Reden ist silber, Schreiben ist gold

31.12.2020 Ein kleiner Rückblick auf 2020

GFDK - Reden ist Silber

Wir fragen uns, was richten die Politiker in Deutschland mit ihren Corona-Maßnahmen an? Wir zeigen hier auf, was diese Maßnahmen für Folgen haben. Rechtlich, kulturell und für die Gesundheit. Ein kleiner Rückblick auf 2020.

Aus rechtlicher Sicht, Ferdinand Kirchhof

Am 24.11.2020 bezog der Tübinger Juraprofessor Ferdinand Kirchhof, bis 2018 Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts,  auf "Welt-Online" zu den Corona-Maßnahmen der Regierung Stellung und fragte sich, was einige Eingriffen überhaupt mit Corona zu tun haben.

  • Lokale zu schließen mit der Begründung, damit lasse sich dann ein schönes Weihnachtsfest sichern, ist nicht zulässig.

  • Der Schutz eines fröhlichen Weihnachtsfests unter dem Tannenbaum ist kein legitimes Ziel zur Grundrechtseinschränkung und nicht Aufgabe des Staates.

  • Ein anderes Beispiel bietet die Silvesterknallerei. Gegen Böller kann man mit Blick auf Feinstaub etwas einwenden. Aber jetzt „Corona“ zu rufen und die Silvesterknallerei in die Verbotsliste zu schreiben, halte er für problematisch.

  • Kirchhof zu dem Infektionsschutzgesetz: Es bleibt weiterhin ein unvollkommenes Gesetz, das zumindest der verfassungskonformen Auslegung bedarf. Manche Formulierungen sind immer noch in epischer Breite angelegt.

Insgesamt schreibt Kirchof, dass er sich mehr Klarheit und Entschiedenheit von Seiten der Politik gewünscht hätte.

Wie sehen Sie das? Wie bewerten Sie die gesetzlich erlaubten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen im privaten und öffentlichen Bereich? Wie weit sollen sie gehen dürfen? Das Gesetz klärt es nicht. Derart tiefe, weitreichende Grundrechtseingriffe für jeden Bürger habe ich noch nicht erlebt.

Aus kultureller Sicht

Im Morning Briefing Podcast sprach Gabor Steingart am 26.11.2020 über Kultur in Zeiten der Pandemie mit Peter Maffay. Der deutsche Ausnahme-Künstler, der in diesem Jahr sein 50. Bühnenjubiläum feiert, hat zusammen mit einem Jugendchor aus Südafrika einen neuen Song veröffentlicht: „Hoffnung“.

Über seine Motive sagt er:

Ohne Hoffnung würde eine Triebkraft verloren gehen, die wir jetzt dringend brauchen. “

Das neue Infektionsschutzgesetz beurteilt er folgendermaßen:

Die Maske, die zum Maulkorb wird

Ich verstehe, dass man angesichts steigender Infektionszahlen etwas tun muss. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Maßnahmen in der Härte und dieser Gewichtung relevant sind. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass die Maske zu einem Maulkorb wird, was in unserer Gesellschaft tödlich wäre, denn wir würden Prinzipien, die uns viel bedeuten und die sehr wertvoll sind, erodieren sehen. “

Peter Maffay ist ernsthaft besorgt über die Laufrichtung der Politik, die sich gegen ihn und die gesamte Kulturbranche gestellt hat:

Ich frage mich, wohin diese Entwicklung führt: Werden wir ein liberaler Staat bleiben oder verkommen wir zu einem totalitären Prinzip? Ich glaube nicht, dass es so weit ist.

Aber wir müssen höllisch aufpassen, dass wir die Türen in diese Richtung nicht aufmachen. Ich hoffe, dass sich die Politik nicht in diesen Umstand verliebt: Gesetze durchzupeitschen und sich verliebt in die Macht, die damit verbunden ist. “

Über die Rolle, die Kunst und Kultur gerade in diesen Zeiten spielen könnten, sagt der Sänger, Komponist und Stifter:


Wir dürfen nicht übersehen, dass diese Lage psychische Auswirkungen hat. Die Kunst mit ihren vielen Genres besitzt eine korrektive Funktion. Darüber artikulieren sich Menschen, sie spiegeln wider, was um sie herum passiert. Auf diese Qualität zu verzichten, ist dumm. “

Mit Blick auf die Gesundheit

Coronabedingt haben nach Beobachtungen des leitenden Psychiaters Andreas Romberg schwere Depressionen und Angstzustände bei Kindern und Jugendlichen zugenommen.

„Wir spüren schon jetzt, dass die psychischen Belastungen der Kinder und Jugendlichen besonders hoch sind“, sagte am Mittwoch der Ärztliche Direktor der Clemens-August-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Neuenkirchen-Vörden bei Vechta. Der Chefarzt sieht auch steigende Zahlen betroffener Eltern, sagte er der "Welt" am 30.12.2020.

Umfrage: Fast jeder vierte Arbeitnehmer in Corona-Krise kurz vor dem Burnout

Die Corona-Pandemie sorgt bei Arbeitnehmern in Deutschland laut einer Umfrage für massive psychische Belastungen. 22 Prozent sehen sich an der Schwelle zum Burnout, also einem Zustand völliger Erschöpfung, wie aus einer internationalen Untersuchung des auf Mitarbeiterbefragungen spezialisierten Unternehmens Peakon hervorgeht. Im weltweiten Durchschnitt trifft dies demnach auf fast jeden Dritten zu.

Zugleich schlägt sich die Krise hierzulande psychisch noch stärker bei Frauen nieder: 27 Prozent von ihnen stehen laut Umfrage vor dem Burnout; bei den Männern sind es 19 Prozent. Weltweit stehen 34 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer am Rande eines Burnouts.

Jagd auf Ärzte hat begonnen  

Ermittlungen gegen Ärzte in mehreren Bundesländern - Das Landeskriminalamt in Berlin ermittelt in Dutzenden Fällen gegen Ärzte wegen falscher Corona-Atteste. Derzeit werden knapp 100 Ermittlungsverfahren wegen Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse geführt, teilte die Polizei auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Einige der Verfahren seien an Staatsanwaltschaften in anderen Bundesländern abgegeben worden, da die Mediziner, die die Bescheinigungen ausstellten, nicht in Berlin praktizierten.

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27.12.2020 Corona-Tote für die Statistik

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Österreich - Auf Facebook wurde die Fotografie eines Schreibens der österreichischen Gemeinde Frantschach verbreitet, datiert vom 14. 12. und unterzeichnet im Namen des Oberbürgermeisters von einer Katrin Buchsbaum, diese leitet wohl die Abteilung Standesamt und Staatsbürgerschaft.

Es scheint echt zu sein; Gemeinde und Unterzeichnerin lassen sich leicht recherchieren. Unkenntlich gemacht war nur der Adressat. Darin wird folgende Anweisung erteilt:

„Jede verstorbene Person, die max. 28 Tage zuvor COVID-positiv getestet wurde, wird in der Statistik als ‚COVID-Tote/r‘ aufgeführt, unabhängig davon, ob sie direkt an den Folgen der Viruserkrankung selbst oder ‚mit dem Virus‘ (an einer potentiell anderen Todesursache) verstorben ist. kann man tatsächlich auf der Webseite des Bundesministeriums Lesen.

Auch die FPÖ bezog sich auf dieses Schreiben und meinte, dass es sich um eine neue Vorgabe der WHO handle. Gewiss müssen wir davon ausgehen, dass das in den meisten Ländern so gehandhabt wird. Wer kann da noch leugnen, dass es in Wahrheit nicht um ein Virus geht?

Die Inkubationszeit des Coronavirus soll durchschnittlich etwa fünf Tage betragen. Den „Lockdown“ haben wir seit etwa 25 Tagen, aber die Infektionszahlen sinken nicht. Was bedeutet das logischerweise?

Wenn die Tests auch nur einigermaßen aussagekräftig sind, dann bedeutet es, dass der „Lockdown“ keinen Effekt hat, und dass dies schon seit mindestens zwei Wochen feststeht. Warum also wird er aufrechterhalten, ja sogar eine Verlängerung in Aussicht gestellt? Gleiche Antwort wie oben: Weil es in Wahrheit nicht um ein Virus geht.

Ein Gedankenexperiment

Coronagläubige sollten ein Gedankenexperiment machen und sich vorstellen, die Fronten wären vertauscht: Die Regierung versichert, dass das Coronavirus nicht gefährlicher ist als ein Grippevirus und dass außer der üblichen Vorsicht in der kalten Jahreszeit keine Maßnahmen erforderlich sind.

Demgegenüber behauptet eine oppositionelle Gruppe, darunter auch die AfD, dass eine große Gefahr bestehe, derentwegen man Teile des öffentlichen Lebens lahmlegen und die Grundrechte einschränken muss; auch wenn das zu einem Anstieg von Arbeitslosigkeit und Konkursen führt und eine Neuverschuldung in Höhe von 180 Milliarden Euro erforderlich macht. Wem würden sie glauben?

Klaus Miehling

Weltweit häufen sich die Informationen von "besorgniserregenden Reaktionen" nach Corona-Impfungen.

Wie die »New York Times« berichtete, zeigten wenige Minuten nach der Impfung zwei Krankenhaus-Mitarbeiter in Alaska nach nur wenigen Minuten "besorgniserregende Reaktionen". Trotz Notfallbehandlung musste eine bis dato gesundheitlich nicht auffällige Frau die Nacht auf der Intensivstation verbringen.

Ein anderer aktueller Fall: An der CHI Memphis in Tennessee/USA brach eine hochrangige Krankenhausmitarbeiterin, die gerade geimpft wurde, vor laufenden Kameras zusammen. Zuvor wollte sie gerade erzählen, wie dankbar und glücklich sie für die Impfung sei. Dann verlor sie das Bewusstsein und fiel um.

2 Alaska Health Workers Got Emergency Treatment After Receiving Pfizer’s Vaccine

One of the workers, who did not have a history of allergies, remained in the hospital on Wednesday night. Some reactions to the vaccine were also reported last week in Britain.

Es wurde ein Impfstoff genehmigt, von dem wir nicht wissen

ob er die Geimpften vor schweren Verläufen schützt oder
ob er die Geimpften davon abhält, andere zu infizieren oder
ob der Effekt überhaupt mehr als 2 Monate hält (tatsächlich zeigen Studien, dass die Antikörper nach natürlicher Infektion nach 2–3 Monaten bereits wieder abfallen) und somit auch
ob der Effekt mehr als 1 % der Infizierten überhaupt „schützt“.

Zum guten Schluß

Karl Lauterbach am 27.12.2020 in einem Beitrag für "Welt-Online" Zur Bewältigung des Klimawandels seien Schritte nötig, die „analog“ zu Einschränkungen der persönlichen Freiheit wegen der Pandemie sind. Nun sollte man sich Fragen, was der SPD-Esel damit gemeint hat.

„Im Zuge der Corona-Pandemie dienen Werbeflächen immer häufiger der Verbreitung politischer Botschaften im öffentlichen Raum. Manche Kampagne erinnert an die einstigen Kampagnen in der DDR.

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14.12.2020 Angela Merkels Kungelrunde

GFDK - Reden ist Silber

In der Pandemie greifen Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zum erneuten Mal in die Grundrechte aller Bürger ein. Sie spielen Gott und halten sich für Selbstermächtiger über das Deutsche Volk.

Merkel und ihre Gesellen rechtfertigen ihre Maßnahmen und den harten Lockdown mit der Berufung auf das Leopoldina Gutachten, also um angebliches unumstößliches Faktenwissen.

Und deshalb, so formulierte Angela Merkel flehentlich, sollten wir auch auf die Wissenschaft hören. Und nun kommt der Witz. Dieses Gutachten besteht aus sage und schreibe viereinhab Seiten, in dem nichts drinsteht, das sollte man dringend lesen.

Dabei war das schon im September abzusehen: Die Kanzlerin sagt:
"Man muss die Zügel anziehen, um bei Corona nicht in ein Desaster reinzulaufen."

Der Virologe Christian Drosten soufflierte ihr:
"Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen. Auch bei uns."

Fangen wir mal mit der Lüge der Woche an: " Das wird nicht noch mal passieren".

„Man würde mit dem Wissen heute, das kann ich Ihnen sagen, keine Friseure mehr schließen und keinen Einzelhandel mehr schließen. Das wird nicht noch mal passieren.“ (Jens Spahn am am 1. September auf einer Bühne in Bottrop (NRW)).

Merkel und Markus Söder greifen noch tiefer in die Trickkiste autoritärer Herrschaft, meint Alice Weidel. Merkels Lockdown-Politik ist „verlogen“, so der christdemokratische Verfassungsjurist Rupert Scholz.

FDP-Chef Christian Lindner dazu: „Die Halbwertzeit der Ankündigungen, Erklärungen und Verhaltensregeln wird immer kürzer. Und damit wird auch die wichtigste Ressource in dieser Krise immer knapper, nämlich die Berechenbarkeit staatlichen Handelns.“

Der Chef der Bundesärztekammer mahnte noch Ende Oktober, man könne den Menschen "nicht in einer Tour Angst machen" - sonst sei die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen gefährdet. Weitere Einschränkungen der Bewegungsfreiheit seien unangebracht, sagte er im "Deutschlandfunk". Genau das machen aber unsere Selbstermächtiger von Deutschland.

Die Folgen der Corona-Politik auf den Punkt

International haben die Lockdowns 130 Millionen Menschen an den Rand des Verhungerns gebracht, 80 Millionen Kinder dem Risiko für Diphtherie, Masern und Polio ausgesetzt und 1,8 Millionen Patienten dem Risiko, an Tuberkulose zu sterben.

Die Lockdowns in den Industrieländern haben die Armen in den armen Ländern schwer getroffen. Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass die Lockdowns weitere 150 Millionen Menschen in extreme Armut stürzen werden, 125-mal so viele Menschen, wie an COVID gestorben sind.“ Dr. Jayanta Bhattacharya

So berichtet beispielsweise CNN, dass „in Japan allein im Monat November mehr Menschen dem Selbstmord zum Opfer gefallen sind als es dort im gesamten Jahr Covid-19-Tote gegeben hat. Frauen waren hier am stärksten betroffen.“

An der Coronaimpfung verstorben?

Bald heißt es in den Medien statt „in Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben“: „in Zusammenhang mit der Coronaimpfung verstorben“. Wir werden sehen was passiert. Ein ehemaliger Forschungsleiter des amerikanischen Pharma-Konzerns Pfizer hat bei der zuständigen EU-Behörde EMA die sofortige Aussetzung der laufenden Corona-Impfstoffstudien am Menschen beantragt. Die Gesundheit der Probanden sei in Gefahr, berichteten die "deutschen-wirtschafts-nachrichten.".

Meinungsfreiheit ade

"Wer heute Zweifel äußert, gilt als Verschwörungstheoretiker“ meint Pete Townshend von "The Who".

Wolfgang Kubicki hat die Zeit des Lockdowns genutzt und ein Buch geschrieben. Es heißt „Meinungsunfreiheit. Das gefährliche Spiel mit der Demokratie“ und handelt von der Frage, ob und inwieweit diese gegenwärtig in Deutschland noch garantiert ist. „Rechtlich schon“, sagt der Rechtsanwalt im Gespräch, das ThePioneer-Chefredakteur Michael Bröcker mit ihm für den Morning Briefing Podcast von Gabor Steingart am 1. Oktober 2020 geführt hat.

Auf die Frage, ob die Meinungsfreiheit in diesem Land nicht mehr uneingeschränkt gegeben sei, antwortet der Bundestagsvizepräsident:

"Ich habe festgestellt, dass gesellschaftliche Sanktionsmechanismen greifen, wenn Menschen unkontrolliert ihre Meinung frei äußern. Das kann bis zur Existenzvernichtung gehen."

"70 Prozent der Deutschen glauben, sie können ihre Meinung nicht mehr frei äußern."

40 Prozent glauben sogar, dass sie berufliche Nachteile erleiden, wenn sie sich gegen das Gendersternchen aussprechen. Das ist ein besorgniserregendes Zeichen für eine Demokratie."

Auch die Performance-Künstlerin Mia Florentine Weiss kennt die gezielte Verengung der Diskursräume. "Ich kenne mittlerweile viele Menschen, die Angst haben, ihre Meinung zu äußern, die Angst haben vor Diffamierung."

"Das wäre der Tod der Demokratie, wenn wir uns nicht mehr unsere gegenteilige Meinung sagen." "Diese Vernichtungskultur muss aufhören."

Wo ist eigentlich die Opposition? Gibt es nur noch die AfD?

Die Co-Fraktionsvorsitzende der AfD Alice Weidel am 9. Dezember im Deutschen Bundestag. Eine General-Abrechnung mit Angela Merkel. Weidel griff Merkel direkt an:

„Statt das Gebotene zu tun und gezielt die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu schützen, sperren Sie die Bürger ein, vernichten Existenzen, treiben ganze Branchen in den Ruin und versuchen bis an den Wohnzimmer-Tisch in das Privatleben der Bürger hineinzuregieren.“

„Alle paar Wochen maßt sich Ihre von der Verfassung nicht vorgesehene Kungelrunde mit den Ministerpräsidenten an, neue widersprüchliche und übergriffige Maßnahmen zu verhängen. Obendrauf haben Sie noch mit einem fragwürdigen – euphemistisch als Bevölkerungsschutzgesetz ausgegebenen Konstrukt einen Blankoscheck ausstellen lassen, um das Parlament zu umgehen.“

„Schauen Sie ich an, wie es wirklich aussieht in diesem Land. Hören Sie damit auf, sich in Ihrer Filterblase aus politischen Ja-Sagern und medialen Schmeichlern das eigene Versagen schönzureden und sich für Ihre Irrtümer auch noch feiern zu lassen. ‚Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar‘ hat Ingeborg Bachmann einmal treffend gesagt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dieses Land kann Sie und Ihre Politik nicht mehr lange aushalten.“

„Das Deutschland, dass Sie hinterlassen, ist tief gespalten, in seinen Grundlagen erschüttert und weit nach links abgedriftet.“

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06.12.2020 wie ein Requiem für unsere Welt

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Eva-Maria Horstick ist ein unwahrscheinlicher Mensch. Als Frau wird sie nicht ewig leben, doch als Künstlern wird ihr das gelingen.

Ihre unerschöpfliche Energie, ihre unstillbare Neugier und das selbstverständliche Vorrecht, sich ungefragt zu allem und jedem zu äußern, macht sie zu einer außergewöhnlichen Vertreterin der internationalen Fotokunstszene.

In ihrer Kunst liegen die Geister verborgen, die das 20. und 21. Jahrhundert heimgesucht haben.

Bis heute. Und in unserer Zeit, die so sehr auf Verdrängung setzt, hält Eva-Maria Horstick uns den Spiegel vor und konfrontiert uns mit ihren Botschaften, manchmal verschlüsselt, manchmal offensichtlich, doch immer auch mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Selbstironie, unfassbar für all jene, die es bequem finden, Künstler mit Etiketten zu versehen.

Trotzdem hat Eva-Maria Horsticks Arbeit Methode, auch wenn sie keine Propagandistin ist. Die hier präsentierten Fotos geben ein klares Verständnis davon, was Kunst ausmacht, dass Eva-Maria Horstick die Kamera auf eine so denkwürdige Weise benutzt, dass ihr nichts davor entgeht, weder das Sichtbare noch das Unsichtbare und sie, die Frau hinter dem Sucher, unserer zügellosen Zivilisation in ihrer eigenen Übersetzung eine Offenbarung ausspricht.

Das nun weiter in Worte zu fassen, würde diesen Rahmen hier sprengen.

Begeben wir uns statt dessen auf die Suche nach ihren kodierten Zeichen, die in der Summe Ordnung aus dem Chaos machen, das wir gemeinhin Leben nennen und in dessen Matrix die Künstlerin überlebt.

Eva-Maria Horsticks Kunst gibt der traurigen Fragilität des Daseins einen Sinn, sie ist wie ein Requiem für unsere Welt, die dem Ende entgegenwankt und sich noch ein letztes Mal der Wahrheit stellt. Bis zum nächsten Foto.

Das Buchprojekt/Werk von Eva-Maria Horstick, mit dem Titel „Time Passengers“ soll 2021 erscheinen.

Förderung : Künstlerstipendium des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft NRW   2020/21

Sönke C. Weiss, Paris, 2020.

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05.12.2020 Ein fesselndes Reisetagebuch

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

20.000 Kilometer durch Afrika. Und das von 1849 bis 1855. Zu einer Zeit, da Afrika als faszinierendes, aber unwägbares und gefahrenvolles „Land“ galt, stößt ein Mann weit ins Innere des Kontinents vor: Heinrich Barth. Wissenschaftlich ambitioniert. Hochgebildet.

Jedoch verschlossen und einzelgängerisch. In seinem fesselnden Reisetagebuch „Reisen und Entdeckungen in Nord- und Zentralafrika“ läßt er uns nicht nur an seinen Eindrücken teilhaben, sondern liefert auch eine akribisch wissenschaftliche Abhandlung über Geografie, Ethnologie und Linguistik.

Schöner noch: Barths Vermögen, in sprachlich dichten Schilderungen die Seele des afrikanischen Kontinents zu ergründen, unterscheidet ihn von vielen anderen Entdeckern.

Kein Wunder, dass ihn die Einheimischen den Namen „Abd el Kerim“ (Diener des Allerhöchsten) verliehen, denn Barth war kein Henry Morton Stanley oder David Livingston, die schon damals die Kunst der schamlosen Eigenvermarktung beherrschten, ihm lag am interkulturellen Dialog und nicht am Veröffentlichen von Bestsellern, um dafür in den höheren Kreisen der Gesellschaft als Abenteurer und Haudegen herumgereicht zu werden.

Dafür war Barth vielleicht auch zu deutsch. 2100 Tage lang - in der Sahara und im heutigen Sudan - erdulden er und sein Team übermenschliche Strapazen.

Nach fünfeinhalb Jahren zurück auf europäischem Boden - als einziger Überlebender seiner Expedition - hat Barth Informationen mit im Gepäck, die der Wissenschaft einen neuen Erdteil aufschließen.

1821 in Hamburg geboren, starb Barth nur 44-jährig 1865 Berlin, vereinsamt, da er in seiner Heimat Deutschland nie wieder richtig Fuß fassen konnte, zu sehr war er mit Afrika verschmolzen.

Was vermutlich die wenigsten Afrikainteressierten wissen: Seine Leistungen der interdisziplinierten Erforschung Afrikas sind bis in die heutige Zeit hinein maßgeblich.

Ohne ihn wäre die Wiege der Menschheit vermutlich immer noch ein Rätsel für uns. „Reisen und Entdeckungen in Nord- und Zentralafrika“ liest sich über die 414 Seiten wie ein packender Abenteuerroman. Erschienen in der Edition Erdmann (www.verlagshaus-roemerweg.de), die sich auf Bücher dieser Art spezialisiert hat und ich sehr empfehlen kann, kostet 24 Euro.

Sönke C. Weiss

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04.12.2020 Ein verheißenes Land

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Politische Biografien sind meist furztrocken und kommen der Wahrheit, mein Eindruck zumindest, kaum nahe. Nicht so „Ein verheißenes Land“ des 44. Präsidenten der USA. Auf 1024 Seiten, davon 32 illustrierte, erzählt Barack Obama in erster Linie eine persönliche Geschichte, die den Anspruch hat, dass insbesondere junge Menschen inspiriert werden, ein Berufsleben im Dienst der Allgemeinheit zu erwägen.

Es ist der erste Band über seine Präsidentschaft und der Weg dorthin. Obama nimmt uns mit auf eine faszinierende Reise von seinem frühesten politischen Erwachen über den ausschlaggebenden Sieg in den Vorwahlen von Iowa bis hin zur entscheidenden Nacht des 4. Novembers 2008, als der erste Afroamerikaner das vermutlich höchste Staatsamt der Welt antreten durfte.

Über Angela Merkel schreibt Obama zum Beispiel: „Gefühlsausbrüchen oder übertriebener Rhetorik stand sie bekanntermaßen misstrauisch gegenüber, und ihr Team gab später zu, dass sie mich zunächst skeptisch betrachtet habe, gerade wegen meiner Fähigkeiten als Redner.

Ich nahm ihr das nicht übel, denn ich dachte mir, bei einer deutschen Regierungschefin war eine Abneigung gegen mögliche Demagogie vermutlich eine gesunde Einstellung.“

So ist das Buch auch immer wieder ungewöhnlich intim und zeugt von Selbsterkenntnis, darüber hinaus ist es wunderbar geschrieben; selbst wenn sieben Übersetzer es aus dem amerikanischen Englisch ins Deutsche übertragen haben, man meint beim Lesen Obama zuzuhören.

Vor allem aber bringt der Mann Obama eines zum Ausdruck: Demokratie ist kein Geschenk des Himmels, sondern auf Empathie und gegenseitigem Verständnis gegründet und muss Tag für Tag neu wie gemeinsam geschaffen werden.

Ich bin gespannt, was Joe Biden aus diesem Erbe die kommenden vier Jahre machen wird. „Ein verheißenes Land“ ist im Penguin Verlag (www.penguin-verlag.de) erschienen und kostet 42 Euro. Wer die US-amerikanische Gegenwart, vielleicht auch unsere eigene, verstehen will, sollte dieses Buch lesen. Meiner Überzeugung nach gibt es keine bessere politische Biografie.

Sönke C. Weiss

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02.12.2020 Weihnachtliche Vorfreude trotz familiärer Risse

GFDK - Reden ist Silber - Liane Bednarz

Es ist ja schon bald wieder Weihnachten. Wir wollen noch einmal einen Artikel zum Weihnachtsfest aus dem Jahr 2012 präsentieren. - „Die Apokalypse nach Richard. Eine festliche Geschichte.“ So heißt eine gerade erschienene Weihnachtserzählung. Der Titel deutet schon an, um was es geht: Apokalyptische Vorgänge und anheimelnde Feststimmung. Wunder und Weihnachtszauber.

Übersinnliches und Beschauliches. Das alles aufgeschrieben vom Literaten Matussek. Nicht vom Bestseller-Provokateur. Und nicht vom „Krawallkatholiken“, den der eine oder andere vielleicht erwartet. Aber der Reihe nach.

Weihnachtliche Vorfreude trotz familiärer Risse

Alles beginnt frühmorgens am 23. Dezember. In Hamburg, bei Richard und Waltraud, den Großeltern, die dem Weihnachtsfest mit ihrer ganzen Familie entgegenfiebern. Oder fast der ganzen Familie, denn die heile Welt hat – wie in so vielen Familien heute – Risse bekommen, die sich selbst an Weihnachten nicht mehr so einfach wegretouchieren lassen.


Sohn Roman, Berliner Journalist und Reporterlegende, kommt Heiligabend alleine, ohne Rita, denn Rita ist jetzt seine Ex-Frau. Der gemeinsame Sohn Nick soll den Heiligen Abend wie gewohnt bei ihr und ihrem neuen Mann verbringen.

Tochter Lisa, Waltrauds „kleiner Engel, der leider so weit weg war und später überhaupt kein Engel mehr war“, kommt auch nicht. Sie ist „mit diesem kolumbianischen Naturschützer und Esoteriker davongelaufen, der doch mal Germanistik studiert und diesen vernünftigen Eindruck gemacht hatte“. Und für den ist sie gerade unverzichtbar, weil man gemeinsam Kolumbien aufforstet und begrünt.

Vollständig samt Kindern und hochschwangerer Frau angesagt hat sich nur Sohn Wilhelm, ehrgeiziger Banker und seit seiner Zeit in den USA von allen nur „Bill“ genannt. Bill jedoch ist seit der Finanzkrise ziemlich durch den Wind, hat viel von seiner kühlen, fast technokratischen Gelassenheit eingebüßt und leidet unter Albträumen im Hieronymus Bosch-Höllenformat.

Richard sieht Großes kommen

Richard und Waltraud, beide bereits hochbetagt und beide liebevoll vom Autor gezeichnet, sind genau jene Vertreter der Großelterngeneration, deren Leben für das postmoderne Auge so spießig, langweilig und kleinbürgerlich erscheint.

Ihr Leben spielt sich vorwiegend in der „Etagenwohnung eines schmucklosen Baus aus den 50er Jahren“ in der „Oberstraße“, dem „kleinbürgerlichen Müllermeierschulze unter den Straßennamen“ ab.

In einer Straße, die noch dazu direkt an ein großbürgerliche Gründerzeitviertel - von Richard „Tortenviertel“ genannt - angrenzt und sich so noch exakter dechiffriert.

So weit, so unspektakulär. Oder? Nicht ganz. Denn bei Müllermeierschulzes passieren Wunder. Spürt der unter beginnender Demenz leidende Richard schon am frühen Morgen des 23. Dezembers, dass sich Großes ankündigt.

Denn plötzlich kann er, der vom Grauen Star gequält ist, kurz nach dem Wachwerden auf einmal scharf sehen. Wenn auch nur für kurze Zeit. Aber lang genug, um eine Vorahnung zu haben. Aber mehr soll noch nicht verraten werden.

Richard und Waltraud verkörpern bei Matussek emotionale Stabilität, Glaubensfestigkeit und große Stetigkeit. Eine, nennen wir es, Lebensunverzweiflung, die selten geworden ist. Zu idealisiert, zu verklärt?

Lebensbrüche und seelischen Schmerz gab es schließlich schon immer, keine Generation ist frei davon. Sicher, aber fraglos zugenommen hat heute eine große Rastlosigkeit, haben Quantität und Qualität der Lebensbrüche.

Gekrümmte Lebenswege

Am Beispiel Romans und Ritas zeigt Matussek die schmalen Lebensfeldwege, auf denen man sich wiederfindet, weil man irgendwann falsch abgebogen ist, sich verlaufen oder verrannt hat. Aus der großen Liebe Romans und Ritas wurde eine wacklige Beziehung voller Streit und Hader.

Und dann kam ein neuer Mann. Mit dem – natürlich – alles zunächst fantastisch war. So fantastisch, dass Rita Roman verließ und mit dem gemeinsamen Sohn Nick kurzerhand zum Neuen nach München zog. Der hat – fast logisch – selbst auch schon eigene Kinder.

Willkommen im Patchwork-Leben. Fast schon normal anno 2012. Und Matussek? Entidealisiert das, was schon viel zu viele krampfhaft schönreden.

Für Nick war es nie schön. Denn Paul - so heißt der Neue - ist Chefarzt, der klassische Klassenprimus qua Geburt und Wesen und hält Nick für einen Versager. Streit und familiärer Unfriede sind also in München an der Tagesordnung.

Die Lösung? Ein Klassiker: Das Internat. Und Rita? Ein langes Erwachen. Und die Erkenntnis, dass es der Neue nicht so mit der Treue hat.

Nick, der von Matussek feinfühlig dargestellte pubertierende Teenager, sehnt sich in seinem Internat nach der Wärme in der heilen Welt der Großeltern. In diesem Kontrast liegt bereits eine der großen Stärken der Novelle.

Was andernorts kitschig wirkt, wird bei Matussek lesenswert. Der Mann kann einfach brillant schreiben: distanziert und emotional zugleich, mal sensibel und einfühlsam, dann wieder schonungslos-bissig und fein-ironisch.

Dabei bleibt der Ton empathisch, wird nie zynisch-kalt, arrogant oder gar hämisch. Ganz leicht öffnet sich so das Erkenntnisfenster hinüber zu etwas, das Roman, Rita, das auch uns heute fehlt: Heile Welt. Familie. Beständigkeit. Oder anders ausgedrückt: Ein Sehnsuchtsort als Wunder, das alles zum Guten wendet.

Vom Wunder zu Richards Apokalypse

Kommen wir vom Wunder zur Apokalypse: Nicht nur Richard erlebt am Ende seine persönliche Apokalypse – für ihn eine Erlösung. Matussek streut auch immer wieder apokalyptische Radionachrichten ein.

Katastrophenfilmähnliche Elemente verkünden und erinnern dabei an Illies‘ Eilmeldungen, die so schön das Tempo in dessen neuem Buch „1913“ im Gleichgewicht halten. Und über das - nebenbei bemerkt - Matussek gerade erst eine wunderbare Rezension im „Spiegel“ veröffentlichte.

Dass aber ausgerechnet Richard am Ende seine persönliche Erlösung erlebt, erscheint fast folgerichtig. Denn jener hat nie an der Existenz von Wundern gezweifelt.

In „Die Apokalypse nach Richard“ ist eben jener Richard Fels in der Brandung. Fest im Glauben, fest in der Ehe mit Waltraud, fest als Familienvater, fest in der Perzeption der Welt, fest in der Wahl seiner Vorbilder Augustinus, Thomas von Aquin und Pascal:

„Aber wie recht Pascal doch hatte. Gerade jetzt! Wie können sich die Menschen in den Banalitäten des Lebens verlieren, oder in Ehrgeiz, in Machtspielen oder den kurzen Lockrufen der Triebe davontreiben, wenn es doch um die Ewigkeit geht.“

Standortbestimmung eines sensiblen Rock’n‘Rollers

Wer Matusseks „Katholisches Abenteuer“ gelesen hat, erkennt vieles wieder. In Romans Vater Richard fraglos Matusseks eigenen Vater, der im Bestseller von 2011 ein eigenes Kapitel einnimmt und dem das Buch gewidmet ist.

Es sind diese behutsam eindringlichen Roman-Passagen, die der Novelle ihren eigentlichen Zauber verleihen. Die Gedanken an Richard geben Roman heute Zuversicht.

„Früher war auch Richard jähzornig und fuhr schnell aus der Haut, aber nun war er milde geworden, er hatte sich in die Kontemplation zurückgezogen und schaute dem Lebenstreiben vom Seitenaus zu“.

Strebt auch Roman, unzweifelhaft Matusseks Alter Ego, nach Milde und Kontemplation? Ganz gewiss. Und so wird „Die Apokalypse nach Richard“ zur Standortbestimmung eines nachdenklichen und durchaus auch selbstkritischen Autors, der eben nicht (nur) der „Krawallkatholik“ ist, der er sicher auch einen Moment lang sein mochte, aber heute nicht mehr sein will und kann.

„Matussek ist Rock’n’Roll“ – wird gerne mal gesagt. Und ja, auch daran muss man denken, wenn Roman in der Erzählung wie folgt beschrieben wird: „Der Steppenwolf“, „Roman war ein Erregungsschreiber, die Gedanken kamen erst später“, „ein Traditionskatholik als Hippie“, „Katholikenpunk“.

Eine ebenso sensible wie laute Seele eben. Eine, die sich mit Leidenschaft und manchmal auch mit Furor und heiligem Zorn für das einsetzt, an das sie glaubt. Katholisch glaubt.

Roman reflektiert, nimmt den Leser mit in seine Gedanken-, Glaubens- und Gefühlswelt, erklärt alles aus seiner Sicht. Ein Versuch, von Matussek, seine TV-Zornesausbrüche zu erklären? Eine Art Beichte, eine Bitte um Verständnis?

Kann ja alles sein, aber viel mehr scheint das eine ehrliche, sensible Zeichnung der eigenen Gedanken und Gefühlswelt zu sein, der nichts Eitles, nichts Selbstgefälliges anhaftet. Roman beschönigt nichts mehr. Zeit für Wahrheiten. Zeit für den berühmten Strich unter allem.

Wiedervereinigung und Apokalypse an Heiligabend

Am 24. Dezember finden sich alle schließlich in Hamburg bei Richard und Waltraud ein. Und „alle“ sind plötzlich ein paar mehr Teller an der Weihnachtstafel als geplant. Denn auch Rita und Nick sind dabei.

Kurzerhand. Rita, nachdem sie die Untreue des neuen Manns entdeckt hat, Nick nachdem die Sehnsucht nach dem Großvater so groß wurde, dass er sich per Zug und Anhalter durchgeschlagen hat.

Und man kann dann tatsächlich sagen: Ein schlichtes anrührendes Wunder. Die Kleinfamilie ist wiedervereint. Und Roman und Richard spüren auf einmal, wie sich ihre längst verloren geglaubte Liebe wieder regt.

Und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Die Gans misslingt, ausgerechnet die Gans! Ein Desaster? Nicht in der Oberstraße. Matussek will sagen: Wo Wunder die Risse kitten, Erlösung bringen, hängen Glück und Weihnachtszauber nicht vom Weihnachtsbraten ab.

Ein Festmahl von McDonald‘s tut’s auch, selbst wenn Gänsebratenkönigin Waltraud das nicht ganz so famos findet wie Nick. Kitschig? Keine Sorge, wenn Matussek etwas nicht kann, dann ist es kitschig schreiben.

Ein Segen für diese wunderliche und lesenswerte Geschichte. Und am Schluss dann zeigt sich die innere Erschütterung plötzlich ganz äußerlich: die Wände wackeln. Doch man möchte nichts verraten, nur so viel: Die Wunder, sie gibt es wirklich.

Matthias Matussek: Die Apokalypse nach Richard.

Eine festliche Geschichte.

Aufbau Verlag, Berlin 2012.

190 Seiten, EUR 16,99.

Dr. Liane Bednarz studierte Rechtswissenschaften in Passau, Genf und Heidelberg. Sie wurde 2005 zum Dr. iur. promoviert. Liane Bednarz war Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und schrieb für die "Westfalenpost Schwelm."

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02.12.2020 Friedrich Dürrenmatt - Eine Biografie

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

„Der Besuch der alten Dame“, „Die Physiker“ oder „Grieche sucht Griechin“ - wer wie ich als Jahrgang 1967 die Schule besucht hat, kam im Deutschunterricht nicht an Friedrich Dürrenmatt vorbei und war oftmals wenig begeistert, obwohl sein Werk schon zu Lebzeiten von Erfolg gekrönt war.

Erst während meines Studium der angewandten Theaterwissenschaften begriff ich, dass dieser Dramatiker einer der faszinierendsten Autoren des 20. Jahrhunderts war.

Ein Genie des Erzählens, auf gleicher Stufe wie Bert Brecht, das es verstand, sein Publikum mit abgründigen Parabeln und spannenden Kriminalgeschichten zu fesseln.

Denken Sie nur an das noch heute atemberaubende Stück „Es geschah am hellichten Tag“, das 1958 mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe verfilmt wurde.

Darüber hinaus wurden seine Werke auch in Hollywood verfilmt. Wie zum Beispiel „Das Versprechen“ von Sean Penn mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. Das Genre des Kriminalfilms zehrt bis heute von seinen Ideen und Einfällen. Was auch für die Bühne gilt.

Der Schweizer Dürrenmatt (1921 - 1990) kombinierte die Formen der Theatergeschichte von der antiken Tragödie bis hin zur modernen Salonkomödie virtuos und gestaltete daraus sein eigenes Welttheater.

Wer nun aber der Mann hinter dem Künstler war, das beschreibt Ulrich Weber in seinem faszinierenden Buch „Friedrich Dürrenmatt - Eine Biografie“, das jetzt bei Diogenes (www.diogenes.ch) herausgekommen ist und 28 Euro kostet.

Weber erzählt vom kometenhaften Aufstieg des Pfarrersohns aus dem Emmental zum weltberühmten Schriftsteller mit Millionenauflagen und von den vielen kleinen und großen Brüchen in seinem Leben, die ihn immer wieder dazu zwangen, sicher neu erfinden.

Das Buch ist sozusagen eine Neuentdeckung Dürrenmatts, ein barocker Dichterfürst, der großzügig Hof hielt, seinen erschriebenen Reichtum und seine epikureische Ader mit einem ebenso unerschöpflichen wie exquisiten Weinkeller zelebrierte.

Auch wenn „Friedrich Dürrenmatt - Eine Biografie“ grundsätzlich die Arbeit eines Literaturwissenschaftler ist und das Werk des Künstlers im Mittelpunkt der 752 Seiten steht, führen uns die zahlreichen Mosaiksteine des Lebensweges Dürrenmatts tiefer in seine Literatur hinein und lassen uns die „Marke“ Dürrenmatt besser verstehen.

Sönke C. Weiss

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01.12.2020 Hape Kerkeling stellt sich weiter hinter Wullf

GFDK - Reden ist Silber - Hape Kerkeling

Wer kann sich daran noch erinnern? Dieser Artikel stammt vom 21.01.2012 - Von keinem anderen Präsidenten haben wir je mehr verlangt als von Herrn Wulff!
 Einer mit zweifelhaftem Ruf schreit ihm laut zu: Los, Hosen runterlassen!
 Alle schreien: Ja!

 Der Bundespräsident hat in beispielloser Weise die Hosen herunter gelassen oder besser... lassen müssen!


Der angebliche Skandal um unseren Präsidenten ist viel mehr ein Skandal unserer maroden und degenerierten Mediengesellschaft.

 Und dieser hochgejubelte und herbeigeredete Skandal kann unsere Demokratie nichts weniger als den Kopf kosten!



Mal ehrlich, nimmt irgendwer der BILD Zeitung ernsthaft ab sie sei an Wahrheit, Anstand und ehrlicher oder gar lupenreiner Aufklärung interessiert? 

Seit wann, bitte?
 Der Bild geht es nur um so viel Auflage und Skandal wie eben möglich. Ausgerechnet die Bild mutiert nun zum obersten Moralhüter und zum reinen Gewissen der Nation!?!?



Armes, ganz armes Deutschland!

 Die Frage, die sich hier stellt, lautet nicht: Wulff oder ein Neuer? Sondern vielmehr: 

Wulff oder BILD? Wie soll Deutschland in Zukunft aussehen?

Ich bin eindeutig für Wulff!!!

 Was hat dieser arme Präsident eigentlich verbrochen?

Er hat sich Geld geliehen, nicht etwa geklaut, veruntreut oder unterschlagen. Nein, geliehen! Um sich ein Haus zu kaufen, keine Jacht oder einen Jet. Ein normales-nach meinem Geschmack- eher langweiliges Haus in Hannover!

 Zu einem günstigen Zinssatz, ja so ein übler Kerl!



Dann hat er ein Upgrade einer Fluggesellschaft für einen Urlaubsflug akzeptiert? Wie maßlos kann einer sein! 

Er soll gefälligst Holzklasse fliegen und seine Thrombose-Strümpfe anziehen! Was glaubt er wer ist, der Herr Wulff, ... der Kaiser von China oder gar der 1. Mann in unserem Staate?



Und dann brüllt er auch noch einen großartigen, verdienten und gradlinigen Journalisten wie den Kai von der BILD am Telefon an und will ihm verbieten kritisch und aufrichtig zu berichten! 




Hallo????? Geht es noch?

 Das kann unser Präsident gar nicht verbieten und das weiß er auch denn er ist nämlich schon volljährig auch wenn die Medien uns glauben machen wollen, er sei es nicht ... aber der Kai weiß das anscheinend nicht und heult sich bei seinen eigenen Redakteuren aus und berichtet tapfer gegen den Bundesdiktator Wulff an!!!



Aber darf ein Präsident in diesem Land sauer sein auf boulevardesken Enthüllungsjournalismus und unappetitliche Schnüffelei in seinem Privatleben? Darf er das oder nicht? Darf er Mensch bleiben angesichts einer unmenschlichen und gnadenlosen Presse? 

Gut, seine Urlaubsreisen mit oder bei Herrn Maschmeyer hätte er sich sparen können.

Da hätte er auch gleich mit oder beim Chefredakteur der BILD Urlaub machen können.

 Zugegeben der Bundespräsident hat Fehler gemacht aber hat er sich strafbar gemacht oder unmenschlich gehandelt? Er hat seine Fehler eingeräumt und sich dafür öffentlich entschuldigt.

So und nun? Kohl hat einen Demonstranten vor der Weltöffentlichkeit zusammengeschlagen, Schroeder hat sich im Fernsehen hackevoll und live um Kopf und Kanzlerschaft geredet, Kiesinger war in der NSDAP.

Tja, das waren anscheinend noch Staatsmänner! Wenn der Bundespräsident jetzt geht dann geht der demokratische Konsens! Jedem potentiellen Nachfolger des Bundespräsidenten muss angesichts dieser hysterischen Debatte die Lust auf das Amt vergehen.

Der Präsident muss unfehlbar sein. Gut, dann bleibt nur noch der Ratzinger und der kriegt sicher keinen Ärger mit dem Kai von der BILD seitdem die beiden ja nun Papst sind.

 Herr Präsident, bleiben Sie im Amt und vor allem bleiben Sie Mensch!

Hape Kerkeling auf seiner Facebook-Homepage.

Weiter Lesen: Hape Kerkeling stellt sich weiter hinter Wullf

http://www.stern.de/kultur/tv/hape-kerkeling-bei-tietjen-und-hirschhausen-ich-bin-eindeutig-fuer-wulff-1776507.html

Montag 23.01.2012

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Günther kritisierte die Medien auch für ihren Umgang mit Bundespräsident Christian Wulff. Derzeit werde das Staatsoberhaupt von einer "Journalistenmeute wie ein räudiger Fuchs über sämtliche Titelblätter und durch alle Fernsehsendungen gehetzt", schrieb der frühere sächsische Landesvorsitzende in seinem Rundbrief.

Zur Strecke gebracht

Im Fall Wulf tauchen die wirklich heiklen Fragen erst jetzt auf – Ein Kommentar

http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/zur_strecke_gebracht_1.15125869.html

Hier noch weitere hintergründe warum Christian Wulff zur strecke gebracht wurde:

http://ddpberlin.wordpress.com/2012/02/29/srafanzeige-gegen-jeden-abgeordneten-der-fur-den-esm-vertrag-stimmt-jurg-jurgens/

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01.12.2020 Carla Berling - "Die Rattenfänger"

GFDK - Reden ist Silber - Heinrich Schmitz

Kurz nach unserer Hochzeit in den 80er Jahren erschienen nach telefonischer Anmeldung bei uns zu Hause zwei Herren in schicken Anzügen, angeblich auf Empfehlung eines Kommilitonen, unterhielten sich freundlich mit meiner Frau und mir - und zogen nach zweieinhalb Stunden mit einem Antrag für eine Kapitallebensversicherung von dannen.

Da war ich noch Student. Unser Familieneinkommen reichte so gerade.

Hätte ich damals bereits Carla Berlings "Die Rattenfänger" gelesen, wäre mir das garantiert nicht passiert. Gab's aber leider noch nicht. In der ein oder anderen Form hat vermutlich nahezu jeder von uns einmal Kontakt mit einem oder mehreren Strukturvertrieben gehabt, mit mehr oder weniger großem finanziellen oder persönlichem Schaden, oft ohne es tatsächlich zu bemerken.

Wer meint, ein Roman über den Aufbau und die Methoden eines Strukturvertriebes, der zudem auch noch in den 80ern spielt, sei kalter Kaffee, überholt, überflüssig und langweilig, der irrt gewaltig.

Carla Berlings Roman ist auch heute brandaktuell, notwendig, lebensnah, informativ. Trotz aller Not, die die beiden Protagonisten, Kellnerin Rena und DJ Mike, vor den Augen des Lesers erleiden, äußerst vergnüglich. Filmreif.

Noble Hotels, Seminare, Alkohol, Sex und Eitelkeiten

Rena und Mike, gerade frisch verheiratet, chronisch klamm und voller Träume, geraten an die JUNO, einen Strukturvertrieb des Pegasus-Konzerns.

Sie erliegen schnell dem Sog der wunderbaren Versprechungen von Reichtum, Reisen und Luxus und geraten innerhalb kurzer Zeit in ein Netzwerk, dass fortan ihr Leben bestimmt und beinahe auffrisst. Noble Hotels, Seminare, Alkohol, Sex und Eitelkeiten.

Dieser Roman enthält zweifellos Insiderkenntnisse über Methoden, Argumentationsstrategien, Orgien, Provisionen und kleine und große Betrügereien. Informationen ,die mehr leisten als jede Verbraucherberatung. Informationen, die einen den großen Beschiss durchschauen lassen. Hier schreibt eine Autorin, die drin war, die weiß wie es läuft und das auch verrät.

Kein Satz Langeweile

Wie persönliche Beziehungen zwischen Menschen eiskalt dem Profit eines Strukturvertriebes geopfert werden, wie die nächste Stufe innerhalb der Struktur zum wichtigsten Lebensziel wird, wichtiger als ein Baby, wie arglose Mitarbeiter zu gewissenlosen Arschlöchern werden, die auch Freunden und Familienmitgliedern ohne mit der Wimper zu zucken unsinnige Finanzprodukte verkaufen, das erzählt Carla Berling unterhaltsam und trotz der ja eigentlich drögen Thematik spannend und folgerichtig. Kein Satz Langeweile.

Neben der verständlichen Darstellung der Geschäftspraktiken ist der Roman auch eine flotte Zeitreise in die 80er mit ihrer aus heutiger Sicht merkwürdigen Mode, ihrer Musik und ihrer Discoszene. Bei der Lektüre bekam ich "Money for nothing and chicks for free" nicht aus dem Kopf.

Für diejenigen, die diese Zeit bewusst miterlebt haben, eine bildhafte Erinnerung, für die jüngeren ein kleiner Ausflug in die skurrile Vergangenheit ihrer Eltern.

Nach der Lektüre dieses Romans werden sie sich so schnell nichts mehr von freundlichen "Anlageberatern" aufschwatzen lassen.

Sie werden bei entsprechenden Versuchen mit Freude feststellen, dass die im Buch beschriebenen rhetorischen Tricks immer noch angewendet werden und vielleicht werden sie manche davon selbst mit Vergnügen anwenden. Vielleicht legen Sie auch ab und zu einfach mal den Telefonhörer auf oder gar nicht erst ab.

Die Kommerzialisierung persönlicher Beziehungen

Heute nennt man Strukturvertriebe vielleicht nicht mehr Strukturvertriebe ,sondern MLM (Multi-Level-Marketing ), Netzwerk-Marketing oder auch weniger stylisch Mundpropaganda - am zynischen Vertriebssystem hat sich aber nicht viel geändert. Der pyramidenartige Hierarchieaufbau hat genauso überlebt wie die Kommerzialisierung persönlicher Beziehungen.

Die Feststellung, dass Carla Berling (http://www.carla-berling.de/) selbst das Prinzip des beschriebenen Mundpropaganda-Marketings äußerst geschickt für die Vermarktung ihrer Bücher z.B. bei facebook eingesetzt hat, sei gestattet. Aber, damit hat sie niemandem, der sich wegen der persönlichen Empfehlung von Freuden zum Kauf und zur Lektüre der "Rattenfänger" entschieden hat, geschadet. Das Gegenteil ist der Fall.

Ergo, die Anlage von 19,90 € für dieses Buch ist eine sehr gute Anlage, die Sie vor größerem Schaden bewahren wird und die Ihnen erheblichen Profit bringt.

Ich beglückwünsche Sie zu dieser Entscheidung, die ihr Leben verändern wird. Die beiden letzten Sätze werden sie nach der Lektüre der "Rattenfänger" vielleicht nochmal lesen und kritisch überdenken. Ganz falsch sind sie jedenfalls nicht.

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