Reden ist silber, Schreiben ist gold

10.11.2012 Hirntod ist ein gefährlicher Begriff

GFDK - Heinz Sauren

Der Hirntod ist ein gefährlicher Begriff. Wer vor zehn Jahren, nach Stand der damaligen Meßtechnik Hirntod war, dürfte es heute bereits nicht mehr sein, da genauere Meßungen möglich sind. Wie immer auch der Stand der Technik sein wird, ist dieser Stand nicht mehr als ein "momentaner", und sagt wenig über den tatsächlichen Tod aus.

Das Gehirn steuert unsere Körperfunktionen. Sobald das Gehirn tatsächlich tot ist, zersetzen sich die neuralen Vernetzungen. In diesem Fall wäre auch eine künstliche Lebenserhaltung nicht mehr möglich, da es auch keinen Stoffwechsel mehr geben würde. Solange ein Mensch künstlich am Leben gehalten werden kann, mögen gewisse Funktionen (noch) nicht mehr meßbar sein, aber er ist nicht tot. Auch wenn es unserem Glauben an eine allwissende Medizin widerspricht, eine Organspende eines Toten ist nicht möglich.

Der Tod ist kein plötzlich eintretendes Ereignis, ähnlich einem Lichtschalter den man ausknippst. Er ist wie alles in unserem Leben ein Prozess, der seine Zeit braucht und erst abgeschlossen ist, wenn sich alle Organe durch mangelnde Versorgung zersetzen und ihre Funktion verlieren. Dann aber sind sie auch für eine Transplantation nicht mehr zu gebrauchen.

Nach dem Herztod bleibt das Gehirn noch mehrere Minuten funktinonstüchtig, bis dann der Hirntod festgestellt werden kann. Auch nach dem Hirntod ist das Gehirn noch aktiv, hat noch Kontakt mit den Nervenbahnen, reagiert nur nicht mehr auf äussere Stimulation.

Ich muss davon ausgehen, das mein "ich" sich mit meinem Tod auflöst, aber erst aufgelöst ist, wenn das Gehirn zu 100% seine Tätigkeit eingestellt hat und nicht wenn noch x% verbleiben die aber noch nicht meßbar sind.
Eine große Problematik sehe ich auch in dem entnohmenen Organ. Wir alle wehren uns gegen Gen manipulierte Nahrung, weil wir nicht wissen, welche Folgen sich für unseren Körper daraus ergeben. Bei einer Transplantation lassen wir uns Gewebe oder Organe eines anderen Menschen einpflanzen.

Unser Körper wehrt sich gegen fremdes Gewebe, den fremden Gen-Code, daher müssen Transplantionspatienten den Rest ihres Lebens Medikamente schlucken, die diese Abwehrreaktion unterdrücken sollen. Ich glaube nicht, dass unser Körper das aus ideologischen Gründen tut, sondern weil es ein Schutzfunktion ist.

Sie dürfte uns vor etwas bewahren wollen, was wir wohl erst bennenen können, wenn unsere Medizin es entdeckt hat und dann auch noch propagieren will. Wir sollten nicht vergessen, das unsere medizinischen Systeme nicht dazu dienen möglichst vielen Menschen zu helfen, sondern wie jedes andere Wirtschaftssystem auch, Gewinne machen will und muss.


Ich lehne für mich jegliche Organtransplantation ab, als Spender und Empfänger.

 

Heinz Sauren studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
Rechtswissenschaften und Philosophie. Im weiteren bezeichnet er sich als Autodidakt.

Beruf: Schriftsteller
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS)

Berufung: Buchautor, Kolumnist, Essayist, Aphoristiker und Freigeist

Politische Ausrichtung
Politische Einstellungen sollten keinen Parteien-, sondern einen begründeten Sachbezug haben, daher reicht mein politisches Spektrum von rechtsliberal bis linkskonservativ und in Fällen empfundener Ungerechtigkeit, darf es auch mal etwas Anarchie sein.

Religiöse Einstellung
Die etwaige Existenz oder Nichtexistenz eines Schöpfergottes ist nicht, von persönlichen Präferenzen, gesellschaftlichen Definitionen oder einem Glauben daran, abhängig.

Seine Lieblingszitate

” Die meisten Menschen haben einen Erkenntnisradius gleich null, das nennen sie dann ihren Standpunkt.” Albert Einstein

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen.” Theodor Adorno


 

 

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08.11.2012 Ehemaliger EBS-Chef weist Untreue-Vorwürfe zurück

Marco Kreuter

Der frühere Chef der privaten Wiesbadener Elite-Universität European Business School (EBS), Christopher Jahns, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Wiesbadener Staatsanwaltschaft, von der er sich zu Unrecht verfolgt sieht. Jahns wirft der Staatsanwaltschaft vor, einseitig ermittelt zu haben. In der Sendung „defacto“ im hr-fernsehen sagt Jahns: „Ich habe zu keiner Zeit im staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren Fairness erfahren.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben mir die existenzielle Grundlage entzogen in wesentlichen Teilen. […] Ich hab meine Autos verkauft. Ich habe das Haus verkauft.“

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat Jahns wegen des Verdachts der Untreue zu Lasten der EBS angeklagt. Die Anklagebehörde wirft dem früheren Hochschul-Chef vor, auf Kosten der EBS Scheinrechnungen über rund 180.000 Euro an ein Unternehmen beglichen zu haben, an dem Jahns damals selbst beteiligt war. Jahns weist das zurück: „Zu den Vorwürfen kann ich ganz klar sagen, dass ich von meiner Unschuld zu einhundert Prozent überzeugt bin.“

Erstmals seit der Eröffnung des Ermittlungsverfahrens äußert sich Jahns im hr-fernsehen auch dazu, was die massiven Vorwürfe für ihn persönlich bedeuteten. Bis zu dem Ermittlungsverfahren galt Jahns als schillernde Figur in der hessischen Hochschulszene. Danach kam ein tiefer Absturz. In der Sendung „defacto“ berichtet er, er habe zwischenzeitlich Selbstmordgedanken gehabt: „Es gab einen Morgen, da hat meine Partnerin mich auf dem Balkon gefunden. Ich kann mich da nicht mehr so richtig dran erinnern. Und da wollte ich wohl vom Balkon springen. Aus der sechsten Etage.“

Unterdessen hat Jahns eine eigene Klage gegen das Land Hessen angestrengt und vor wenigen Tagen nochmals erweitert. Er fordert mindestens 155.000 Euro Entschädigung plus Schadensersatz wegen schwerwiegender Rechtsverstöße. Jahns wörtlich: „Ich wurde beschuldigt und in der Öffentlichkeit vorverurteilt, brutal vorverurteilt von der Staatsanwaltschaft.“

Dem hr-Magazin „defacto“ gegenüber verteidigte Jahns auch die rund 600.000 Euro teure Feier zur Eröffnung der EBS-Universität in Wiesbaden. Jahns: „Ich denke diese Universitätsfeier war richtig. Mit tausend Leuten das zu feiern. Mit der Wirtschaft, mit den Förderern, mit zukünftigen Förderern. Das ist nicht aus Steuergeldern bezahlt worden, sondern aus dem Budget der EBS.“

Jahns gibt erstmals auch eigene Fehler zu: So sei es nicht richtig gewesen, nach der Umwidmung der EBS von einer privaten Business School in eine Universität, den Chefposten behalten zu haben. Jahns: „Dann kamen bei der Unigründung die Steuergelder dazu. Und das würde ich im Nachhinein anders machen. Weil: Ich hätte, glaube ich, damals als Präsident auch sagen müssen: Okay, ich habe das alles hingebracht und jetzt konzentriere ich mich wieder ganz auf mein Unternehmen. Ich glaube nicht, dass das in Deutschland richtig möglich ist: Präsident einer Hochschule zu sein - auch wenn es eine private ist - und gleichzeitig Unternehmer.“

Eine Rückkehr an die EBS schloss Jahns auch für die Zukunft aus: „Ich denke das Thema EBS und Jahns, das Kapitel ist abgeschlossen. Ja, und das ist auch gut so.“

Die Anklage gegen Christopher Jahns liegt derzeit beim Landgericht Wiesbaden. Dort wird nun entschieden, ob das Hauptverfahren eröffnet wird. Jahns: „Ich bin voller Hoffnung, dass gerade die jetzt mit der Sache beschäftigen Gerichte absolut fair und rechtsstaatlich entscheiden werden.“

Das komplette Gespräch wird in der Sendung „defacto“ am Sonntag um 18 Uhr im hr-fernsehen ausgestrahlt.

Untreue-Verdacht EBS-Präsident Jahns festgenommen

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region/untreue-verdacht-ebs-praesident-jahns-festgenommen-1622181.html

Eliteschmiede EBS Hochschule durchsucht, Präsident verhaftet

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/eliteschmiede-ebs-hochschule-durchsucht-praesident-verhaftet-a-755002.html

 

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06.11.2012 also rechtlich eine Leiche

GFDK - Prof. Dr. med. Axel W. Bauer

Der Hirntod wurde 1997 im deutschen Transplantationsgesetz (TPG) aus drei Gründen verankert, die nichts mit der medizinischen, philosophischen oder theologischen Korrektheit dieses neuen Todeskriteriums zu tun hatten. Vielmehr nahm der Gesetzgeber Bezug auf Probleme, die eintreten könnten, wenn man den Hirntod nicht als den Tod des Menschen betrachten würde:

1. Der Arzt würde den Patienten bei der Organentnahme töten; 2. die aktive Sterbehilfe könnte begünstigt werden; 3. die Bereitschaft zur Organspende in der Bevölkerung könnte abnehmen.

Die Begründung des Hirntodkriteriums leitete sich also nicht aus der Sache an sich, sondern aus den unerwünschten Folgen einer Zurückweisung eben dieses Kriteriums ab. So entstand nicht zu Unrecht der Eindruck, der Staat wolle schwer kranke und am Beginn des Sterbeprozesses stehende Menschen nur deshalb rechtlich für tot erklären, um ihnen Organe für Transplantationszwecke entnehmen zu können.

Die daraufhin vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer formulierten Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes sehen deshalb auch vor, dass durch die entsprechende Diagnostik „nicht der Zeitpunkt des eintretenden, sondern der Zustand des bereits eingetretenen Todes“ festgestellt werde. Als Todeszeit wird die Uhrzeit registriert, zu der die Diagnose und Dokumentation des Hirntodes abgeschlossen sind.

Eigentlich wäre der Hirntote nun also rechtlich eine Leiche. Aber noch niemand ist auf die Idee gekommen, einen solchen Menschen zu bestatten. Denn für eine Bestattung ist der Hirntote längst noch nicht tot genug. Er lebt nämlich noch! Zunächst müssen also die intensivmedizinischen Maßnahmen abgebrochen und die künstliche Beatmung beendet werden, damit der Hirntote nach einer Weile tatsächlich sterben kann. Und erst dann, wenn der Tod des gesamten Organismus nach dem irreversiblen Herz- und Kreislaufstillstand eingetreten ist, kann die Bestattung des Verstorbenen erfolgen.

Das Hirntodkriterium wurde von Anfang an instrumentalisiert, um einem Sterbenden lebende Organe für Transplantationszwecke entnehmen zu können.

Das Transplantationsgesetz wurde auf juristisch raffinierte Weise dazu benutzt, diesen Zusammenhang zu vernebeln. In den Organspendeausweisen ist nur davon die Rede, dass „nach meinem Tod“ bzw. „nach der ärztlichen Feststellung meines Todes“ Organe entnommen werden dürfen. Es wird nicht darauf hingewiesen, dass mit dem Tod nur der Ausfall der Gehirnfunktionen gemeint ist.

Bewusste Irreführung der Öffentlichkeit

Diese bewusste Irreführung der Öffentlichkeit wird durch das Transplantationsgesetz formal legitimiert, denn § 3 Absatz 1 Nr. 2 TPG sagt ausdrücklich, dass die Entnahme von Organen oder Geweben nur zulässig ist, wenn „der Tod des Organ- oder Gewebespenders nach Regeln, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen, festgestellt ist“.

Mit anderen Worten: Wann wir tot sind, entscheidet autoritativ der Mainstream der medizinischen Wissenschaft in eigener Regie. Und dieser Mainstream, der natürlich vorrangig auf die Interessen der einflussreichen Transplantationsmediziner Rücksicht nimmt, hat sich eben derzeit auf den Hirntod als das entscheidende Todeskriterium geeinigt. Der Gesetzgeber selbst hat dies in kluger, aber auch raffinierter Weise nicht selbst getan.

Er hat lediglich in § 3 Absatz 2 Nr. 2 TPG festgelegt, dass Organe und Gewebe frühestens dann entnommen werden dürfen, wenn „der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms nach Verfahrensregeln, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen, festgestellt ist.“

Sowohl der Staat als auch die Kirchen vertreten seit mehr als 20 Jahren die verfehlte Auffassung, dass die Kriterien für die Feststellung des Todes von der medizinischen Wissenschaft nach medizinisch-naturwissenschaftlichen Regeln zu definieren seien. Die Definition des Todes sei keine Aufgabe der Politik oder des Gesetzgebers.

Allein die natur­wissenschaftliche Forschung könne für alle Menschen in gleicher Weise feststellen, welche körperlichen Befunde Leben und Tod voneinander abgrenzen, unabhängig von einem be­stimmten Menschenbild oder einem subjek­tiven Verständnis von Leben und Tod. So hat diesen Grundgedanken der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag am 25. Juni 1997 formuliert.

Vom Mainstream der Medizin gewünschte Kriterien

Verfehlt ist diese Auffassung aber deshalb, weil es zwar die medizinische Wissenschaft ist, mit deren Methoden ein Arzt feststellen kann, ob die für die Bestimmung des Todes geltenden Kriterien im Einzelfall tatsächlich vorliegen oder nicht. Es kann aber nicht der Medizin überlassen werden, welche gerade aktuellen, vom Mainstream der Medizin gewünschten Kriterien für den Tod herangezogen werden.

Eine derartige Autonomie der Medizin darf es in einem Rechtsstaat nicht geben.  Hier geht es um eine Grundfrage des menschlichen Lebens und seines vom Staat zu gewährleistenden Schutzes. Der Hirntod ist nicht der Tod des Menschen, sondern er markiert das vorzeitige Ende des seinen Bürgern vom Staat garantierten Rechts auf Leben.

 

Prof. Dr. med. Axel W. Bauer
Mitglied des Deutschen Ethikrates

von April 2008 bis April 2012

http://www.ethikrat.org/

Organtransplantation - Von der Gesundheits- zur Tötungsindustrie ?

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/reden-ist-silber/meinung/organtransplantation-von-der-gesundheits-zur-toetungsindustrie.html

 

 

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05.11.2012 Zarathustra-Hedda triumphiert – und scheitert

GFDK - Liane Bednarz

Sie hat schwarze Hände. Voller Ruß von den Ascheresten eines Manuskripts, das sie im lodernden Feuer verbrannt hat. Als sie eine weiße Wand berührt, hinterlassen ihre Hände merkwürdigerweise jedoch keine Spuren. Nichts bleibt von Hedda Gabler - ihr gehören die Hände. Weder im Leben, noch im Tod. Dieses besonders eindringliche Bild prägt Intendant und Regisseur Martin Kusej dem Publikum im Residenztheater München ins Gedächtnis ein.

„Hedda Gabler“ im „Resi“. Da erwartet man Großes, Neues. Denn hier wurde Ibsens Meisterwerk am 31. Januar 1891 uraufgeführt. Also Chance und Herausforderung für Martin Kusej zu Beginn seiner zweiten Spielzeit am Bayerischen Staatsschauspiel. Und der gebürtige Kärtner ist mutig ans Werk gegangen: So düster, so abgründig, so niederträchtig hat man Ibsens Antiheldin in den letzten Jahren selten auf deutschen Bühnen gesehen. Hedda Gabler in der Lebensgruft, tot schon zu Lebzeiten.

Düsterfrau im fahlen Licht

Ibsens dramatischer Vierakter erzählt die Geschichte einer Generalstochter, die sich mehr von einer Ehe erhoffte, als sie bekam, damit furchtbar hadert und sich in Allmachtsphantasien flüchtet. Noch vor dem ersten Wort aus Ibsens Feder hört man aus dem Off Worte aus Nietzsches „Also sprach Zarathustra“: „Einst blickte die Seele verächtlich auf den Leib: und damals war diese Verachtung das Höchste.“ Zarathustra als Opener für „Hedda Gabler“? Übermensch und Übermenschin?

Die Inszenierung beginnt düster-puristisch, und düster-puristisch bleibt sie (Bühne: Annette Murschetz). Kaum Weiß im dominierenden Schwarz. Harte, klare Schnitte trennen die einzelnen Szenen voneinander: völlige Dunkelheit, untermalt von dissonanten Tönen (Musik: Jan Faszbender). Die teure Villa, in die Hedda mit Ehemann Jørgen Tesman kurz nach der ebenfalls teuren Hochzeitsreise einzieht, ist links nur durch eine strahlend weiße, stuck-verzierte Wand und Tür angedeutet. Der Rest der weit nach hinten reichenden Bühne bleibt schwarz. An den seitlichen Wänden dunkelgraue, schieferartige Platten, rechts ein fahl angeleuchteter Haufen aufeinander geworfener schwarzer Bistro-Stühle.

Leere Villa, leere Seelen, leere Ehe

Barbara de Koy als Juliane, die Tante Tesmans, lässt durchblicken, was es mit den Lebensumständen der Tesmans auf sich hat. Die in Michigan geborene Schauspielerin zeichnet spielsicher eine hysterische und besitzergreifende eifersüchtige alte Jungfer. Alles ist auf Pump finanziert, alles auf einen nahenden beruflichen Erfolg Tesmans gesetzt. Er, der Kulturwissenschaftler, soll bald zum Professor ernannt werden. Aber Alternativen gäbe es sowieso keine, denn Generalstochter Hedda verlangt nach einem standesgemäßen Leben. Kleinbürgertum kommt für sie nicht in Frage. Das war, sozusagen, der „Deal“ einer Ehe, die Hedda nicht aus Liebe eingegangen ist.

Aber was soll man schon machen, wenn man selbst älter und der Heiratsmarkt langsam leerer wird? Dann tut es notfalls auch ein Tesman, jedenfalls dann, wenn er vielversprechende Karriereaussichten zu haben scheint. Man ahnt: das kann nicht gut ausgehen. Und Norman Hacke spielt ihn wunderbar, diesen ahnungslosen, hoffnungslos verliebten, braven Deppen. Ständig ist Tesman bemüht, Hedda bei Laune zu halten, ihr alles recht zu machen. Seine Unterwürfigkeit erntet indes nur eines: Verachtung.

Ennui und Verachtung einer toten Lebendigen

Hedda macht keinen Hehl daraus, dass sie Tesman, die Tante und das „lächerliche“ Leben, das sie nun führt, verachtet. Birgit Minichmayrs Darstellung der Hedda lässt das Blut in den Adern gefrieren. Fleischgewordene Verachtung. Gelangweilt und angewidert von einer Kleinbürgeröde innerhalb einer viel zu großen Villa. Für Möbel reichte selbst das geborgte Geld nicht mehr aus. Man wohnt in fast leeren Räumen einer potemkinschen Edelbehausung.

Heddas einziger Zeitvertreib ist das Herumschießen mit ihren Pistolen – Erbstücke des General-Vaters. Ihr bleiches und gefühlloses Gesicht könnte direkt aus einem Wachsfigurenkabinett entstammen. Keine Spur einer menschlichen Regung, die über Gefrierschranktemperatur hinausreichen würde. Minichmayrs reduziertes Mimikspiel könnte kaum präziser sein.

Wie alle Figuren erscheint auch Martin Kusejs Hedda im historischen Kleid der Ibsen-Zeit (Kostüme: Heide Kastler). Ihr langer schwarzer satinartiger Rock und die cremefarbene Bluse, die später einem schwarzen, ebenfalls satinartigen Oberteil weicht, haben nichts Verspieltes an sich. Steife Korsettartigkeit. Das für diese Zeit eigentlich untypische, kurze Haar passt indes nicht ins Bild. Oder soll es ihre strenge Erscheinung unterstützen, sie abgrenzen?

Auch ihre Stimme ist rauh und hart. Mit klirrenden Worten und giftigen Blickpfeilen spießt Hedda ihre Mitspieler auf und treibt diese mit der Macht der Verachtung vor sich her. Deklassierend. Man erlebt einen fast asexuellen Zombie. Ein Rätsel, wie diese Hedda überhaupt schwanger werden konnte. Aber der Bauch, über den sie sich jedes Gespräch verbietet, ist unübersehbar.

Ibsenesker Wiedergänger aus der Vergangenheit

Ibsen-gemäß bricht nun in diese Ehehölle unvermittelt die Vergangenheit ein und lässt keinen Stein auf dem anderen stehen. Anders als etwa in den „Gespenstern“ oder der „Wildente“ deckt Ibsen in „Hedda Gabler“ jedoch keine Lebenslügen auf, entlarvt keine streng verheimlichten Vaterschaften. Sondern bringt mit Ejlert Løvberg – ebenfalls Kulturwissenschaftler und Studienkollege Tesmans – eine Figur ins Spiel, die die Ehe endgültig zur Komplettfarce degradiert.

Zur Erklärung: Ejlert Løvberg war einst Heddas Verehrer, und vertraute ihr seine dionysisch-satyrischen Ausschweifungen an. Eben jene stoppten jedoch auch seine Karriere. Nun steht er plötzlich wieder vor ihr. In der Villa. Geläutert. Nicht nur den Exzessen hat er abgeschworen, er hat obendrein einen kulturgeschichtlichen Bestseller geschrieben und bereits nachgelegt mit einem neuen Manuskript, ebenfalls bestsellerverdächtig. Sebastian Blomberg spielt Løvberg so bemüht selbstkontrolliert – das wilde Tier in ihm scheint nur auszuruhen –, dass man schmunzeln muss. Er wirkt wie ein Gummibaum, der sich als harte Eiche verkleidet hat. Ja, es gibt durchaus auch Amüsantes.

Die Vernichtung

Durch Løvbergs Ruhm wirkt nun also Tesmans Werk über den „Hausfleiß im Brabant des Mittelalters“ noch lächerlicher. Bestsellerpotential null. Das erkennt auch Hedda überdeutlich und holt zum Vernichtungsschlag aus, indem sie Løvbergs Schwachstelle bearbeitet: Seine dionysisch-satyrische Natur. Auch Thea Elvsted kann ihn davor nicht retten, ein scheinbar naiv-liebes, zugleich aber enorm enervierendes Frauchen, das Løvberg aus der Provinz nachgereist ist.

Die gerade aus Hannover ans Residenztheater verpflichtete Schauspielerin Hanna Scheibe schafft es meisterhaft, den Spagat zwischen platt-motivierender Künstlermuse und nervigem Dummchen dazustellen. Ständig plappernd, ständig Løvberg betüddelnd, ständig bemüht, ihn vor sich selbst zu schützen. Dabei so unaufgeräumt und fahrig wie ihre dauerzerzausten Haare. Aber ihre Besorgtheit ist durchaus ambivalent. Je mehr es mit Løvberg bergab geht, umso mehr bejammert Elvsted sich selbst. Løvbergs Karriere war auch ihr „Kind“. Kusej führt Elvsted so als Paradebeispiel des Menschen mit Helfersyndrom vor, dessen Antrieb vor allem eines ist: das eigene Ego.

Zarathustra-Hedda triumphiert – und scheitert.

Als Løvberg sein unveröffentlichtes neues Manuskript in einer durchzechten Nacht, die im Bordell endete, verliert, sieht Hedda ihre Chance kommen. Jene Hedda, die, da ausgerechnet ihr Ehemann das Manuskript auf der Straße gefunden hat, genau dieses längst selbst in den Händen hat. Von da an spielt Hedda – wie Nietzsches Übermensch – Schöpfer(in): „Ja! Ein einziges Mal in meinem Leben möchte ich Macht haben über das Schicksal eines Menschen.“ Und für Hedda heißt das: Ejlert Løvberg zum Suizid, also zur Selbstvernichtung zu überreden. Und zwar „in Schönheit“, unbedingt und bitte bitte „in Schönheit“, also mit einem präzisen Schuss aus einer ihrer Pistolen. Erbärmliche Machtphantasien einer gescheiterten Frau.

Aber es kommt es, wie es kommen muss. Nichts ist es mit der erträumten Schönheit der Tat des Suizidenten. Nein, nur ein hässlicher Unfall geschieht. Ausgerechnet bei einem weiteren Bordellbesuch Løvbergs löst sich ein Schuss aus der Pistole unter seiner Jacke und lässt ihn qualvoll verenden. Als Hedda die Nachricht vom schäbigen, so nicht geplanten Ende erhält, ist ihre Wut so groß, dass sie nur noch hilflos heiser fauchen und schreien kann.

Richter Brack, Überbringer der Nachricht, ist ein korpulenter, schmieriger Mann mit fettigem Haar. Von dem herausragenden Oliver Nägele wird er so treffend gezeichnet, dass man Heddas Ekel vor ihm förmlich selbst spüren kann. Und ausgerechnet der lässt dann auch noch durchblicken, dass er um alles weiß und die Polizei leicht dazu bringen könnte, Fragen nach dem Eigentümer der Pistole und dem Warum und Weshalb zu stellen. Könnte, aber nicht müsste. Solange Hedda eben, na ja, sie wisse schon. Als Vorgeschmack auf Kommendes knutscht er sie schon einmal ab.

Und Hedda? Erkennt ihre Nicht-Macht. In der Hand eines anderen sein? Niemals! Sie geht nach hinten ab. Und drückt ab. Ende einer Pistolenfrau. Derweil versuchen Tesman und Thea, Løvbergs Manuskript zu rekonstruieren, das Hedda in einer schon dem Wahnsinn anheimfallenden Allmachtsphantasie zuvor im offenen Feuer verbrannt hatte. Ab da hatte sogar Ehemann Tesman genug. Vom Suizid Heddas ein paar Meter weiter sind Tesman, Thea und Brack demgemäß lediglich kurz indigniert. Ungerührt gehen sie weiter ihrem Tagwerk nach. Vorhang.

Hedda Gabler hinterlässt keine Spuren. Sie ist nicht Zarathustra. Sie wollte nur wie Zarathustra sein. Aber dieser großartige Abend in München geht an den Zuschauern nicht spurenlos vorbei. Die düstere Inszenierung wirkt nach. Hier wurde man Zeuge eines Abstiegs in die Untiefen einer verlorenen Seele. Zurückgekehrt an den Ort, an dem das Stück einst uraufgeführt wurde.

Dr. Liane Bednarz

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."

Spielplan:

http://www.residenztheater.de/inszenierung/hedda-gabler

 

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03.11.2012 Wie steht die Kirche zum Töten eines Hirntoten?

GFDK - Eva Horstick-Schmitt

Wenn Ärzte nach dem Organspendeskandal mit anschließend dramatischem Rückgang von Organspenden nunmehr für größeres Vertrauen in die Organisation der Transplantationsmedizin eintreten und ich mich jetzt gegenüber meiner Versicherung erklären soll, ob ich den beigefügten Organspendeausweis ausfülle- oder es lasse, möchte ich wissen, warum diese Ärzte nicht mehr Vertrauen , Transparenz und Ehrlichkeit an den Tag legen.

Haben diese Ärzte selbst einen Organspende-Ausweis und wenn -würden sie diesen in einer Anzeige veröffentlichen , um Vertrauen bei den "human ressources" zu gewinnen? Haben Ärzte und Krankenschwestern, die selbst in der Transplantationsindustrie arbeiten, also selbst einen Organspendeausweis ? Und wie hoch ist deren prozentualer Anteil im Vergleich zu nicht in der Transplantationsmedizin Tätigen im sonstigen medizinischen Bereich und auch zur Bevölkerung, die nicht in dieser Industrie arbeiten und um deren Umstände wissen.

Wie steht die Kirche zum Töten eines Hirntoten?

Wir lesen nichts darüber. 

Der biologische Tod ist sicher nicht eingetreten beim Hirntod, sonst gäbe es nicht so bekannte Fälle wie die Geburt eines Kindes einer schon seit Monaten für "hirntot" erklärten Schwangeren oder die Behauptungen, dass "Hirntote" noch Stunden lang hören, was in ihrer Umgebung geschieht?! 

Wann ist der Mensch wirklich gestorben?

Das weiss niemand so genau!

Verlässt die Seele den Körper mit Feststellung des Hirntodes oder erst nach 8-10 Stunden einen Körper?  Ist der Mensch für uns erst gestorben , wenn seine Seele den Körper verlassen hat? 

Töten Ärzte einen Menschen , um ein Organ zu bekommen, mit dem man einerseits anderes Leben retten kann, andererseits gut Geld machen kann ?

Tötet man eine Sterbekultur , die es mal gab, im Namen der Fortschrittsmedizin weiter ab und verlässt den Pfad des Humanismus? Vom "homo sapiens" zum "homo oeconomicus" (jetzt weiß ich endlich, was damit gemeint ist)!

Würdevolles Sterben heisst für mich jedenfalls, nicht dem gerade am "Hirntod" festgemachten Tod dem Menschen  die Organe zu entnehmen, auch wenn dadurch anderes Leben gerettet werden kann.

Der Hirntote hat Anspruch auf ein würdevolles biologisches und (!) seelisches Sterben. Er kann nichts dafür , dass auf der anderen Seite des Globus ein anderer sterben muss, weil vielleicht das Schicksal dieses so gewollt hat?! 

Wir werden geboren um zu sterben. Dank der Medizin haben wir grosse Chancen uralt zu werden, aber um den Preis anderen die Würde zu nehmen, um selbst weiter zu leben?

Wie gehe ich selbst damit um, wenn ich ein Organ benötigen würde? 

In dieses Situation kann ich mich nicht herein denken. Was ich aber für mich beantworten kann ist die Tatsache, dass ich von einem Menschen, der nicht würdevoll gestorben ist - kein Organ möchte. 

Wo ist die Seele dieses Menschen ? Sie ist dann in meinem Körper oder fliegt sie derweil durch den Orbit. Was sagen die irdischen Interessenvertretungen der Seelen dazu? ( christliche Kirchen, jüdische, moslemische Glaubensrichtungen oder buddistische und hinduistische)

Fazit: 

Die Politik - Gesellschaft (Kirchen und Religionsgemeinschaften) sollten sich endlich mit der Frage auseinandersetzen wann ein Mensch tot ist und was würdevolles Sterben bedeutet, denn die Würde des Menschen endet nicht mit der Feststellung des Hirntodes.

Eva Horstick-Schmitt

Dipl.-Fotodesignerin

Eva Horstick-Schmitt: Ausschnitt / Vita

" zurück ins Leben"
2012                 Cancer - Soest Klink Paradiese
AAART Foundation Österreich "What a wonderful world"
2011                 "Unretuschiert" Familien im Revier 1999- 2010
2010                 Ausstellung gegen Brustkrebs - cancer positiv - Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Hoesch Museum Missing Steel
2008/9/10        Eva jenseits von Eden / Ausstellungen gegen häusliche Gewalt und Zwangsprostitution u.a. in der Galerie Camera Obscura, Deutsches Haus NYC ( 2009 ), Torhaus Rombergpark, Museum Hattingen
2008                 NYC Jüdisches Center von Manhatten  mit WAR "woman artist rock" gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution
2006                 Frauenmuseum Bonn, Kunstverein Dortmund, Essen CAR, Art Fair Köln
2005-2012      mehr als 130 Ausstellungen mit TDF in DE, Schweiz, Österreich gegen Zwangsprostitution "ohne Glanz und Glamour"
2002                 Aufenthalte im Kosovo - Film und Reportageprojekte
Nationale und internationale Ausstellungen u. a. im Bereich non profit.

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