Reden ist silber, Schreiben ist gold

04.07.2019

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Sönke C. Weiss hat wieder eine Buch-Empfehlung für Euch. Um Hoffnung und Glück geht es vor allem auch in Callie Shells Fotoband „Hope, Never Fear“, das im Elisabeth Sandmann Verlag erschienen ist und 25 Euro kostet.

Auf 232 Seiten zeigt die US-amerikanische Fotografin den Mann und seine Familie, als noch niemand glaubte, dass er einmal Präsident der Vereinigten Staaten werden würde:

Barack Obama. In„Hope, Never Fear“ zeigt Shell, vielfach ausgezeichnet, Obamas historische Wahlkampagne aus einer sehr persönlichen wie privaten Atmosphäre. Fast jedem Foto steht ein Zitat von Barack oder Michelle Obama gegenüber.

Zum Beispiel: „Einer der Grundsätze, mit denen ich aufgewachsen bin, lautet, sich selbst immer treu zu bleiben und sich nicht durch das, was andere sagen, von seinen Zielen abbringen zu lassen.

“ Shells grandioses Fotobuch offenbart Wärme, Mitgefühl und endloses soziales Engagement. Es berührt und inspiriert zutiefst.

Sönke C. Weiss

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02.07.2019 Deutschland ohne Ämter

GFDK - Reden ist Silber

Gabor Steingart ist der Meinung, deutschland sei eine unsichbare Nation. Leider hat er wie fast immer Recht. Er schreibt in seinem Morning Briefing vom 1. July 2019:

Oder in Worten so: Kein Kommissionspräsident. Kein Ratspräsident. Kein EZB-Präsident. Kein geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds.

Kein Präsident der Weltbank. Kein Präsident des Europäischen Gerichtshofs. Das zahlenmäßig größte und ökonomisch bedeutendste Land Europas steht nach diesem Wochenende einmal mehr mit leeren Händen da. Deutschland in der Amtszeit von Angela Merkel: die unsichtbare Nation.


Doch das eben ist die Konstante der Merkelschen Kanzlerschaft: Sie betreibt den Zerfall nicht, aber sie lässt ihn geschehen. Sie nominiert ihre Gefolgsleute, aber schon wenige Sekunden später lässt Merkel sie fallen. Deutschland ist bei der Besetzung internationaler Spitzenämter die erfolgloseste Nation unter der Sonne.

Gabor Steingart

Stellt sich nur noch die Frage, was hat Deutschland noch mitzureden, und an welchen Entscheidungen ist man noch beteiligt.

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20.06.2019 Der Bildband „Hab und Gut“

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

„Wir können uns einreden, dass wir mit einem Buch nicht allein sind, wie wir uns einreden können, dass wir mit einem Menschen nicht allein sind.“ Thomas Bernhard (1931 - 1989)

Als ich noch jung war, also jünger zumindest, drängte mir meine damalige Freundin, deren Name hier unerwähnt bleiben soll, dauernd Bücher auf, die für sie Pflichtlektüre darstellten und von Autoren wie Heinrich Böll, Max Frisch oder einem Franzosen namens Antoine de Saint-Exupery, was ich bis heute nicht fehlerfrei aussprechen kann, stammten.

Ich las die Werke, die besagte Freundin hatte einen hübschen Mund und was tut man als 17-Jähriger, wenn man noch Träume hat, nicht alles für einen hübschen Mund, war indes von einem ganz anderen Schriftsteller begeistert, den sie, die mit dem hübschen Mund, nun gar nicht mochte: Thomas Bernhard nämlich.

Zum 30. Todestag dieses famosen Einzelgängers hat der Brandstätter-Verlag in Wien nun einen wunderbaren, wenn nicht gar einzigartigen Bildband veröffentlicht: Thomas Bernhard - „Hab und Gut“ (Das Refugium des Dichters).

Herausgeber ist André Heller, die in der Tat Hammer-Fotos hat Hertha Hurnaus gemacht, weiter kommen mehrere Bernhard-Experten zu Wort, aber zum Glück nicht zu viel und zu lang, denn die 80 Aufnahmen der Bernhard-Wohnorte sind so grandios und lassen visuell so tief in die Seele des Künstlers blicken, dass die 35 Euro wohl investiert sind für den Leser, der diesen Weltdramatiker und Literaten (Der Theatermacher, Die Jagdgesellschaft, Städtebeschimpfungen - grandios - um nur einige zu nennen.) noch heute zu schätzen weiß.

Diese Bilder, die meines Erachtens auch und gerade in eine Ausstellung gehören, machen deutlich, wie Thomas Bernhard seine Lebensräume, wie beispielsweise seinen Vierkanthof in Ohlsdorf, Oberösterreich, theatralisch inszeniert hat.

Alles hat seinen Platz, selbst Dinge, die er, der Autor, nie benutzt hat, Requisiten eines Lebens, die den „ungewollten Besucher“ verunsichern sollten: seien es die Hüte, die Anzüge, die Messer, die Schnapsflaschen am Bett, die Flinten, alles an seinem Platz, penibel und bestimmt platziert; nichts schien er offenbaren zu wollen, ein Rätsel eben wie der Mann selbst, wie die Fünf-Sterne-Küche, die er kein einziges Mal benutzt hat in seinen Denk- und Schreibkerkern, wie Thomas Bernhard seine Habitate auch zu nennen pflegte.

Alles ist noch so hergerichtet, wie zu seinen Lebzeiten. Faszinierend. Ein organisiertes Außenleben, wo nichts dem Zufall überlassen blieb, sondern unter der Kontrolle des Schaffenden blieb. Sein Universum.

Thomas Bernhard. Der Autor, bei dem man sich nie sicher sein konnte, ob das, was man las, nun eine Tragödie oder eine Komödie war. Thomas Bernhard. Österreicher. Der seine Landsleute als katholisch-nationalsozialistisch definierte.

Im Zeichen des Wassermanns am 9. Februar 1931 geboren, gestorben am 12. Februar 1989, also vor nunmehr 30 Jahren, viel zu jung, leider, denn:

Was für eine Stimme, was für eine Literatur, was für eine Wahrheit dieser Mann immer wieder zu Papier brachte, insgesamt 10324 Seiten umfaßt das Gesamtwerk, ohne sich dabei zu verkaufen, im Sinne von dazugehören zu wollen, geliebt werden zu wollen, Anerkennung zu brauchen, trotzdem erhielt er 1970 den Georg-Büchner-Preis, 1972 den Grimme-Preis, ein wahres Unikat.

Ich war damals, zur Zeit der Freundin mit den besagt hübschen Lippen begeistert und bin es heute noch. Weltliteratur, die es selten aus dem deutschsprachigen Raum gibt, wo so viel geschwätzt wird. Thomas Bernhard entlarvte immer wieder das bornierte Klein- wie Großbürgertum.

Tut es heute noch, denn seine Werke sind zeitlos und werden es wohl auch immer bleiben, auch im Ausland. Und die Fotos in dem Bildband „Hab und Gut“ sprechen eine Sprache, die dem Mann und Autoren Thomas Bernhard sehr wohl gerecht werden. Tadellos.

Sönke C. Weiss

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17.06.2019 Journalisten abgefüttert und vor die Tür gesetzt?

GFDK - Reden ist Silber - Michaela Boland

Diese Geschichte aus dem Oktober 2013 haben wir noch einmal hervorgeholt. Es zeigt die Schattenseiten des Journalismus. Düsseldorf - Wiesbaden- Stuttgart. "Man soll immer der bleiben, der man ist", erklärt mir der Mann, der sich an diesem Abend als einziger der Verantwortlichen mit viel Herzlichkeit Zeit nimmt und meine Fragen in aller Ruhe beantwortet.

Die Rede ist von Herbert Seckler, Gründer des Sylter Szene-Kult-Restaurants `Sansibar`, Gault-Millau-ernannter Restaurateur des Jahres 2009 und sympathischer Schwabe. Seinen Dialekt hat der 60-Jährige seinem Grundsatz entsprechend beibehalten.

Und so kommt es denn auch, dass dem gebürtigen Aalener die Sympathien nur so zufliegen als er mit ein wenig Verspätung anläßlich des "exklusiven Presse-Previews" zum Opening des Restaurants "Sansibar by Breuninger" im Düsseldorfer Kö-Bogen erscheint und in lässigen Jeans, weißem Hemd und Sakko zwischen den übrigen Anzugträgern eine Bodenständigkeit verkörpert, die begeistert. Doch zum Anfang des Abends:

Herbert Seckler ein Mann mit viel Herzlichkeit

Auf Einladung der Unternehmenskommunikation des urschwäbischen Warenhauses Breuninger aus Stuttgart, welches noch einen Abend zuvor die Eröffnung seiner neuen Dependance in Düsseldorf mit riesigem Staraufgebot, darunter waren Brooke Shields, Irina Shayk, Stararchitekt Daniel Libeskind Barbara Becker, Bettina Zimmermann, Katja Flint, Thomas Rath, Annica Hansen, Sonja Kraus, Gudrun Landgrebe, Rolf Bauer, Magdalena Brzeska und Sönke Wortmann und insgesamt 800 geladenen Gästen feierte, mache ich mich auf den Weg zum neuen imposanten Kö-Bogen des Architekten Daniel Libeskind.

Auf dem Programm: Die Sansibar-Einweihung im Breuninger-Kaufhaus mit 150 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

Der Abend für Journalisten war alles andere als erfreulich

Medienvertreter sollen im Anschluss an ein Pressegespräch zum offiziellen Preview-Event im exklusiven Kreis mit gemeinsamem "Tasting" der Sansibar-Köstlichkeiten die einmalige Gelegenheit erhalten, schon einen Abend vor der offiziellen Eröffnung das Sylt-Feeling an der Königsallee zu erleben.

Erst in einer gesonderten Hinweis-Mail zum Ablauf wird klar, dass der Abend für uns Journalisten nach einer knappen Stunde enden soll und wir somit leider nicht mehr aus erster Hand erfahren, welche 150 geladenen Gäste der "Restaurant-Taufe" beiwohnen. Doch dazu später.

Von jungem Security-Personal im Auge behalten

Dass es in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt in der Regel ein wenig schicker zugeht, ist bekannt, daher versuche ich, dies beim Pressetermin zu beherzigen.

Am Gebäude gibt es mehrere Eingänge, aufmerksam von jungem Security-Personal im Auge behalten, denn schließlich durfte ab 15.00 Uhr nachmittags erstmals auch zahlendes Publikum die Räumlichkeiten des selbst erklärten Fashion- und Lifestyleunternehmens, Breuninger, unter die Lupe nehmen.

Um der temporären Orientierungslosigkeit ein Ende zu bereiten und vor allem, um nicht zu spät zum Sansibar-Opening zu kommen, nachdem schriftlich um Pünktlichkeit gebeten wurde, frage ich einen Sicherheits-Herrn höflich nach dem Weg.

"Sind sie eingeladen", will er wissen, nachdem er mich taxiert und offenbar erst von meinem "ja" abhängig macht, ob er überhaupt antwortet. Er schickt mich einige Meter weiter um das Gebäude herum, zu Kollegen, die vor einem anderen Eingang stehen.

Sind Sie eingeladen?

Dort angekommen, erkundige ich mich erneut nach dem Weg und wieder werde ich zuerst inspiziert und gefragt, ob ich eingeladen sei, bevor man mir auf mein Anliegen antwortet.

So langsam kommen mir Zweifel ob meines Erscheinungsbildes und ich frage mich insgeheim, ob man hier meinem Habitus wohl auf geheimnisvolle Weise entnimmt, dass ich in der historisch bedingten "Feindesstadt", Köln, studiert habe, oder ob ich gar den Eindruck einer ausgebufften Profi-Schnorrerin erwecke, welche von der Sansibar-Eröffnung gehört und es sich zur Mission gemacht haben könnte, am heutigen Abend heimlich kulinarische Luxus-Häppchen abzuräumen?

Ich bin irritiert, gehe jedoch tapfer weiter zum nächsten Security-Mitarbeiter, zu welchem man mich gesandt hatte, mittlerweile aber immerhin schon einmal im Innenbereich des großen Gebäudes angelangt und sage zu dem jungen Mann: "Verzeihung, ich suche die Sansibar by Breuninger und ja, ich bin eingeladen. Würden Sie mir freundlicherweise die Richtung weisen?"

Er bittet mich höflich, die Rolltreppe in den ersten Stock zu nehmen und erklärt, dass sich die Location sogleich gegenüber jener Treppe befinde.

So rolle ich denn in die nächst höhere Etage hinauf und erhalte dabei einen ausgiebigen Blick über sämtliche erlesene Luxusartikel des Erdgeschosses, in welchem es derzeit, zugegebenermaßen, einfach wundervoll riecht. Zahlreiche edle Duftstoffe erfüllen den Raum und machen gute Laune.

Oben angekommen, erblicke ich den großzügigen, augenblicklich noch geschlossenen Eingangsbereich meines Ziels. Davor steht eine attraktive Dame an einem Counter.

Erleichtert stelle ich mich ihr vor und sie fragt mich glücklicherweise keineswegs misstrauisch, ob ich eingeladen sei, sondern begrüßt mich freundlich lächelnd und teilt mir dann mit, dass man sich über mein Erscheinen freue, aber, für mich einen anderen Eingang "gewählt" habe.

"Hintereingang? Lieferanteneingang?", schießt es mir durch den Kopf. Doch die Dame schickt mich auf den Weg um die nächste Ecke, dort sei ich bereits aufgelistet.

Ich tue wie mir aufgetragen und lande: vor den Toiletten. Eine junge Security-Mitarbeiterin kann mir leider auch nicht weiterhelfen, doch verweist mich an ihren Kollegen, der gerade auftaucht.

Er geleitet mich durch einen Gang und schon wieder um eine Ecke bis ich vor der verschlossenen Glastür stehe, die einen kleinen Blick ins Innere der nagelneuen Sansibar gewährt, und hinter der sich zwei PR-Mitarbeiterinnen, noch eifrig beschäftigt, befinden.

Ich klopfe an, stelle mich erneut vor als eine der Damen öffnet, sich als Textschwester Lena Wanders entpuppt und bekomme gesagt, dass ich mich wieder zurück in den Bereich der Verkaufsräume begeben möge.

Dort befänden sich auch die anderen Journalisten, denn man sei noch nicht ganz fertig. Es dauert ein paar Minuten bis uns ein groß gewachsener junger Mann im roten Jacket begrüßt. Christian Witt, studierter Politologe und Breuninger-Unternehmenssprecher seit erstem Juni 2011.

Essen und Trinken umgeben von einer exklusiven Markenwelt

Dann geht es los: Wir dürfen die neuen Räumlichkeiten erstmals betreten, nachdem wir zügig von einer PR-Kollegin auf deren Liste abgehakt und flink mit einer Pressemappe versorgt worden sind. Eindruck:

Die 140 Sitzgelegenheiten auf großzügiger Ebene sind schick und schön, für Düsseldorfer Verhältnisse zwar nicht außergewöhnlich, aber gemütlich und eine Atmosphäre verbreitend, die unbedingt zum Wohlfühlen einlädt.

Ein Designer-Restaurant, wie es in Düsseldorf bereits zahlreiche gibt, ist laut Breuninger-Chef Willy Oergel auch nicht beabsichtigt. Die Idee, die hinter Breuninger Düsseldorf stehe, sei, viele besondere Dinge zu machen. Hierher also soll künftig das sogenannte Sylt-Feeling bei ausgewählten Sansibar-Speisen transportiert werden.

Was dabei freilich schmerzlich fehlen dürfte, ist wohl die Brise und auch die Dünen, deren Entbehren ein Blick in den angrenzenden Düsseldorfer Hofgarten sicherlich kaum wett machen kann. Das findet auch Sansibar-Erfinder Seckler.

Der stellt sich als Herbert vor, der von der Insel Sylt komme und eigentlich dort sehr glücklich sei. Die letzten Monate bezeichnet er als die redeintensivste Zeit, die er in den vergangenen Jahren erlebt habe. Jeder habe ihn gefragt, was er in Düsseldorf wolle und er habe sich viele Gedanken darüber gemacht.

  "Man kann Sansibar nicht transportieren", sagt der Original-Restaurant-Chef. Weder mit dem Sylt-Flair, noch der Atmosphäre oder der Magie dieser Insel ließe sich derartiges bewerkstelligen.

Jedoch könne man womöglich versuchen, über die Produkte, die sie über Jahrzehnte gesammelt hätten und von denen sie meinten, dass es besondere Sachen seien, den Menschen, wenngleich auch nur Sekundenweise, das Gefühl der Freiheit und des wundervollen Sylts zu vermitteln.

Zwar würden die Leute in Düsseldorf arbeiten, während die Menschen, wenn sie auf Sylt seien, in der Regel Urlaub hätten, was schon einen großen Unterschied darstelle.

Wenn jedoch durch einen typischen Sansibar-Geschmack vielleicht ein bisschen der Insel-Magie herüberkommen würde, sei sein Ziel bereits erreicht. Dennoch wird wohl auch ein gewisser Druck auf den Mitarbeitern in Düsseldorf lasten.

Die Sylter Sansibar sei, so  Herbert Seckler, in der glücklichen Lage, immer voll und ausgebucht zu sein. Diesem Umstand müssten natürlich auch die Mitarbeiter in der NRW-Landeshauptstadt gerecht werden. Doch der Star sei das Produkt.

Die Kunst sei, gut einzukaufen und das mache Breuninger. Schließlich gäbe es in diesem Kaufhaus ausschließlich Spitzenprodukte. "Wenn wir es schaffen, mit dem Gedankengut, auch weiterhin die besten Produkte dessen einzukaufen, was es im Moment gibt, dann kann eigentlich in so einer schönen Umgebung gar nichts schief gehen", schließt der Sylter Sansibar-Chef.

Das Besondere am Düsseldorfer Konzept besteht wohl auch darin, dass es sich nicht um eine Franchise-Variante, sondern um ein ganz eigenes Modell handelt.

So berichtet Daniel Ohr, Mitglied der Unternehmensleitung und zuständig für den Gastro-Bereich bei Breuninger, dass ein Teil der Karte, die sogenannten Sansibar-Klassiker, herausgesucht und gemeinsam entwickelt wurden.

Die gleichen Grundprodukte, wie Fleisch und natürlich Fisch, der täglich frisch von Sylt nach Düsseldorf geliefert werde, sollen für das Aufgehen des Düsseldorfer Konzepts sorgen. Dort, wo man allerdings sinnvollerweise regionale Produkte kaufe, wie beispielsweise Kartoffeln, werde dies auch geschehen.

Auch sei die gesamte Service-Crew  für einige Zeit nach Sylt gebracht worden, um ihnen dort sowohl das Sansibar- als auch das Syltgefühl zu vermitteln und um mit ihnen vor Ort zu kochen.

Was dabei unter anderem herausgekommen ist, können die geladenen Medienvertreter sodann kosten. Die Fingerfood-Portionen des Sashimi vom Thunfisch mit Kapern und Limonendressing sowie frische Austern stoßen bei vielen Journalisten auf große Begeisterung.

Breuninger-Chef Willy Oergel hatte zuvor die Currywurst angepriesen, die er bei Flügen mit der Air-Berlin regelmäßig verspeise. Leider wird diese, die mit Pommes und Sansibar`s Currysauce auf der hauseigenen Karte für 12,- Euro offeriert wird, während des Medien-Tastings nicht verkostet.

Von Herbert Seckler möchte ich unbedingt erfahren, was seine schwäbischen Landsleute eigentlich dazu sagen, dass die erste und bisher einzige Sansibar-Dependance im Rheinland und nicht im Schwabenland, wie möglicherweise im Breuninger-Haus am Standort Stuttgarter Marktplatz startet.

"Ja, das hat mich geschafft" Das macht mich auch fertig"

"Ja, das hat mich geschafft", antwortet der Wahl-Insulaner. "Das macht mich auch fertig, dass wir nicht in Stuttgart sind, aber Düsseldorf ist eines der Haupteinzugsgebiete der Insel. In Düsseldorf sind auch fröhliche Menschen, wenn ich nur an den Oberbürgermeister denke", ergänzt der sympathische Geschäftsmann noch, bevor es allmählich zum letzten Programmpunkt kommt.

Journalisten Abgefüttert und vor die Tür gesetzt?

Dass die PR-Veranstalter des Abends es mit dem Vollzug des Journalisten-Events augenscheinlich insgesamt ein wenig eilig haben, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass die 150 geladenen Gäste, zu denen wir Journalisten nicht gehören, in Kürze Einzug halten sollen.

Zunächst nutzt Breuninger-Kommunikationschef Witt, der das Event auch moderiert, eine Bemerkung Secklers hastig als "wundervolle Überleitung" zum Tasting, was er uns keineswegs vorenthalten möchte, weil wir nach einer knappen Viertelstunde offizieller Statements und einigen Fragen "noch 20 Minuten haben".

No net hudle!

So kommt es wohl auch, dass eine andere PR-Kollegin mich kurze Zeit später verfolgt und höflich aber bestimmt mit dem Hinweis versieht, dass jetzt möglichst alle Journalisten beisammen bleiben und sich so langsam zum Ausgang begeben sollten, als ich mich in den hinteren Bereich des Restaurants bewege, um eine gemütliche Sitzecke mit ausgefallener Lampendekoration über dem Tisch abzulichten.

Eine nette Art des Hinauskomplimentierens. Wie schön, dass sich Sylt-Sansibar-Boss Seckler davon kaum aus der Ruhe bringen lässt.

Entspannt steht der gelernte Koch nämlich noch immer Fragen Rede und Antwort, lässt sich bereitwillig in gewünschten Positionen fotografieren und beweist, dass ein Schwabe, selbst, wenn er schon seit 1974 auf Sylt lebt, einen schwäbischen Grundsatz verinnerlicht hat, nämlich: No net hudle!

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste, GFDK moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und Porträt des Monats

© Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

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03.06.2019 Meine Marokko-Erfahrung

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Marokko ist ein junges Land. Die unter 25-Jährigen machen mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus. Es sind die jungen Frauen und Männer, mitten im träumerischen Gemurmel Tangers, die mich immer wieder faszinieren.

Sie, die zwischen Tradition und Moderne zerrissen, von Arbeitslosigkeit bedroht, vielfach ohne Zukunftsaussichten sind, von denen viele ihr Land trotzdem lieben. Sie bedürfen, nein, sie verdienen Ermutigung und Zuspruch.

Meine Marokko-Erfahrung beginnt aber nicht in einer schummrigen Bar in Tangers Vergnügungsviertel, in Casablanca, einer Stadt, die kulturell immer unter Strom steht, in Marrakesch, wo - was für eine Sünde - historische Parkanlagen unter Zement begraben werden oder in Fes, die große Unbetretene, die strengste, die verbotenste aller marokkanischer Städte, nein.

Sondern bei den Beat-Dichter, die Marokko, insbesondere Tanger, für sich in den Fünfziger - und Sechzigerjahren entdeckt haben. Als Muse.

Jack Kerouac und William S. Burroughs und Allen Ginsberg.

„Lebe, reise, gesegnetes Abenteuer, und bereue nichts“, schreibt Kerouac 1957, als sie, eine Bande in sich verschworener Dichter ihren ersten Sommer in Tanger verbringen. Auf der Suche nach einem neuen Menschentypus.

Auf der Suche nach einer neuen Herangehensweise in der Literatur. Auf der Suche nach einem neuen Leben. Wie die jungen Marokkaner heute auf der Suche sind. Nach einer sich lohnenden Zukunft.

Wer mehr über das wahre Leben Tangers erfahren will, sollte hier beginnen: In der Rue Magellan, zwei Querstraßen von den den Boulevards mit den französischen Restaurants und Luxushotels entfernt.

Ich meine das Hotel El-Muniria an der steilen Straße, wo schon die Beat-Autoren ihr Quartier bezogen, wenn sie, von wilden Träumen getrieben, mal wieder in der unwirklichen Stadt zwischen Mittelmeer und Atlantik, Meer und Wüste nach Erfüllung jeder Art suchten.

Die rohe Literatur, sie wird noch heute in Tanger geschrieben, selbst wenn die Stadt oft glatt wirkt: viel spiegelndes Glas, Beton, dazwischen konzentriertes Wirtschaftsleben.

Doch ist die Hafenstadt vor wenigen Jahrzehnten Anker für eine Generation junger Autoren gewesen. Viele junge Marokkaner kennen ihre Namen nicht, was sie heute noch bedeuten, diese literarischen Musketiere, die hier ihr Exil suchten, weil Amerika sie so einengte, so wie viele Marokkaner heute ihr Exil anderswo suchen, weil ihre Story anderswo spielen soll.

So frage ich mich immer wieder, wenn ich meinen Tee in Tanger trinke, kommt sich diese junge Generation Marokkaner betrogen vor, so wie sich schon die Beatniks betrogen vorkamen, weil der Arabische Frühling genauso platze wie die verlogene 50er-Jahre-Aufbruch-Stimmung in den USA, die in Wahrheit nur geprägt war von Kulturfeindlichkeit und Antikommunismus?

Nichtsdestotrotz: „Heben Sie Ihre gesamten Ersparnisse ab und sagen Sie Ihren Freunden Lebewohl, denn es ist gut möglich, dass Sie sie nie wiedersehen,“ schrieb Truman Capote nach seinem ersten Marokko-Erlebnis. Ich kann ihm nur zustimmen.

Ob Tanger oder welche Stadt auch immer, wer sich dem Land öffnet, taucht ab in eine Welt, in der sich niemand auf irgendwas festlegen will. Lassen Sie sich für Ihren nächsten oder ersten Marokko-Aufenthalt, die Jahreszeit spielt dabei wirklich keine Rolle, von folgenden Büchern inspirieren:

Marokko fürs Handgepäck, Unionsverlag, 13,95 Euro. Coole Geschichten und Berichte.

Der kleine Marokko Verführer, Bruckmann, 14,99 Euro. Schöne Bilder und charmante Anekdoten.

Marokko, BaedekerSmart, 15,95 Euro. Ein frisches Marokko auf ganz entspannte und entschleunigte Art.

Marokko, Dumont Reise-Handbuch, 24,99 Euro. Entdeckungsreisen zwischen Kasbahs und Moscheen. Ein wahres Muß für jeden Reisenden, weil nicht aufdringlich nur eben hilfreich.

Das Marokko Buch, Kunth, 29,95 Euro. Sensationelle Foto-Highlights eines faszinierenden Landes im Buch-Großformat. Ein wunderbare Geschenk. Nicht nur zu Weihnachten.

beat

Slang für „besiegt“, „müde“ und „heruntergekommen“ - bedeutet aber auch: „euphorisch“ (upbeat), „seligmachend“ (beatific) und in der Sprache der Musik „im Rhythmus sein (being on the beat).

Flughäfen in Marokko

Marrakesch - Menara (RAK, Marokko)
Agadir (AGA, Marokko)
Nador (NDR, Marokko)
Casablanca (CMN, Marokko)
Fes (FEZ, Marokko) ...
Tanger - Boukhalef (TNG, Marokko)
Rabat - Sale (RBA, Marokko)
Oujda (OUD, Marokko)

Marokko ist seit 1956 unabhängig und gemäß Verfassung von 1992 eine konstitutionelle Monarchie. Die bedeutendsten Städte des nordafrikanischen Landes sind Casablanca, die Hauptstadt Rabat, Fès, Marrakesch, Agadir, Tanger und Meknès.

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14.05.2019 MICHAELA BOLAND TRIFFT INGRID STEEGER

GFDK - Reden ist Silber Michaela Boland

Das Große Exklusivinterview für freundederkuenste.de - MICHAELA BOLAND TRIFFT INGRID STEEGER

Michaela Boland:

Kommen wir nocheinmal auf Klimbim zurück. Sie sagten gerade, es sei für sie die härteste Arbeit ihres Lebens gewesen. Inwieweit hatte das mit dem Regisseur Michael Pfleghar zu tun?

Ingrid Steeger:

Ja, es war sehr schwierig. Und auch hier kommt wieder hinzu, dass wir miteinander liiert waren und dass ich ihm dann gehört habe, beruflich wie privat. Das war für mich zum damaligen Zeitpunkt durchaus in Ordnung. Im Nachhinein sieht man vieles anders.

Im Hinblick auf meine Jugend sagen die Leute ja auch, "deine Jugend war ja schrecklich", aber in meiner Jugend fand ich meine Jugend in Ordnung. Mit dreißig vierzig Jahren dann nicht mehr.

Aber, das ist auch vielleicht etwas, das man überlebt, wenn man es in dem Moment so sieht. Aber Klimbim war eben deshalb so schwierig, weil ich vor der Kamera nicht so agieren konnte, wie ich es gerne getan hätte.

Oder der  Pfleghar hat es auch einfach nur nicht so gesehen und er hat es natürlich, ich sage immer "rausgeprügelt" in Anführungsstrichen. Ich wußte nicht, dass ich komisch sein würde und er hat es mit Gewalt herausgeholt und ich habe gehorcht.

Also ich habe wieder mal gehorcht. Wie immer im Leben, habe ich auch ihm gehorcht. Und das war ja offensichtlich richtig so. Es hat nicht unbedingt Spaß gemacht, aber es kam etwas dabei heraus. Und das durfte das Publikum ja nun auch nicht merken.

Das war wichtig. Wenn wir das jetzt zusammen durchgehen würden, könnte ich ihnen jede Szene nennen, bei der ich geheult habe. Auch beim Schneemann. Das war nicht im Studio, sondern das war wirklich draußen im Schnee.

Und das im Abendkleid. Und das mußten wir zehn bis zwanzig mal drehen und da bin ich fast erforen und bin seiner Meinung nach immer falsch um den Schneemann herumgelaufen. Das war dann auch nicht komisch.

Das ganze Exklusivinterview für freundederkuenste.de lesen sie hier:

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10.05.2019 ein wirkliches Zeitdokument

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Das Buch, das  Sönke C. Weiss indes in letzter Zeit am tiefsten bewegt hat, heißt Briefe an Obama, wurde von der US-amerikanischen Journalistin Jeanne Marie Laskas herausgegeben, ist jetzt im Goldmann Verlag auf Deutsch erschienen und kostet schlanke 22 Euro.

Die 544 Seiten - man wünscht sich auf der Stelle einen zweiten Band - sind ein wirkliches Zeitdokument.

Hintergrund: Während seiner achtjährigen Amtszeit las der US-Präsident jeden Abend zehn Briefe von Bürgern, um herauszufinden, wie es um sein Land steht, einige davon beantwortete er dann persönlich.

Er schrieb an politische Gegner, Rentner, Schulkinder, Kriegsveteranen; es geht um Gerechtigkeit, Haltung, Aufrichtigkeit, Wandel und vor allem um eines: Heimat.

Briefe an Obama bringt einen zum Lachen, zum Weinen, es erschreckt und macht glücklich. Ob es irgendwann auch mal ein Buch mit dem Titel Briefe an Merkel geben wird, ich bezweifle es, schön wär’s…

Sibylle Bergs neues Buch GRM

Auch hat mich Sibylle Bergs neues Buch GRM gefreut, wie alles, was Frau Berg schreibt, selbst wenn es stramme 640 Seiten sind, die jetzt im Hause Kiepenheuer & Witsch erschienen sind und 25 Euro kosten.

GRM steht für Grime, das Coolste, was es an Musik seit es Punk gibt und das Lebenselixier einer Gruppe Jugendlicher ist, die in einer nicht zu fernen Zukunft im Brexit-Land leben, einer orwellähnlichen Insel, wo alle, die am neuen Lebensstil mitmachen, die Gewinner sind.

Wer indes quer denkt und sich außerhalb des Systems sieht, hat keine Chance. Willkommen in der Welt von Grime und bei SB. Sybille Berg ist vielen vielleicht auch nur als Spiegel-Kolumnistin bekannt, darüber hinaus aber Autorin von 21 Theaterstücken und 14 Romanen, die in über 34 Sprachen übersetzt worden sind und die mit ihrer unverkennbaren Stimme ein Leben zeichnet, dem wir bereits heute immer näher kommen: traumlos in einer Welt ohne Visionen, wo Algorithmen den menschlichen Geist ersetzen. 

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09.05.2019 haben und nicht haben

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Wer wirklich wissen möchte, wie die Haves and Have Nots - die Habenden und Nicht-Habenden - in der Vor-Trump-Zeit der USA tickten, als es noch Hoffnung gab, dem empfehle ich unbedingt das neue Buch von Gary Shteyngart zu lesen: Willkommen in Lake Success.

432 Seiten. 24 Euro. Sehr geschmeidig aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke übersetzt. Worum es geht: Status. Ruhm. Prestige. Perfektion.

Eines schönen Tages macht Barry Cohen, Sohn eines jüdischen Poolreinigers und millionenschwerer Hedgefonds-Manager, Schluß mit seinem privilegierten New Yorker Leben, inklusive seiner Trophäenfrau Seema und seinem an Autismus erkrankten Sohn.

Mit der Börsenaufsicht auf den Fersen flieht er in einem Greyhound-Bus aus dem Big Apple, um seine alte College-Liebe Layla in El Paso zu treffen. Nach 20 vergeudeten Jahren! Im Gepäck:

Einige Kreditkarten, die er schnell entsorgt, und seine Lieblingsuhren - ja, Barry ist ein Uhrenfetischist auf der Suche nach dem wahren Leben, bevor ihm selbst die Zeit ausgeht.

Und so fühlen wir bei jeder Seite dieses wunderbaren Buches den Herzschlag des Helden der Geschichte und sind am Puls der Zeit dabei, egal wie absurd die Charaktere auch sein mögen. Man glaubt sie, weil sie wie die USA sind. Extrem in beide Richtungen - haben und nicht haben.

Wie sein Held Barry fuhr auch der Autor Gary Shteyngart mit dem Greyhound-Bus und den „Ungewaschenen“ quer durch die USA - von New York City bis eben nach El Paso - und ließ seine Erfahrungen in seinen nunmehr vierten Roman fließen.

Ein Roadtrip, der irgendwie zwischen Melancholie, Selbstverachtung und Wehklagen schwebt und dabei noch so unsagbar lustig ist, wie ihn so nur ein jüdischer Autor beschreiben kann. Herrlich. (Nicht umsonst wurde der Autor mit dem National Jewish Book Award für Fiktion geehrt.)

Aber lesen Sie selbst oder besser noch, hören Sie Gary Shteyngart beim Lesen aus Willkommen in Lake Success zu:

Am Montag, den 6. Mai in Berlin, Geistesblüten; Dienstag, den 7. Mai in München, Literaturhaus; Mittwoch, den 8. Mai in Innsbruck, Wagner’sche Universitätsbuchhandlung und am 9. Mai in Zürich, Literaturhaus. Um Reservierung wird gebeten.

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07.05.2019 Dinner am Mittelpunkt der Erde

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Zwei weitere Buchempfehlungen von Sönke C. Weiss - Keine Furcht vor Moral - Apropos Geister: Auf gerade mal 288 Seiten, die 22 Euro kosten und im Luchterhand Literaturverlag erschienen sind, erzählt der jüdisch-amerikanische Schriftsteller Nathan Englander in seinem neuen Buch Dinner am Mittelpunkt der Erde drei spirituelle Liebesgeschichten, die ineinander verwoben wie welt- und zeitumspannend sind und die man einfach, ja, lieben muß.

In Englanders Roman ist alles auf einmal: witzig, brutal, utopisch und doch wieder bodenständig. Groß und ganz geht es um Israel und Palästina, tief und wahr geht es wie immer bei großer Kunst um Liebe und Tod. Und solche Augenblicke schenkt der Autor dem Leser immer wieder. Wer keine Furcht vor moralischen Fragen hat, ist hier wohl aufgehoben. Chapeau.

Wie in der literarischen Spurensuche Shakespeare in Swahililand von Edward Wilson-Lee, Afrika-Kenner und Literatur-Experte.

Die 400 großzügigen Seiten kosten 25 Euro und sind ebenfalls im Luchterhand Literaturverlag erschienen. Wilson-Lee erzählt gekonnt, mit viel Humor und Insider-Wissen, wie sich viktorianische Forscher des 19. Jahrhunderts im Namen der britischen Krone in Ostafrika auf Expedition begaben.

Im Gepäck hatten sie natürlich auch W. Shakespeare und trugen so dazu bei, dass Hamlet, Macbeth und King Lear ihre Spuren auf dem afrikanischen Kontinent ließen.

Was ganz besonders ist, denn Shakespeare, das wohl größte literarische Genie der Literatur-Geschichte, kam sofort bei den Menschen Afrikas an, es gab keinerlei Berührungsängste, die lokalen Theateraufführungen seiner Meisterwerke konnten sich in der Tat sehen lassen.

Es war, als ob Shakespeare schon immer zu Afrika gehörte. Shakespeare in Swahililand ist ein ganz besonderes Buch über einen ganz besonderen Kontinent und einen ganz besonderen Dramatiker. Famos.

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07.05.2019 literarischer Masochismus

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Ich versuche mich ja wirklich nur zu Büchern zu äußern, die ich selbst auch mag; denn jedes Buch bedeutet meine Lebenszeit, und die ist bekanntlich limitiert.

So habe ich mich nichtsdestotrotz durch die nie enden wollenden 1248 Seiten von Max, Mischa und die Tet-Offensive gekämpft, nur dass mich der Autor, Johan Harstad, Wohnhaft in Oslo, damit bestraft, dass der Held seines Buches die große Liebe seines Lebens trotz aller Bemühungen nicht bekommt, weil er zu viel quatscht.

Das ist so gemein, dem Leser gegenüber, mir. Fette 34 Euro kostet dieser literarische Masochismus, der im Rowohlt Buchverlag erschienen ist und folgende Story erzählt: Max Hansen - vermutlich zum Teil aka Johan Harstad - zieht von Norwegen in die USA.

Mit seinen Eltern, deren Ehe zerbricht, während er sich mehr und mehr fürs Theater begeistert, in einem Typen namens Mordecai seinen besten Freund findet, sich in Mischa verliebt und all das über Jahrzehnte hinweg und - wie gesagt - über 1000 Seiten langgezogen, so dass ich - und ich bin da ganz ehrlich - zum Schluß gar nicht mehr weiß, was, wem, wo, wie überhaupt passiert ist und ich irgendwann froh bin, dass der Spuk ein Ende hat, Max Hansen, selbstverliebt und wirklich eine fiese Labertasche, seine Liebe nicht kriegt.

Sie hat in der Tat etwas Besseres verdient. Und noch was vorweg: Mordecai bringt sich um. So. End of Story. 

Sönke C. Weiss

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