Reden ist silber, Schreiben ist gold

23.09.2011 Als Resultat darf man sie dann getrost vergessen ...?

Carsten Reihold Schulz

Die Obdachlosenzeitung und Initiative fifty-fifty verfügt über eine Galerie und verkauft immer wieder namhafte Kunst deren Erlös den Obdachlosen zugute kommen soll. 


Das sich Künstler mit gutem Willen oder einseitigen Absichten finden, die einen Teilbetrag oder Ihre gesamten Erlöse spenden ist eine gute Sache, selbst wenn diese Methode zu einer Entpolitisierung des Themas „Obdachlosigkeit“ führt.

Längst gehören die Straßenmagazine zu einem System der Beruhigung der Öffentlichkeit bei größer werdenden sozialen Problemen.

Die Beruhigung wird interessanterweise durch den Kaufimpuls ausgelöst und bringt kaum Unwohlsein mit sich: scheinbar sind die fifty-fifty Verkäufer in Lohn und Brot. Als Resultat darf man sie dann getrost vergessen ...?

Unerträglich wird die Kombination von Kunst und Obdachlosenmagazin, wenn der Galerieleiter Herrn Ostendorf in seinem Newsletter vom 14.09.2011 versucht, das Niveau der Bildzeitung deutlich zu unterbieten, um ausreichende Verkaufserlöse zu erzielen. Der Zweck heiligt offenbar die Obdachlosen.

Da werden bei der jüngsten Verkaufsausstellung fotografischer Arbeiten einer Düsseldorfer Künstlerin mit viel zu schneller Hand Verbindungen zu den Opfern des Nazi-Terrors hergestellt, um die ausweglos schlichten Inhalte der Bilder theoretisch zu unterfüttern.

Das die Künstlerin in ihren Darstellungen Plattitüden der Sexualität nutzt (Hirsch leckt ein Geschlechtsteil, etc.) und Abbildungen nackter ästhetischer Körper mit Kunstblut und Photoshop zu Pyramiden schichtet, resultiert aus dem Willen, mit einer hinlänglich bekannten Methode aufzufallen. Warum auch nicht?

Sie wird wohl nicht anders können oder wollen. Eine lässig hergestellte Verbindung zu Nazi-Verbrechen schützt den Künstler und sein Umfeld vor Kritik und inhaltlicher Begutachtung.

Diese Bilder auf der eigenen Künstler-Homepage als „Schocker-Kunst“ anzupreisen, bestätigt dann deutlich die bereits in den Bildern bewiesene sehr einfache Zielsetzung. Diese Kunst schockiert jedoch nicht im mindesten, weil sie nichts bewegt. Besser: weil sie nicht bewegt.

Diese Bilder zeigen nichts außer, vermutlich persönlich zu nennenden, plakativen Projektionen. Auch wenn die Öffentlichkeit im fifty-fifty Newsletter um wirklich jeden Preis mit kunstvollen Inhalten versorgt werden soll. Liest das denn niemand gegen?


Dabei wird leider, quasi im Vorübergehen, Idee und Wirkung von fifty-fifty demontiert. Wenn die jetzige Galeriearbeit etwas aufzeigt, dann ist die laufende Ausstellung ein Gradmesser für die Entfremdung von der eigenen sozial orientierten Idee, zugunsten eines Wunsches nach (laut herbeigerufenen) Skandalen für die mediale Selbstinszenierung.

Wenn Herr O. beinahe süffisant schreibt, die fotografische Simulation einer Heroin-Injektion wäre ein super Aufreger, dann ist das nicht nur offensichtlich menschenverachtend


Dann hat er einige Stern-Titel der 1970/80er Jahre verpasst und ist vermutlich noch nie über die Friedrich-Ebert-Strasse gelaufen, da kann man Injektionen live sehen – ohne die für ihn offenbar reizvolle, distanzierende Simulation. 
Wie weit ist fifty-fifty selbst von Ihrer unterstützten Klientel bereits entfernt?

Die Organisation die mit einer glanzvollen Idee gestartet ist, sollte sich wieder an aktuellen Themen und Notwendigkeiten orientieren und dafür ganz neue Wege finden.

Denn: es gibt sie nicht mehr, die Bösen und die Guten und die Massen.

Es gibt jedoch Einsicht, Haltung und die Suche nach neuen Formen der Solidarität.

Carsten Reinhold Schulz

für new decontemporary

Der Künstler als Kritiker:

Mit einem Vorwort von Frederike-Alna Fuchs, Berlin

http://www.amazon.de/K%C3%BCnstler-als-Kritiker-Vorwort-Frederike-Alna/dp/3980769976

 

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25.07.2011 das böse wird der welt bewusst

Angelika Wende

das unglück

 

an einem tag ist das leben die ansammlung der dinge, die wir tun und plötzlich kommt das unerwartbare - ein unglück.

das unglück, das ist der moment der das leben in zwei teile bricht, der moment in dem alles was es vorher gegeben hat zur erinnerung an eine blasse vergangenheit ohne konturen wird und den gedanken an wie weiterleben?, zur unmöglichkeit macht.

in jedem leben ist immer auch die möglichkeit des unglücks, im leben jedes einzelnen von uns. menschen, die ein unglück trifft, gibt es jeden tag, immer und überall auf der welt. es gibt so viel unglück.

das unglück schafft schmerz, es macht fassungslos, es lähmt, es macht wütend und immer hat es die frage nach dem warum zur folge.

das unglück hat norwegen getroffen, es hat ein ganzes land getroffen, so hören und lesen wir in den medien.

das unglück hat über neunzig menschen getroffen, das unglück hat uns alle getroffen, uns, die ganze welt und die ganze welt trauert um das schreckliche unglück, weil es so unfassbar ist, so überraschend kam, so unvorstellbar grausam ist, so unvorstellbar unmenschlich, so unvorstellbar gewalttätig und so unvorstellbar groß.

das unglück ist geschehen und die welt hält für einen kurzen moment den atem an. und dann wird kommentiert, in der presse, im fernsehen. die bilder des unglücks gehen um die ganze welt und die ganze welt liest darüber, sieht sich die bilder an, gibt ihnen raum im alltag, ist fassungslos, schockiert und wütend und voller hass auf den, der das unglück erschaffen hat.

das böse wird der welt bewusst und sie ist in allem unglück doch irgendwie beruhigt, dass der täter gefunden ist, sein bild in der presse und im fernsehen erscheint.

das böse hat ein gesicht und die welt darf es benutzen für die wut, die ohnmacht, den schmerz, die trauer und den hass, den sie empfindet. ja, es ist gut dieses gesicht zu haben, das man am liebsten zerstören würde, auslöschen, weil es das unglück gebracht hat über so viele menschen und die angst hat so groß werden lassen vor dem bösen, die angst die die welt sonst so gut verdrängt, wenn kein unglück geschieht.

und alle stürzen sich auf das böse und suchen zeichen und spuren, wann es denn angefangen hat und fragen sich warum es denn nicht gesehen wurde, beizeiten, das böse und das kommende unglück und antworten finden sich keine.

das unglück lässt uns antwortlos zurück, uns und die menschen, die es getroffen hat und anhalten lassen hat, mit einem schmerz, der uns unbegreiflich ist, uns, die wir das unglück nur in den bildern der medien sehen.

über neunzig menschen, die sterben mussten, kinder, die sterben mussten, weil einer es so entschieden hat und ich denke an all die anghörigen dieser menschen, die unendlich leiden, die leiden werden ein leben lang.

über das leid dieser menschen erfahren wir nichts. wir wissen darum, aber thematisiert in den medien wird es nur am rande. es würde auch nichts nützen es zu thematisieren, wir spüren es doch alle und reden besser nicht drüber, denn irgendwo wissen wir, leid ist unteilbar und keiner von uns kann es diesen menschen abnehmen. auch unser mitleid ändert nichts. das mitgefühl macht dieses leid nicht kleiner - es macht ohnmächtig, die, die es ertragen müssen und uns, die wir darum wissen.

nach all der fassungslosigkeit, dem entsetzen und dem schock über das unglück bleibt der welt nur der blick das böse.

das böse, dem wir die verantwortung geben können, gott sei dank, denn wir sind die guten und das ist gut so, dass die guten das böse ausfindig gemacht haben, das böse, das uns so schreckliches antut, das böse, ein junger mann, der voller hass ist und aus diesem hass heraus das unfassbar grausame getan hat, das menschen leiden macht und eine ganze welt in schockzustand versetzt.

noch tagelang wird man den spuren des bösen folgen in den medien wird man sie verfolgenund irgendwann wird es aufhören, dann, wenn wir genau wissen, wie und was da alles vorging in dem bösen jungen mann, dann, wenn wir genau wissen, warum der mann das getan hat, warum er dieses unglück über die welt gebracht hat und das leid über die familien, die ihr liebstes verloren haben und über das wir nichts hören, dann wird es aufhören.

was wir jetzt hören, laut hören, sind die stimmen der politiker, die norwegen ihr beileid bekunden und wir hören in diesem land die stimme der bundeskanzlerin die am ende ihrer beileidsbekundung ausspricht: "der hass ist unser gemeinsamer feind."

ja, der hass ist unser gemeinsamer feind.

der hass ist der feind in uns selbst, den wir nach aussen projizieren, den wir mit jeder projektion weiter pflegen, den wir füttern, so lange bis er auf uns zurückschlägt. der hass, den auch der böse junge mann in sich trägt.

der hass ist unsere gemeinsamer feind, weil diese welt niemals lernen wird, dass der hass die liebe getötet hat, längst schon. machen wir weiter mit dem hassen und dem kampf gegen den hass, damit er weiter der urgrund des unglücks sein wird. irgendwo, irgendwann, jeden tag, jede minute in dieser welt, die nie begreifen wird, dass sie erntet, was sie säat.

(c) angelika wende

Angelika Wende

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06.07.2011 sie lebten wie gefangene im netz

Angelika Wende

Die zeit in der sie lebten hatte die dauer aus ihrem bewusstsein gestrichen. alles war flüchtig geworden. die dinge, die begegnungen, die beziehungen. ein neues jagte das alte, schon bevor das neue als selbstverständlichkeit eine chance hatte war es schon alt.

man gab sich keine mühe mehr dinge zu halten, zu behalten oder zu pflegen um sie zu erhalten, an beziehungen zu arbeiten, etwas aufzubauen was dauertüchtigkeit hatte.

achtung ließ man achtlos fallen. achtung war ein wort dessen bedeutung niemand mehr kannte. widersinnig, wie sie von nachhaltigkeit sprachen, wo sie nur noch als begrifflichkeit exisitierte. aber gerade in ihr lag die sehnsucht des modernen menschen, der spürte welchen verlust die permanente erneuerungsmaschinerie in sich trug.

der verlust vom bleiben, vom behalten dürfen, vom aufbauen auf dem alten, was gut war und wert hatte, auch das alter, das wert war geachtet zu werden. die alten hatten kein stimmrecht mehr, denn sie wurden ausrangiert, nicht gesehen als keim der wissen in sich trägt und es hätte weiter geben können, hätte man es gehört oder hören wollen.

aber das hören fiel ihnen schwer, denn die welt war laut geworden, so laut, dass sich alles laute vermischte zu einem zu lauten, das wahrnehmung taub machte für sich selbst und den anderen.

sie lebten wie gefangene im netz einer nie stillstehenden, sich überholenden kommunikationsmaschinerie, klebten wie fliegen an ihren handys, i-phones und i-pads, die sie verbanden mit dem, was sie real nicht mehr verbinden konnten. das leben lief online neben ihnen her und an ihnen vorbei.

sie waren der täuschung anheim gefallen, dies sei das leben und die gesichter blickten auf technische flächen, fixierten den blick auf apps und bunte bilder anstatt auf ein lebendiges gegenüber.

sie wunderten sich, dass sie immer einsamer wurden in sich selbst, wo sie doch ständig am sms schreiben, am e-mail versenden und posten waren, ihr leben auf internetseiten transparent machten, damit andere an ihnen verdienen konnten.

sie hielten die liebe hoch auf internetseiten und verbanden sich virtuell mit jenen, die diese sehnsucht mit ihnen teilten.

auf strassen sah man obdachlose, die ihre hände den vorrübergehenden entgegenhielten, ein almosen erbettelnd. im namen der liebe hätten es so viele almosen sein können, dass keiner hungern musste. aber die liebe war im word wide web eingesperrt.

sie hatte sich in ein wort verwandelt, das sie nicht mehr fühlen konnten, weil es inflationär benutzt wurde und sie glaubten in der tat, es immer wieder zu schreiben würde es zum leben erwecken.

die liebe aber wusste, dass sie gelebt werden musste und wurde flüchtig wie die zeit, so flüchtig, das sie bald niemand mehr greifen konnte ...

Angelika Wende

 

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27.06.2011 Und eigentlich soll Alles nur Jedem gefallen …

Carsten Reinhold Schulz

Es ist nichts Neues, daß Kunst in vordergründig schöngeistigem Habitus mit PR-Kampagnen verquirlt wird – solche Verbindungen waren, auf die eine oder andere Art, immer präsent. Es erschreckt jedoch, daß diese Auswüchse zur Regel zu werden drohen.

Niemand und schon gar kein Künstler darf sich heute darüber aufregen, dass Kunst auf immer durchsichtigere Art und Weise benutzt und bagatellisiert wird, will er nicht Gefahr laufen als Nestbeschmutzer zu gelten.

Solange es noch so aussieht als ob Kuratoren, Geldgeber und Künstler ihre kulturellen Behauptungen gemeinsam aufstellen, sind auch Besucher und Medien zufriedengestellt.

Was aussieht wie ein endlich durchgesetztes demokratisches Grundprinzip ist tatsächlich die Opferung diskutierbarer Inhalte zugunsten eines kulturellen Minimal-Konsens verschiedener Interessengruppen: man findet sich auf der Ebene öffentlicher Selbstdarstellung glückselig zusammen.

Sie bedeutet zugleich die gruselige Legitimation durch ein gemeinsam genutztes System ausschliesslich quantitativ ausgerichteter Wahrheiten.

Diese erzeugen in erster Linie den monetären Selbsterhalt im Vergleich zum qualitativ ausgerichteten subjektiven, künstlerischen Experiment, das jedoch in der Lage wäre gesellschaftliche Orientierung und Relevanz zu erzeugen.

Applaudiert wird daher mehr und mehr dem kleinsten gemeinsame Nenner.

Und eigentlich soll Alles nur Jedem gefallen …

Na, denn.

http://www.carstenreinholdschulz.de/kontakt.html

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23.06.2011 Rechte implizieren u.a. man hat Pflichten

Angelika Wende

Aus gegebenem Anlass habe ich mich heute früh mit Fragen des Rechts beschäftigt. Ja, wir leben in einem Rechtsstaat mit unendlich vielen Gesetzen, weil die zehn Gebote den Menschen bedauerlicherweise nicht ausreichen um sich anständig zu benehmen, brauchen wir die wohl.

Rechte implizieren u.a. man hat Pflichten, nämlich sich so zu verhalten, dass man diese Rechte nicht verletzt. Verletzt man staatliche fixierte Rechte wird man in die Pflicht genommen, wenn man erwischt wird. Wenn man dann zwecks eigener Verteidigung behauptet:

Oh, das habe ich nicht gewusst!, muss man schmerzhaft erfahren: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Die Rechtsfallen in unserem Deutschen Rechtstaat sind größer als wir wissen und die Gefahr hineinzustolpern groß.

Facebook zum Beispiel birgt eine solche Stolperfalle. Das unbeschwerte und beliebige Rumposten von allerlei Bildern, Fotos, Videos von sich selbst gemacht oder kreiert, ist absolut ungefährlich und auch das Hineinstellen eigener Gedanken und Texte nimmt einem keiner übel.

Wenn es aber darum geht Fotos, Texte, Beiträge, Links und anderes geistiges oder schöpferisches Eigentum anderer zu benutzen, ist das schlicht und einfach verboten. Dies, so scheint es, wissen aber nicht alle Facebooknutzer und daher kommt es, dass das Soziale Netzwerk mit seinen 400 Millionen Nutzern, prallvoll ist mit "geklauten geistigen Gütern."

Mir persönlich missfällt das schon von jeher und ich ärgere mich bisweilen gar sehr, wenn ich ein privates Foto von mir auf der Pinnwand eines anderen FB Nutzers erblicke, der das da hin gepostet hat ohne mich zu fragen.

Das ist weder respektvoll noch anständig und da hilft es mir gar nichts, das er das nur nett gemeint hat. Nett sein fängt da an, wo ich die Grenze des anderen achte und dazu gehört auch diese auszutarieren. Unseren Kindern bringen wir schließlich auch bei, dass sie fragen sollen, bevor sie sich etwas nehmen, oder?

Noch respektloser ist es, wenn Texte geklaut und als eigenes Gedankengut verkündet werden, was auch eine zunehmende Unart ist. Die ganz Schlauen, oder die sich dafür halten, verändern diese gar in Nuancen und heften sie sich die mühelos ergatterte Klugheit als selbst Gedachtes auf ihre Pinnwand.

Mit Verlaub, das ist höchst unschön und wenig kreativ noch dazu ist der Kopf doch eigens dafür da sich eigene Gedanken zu machen. Wer keine hat, hat eben auch nichts zu verkünden und das ist dann auch in Ordnung.

Nun, jedenfalls gibt es jetzt zunehmend Rechtsgelehrte, wie Anwälte, die es sich zur gewinnbringenden Aufgabe gemacht haben, gegen solche Verstöße gegen die unlautere und rechtlich nicht korrekte Nutzung des geistigen Gutes anderer, vorzugehen. Wissen aber auch nur wenige.

Wenn so ein geistiger Gut Dieb erwischt wird kann ihn das teuer zu stehen kommen.

In diesem Sinne ist es sinnvoll für das eigene Heil darauf zu achten, Urhebern die ihnen gebührende Achtung zu schenken, indem man ihr Gut nicht durch willkürliches Benutzen für eigene Zwecke verachtet.

Von verletzten Rechten mal abgesehen: Wer mag sich denn schon mit fremdem Lorbeer schmücken?

Angelika Wende

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01.05.2011 Die Sache mit der Zauberei gefällt mir

Angelika Wende

Alles Gelesene, von anderen über eine Sache verfasste, mit der man selbst sich befasst – beeinflusst unsere Sicht der Dinge.

Ein Empfinden den Worten oder dem Werk gegenüber stelllt sich ein und bisweilen ist es stimmig für das, was uns ausmacht, in dem Moment wo wir lesen. Worte berühren uns, wenn etwas in uns ihren Inhalt berührt.

Wie mich diese Worte berühren, jetzt in diesem Moment meiner Zeit, wo sie mir einfallen und ich weiß nicht einmal wer sie geschrieben hat, weil ich sie nur erinnere.

„Die Malerei ist die erstaunlichste Zauberin. Sie vermag uns mit den offenkundigen Unwahrheiten davon zu überzeugen, dass sie die reine Wahrheit ist.“

 

Und ich denke sie weiter die Worte, denke an die Malerei und die Wahrheit.

Die Malerei, als Medium auch um Unwahres wahr erscheinen zu lassen. Die Malerei, eine Zauberin, die mit den Dingen spielt, die Dinge erscheinen lässt, sie als etwas erscheinen lässt, was sie nicht sind, was sie aber auch sein können, eine Zauberin, die Scheinbares als Wahres erscheinen lässt und scheinbar Wahres als Scheinbares. 

Carl Gustaf Jung sagte einmal: „Es hängt alles davon ab, wie wir die Dinge sehen und nicht wie sie sind.“ Folge ich diesem Gedanken so sind wir alle der Illusion verfallen, denn es gibt keine allgemeingültige Realität.

Wir alle sind also Zauberer. Mehr oder weniger gute allerdings.

Die Sache mit der Zauberei gefällt mir.

Sie beinhaltet das Geschenk von Möglichkeiten. Das umso kostbarer wird, schafft der Mensch die Möglichkeiten aus sich selbst heraus. Dann ist er schöpferisch und wandelt diese Schöpferkraft in Kreativität, der Kunst entspringt.

Die Kunst, die ich liebe manifestiert sich in stillen Bildern, deren leisen Tönen ein Zauber inne wohnt, in dem das Stumme spricht. Inszeniertes stilles Leben, in dem sich Möglichkeiten von Wahrheiten im Wesen der Dinge verbergen und Schönheit.

Und in allem Schönen klingt die Tönung von Vergänglichkeit, auch das. Der melancholische Klang der Vergänglichkeit aller Schönheit, aller Dinge, allen Lebens erinnert mich an Chronos, die vergehende und immer zu einem Ende hineilende Zeit, die keine Ewigkeit kennt und deren Wesen unerbittlich ist.

Ich kann ihr nicht entfliehen, sie kennt nur den unermüdlich voraneilenden Zeiger der Uhr, der den Sinn der Sekunde darin bestehen lässt, von der ihr folgenden Sekunde abgelöst zu werden.

So schließt sich das Fenster, dessen, was war und das Noch - Nicht Sein ist bloße Illusion. Es ist immer die eigene Vergänglichkeit, die wir fühlen, der Gedanke an das Vergehen der Jahre, die Linen und Narben hinterlassen, im Gesicht und in der Seele.

Leise, für das feine Gehör erfassbar, flüstert es uns zu: auch du, irgendwann ...

Aber der Blick auf die Vergänglichkeit verliert sich manchmal für des Augenblicks Dauer. Der Gedanke, dass es nicht nur eine Zeit gibt, dass es verschiedene Zeiten geben kann, die zugleich existieren, drängt sich mir auf. Der Gedanke an Augenblicke, die sind wie die Ewigkeit.

Und ich spüre - in der Wahrnehmung des Augenblicks liegt auch die Erfahrung des Gelingens, die Augenblicksgewissheit von Vollendung. In diesem Moment scheint es durch, wird mir das Vollendete in seiner Erhabenheit bewusst.

Es ist dieser eine Moment in der Zeit, den die Kunst auf der Leinwand festhält, ein Augenblick mit dem der Künstler ein Zeichen setzt, mit dem es gelingt das vom menschlichen Bewusstsein abhängende Fließen der Zeit anzuhalten.

„Die denkenden Menschen sind notwendig Materialisten. Sie suchen die Wahrheit in der Materie, denn anderswo können sie sie nicht suchen, da sie einzig und allein die Materie sehen, hören, fühlen.

Sie können die Wahrheit nur dort suchen ... außerhalb der Materie gibt es keine Erfahrung, kein Wissen und folglich keine Wahrheit“, schreibt Anton Tschechow.

Ist das eine überwirkliche Chimäre, eine vorgegaukelte Illusion oder eine Wahrheit, die uns die Materie offenbart?, frage ich mich. Und weiß, es gibt keine eindeutige Antwort.

Es gibt Fragen und es gibt die Suche nach einer Beantwortung von Fragen. Und in jeder beantworteten Frage liegt immer auch die Möglichkeit einer anderen, einer weiteren Wahrheit – so liegt in jeder Frage und in jeder Antwort auch immer der Zweifel. Es ist wie mit der Zauberei – die immer den Aspekt des Zweifelns in sich trägt.

Aber, ist es die Aufgabe des Zauberers uns Gewissheit zu geben?

Ist es die Aufgabe der Kunst uns Wahrheiten zu schenken, die das Leben uns nicht schenkt?

Kunst konfrontiert uns mit der Unsicherheit einer Welt, in der wir beständig nach dem Ideal von Sicherheit und Wahrheit streben, wohl wissend, dass es diese nicht geben kann, dass dies lediglich eine Vorstellung ist, ein Wünschen, um der Absurdität des Seins Sinn zu verleihen.

Zugleich zeigt sie uns einen Ausschnitt von Welt, der niemals eindeutig ist. In der Kunst entfaltet sich ein Mikrokosmos, erschaffen nach ästhetischen Gesichtspunkten – ein Mikrokosmos, dessen Existenz und Einzigartigkeit ich liebe, dem ich mit Neugier, Staunen und Demut begegne.

Nein das ist kein Wirklichkeitsabklatsch, sondern vielmehr eine rätselhaft magische Lebendatmosphäre. Das ist Schönheit. Malerische Zauberei, die mir zuflüstert: Alles was dir in Zeit und Raum entgegentritt ist nicht mehr und nicht weniger als ein Bild von Welt, das allein in deiner Realität entsteht und unendliche Möglichkeiten in sich birgt.

Und dann weiß ich, auch ich kann zaubern ...

Angelika Wende

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13.04.2011 Der Naika-Foroutan-Typus

Martin Lichtmesz

Der Anti-Sarrazin- und Anti-Integrations-Sammelband „Manifest der Vielen“ wurde am Donnerstag im Berliner Maxim-Gorki-Theater vorgestellt. 

Es gab Autorenlesungen, ein Rap-Video, in dem Sätze aus dem „Manifest“ zu einem unglaublich schlechten Song verknödeldeutscht wurden, und ein Live-Interview mit Naika Foroutan, der Lichtgestalt der Sarrazin-Hasser, die lustigerweise als Koryphäe nüchtern-emotionsloser Wissenschaftlichkeit präsentiert wurde. Gleich zu Beginn der Vorstellung hatte auch die Sezession einen etwas skurrilen Gastauftritt.

Die Süddeutsche Zeitung

Die Polizei bleibt auch bis zum Ende, um die Besucher und Gäste des Gorki-Theaters zu schützen. Wolfgang Farkas vom Blumenbar-Verlag bekommt Hassmails, seit auf der Internetseite des Verlags für das neue Buch geworben wird. Das hat ihn erschrocken. In rechten Online-Postillen kann man jetzt lesen, dass jeder Beitrag in dem Buch wie eine Patrone sei, mit der eine Waffe geladen würde. „Da habe ich schon ein bisschen Angst bekommen“, gibt Farkas zu. Es waren dann die vielen Autoren, die ihm die Angst genommen haben. „Da brauchst du keine Angst haben“, sagten sie, „da gewöhnst du dich dran.“

Das bezog sich offenbar auf meine ausführliche Rezension des Buches, in der ich abschließend schrieb:

Ich glaube, daß die Kulturkämpfer, die „Deutschland neu erfinden wollen“, möglichst zu ihrem Vorteil und möglichst ohne Mitspracherecht der quantité negligable der Autochthonen, deren Widerstand und deren Identität sie diffamieren, während das Land dank seiner zunehmenden „Pluralität“ schon an allen Ecken und Enden zu brennen und auseinanderzufallen beginnt, – daß diese Kulturkämpfer keine Vorstellung davon haben, was sie mit ihrer Egozentrik, Anmaßung und Arroganz für einen Haß auslösen.

Ein Freund gab mir das „Manifest der Vielen“ mit der Bemerkung, daß dieses Buch in ihm Angst und Beklommenheit hervorgerufen hätte. Es zeige gerade dort, wo es sich „kritisch“ und „zukunftsträchtig“ gäbe, wo es Deutschlands „Abschaffung“ bejuble und umdeute, wie heillos, hoffnungslos verfahren die Lage sei. Mehr noch: eine hilflose Wut stieg in ihm auf über die Unverschämtheit, Unredlichkeit, Heuchelei, Respektlosigkeit und tiefe Verlogenheit, die daraus spreche. Nach der Lektüre fühlte er sich unter Spannung wie eine geladene Waffe. Mit jedem Beitrag, den er las, war es ihm, als würde mit einem leisen Klicken eine weitere Patrone ins Magazin gedrückt.

Wie man aus dem Zusammenhang ersehen kann, handelte es sich bei dieser zugespitzten Formulierung um die Momentaufnahme einer aufgestauten Emotion und nicht um eine „Drohung“. Ich habe lange gezögert, ob ich sie in ihrer Schärfe wiedergeben soll, ahnend, daß sie sowohl Aufmerksamkeit sichern, als auch Mißverständnisse provozieren wird.

Die Ohren werden sich spitzen, aber werden sie auch hören? („Zuhören geht immer“, heißt es in einem Beitrag des Buches.) Den Ausschlag gaben schließlich die letzten Sätze des Aufsatzes von Naika Foroutan.

Sie schreibt, die derzeitige Krise des „pluralen Deutschland“ erzeuge „Reaktionsmechanismen von Rückzug, Abschottung, Apathie, Agression bis Angst und Widerstand.“ Hier läßt sie noch offen, ob sie autochthone oder „migrantische“ Deutsche beschreibt, oder alle beide.  In den nächsten Sätzen scheint sie sich allerdings selbst deutlich zu positionieren:

Trotz, Wut, Fassungslosigkeit und eine klare Erkenntnis – wir gehen nicht weg von hier. Das hier ist auch unsere Heimat.

Das sind in der Tat Gefühle, die in diesen letzten Monaten viele Deutsche beschlichen haben, seit sie eine „klare Erkenntnis“ über diese von niemandem bestrittenen Zahlen und Fakten gewonnen haben:

Zu verlangen, daß die Deutschen angesichts dieser Lage keine Beklemmung und Angst (Foroutan spricht von „Ressentiments“) empfinden sollen, ist schon viel. Noch viel mehr ist es, von ihnen abzuverlangen, dieser Zukunft auch noch freudig entspannt und widerstandslos, oder gar mit Begeisterung entgegenzublicken. 

Das zukünftige „plurale Deutschland“, das Foroutan offenbar als unausweichlich ansieht, meint nichts anderes als einen Vielvölkerstaat, ein Mega-Jugoslawien, in dem die Deutschen teils mit anderen vermischt, teils zu einer Ethnie unter anderen geschrumpft sind.

Es wäre indessen naiv zu glauben, daß alles, was heute von den Migranten an Deutschland noch geschätzt wird, insbesondere die so beliebten deutschen Sozialsysteme, dann so weiter funktionieren werde und könne wie bisher.

Foroutan drückt sich dabei beharrlich um die Basis von Sarrazins Argumentation herum, die viel entscheidender ist als der richtige Prozentsatz an Kopftuchträgerinnen und türkischen Abiturabschlüssen: nämlich die Gretchenfrage, ob denn überhaupt noch ein territoriales und kulturelles Vorrecht der authochtonen Bevölkerung gegenüber den Eingewanderten Gültigkeit haben soll. 

Dabei steht sie nur knapp davor, offen auszusprechen was in ihren Texten implizit angelegt ist – daß uns dieses Recht nicht mehr zustehen soll, daß das Beharren darauf „rassistisch“ sei.

Der Begriff („Heymat“, so der anheymelnde Name ihres von der Humboldt-Uni aus betriebenen Kulturkampfprojektes) entstand in Abgrenzung zum Begriff der alteingesessenen Deutschen, die für sich Etabliertenvorrechte reklamieren. Er soll verdeutlichen, dass Deutschland und Deutsch-Sein sich wandeln, und die ehedem ethnischen Zuschreibungskriterien für Deutsch nicht die reale Bevölkerungsstruktur und Zusammensetzung des Landes wiederspiegeln, sondern auf essenzialisierenden Konstrukten von Kultur, Nation und Ethnie beruhen.

Foroutan, die nicht von ungefähr von ihrer Szene zum zentralen „Anti-Sarrazin“ erkoren wurde, spricht mit einem Selbstbewußtsein, als hätte sie den Wind des Weltgeistes selbst im Rücken. 

Wer kann ihr das verdenken? Die demographische Tendenz muß den türkisch-arabisch-muslimischen Migranten kein Kopfzerbrechen bereiten, denn sie verspricht ihnen bloß Vorteile, Raumgewinn und Machtzuwachs.

Sie können es sich leisten, mit den Schultern zu zucken und „Na und?“ zu sagen, wenn statistische Hochrechnungen ihnen versichern, daß „Deutschland“ unsereinen inklusive Sarrazin langsam, aber sicher abschafft. Es ist alles eine Frage der Zeit!

Man kann über diese Dinge kaum Klartext reden, weil die Methode Foroutan mit einer gesellschaftlich gesponserten Kautschukmauer aus liberalen double-binds arbeitet. Es soll vertuscht werden, daß sich heute in Deutschland deutlich unterscheidbare ethnische Gruppen mit unterschiedlichen Loyalitäten und Identifikationen gegenüber stehen und zunehmend in ihren Interessen kollidieren.

Der Phantasie, die nötig ist, um sich um diesen heißen Brei herumzureden, sind dabei keine Grenzen gesetzt. Das führt nicht selten zu Verlegenheitsstilblüten wie etwa in Foroutans Klage, daß heute aus „postmodernen neuen Deutschen wieder Ausländer“ gemacht würden.

Aus ein- und derselben Ecke wird einerseits das Oxymoron einer „gemeinsamen Identität, die sich nicht über Herkunft definiert oder Religion oder Kultur“ (Foroutan) als Modell für Deutschland propagiert, andererseits ein manifester Kulturkampf in eigener Sache betrieben.

Schon allein der Titel „Manifest der Vielen“ ist Augenauswischerei und Wortklingelei. Der Großteil der Texte ist durchaus und sehr einfach auf einen politischen Nenner zu bringen – ganz im Gegensatz zur Meinung eines Autoren des Tagesspiegels.  Und das ist unterm Strich nicht die „grundgesetzlich verbürgte Freiheit des Einzelnen“, die nur als argumentative Brausetablette dient, um der eigenen Gruppe Raum und Geltung zu bahnen.

Für Außenstehende der migrantischen „community“ springt nämlich eher und mit aller Deutlichkeit ins Auge, was die teilnehmenden Autoren gemeinsam haben, als was sie trennt. 

Es wäre Unfug zu leugnen, daß sie sich ganz offensichtlich aufgrund ihrer gemeinsamen oder zumindest sehr ähnlichen Herkunft, Religion und Kultur miteinander solidarisieren, und nicht etwa, weil sie „vielfältige“ Individuen und sonst nichts wären. (Geradezu lächerlich absurd und verlogen ist die Behauptung, hier formiere sich ein von außen aufgezwungenes „Wir“.)

Diese Entwicklung bestätigt auf ein Neues, was ich schon vor Monaten in dem Sezession-Sonderheft Sarrazin lesen“ vermutet habe:

Selbst ein assimilierter und aufgeklärter „Deutschländer“-Türke wird gegenüber den Kopftuchmädchen, Islampredigern und Straßengangjungs gewisse familiäre Gefühle hegen, die er den angestammten Deutschen nicht entgegen bringen kann.

Das gilt wohl in der Regel auch, wenn er etwa der Meinung ist, die Kopftücher sollten lieber verschwinden, die Islamprediger sich mäßigen, die Straßengangjungs gefälligst in die Schule gehen und anständiges Deutsch lernen.

Nach dem Motto: Hier mögen große und drängende Probleme und Mißstände liegen, – aber es sind immer noch „unsere Leute“. Das ist nun absolut verständlich. Angela Merkel hatte recht, daß Sarrazins Buch „verletzend auf Menschen in Deutschland“ wirke.

Und auch die Schlagzeilen der Bild-Zeitung, die für Sarrazin nach Aufmerksamkeit heischten, haben die einen erleichtert, die anderen amüsiert, wieder andere aber geradezu beleidigt. Die Emotionen aber sind es, die den Ausschlag geben.

Wir erleben, wie eine große Zahl der jungen migrantischen Intellektuellen fast schon instinktiv Partei für die eigene ethnisch-kulturelle Gruppe ergreift und dabei durchaus pauschal in Schutz nimmt.

Ich bin mir sicher, daß kaum einer von ihnen Sarrazins Buch wirklich ernsthaft studiert hat – die meisten werden sich mit den von der Presse kolportierten Schlagern begnügt haben, die wohl ausreichend waren, um bei ihnen die Gitter hochfahren zu lassen.

Gleichzeitig werden Leute wie Necla Kelek zunehmend mit jener spezifischen Verachtung bedacht, die man sonst für Verräter, Kollaborateure und Überläufer reserviert.

Wo sind nun die „vielen“ Stimmen der Deutschen, wo ihre Emotionen, ihre Erzählungen, wo ihre Bekenntnisse und Geschichten und Manifeste? Jene Deutschen, denen man systematisch ausgetrieben hat, „Wir“ und „Unser“ sagen zu dürfen? Also sprechen wir zur Abwechslung ein bißchen von uns selbst, aber erstmal nur indirekt.

Die Migranten haben leicht reden, wenn sie sich aus der Perspektive ihrer eigenen subjektiven Herkunftsgeschichte heraus über uns „Biodeutsche“ lustig machen oder daran Zweifel anmelden, „ob man so klar sagen könnte, wer deutsch ist und wer nicht“ ( so die iranischstämmige Schauspielerin Pegah Ferydoni).

Sie haben leicht reden, wenn sie von uns, die wir nicht wie sie als kulturelle Hybride aufgewachsen sind, abverlangen, mit ihnen „zusammen“ eine „gemeinsame“ Identität zu definieren.

Denn das bedeutete nichts anderes, als daß wir unsere eigene Identität nun auch spalten und zum Teil preisgeben sollen, ohne daß uns daraus die geringsten Vorteile erwüchsen.

Sie haben leicht reden, wenn sie Sprüche klopfen wie „man muß neugierig sein, damit das Fremde eine Chance bekommt“ (Ali Kizilkaya), und mit dem „Fremden“ bequemerweise sich selbst meinen, auf das wir anderen „neugierig“ sein sollen (und „müssen“?).

Sie haben leicht reden, wenn sie uns „Rassismus“ vorwerfen, von dem sie selbst sich frei wähnen, und wenn sie aus der Froschperspektive ihrer „community“ heraus uns lediglich als eine gesichtslose „Mehrheitsgesellschaft“ aus „Rassisten“ betrachten können, deren alltägliche negative Erfahrungen und Ängste sie nicht zu respektieren gewillt sind.

All das sind Dinge, die tagtäglich das Pulverfaß ein bißchen mehr stopfen, und ich gebe Naika Foroutan und Konsorten eine erhebliche Mitschuld daran, auch wenn sie vermutlich ebenfalls in aller subjektiven Unschuld jenen ideologischen Verblendungen unterliegen, die sie mit dem prä-sarrazinischen politischen und medialen Mainstream teilen.

Zum Schluß: daß es soweit kommen konnte, ist nicht die Schuld der Migranten, sondern die logische Quittung für eine jahrzehntelange inkonsequente und schwache Integrations- und Selbstbehauptungspolitik der Deutschen.

Sie haben selbst ihre eigene Mitte preisgegeben, und dürfen sich nun nicht wundern, wenn andere in das Vakuum ihrer Selbstabschaffung und Selbstnegierung eindringen.

Man kann es keinem Migranten verdenken, wenn er heute die Forderung nach „Integration“ gelangweilt bis gereizt zurückweist, weil er diese, völlig zu Recht, als „Phrase ohne tieferen Sinn“ betrachtet.

Artikel aus Sezession im Netz - www.sezession.de

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16.03.2011 Kontrollverlust in japan - heute da - morgen hier?

Silke Trommler

Japan geht uns allen etwas an. Es reicht nicht aus, zu denken, Japan ist weit weg. Alles was irgendwo auf der Welt passiert, kommt auf uns alle zurück. Diese Naturkatastrophe zeigt deutlich, das Menschen nur die Vergangenheit berechnen können.

Alles was im Hinblick auf zukünftige Ereignisse errechnet wird, sind Wahrscheinlichkeiten, die in den Grenzen des menschlichen Gehirns erfassbar sind. Alles, was das jetzt überschreitet, sind Dimensionen und Dynamiken, die wir Menschen nicht berechnen können.

So ist es wichtig, als erstes mit dem Sinn daran zu denken ob das, was der Mensch errichtet, dem Menschen schaden bringen könnte. Und auch wenn, das positive reizt und der Effekt, der den Menschen einen finanziellen Gewinn verspricht, noch so gross sein mag, rechtfertigt das nicht, in der Dimension des unberechenbaren, das die Natur gefährdet, in der der Mensch ein vorübergehender Gast ist zu schaden.

Auf dieser Welt gibt es Ereignisse, die das tatsächliche Ausmass einer Reaktion der Natur nicht mehr auszugleichen vermag. So kann ich nur sagen, Mensch, wach auf. Öffne deine Sinne und damit deine Wahrnehmung vor deiner Sterblichkeit und Verwundbarkeit.

Kein Geld dieser Welt vermag das Ausmass wieder rückgängig zu machen. Die Leidtragenden sind wir alle zusammen. Jeder einzelne betrifft die Entscheidung die durch Gesetze getroffen werden.

Nur der Mensch, der mit dem Herzen denkt und zugunsten etwas grösseres, als wir es überhaupt erfassen können, seine Gier zurück stecken kann, wird zum Wohle der Menschen handeln.

Nuklearkatastrophe von Fukushima: Wer darauf bedacht ist, durch Habgier und Machtansprüche dem Mensch und der Natur bewusst und auch nur eine Spur des unbewussten zu schaden, wird Mensch und Natur gefahren aussetzen, die wir alle nicht wieder zum Guten führen können.

Mensch, habe Achtsamkeit und Liebe zu allem was lebt. Erst dann, wird der Mensch ein Wesen werden, dass die Erde seinen Nachkommen mit ruhigem Gewissen übergeben kann. Mensch lass Vorsicht walten und wecke die Liebe zum Mensch und zur Natur in dir.

Mensch, vergiss niemals, das du ein Wesen bist, das mit seinem Wissen positives und negatives nähren kann. Mensch, wache auf und unterscheide und lausche, tief in dein innerstes Wesen hinein ob das, was du vorhast, dem Mensch und der Natur schaden könnte und dann Mensch, erhöhe dich selbst und werde ein Weiser.

Lass es zu, dass du das, was du im Augenblick deiner wundervollen Ideen, verwerfen kannst, so lange es auch nur eine Spur der Gefahr enthält, die du nicht tragen kannst. Es reicht nicht aus, zu sagen, ich übernehme die Verantwortung für alle anderen Menschen und entscheide, das was mich am weitesten bringen mag.

Mensch stelle dich nur einen Augenblick zurück und lass die Kraft der Natur auf dich wirken und erkenne, dass du dir kein Denkmal setzt, so lange du dich und andere Menschen und die Natur in Gefahr bringst.

Ich bete für die Menschheit, dass ein Wunder geschehen mag, dass dieses Ausmass dieser Katastrophe begrenzen mag. Ich bete auf ein Wunder, dass der Mensch diese Gefahr erkennt und alles, was im möglich ist, neu bedenken wird, so dass die Menschen sich zusammen schliessen und versuchen diese Gefahren abzubauen.

Mensch, wie viele Jahre noch, willst du das Tier in dir nähren und nicht Mensch werden? Mensch, wach auf, du bist kein Tier. Mensch, wach auf. Du bist ein intelligentes Wesen, das weiss, dass kein Geld dieser Welt, diese Schäden auch nur eine Sekunde lang rechtfertigen mag.

Ich bete für die Menschen in Japan und die Menschen der anderen Länder, Inseln und Kontinenten die von dieser Katastrophe betroffen sind. Letztendlich sind wir alle davon betroffen, weil der Wind trägt alles weiter.

Mit dem Niederschlag des Regens, kommt alles auf uns nieder. Alles, was im Meer schwimmt und alles was essbar ist, wird zerstört. Mensch, habe Achtsamkeit vor den Dimensionen, die du nicht erkennen kannst.

Silke Trommler

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07.03.2011 zum Teil hofiert, zum Teil gefürchtet

Carsten Reinhold Schulz

Kunst besprechen und kritisieren: das gehört selbstverständlich auch zum Alltag eher regional orientierter Gazetten wie der Westdeutschen Zeitung. Zu wenig untersucht wird die Bedeutung einzelner journalistischer Köpfe innerhalb der Feuilletons, bzw. der Kulturseiten als gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Machtfaktor.

Die angesprochenen  Kulturjournalisten werden von Künstlern und Galerien zum Teil hofiert, zum Teil gefürchtet, fände man doch als kulturelle Leistung nur unzureichend statt, hätte man nicht ab und an eine Besprechung in Form eines redaktionellen Artikels (zumal, wenn man kein Blogger ist ...).

Da halten viele, trotz mancher Ungerechtigkeit, lieber den Mund, um sich den nächsten Pressebesuch nicht zu verscherzen. An welchen künstlerischen Vorstellungen und journalistischen Werten orientieren sich jedoch derzeit diese Journalisten? Aus welchen Quellen fliessen zusätzliche Honorare?

Nach welchen Kriterien filtern Kultur-Journalisten Kunstinformationen für die Leser heraus? Welches gesellschaftliche Bild erzeugen sie damit?

Um das genauer zu beleuchten, möchte ich ein konkretes, ein nachprüfbares Beispiel geben und Namen nennen, um zu zeigen, wie Mitarbeiter von Zeitungen Entwicklungen steuern, verschieben oder gar unterbinden können, im besten Fall ohne darüber nachzudenken.

Die Fakten: ein in deutsch-weissrussischer Kooperation gänzlich neu entwickeltes Galerieprojekt in Düsseldorf Flingern, wird von einer Journalistin der WZ, Frau Helga Meister, besucht – sie sagt, sie möchte etwas über die Künstler und die Idee der Galerie schreiben. Alle Fragen werden der Journalistin detailliert beantwortet.

Aus diesem Interview entsteht ein Artikel, der zum größten Teil das genaue Gegenteil der Festgestellten berichtet und die Galerie-Idee nicht nur vollständig unterschlägt, sondern sie regelrecht untergräbt.

Ein Artikel, der in Teilen bis heute im Internet erscheint und sich für diese Galerie lange imagezerstörend ausgewirkt hat.

Frau Meister, die sich mit den Sternchen der regionalen Szene immer wieder gern selbst fotografisch in Szene setzt, berichtete in ihrer Arbeit ohne jeden Skrupel davon, das die Galerie nur Künstler des Stadtteils zeigt, alle Macher aus Flingern stammen und das selbst die Galeristin im Haus wohnen würde.

Was scheinbar harmlos klingt ist nicht nur falsch, es ist zudem für den beginnenden Ruf einer international ausgerichteten Kunstvermittlung eine weltweit abrufbare, fatale Fehlinformation.

Die so in der Zeitung und später im Web angezeigte, angeblich regionale Ausrichtung der Galerie, die offizielles Mitglied des BVDG und der profilierten Düsseldorfer Galeriengemeinschaft „parallel“ ist, verfügte jedoch von Beginn an über ein breit gefächertes Angebot von Künstlern verschiedener programmatischer Ansätze und Nationalitäten aus ganz Deutschland und tatsächlich zur Hälfte aus Osteuropa.

Das Ziel, der auf privater Initiative entstandenen, mit hohem persönlichem und finanziellem Einsatz gestalteten Idee, osteuropäische Kunst und Kultur, gerade aus dem weitgehend unbekannten Weissrussland hinter dem Vorhang des Politischen und Unsichtbaren hervor zu holen und in Düsseldorf öffentlich diskutieren zu lassen, wurde von der Kulturredaktion der WZ und Frau Meister mit einer Leichtfertigkeit verspielt, die im schlimmsten Fall den Verdacht der Korruption oder der Absprache innerhalb des Systems der Galerien und des Kulturjournalismus in Düsseldorf nahelegen könnte.

Das nach diesem Artikel verhängte Hausverbot von Frau Meister hatte zum Resultat, dass für eine gewisse Zeit in keiner wichtigen Zeitung der Region mehr Reaktionen oder Artikel über die Galerie erschienen.

Noch nicht einmal zum Anlass der erneuten, auch kunsthistorisch gesehen, nicht unbedeutenden Ausstellung mit Deutschlands erster Aktionskünstlerin Chris Reinecke in Düsseldorf, der Mitbegründerin der legendären LIDL Gruppe.

Diese Künstlergruppe hat Reinecke in Kunstkreisen und ihren Ehemann Jörg Immendorf in der Welt berühmt gemacht (noch etwas, das man hinterfragen müsste).

Wäre dies ein journalistischer Einzelfall, so würde man vielleicht resigniert mit den Achseln zucken, jedoch liegen diesem Blog Informationen vor, das auch in einem anderen Fall Frau Meister für die WZ erstelltes Bildmaterial zur Verfolgung eher persönlicher oder vielleicht politischer Ziele benutzte.

Ein Foto, das von ihr auf einer Kunstausstellung gemacht wurde, taucht im Zuge eines sozio-politischen Tauziehens um alte Fabrikgebäude später in eben diesen Zusammenhängen wieder auf.

Auf diesem Fotos abgebildet auch Menschen, die mit den Zielen des Artikels überhaupt nicht konform gehen. Hier hätte zumindest eine einfache Recherche gut getan.

Übrigens: mehrfache Versuche Gegendarstellungen der offensichtlichen Unwahrheiten in der WZ zu erhalten, wurden mit der Androhung von sehr teuren und langwierigen Gerichtsverfahren durch den damaligen Vorgesetzten von Frau Meister in mehrstündigen persönlichen Gesprächen mit der Galerieleitung unterdrückt.

Dieser Blog plädiert hiermit nachdrücklich für einen Journalismus der Kritik, aber gegen journalistische Fahrlässigkeit und eklatanten Machtmissbrauch.

Die Frage, ob Blogs den seriösen Journalismus beschädigen, darf somit gerne auch ganz anders gestellt werden.

Helga Meister, Kulturjornalismus und Machtmissbrauch II - das beschriebene Prinzip veröffentlichter Fehlinformation in der WZ durch Helga Meister

Der letzte Blogbeitrag zum Thema des persönlich instrumentalisierten Kulturjournalismus, betitelt „Helga Meister, Kultur und Korruption?“, hat zu etlichen positiven Reaktionen geführt.

Nicht nur Künstler und sonst verhaltene Galeristen haben diesem Blog von weiteren Fällen des journalistischen Missbrauchs berichtet und (zumindest stille ...) Solidarität erklärt, ich erhielt auch einen Artikelvergleich, der das beschriebene Prinzip veröffentlichter Fehlinformation in der WZ durch Frau Helga Meister im kulturellen Bereich in weitere fatale Dimension trägt.

Diesen Vergleich möchte ich den Lesern des Blogs nicht vorenthalten, bestätigt er präzise geschilderten Verdacht und Methode. Dass Frau Helga Meister selbst kuratorisch tätig ist und sein möchte, könnte ein Indiz sein für die Steuerungsabsichten und persönlichen Interessen hinter den scheinbar schlecht recherchierten Kulturbeiträgen, bei der sie möglicherweise die Westdeutsche Zeitung für ihre Zwecke nutzen darf.

Der gut recherchierte und seriös formulierte Artikel aus der NRZ (WAZ Gruppe) von Frau Julia Killet vom 7. September 2010 beschreibt Geschichte, Veränderungen und die kulturellen Verdienste des mitgliederstarken und innovativen Kunstvereins WP8 in Düsseldorf.

Im Artikel-Vergleich dazu sieht man erneut die fehlerhaft recherchierte, mangelhaft ausgeführte Berichterstattung der WZ Kulturedaktion durch die bereits erwähnte Autorin Meister, vom 26.8. 2010.

Das mehrfache, vollkommen überflüssige Namedropping Andreas Gurskys als Gründer und Retter des Kunstvereins WP8 verdeutlicht die bereits peinlich zu nennende, simpel gestrickte Rechnung Meisters, die im gesamten Artikel die Rolle und die Lage des Kunstvereins nicht nur nicht erkennt, sondern ihn verfälscht und destabilisiert.

Von der beschriebenen ästhetischen Tarnung der Räume gegen Obdachlose und Drogenabhängige lässt sich wohl eher auf  beinahe rassistische Vorurteile der Autorin schliessen, als auf das offene künstlerische Klima im Kunstverein.


Ein Tabu unserer Gesellschaft bleibt die Situation von Kultur und ihren Strukturen, die zum Teil von einem freien, verantwortlichen Umgang mit menschlicher Kreativität wegführen.

Die Presselandschaft braucht mehr kritische Journalisten mit einer echten Haltung und mehr sozialer Kompetenz. Meinen Dank an Frau Killet die mutig genug war, genau das aufzuzeigen. Beide erwähnten Artikel sind mit dem unten stehenden Link nach zu lesen.

Carsten Reinhold Schulz

 

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21.02.2011 Reden ist Silber, schreiben ist Gold

Angelika Wende

Um mein Brot zu verdienen, spreche und schreibe ich unter anderem über die Kunst, die Bildende, um es genau zu sagen, weil sie mir die Liebste aller Künste ist. Ich verfasse und halte Laudatien, schreibe Texte für Künstlerkataloge und Rezensionen über Kunstausstellungen.

Das heißt auch: Ich darf Kunst „kritisieren“. Das Wort gefällt mir aber gar nicht, ich sage lieber „besprechen“ oder „rezensieren“, das hört sich für mich stimmiger an, zudem bin ich der Auffassung, dass Kunst und Kritik keine gute Allianz abgeben.

Kunstkritik ist ein schwieriges Unterfangen, weil jeder ein Kunstwerk anders betrachtet, empfindet und bewertet. 

Was dem einen ein visueller Genuss ist, ist dem anderen ein schmerzhafter Dorn im Auge. Man kann weggucken, wenn’s nicht gefällt. Das erlaubt die Kunst, ohne beleidigt zu sein. Apropos beleidigt:

Auf dem Portal der Gesellschaft der Freunde der Künste, das ich täglich und gern verfolge, fand ich neulich einen ziemlich beleidigten und zugleich beleidigenden Artikel über das Thema „Kunstkritiker“ und was die alles anrichten können.

Der Tenor des Verfassers war in der Tat sehr beleidigt, es wurde sogar der Name einer Rezensentin genannt, sozusagen als Paradebeispiel für böse „Kritiker“, die Kunst, Künstler und Galerien, durchdrungen von egostischen Motiven oder übler Tageslaune, so richtig schön und mit Genuss niedermachen.

Eine wahrhaft niederträchtige Spezies, die sich, glaubt man dem Verfasser des Artikels, auf Vernissagen herumschleicht, des Gastgebers Prosecco und Häppchen goutiert, sich hofieren und beschleimen lässt, damit sie ja was Gutes schreibt, und dann das journalistische Machtwort ausspuckt um die ganze schöne Kunst mit giftigem Schleim voll zu kotzen.

Ja, der Mensch ist des Menschen Wolf und diese Rezensentenspezies gibt es, aber gleich die ganze Kritikerzunft in die Gitfbrühe zu tauchen? Muss das sein?

Ja doch, über Kunst lässt sich streiten, wie über alles andere im Leben auch, es macht nur keinen Sinn.

Weil der Mensch aber zum Sinnlosen ebenso neigt wie zur Sinnsuche, haben eben auch vernichtende Kritiken eine Existenzberechtigung. Zudem leben wir in einem Land, das die Meinungsfreiheit im Grundgesetz verankert hat.

Übrigens, das kann sich ändern, hatten wir auch schon mal, aber egal, jetzt ist das so und basta. Und weil das so ist, darf jeder der schreibt, schreiben was er will, vorausgesetzt er kann schreiben.

Ob einer schreiben kann oder nicht lässt sich, nebenbei bemerkt, besser beurteilen, als ob einer gute Kunst macht oder nicht, denn die Bewertung von Bildender Kunst ist mehr als vieles andere, abhängig vom Auge des Betrachters, das liegt nun mal in ihrer Natur als visuelle Erscheinungsform.

Nun scheint diese Erkenntnis, die schon Kant postulierte - nämlich, dass, ich will mich kurz fassen - die Welt, die wir sehen, niemals Welt ist, wie sie an sich ist - noch nicht zu allen vorgedrungen zu sein. Schade eigentlich, sonst könnte ich mir das hier sparen.

Sie glauben mir nicht? Gut, dann weiter! Auch der alte Schopenhauer, übrigens auch so ein beleidigter Zeitgenosse, aber dafür sehr klug, ließ sich seitenweise über die Fragwürdigkeit einer allgemeingültigen Wirklichkeit aus und erkannte, dass wir das „Ding an sich“ nie erkennen können.

Noch eins drauf setzte Paul Watzlawick mit dem Konstruktivismus. Ich zitiere: „Der Glaube, es gäbe nur eine Wirklichkeit ist die gefährlichste aller Selbsttäuschungen.

Es gibt sie nicht, diese eine Wirklichkeit, es gibt vielmehr zahllose Wirklichkeiten, die sehr widersprüchlich sein können, die alle das Ergebnis von Kommunikation und nicht der Widerschein ewiger objektiver Wahrheiten sind“.

Watzlawick kommt zu dem Schluss, dass der Glaube, dass die eigene Sicht der Wirklichkeit die Wirklichkeit schlechthin bedeute eine gefährliche Wahnidee sei, eine Anmaßung, ja gar die „think crime“ der menschlichen Existenz. Finde ich übrigens auch.

Aber was, wenn die Dinge nicht sind, was sie sind, es niemals sein können, wenn es dieses objektiv Seiende nicht gibt, wenn das Seiende eine nichtfassbare Größe ist, wenn jedes Ding nur der Widerschein dessen ist, was sich in uns spiegelt und wir uns wiederum in ihm?

Dann gibt es nur subjektive Annahmen und keine Wirklichkeit. Dann gibt es kein Richtig und kein Falsch, sondern nur Ansichten.

Und genau darauf will ich hinaus: Kunst ist Ansichtssache, Geschmacksache, Gefühlsache. Sie geht über die Sinne in uns hinein und jeder rezipiert sie individuell.

Nun behauptet der beleidigte, beleidigende Verfasser weiter: Kunstkritik ist Macht.

Wenn jemand der Meinung ist, dass Kunstkritik ein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Machfaktor ist, dann ist das seine Wahrheit und damit hat er erst mal Recht, zumal es ja im ganzen Leben in jedem Beziehungskonstrukt, ob individuell oder kollektiv, immer auch um Macht geht.

Die Behauptung jedoch, dass „eher regional orientierten Gazetten“, zu wenig untersuchen, wem sie die Macht des Kunstkritisierens übergeben, ist doch eher fragwürdig.Hallo, woher will man denn wissen ,ob einer nun von Kunst Ahnung hat oder nicht?

Ein Studium der Kunsthistorik impliziert noch lange nicht, dass einer die Weisheit über Kunst gefressen hat, da gibt es einfach keine.

Und was ist denn gute Kunst und was ist schlechte Kunst? Manche sagen so, manche so und die Ranking-Listen sind doch als Qualitätsmerkmal nicht wirklich ernst zu nehmen, wissen wir doch längst, dass Kunst heutzutage eine Marketingsache ist. und ganz viel mit dem schnöden Mammon zu tun hat.

Da liegt die Macht, nicht in den Händen des Schreiberlings der regionalen Gazette und wenn da einer latent Bestechung unterstellt, dreist nach dem Motto: Aus welchen Quellen fließen zusätzliche Honorare?

Also das wüsste ich auch gern! Mir jedenfalls ist noch kein Kunstmafioso begegnet, der mir ein paar Euro extra gibt, damit ich eine Galerie oder einen Künstler nieder mache. Wieso eigentlich nicht? Ich sage es Ihnen, weil nichts älter und nichts schneller vergessen ist, als die Zeitung und der Interneteintrag von gestern. Die Investition lohnt sich schlicht und einfach nicht.

Ach, fast hätte ich es vergessen zu erwähnen: Eine vernichtende Kunstkritik zerstört nicht das Image einer Galerie und macht keinen Künstler platt.

Angelika Wende

www.angelikawende.com

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