Reden ist silber, Schreiben ist gold

26.01.2013 Gruppendynamische Prozesse im RTL-Erfolgsformat

GFDK - Christopher Lesko

Das RTL-Erfolgsformat “Dschungelcamp“ nähert sich der Hälfte seiner aktuellen Staffel. Kaum ein TV-Format steht auch nur annähernd so im Zentrum öffentlichen Interesses wie jene Gruppe bezahlter, australischer Edel-Camper, in der Minderheiten die Mehrheit bilden. Und kaum ein TV-Format ist unter schwierigen Bedingungen professionell so erstklassig gestaltet. Ab heute dürfen Zuschauer ihre Favoriten für den Verbleib im Camp wählen. Zeit für die Betrachtung von Rollen, Personen und Team-Prozessen.

Das Rezept des Dschungelcamp-Erfolges baut auf gruppendynamisch einfache Prinzipien: Man stellt eine heterogene Gruppe von Menschen zusammen und bietet ihnen Raum für die mögliche Verwirklichung ihrer Ziele.

Diese Ziele bestehen in der Chance auf Korrektur mangelnder medialer Sichtbarkeit und Bedeutung einerseits und im Genuss finanzieller Zuwendungen auf der anderen Seite. Es gibt also Aufmerksamkeit und Kohle. Zunächst nicht die schlechteste aller denkbaren Grundvoraussetzungen für Menschen, denen aus sehr unterschiedlichen Gründen subjektiv oder in Wahrheit beides fehlt.

Grob vereinfacht gesagt, besteht das Konzept jeder Staffel darin, zwangsläufige Prozesse der Dynamik einer Gruppe, die – bis hin zur Wahl des “Königs“ – dem Ziel von Wettbewerb und Selektion folgt, extrem zu verdichten, zu beobachten, unterhaltsam zu präsentieren und ironisch zu kommentieren. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Man nutzt hierfür zunächst das grundsätzliche Wissen darum, dass die Dynamik aller Gruppen unter bestimmten Bedingungen im Kern stets ähnliche Phänomene zeigt. Ob Vorstandsgremium oder Kindergeburtstag, Redaktionsteam, Studenten- oder Beamtengruppen: Jede willkürlich zusammengestellte oder real existierende Gruppe würde sich im Dschungelcamp zumindest in Ansätzen verhalten wie RTLs Dschungelcamper 2013.

Verdichtung

Nun unterliegt der Dschungel als Unterhaltungsformat nicht nur gestalterischen Aspekten, sondern auch einer zeitlich begrenzten Sendestrecke. Aus beiden Gesichtspunkten heraus ist es also erforderlich, die Dynamik schnell zu verdichten. Das Dschungelcamp tut dies durch Entzug oder Erschwernis zweier zentraler Grundbedürfnisse aller Menschen: dem Bedürfnis nach Nahrung einerseits und dem nach Privatsphäre auf der anderen Seite.

Oberflächlich betrachtet dienen Dschungelprüfungen der Zuschauer-Unterhaltung. Georgina an Rattentunneln scheitern zu sehen und ihr als Zuschauer so indirekt die Belästigung durch ihre verwöhnten, hysterischen Impulse heimzahlen zu können, bietet vielen Zuschauern unterhaltsamen Mehrwert. Olivia Jones etwa souverän und mit Würde in Käfer beißen zu sehen, bietet Raum für positive Identifikation.

Unterhalb dieser Betrachtungsebene allerdings regeln Erfolg oder Misserfolg bei Dschungelprüfungen unbewusst weit mehr als oberflächlich sichtbar ist: Für die eigene Nahrung kämpfen zu müssen und darüber hinaus durch Erfolg oder Misserfolg in den Prüfungen den Umfang der Nahrung aller zu beeinflussen, berührt innerseelisch sehr archaische Grundthemen von Menschen. Wir alle sind unbewusst daran angeschlossen, auch wenn der mitteleuropäisch satte Alltag sie für die meisten von uns aus der persönlichen Wahrnehmung hat verschwinden lassen.

Dass TV-Kameras ganztägig aufzeichnen, weiß jeder der Kandidaten. In der Regel wird dies bewusst für Kandidaten-Promo genutzt oder aber zwangsläufig in vielen Situationen ausgeblendet: Niemand kann sich in verdichteten Szenarien über Wochen ganztägig kontrollieren, auch wenn er weiß, dass Kameras beobachten. Kameras jedoch bilden nur den unwesentlichen Teil des Verlustes von Privatsphäre: Sich unter Belastung in einer Gruppe, die miteinander nicht auf die Sicherheit eingeschwungener Rollen, Routinen und einer gemeinsamen Entwicklungsgeschichte zurückgreifen kann, ohne tragfähige Rückzugsmöglichkeit permanent zeigen zu müssen, ist eine echte Herausforderung.

Selbst der Umgang mit Primärbedürfnissen von Ruhe, freier Entscheidung über Wahl und Gestaltung der Kontakte, das Maß von Intimität bei Körperpflege oder Anzahl und Frequenz von Toilettenbesuchen geschieht im Camp sozial ausgehandelt und öffentlich. Das ist für alle Kandidaten weit schwerer, als man es sich vorab von draußen rational vorstellen kann.

Gruppendynamisch betrachtet verdichten beide Gestaltungselemente – Nahrung und Privatsphäre – nach den ersten Tagen der Orientierung jene Prozesse, die in allen Gruppen, die sich finden müssen, immer (!!) entstehen: Man beginnt Beziehung zu gestalten, sucht nach Sicherheit, regelt Macht und Einfluss untereinander. Bündnisse bilden sich, man grenzt sich ab, findet allein oder mit anderen Rollen und Positionen.

Im Dschungel geschieht dies ebenso wie im richtigen Leben, nur hochverdichtet und unter einem Brennglas sichtbar. Elf Kandidaten auf der Suche nach Antwort auf die Frage, wie genau das wohl gehen mag, sich im gruppendynamischen Dschungel Australiens zurecht zu finden. Der wahre Dschungel, so erfährt man schnell, ist nie das Camp, ist nie Australien: Er ist die Gruppe der Kandidaten.

Rollen und Kandidaten: Männer, Frauen, Knackis

Man darf davon ausgehen, dass Sender und Produktion nicht nur Einzelpersonen gewinnen, sondern bei der Wahl der Protagonisten ihre mögliche Bedeutung im Kontext der Campergruppe vorab betrachten. Viele Staffeln, auch die aktuelle, zeigen grundsätzliche Typen und Rollen:

Junge, athletische Männer auf der einen Seite und attraktive Frauen mit Paarungspotential sichern dem Format Optionen, die im Idealfall Camp-interne Begattungskonkurrenzen befeuern oder gar wie in der Kombi Kim Debkowski / Rocco Stark die Produktionsprozesse von Nachwuchs anstoßen. Im wahrsten Sinne des Wortes. In der aktuellen Staffel scheint das Thema eher unterbelichtet. Die Auswahl der Kandidaten trägt daran weniger Schuld als die Umsetzungsfreude der Beteiligten.

Frauen mit Zicken- oder Außenseiterneigung, an denen sich die gesamte Gruppe abarbeiten kann, gehören zwingend ins Portfolio: mindestens eine – besser – zwei Frauen, die in Konkurrenz zueinander stehen. Von unschätzbarem Wert sind hysterische Neigungen, insbesondere dann, wenn über sie hinaus der persönlich nutzbare Raum des Spektrums sozialer Kompetenzen den Camp-Knappiks und Georginas nicht in jeder Sekunde des Tages vollumfänglich zur Verfügung steht. Falls überhaupt.

In der aktuellen Staffel werden diese Rollen von Georgina Fleur, 23, und Fiona Erdmann, 25, besetzt. Model-Pitbull Erdmann, als kachektische, kotzende Kampfsau konkurrierte von Beginn an mit der intellektuell außerordentlich unauffälligen Georgina um den Rang des visuell attraktivsten weiblichen Camper-Exemplars. Ein enger Realitätsbezug in Fragen eigener Attraktivität ist nicht die vordringlichste Stärke beider Damen. Obwohl grundsätzlich nicht unansehnlich, ist das Interesse der Männer im Camp übersichtlich. Beide konkurrieren miteinander eher um Akzeptanz in der Gruppe als um einen Prinzen.

Die dunkle Seite des Lebens wird rollentechnisch abgebildet von Menschen mit Knacki-Vergangenheit oder zumindest dem einen oder anderen Strafverfahren. Hilfsweise oder zusätzlich taugt auch die eine oder andere Insolvenz einer ehemals zumindest halbwegs erfolgreichen Medienfigur. Aktuell besetzt Arno Funke, 62, diese Rolle: Der große, kreative Dagobert jedoch konnte trotz biographisch hervorragender Eignung bislang aus nachvollziehbaren Gründen keinerlei Leben in die putzige Campergemeinschaft blasen. Man hätte dies schon bei der Auswahl wissen können. Da jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit niemand der RTL-Verantwortlichen Jahre als Strafgefangener in Haftanstalten zubrachte, wurde möglicherweise übersehen, dass dauerhaftes Überleben in Gefangenengruppen ein besonderes Bündel an zu erlernenden Fähigkeiten voraussetzt:

Unempfindlich zu werden gegen jede Form von Umwelteinflüssen. Im inneren Dialog mit sich selbst Gedanken an die Hoffnungslosigkeit einer endlos langen Knast-Zukunft abschalten zu können. Anpassungsfähigkeit, mitschwimmen zu können, ohne sich “zum Obst“ zu machen. Sich einigeln zu können in sich selbst und viele Bedürfnisse abschalten. Stumpf werden zu können an Stellen, wo Verzweiflung und Panik drohen. All dies ist Arno Funke, all dies hat er über Jahre gelernt und lernen müssen.

Funke ist lange schon kein Dagobert mehr. Der Puls von Funke als Reduktions- und Überlebensprofi wäre nicht einmal durch Überschwemmungen oder Feuersbrünste in australischen Camps über 90 zu bewegen. Der Mann hat Schlimmeres überlebt als den australischen Dschungel. Formattechnisch ein Langweiler, ist er ist als stiller, freundlicher Mann mehr in sich selbst zuhause als im Kontakt zu anderen.

Das Ding mit den Männern

Der Dschungel gleicht dem richtigen Leben ebenso, wie er sich von ihm unterscheidet. Immer wieder sieht die Gruppe der Kandidaten Menschen, deren sexuelle Orientierung über jene orthodox verheirateter Heteros hinausgeht. Lorielle London, 29, oder Olivia Jones sind Beispiele dafür. Den Kern der eigentlichen Aufmerksamkeit bilden hier weniger die Personen selbst.

In einer Situation ohne Privatsphäre gestatten sie den anderen Begegnung und Auseinandersetzung mit Fremdem und bieten Raum für leise oder deutliche Irritation: Plötzlich kann im Alltag der Camp-Bewohner normal und greifbar werden, was für den einen oder die andere bislang allein aus der sicheren Distanz des Vorurteiles betrachtet schien. Eine Transe auf dem gemeinsamen Dschungel-Klo ist qualitativ allemal etwas anderes, als ihr beim Sekt auf roten Teppichen zu begegnen.

Die aktuelle Transe ist der als Travestie-Künstler, Drag-Queen und Kultfigur Olivia Jones bekannte Oliver Knöbel, 43: Einerseits im doppelten Sinne des Worte “ein Typ“, andererseits ein erwachsener Sympathieträger mit einer sauberen Mischung aus Humor, Selbstironie, Konfliktfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Doch Knöbel-Jones ist auch Beleg des tragischen, männlichen Dilemmas der aktuellen Gruppe:

Oliver Knöbel, der sich als Transe Olivia Jones gegen klassische Männerrollen entschieden hat, ist mit Abstand die erwachsenste und männlichste Figur der gesamten Gruppe. Die Rollen insuffizienter Witzfiguren und maskuliner Minderleister werden im Gegensatz zu Jones von denen bekleidet, die sich für die Fortsetzung ihrer männlichen Geschlechtsrolle entschieden haben. Kein Wunder also, dass Fiona und Georgina sich weitgehend auf ihren gemeinsamen Konflikt konzentrieren: Der einzig im Camp verfügbare Mann will keiner sein und steht nicht zur Verfügung. Alternative Prinzen mit lebendigem Begattungspotential existieren nicht wirklich.

Über diesen Aspekt hinaus übernahm Olivia Jones immer wieder eine zentrale Führungsrolle: Teams funktionieren generell nur, wenn in der Gestaltung der Beziehungen untereinander, in der Übernahme von Verantwortung für System und Regeln und auch für Gestaltung eines Klimas relativer Klarheit und Gemeinsamkeit Verantwortung übernommen wird. Gerade in Kontexten einer kontrolliert inszenierten Krise: Nichts anderes ist das Dschungelcamp. Auch seitens der Produktion wird Olivia Jones eine deutlich herausgehobene Rolle eingeräumt: Kein anderer Bewohner kommentiert im “Interview“ so häufig den Prozess.

Männer?

Die Krone des Wettbewerbes um den männlichsten Mann im Camp hätten Patrick Nuo, 31, und Silva Gonzalez, 33, Olivia Jones streitig machen können. Nuo wirkte weitgehend wie ein DSDS-Jury-Roboter, den man versehentlich farblos und kantig in den Dschungel gestellt hat. Der Mann, so mag man denken, wird noch in 30 Jahren aussehen wie heute, und niemand wird es merken.

Berichte über seine ehemalige Porno-Sucht taugten mehr für Schlagzeilen und Moderatoren-Witze als für die Steigerung seiner Attraktivität und behinderten mögliches, weibliches Interesse im Camp. Nur wenige Frauen sind Hefte. Auch die zweite, klassisch männliche Domäne, Krieg und Konflikt, gehört sichtbar nicht zu Nuos Kernkompetenzen. In dieser Frage half es auch nicht, dass Nuo Küken Joey auf eine ungelenke Traumreise führte und ihn so in die Grundzüge des Volkshochschulkurses für Meditation einführte. Mehr, so ahnt man, wird Nuo in dieser Camp-Staffel nicht einführen.

Silva Gonzales hingegen stochert unglaubwürdig primär aus Gründen des Self-Marketing in Konfliktfeldern herum, ohne sie sich wirklich zu eigen zu machen. Dass ein Mann mit seiner Außenwirkung allen Ernstes in einer Gruppe mit dem Namen "Hot Banditoz“ singt, klingt paradox genug. Noch paradoxer scheint dies, wenn man Silva in Camp-Pausen falsch und dünn singen hört. Gonzales switcht zwischen scheinbarer Bereitschaft zur Konfrontation und dem Abziehbild des Verständnisvollen, ist schnell und schnell laut, aber im Kern ohne Kontur. Silva Gonzales trägt das Selbstbild eines Steaks mit der Außenwirkung eines Würstchens.

Die Alten

Der Raum zwischen Respekt oder Bewunderung auf der einen Seite und dem uns allen vorgegeben Diktat des Schwächer-, Müder-Werdens, des Verfalls ist maximal so breit wie die Schneide einer Rasierklinge. Er sieht Wracks der Menschenschrottplätze in einer Ecke oder bewundert Erfahrung und Würde in der anderen Ecke des Spektrums. Von Werner Böhm über Helmut Berger bis zur Dschungelkönigin Ingrid van Bergen und Arno Funke war diese Position der Alten häufig besetzt.

Kaum jemand der Dschungelcamp-Kandidaten ist in einer Vier-Generationen-Großfamilie sozialisiert. Kandidaten, deren vor ihnen liegende Lebenszeit deutlich geringer ist als jene, die sie hinter sich gelassen haben, bieten über den Umgang mit Alter hinaus gruppendynamisch Chancen für Generationenkonflikte, Schutzimpulse, Beißhemmungen oder die Begegnung mit unbekannten Haltungen zu Leben und Werten.

Helmut Berger bot für kurze Zeit Einblick in eine Art des Alt-Werdens, die kaum jemand frei für sich wählen würde. Dem Mann, der an wenigen Tagen öffentlich im Dschungel fortsetzte, was er lange vorher schon in seinem Leben begonnen haben mochte, wurde von einigen Betrachtern paradoxerweise Würde zugesprochen. Die Wahrheit ist: Ein vielleicht aus pharmakologischen Gründen lethargischer, autodestruktiver, alter Mann wirkte wie ein ruhiggestelltes Wrack. Wracks haben eine Geschichte. Würde haben sie nicht. So war Bergers Ausscheiden aus dem Camp ebenso richtig wie die darauf folgenden Australien-Temperatur-Diskussionen befremdlich schienen, weil sie einen nebensächlichen Detailaspekt in den Blick nahm.

Berger-Nachfolger Klaus Baumgart, 58, scheint – wracktechnisch gesehen – für sich auf einem erfolgreichen Weg. Und dies, so mag man denken, wahrscheinlich schon seit jungen Jahren. Anders ist das aktuell sichtbare Ergebnis kaum zu interpretieren. Dass der grundsätzlich stumpfe Baumgart freizügig mit seinem Geschlechtsteil umging, mochte man lustig finden, man mochte ihm mangelndes Feingefühl oder gar Inszenierung unterstellen.

Die Art und Weise allerdings, in der er die sich quälende Iris Klein bei der Schatzsuche anfeuerte, erotisierte und begrapschte, trug Züge, wie man sie von alten Säcken und sabbernden Lustgreisen kennt. Diesem Klaus zusehen zu müssen, hatte mehr Ekel-Potential als der Genuss von Käsefrucht und Kakerlaken. Sichtbarkeit und Bedeutung in der Gruppe sind darüber hinaus annähernd auf unterirdischem Niveau.

Küken

“Joey the brain“ als Küken löst Welpenschutz-Impulse bei Mit-Campern alleine dadurch aus, dass es nicht versteht, wo es hingeraten ist, obwohl es einen Vertrag unterschrieben hat und Geld für die Dschungel-Teilnahme erhält. Jemand, der in entzückender Naivität jene Themen anspricht, die von den Tabu-Filtern der anderen reflektorisch vernichtet werden, bevor sie Hirn und Zunge je erreichen können. Staunen zu müssen, noch staunen zu dürfen, statt erwachsen zu ein, hat große Attraktivität.

Das ist Joey Heindle. Die dunklere Seite des Reizes sieht vor eben diesem Hintergrund einen Jungen, der schneller und schutzloser an seine wahren Belastungsgrenzen gelangt. Auch dieser Aspekt bindet die Aufmerksamkeit von Zuschauern, so gerne man es Joey ersparen mag. Ein Grenzformat ohne Protagonisten, die spürbar mit ihren Grenzen konfrontiert werden, wäre nicht nur langweilig, sondern auch unehrlich.

Restbestände

Beschriebe man gruppendynamische Rollen, böte der Rest der Gruppencamper das, was man als Mitläufer beschriebe. Allegra Curtis, 46, ist in ihrer Außenwirkung von ihrem Vornamen etwa so weit entfernt wie Michael Steinbrecher von seinem Nachnamen, auch wenn sie in den letzten Tagen begann, sich zumindest eine Intrigantinnen-Rolle zu erschließen. Claudelle Deckert, 39, als Playboy-Projektionsfläche für Männerphantasien hat bislang maximal die emotionale Präsenz eines weiblichen Arno Funke.

Nur will eben dieser nicht überspringen, auch wenn das eine oder andere männliche Exemplar der Camper-Truppe Claudelle unter Umständen gerne bespringen würde: Claudelle ist farblos, ohnehin spränge jeder ins Leere. Zur Steigerung visueller Attraktivität an der äußeren Hülle zu schrauben, reicht für den Playboy allemal. Für die Rolle einer lebendigen Frau im Dschungelcamp ist dies zu dünn.

Auch Iris Klein, 45, hat bislang nicht viel dafür getan, sich aus dem Rollenbild der Katzenberger-Mutti zu befreien. Sie ist zwar nicht so passiv wie andere im Camp, trägt jedoch die historische Bürde eines Menschen, der ohne jede Eignung und Talent um jeden Preis ins Fernsehen will. Ins Fernsehen muss. Dieses Ziel mit lebendigem Erfolg verfolgen zu können, ist für Frauen mit der Ausstrahlung einer hessischen Hauswarts-Gehilfin, die ab und an auf dem Markt am Kartoffelstand der Tochter aushilft, nicht so ganz leicht zu erreichen. Das wird auch diesmal nichts, es sei denn, Iris steuert noch das eine oder andere unbedeutende Kindheitstrauma bei und weint dabei ganz heftig.

Rollen und Dynamik in Gruppen sind nie statisch. So ist es – auch für Iris Klein – immer möglich, sich aus bestehenden Rollen heraus in andere hinein zu entwickeln. Selbst ein Arno Funke könnte dies theoretisch. Es brauchte allerdings den Druck eines spürbaren Anlasses. Peer Kusmagk, 37, etwa hat dies in der dramatischen Dynamik der Konflikte um Sarah Knappik, 26, bis zum Dschungelkönig verwirklicht. Wahrscheinlich für die Gruppe der Mitläufer scheinen Entwicklungen nach aktuellem Stand der Dinge nicht.

Wer geht?

Medien sind Kanäle, das gilt auch fürs Fernsehen. Nüchtern betrachtet dienen sie dazu, am Eingang des Kanals etwas zu produzieren und so zu vermitteln, dass auf der anderen Seite bei Zuschauern Identifikation, Interesse und Bindung entstehen. Ob Sympathieträger oder Kotzbrocken, Heldin oder Klassenfeind ist zunächst so lange egal, wie Sichtbarkeit und emotional spürbare Präsenz verwirklicht sind. Menschen – auch Zuschauer – identifizieren sich stets durch emotionale Bindung. Man folgt Personen, kaum Konzepten, rationalen Aspekten oder Theorien. Gerade in der Welt des Fernsehens.

Unsichtbar zu sein ist also unverzeihlich. Bleibt es, wie es ist, werden Arno Funke, Allegra Curtis, Kaus Baumgart, Iris Klein, Claudelle Deckert und Patrick Nuo als Lagerware schnell um ihren längeren Verbleib fürchten müssen. Auch für Silva Gonzales könnte es bald eng werden, weil mit der Glaubwürdigkeit ein weiteres zentrales Kriterium fehlt.

Unterhaltung und Erfolg

Die alte Frage, ob das Dschungelcamp unangemessen Grenzen überschreite, muss jeder für sich selbst prüfen. Lägen die Ursachen für den Erfolg des Camps ausschließlich in dem Genuss, als Zuschauer von der Fernsehcouch gruppendynamische Randgruppen-Prozesse schriller Vögel zu betrachten, müsste Big Brother ebenso erfolgreich sein.

Die Wahrheit ist zunächst, dass das gesamte Team von Sender und Produktion auf hohem professionellem Niveau unter schwierigen Bedingungen eine hervorragende Arbeit macht. Man spürt – bis hin zu Auswahl und Einspielung unterlegter Musik – auf allen Ebenen die Aufmerksamkeit, die dem Produkt gewidmet wird, und dies ist eben nicht Standard im deutschen Fernsehen. Die Texte der Autoren Micky Beisenherz  und Jens Oliver Haas sind hervorragend, und auch Sonja Zietlow und Daniel Hartwich haben als neues Moderatoren-Duo einen sehr guten Start hingelegt.

Dass selbsternannte Medienexperten bei Facebook oder in Medien-Kommentaren wie Stammtisch-Bundestrainer Daniel Hartwich bereits am ersten Tag als mittelmäßig bezeichneten, nach dem Ausscheiden von Berger penibel Wetterkarten posteten und schließlich RTL Olivia Jones als künftige Hartwich-Nachfolgerin anempfahlen, ist nicht nur inkompetent und peinlich, sondern darf als Beleg für die Kraft der Identifikation angesehen werden, die der Dschungel auslöst. Daniel Hartwich im Übrigen ist durchaus talentiert, macht im Dschungel einen guten Job und hat ein wenig Zeit für Entwicklung allemal verdient.

Letztlich ist der Dschungel im Kern Brennglas dessen, was Menschen im Leben zu tragen haben. Dies verdichtet zu betrachten, macht einen weiteren Baustein des Erfolges aus. Auch, wenn es viele nicht gerne hören mögen: Jeder Kandidat repräsentiert auf seine Art in Teilen Themen von uns allen: das Werben um Anerkennung. Durchzuhalten, wenn es eng und eklig wird. Alt zu werden. Sich Würde zu bewahren. An Grenzen zu stoßen. Ausgegrenzt zu sein. Hinter dem Rücken über andere zu lästern. Hässlich oder attraktiv gefunden zu werden. Drinnen oder draußen zu sein. Unseren Voyeurismus, wenn andere in Krisen oder an Grenzen kommen.

Im Kern sind wir alle Camper. In unserem Leben und in unseren Dschungeln. Wir bekommen nur kein Geld dafür.



Mehr über den Autor: www.leadership-academy.de

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25.01.2013 die Bewusstlosigkeit der Masse

GFDK - Iris Nicole Masson

ACHTUNG, Ihr politischen Gegner, Unbequemen, Whistleblower, Widerständler, Revoluzzer: Jetzt geht´s Euch an den Kragen. Ihr werdet nun nicht mehr nur als "Verschwörungstheoretiker" oder "Spinner" abgewatscht. Nein, seid Ihr aufmüpfig, kann es Euch passieren, dass Ihr einfach weggesperrt werdet. Ja, ja, ab ins Zwangsjäckchen und Pilleken geschluckt.

So wie Gustl Mollath ... Und wenn man dann bedenkt, dass lediglich 44 (!!) korrupte Hanseln von insgesamt 620 Abgeordneten in einem nahezu LEEREN Plenarsaal mal so eben ein Gesetz durchwinkt, das jegliche Grund- und Menschenrechte mit Füßen tritt, indem JEDER ZWANGSWEISE mit Psychopharmaka oder in der Klapse ""behandelt" werden kann ...

... dann lässt das 3. Reich grüßen!


Doch die größte Schizophrenie ist die Bewusstlosigkeit der Masse, das allgemeine Desinteresse an Politik!

Geht auf den Link, dort könnt ihr die Abstimmung sehen:

ca. 44 Bundestagsabgeordnete beschließen Gesetz zur psychiatrischen Zwangsbehandlung – WAS IST HIER LOS?

kulturstudio.wordpress.com/2013/01/23/ca-44-bundestagsabgeordnete-beschliesen-gesetz-zur-psychiatrischen-zwangsbehandlung-was-ist-hier-los/

 

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21.01.2013 Eva Horstick-Schmitt ist empört

Gottfried Böhmer - Eva Horstick-Schmitt - 3 Bilder

WR Demo - WAZ schliesst Redaktion der WR und zensiert eigene Berichterstattung !!! Fast 1000 Demonstranten protestierten in Dortmund gegen das Aus der Westfälischen Rundschau als eigenständiges Medium. Der WR Redaktion wurde aber verboten über ihre eigene Demo zu berichten.

Zur Demonstration am Dortmunder Redaktionshaus und in der Fußgängerzone hatten die Betroffenen gemeinsam mit dem Deutschen Journalisten-Verband DJV und der Deutschen Journalisten-Union DJU aufgerufen.

Das nennen wir Zensur. 

„Die WAZ-Axt schlägt wieder zu!“ oder „WAZ-Gier kostet Meinungsvielfalt“

Mein Mann und ich sind bei der Demo mitgegangen und haben uns gern solidarisiert. Wir sind gegen die Schliessung der Redaktion der WR, die es seit 1945 gibt. Sie ist eine sozialdemokratische geprägte Zeitung und hat zumindest einen Gegenpol gebildet zur  der eher  konserativen RN. Jetzt sollen mehr als 200 Mitarbeiter entlassen werden , vor allen Dingen aber trifft es die schreibende Zunft mehr als hart.

Hier wird öffentliches Leben zerstört. Gemeinschaft, Gesellschaft.

Wie sollen diese Männer und Frauen einen neuen Job bekommen? Wo fragen wir uns ist Platz für altgediente Journalisten, die zum Teil  25 Jahre für die WR gearbeitet haben , wie z.B. Günter Heinemann,(Name von der Redaktion geändert) der ein ausserordentlich guter Journalist ist und ein toller Mensch. Die Journalisten sind mehr als geschockt über die ungeplante Aktion der WAZ, die sie aus heiterem Himmel traf.

" Nicht nur bei den betroffenen über 200 Redakteuren und Mitarbeitern der Westfälischen Rundschau (WR) war die Angst vor der Zukunft zu spüren, auch Journalisten anderer Medien äußerten sich sehr pessimistisch, was die Zukunft der Arbeitsplätze in den Zeitungsredaktionen angeht. Dass in den kommenden zehn Jahren mehr als die Hälfte von ihnen ihren Job verlieren wird, war eine Einschätzung, die von den meisten geteilt wurde und die wohl auch realistisch ist. Die Krise der Zeitungen hat an Fahrt gewonnen und ein Ende ist noch lange nicht absehbar." Zitat: Von Stefan Laurin


Diese Aktion war nicht sehr hilfreich für die WAZ Gruppe, denn wir haben heute noch mit vielen anderen unser ABO gekündigt. Wer Journalisten so vor die Wand rennen lässt , hat es nicht verdient unterstütze zu werden.

WER die MACHT hat sind die Verleger und ihre Macht nutzen sie unverschämt aus.

Wir sind empört, wie mit Menschen und unserer Demokratie umgegangen wird. Werden wir demnächst im Revier hier nur noch von einer Zeitung regiert? Meinungsbildung findet in der Zeitung statt und wir sollten uns verschiedene Meinungen nicht  nehmen lassen durch das Einstampfen einer Redaktion, die es schon zu mehrfachen Auszeichnungen gebracht hat.

Martin Kaysh, Autor des Blogs "ruhrbarone.de" und als “Steiger” Mitglied des Geierabend-Ensembles hielt Auf de Demo eine Rede, die wir hier dokumentieren:

Ab dem ersten Februar beginnt jeder Tag mit einer Lüge.

Einer Lüge, 100 000 fach gedruckt. Morgens am Frühstückstisch musst du dafür die Zeitung gar nicht erst aufschlagen. Du musst sie nur zur Hand nehmen. „Westfälische Rundschau“ wird da stehen, oben auf der ersten Seite. Aber dann kommt Irgendwas. Zusammengekauft, zusammengeklaubt und zusammengekloppt.

Die Vernichtung der WR ist ein Angriff. Sie ist ein Angriff einer unfähigen Verlegerfamilie aus Essen auf uns alle  – in Dortmund, in Lünen, in Schwerte. Im Sauer- und im Siegerland. Mit einem absurden Produkt. Clausthaler hat das Bier ohne Alkohol erfunden. Schalke den Fußball ohne Meisterschaft und die WAZ-Familie erfindet gerade die Zeitung ohne Redaktion.

Hier wird öffentliches Leben zerstört. Gemeinschaft, Gesellschaft.

-  Ein Gemeinwesen, eine Kommune lebt von der Beteiligung.  Aber die gibt es nur mit Wissen und Information. Und die müssen aus verschiedenen Quellen stammen, da reicht kein Bauchgefühl und auch nicht das Foto vom ersten Frühlingstag im Westfalenpark.

Eine Lokalredaktion heute hier in Dortmund zu betreiben sei absurd, heißt es, rechne sich nicht, sei nicht zeitgemäß. Leute, es geht.

Absurd, ich bitte die Eigenwerbung zu entschuldigen, absurd ist es, einen Alternativkarneval in Dortmund zu veranstalten, fernab vom Rheinland, in einer protestantischen Gegend. Angefangen haben wir mit 2000 Zuschauern, mittlerweile sind es  20 000. Warum geht das? Weil wir unsere zahlenden Besucher ernst nehmen. Weil wir auf der Bühne über das sprechen, was die Menschen in der Region bewegt, und weil wir es in ihrer Sprache tun. Weil wir versuchen, relevant zu sein und weil wir auf das hören, was uns unsere Zuschauer sagen.

Wir sind eine kleine Klitsche, wir sind kein Konzern. Aber wir sind ein Team von Leuten, das diese Region kennt und, Verzeihung, auch liebt.

Ich brauche keine Zeitung, die den Geierabend klasse findet, weil sie Medienpartner ist, und die ihn scheiße findet, wenn sie nicht auf dem Plakat steht. Ich brauche eine Zeitung, die uns ernst nimmt, egal, ob sie uns gut oder schlecht findet.

Die Öffnungszeiten des Hallenbades kann ich auf der Homepage der Stadtverwaltung finden, zur Not im Schaukasten am Eingang. Dafür brauche ich keine Zeitung. Ich brauche aber eine Zeitung, wenn ich wissen will, dass mein Schwimmbad zumacht, weil gleichzeitig das Geld für unsinnige Prestigeprojekte ausgegeben wird. Ich brauche sie auch, wenn ich wissen will, wer für einen Chlorgasunfall in dem Bad Verantwortung trägt.

Verleger genießen Privilegien. Ihr Unternehmen ist vom Grundgesetz geschützt, sie genießen Steuervorteile und selbst im Arbeitsrecht werden sie bevorzugt. Verlage sind keine Wurstfabriken. Aber die Verleger in Essen benehmen sich so, als seien sie Wurstfabrikanten.

Man schreibt Hirschsalami auf die Packung und presst irgendwelche Reste in die Pelle. Irgendwer wird´s schon fressen.

Wie soll das weitergehen? Im Lokalen kauft man die Ruhrnachrichten.
Glaubt mir eines. Kein Journalist in diesem Haus wird sich über das Aus für die WR freuen. Denn jeder weiß, der neue Monopolist wird keinen Cent zuviel locker machen, wenn es um die Ausstattung der Redaktion geht. Wenn es dem Leser zu bunt wird, kann er ja wechseln zur Phantom-WR. Wahrscheinlich kriegst du trotzdem das Dampfbügeleisen als Werbeprämie, wenn du von den Original-Ruhrnachrichten zur Fälschung wechselst.

Ich habe selbst sieben Jahre für die WAZ in einer kleinen Lokalredaktion gearbeitet. Das erste jeden Morgen dort war immer der Griff zur Konkurrenz. Was haben die an Geschichten, die wir nicht haben? Wo laufen die wieder in eine Richtung, bei der wir gegenhalten müssen? Wo haben wir exklusiv ein Thema? Nur so, in der Auseinandersetzung und in der Abgrenzung, geht guter Journalismus. Das ist in der kleinen Lokalredaktion nicht anders als bei den Politmagazinen der ARD, da habe ich auch gearbeitet. Gewinner der Vielfalt sind immer die Leser und die Zuschauer.

Aber wer schreibt denn künftig im Hauptteil der WR etwa über den BVB? Taucht auch da der Kollege der Ruhrnachrichten auf?
Oder schickt die WAZ den Sportreporter aus Gelsenkirchen, wenn er Zeit hat, weil Schalke erst am Sonntag spielt? Oder ruft der seine Oma an, die in Stadionnähe wohnt und hört, wenn ein Tor fällt?

Wie sieht es im Kulturbereich aus? Theaterkritiken sind mehr als ein „gefällt mir“-Klick bei Facebook. Da kennt der Kritiker den Spielplan genau dieses Hauses, hat mit dem Regisseur geredet, im Idealfall hat er sogar das Stück vorab gelesen. Das kostet Zeit und Geld. Das kann ich nicht leisten als unbezahlter Blogger im Internet.

Der WAZ-Konzern macht uns lustig über uns, er verarscht uns. Ich habe mit einem früheren Chefredakteur der Rundschau gesprochen, das ist ein paar Jahre her. Der Mann lobte die vollkommene Freiheit, die man ihm von Essen aus lasse. Er hat sich geirrt. Das war keine liberale Haltung, das war ein scheißegal-Haltung. Den Leuten in Essen seid ihr so lange scheißegal, solange die Kohle kommt. Und ihr seid ihnen auch scheißegal, wenn es Probleme gibt.

Dann argumentiert man mit Zahlen, nein, man schmeißt Zahlen raus, die vorne und hinten nicht stimmen. Da werden einzelne Unternehmensteile reich gerechnet. Andere werden zum Verlustbringer. Das verlangen Steuergesetze teilweise. Da rechne ich Anzeigeneinnahmen mal dem einen oder anderen Teil zu und stelle möglichst hohe Kosten der Zentrale den Ablegern in Dortmund und anderswo in Rechnung.

Gelogen wird auch mit den Auflagenzahlen. Die versucht die WAZ für einzelne Titel zu verschleiern. Aber die kann sogar ein Amateur wie ich recherchieren. IVW heißt die Quelle. Da habe ich mich heute Nacht rumgetrieben. Da ist nicht die Rundschau der große Loser. Da verliert die WAZ-Gruppe überall in NRW mit ihrem tollen Wischiwaschi-Konzept. Zehn Prozent in den letzten beiden Jahren, insgesamt. Aber auch in Herne, in Bochum, in anderen Städten, die nie WR-Gebiet waren.

Dann vergleicht man mal die Zahlen aus anderen Regionen. Saarbrücker Zeitung, drei Prozent Rückgang. Stuttgarter Zeitung, minus vier Prozent, Hannoversche Allgemeine, minus vier. Emder Zeitung, minus drei.

Das zeigt doch, nicht die Vertriebsleute, die Journalisten, die Macher hier in der Region haben es verbockt. Die Verlierer, die Stümper und Abzocker sitzen in der Zentrale in Essen. Das heißt: Je größer das Büro, desto größer die Unfähigkeit.

Ich weigere mich, hier einen Nachruf zu sprechen.  Ich fordere auf zum Kampf. Und ich möchte um Ideen ringen. Ich habe keine Ahnung. Vielleicht kann die SPD als Minderheitsbeteiligte mal im Suhrkamp-Verlag nachfragen, wie Herr Barlach das macht. Vielleicht gibt es ein Stiftungsmodell, eine Genossenschaftslösung.

Ich weiß nur, wie ich in zwei Wochen persönlich reagiere. Ich werde meine WAZ für eine Woche abbestellen und sie ausdrücklich keinem Altenheim zur Verfügung stellen. Die Antwort auf eine Zeitung ohne Redaktion ist die Zeitungsanzeige ohne Leser. Soviel Wut muss sein.

Glückauf.


 

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21.01.2013 Qualität nicht mehr gesichert

GFDK - Prof. Dr. Sebastian Nordmann

„Mit Sorgen schaue ich aus Berlin auf die unsichere Zukunft des Volkstheaters und der Norddeutschen Philharmonie Rostock. Wie kann es sein, dass eine Stadt mit 200.000 Einwohner, dem kulturellen Erbe einer Hansestadt und einem über Jahrhunderte gewachsenem bürgerlichen Musikleben über Kürzungen diskutiert und damit die Zukunft dieser Institution infrage stellt.

 Zu meiner Zeit als Intendant der Festspiele MV habe ich das Orchester viele Jahre zum Sommerfestival eingeladen, nicht nur weil es als großes A-Orchester ein breites Repertoire beherrscht, sondern weil es sich durch eine hohe Qualität auszeichnet. Durch Kürzungen wäre diese Qualität nicht mehr gesichert und damit eine konkurrenzfähige Zukunft zweifelhaft.

Gerade das Tourismusland MV darf auf die kulturellen Leuchttürme nicht verzichten. Vor allem in der Nebensaison kann der Tourismus auf das ausgeprägte Kulturleben nicht verzichten. Nur auf „kalte Mauern“ der Hansestadt zu bauen, erscheint dabei als sehr riskant. Berlin hat dies als Stadt längst erkannt: ohne das kulturelle Angebot der Opern, Konzerthäuser und Museen würden die Tourismuszahlen nicht beständig steigen. Dementsprechend wächst trotz der klammen Haushaltslage der Kulturetat Berlins jährlich an. Auch für die Stadt Rostock wäre eine Umwegrentabilitätsrechnung sinnvoll. Ich bin mir sicher, dass jeder in die Kultur investierte Euro durch die Steuern der Hotels, Restaurants oder Tankstellen doppelt an die Stadt wieder zurückfließt.

Ebenso ist es erwiesen, dass sich Fachkräfte für einen Standort entscheiden, an dem eine gewissen kulturelle „Grundversorgung“ gewährleistet ist. Dazu gehört selbstverständlich auch ein Theater. Auch für die Studenten der HMT Rostock stellt das Volkstheater und sein Orchester einen entscheidenden Kooperationspartner dar.  Die Studenten nehmen bei den Orchestermusikern Unterricht und können als Praktikanten und Aushilfsmusiker wichtige Erfahrung in einem Orchester sammeln.  

Egal ob Tourist, kulturinteressierter Bürger, Festspielbesucher oder Student: auf das Volkstheater darf nicht verzichtet werden!“

Prof. Dr. Sebastian Nordmann

Intendant Konzerthaus Berlin

Prof. Dr. Sebastian Nordmann, geboren 1971 in Kiel, studierte Musikwissenschaften und Neuere Geschichte, zunächst an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, später dann an der Freien Universität Berlin und der Technischen Universität Berlin. Im direkten Anschluss an seinen Magister promovierte er bei Prof. Dr. Christian Martin Schmidt über das Thema „Der Einfluss des Schleswig-Holstein Musik Festivals auf die Musiklandschaft Schleswig-Holstein“. Während seines Studiums sammelte Sebastian Nordmann praktische Erfahrungen im Kulturbereich beim Edinburgh Festival, der Kulturabteilung der Bayer AG, als Orchestermanager des Landesjugendorchesters Schleswig-Holstein und als Intendanzassistent bei den Festspielen Mecklenburg- Vorpommern. Im Anschluss an die Promotion arbeitete er für zwei Jahre bei der strategischen Unternehmensberatung The Boston Consulting Group in Berlin. Von Oktober 2002 bis Dezember 2008 war er Intendant und Geschäftsführer der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Im Juli 2008 wurde Sebastian Nordmann zum Professor für das Fach Musikmanagement/Karriereplanung an der Hochschule für Musik und Theater Rostock ernannt. In dem Fach geht es um die Entwicklung von Eigeninitiative, Kreativität, Selbsteinschätzung und unternehmerischem Denken der Studenten.

Seit September 2009 ist Sebastian Nordmann Intendant des Konzerthauses Berlin und des Konzerthausorchesters Berlin.

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20.01.2013 von Gewalt und Krankheiten in der Gesellschaft

GFDK - Prof. Dr. Peter P. Pachl

Die jüngsten Nachrichten über die kulturelle Entwicklung und Zukunft in Rostock schrecken auf und verstören.

Und dies insbesondere im Wagner-Jahr, welches den Blick zurück lenkt auf die lange und reiche Richard Wagner-Pflege an diesem Theater, aber auch auf die Besonderheit der kontinuierlichen Pflege der Opern Siegfried Wagners in Rostock: die langjährige und umfassende Beschäftigung mit Siegfried Wagners Bühnenwerken veranlasste den Komponisten, die Uraufführung seiner 13. Oper, "Der Schmied von Marienburg" im Jahre 1923 an das Theater in Rostock zu vergeben um auf diese Weise diese Kulturinstitution europaweit hervorzuheben und auszuzeichnen.

Noch wichtiger ist und bleibt jedoch der Blick nach vorne, in die Zukunft – mit vielfältig musiktheatraler Kunst in Rostock! Erwiesenermaßen fördert jeglicher kulturelle Abbau die Zunahme von Gewalt und Krankheiten in der Gesellschaft.

Das Volkstheater Rostock ist ein ganz besonderes Nordlicht der Kunst. Sein Erhalt muss gesichert werden, auf dass es auch weiterhin leuchten und strahlen kann!

Mit allen guten Wünschen und mit freundlichen Grüßen,

Prof. Dr. Peter P. Pachl

Internationale Siegfried Wagner Gesellschaft e. V.

Der Vizepräsident

Hauptstr. 36

D - 10827 Berlin

pachl@siegfried-wagner.org

www.siegfried-wagner.org

www.pppmt.de

inszenator@googlemail.com

ppp@pppmt.de

E-Mail: baerbel.schlapmann@rostock.de.
www.volkstheater-rostock.de

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18.01.2013 Das kann doch nicht sein

GFDK - Gunther Heinrich

Mit großem Entsetzen habe ich davon erfahren, dass das Volkstheater Rostock geschlossen werden soll. Ich kann nur hoffen, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen worden ist und die Verantwortlichen in der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns sich noch recht­zeitig ihrer Verantwortung für Stadt und Region bewusst werden. Ich möchte meine Position gerne erläutern.

Nach jahrelanger Theaterabstinenz habe ich während eines Besuchs in Rostock im Herbst letzten Jahres das Volkstheater besucht. Ich hatte die große Freude, in Ihrem Haus den „Barbier von Sevilla" zu sehen. Und diese Aufführung war großartig! Ich habe große Lust auf mehr bekommen und mir dann einige Zeit später auch die „Fledermaus" angeschaut. Auch dies wieder ein grandioser Theaterabend! Ich kann die Hansestadt Rostock nur beglückwün­schen, dass sie dieses Theater in ihren Mauern hat.

Und nun soll das Haus geschlossen werden? Das kann doch nicht sein. Mein berufliches Thema ist die Stadtentwicklung. Auch wenn die märkische Kleinstadt Nauen kaum mit Rostock vergleichbar ist – hier in Nauen haben die Verantwortlichen in den letzten Jahren verstanden, dass eine Stadt ohne kulturel­les Angebot nur eine geringe Chance im interkommunalen Wettbewerb hat. Mitte der 1990er Jahre wurde in Nauen das Museum geschlossen und die Stadtbibliothek einem freien Träger übergeben.

Das Sachgebiet in der Verwaltung wurde aufgelöst. Kultur fand in der Verwal­tung nicht mehr statt. Dies hat zu erheblichem Unmut in der Bevölkerung geführt. In Gesprä­chen mit ansiedlungswilligen Unternehmen wurde deutlich, dass ein kulturelles Mindest­angebot die Standortentscheidung sehr wohl beeinflusst. Und diesen Standortvorteil will die Hansestadt Rostock in einer ohnehin strukturschwachen Region auf's Spiel setzen?

Das ist kurzsichtig und unverständlich! In Nauen wurden die Konsequenzen gezogen und 2009 in der Verwaltung ein Kulturbüro eingerichtet, das in den letzten Jahren deutlich gewachsen ist und inzwischen eine Vielzahl von Veranstaltungen und Ausstellungen organisiert.

Rostock war in der ehemaligen DDR das Tor zu Welt mit einem gewissen internationalen Flair. Mit Schließung des Volkstheaters würde die Stadt meiner Einschätzung nach endgültig in die Provinzialität absinken.

Ich hoffe sehr, dass das Volkstheater Rostock erhalten bleiben kann und wünsche Ihnen für Ihren Kampf gegen die kulturelle Verödung viel Kraft und Erfolg,

Mit freundlichen Grüßen

Gunther Heinrich

E-Mail: baerbel.schlapmann@rostock.de.
www.volkstheater-rostock.de

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17.01.2013 Anspruch auf klare und konkrete Aussagen

GFDK - Detlef Meierjohann

Seit Monaten verfolge ich die Berichterstattung Ihrer Zeitung zu den künftigen Theaterstrukturen in Mecklenburg-Vorpommern und im Besonderen zu der sich scheinbar immer weiter verschärfenden Situation am Volkstheater Rostock. Es ist ein Trauerspiel, fast schon eine Tragödie!


Seit Jahren weisen die jeweils Verantwortlichen in der Theaterleitung - und es waren bekanntlich einige - immer wieder darauf hin, dass das Volkstheater unterfinanziert sei, was oft zu Fehlbeträgen führte, die nur nach großer öffentlicher Debatte und in letzter Minute ausgeglichen werden konnten. Schließlich wurde das Theater nach zähen und langwierigen Diskussionen in eine GmbH übergeleitet. Den Mitarbeitern soll inzwischen ein Haustarifvertrag mit weitreichendem Gehaltsverzicht angeboten werden. Offensichtlich besteht die Erwartung, dass damit dann alle Probleme gelöst seien und im Übrigen alles beim Alten bleiben könne. Nur weniger kosten soll es eben.


Darüber hinaus stellt die Stadt Rostock einen Zuschussbetrag zur Verfügung, der von vornherein als nicht auskömmlich bekannt war und ist. Der Oberbürgermeister, als Verwaltungsspitze, wiederholt in diesem Zusammenhang mantramäßig, dass das Theater aufgrund der schwierigen Haushaltslage Rostocks mit
diesem Geld auskommen müsse und entsprechende Einsparungen vorzunehmen habe.

Argumenten, dass die Personalkosten und um die geht es im Wesentlichen am Theater, nicht so einfach und ohne Auswirkungen auf das Angebot und mit künstlerischen Einbußen verbunden, zu reduzieren seien, stand und steht er scheinbar gleichgültig und ablehnend gegenüber. Dem außenstehenden Beobachter drängt sich der Eindruck auf, das ihm das Theater möglicherweise insgesamt zu teuer sei, und die stille Hoffnung besteht, durch die andauernde Zwangslage und Insolvenzdiskussion eine "Gesundschrumpfung" herbeiführen zu können.


Wie anders soll man sonst die derzeitige Weigerung des Oberbürgermeisters interpretieren, wenn er sich
gegen die Abgeordneten der Bürgerschaft stellt und die dort in Aussicht gestellte finanzielle Hilfestellung zur
Überwindung der gerade mal wieder akuten Finanznot zurückweist. Oder wenn er sich der angebotenen
Hilfe des Landes mit der Argumentation, er ließe sich nicht erpressen, verschließt. Was für ein Theater
wünscht sich der Oberbürgermeister denn, wenn er diese Optionen ausschlägt. Eine Oper, ein Schauspiel,
Konzertbetrieb und Tanztheater? Welches Angebot für wen und mit welchen Finanzvolumen?


Will er das Theater sichern und denkt er immer noch über einen Theaterneubau 2018 nach, muss er diese
Fragen beantworten und von seiner Blockadehaltung abrücken. Die Rostocker Bevölkerung, aber vor allem
die Beschäftigten am Theater, um deren Arbeitsplätze es bei all diesen Diskussionen schließlich geht, haben
einen Anspruch auf klare und konkrete Aussagen ihrer Stadtregierung und die Formulierung zuverlässiger
Perspektiven für die Zukunft.

Ohne gegenseitige Achtung und die ernsthafte Bereitschaft Lösungen zu
finden und gegebenenfalls auch notwendige Kompromisse einzugehen, ist diese schwierige Lage nicht zu
überwinden. Die quälenden Auseinandersetzungen schaden inzwischen dem Standort Rostock ebenso, wie
dem Theater, dem Orchester und der Kultur im Allgemeinen.


Detlef Meierjohann


Geschäftsführer Hamburgische Staatsoper und
Vorsitzender des Landesverbandes Nord
im Deutschen Bühnenverein

Detlef Meierjohann ist sowohl Theater- als auch Verwaltungs-Fachmann: nach einer allgemeinen kaufmännischen Ausbildung zum Notariats- und Rechtssachbearbeiter und einer Schauspielausbildung war er zu Beginn seiner Laufbahn in den Jahren 1974 bis 1983 zunächst an verschiedenen Theatern als Schauspieler, Regieassistent, Dramaturg, Disponent und Spielleiter tätig. Von 1983 bis 1987 war er Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros am Landestheater Coburg, 1987 bis 1990 Chefdisponent und Vertreter des Generalintendanten am Staatstheater Braunschweig, 1990 bis 1993 Betriebs- und Operndirektor an der Oper Frankfurt, dort anschießend bis zum Ende der Spielzeit 1996/1997 stellvertretender geschäftsführender Intendant der Zentralen Theaterbetriebe der Städtischen Bühnen. Seit Beginn der Spielzeit 1997/98 ist Detlef Meierjohann Geschäftsführer der Hamburgischen Staatsoper.

E-Mail: baerbel.schlapmann@rostock.de.
www.volkstheater-rostock.de

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03.01.2013 Diskussion um soziale Gerechtigkeit

GFDK - Heinz Sauren

Willkommen 2013. Das neue Jahr wird viele Veränderungen bringen. Wir werden erleben, dass dieses Jahr das "Soziale Jahr" werden wird. Die Wahlkämpfer wissen, dass sie gegen ein soziales Gewissen nicht gewinnen können. Die Mittellosen wissen, dass ihnen ohne neue soziale Aspekte, noch mehr Entbehrung droht.

Die Wohlstandsbürger und die Besitzenden spüren, dass sie die Diskussion um soziale Gerechtigkeit führen müssen, um eine grundsätzliche Infragesstellung ihrer Besitztümer zu vermeiden. Doch das alles wird inhaltslos sein und fade schmecken, weil es eine oberflächliche Diskussion bleiben wird, die zwar mit medial wirksamen Beruhigungshäppchen ein wenig an den Symptomen herum feilt, ohne jedoch die Ursachen anzugehen.

Wir werden militärische Auseinandersetzungen erleben, die erstmals nach drei Generationen, wieder den Kern Europas, zumindest politisch bedrohen werden und wir werden lernen, das Kriege die Ultima Ratio depressiver Wirtschaftskreisläufe sind. Am Ende dieses Jahres werden wir in der Summe schlechter dastehen als heute. Aber vielleicht wird es auch das Jahr werden, an dem sich der Funke der Hoffnung, auf einer tatsächlichen Veränderung entzünden wird. Willkommen 2013.

Heinz Sauren studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
Rechtswissenschaften und Philosophie. Im weiteren bezeichnet er sich als Autodidakt.

Beruf: Schriftsteller
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS)

Berufung: Buchautor, Kolumnist, Essayist, Aphoristiker und Freigeist

Politische Ausrichtung
Politische Einstellungen sollten keinen Parteien-, sondern einen begründeten Sachbezug haben, daher reicht mein politisches Spektrum von rechtsliberal bis linkskonservativ und in Fällen empfundener Ungerechtigkeit, darf es auch mal etwas Anarchie sein.

Religiöse Einstellung
Die etwaige Existenz oder Nichtexistenz eines Schöpfergottes ist nicht, von persönlichen Präferenzen, gesellschaftlichen Definitionen oder einem Glauben daran, abhängig.

Seine Lieblingszitate

” Die meisten Menschen haben einen Erkenntnisradius gleich null, das nennen sie dann ihren Standpunkt.” Albert Einstein

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.” Theodor Adorno

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01.01.2013 Unsere Demokratien haben die Welt zerstört

GFDK - Heinz Sauren

Die Herausforderungen unserer Zeit sind gewaltig. Die größten ergeben sich aus ökonomischen und ökologischen Fragestellungen, die unsere Lebensgestaltung der Vergangenheit mit sich gebracht hat. Der Weg den wir als Gesellschaft beschritten haben, hat zu Problemen geführt, die nahezu ausschließlich auf persönliches und gesellschaftliches Fehlverhalten in Bezug auf uns selbst und die Welt in der wir leben zurück zu führen sind.

Entrechtung und Ausbeutung

Wir erleben heute die Ergebnisse unserer Antworten, die wir auf die Probleme der Vergangenheit gefunden haben. Unsere Antworten lauteten, Umweltzerstörung, Kapitalismus, bewaffnete Konflikte und die Entrechtung jeglicher Lebensformen dieses Planeten als Besitz und Ressource. Die von uns gefundenen Lösungswege sehen nun auch in zunehmenden Maße, die Entrechtung und Ausbeutung der Ressource Mensch vor.

Es ist offensichtlich, dass die von uns erkannten Lösungswege unsere Situation nicht verbesserten, sondern den fatalen Irrtum eines Weges offenbaren, dessen Ende wir nun erreicht haben. Ob es uns gefällt oder nicht, diesen Weg können wir nicht weiter gehen, zumindest nicht wenn wir uns eine eigene Zukunft zugestehen wollen.

An den Rand des Abgrunds

Wir müssen einen anderen, einen neuen Weg finden und uns von den bisherigen gesellschaftlichen Zielen und Dogmen abwenden, die uns bis hier, an den Rand des Abgrunds geführt haben. Unser gesamtes Denken, unser Handeln, unsere gesellschaftlichen Ziele und wirtschaftlichen Forderungen, beruhen auf Wertvorstellungen und Durchführungsmechanismen des Zeitalters der Kolonialisierung und der Industrialisierung. Diese haben wir nie wirklich verändert sondern nur beliebig reformiert und dadurch ihren grundlegenden Geist erhalten.

Alle von uns angewandten Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle haben den Beweis erbracht, an der Realität gescheitert zu sein und verdeutlichen uns drastisch, dass wir mit ihrer Hilfe nur eines zu erwarten haben. Den nächsten Schritt in den Abgrund. Es ist völlig unrealistisch anzunehmen, dass gerade die Werte- und Gedankenmodelle die uns erst in diese dramatische Lage brachten, nun dazu geeignet sein sollen, uns wieder aus ihr heraus zu führen.

Die Macht in den Händen derer die das Kapital halten

Vieles müsste verändert werden, um uns eine Zukunft zu sichern, als Mensch, als Gesellschaft und als Spezies generell. Solche absolut notwendigen Veränderungen, sind jedoch nicht zu erwarten. Eines der Ergebnisse, die wir zur Lösung unserer Probleme schufen, sind die Machtstrukturen der Gesellschaft, nach denen sich weltweit die Macht in den Händen derer bündelt, die das Kapital halten.

Offensichtlich ist jedoch, dass das Kapital nicht die Lösung, sondern der Grund der meisten Probleme der Menschheit ist. Die Verwaltungsform dieses Problems, als Teil des Problems selber, ist die Demokratie. Diese Demokratie ist eine Worthülse, die unter falschen Prämissen die Konsumfreiheiten der Marktwirtschaft als substanziell demokratisch verklärt.

Diese Demokratie ist ein qualitätsloser Quantitätsanspruch.

In einer tatsächlichen Demokratie wäre Quantität nur die nominelle Darstellung einer Mehrheit, zur Durchsetzung einer höheren Qualität, von der sie überzeugt wäre. Die uns vorliegende Demokratie beflügelt jedoch die Quantität, zu dem einzig gültigen Maßstab in ihr, indem sie die Qualität abschaffte. Qualität ergibt sich aus einem „besser als“ oder „schlechter als“ gegenüber einem Bezugssystem und somit aus einer deutlichen Differenzierung, als vollzogene Nicht-Gleichstellung des Bemessenen.

Eine alles umfassende Gleichmacherei

Die uns vorliegende Demokratie hat jedoch als Ziel die Konsumfreiheit als Durchsetzung einer expandierenden Marktwirtschaft. Um diese zu gewährleisten, muss eine Maximum an Freiheit zum Konsum geschaffen werden und als erste Vorraussetzung daraus ergibt sich, niemanden den Zugang zum Konsum zu verwehren oder zu erschweren. Das Ergebnis wird uns als demokratischste aller Errungenschaften dargestellt, nach der alle Menschen sind gleich sein. Hieraus leitet unsere Demokratie, eine alles umfassende Gleichmacherei ab, die sie uns als Grund aller Gerechtigkeit darstellt.

Gleich bedeutet aber zuerst, nicht different und die Unterdrückung der Differenzierung. Sie macht die Unterschiedlichkeit in der Qualität zu nichte. Was bleibt ist die Quantität, als einzig verbleibendes Reglementarium der Demokratie. Demokratie ohne die unterschiedlichen Qualitäten ihrer Teilnehmer, ist die Diktatur der Quantität. Die Folgen aus diesem Vorgang sind überall erkennbar und Grundlage der meisten, unserer Probleme.

Der Grund für unser Versagen als Gesellschaft

Dabei steht die so gerne propagierte Gleichheit aller Menschen, im absoluten Widerspruch zu dem was wir über die Evolution und den Menschen selber wissen. Keine Wissenschaft und niemand persönlich geht davon aus, dass auch nur zwei Menschen gleich sind, dennoch ist diese falsche Annahme die Grundlage unserer Demokratie und generiert daraus den Grundsatz, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Pflichten haben. Diese vermeintliche Gerechtigkeit, ist die eigentliche Ungerechtigkeit unserer Gesellschaft und der Grund für unser Versagen als Gesellschaft.

In einer Gesellschaft die von gleichen Rechten aller ausgeht und ihre gesamte Lebensgestaltung auf der Wahrnehmung dieser Rechte aufbaut, sind diejenigen die aufgrund ihrer persönlichen und tatsächlichen, biotischen und kognitiven Möglichkeiten, anderen unterlegen sind, unverhältnismäßig stark benachteiligt. Sie können ihren Platz in der Gesellschaft nicht selbst bestimmen und nicht aus eigener Kraft wahren.

Sie sind auf die Hilfe der Stärkeren angewiesen und können ihren Platz in der Gesellschaft nur mit derer Zustimmung einnehmen. Ihre Teilnahme an der Gesellschaft wird alimentiert. Im Gegenzug dazu sind die Stärkeren übermäßig bevorteilt da sie sich ja nur an dem Level der Schwächeren messen müssen. Es entsteht eine Gesellschaft wie sie uns vorliegt. Eine Elite führt die Gesellschaft und ein großer Anteil der Teilnehmer ist auf deren guten Willen und Fürsorge angewiesen.

Kein Recht aus uneingeschränkt großen Besitz

In einer tatsächlichen Demokratie, würde nicht die Gleichheit aller angenommen werden, die sich dadurch auch nicht an für sie persönlich zu hohen Ansprüchen messen müssen, oder an zu niedrigen messen dürften. Nicht ein gleich machender Wert, wie in dieser Demokratie das Geld, wäre bestimmend für den Platz in der Gesellschaft, sondern allein die persönliche Befähigung und der Wille wäre entscheidend. Daraus ergäbe sich aber auch, dass es kein Recht aus uneingeschränkt großen Besitz gäbe, sowie keine Pflicht den Mehrwert dafür zu erwirtschaften.

In einer Demokratie muss jeder nach seinen Befähigungen und seinem eigenen Willen einen Platz finden, der den gleichen gesellschaftlichen Rang hat wie jeder andere Platz auch. Um dies zu verwirklichen brauchen wir keine Gesellschaft ohne Geld, aber eine Gesellschaft die keinen anderen Wert, auch nicht den des Geldes als bestimmende Gleichmachung aller zulässt. Alle Rechte innerhalb der Gesellschaft für jeden Einzelnen ergeben sich aus dem Platz der in der Gesellschaft eingenommen wird.

Aufgabe einer Demokratie ist es nicht, die Menschen analog und für ihre Teilnahme an ihr zu belohnen, sondern alle Teilnehmer in der Wahl ihres Platzes gewähren zu lassen, auch wenn dies für die Demokratie selber ein Erschwernis bedeutet. Demokratie ist nicht der Selbstzweck einer gerechteren Verwaltung, sie ist die Gesellschaftsform die ein Maximum an Individualität zu gewährleisten hat.

Die Freiheit selber ist strittig

Demokratie ist kein Modell allumfassender Gerechtigkeit. Demokratie ist die Gesellschaftsform der größt möglichen Freiheit. In Massengesellschaften schließt sich die Gerechtigkeit für alle, gegen die Freiheit des Einzelnen aus.

Es steht zu befürchten, dass viele, die heute eine Demokratie wollen, eine wirkliche Demokratie ablehnen würden. Dieses scheint immer mehr Menschen bewusst zu werden und erklärt die halbherzigen Versuche unser Staatswesen zu verändern. Für die meisten Menschen wäre die Einführung einer Demokratie, eine Beschneidung ihrer verantwortungslosen Freiheit. Selbst die Freiheit selber ist strittig. Für wenige ist Freiheit eine eigenverantwortliche und selbst bestimmte Lebensgestaltung, für die meisten jedoch ist Freiheit der uneingeschränkte Konsum in größtmöglicher Sicherheit, für das sie gerne viele freiheitlichen Rechte opfern.

Es ist nicht zu erwarten, dass die Marktdemokratien ihr vernichtendes Treiben aus Einsicht um die fatalen Folgen für alles Leben auf diesem Planten einstellen. Der utilitaristische Trieb des Menschen scheint ungebrochen und die Folgen sind wohl erst dann ausreichend dramatisch, wenn der Konsum des Einzelnen nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. So ist auch nicht anzunehmen das die Machtstrukturen aufgegeben werden.

Den Status Quo aufrecht erhalten

Im Gegenteil ist überall zu beobachten, dass alles unternommen wird um den Status Quo aufrecht zu erhalten. Es ist also zu erwarten, dass diese Gesellschaft den totalen Zusammenbruch ihrer selbst einleitet. Dieser Kollaps wäre wohl nicht notwendig, ist aber den Grundzügen der Menschlichkeit geschuldet, der Gier und dem Neid.

Im Grunde ist also nicht die Frage relevant, was wir in dieser anachronistischen Gesellschaft verändern können. In ihr gibt es nichts zu verändern, sie ist so oft verändert reformiert und umgestaltet worden, dass alle in ihr möglichen Spielarten ausgeschöpft sind. Dieses Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell ist ein Relikt vergangener Zeit. Antworten auf die Fragen unserer Zukunft werden durch eine neue Gesellschaft gegeben werden müssen. Eine Gesellschaft, die in dieser aufgrund unterschiedlichster Wertvorstellungen nicht möglich ist und sich erst aus bilden kann und wird, wenn diese Gesellschaft sich, an sich selbst, zu Grunde gerichtet hat.

Diese Demokratie erscheint vielen als gerecht. Ist die millionenfache tägliche Vernichtung von Leben zur Erhaltung eines immer währenden Wachstums gerecht? Ist die Zerstörung des Lebensraumes beinahe aller Lebensformen, die mit uns diese Welt teilen gerecht? Ist die Entrechtung der Menschen in Arbeit gerecht? Ist die Bemessung von allem in Geld gerecht?

Gerechtigkeit war noch nie ein Maßstab für unser Handeln

Wovor haben wir Angst, wenn eine tatsächliche Demokratie vielleicht nicht für jeden gerecht wäre? Gerechtigkeit war noch nie ein Maßstab für unser Handeln. Was immer wir in Zukunft entscheiden, es wird nicht gerecht sein. Vielleicht aber können wir entscheiden frei zu sein. Freiheit ist höher zu bemessen, als eine vermeintliche Gerechtigkeit, die in ihrer Durchführung noch mehr Ungerechtigkeit schafft.

Unsere Demokratien haben die Welt zerstört

Ich verbleibe in diesem Sinne

Heinz Sauren

Heinz Sauren studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
Rechtswissenschaften und Philosophie. Im weiteren bezeichnet er sich als Autodidakt.

Beruf: Schriftsteller
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS)

Berufung: Buchautor, Kolumnist, Essayist, Aphoristiker und Freigeist

Politische Ausrichtung
Politische Einstellungen sollten keinen Parteien-, sondern einen begründeten Sachbezug haben, daher reicht mein politisches Spektrum von rechtsliberal bis linkskonservativ und in Fällen empfundener Ungerechtigkeit, darf es auch mal etwas Anarchie sein.

Religiöse Einstellung
Die etwaige Existenz oder Nichtexistenz eines Schöpfergottes ist nicht, von persönlichen Präferenzen, gesellschaftlichen Definitionen oder einem Glauben daran, abhängig.

Seine Lieblingszitate

” Die meisten Menschen haben einen Erkenntnisradius gleich null, das nennen sie dann ihren Standpunkt.” Albert Einstein

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.” Theodor Adorno

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01.01.2013 Shitstorm auf ARD-Facebook-Seite

GFDK - Iris Nicole Masson

Was Ihr schon immer über die Hybris der Eliten im Staatsfunk wissen wolltet:

Schönenborn diskreditiert all jene, die sich außerhalb der von der ARD zugelassenen Diskurs-Reservate politisch zu Wort gemeldet haben: Dumpfe Wut-Bürger, die jede Form von gesellschaftlicher Solidarität aufkündigten; GEZ-Kritiker sind für ihn nichts anderes als Feinde der Demokratie. Für den ARD-Mann zeichnet sich wahre Demokratie dadurch aus, dass alle Bürger gezwungen werden, die öffentlich-rechtlichen Sender zu finanzieren.

Ein Grundgehalt von 330.000 EUR

Dazu schreibt der GEZ-Kritiker Rene Ketterer Kleinsteuber, der im Internet eine Protest-Plattform gegen die Zwangsgebühr betreibt: „Was bedeutet Solidarität in diesem Kontext? Solidarisch mit wem? [...] Mit WDR-Intendantin Monika Piel etwa, die inkl. Aufwendungen für ihren Dienstwagen ein Grundgehalt von 330.000 EUR im Jahr bekommt? Aus Zwangsbeiträgen? Und wer zahlt diese? Z. B. die allein erziehende Frisörin, die 200 Stunden im Monat auf den Füßen steht, um gerade einmal 700 EUR für ihren Unterhalt nach Hause zu bringen. Deren Rundfunkbeitrag macht 2,5% ihres Einkommens aus (bei Frau Piel entspricht das 0,00045% ihres Gehalts!).

Schönenborn indes sieht die öffentlich-rechtlichen Sender als die wahren und einzigen Hüter der Demokratie: „Der Rundfunkbeitrag ist genau genommen eine 'Demokratie-Abgabe'. Ein Beitrag für die Funktionsfähigkeit unseres Staatswesens und unserer Gesellschaft. Demokratie fußt auf der Urteils- und Entscheidungsfähigkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger."

Schönenborn behauptet allen Ernstes, dass das aufgeblähte, unkontrollierte, völlig intransparente, von Korruptionsskandalen zerfressene System der öffentlich-rechtlichen Sender die notwendige Bedingung zum Funktionieren der Demokratie in Deutschland ist. Jener „Staat im Staate“, über den der Medienkritiker Hans-Peter Siebenhaar beschreiben kann, wie die politischen Machenschaften in den Hinterzimmern ablaufen.

Der Mann vom Fernsehen hat nicht verstanden, worum es den Kritikern an der GEZ geht: Sie wollen kein System, in dem sie gezwungen werden, für etwas zu zahlen, das sie nicht nutzen.

Schönenborn liefert ein unfreiwilliges Sittenbild einer offenbar erschreckenden inneren Verkommenheit des öffentlich-rechtlichen Systems. Er demaskiert sich und seine Auftraggeber als das Gegenteil dessen, wofür sie sich brüsten. Schönenborns Antwort auf die Kritiker der GEZ ist ein Beleg dafür, dass diejenigen, die sich aus den Futtertrögen des Staates nähren, zwangsläufig keine Geschmacksnerven mehr dafür haben, wie Demokratie wirklich schmeckt.

Shitstorm auf ARD-Facebook-Seite

Der Unmut über den Rundfunkbeitrag entlud sich am 22. Dezember auf der Facebook-Seite der ARD. Binnen weniger Stunden schrieben empörte Facebook-Nutzer knapp tausend Beiträge, während die ARD sich kaum auf eine Diskussion einließ. Diese Sturheit und die fehlende Dialogbereitschaft machte die Empörung der Facebook-Anwender nur noch größer.

Und da griff die ARD zu altbekannten Mitteln: Sie sperrte viele Facebook-Anwender und löschte ihre Beiträge. Gleichzeitig beteuerte sie mehrmals, dass die von den verbliebenen Facebook-Anwendern erhobenen Zensur-Vorwürfe haltlos seien.

Fakt ist, dass die gesamte Volkswirtschaft diesen monströsen Apparat mit zurzeit 7,5 Milliarden EUR im Jahr finanzieren muss, den Schönenborn (s.u.) als "Demokratie-Abgabe" so vehement verteidigt. Solch ein Wortkonstrukt hätte man eher vom toten Gaddafi oder noch lebenden Baschar al-Assad erwartet. Gottschalk also rettet die Demokratie, indem wir sein Schloss finanzieren!

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk scheint derzeit nervös zu werden: Zensur, unüberlegte und emotionelle Äußerungen, falsch und hastig verfasste Artikel und immer wieder gebetsmühlenartig dieselben Floskeln und Textbausteine. Es sind dieselben Handlungen, die auch Diktaturen vollziehen, wenn ihre Macht bröckelt und sie an Bedeutung und Halt bei der Bevölkerung verlieren. Der Unterschied liegt in diesem Fall darin, dass wir zwar (noch) keine ausgeprägte Staatsdiktatur, doch aber eine Diktatur der Medien haben.

Diese Mediendiktatur namens öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat sich durch ihre unendliche Gier nach immer mehr durch die Einführung des Rundfunkbeitrags einen echten Bärendienst erwiesen: Sie hat damit ihr eigenes Ende eingeläutet.

Arroganz pur: WDR-Chefredakteur verhöhnt Kritiker, nennt GEZ eine „Demokratie-Abgabe“

deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/30/arroganz-pur-wdr-chefredakteur-verhoehnt-kritiker-nennt-gez-eine-demokratieabgabe/

 

 

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