bei anderen polizeilichen Arbeitszusammenhängen.

Dabei kam es zu gravierendsten Verletzungen; allemal vergleichbar mit jenen Verletzungen, die der eine Kollege der Davidswache durch den brutalen Steinwurf am späten Abend des 30.12.2013 erlitt. Nur: während bezüglich dieses nicht entschuldbaren Übergriffs auf den Polizeibeamten die halbe Stadt in Trauer geht, der Bürgermeister dieser Stadt anlässlich eines von ihm gegebenen Neujahrsempfangs zu der sog. Mahnwache von GdP und PolG wie devot vor das Rathaus schleicht, so interessieren die vielen Polizeiübergriffe so gut wie niemanden.

Widerstand gegen die Staatsgewalt

Es ist nach wie vor so, dass die erfahrenen RechtsanwältInnen solchermaßen von Polizeiübergriffen Betroffenen tendenziell davon abraten, rechtlich gegen diese Polizeigewalt vorzugehen, weil anschließend in aller Regel das volle Programm gegen sie eingeleitet wird: Widerstand gegen die Staatsgewalt, zusätzliche Tatbestandsvorwürfe wg. Körperverletzung etc. pp. Und selbstverständlich sind dann auch fünf oder zehn uniformierte ZeugInnen zur Stelle. Die besonderen Probleme mit den parteilichen StaatsanwältInnen und anderes mehr.

So bleiben krasse Opfer von Polizeigewalt mittlerweile lieber in der Anonymität und finden schon gar keinen Eingang in Statistiken. Wir erlauben uns auch nochmals den Hinweis darauf, dass PolizeibeamtInnen einen Eid geschworen haben, der im Gegensatz zu den allermeisten anderen Berufen auch vorsieht, dass sie das Recht und unsere Gesetz unter Einsatz ihres Lebens schützen (sollen). Diesen Eid legen sie nicht im Vorbeigehen ab, sondern nach inhaltlicher Vorbereitung und feierlich.

Polizei verhindert die Versammlung und setzt Stoßtrupps ein

Eine Demonstration wird zur unfertigen Kundgebung „gecoacht“: durch brutale Polizeigewalt bei der angemeldeten Demonstration – eine solche muss nach dem Versammlungsgesetz nicht „genehmigt“ werden, sondern ist gewissermaßen unter Beachtung der Formvorschriften bei der Anmeldung zu genehmigen – am Samstag, 21. Dezember 2013, verhinderte die Hamburger Polizei die Durchführung der Versammlung (= Demonstration).

Vielmehr wurde der Demonstrationszug am Ausgangsort für die rechtmäßige Demonstration so eingekesselt, dass sie nie losgehen konnte. Die Hamburger Polizei machte aus dieser Demonstration eine Kundgebung ohne, dass die Versammlungsleitung dies hatte erkennen und wenigstens aus dieser Not eine Tugend hätte machen können. Die Hamburger Polizei tat so, als wenn die Versammlung verboten worden wäre und tat nur zum Schein so als wenn sie eine Demonstration begleiten würde. Und das vor dem Vertrauensgrundsatz der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.

Stattdessen traktierten diverse polizeiliche Stoßtrupps wie zu Mensch gemachte Rammböcke (anders kann man es gar nicht bezeichnen) die ersten Reihen der zum Losgehen bereiten Demonstration mit massivem körperlichem Einsatz, unter Zuhilfenahme von Schlagstöcken und anderen Hilfsmitteln der körperlichen Gewalt. Ohne, dass zu diesem Zeitpunkt aus der Versammlung heraus Gewalt erkennbar war, die auch bloß die Ankündigung der Auflösung hätte nach sich ziehen können.

Stattdessen wurde dieser Demonstrationszug – die bekanntlich niedrig angesetzten Polizeizahlen sprechen von 7.300, tatsächlich dürften es über 10.000 TeilnehmerInnen gewesen sein – gewissermaßen an seinem Kopf durch PolizeibeamtInnen auseinander geprügelt. Das daraufhin einsetzende Tohuwabohu mit wechselseitigen Übergriffen wurde anschließend seitens der Polizei und der Politik alleinig den DemonstrationsteilnehmerInnen zugeordnet.

Die zum Teil unwirklichen Brutalitäten der letzten Jahre, verübt durch PolizeibeamtInnen (es schien mehr Disziplin in der Zivilgesellschaft vorhanden zu einen qualitativ gewaltigen Unterschied ausmacht, ob PolizeibeamtInnen Normen verletzen oder (gemeine) Bürger. Dies mag im Boulevard nivelliert werden können, aber in der SZ?

Es ist nachgerade schädlich , wenn man solche Beiträge im Deutschlandfunk wie von Stefan Schölermann (NDR) am 22.12.2013 hört, der davon redete, dass man in einer solchen Großstadt ja schon einiges gewohnt wäre, aber diese pro-aktive Gewaltanwendung durch die Versammlungsteilnehmer alles bisherige seiner Erfahrungswelten überstiege. Nicht bloß, dass diese Behauptung falsch ist (übrigens auch durch diverse Augenzeugenberichte und Videos belegt), sondern er kümmert sich scheinbar überhaupt nicht um die konkreten Zusammenhänge am 21.12.13 und der Jahre davor. Und das im Deutschlandfunk!

Es ist nachgerade realitätsverweigernd, wenn Frank Pergande in der FAZ vom 3. Januar 2014 ausführt: „Das Ende der Folklore“ und im nächsten Satz klärt was er damit meint: „Auseinandersetzungen mit der Polizei wurden in Hamburg lange wie ein kulturell wertvolles Traditionsgut behandelt...“. Von welchem „Hamburg“ schreibt dieser Journalist? Er muss ein anderes „Hamburg“ als die Freie und Hansestadt an der Elbe meinen.

Die Zuständigkeit für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern ist ja auch ein wenig viel. Die Boulevard-Medien zu zitieren, vergrößert nur das Missvergnügen an den verlängerten Verlautbarungsorganen formal unabhängiger Berichterstattung als verlängerter Arm regierungsamtlicher Sichtweisen. Sicherlich: bei den Hafenstraßenhäusern in den 80er Jahren war es nicht so endlos lang. Es kümmerten sich auch namhafte HamburgerInnen darum, Prominente mit Gewicht in der öffentlichen Meinungsbildung. Das Entscheidende aber war, dass der Senat politische Führung praktizierte. Und heute? Siehe oben.

Die Bedeutung der JournalistInnen als ungeschriebene vierte Gewalt ist hinlänglich klar: Ob in Kriegen oder in Friedenszeiten. Die Ausgrenzungsmethoden, Instrumentalisierungsbemühungen und Einflussnahmen ebenso. Auch die Aufdeckung der NSA-Schredderaktionen der geschützten Räume von BerufsgeheimnisträgerInnen (Ärzte, Rechtsanwälte etc.), selbst unserer PolitikerInnen und das mit Hilfe unserer Geheimdienste und Bundesregierungen wäre ohne die Medien nicht erfolgt.

Auch bei der NSU-Mord-Sprengstoff-Raubüberfall Serie musste viel Bedeutsames durch JournalistInnen und gegen staatliche Einrichtungen – einschließlich Polizeien, Verfassungsschutzämter, Innenministerien, Kanzleramt – bekannt gemacht und bearbeitet werden. Auch zu unserer Gründungsphase, ob zu den Anti-Atom-Übergriffen durch Polizeien und Justiz oder eben bei dem Hamburger Kessel. Die grandiosen Beispiele für die Bedeutung unserer Medien allein füllte mehr als eine Pressemitteilung.

Deswegen ist es auch nicht: „Ein dämliches Gewaltspektakel“ (SPIEGEL-Online, Gastbeitrag Christoph Twickel), was in Hamburg in zahllosen „Vorhängen“ stattfindet, sondern gut erklärbar, brandgefährlich und es wäre bei einem funktionierenden professionellen Verständnis in der Politik und der Polizei Hamburgs überflüssig. Die Verantwortlichkeiten sind klar, losgelöst von den Einzelhandlungen:

Schlagstöcke hier, Fußtritt dort - Pfefferspray hier, Steinwurf dort – und so weiter. Politik und Polizei haben Hand in Hand gepatzt und perpetuieren. Umso erstaunlicher das sich dazu gesellende weitest gehende mediale Versagen zum 21.12.2013 bis heute. Die Hamburger SPD stabilisiert eine ultra-reaktionäre Schill-Polizei.

Die Feistigkeiten der Hamburger Schill-Polizei sind unter der nun fast drei Jahre wieder in Hamburg regierenden Sozialdemokratie gewissermaßen gepflegt worden: personell, konzeptionell, strukturell und vom Selbstverständnis, vom Geist in der Polizei, hat der Innensenator Michael Neumann so gut wie alles beim Alten belassen.

Polizeiliche Selbstherrlichkeit

Gerade der Innensenator hat vielmehr selbst keine Orientierung. Bei Bedarf siehe hierzu unsere Pressemitteilungen 1 bis 3 unter www.kritische-Polizisten.de , „Hamburger Innenpolitik“. Gerade ihn als entscheidende Stellgröße auch in solchen Krisen wie jetzt bei der Inneren Sicherheit haben wir kritisch zwar moderat, aber inhaltlich angemessen, gewürdigt. Das wollen wir nicht wiederholen. Wir weisen nur darauf hin, weil sich seine Defizite in einer solchen Lage voll entfalten.

Die polizeiliche Selbstherrlichkeit mit ihrem Drang zur Selbstüberschätzung, gepaart mit Allmachtattitüde und gleichzeitiger Jammerei, auch bei fachlicher Kritik - wie mehrfach bei fachlicher Kritik durch Fachhochschulprofessoren geschehen - und auch jetzt, finden leider bei diesem Innensenator und seinem seit erst knapp zwei Jahren auf verlorenem Posten sitzenden Polizeipräsidenten keine bedeutsame Korrekturen. Im Gegenteil.

Auch die einzig nennenswerte Auswechslung einer Schachfigur aus dem Personaltableau, nämlich des von Schill auserwählten Polizeipräsidenten, erfolgte nur formal durch diesen Innensenator, sondern wurde über andere – gewissermaßen gegen den Innensenator Neumann - herbeigeführt. Und der mittlerweile wirklich bemitleidenswerte Polizeipräsident weiß gar nicht wie ihm geschieht, nachdem er sich durch den orientierungslosen Innensenator verbieten ließ, einen ihm genehmen personellen Unterbau aufzustellen.

Das ist angesichts der Vita seines Vaters und seiner eigenen Verdienste an der Landespolizeischule, mithin bei dieser Überforderung, fast schon bemitleidenswert, aber letztlich selbst mit verschuldet. Uns sollte niemand unterstellen, wie es derzeit in Hamburg Volkssport ist, wir würden einseitig gegen die Polizei Partei ergreifen, nur weil wir – entsprechend unserer Namensgebung – unsere Stimme kritisch erheben.

Wir haben nicht bloß aus Versehen die „Friedenstaube“ als Logo in unserem Briefkopf, sondern von unseren Mitgliedern waren mehrere am 21.12.2013 (leider) eingesetzt. Ich selbst war vor Ort und wir verfügen nach wie vor über exzellente Kontakte, abgesehen von unserer eigenen Expertise.

Aber das was im Moment an Bigotterie, falschen Darstellungen oder auch üblen Nachreden – selbst gegen Abgeordnete der Bürgerschaft, auch durch Mopo und Hamburger Abendblatt befeuert – im Sinne der Prügel-Attacken durch die Hamburger Polizei stattfindet, um genau damit von den üblen Übergriffen hoheitlicher BeamtInnen abzulenken, sie gewissermaßen vergessen zu machen, das übertrifft so mache Operninszenierung.

Dabei findet sie sich als Vorlage in den Propaganda-Stückchen zu den Brokdorf-Einsätzen in den 70er und 80er Jahren, sowie Gorleben-Einsätzen und anderen Gelegenheiten wieder; in natürlich anderer Konkretion. Es ist methodisch nur überhaupt nichts Neues. Und sie scheint immer wieder zu funktionieren. Ihr Versammlungsrecht wahrnehmende MitbürgerInnen werden in toto zu Chaoten, Verbrechern etc. erklärt:

Die Ablenkungen der Politik statt Klärungen herbeizuführen. Michael Neumann, also der Innensenator, erklärte im NDR: „Die Verantwortung tragen allein die Kriminellen.“ Das ist schon ziemlich lächerlich, aber es geht noch weiter. Nach einem Artikel in DIE WELT, vom 23.12.2013:

„Der SPD-Politker warf den Autonomen vor, kein politisches Ziel zu verfolgen: "Hier handelte es sich nicht um eine Demonstration. Hier handelte es sich um angesagte Gewalt und Kriminalität." Der Polizeiverein Hamburg sprach von einem gezielten Angriff auf die Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft.“ Der Innensenator spricht damit dem weit überwiegenden Teil der Versammlung ab eine Demonstration gewesen zu sein und der Polizeiverein verwechselt hier die Zuordnungen, weil bei der HaHa-Polizei schon länger einiges nicht verfassungsideal und gesetzestreu läuft.

Abgesehen von der inhaltlichen Verwerfung beim Zitat von Neumann spiegeln die Zitate vom Innensenator und Polizeiverein in einem Absatz aber ungefähr wieder, auf welchem Niveau dieser Senator steht. Der zweite „Nutzen“ dieser Bigotterie, Falschdarstellungen usw. besteht darin, die politische Diskussion der Themen zu denen sich so viele Menschen zu einer Demonstration aufmachten, die dann brutalst durch staatliche Einrichtungen verhindert wurde, nicht stattfinden zu lassen.

Schusswaffengebrauch gegen gewalttätigen "Abschaum"

Die polizeiliche Eskalationsstrategie verhindert also gleich auf zwei Wegen den Sinn politischer Artikulation auf dem Wege zu Versammlungen. Die beiden Klassiker: GdP und PolGew, beide Gewerkschaften überbieten sich in ihrem Bemühen, um die Köpfe (= Mitgliedschaften) der PolizeikollegInnen zu gewinnen.

Während die einen den Schusswaffengebrauch (Gerhard Kirsch, GdP) gedanklich-mental vorbereitet, was immer wieder in den Hinterzimmern der polizeilichen Dienststellen genau so diskutiert wird, entblödet sich ein Landesvorstandsmitglied der Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund aus Hessen nicht als der Nutzer eines sozialen Netzwerkes @HerrVanBohm sich fragte, warum die "renommierten" Medien nicht über die Zahl der verletzten Demonstranten berichteten, zu antworten:

Die "sind ja auch keine Demonstranten, sondern gewalttätiger Abschaum." Dabei handelt es sich um den stellvertretenden der Deutschen Polizeigewerkschaft Hessen, Björn Werminghaus. Selbstverständlich behauptete der Bundesvorsitzende derselben Polizei“gewerkschaft“, Rainer Wendt sofort, dass dieser Sprachgebrauch bei der Polizei nicht üblich wäre, um gleich wieder ggü. SPIEGEL-Online zu relativieren, dass sein Kollege die Formulierung in einem „verständlichen Zustand der Empörung“ formulierte.

Nein, es ist so, dass die Verrohung in den Dienststellen incl. diverser Vorgesetzter(!) sehr sehr weit vorangeschritten ist. Das sieht man beim Eingreifen auf der Straße und hört man auch, wenn man die KollegInnen ungeschützt reden hören kann/könnte. Und verletzte Demonstranten, dazu konnte die Polizei Hamburg auch Tage nach dem 21.12.2013 „keine Angaben“ machen. Darin spiegelt sich nochmals die asoziale und semi-faschistoide schriftliche Formulierung der Polizeifunktionärs Werminghaus.

Der Begriff „Abschaum“ wurde zu Zeiten des deutschen Faschismus von Rassenideologen zur Bezeichnung von „unerwünschten“ Gruppen wie Obdachlosen oder Prostituierten verwendet. Zu der PolGew, gerade unter Rainer Wendt, bei dem inzwischen selbst viele Gewerkschaftsmitglieder die Augen verdrehen, muss man nicht viel sagen, aber zum Beispiel der GdP-Funktionär, also Mitglied im DGB, Gerhard Kirsch, mit seinen Schusswaffenäußerungen, schon; mit dem Mann war ich nach meiner Bonner Abgeordnetenzeit zwei Semester in einer Studiengruppe.

Schon damals musste er wg. seiner rechtslastigen Äußerungen gebremst werden. Legendär von damals bis zu seinen Zeiten auf der Davidswache in St. Pauli bleiben seine Auftritte in einem SS-ähnlichen Mantel mit dem er durch die Gegend stürmte. „Kirsche“, wie er gerufen wurde, war auch einer jener Kollegen, die bei schwierigen Lageprüfungen im Fach „Einsatzlehre“ schnell dabei waren, gewissermaßen ganz Hamburg zu umstellen. Heute, 20 Jahre später, geht die HaHa-Polizei Schritt für Schritt mit „Gefahrengebieten“ etc. in diese Richtung. Und: Dieser Mann ist nun stellvertretender Landesvorsitzender einer Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund.

Der Rechtstrend in unserer Gesellschaft ist mit der deutschen Einheit, nachfolgenden Pogromen und Terrorhandlungen aus dem rechten Spektrum ja gravierend. Aber der Politik sollte es unruhige Nächte besorgen, was an Selbstverständnis in den bundesdeutschen Polizeien vorherrscht – sofern die PolitikerInnen es mitbekommen. Und eben auch in den großen Gewerkschaften der Polizei. Das Primat (?) der Politik,  die Lobbyarbeit dieser Polizeigewerkschaften hat natürlich längst Früchte getragen.

Nicht bloß in der SPD, wobei mittlerweile im Deutschen Bundestag und vielen Landtagen Gewerkschaftsfunktionäre selbst als Abgeordnete die Umsetzung betreiben, sondern vor allem in der CDU: der Innenpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Kai Voet van Vormizeele, fordert etwa eine Gesetzesänderung, die Demonstranten haftbar machen würde und der CDU-Abgeordneter Karl-Heinz Warnholz verlangt nach Angaben der Hamburger Morgenpost die Einführung von Gummigeschossen; die Ausrüstung der Beamten müsse "dem hohem Maß an krimineller Energie angepasst werden".

Ferner müssten "neue Antworten" gefunden werden auf die "Form des Angriffs" durch die Demonstranten. Als Bestrafung wäre für Warnholz der Entzug der Fahrerlaubnis oder ein erschwerter Zugang zum Abitur oder Hochschulabschluss denkbar.  Wie wäre es noch mit der Aberkennung der staatsbürgerlichen Rechte? Dieser jung gebliebene Abgeordnete war selbst mal bei die Hamburger Polizei.

Wo? Natürlich: Staatsschutz. Was für Kriminalbeamte bei bundesdeutschen Staatsschutzdienststellen herumgeistern, zeigten etliche „Staatsschützer“ bei ihren Zeugenauftritten vor dem PUA des Deutschen Bundestags zum NSU-Komplex.

Warnholz jedenfalls passte voll und ganz in das personelle Portefeuille von Schill & Co. Nur so und ähnlich ist die Denke bei viel zu vielen PolizeibeamtInnen. So einen verfassungs- und (schlimmer noch) menschenfeindlichen Quatsch finden die gut. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich aufgrund meiner berufspolitischen Vergangenheit die interne Diskussion bei den Grünen besonders verfolge. Das ist ähnlich erschreckend:

Es geht dort zu wie unter AnfängerInnen. Als hätte es die Erfahrungen aus der Gründungsphase der Grünen nicht gegeben. So jedenfalls – mit ein bisschen Schi-Schi bei ihren sog. Polizeikongressen (auch noch in Hamburg) und gleichzeitigem Wegducken wenn es ernst wird, könnten sie nach Schwarz-Grün in HaHa gleich einen neuen Parteiflügel in der CDU aufmachen und geschlossen übertreten.

Ausnahmen, lieber Christian (Ströbele) bestätigen die Regel! Unvergessen bleiben wahrlich in Hamburg die Schwarz-Grünen Zeiten, über 2,5 Jahre von 2008 bis 2010, in denen diverse politische Rohrkrepierer letztlich zur vorzeitigen Beendigung, zu einer auch am darauf folgenden Wahlergebnis ablesbaren Implosion bei CDU wie Grünen, führen mussten.

Irrwitzig nur, das macht auch die derzeitige Wirkungslosigkeit der grünen Partei nachvollziehbarer, dass die damaligen Protagonisten, eine grüne Umweltsenatorin, die ihre Unterschrift unter ein Kohlekraftwerk mit über 1.700 MW Nennleistung setzte oder einer (weiteren) Schulreform, die komplett an der Bevölkerung vorbei installiert werden sollte (siehe Volkszählungsergebnis), später für ihre Minusleistungen belohnt wurden: die Umweltsenatorin Anja Hajduk wurde wieder in den Deutschen Bundestag geschickt, Jens Kerstan, der wie Kermit, der naseweise Frosch in der Sesamstrasse agiert und redet, macht jetzt den Fraktionsvorsitzenden in der Bürgerschaft, Till Steffen, der als Justizsenator dilettierte, versucht weiter ein ordentlicher Abgeordneter zu werden, nun in der Rolle als verkehrspolitischer Sprecher und so geht das munter weiter.

Unbegrenztes „Gefahrengebiet“ der halben Innenstadt

Das Abwimmeln lassen von Hamburger Grünen und Linken zu einer Sondersitzung des Innenausschusse der Hamburger Bürgerschaft als Feierabendparlament am kommenden Montag, 6. Januar 2014, 17:00 Uhr, mithin 17 Tage nach der Abschaffung des Versammlungsrechts durch die Hamburger Polizei – anstatt gleich kurz danach - ist nur noch beschämend. Natürlich wird diese Zeitspanne zum Schaffen neuer Fakten genutzt:

Unbegrenztes „Gefahrengebiet“ der halben Innenstadt. Das bedeutet: die Polizei darf jede Person und deren Taschen ohne die Angabe von Gründen kontrollieren. Außerdem dürfen Platzverweise und Aufenthaltsverbote erteilt und Personen in Gewahrsam genommen werden. Anwohner sollen damit nicht belästigt werden. Was vor dem Hintergrund der bisherigen Umsetzung solcher Gefahrengebiete in Hamburg nur noch lächerlich wirken kann.

Die Propaganda der Polizei und angehängter Medien läuft auf Hochtouren. Selbstverständlich wird die Beweismittellage zurecht gearbeitet. Mal schauen wo die Videos der Beweissicherungstrupps geblieben sind... Und was auf der Sondersitzung stattfindet kann man sich auch schon vorstellen. Bevor überhaupt jemand von der Opposition zu Wort kommt, reden die SenatsvertreterInnen und deren nahestehenden Abgeordneten bis 22h.

Was Hamburg jetzt bräuchte, wären aufgeräumte Köpfe in Senat und Bürgerschaft, die Klarheit zur Roten Flora herstellen und nicht sämtliche Akteure darüber im Ungewissen lassen, wie es mit dem Objekt weitergehen soll.

Dazu eine Aufarbeitung der Vorfälle um den 21.12.2013. Die bisherige Bearbeitung der grauenhaften Verletzungen der KollegInnen eine Woche später, am 28.12.2013, kurz vor Mitternacht, durch unter anderem die Mordkommission und eine Ermittlungsgruppe des Staatsschutzes spottet jeder Beschreibung und gehört mehr zur Stimmungsmache denn fachlich angemessener Arbeitsweise. Dann hätte die Mordkommission mit angehängten Ermittlungsgruppen bei zig Opfern von Polizeigewalt tätig werden müssen.

Der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz scheint außer Kraft gesetzt zu sein. Es regiert der blanke Aktionismus was ja nur logisch ist, wenn die oben erhobene Forderung berechtigt ist, dass der Senat endlich Klarheiten zur Zukunft der Roten Flora herstellen muss. Vielleicht macht ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss Sinn? In jedem Falle wäre wünschenswert, wenn Experten von außen, auch dem Ausland, die Vorgänge untersuchen könnten.

Und: die nächste Demonstration – gewissermaßen als Ersatzhandlung zu jener am 21.12.2013 von Polizeieinsatzkräften zerschlagenen Versammlung – sollte vorbereitet werden. So wie es im Grundgesetz steht:

Friedlich und ohne Waffen.

Bundessprecher

Thomas Wüppesahl

Thomas Wüppesahl ist Kriminalbeamter a.D, Diplom-Verwaltungswirt, deutscher Politiker und ehemaliger Bundestagsabgeordneter. Seine politischen Schwerpunkte sind Bürgerrechte, Innenpolitik und Anti-Atomkraft-Bewegung

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

 

 

mehr
Treffer: 955