Reden ist silber, Schreiben ist gold

29.04.2019 Textschönung und-Streichung

Gottfried Böhmer, Michaela Boland

Wie unabhängig können Medien berichten? Wie arbeiten Redaktionen und Korrespondentinnen und Korrespondenten, um fundiert und ausgewogen zu informieren? Zum Tag der Pressefreiheit am Freitag, 3. Mai, setzt der NDR in seinen Programmen einen Themenschwerpunkt. Na ja, dazu haben wir auch einiges zu sagen.

„Die größten Versager, das sind heute die Medien“ – Roger Köppel, Chefredakteur der „Weltwoche” und Abgeordneter der Schweizer Volkspartei. Seit beginn der Ukraine-Krise 2013 und der damit verbundenen Berichterstattung über Russland und Putin kommen immer mehr Zweifel auf ob der Journalismus und die Medien noch Glaubwürdig sind.

Nach der schon fast schon ketzerischen Berichterstattung über Grischenland und der Euro-Krise, und zuletzt der bis heute anhaltende Mediale Krieg gegen Donald Trump, haben sich die Zweifel der Leser an der neutralität der Medien noch einmal deutlich erhöht.

Der Spiegel verlor jedes Maß

Der "Spiegel" Chefredakteur Klaus Brinkbäumer schrieb unlängst „Der US-Präsident wird zur Gefahr – Deutschland muss den Widerstand vorbereiten.“ und weiter: „Deutsch­land wird sich ge­gen den 45. Prä­si­den­ten der USA und des­sen Re­gie­rung stel­len müs­sen.“

Trump sei die Inkarnation des Bösen

Über Trump sagt der Spiegel-Chef: „Der Präsident der USA ist ein pa­tho­lo­gi­scher Lüg­ner. Der Prä­si­dent der USA ist ein Ras­sist. So re­de­te Nero, Kai­ser und Zer­stö­rer Roms; so den­ken Ty­ran­nen.“ Brinkbäumer sieht sich und den "Spiegel" als Partei, die den Kampf gegen Trump aufnimmt, und er hat die  US-Medien als Verbündete.

Das ist aber nur eine Seite der Medaille, es gibt noch eine weitere:

Ein Rückblick ins Jahr 2013

Am 21. September 2013 haben wir uns mit diesem Thema beschäftigt: Der Eröffnung von weitgehenden Möglichkeiten des Missbrauchs durch die sogenannte "Autorisierung" von Interviews durch die befragten Gesprächspartner tritt die Gesellschaft Freunde der Künste, Gottfried Böhmer und Michaela Boland entschieden entgegen.

In aufgezwungener grenzüberschreitender Textschönung und-Streichung oder nachträglicher Umstrukturierung des ursprünglich Gesagten durch den Interviewpartner oder dessen Umfeld sehen wir klaren Betrug am Leser.

Hierbei wollen wir nicht mitmachen. Aus gegebenem Anlass stellen wir unseren Grundsatz daher nochmals deutlich klar: Die Freigabe von Zitaten stellt eine freiwillige Vereinbarung zwischen den Gesprächspartnern dar. Wir lehnen dies freiwillig und grundsätzlich ab.

Dass prominente Persönlichkeiten, die oftmals Vorbilder sein wollen, in den Medien gerne gut da stehen möchten, ist nachvollziehbar. Daher erhalten sie die Möglichkeit, sich in offiziell und formal korrekt angefragten Interviews ebenso darzustellen.

Betrug am journalistischen Selbstverständnis, Verlage knicken ein

Abgesehen vom Verlust der Spontanität, kann jedoch auch keinerlei Authentizität eines journalistischen Gesprächs mehr gewährleistet sein, sofern der Interviewpartner in unlimitierter Willkür nachträglich den Rotstift anszusetzen wünscht.

Dieses offenbar typisch deutsche Phänomen der vollen Kontrolle über die niedergeschriebene Widergabe eines Gesprächs in Frage-Antwort-Form durch den Interviewten, stellt nichts anderes als Zensur dar.

Medienanwälte üben Druck auf die Journalisten aus

Und diese sollten wir gerade in unserem Lande doch seit einiger Zeit hinter uns gelassen haben. Dass das gesprochene Wort hin und wieder unlesbar, da von "Ähs" und "Öhs", Floskeln, Wiederholungen, nicht zu Ende gedachten Sätzen oder Endlosphrasen durchsetzt sein kann, ist nur natürlich, jedoch für professionelle Journalisten eine behebbare Angelegenheit.

Im Rahmen des journalistischen Ehrenkodex muss sichergestellt sein, dass von Seiten des Interviewers keine Unwahrheiten oder aus dem Zusammenhang genommene Aussagen in einer Weise widergegeben werden, die den Gesprächspartner wissentlich und willentlich diskreditieren.

Interviews werden zur Farce, sie suggerieren Authentizität, sind aber oft Betrug am Leser

Bei Zuwiderhandeln eines Journalisten bleibt einem potentiell Geschädigten aber immer die Gegendarstellung oder Klage. Außerdem sucht sich der Interviewte aus, mit welchem Medium er spricht.

Zu vorbehaltlos getätigten Aussagen während eines offiziell als Interview gekennzeichneten Gesprächs jedoch, sollte der Befragte stehen. Wer lediglich an einer geschönten PR-Story interessiert ist, möge gerne einen PR-Profi engagieren und bezahlen.

Textschönung und-Streichung

Im direkten Vergleich zu Talkshows, in denen Prominente oftmals plaudern als ob es kein Morgen gäbe, schneidet die Print und Online-Welt scheinbar derzeit inkonsequenterweise deutlich rechteeingeschränkter ab, und das, obwohl es keine direkte gesetzliche Grundlage dafür gibt:

Würde jeder Talkshowgast grundsätzlich zunächst eine Sichtung und "Freigabe" des Aufgezeichneten verlangen dürfen, wäre das Format an sich gewiss längst tot.

Wortlautinterviews werden immer seltener

Ganz zu schweigen von Live-Sendungen, in denen Interviews vorgesehen sind, und welche dann gänzlich verboten werden müssten. Der Gesellschaft Freunde der Künste spricht die New York Times, die  nachträglich keine Zitate von Gesprächspartnern autorisieren lässt, insoweit aus dem Herzen.

Womöglich ist mittlerweile eine Art "journalistisches Manifest" vonnöten, in welchem es heißen könnte, "Journalisten aller (Bundes)länder vereinigt euch". Niemand ist gezwungen uns ein Interview zu geben, doch glücklicherweise sind wir auch nicht gezwungen, es mit jemandem zu führen.

Beispiel dafür, wo der Freigabe -Wahnsinn hinführen kann:

Keine journalistische Form sei in den letzten Jahren so verludert wie das Interview, warnte die damalige »taz«-Chefredakteurin Bascha Mika schon 2002.

Kampf den immer unverfroreneren Möchtegernfreigebern

Gottfried Böhmer und Michaela Boland

PS: Cord Schnibben (Spiegel 10.09.2013) fragte seine Leser wie ernst sie den Journlismus nehmen. Über das Ergebnis war er aber erstaunt, wir nicht.


"Schreiben voneinander ab, linke Zensoren, intellektueller Abwärtstrend, devote Hofberichterstattung, PR-Maschine, schlecht recherchiert, nur noch Agenturmeldungen kopiert, schlechtes Deutsch, solche Beschwerden zogen sich durch viele Leserkommentare."

Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.

"Johann Wolfgang Goethe"

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19.04.2019 journalistische Standards

GFDK - Reden ist Silber

Es gab eine Zeit, da war Prof. Frank Überall noch nicht der Chef beim DJV, und da war der gute Mann auch noch viel nachdenklicher. 2015 hat er der GFDK noch gesagt " Nur auszuwählen nach dem Motto, was nehme ich denn jetzt aus den Agenturen, das ist kein Journalismus". Zu jener Zeit war Herr Überall noch deutlich objektiver als heute.

Prof. Frank Überall ist nun der Boss des sogenannten "Deutschen Journalisten Verbandes". In diesem sind über 35.000 Journalisten organisiert. Inkl. mehr oder weniger auch alle Mitarbeiter der deutschen Mainstreammedien, aber auch PR-Fachleute und Regierungssprecher.

In dieser Funktion (und wohl eher im Auftrag seiner Puppenspieler von Springer, Bertelsmann, Burda & Co) forderte er die deutschen Behörden auf, dem "Kreml-Propagandamedium" RT die deutsche Rundfunklizenz zu entziehen.

In diesem Interview auf Heise/Telepolis (ein von mir sehr geschätztes Medium) entlarvt sich Herr Überall in nur wenigen Sätzen selbst. Vor allem, in dem er ganz offen unterschiedliche Maßstäbe ansetzt, was Objektivität, Wahrheit und journalistische Standards angeht.

Heise fragt hier geschickt, wie Herr Überall eigentlich sein völlig idiotisches Statement RT Deutsch gegenüber im Vergleich zur "journalistischen Arbeit" von Medien wie Bild & Co rechtfertigt...

HEISE: "Fällt RT Deutsch signifikanter durch unseriösen Journalismus auf als andere Medien, die regelmäßig bei BILDblog zu Gast sind?"

FRANK ÜBERALL:
"Wie ich bereits gesagt habe: RT steht nicht für seriösen Journalismus. Deshalb sind Vergleiche mit journalistischen Medien unangebracht."

HEISE:
"Der staatliche deutsche Auslandssender Deutsche Welle hatte letztes Jahr bei den russischen Präsidentschaftswahlen zum Boykott aufgerufen. Ist Ihnen eine vergleichbare Wahlbeeinflussung deutscher Wahlen durch RT deutsch bekannt?"

Frank Überall: RT befeuert eine politische Stimmung, die der AfD nützt.

HEISE:
"Sie beklagen, RT Deutsch stelle tatsächliche Ereignisse einseitig dar. Fordert der DJV also von privaten Medienhäusern künftig Objektivität?"

FRANK ÜBERALL:
"RT ist nicht privat."

Anmerkung: "Privat" war als Gegenbegriff zu öffentlich-rechtlichen Rundfunkhäusern gemeint, die zu interner Vielseitigkeit verpflichtet sind, sog. Binnenpluralismus.

Auch das noch - gerade gefunden:

So geht Journalismus: Gerade das "Tagesgespräch" auf Bayern 2. Thema ist der SPD-Rentenvorschlag. Leute können anrufen, im Studio sitzt ein Professor, der vorgibt, alles wissenschaftlich neutral einzuordnen und der ständig von "Wir Wissenschaftler" spricht. In Wahrheit ist er in der Jungen Rentenkommission und Partei in der Debatte.

Ein Verbands-Lobbyist also, der unter dem Deckmantel der Wissenschaft gegen die SPD vom Leder ziehen darf. Diese Art Journalismus unterscheidet sich nicht mehr vom Stil in den sozialen Netzwerken, nur dass wir alle dafür Gebühren zahlen.

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19.04.2019 Der schwarze Peter. Sich schwarz ärgern

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Zwei neue Bücher nehmen sich den Themen Afrika und Hautfarbe an und - halten uns den Spiegel vor

Von Sönke C. Weiss

Schwarzfahren. Schwarzsehen. Schwarzarbeit. Der schwarze Peter. Sich schwarz ärgern. Solange ich bewußt denken kann, versucht man mit der Farbe schwarz etwas Negatives zu verbinden. Und es scheint noch heute zu funktionieren.

So auch, wenn über den vermeintlich schwarzen Kontinent - Afrika also - gesprochen und geschrieben wird. Das Herz der Finsternis sozusagen, um bei Stereotypen zu bleiben, die mittlerweile der Maßstab sind, wonach oftmals ein ganzer Kontinent bewertet, ja beleidigt wird.

„Afrotopia“ und „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“

Jüngst sind in deutscher Sprache - endlich - zwei Bücher erschienen, die das thematisieren, die für mich zusammengehören und denen man wirklich einige Stunden seiner Zeit widmen sollte, weil sie elementar wichtig sind für unser Verständnis, was eben Afrika angeht und - Hautfarbe. Schade nur, dass solche Bücher nie von deutschen Autoren stammen:

Das erste heißt „Afrotopia“, wurde vom senegalesischen Schriftsteller Felwine Sarr, Jahrgang 1972, geschrieben und ist aus dem Französischen sehr pragmatisch von Max Henninger übersetzt worden. Die 175 Seiten (Matthes & Seitz Berlin) kosten 18 Euro und sind wohl investiert.

Sarr räumt mit Gemeinplätzen, Klischees und Pseudogewissheiten hinsichtlich Afrika auf und zeichnet das Bild eines Kontinents im 21. Jahrhundert, dessen „Imperativ lautet, zu seiner eigenen Bewegung zurückzufinden“, was umso wichtiger ist, bedenkt man, das in „35 Jahren Afrika ein Viertel der Weltbevölkerung stellen wird.“

Der Kontinent werde den höchsten Anteil an Einwohnern im Alter zwischen 15 und 45 Jahren aufweisen. Sarr schreibt: „Dieses demografische Gewicht und diese Vitalität werden das gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und kulturelle Gleichgewicht des Planeten verschieben.“

Ich denke, dass der Autor mit seinen im Buch aufgestellten Thesen hinsichtlich Wirtschaft, Politik und Soziales, er deckt jeden Bereich ab, wenn manchmal auch ein wenig oberlehrerhaft, richtig liegt. Seit über 20 Jahren arbeite ich in Afrika, habe dort viele Jahre gelebt und war sechs Jahre lang für ein internationales Hilfswerk in der Kommunikation tätig.

Es geht um Respekt, der eingefordert wird

Es ist faszinierend zu beobachten, wie Afrika, beziehungsweise die junge Generation, sich von Tag zu Tag mehr vom Westen emanzipiert; man will kein Abbild von Paris, London oder New York mehr sein, sondern sich als eigenständige Gemeinschaft empfinden und - wichtiger noch - ausdrücken und wahrgenommen werden, wovon Sarrs Buch in erster Linie berichtet.

Es geht um Respekt, der eingefordert wird, nicht Almosen oder Dritte-Welt-Gelaber. (Das allein schon ist meiner Meinung nach Rassismus.)

Leider findet in den deutschen Medien Afrika nur am Rande statt und die Berichterstattung konzentriert sich in seiner Einfältigkeit und Schlichtheit oftmals auf Elendsgebiete oder Konflikte.

Kultureller und geistiger Reichtum

Sarr berichtet uns aber von einer Fülle kulturellen und geistigen Reichtums, zu dem die deutsche Gesellschaft meiner Überzeugung nach noch keinen Zugang gefunden hat; wie auch, steht hier die sogenannte deutsche Leitkultur immer im Vordergrund der Debatte.

Das Zuhören fehlt dem Deutschen, nein, dem Europäer meist schwer in seinem Weltbild. Und leider gibt es auf dem deutschen Buchmarkt zu wenige Bücher, die sich Afrika widmen und keine Titel haben, wie: „Ach, Afrika.“ Anders in Großbritannien, wo. Die Kolonialzeit noch immer präsent ist, wohingegen sie in Deutschland so gut wie nie thematisiert wird, aber sollte.

So hat Reni Eddo-Lodges Buch „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ auch mit Afrika zu tun. Schreibt sie unter anderem über Großbritanniens Mitschuld am Sklavenhandel, und dass Liverpool der größte britische Sklavenhafen war.

Aber das nur zur Einleitung eines Buches, das sehr lebendig aus dem Englischen von Anette Grube übersetzt wurde und für 18 Euro bei Tropen, leider erst zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung in Großbritannien, zu kaufen ist.

Der Mangel an historischem Wissen, bei Rechten, Linken und Liberalen

Und: Jede der 263 Seiten hat es wirklich in sich. Eddo-Lodges zeigt auf, wie sich Rassismus in jeden Winkel der Gesellschaft gefressen hat, wobei sich die Beispiele der Autorin meist auf Großbritannien beziehen, man aber ohne Bedenken spiegelgleiche Parallelen nach Deutschland ziehen kann, und wie der Mangel an historischem Wissen und politischem Hintergrund den Rassismus weiterhin kultiviert und fördert, insbesondere, aber nicht nur in rechten Gruppierungen, sondern auch in der Welt der Kultur und der sogenannten Linken und Liberalen, die angeblich so weltoffen und tolerant ist.

Weltumspannender Rassismus

Apropos meine Erfahrung in der Entwicklungshilfe: Nie in meinem Leben habe ich krassere Rassisten als bei den in Afrika tätigen Hilfswerken kennengelernt. Nach dem Motto: Du lebst mein Weltbild und kriegst dafür ne Handvoll Reis... (Das N-Wort habe ich übrigens unzählige Male in diesen Kreisen gehört.)

„Ich hörte auf, mit Weißen über Hautfarbe zu sprechen, weil ich nicht glaube, dass Aufgeben ein Zeichen von Schwäche ist.

Manchmal geht es dabei um Selbsterhalt,“ schreibt Eddo-Lodges. Im englischen Original heißt es statt „Hautfarbe“ Race, also Rasse und ich weiß nicht, was unseren weltumspannenden Rassismus treffender ausdrückt, Rasse oder Hautfarbe, oder ob‘s letztendlich keine Rolle spielt.

Nichtsdestotrotz, obwohl die Autorin und Journalistin, 1989 in London geboren, nicht länger mit Weißen über das Thema sprechen wollte, scheint sie nach ihren Artikeln für The Guardian und The New York Times keine andere Wahl zu haben, denn es weiter zu tun, seit sie 2014 in ihrem Blog ihren Abschied vom „Thema Hautfarbe“ angekündigt hat. Und ich hoffe, sie wird es auch weiter tun, dieses vermutlich wichtigste Thema unserer Zeit in die Welt tragen.

Denn: Was bedeutet es, in einer Welt, in der Weißsein als die selbstverständliche Norm gilt, eben nicht weiß zu sein?

Ein Weißer wird das nie verstehen, ja nachfühlen können. Wie auch? Eddo-Lodges geht auf Spurensuche, siehe Sklaverei, und führt uns als Leser Schritt für Schritt, klar, deutlich und unmißverständlich, hinter die Fassade und in die Abgründe diskriminierender Ungerechtigkeiten in Systemen, die in der Tat weiß geprägt sind und - wichtiger noch - weiß dominiert werden.

Dabei versteht sie sich als Teil einer Bewegung, die in erster Linie dazu da ist, dass Menschen sich kennenlernen und lokale Widerstände gegen Rassismus aufbauen. Beide Bücher, „Afrotopia“ wie „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ sind für sich Offenbarungen und sehr zu empfehlen. Chapeau.

Das Mädchen und der Krieg: Die Geschichte einer Kindersoldatin von Sönke C. Weiss

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01.04.2019 war das ein Wunschdenken?

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Oberwasser für Donald Trump: Die "Russland-Ente" sei endlich tot. "Die Illusion von der Verschwörung ist vorüber“, sagte Donald Trump. Scharfe Kritik übte Trump an den Demokraten, die die Ermittlungen zur Russland-Affäre ins Rollen gebracht hatten.

Den Sumpf von Washington trocken legen

„Sie haben mich ausspioniert, sie haben unseren Wahlkampf ausspioniert“, sagte Trump vor seinen Anhängern. „Nach drei Jahren Lügen und Verleumdungen und übler Nachrede ist die Russland-Ente endlich tot. Die Illusion von der Verschwörung ist vorüber.“

Nach der Veröffentlichung des Mueller-Reports hat Trump nun Oberwasser bis zum Anschlag. „Sorry, aber sie müssen verantwortlich gemacht werden“, und meinte damit die Demokraten, die ihn in seinem Handeln als Präsident behindert hätten. “ Mehr denn je sei es nötig, sein Wahlkampfmotto von 2016 umzusetzen, den Sumpf von Washington trockenzulegen.

Ein Debakel für die Medien

Die Untersuchung von Mueller, der beweisen sollte, dass sich Russland in den Wahlkampf 2016 eingemischt und das Trump-Lager gemeinsame Sache mit Russland gemacht hätte, konnte er nicht bestätigen. Und das ist Fakt, ob uns das gefällt oder nicht, es ändert nichts an Trumps scheinbarem Erfolg in der Sache.

Der Mueller-Bericht ist ein Debakel für die Medien, am meisten für den "Spiegel", der sich in den vergangenen Jahren fast täglich an Trump abgearbeitet hat.

Der Scheinheilige "Spiegel"

Paul Farhi, Medienreporter der "Washington Post", wird sogleich zum Interview gebeten. Die Schuld Trumps wurde in der Russlandaffäre von den Medien wie auch der "Washington Post" und der " New York Times" geradezu vorausgesetzt, war das ein Wunschdenken?

Paul Farhi meinte, bei der Russland-Berichterstattung wurden viele sehr wichtige Fakten aufgedeckt. Hallo, was für Fakten? Wieviel Frauen Trump glücklich gemacht hat oder was meint er? Und was hätte das mit Russland zu tun?

Scheinheilig fragt der "Spiegel" ihn: Hat die Russland-Story die Glaubwürdigkeit der Newsmedien generell beschädigt?

Die falsche Berichterstattung wurde nie korrigiert

Darauf er: "Die Newsmedien hätten eine selbstkorrigierende Natur, wir berichtigen falsche Berichterstattung und mit der Zeit entsteht so ein korrekter Datensatz. Viele erste Entwürfe der Geschichte sind fehlerhaft. Man fragt sich, will der uns verarschen oder will der "Spiegel" uns verarschen.

Wo und an welcher Stelle haben sich die Medien in der falschen Berichterstattung korrigiert? Wo war der korrekte Datensatz?

Und jetzt wird es lächerlich: "Unsere Aufgabe ist es, Fakten zu finden und sie den Menschen zu präsentieren. Wir sind nicht hier, um Meinungen zu ändern. Wir sind hier, um zu sagen, was wahr ist."

Welche Fakten haben sie gefunden? Was war an der Berichterstattung wahr? Und ja, sie wollten mit aller Gewalt Trump schädigen und die Meinung zu Trump ändern, das war das Ziel. Mehr Heuchelei geht nicht mehr.

Hier noch einmal ein Beispiel aus dem vergangenem Jahr:

Der Anti-Trump-Kampfsender CNN hatte einen Bericht über ein Treffen von Trump-Vertrauten mit einer russischen Anwältin im Präsidentschaftswahlkampf 2016, an dem auch Carl Bernstein beteiligt war, gesendet.

Bericht in Frage gestellt, Sender bleibt bei seiner Darstellung

In dem CNN-Bericht wurden Quellen zitiert, denen zufolge Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen gesagt haben soll, Trump habe im Vorfeld von dem Treffen gewusst. Der CNN-Bericht wurde später in Frage gestellt, nachdem eine der Quellen ihre Aussagen zurückzog. CNN hielt aber an dem Bericht fest. Warum?

Trump antwortete wie immer per Twitter und beschuldigte den Sender. Dieser werde „von innen heraus zerrissen“, weil er „einer großen Lüge überführt“ worden sei und sich weigere, „den Fehler zuzugeben“.

Man muß Donald Trump nicht mögen, ich finde seine Politik auch meistens unterirdisch, mich störte es aber wenn Medien, die der Wahrheit verpflichtet sind, Faken verdrehen und sogar Fakten verfälschen.

Zum Schluß noch ein paar Gedanken von Gabor Steingart:

"Zwischen den Medien und ihrem Publikum herrscht eine Beziehungskrise, für deren Ausbruch nicht nur eine Seite die Verantwortung trägt. Der Journalismus ist erklärungspflichtig geworden. Seine Wächterrolle wird eingefordert und angefeindet zugleich.

Was genau ist da schiefgelaufen? Was ist der Kern vom Kern unseres Berufes: Sind wir „Fehlergucker“ (Stefan Aust) oder muss ein Journalist zuerst „Haltung zeigen“, wie Anja Reschke meint? Gilt noch das Diktum des Rudolf Augstein: „Schreiben, was ist“?

Oder sind wir eine „Meute“, wie Helmut Schmidt sagte, wo keiner der Wahrheit und jeder nur dem anderen hinterherjagt? „Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten“, ätzte schon Karl Kraus.

Der Medienwissenschaftler und Buchautor Prof. Norbert Bolz sieht den Meinungsjournalismus“ durch einen „Gesinnungsjournalismus“ ersetzt. Er glaubt, vielen gehe es gar nicht mehr darum, über die Welt zu informieren, sondern die Welt zu retten. Er empfindet uns als „Oberlehrer“

Auch so böse Worte wie Lückenpresse sind nicht ganz gegenstandslos."

Gottfried Böhmer

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29.03.2019 Mit der richtigen Gestik an die Macht?

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

In der US-amerikanischen Fernsehserie „Lie to me“, die von 2009 bis 2011 auch im deutschen Fernsehen lief, den Sender möchte ich hier lieber nicht erwähnen, hilft ein gewisser Dr. Cal Lightman - hervorragend dargestellt von Tim Roth - basierend auf den realen wissenschaftlichen Forschungen des weltberühmten Anthropologen und Psychologen Dr. Paul Ekman seinen Auftraggebern herauszufinden, ob gewisse Personen, wie zum Beispiel zukünftige Angestellte, Politiker, eines Verbrechens Verdächtige, lügen oder die Wahrheit sagen.

Niemand kommt aus seiner Haut

Hierzu analysiert Lightman alias Ekman neben der Körpersprache sogenannte Mikroexpressionen. Für die Nichteingeweihten: Das sind unwillkürliche Bewegungen der Gesichtsmuskeln, die auf eine wahre und/oder unterdrückte Emotionslage hindeuten. Und genau hier wird’s interessant.

Denn egal aus welcher Kultur jemand stamme, welchen Bildungshintergrund er habe und wieviel Mühe er sich gebe, aus seiner Haut komme niemand raus. Ganz wichtig: Mann wie Frau.

Heißt es und wird von Stefan Verra, Jahrgang 1973, in seinem neuen Buch „Leithammel sind auch nur Menschen: Die Körpersprache der Mächtigen“, erschienen im Ariston Verlag, 254 Seiten, 20 Euro, teilweise mit analysiert.

Seit 20 Jahren beschäftigt sich Verra, im schönen Lienz geboren, intensiv mit Körpersprache und bringt seine Erkenntnisse, die zum Teil auch aus der Instrumental- und Gesangspädagogik stammen, in seinen Vorträgen einem internationalen Publikum näher - von Europa über die USA bis hin nach China - und arbeitet darüber hinaus mit Menschen, die unter Autismus leiden, zusammen.

Leithammel und Macht

In „Leithammel“ indes widmet er sich ausschließlich der Körpersprache von sieben Weltpolitikern. Es geht unter anderem um Merkels Raute, Putins Stirn, Trumps Zeigefinger und Xi Jinpings Pokerface, das ist Chinas Chef, das eine Mischung aus Härte und Harmonie zementiert. (Wußten Sie, dass Xi grundsätzlich sein eigenes Bett mit auf Reisen nimmt, wie jetzt nach Nizza und Paris?)

Die Unglaubwürdigkeitsfalle

„Ich habe die Protagonisten nach ihrem Einfluss auf die weltweite Politik ausgewählt. Sie sollten beim Erscheinen des Buches noch im Amt sein und körpersprachlich etwas hergeben“, schreibt Verra in der Einleitung von „Leithammel“, das in erster Linie kein Buch über Politik sein will, sondern über Botschaften, die diese Menschen in die Welt streuen, um an der Macht zu bleiben.

Auftreten wird von Profis trainiert

Verra: „Nach diesem Buch werden Sie wissen, was Sie unbedingt vermeiden sollten, um nicht in die Antipathie-, die Arroganz- oder Unglaubwürdigkeitsfalle zu tappen.“

Nun, ob ich das so unterschreiben möchte, weiß ich nicht. Neben ihrer angeboren Körpersprache sind diese Menschen selbstverständlich von Profis hinsichtlich ihres Auftretens wohl trainiert. Auf diesem Niveau wird nichts dem Zufall überlassen. Trotzdem:

Das Buch macht auf jeden Fall sehr viel Spaß, zumal man das Gelernte unmittelbar in den Medien vor Augen sieht, da wir den besagten Personen im täglichen Leben kaum entkommen können und sie ein guter Einstieg in diese Materie sind, was mich erneut auf den Guru der Körper- und Mimiksprache bringt.

Paul Ekman berät neben zahlreichen Unternehmen auch das CIA wie das FBI und bietet Fernkurse in der Analyse von Mikroexpressionen an. Das ist nicht unumstritten, so er seine Studien nie durch eine sogenannte Peer-Review hat überprüfen lassen, was den Erfolg seines Geschäftsmodells bis dato aber nicht verringert hat.

„Ich weiß, dass Du lügst“ und „Gefühle lesen. Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren“ heißen seine wohl bekanntesten Bücher, die ich vor Jahren mal quergelesen, mich aber nie wirklich mit auseinandergesetzt habe, da sie doch eine gewisse Ahnung von Psychologie voraussetzen und nicht für den Amateur gedacht sind.

Anders als Verra, der in seinen Shows, die sein Brot-und-Butter-Erwerb sind, in erster Linie auf den Unterhaltungseffekt setzt.

Auch in „Leithammel“ psychologisiert der Autor nicht und präsentiert mit großer Leichtigkeit seine Erkenntnisse und die Ursprünge der jeweiligen Signale. Sehr harmlos. Sehr unterhaltsam. Sehr kurzweilig. Sehr zwanglos. Doch immer nach dem Motto: „Wer mit seiner Körpersprache die momentanen Bedürfnisse des Volkes am besten widerspiegelt, gewinnt die Wahlen.“ Ach, wenn es doch so einfach wäre...

Sönke C. Weiss

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11.03.2019 " Kann Spuren von Weisheit enthalten"

GFDK - Heinrich Schmitz

"Fast niemand mag ihn" titelte die TAZ 2005 unverhohlen und Matthias Matussek hat als katholischer Talkshowrabauke einiges dafür getan dieser Behauptung gerecht zu werden. Ob Heiner Geißler, Angelika Kallwass oder ein komischer Imam - wer etwas sagte, das die religiösen Gefühle des SPIEGEL-Autors verletzte, sah sich einem geradezu alttestamentarischen Verbalfuror ausgesetzt.

Stets mit dem griffbereiten "katholischen Abenteuer" unterwegs, ließ er sich zur Freude seiner Fans durch diverse Quasselsendungen weiterreichen und verteidigte seine Kirche, seinen Papst, seinen Glauben. Zwar hat er nie mit seinem Buch geworfen und auch mit dem Buch der Bücher nicht. Auf viele wirkte er dennoch befremdlich.

Ein Wüterich der schreiben kann wie kaum ein zweiter

Dass dieser Wüterich schreiben kann wie kaum ein zweiter, dass seine Essays wie jüngst beispielsweise der über Hermann Hesse, inhaltlich wie stilistisch zum Besten gehört, was das deutsche Feuilleton zu bieten hat, ist unzweifelhaft. Trotzdem machte er sich durch seinen eigenwilligen Diskussionsstil nicht gerade beliebt, was ihm angesichts seiner Mission aber wohl auch herzlich egal war.

Wer aber nun händereibend erwartete, das würde bis in die Ewigkeit so weitergehen, der kann sich auf eine Überraschung gefasst machen. Denn eine anrührende Erzählung, eine vielschichtige Weihnachtsgeschichte hätte man wohl – wenn überhaupt, dann nur mit letzter Tinte von ihm erwartet.

"Die Apokalypse nach Richard". Richard, ein 85-jähriges Familienoberhaupt, der mit seiner Frau Waltraud auf die Ankunft seiner Kinder und Enkelkinder zum gemeinsamen Weihnachtsfest wartet. Richard, der davon überzeugt ist, dass an diesem Heiligabend etwas besonderes geschieht. Richard, zu dem die Familienmitglieder aus allen Richtungen hinreisen wie die heiligen drei Könige zur Krippe. Richard, eine Art grauer Star.

Klingt nach süßlichem Weihnachtskitsch für Religioten, wie man Gläubige in gewissen atheistischen Kreisen auch gerne mal nennt. Ist es aber nicht. Vielmehr eine Novelle, die es in sich hat, die alles hat, was man von einer großen literarischen Erzählung erwarten kann. Intelligent, nachdenklich, unterhaltsam, humorvoll und, na klar: sprachlich brillant.

Alle Familienmitglieder haben ihre Leichen im Keller

Alle Familienmitglieder haben ihre Leichen im Keller, egal ob es Enkel Nick ist, der im Internat beim Kiffen erwischt wurde, dessen Vater und Richards Sohn Roman, der als Journalist matusseksche Probleme mit seinem Redakteur hat, Wilhelm, sein Bruder, der als Banker angesichts der Krise zunehmend die Panik bekommt und selbst Richards Frau, die treusorgende Waltraud ist längst nicht so simpel gestrickt, wie man zunächst annimmt. Sie alle streben am 23.12. zu Richard, zur traditionellen Gans und - ohne es zu wissen - zu Richards Apokalypse.

Es wäre eine fiese Indiskretion, hier zu verraten, worin diese Apokalypse besteht. Es ist eine Überraschung und muss es auch bleiben. Aber der Schriftsteller und bekennende Atheist Alexander Wallasch, der das Buch für "the european" rezensiert hat, hat recht. Das ist nicht nur ein wunderbares Buch, sondern es schreit laut nach einer Verfilmung. Man sieht Richard förmlich durch das verschneite Hamburg gehen, man riecht den Markt, den Schnee. It works.

Leicht und unterhaltsam kommt die Geschichte daher - und doch immer wieder auf leise Art nachdenklich machend. Weit und breit kein katholischer Holzhammer, ab und an ein kleines Hämmerchen. Feine Ironie ohne Zynismus.

In Nick, Roman, Bill und womöglich auch Richard erkennbar biografisch beeinflusst, aber ohne Missionierungseifer, mit viel Humor und Liebe zu seinen Figuren und deren persönlichen Brüchen und Macken. Feinfühlig, ja tatsächlich, Matussek kann nicht nur feinfühlig: Er ist es in Cinematoskope!

Übersteigerte Erwartungen

Wer mit dem christlichen Glauben, Weihnachten und all dem "Gedöns" nichts am Hut hat, braucht sich dennoch nicht zu fürchten, auch er wird Vergnügen haben. Wer die christliche "Szene" von innen kennt, wird manches wiedererkennen und ebenfalls schmunzeln. Übersteigerte Erwartungen an das Weihnachtsfest und Erwartungen auf einen handfesten apokalyptischen Familienkrach gehören zu Weihnachten wie Christbaum und Krippe.

Hier wird nicht gepredigt, nicht belehrt und nicht bekehrt

Bei Richard ist alles etwas anders und auch wieder nicht. Hier wird nicht gepredigt, nicht belehrt und nicht bekehrt, hier wird erzählt. Einfach erzählt, wobei jeder weiß wie schwer es ist, einfach zu erzählen. Alleine das lohnt die Lektüre. Wo gibt es heute noch gute Erzähler ? Bei der Lektüre überkam mich immer wieder ein Drang vorzulesen. Das Buch schreit danach gelesen und vorgelesen zu werden.

Wer die Gelegenheit hat, eine Lesung mit Matthias Matussek zu besuchen, sollte nicht zögern sie wahrzunehmen. Versprochen: Es lohnt. Einziger kleiner Wermutstropfen, die Erzählung endet schon auf Seite 190. Bleibt zu wünschen, dass Matthias Matussek auch selbst soviel Spaß am Erzählen gefunden hat, dass es auch mal einen dicken Roman über Richards Familie geben wird. Ein unfrommer Weihnachtswunsch wird wohl erlaubt sein.

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11.03.2019 Wofür stehst Du

GFDK - Reden ist Silber - Liane Bednarz

Ein Leseabend mit dem ZEIT-Chefredakteur im Münchner Lustspielhaus 2012.

Das Lustspielhaus unweit der Münchner Freiheit ist eine Kleinkunstbühne, ein Kabarett im Herzen Schwabings. Hier sitzt man an Tischen und diniert vor der Vorstellung. Axel Hacke, der zusammen mit Giovanni di Lorenzo den 2010 erschienenen Bestseller „Wofür stehst Du?“ geschrieben hat, tritt hier monatlich auf.

An diesem Abend im August 2012 aber ist di Lorenzo zu Gast. Um aus dem gemeinsamen Werk zu lesen. Das klingt vielversprechend, auch wenn der Titel des Buchs zunächst etwas abgegriffen wirkt.

von Liane Bednarz


Denn „Wofür stehst Du“? ist keine gestelzte Selbstveredlungsfibel. Keine pathetische Ode an die Tugend. Keine selbstgefällige Plauderei zweier arrivierter Herren. Nein, „Wofür stehst Du“ ist ein kurzweiliger und dabei mühelos tiefer gehender Gesprächsband in sieben Kapiteln:

Ehrliche und schonungslose Erinnerungen und Reflektionen, sich selbst und anderen gegenüber. Ja, selbst die Familie di Lorenzos kommt nicht immer gut dabei weg. Aber keine Angst, die Sache ist durchaus humorvoll gestaltet. Hier sind zwei echte Meister jener spitzen Selbstironie am Werke, die selten geworden ist.


Im vollbesetzten Publikum sind beinahe alle Altersklassen vertreten. Der Chefredakteur der ZEIT erscheint pünktlich um 20.30 Uhr auf der Bühne. Dunkler Anzug, weißes Hemd ohne Krawatte, dunkle Hornbrille. Lässige Intellektuellen-Eleganz.

Mit dem Nachtzug auf den fremden Planeten Hannover

Los geht es mit der Suche nach Heimat. Nach den eigenen Wurzeln. Es ist wohl so: Wenn alles unsicher wird, die Welt immer größer und unverständlicher erscheint, wird die Suche nach einem unverrückbaren Zuhause dringlicher. Eben nach diesem vielbemühten Anker im Treibsand des eigenen Seins in einer verrückter werdenden Welt. „Was ist Heimat“ titelte etwa DER SPIEGEL im April 2012.

Für di Lorenzo - Kind einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters - ist es ein echtes „Lebensthema“, wie er betont. Ist es auch sein Lebensdrama? Früh, zu Jugendzeiten nämlich, fühlte er sich einem regelrechten Kulturschock ausgesetzt.

Eine Folge des durch die Trennung der Eltern ausgelösten Umzugs nach Deutschlands. Das klingt dann so: „An einem kalten Wintermorgen landeten wir auf einem fremden Planeten namens Hannover. Wir waren mit dem Nachtzug aus Rom gekommen […].“ Gefühlte Heimatlosigkeit:

„Ich machte mich auf die Suche nach einem Stück Heimat in Hannover, aber ich fand nichts. Das Essen in den Pizzerien schmeckte anders als das in Rom […].“ „Im Hintergrund dudelte trostlose italienische Schlagermusik, die ich in Italien noch nie gehört hatte:

Mamma Leone, gesungen von einem gewissen Bino, und Tornerò von I Santo California.“ An den Tischen im Lustspielhaus hört man Lachen. Mit Melancholie Fröhlichkeit abzuholen gelingt nicht jedem. Hier klappt es auf Anhieb.

Sprache: Fremde oder Heimat?

„Heimat“ – das ist der Ort, die spezielle Region. Heimat aber kann, so erfahren wir, auch in der Sprache zu finden sein. Oder auch nicht. Denn Sprache kann ebenso zur Fremde werden, im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos machen.

Nämlich dann, wenn die Sprache am neuen Ort noch nicht richtig vertraut ist: „[…] aber ich spürte die Ohnmacht, wenn ich versuchte, etwas genauer zu beschreiben, und mir die Worte fehlten.“
Später, zu Abizeiten, als di Lorenzo bereits für die Hannoversche Neue Presse schrieb, wandelte sich das: „Meine Mutter und mein Bruder gingen zurück nach Italien. Ich blieb. Denn ich hatte endlich eine Heimat gefunden: die Sprache.

Es war ein schönes Gefühl.“ Sprache als Heimat. Ein schöner Gedanke. Das Publikum applaudiert. Ja, das klingt eben auch dankenswert integrativ, ohne belehrend zu sein. Das kapiert man, das hat sogar etwas Vernünftiges.

„Mein Glaube an den Untergang“ – Der Deutschen Lust an der Panikmache

Ein Thema darf keinesfalls fehlen, wenn sich ein Intellektueller hierzulande fragt, wofür er steht: „Mein Glaube an den Untergang oder Warum ich früher in die Kirche ging und heute auf den Wertstoffhof“ heißt das zugehörige Buchkapitel.

Ach ja, der Deutschen Lust an der Beschwörung immer neuer Untergangsszenarien. „Nachrüstung“, „atomare Bedrohung“ und „Vogelgrippe“ sind nur einige Beispiele, die di Lorenzo aus der schier endlosen Liste anführt. Gegen diese Dauerpanikmache hilft nur Ironie.


Di Lorenzo schildert deshalb eine Schmunzel- Szene, die sich 1984 auf seiner ersten Lesereise zutrug. Ein Paradebeispiel für die zermürbende Auswirkung kollektiver ökologischer Untergangsbeschwörungen auf das Alltagsleben: „erzählte eine Frau, die sich als Erzieherin vorgestellt hatte, wie sehr es ihr Lebensgefühl und das der ihr anvertrauten Kinder trübe, dass am Ende des Jahrzehnts in Deutschland kein einziger gesunder Baum mehr stehen werde, aller Wald werde dann gestorben sein, das sei gewiss.“


Diese Schilderung des seit den 80ern grassierenden apokalyptisch überhöhten Wald-Lamentos hat an Aktualität nichts eingebüßt.Weil es für viele andere Untergangsszenarien exemplarisch ist, die immer wieder an die Wand gemalt werden. Und die jenen Typus Mensch im Lande auf den Plan gerufen haben, den man heutzutage „Wutbürger“ nennt.

„Sind Bedürfnisse und Begehrlichkeiten in unserer Gesellschaft genau steuerbar?“

Aber dann wird di Lorenzo auch sehr ernst: „Sind Bedürfnisse und Begehrlichkeiten in unserer Gesellschaft genau steuerbar?“ Dafür spricht das Beispiel eines Tierfutterherstellers, der – da sich der Marktanteil kaum noch steigern ließ - durch geschickte PR-Maßnahmen in der Bevölkerung ein Bedürfnis nach der Anschaffung großer Hunde weckte.

Die fressen bekanntlich mehr. Und es funktionierte: „Das Ergebnis der Kampagne war messbar. Zwar nahm der Marktanteil des Auftraggebers, wie erwartet, nicht weiter zu, wohl aber der Umsatz. Denn die Deutschen kauften plötzlich mehr Hunde, vor allem große und sehr große Hunde.“ Stille im Publikum.

Ein Glaubensbekenntnis: Wie di Lorenzo das Sterben von Papst Johannes Paul II. erlebte

Di Lorenzo berichtet, dass ausgerechnet der Teil des Buchs, der von seinem Glauben handelt, zu seiner eigenen Überraschung die größte Aufmerksamkeit provoziert habe, obwohl dies gar nicht seine Absicht gewesen sei. Er handelt davon, wie er das Sterben von Papst Johannes Paul II. im Jahre 2005 erlebt hat:

„Wir zündeten Kerzen an und verharrten in Andacht. In diesem Moment fühlte ich mich ganz und gar eins mit meiner Kirche. Das Gefühl war: Nicht wir waren ihm, dem Papst, im Sterben nahe, sondern der Papst war sterbend bei uns.“ „Nein, es war kein Erweckungserlebnis.


Seit einigen Jahren jedoch haben wir zu Hause etwas aufleben lassen, was lange verschüttgegangen war: Vor dem Essen wird still gebetet, auch wenn Gäste da sind. Sehr oft ist das der schönste Moment des Tages.“ Das klingt echt, das berührt auf eine Weise, wie sie vor allem auch Matthias Matussek in seinem 2011 erschienenen „Katholischen Abenteuer“ wieder gesellschaftsfähig gemacht hat.

„Was sagen Sie dazu, Herr Schmidt“? Was sagen Sie dazu, Herr di Lorenzo?

Als besonderes Schmankerl serviert di Lorenzo dem Münchner Publikum zum Abschluss der inklusive Pause rund 100minütigen Lesung das von ihm verfasste Vorwort des nächsten Monat erscheinenden Bands „Was sagen Sie dazu, Herr Schmidt?“, einem Kompendium der gleichnamigen Kolumne di Lorenzos und Schmidts im ZEITmagazin.


Dann ist Zeit zum Fragen. Volle 45 Minuten lang. Die Fragen sind direkt, bisweilen provokant. Man will etwa wissen, welche Macht die Medien haben, wie di Lorenzo die EU-Politik sehe, wie es um die politische Kultur in unserem Lande stehe, wie die Familie die nicht immer schmeichelhaften Darstellungen verkraftet habe.

Di Lorenzo gibt klare Antworten, weicht nicht aus. Zeigt sich als kritischer, dabei aber sehr besonnener, differenziert denkender Kopf. Wehrt sich etwa gegen den Vorwurf, die Medien wären oft kampagnenhaft. Betont die Pressevielfalt im Lande, die sich vor allem im Vergleich zu Italien in ihrer ganzen Fülle erschließe.

Bekennt sich zu Europa, ist aber kritisch, auf welche Weise die Europolitik unter Anrufung des alten Pathos durchgezogen wird. Und fordert eine auseichende politische Kommunikation der grundsätzlichen Fragen zur Zukunft Europas.


Sagt aber auch, dass man bei aller berechtigten Kritik nicht vergessen dürfe, was wir an unserem bundesrepublikanischen politischen System haben. Auch hierbei helfe ein Blick nach Italien. Di Lorenzos Antworten kommen an, an diesem Abend in München. Viele kennen ihn ja als Fragensteller in der Talkrunde 3nach9. Die Facette des Antwortgebenden steht ihm mindestens ebenso gut.

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10.03.2019 Liane Bednarz "Ich bin vollkommen sprachlos"

GFDK - Gottfried Böhmer

Auch schon lange her. Liane Bednarz ist vollkommen sprachlos. "Der Umblätterer" (nominiert für den Grimme Online Award 2010) hat ihren Essay zur klassischen Literatur in der Tagespost vom 17. Oktober 2013 in sein Ranking "Der Goldene Maulwurf - Best of Feuilleton 2013" aufgenommen.

Es gibt sogar eine Laudatio auf ihren Artikel. Für die Freunde der Künste hat Liane Bednarz wunderbare Theater -, Konzert -,und Literatur-Kritiken geschrieben, die Sie alle unten aufgeführt noch mal lesen können. 
Zu der Inszenierung von Anna Bergmann schrieb Liane Bednarz:

Der Tod im Brackwasser - Morbidität am Wiener Akademietheater

"Anna Bergmann gelingt in Wien das Kunststück, aus einem zwar subtil psychologisierenden, aber handlungsarmen, selten gespielten Stück ein Psychodrama um eine Wahnsinnige zu machen, die am Tod des Kindes, einer langweiligen Ehe und - gleich einer im Fjord gestrandeten Nixe - am Verlust des offenen Meeres zugrunde geht. Der Preis, den die Regisseurin dafür zu zahlen bereit ist: fehlende Text- bzw. Handlungstreue beim Plot".

Zu Sebastian Kreyers Inszenierung: Ibsens „Gepenster“ am Münchner Volkstheater mit bemerkenswertem Unernst

"Tragödien, die wie Ibsens „Gespenster“ zu Klassikern wurden, verdanken diesen Umstand so gut wie immer dem kraftvollen Sog, den ihre Dialoge entfalten. Ganz besonders verschlingend ist dieser, wenn die Szenerie zu Beginn idyllisch erscheint, sich dann aber zunehmend dunkle Passagen in den Text hineinmischen, die das Leidenskarussell der Protagonisten schneller und schneller ankurbeln".

Buchbesprechung von Liane Bednarz: „Die Apokalypse nach Richard. Eine festliche Geschichte.“ von Matthias Matussek

"Richard und Waltraud verkörpern bei Matussek emotionale Stabilität, Glaubensfestigkeit und große Stetigkeit. Eine, nennen wir es, Lebensunverzweiflung, die selten geworden ist. Zu idealisiert, zu verklärt? Lebensbrüche und seelischen Schmerz gab es schließlich schon immer, keine Generation ist frei davon. Sicher, aber fraglos zugenommen hat heute eine große Rastlosigkeit, haben Quantität und Qualität der Lebensbrüche".

Konzert-Kritik von Liane Bednarz - Depeche Mode begeistern im Münchner Olympiastadion mit neuen Klängen.

"63.000 zieht es ins Münchner Olympiastadion. Nicht einmal das zeitgleich im Fernsehen übertragene DFB-Pokalfinale sorgt für leere Ränge, obwohl es für den Bayerischen Rekordmeister an diesem Abend immerhin um das mögliche „Triple“ ging. Depeche Mode spielen eben in ihrer eigenen Liga.

Für sie gilt, um einen ihrer Hits zu zitieren, bei jeder Tour: „Everything counts in large amounts“. Weil sie einzigartig sind, weil sie ihr Publikum jedes Mal erneut in ihren Bann ziehen. Und so singen auch an diesem Juni-Abend Zehntausende jeden Vers mit, verströmen Hingabe, Begeisterung, Leidenschaft".

Auch Dr. Nike Wagner wurde von Liane Bednarz für die Gesellschaft Freunde der Künste Interviewt.

Dr. Nike Wagner, aufgewachsen in Bayreuth, ist Ururenkelin des Komponisten Franz Liszt, Urenkelin von Richard Wagner und Tochter Wieland Wagners.

Auszug aus dem Interview:

Liane Bednarz: "Robert Wilson hatte im Vorfeld der Premiere gesagt, dass Religion nicht auf die Bühne gehöre und sich deshalb stattdessen für das jetzige Konzept entschieden. Inwieweit hat dieses aus Ihrer Sicht die Religiosität bzw. den spirituellen Inhalt des Stücks zum Ausdruck gebracht"?

Dr. Nike Wagner: "Religion gehört in die Kirche bzw. in die Innerlichkeit der Menschen. Auch wenn sich die Kunst zur Dienerin religiöser Inhalte macht, tritt auf der Bühne immer ein fremdes, die Imagination in Bilder pressendes Moment hinzu. Damit muß man umgehen. Kunst muß auf eigene Weise bewegen und die spirituelle Stimmung, die durch die Musik hervorgerufen wird, verstärken.

Das Problem besteht dann aber darin, daß die geistigen Inhalte nicht durch Bilder verdoppelt werden sollte; das wäre banal. Wilsons abstrakte Bildersprache erfüllt diese schwierige Aufgabe meiner Meinung nach wunderbar. Daß nur zum Kreuzestod Christi ein konkretes Bild gezeigt wird, das langsame Sterben eines Tieres, hebt die Situation ins Allgemein-Kreatürliche, beweist auch eine gewisse Schamhaftigkeit gegenüber der überbordenden Ikonographie von Christi Kreuzestod durch die Jahrhunderte.

Daß wir zuerst durch die medienkünstlerische Hölle unserer Tage wie durch ein „Purgatorium“ hindurch müssen, steigert die Wirkung der Stille im eigentlichen Raum und die Konzentration auf das Wesentliche des Oratoriums".

Die TOP TEN der besten Feuilleton-Artikel des Jahres

1. Özlem Gezer (Spiegel)
2. Andreas Puff-Trojan (Standard)
3. Sascha Lobo (FAZ)
4. Wilfried Stroh (Abendzeitung)
5. Simone Meier (SZ)
6. Claudius Seidl (FAS)
7. Liane Bednarz (Tagespost)
8. Margarethe Mark (Zeit)
9. Peter Unfried (taz)
10. Joachim Lottmann (Welt)"

"An Büchners 200. Geburtstag nun veröffentlichte Liane Bednarz unter einem kecken Ritter-Sport-Werbeslogan-Allusions-Titel im Feuilleton der Würzburger »Tagespost«, der »Katholischen Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur«, einen ganzseitigen und in jeder Hinsicht himmlischen Artikel über die Bedeutung der Klassiker im Allgemeinen."

7. Liane Bednarz

Literarisch, klassisch, gut. In: Die Tagespost, 17. 10. 2013. S. 9.


Die Laudatio:

Marcel Reich-Ranicki fällte über Goethe dereinst das mehr oder weniger bis heute gültige Urteil: »Er war ein sehr begabter Autor«. An Büchners 200. Geburtstag nun veröffentlichte Liane Bednarz unter einem kecken Ritter-Sport-Werbeslogan-Allusions-Titel im Feuilleton der Würzburger »Tagespost«, der »Katholischen Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur«, einen ganzseitigen und in jeder Hinsicht himmlischen Artikel über die Bedeutung der Klassiker im Allgemeinen.

Büchner selbst kommt aufgrund seiner religiösen Zweifel eher am Rande vor und hatte ja in diesem Jahr auch insgesamt wenig Glück. Die sich in ihrer Rolle als Literaturbetriebsulknudel einen Tick zu sehr gefallende Sibylle Lewitscharoff hat es sogar fertiggebracht, in ihrer Dankesrede zur Verleihung des Büchnerpreises Büchner nicht nur, MRR lässt grüßen, »das begabte Bürschle« zu nennen, sondern sich für den Büchnerpreis mit ihrer bemüht-aufrührerischen, pseudo-uneinverstandenen Haltung selbst zu disqualifizieren: »Anmerken möchte ich gleich, daß mir der Theaterautor Büchner wenig bedeutet.

« Liane Bednarz also fragt, woher die ungebrochene Faszination für die Klassiker (u. a. der von Papst Franziskus gern zitierte Hölderlin, aber auch Dante, Eichendorff, Chesterton, Bernanos sowie, warum auch nicht, Evelyn Waugh) rühre und kommt zu dem Schluss: Der Grund liege in ihrem »Klassikersein«. Was irgendwie tautologisch klingt, ist nichts weniger als die These (die von Deutschlehrern erst noch falsifiziert werden müsste), dass Klassiker generell gut gefunden werden.

Für die zeitgenössische Literatur, so stellt Liane Bednarz fest, gilt das aber nicht: »Wer die Internet-Seite ›www.perlentaucher.de‹, auf der Rezensionszitate aus den Leitfeuilletons zusammengestellt werden, regelmäßig studiert, weiß, dass ein Roman höchst selten einhellig gelobt wird.« Es sei denn, versteht sich, wir warten einfach noch die nächsten zweihundert Jahre ab.

Gottfried Böhmer

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10.03.2019 kurz und knapp, aber auf den Punkt gebracht

GFDK - Reden ist Silber - Martin Sigl

Noch einmal rückblickend in Jahr 2015 - "Gregor Gysi, DIE LINKE: Entweder wir sind bereit, die Weltprobleme zu lösen, oder sie kommen zu uns"

Dazu schreibt Martin Sigl kurz und knapp, aber auf den Punkt gebracht.
 

Gysi verkennt, dass WIR die Ursache für die Weltprobleme sind - oder jene "DA OBEN", die diese Weltprobleme durch Imperialismus und neuem Kolonialismus (IWF und WELTBANK) - siehe die Arbeiten von Jean Ziegler etwa - verursachen. Wir müssen also nicht die Probleme der Welt lösen, sondern jene von uns, die das verursachen müssen sich lösen: von ihren Untaten.

Die sinkende Wahlbeteiligung und die zunehmenden Parteiaustritte:

Ich kann aufgrund meiner FB-Erfahrungen seit Nov. 2010 den beiden folgenden Thesen über den Zusammenhang von Internet und Wahlbeteiligung nicht folgen.

Ich gehe davon aus, dass eine nicht wesentliche Zahl von Menschen aufgrund ihrer weitergehenden Informationen aus dem NETZ zunehmend die Hände von den politischen Spielchen lassen, mit denen sie verarscht werden.

Das Zitat: "Was übersetzt so viel heißt wie:

Schnelleres Internet fördert die Nutzung unterhaltender Inhalte wie YouTube, das auf Kosten von meinungsbildenden Medien und Inhalten geht und somit die Wahlbeteiligung zurückgehen lässt. Eine spannende Studie, über die sich herrlich streiten lässt.

Erst recht vor dem Hintergrund einer weiteren Studie, die die positiven Möglichkeiten des Internets für die Politik untersucht hat. Die kommt zu folgendem Schluss: "Politische Kommunikation über Social Media ist nach den Befunden der Studie in der Lage, die Beziehung zwischen Politikern und Bürgern über klassische Massenmedien hinaus zu vitalisieren und verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen."

Martin Sigl

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09.03.2019 Ursula von der Leyen

GFDK - Reden ist Silber

Das Versagen unterhält im Verteidigungsministerium von Ursula von der Leyen seine Zentrale. Die Berater sind vor allem dann erfindungsreich, wenn es um das Ersinnen von Folgeprojekten geht. Kein Rat darf so gut sein, dass er tatsächlich wirkt.

Dubiose Beraterverträge

„Der Einfluss der Berater im Verteidigungsministerium ging so weit, dass sie die Anforderungen für Folgeprojekte definierten und sich so quasi selbst wieder beauftragen konnten“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Fritz Felgentreu dem „Tagesspiegel“.

Gabor Steingart bringt es wie immer auf den Punkt: "Folgende Arbeitsteilung hatte sich offenbar eingebürgert: Die Armee versagt, der Berater berät und der Steuerzahler zahlt. McKinsey benutzt das Ministerium mittlerweile wie einen Geldautomaten."

Berater mit vollen Taschen der Steuerzahler

Das Wehrressort hat seit 2014 mit rund 660 Millionen Euro wohl sehr viel mehr Geld für Berater ausgegeben als bisher bekannt. Details aber hält das Ministerium selbst gegenüber Abgeordneten unter Verschluss, meldet der "Spiegel" am 9. März.

Aber: " Nur wenn das Staatswohl durch die Offenlegung von geheimen Informationen gefährdet ist, können Informationen für den Bundestag in der Geheimschutzstelle hinterlegt oder auch komplett verweigert werden."

Foto: https://www.securityconference.de/en/legal-advice/

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