Reden ist silber, Schreiben ist gold

07.04.2020 Mit Worten. Im Widerstand

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Vor 75 Jahren wurde der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer von den Nazis ermordet. Weil er gegen Hitler kämpfte. Mit Worten. Im Widerstand. Wie nur wenige Geistliche vor ihm oder mit ihm. Sinnlos:

Obwohl Bonhoeffer während einer Vortragsreise in den USA dort hätte bleiben können, ging er als überzeugter Demokrat zurück nach Deutschland, weil er an seine Landsleute glaubte.

Erst 1996 wurde Bonhoeffer vom Landgericht Berlin rehabilitiert. In seinem Buch „Lieber Dietrich... Dein Jürgen“, jetzt im Gütersloher Verlagshaus (www.gtvh.de) erschienen, führt der Journalist, Autor und Liedermacher Jürgen Werth einen fiktiven Dialog mit Bonhoeffer.

Er antwortet auf dessen Briefe aus dem Gefängnis und führt uns so in eine Welt, in der es immer wieder ums Überleben am Rande Abgrunds geht, sei es körperlich, seelisch oder spirituell. Bonhoeffers Denken ist unerwartet aktuell und paßt vielleicht gerade jetzt mehr denn je in unsere durch Corona verlangsamte Zeit.

Der frei erfundene Briefwechsel ist kurzweilig und anregend. „Lieber Dietrich... Dein Jürgen“ hat 192 Seiten und kostet 18 Euro.

Auch immer wieder an den Rand einer Katastrophe führt uns die dafür berühmte (oder berüchtigte) Autorin Sibylle Berg in ihren Gesprächen mit denen, die es angeblich wissen, Sonderlinge nämlich.

So auch der Titel ihren jüngsten Buches: „Nerds retten die Welt“, das bei Kiepenheuer & Witsch (www.kiwi-verlag.de) erschienen ist und 22 Euro kostet.

Auf 336 Seiten spricht Frau Berg mit 17 Superintellektuellen wie Neuropsychologen, Astrophysikern, Systemtheoretikern, etc.

Ihre erste Frage lautet durchgehend: „Haben Sie sich heute schon um den Zustand der Welt gesorgt?“ Die Befragten stellen in der Regel klar: Ja, was sonst!

Es geht um einen neu aufkeimenden Faschismus, schmelzende Gletscher, einer Politik des Spaltens und um Parolen, mit denen Herrschende heute leiten und lenken.

Jeder Dialog für sich ist interessant und unterhaltsam zugleich, in der Masse indes zermürbend, weil immer wieder ähnlich. Sisyphos läßt grüßen. Berg-Fans kommen dabei sicher auf ihre Kosten, transportiert das Buch doch ihren ganz persönlichen Ton.

Als nichteingeweihter Leser bin ich mir aber nie sicher: Meint die Autorin das ernst oder will sie mich nur verarschen? „Nerds retten die Welt“ ist übrigens ein Nachdruck aus dem Schweizer Online-Magazin REPUBLIK (www.republik.ch), das mit „unabhängigen Journalismus ohne Bullshit“ wirbt. Probe lesen lohnt sich.

Sönke C. Weiss

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04.04.2020 Ausnahmezustand

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Ausnahmezustand in Deutschland in der Corona-Krise. Angela Merkel, Laschet, Söder und Co haben die Republik gekapert und wir haben es zugelassen. Merkel sagte vor ihrer Entscheidung der weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens „Maßstab ist, was uns die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu dem Thema sagen“.

Angstkampagnen und Überreaktionen

Aber bitte, wen meint Frau Merkel, wer denn die richtigen Wissenschaftler sind? So wie es aussieht, ist das für sie das Robert-Koch-Institut (RKI) und Christian Drosten, Chef-Virologe der Charité.

Die spielen sich mittlerweile auf, als ob sie die Regierung wären, und halten sich schon für die Popstars von Deutschland. Das Beste ist ja, dass Christian Drosten sich jede Kritik verbietet, und weiter ein ganzes Volk in Gefangenschaft halten will. Er ist wohl der neue Posterboy der Republik, glaubt er zumindest.

Noch schlimmer verhalten sich unsere Qualitätsmedien, die täglich mit unzähligen Artikeln die Maßnahmen der Regierung kritiklos unterstützen. Genau diese Medien, die sich sonst bei jedem Fliegenschiess als Retter der Enterbten und Weisen aufspielen, und immer von der dritten Gewalt im Staat sprechen, stellen nicht die richtigen Fragen. Was ist da los?

Warum hört keiner auf diese Experten?

Nicht gerade wenige Epidemiologen und Virologen erheben inzwischen Einspruch gegen die Maßnahmen der Regierung in der Corona-Krise. Sie stellen die Gefährlichkeit des Virus infrage und kritisieren: Für die verhängten Schutzmaßnahmen gäbe es keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz.

Die Virologin Karin Moelling äußert sich in einem YouTube-Interview besorgt über die ihrer Meinung nach unverhältnismäßigen Maßnahmen: „Es ist eine milde Erkrankung, aber das darf man ja heutzutage gar nicht mehr sagen.“ Bis zu ihrer Emeritierung 2008 hat Moelling das Institut für Medizinische Virologie an der Universität Zürich geleitet.

Für viel Aufsehen sorgt auch der angesehene Mikrobiologe Sucharit Bhakdi mit einem eigenen YouTube-Kanal, auf dem er die Maßnahmen in der Corona-Krise als „grotesk, überbordend und direkt gefährlich“ bezeichnet.

Auch er ist emeritiert, 22 Jahre hat er das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Mainz geleitet. In seinem neuesten Videobeitrag hat er einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin verlesen. Die entscheidende Frage sei: „Wissen wir genug, um all das zu verantworten, was wir den Menschen in diesem Lande gerade zumuten?“ berichtete sagar "Welt-Online".

Kritisch äußert sich nun auch Ulrich Keil gegenüber WELT. Keil ist emeritierter Professor der Universität Münster, wo er bis 2009 das Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin geleitet hat, sein Fachgebiet war die Prävention chronischer Erkrankungen. Über Jahrzehnte hinweg hat er die WHO beraten. Keil spricht von „Angstkampagnen“ und „Überreaktionen“

"Bei den gemeldeten Corona-Toten weiß man gar nicht, ob sie wirklich an dem neuen Virus gestorben sind oder in Wahrheit an anderen Erkrankungen oder anderen Krankheitserregern".

„Niemand weiß genau, ob ein Todesfall wirklich ursächlich auf eine Corona-Infektion zurückzuführen ist“, sagt Ulrich Keil und spricht in dem Zusammenhang von einem „Datensalat“.

Auch Sucharit Bhakdi kritisiert: „Weltweit wird der Fehler begangen, virusbedingte Tote zu melden, sobald festgestellt wird, dass das Virus beim Tod vorhanden war – unabhängig von anderen Faktoren.“

Könnten wir nicht auf das neue Virus testen, würde die Epidemie gar nicht auffallen.

„Jeden Tag versterben in Deutschland mehr als 2500 Menschen“, sagt Ulrich Keil. „Vor diesem Hintergrund halte ich es für wenig wahrscheinlich, dass sich die Coronavirus-Epidemie auf die Gesamtsterblichkeit auswirken wird.“

Wie weit geht der Corona-Irrsinn noch

Dazu folgendes Beispiel: Ein 34-Jähriger aus Bamberg muss wegen sogenannter Corona-Partys bis zum Ende der bayerischen Ausgangsbeschränkungen im Gefängnis bleiben. Er hatte mit vier Bekannten in seiner Wohnung gefeiert und das schon mehrmals.

Ein Richter bestätigte die Verlängerung des Gewahrsams bis zum 19. April. Daraufhin lieferten die Polizisten den 34-Jährigen laut Mitteilung in eine Justizvollzugsanstalt ein. Außer dem Festgenommenen erhielten auch dessen Gäste Anzeigen.

Nun, zum ersten würde ich mal nach dem Geisteszustand des Richters fragen. Was hätte er denn gemacht, wenn der gute Mann mit seinen vier Brüdern gefeiert hätte? Wäre er dann auch im Knast gelandet?

Und was macht der Staat, wenn sich, sagen wir mal 20 bis 25 Prozent der Bürger nicht mehr an die Maßnahmen halten, weil sie es nicht mehr einsehen? Soll die Polizei dann auf die schießen? Tatsache ist ja schon, dass das Denunziantentum sich wieder in Deutschland breit macht.

Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann hat dazu sogar schon aufgerufen. Man kommt sich schon vor wie vor 70 Jahren, nur heißen die Denunzianten heute "besorgte Bürger".

Eine Lehre können wir aus der Corona-Krise jetzt schon ziehen: Wenn der Staat es so will, wie er will, sind die Bürgerrechte auch in der Demokratie nichts mehr wert, sondern Makulatur. Das sollten Sie sich merken. Nun stellt sich nur noch eine Frage, wie lange soll der Ausnahmezustand noch gelten. Vertrauen Sie nicht auf den 19. April.

Nachtigall ich hör dich trapsen - Kanzleramtsminister Helge Braun warnt die Bundesbürger am Sonntag den 5. April vor dem „schwierigsten Teil“ der Corona-Krise. Es sei nun die Aufgabe der Bundesregierung, „uns für unsere Bevölkerung auf den schwierigsten Teil dieser Krise vorzubereiten“, sagte Braun der „Allgemeinen Sonntagszeitung“. Also richten Sie sich auf weitere Schweinereien aus Berlin ein ,Laschet und Söder stehen schon Gewehr bei Fuß.

Und noch was: bis zum 29. März haben die Labore in Deutschland  rund 918.460 Proben für die amtliche Statistik auf das neue Coronavirus geprüft, bei etwa 64.910 stellten sie eine Infektion fest, was aber nicht heißt, dass die erkrankt waren. Das entspricht einem Anteil von sieben Prozent. 93 Prozent der Tests waren negativ, wie das Robert-Koch-Institut am 4. April mitteilte. Rechtfertigt das den Ausnahmezustand?

Gottfried Böhmer

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02.04.2020 eine absolute Dummheit

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Corona-Krise - „Die zivilisierte Welt ist verrückt geworden, und die Politiker haben schon damit angefangen, die Situation für ihre Interessen auszunutzen“. Es sei eine „absolute Dummheit“, etwa Grenzen zu schließen, das sagte Alexander Lukaschenko der Präsident von Weißrussland, der bei uns im Westen als Diktator gilt. Verkehrte Welt denke ich mir dabei.

In den vergangenen Tagen bezeichnete Lukaschenko das Coronairus als „Psychose“, dann wiederum empfahl er scherzhaft Wodka zu trinken, um es abzutöten. Oder ließ wissen, dass seine Bürger lieber auf dem Feld arbeiten sollten, anstatt über das Virus zu reden:

„Das Feld wird alles heilen.“ Am Samstag noch spielte er in Minsk vor Fans Eishockey, kommentierte anschließend: „Sport, besonders Eissport, ist die beste Antiviren-Medizin", berichtet "Welt-Online". Die Kneipen, Schwimmbäder und Geschäfte haben alle weiter geöffnet, und Busse und Bahnen sind knallvoll. Nun ja, Lukaschenko dürfte zwar nicht alle Tassen im Schrank haben, das heißt aber nicht, dass er am Ende mit seiner Strategie nicht Recht behält. Wir werden sehen.

Der Schweden-Weg

Auch in Schweden geht das Leben normal weiter, während der Rest Europas sich aus Angst vor dem Virus verbarrikadiert. „Es geht um gesunden Menschenverstand“, sagt der schwedische Staatsminister Stefan Löfven.

Und der ist in Deutschland vollkommen verloren gegangen, wie ich meine. Fast ohne Verbote geht das Leben in der Mitte Skandinaviens weiter als wäre nichts geschehen. Auch Restaurants, Cafés und Kneipen in Schweden dürfen weiterhin öffnen, aber alle Gäste müssen voneinander Abstand halten können, während in Deutschland das gesamte öffentliche Leben zum Stillstand gekommen ist.

In Schweden genießen die Familien das Frühlingswetter im Park, und die Kinder gehen in den Kindergarten. Auch die Fitnessstudios und das Schwimmbad sind geöffnet.

Während man in Deutschland mit Verboten und Strafen droht, geben die schwedischen Behörden ihren Bürgern nur Ratschläge mit auf den Weg. Die täglichen Empfehlungen an die Bevölkerung lauten:

„Bitte, besuchen Sie Ihre älteren Verwandten nicht.“

„Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören, begrenzen Sie bitte Ihre sozialen Kontakte.“

„Wer eine Reise geplant hat, sollte gründlich überlegen, ob diese unbedingt notwendig ist.“

"Und - Seid vernünftig "

Und ja, die Schweden folgen diesen Ratschlägen. Die Ausgangsbeschränkungen in Deutschland sollen nun bis zum 20. April gelten, und könnten noch weiter verlängert werden. 470.000 Unternehmen, Stand 31.März haben schon Kurzabeit angemeldet, viele werden die Maßnahmen der Bundesregierung nicht überleben, und Millionen könnten ihren Job verlieren.

So geht das, wenn man das Bad mit dem Kind ausschüttet.

Hans-Jürgen Papier, der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hat vor schweren Schäden für die Grundrechte gewarnt, sollten die Restriktionen in der Corona-Krise lange andauern.

Welche Stratigie am besten aufgegangen ist, werden wir Ende Juni sehen. Bis dahin, bleiben Sie gesund

Gottfried Böhmer

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01.04.2020 Ein archetypisches Schicksal

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Ich bin mir nicht sicher, ob sich das folgende Buch für die gegenwärtige Zeit von Corona eignet, wo jeder Augenblick der Leichtigkeit zählt, ich empfehle es trotzdem sehr. Es heißt „So ich noch lebe...“ und ist die Niederschrift einer Suche:

Am 07. Juli 1944 wird der Zollbeamte Hugo Paterno - am 19. Dezember 1896 in Bludenz geboren - in München-Stadelheim hingerichtet und wird so eines der vielen Opfer der im Nationalsozialismus so alltäglichen wie willkürlichen und folgenschweren als auch erbarmungslosen Praxis der Denunziation.

Ein archetypisches Schicksal also, das sein Enkel Wolfgang Paterno auf 300 kurzweiligen Seiten erzählt. Auf seiner Odyssee findet er Neid, Rachelust, Missgunst, Gehässigkeit, Wichtigtuerei und alle anderen menschlichen Abgründen, die man sich nur vorstellen kann.

Die gespiegelten Ungerechtigkeiten in „So ich noch lebe...“ machen wütend, am Ende war ich indes froh, es bis dahin gelesen zu haben, weil es dem Autor gelingt, die weißen Flecken und Leerstellen einer Existenz endlich mit Leben und Respekt zu füllen.

Was das Buch nicht ist: eine Abrechnung oder gar historische Abenteuergeschichte, wo ein guter Held gegen die bösen Nazis kämpft und gewinnt.

Was es dagegen sehr wohl zeigt: wie gewöhnlich und gesellschaftlich akzeptiert die Barbarei dieser Epoche war. „So ich noch lebe...“ spielt grenzüberschreitend - Deutschland, Österreich und in der Schweiz - ist im Haymon Verlag (www.haymonverlag.at) erschienen und kostet 24,90 Euro.

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28.03.2020 Boulevardfotografie von 1959 bis 2019

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

„BLICK war dabei - Boulevardfotografie von 1959 bis 2019“ ist der Titel eines wirklich spannenden Fotobands, der jetzt im Steidl Verlag (www.steidl.de) für 58 Euro erschienen ist und mir als ehemaligen BILD-Reporter sehr viel Freude bereitet.

Schließlich ist der Boulevardjournalismus ohne Bilder nicht denkbar und hat bis heute seinen Stellenwert nicht verloren, wenn durchs Fernsehen indes zum Teil leider eingebüßt.

So verwundert es nicht, dass allein das analoge fotografische Erbe von BLICK im Bildarchiv des Ringierverlags in der Schweiz über eineinhalb Millionen Aufnahmen umfaßt.

Am 14. Oktober 1959 fing mit der ersten Ausgabe des Zürcher Blattes alles an, der Name war vom ersten Tag an Programm und machte aus der Zeitung schnell ein polarisierendes Medienereignis.

Ähnlich der BILD-Zeitung, die bereits sieben Jahre lang sehr erfolgreich in Deutschland auf dem Markt war, wollte auch BLICK immer ganz nah am Puls der Zeit, also nahe am Geschehen, am Volk sein und wurde schnell zur meistgelesenen Zeitung des Bergvolkes.

So faßt „BLICK war dabei“ nicht nur 60 Jahre folkloristischen Reportagestil zusammen, sondern zeigt auch 60 Jahre Schweiz, beziehungsweise die Gefühlslage der Menschen dort.

Das Buch ist in sechs Jahrzehnte aufgeteilt, die Fotografien auf 420 Seiten sehr wohl und facettenreich ausgewählt, Bildunterschriften erklären die Zusammenhänge, der Druck ist fabelhaft und rechtfertigt den Preis auf jeden Fall. Das Buch ist nicht nur für Schweiz-Fans ein Muss, sondern für jeden, der noch Lust auf echte Stories hat.

Sönke C. Weiss

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25.03.2020 Das Mädchen mit der Leica

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Ein wohl geschriebenes Buch nimmt den Leser mit in eine fremde Welt, ohne dass der je die Sicherheit der eigenen vier Wände verlassen muß. „Das Mädchen mit der Leica“ von Helena Janeczek ist so ein Werk und hilft durch isolierte Tage.

Auf 350 unfassbar poetisch verfassten Seiten beschreibt die Autorin aus den Erinnerungen alter Freunde das Leben einer der ersten Kriegsfotografinnen der Welt: Gerda Taro.

1910 in Stuttgart als Gerta Pohorylle geboren, in der Schweiz erzogen, in Leipzig zur flammenden Sozialistin geworden, floh sie vor den Nazis nach Paris und lernte dort den unbekannten Robert Capa kennen, der damals noch schlicht André Friedmann hieß, bis sie ihm diesen coolen Namen verpasste und eine Legende erschuf.

Gemeinsam dokumentierten sie den Spanischen Bürgerkrieg, verkauften ihre Fotos weltweit und wurden schon zu Lebzeiten als Helden gefeiert, bis Gerda Taro 1937 von einem Panzer der Faschisten überrollt wurde. Zehntausende kamen zu ihrer Beerdigung in Paris.

Anschließend wuchs der Mythos Robert Capa ins Unermessliche; Gerda Taro aber wurde vergessen, bis man 2007 einen Koffer mit ihren Negativen in New York fand und anfing zu begreifen, dass sie dem Anschein nach der wirkliche Star war, nicht Capa.

Janeczek zeichnet das Porträt einer leidenschaftlichen Heldin, in die sich jeder Leser mit Herz verlieben muß. Schillernd. Rebellisch. Mutig. Schön. Kühn. Eine Träumerin. Wie aus einem Film, als Hollywood noch schwarz-weiß, dafür aber authentisch war.

Gerda Taros Fotos reflektieren die Hoffnung auf eine bessere Welt, sie sind zeitlos und lebendig zugleich, dank ihrer Leica-Kamera, die sie immer bei sich trug. Wie Robert Capa, der sich nach dem Tod seiner Geliebten zwar immer wieder in Kriege und amouröse Abenteuer stürzte, wohl getränkt in Martinis und Champagner, sich aber seiner eigenen Aussage nie wieder verliebte.

1954 trat er in Vietnam auf eine Landmine  und folgte seiner Lebensliebe in den Fotografenhimmel. „Das Mädchen mit der Leica“, in Italien übrigens ein literarischer Bestseller, ist jetzt im Berlin Verlag erschienen, kostet 22 Euro, hat zahlreiche Fotografien und berührt mich sehr.

Sönke C. Weiss

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24.03.2020 Es geht um die Existenz

GFDK - Reden ist Silber - David Rölleke

Die Modebrache sieht sich wegen der Coronavirus-Krise im Ausnahmezustand und fordert Direkthilfen vom Staat, meldet W&V.

"Unsere Lieferketten sind zusammengebrochen. Viele unserer Unternehmen sind in einem Ausnahmezustand", sagte Ingeborg Neumann, Gesamtpräsidentin der deutschen Textil- und Modeindustrie, der "Rhein-Neckar-Zeitung". Viele hätten bereits Kurzarbeitergeld beantragt. Jetzt seien Direkthilfen nötig.

Hier wäre es von Nöten, dass sich die Politik sowie die Schufa oder andere Bonitätsanbieter schnell was überlegen.

Denn es wird in den nächsten Wochen zu vielen Zahlungsproblemen kommen und es wäre sehr schlecht, wenn dadurch die Bonität der Unternehmen auch für Zeiten nach der Krise im Keller wäre, da es ebenfalls stark auffällt, dass das Mahnwesen von der anderen Seite gerade auffällig aggressiver wird und die Zahlungen zum Teil nicht getätigt werden können.

Hier rät Krisenmanager Rölleke den betroffenen Unternehmen sofort mit der Gegenseite in den Dialog zu treten oder wenn die Mahnungen zu aggressiv oder völlig überhöht sind, umgehend einen Anwalt hinzuzuziehen. 

Fakt ist: bei Tausenden Firmen wird das Geld knapp und das öffentliche Leben steht still, was für viele Firmen bedeutet, dass sie keine Einnahmen mehr haben, während die Kosten weiterlaufen.

Und was macht man als Unternehmer, wenn das Geld knapp wird? Man geht zu seiner Bank und verlangt einen Kredit. Doch auch hier gilt das Hausbankprinzip und man prüft die Bonität und bewertet die Unternehmen.

Oft werden Liquiditätspläne verlangt, doch wenn das Unternehmen keine Einnahmen hat, wird das schwer,  was für die Banken eine große Herausforderung mit sich bringt, da man sehr strenge Kreditrichtlinien beachten muss. 

Gerade in der Gastronomie ( Quelle Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW ) verfügen mindestens 16% der kleinen Unternehmen über eine schlechte Bonität. Diese Situation wird sich aber noch verschlimmern.

Auch wenn nun die ersten konkreten Rettungskredite in Planung sind, wird es bei den meisten nicht schnell genug gehen, damit die Betriebe ihre Verbindlichkeiten begleichen können.

Während sich derzeit viele über Ausgangsbeschränkungen ärgern oder freuen, sind die Banken auffällig voll und getreu dem Motto "nur Bares ist Wahres", wird ordentlich Bargeld abgeholt.

In den meisten Fällen sogar so viel, dass vielen Unternehmen / Bürgern schon jetzt klar ist, dass die Kontoabbuchungen zum 01.04.2020 schon nicht mehr vollständig bedient werden können.

Sei es, weil man aufgrund der Krise schon eh kein Einkommen / Guthaben mehr hat oder aus Angst, dass einem in der Krise das Geld ausgeht und man kein Neues mehr bekommt.

Wenn Politiker Sätze wie: "die härteste Probe seit dem 2ten Weltkrieg" in den Mund nehmen, steigt die Unsicherheit natürlich stark an.

David Rölleke ist derzeit der wahrscheinlich gefragteste Krisenmanager für den Mittelstand und kennt daher die Sorgen der Unternehmer aus der ersten Hand. Hier geht es auch nicht um Theorie, sondern um die knallharte Praxis.

Am Wochenende haben manche Betriebe ihre Geschäftskontos gelehrt, da plötzlich Zettel mit den folgenden Inhalten an den Bankautomaten hangen:

„Aufgrund der aktuellen Situation können die folgenden Serviceleistungen nicht mehr in vollem Umfang erbracht werden ( persönliche Beratungsgespräche, Barauszahlungen an der Kasse, Hilfe an den Terminals, etc. )“.

Hier hatten viele Unternehmer Angst, dass die Banken erst garnicht mehr öffnen, was Rölleke aber für unbegründet hält.

Weiterhin rechnen Experten mit bis zu eine Million Anträge auf Kurzarbeit, alleine in dieser Woche und seit gestern steht fest, dass auch weitere Betriebe ( z.B. Friseure, Restaurants ) schließen müssen.

Die Gesamtkombination ist daher gerade für viele Unternehmen einfach zu unüberschaubar und es wäre eine Katastrophe, wenn man die Unternehmen, deren Bonität und somit deren Geschäftsfähigkeit hier nicht unbürokratisch schützen würde.

Viele Unternehmer erhoffen sich eine Bonitätsstundung, da die Verschlechterung der Bonität dem Unternehmen Probleme bei Lieferanten sowie Geschäftspartnern und Kunden bringen kann und wird.

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24.03.2020 Ausstellung „Where’s Gulu?“

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Als erster europäischer Fotograf war ich im Februar eingeladen, meine Fotos drei Monate lang im Kigali Center for Photography in Ruanda zu zeigen.

Jetzt wurde auch meine Ausstellung „Where’s Gulu?“ wegen des Corona-Viruses geschlossen, die Hauptstadt des ostafrikanischen Landes zieht ihre Konsequenzen aus der Pandemie.

Hintergrund: Gulu liegt in Norduganda nahe der Grenze zum Südsudan. Von 1987 bis 2006 führte die Widerstandsarmee des Herrn, eine militärisch-religiöse Kultbewegung, einen Bürgerkrieg gegen die Zivilbevölkerung, den die Weltöffentlichkeit so gut wie gar nicht zur Kenntnis nahm.

Ich kenne Gulu seit 2003, zwischen 2017 und 2019 entstand meine Fotoreportage, die zeigt, wie die Menschen Gulus langsam wieder in eine Zivilgesellschaft finden.

„Sönkes Fotos strahlen Zuversicht, Mut und den Willen zur Eigenständigkeit aus, deshalb wollten wir seine Arbeiten unbedingt präsentieren“, sagte Jacques Nkinzingabo, der Direktor des Kigali Center for Photography, im Rahmen der Vernissage vor einem internationalen Publikum.

In gewisser Weise sei Gulu für ihn archetypisch, denn trotz aller Schwierigkeiten liebten die Menschen ihre Heimat. Nkinzingabo: „Unser Ziel ist es, Afrika in der Fotografie ohne Klischees zu zeigen.

Mit 22 Jahren Afrikaerfahrung gelingt dies Sönke immer wieder.“ Wann und ob „Where’s Gulu?“ wieder eröffnet ist unklar, denn auch in Ruanda ändert sich das Leben aufgrund von Corona täglich.

Übrigens: Das Kigali Center for Photography (www.kigaliphotocenter.com) ist einzigartig in Ruanda. Vermutlich, bis auf wenige Fotogalerien in Südafrika, auf dem afrikanischen Kontinent.

2017 eröffnet, dient es darüber hinaus als Fortbildungszentrum für junge Fotografen. Mir war es eine Ehre, dort ausstellen und unterrichten zu dürfen.

Sönke C. Weiss

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16.03.2020 Die Vagina Bibel

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

„Frauen sollen spüren, dass Wissen auch Macht bedeutet, sollen wissen, wie ihr Körper funktioniert und wie man sich Hilfe holt, wenn es einmal nicht so läuft, wie man immer dachte,“ schreibt Dr. med. Jen Gunter in ihrem New-York-Times-Bestseller „Die Vagina Bibel“, der jetzt auch in Deutschland im Südwest Verlag herausgekommen ist, 20 Euro kostet, 478 Seiten hat und den Untertitel „Vulva und Vagina - Mythos und Wirklichkeit“ trägt.

Alles, was der Autor dieser Rezension bislang über das weibliche Geschlechtsorgan wußte, hatte er seinerzeit bei Dr. Sommer in der BRAVO erfahren. Und das ist lange her. Doch es ist nie zu spät dazuzulernen, selbst für einen Mann nicht.

Dazu auch die Autorin: „Frauen sollen Einseitigkeiten und Ausflüchte erkennen, Lüge und Betrug, oder wo das Patriarchat einmal mehr Ängste schürt vor den ganz normalen Funktionen des Körpers.“

Die Kanadierin Dr. Gunter, die als glühende Verfechterin von Frauenrechten auch oft in den Medien angegriffen wird, ist nicht nur Geburtshelferin, Gynäkologin und Schmerzmedizinerin, sie hat das medizinisch fundierte Talent ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit einer ordentlichen Prise Humor viele, vielleicht sogar alle Fragen um das weibliche Geschlechtsorgan zu beantworten.

Die einzelnen Kapitel sind verständlich und knapp gehalten. Es geht von der „Vagina in Alltag und Wartung“ über „Medikamentöse Therapien und operative Eingriffe“ bis hin zu „Erkrankungen“ und „sexuell übertragene Infektionen“ sowie vieles mehr.

Dr. Gunter schreibt: „Noch nie hat eine Frau davon profitiert, nichts über ihren Körper zu wissen. Stimmt. Schließlich sind Macht und Gesundheit unauflöslich miteinander verwoben, wie wir just wieder in der Causa Corona-Virus erfahren.

Die Autorin auf jeden Fall will nicht ruhen, bis alle Frauen zu mündigen Patientinnen geworden sind. Kurzum: „Die Vagina Bibel“ sollte zur Pflichtlektüren an allen Schulen gemacht werden, für Jungs und Mädchen gleichermaßen. 

Sönke C. Weiss

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14.03.2020 Es rafft die Alten dahin

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Die Rot-Grünen Gesinnungskrieger haben wieder zugeschlagen. Zuletzt hatte die Instrumentalisierung eines Kinderchors zu Zwecken grüner Agitation und Propaganda für erheblichen Unmut gesorgt („Oma ist eine Umweltsau“ vom WDR-Kinderchor, „Oma ist eine Nazisau“ vom Antifa-affinen WDR-Mitarbeiter Danny H.).

Die Alten sollen doch sterben

Zuerst kam vom WDR „Oma ist ne Umweltsau“, das wird nun von der ARD noch einmal getoppt.

Ein Satireformat der ARD-Jugendwelle Funk bezeichnet das Coronavirus als „schönen und sinnvollen Reflex der Natur“, und das Gute soll daran sein, dass vor allem Ältere daran sterben und das sei „nur gerecht“. "Schließlich habe diese Generation den „Planeten voll gegen die Wand gefahren“.

Das Virus, so Silberstein, habe eigentlich nur gute Seiten:

Der Satiriker Schlecky Silberstein hebt die vermeintlich positiven Effekte des Virus hervor. Dieses sei fair, denn „es rafft die Alten dahin, aber die Jungen überstehen diese Infektion nahezu mühelos. Das ist nur gerecht, hat doch die Generation 65+ diesen Planeten in den letzten fünfzig Jahren voll gegen die Wand gefahren“.

Es gebe sowieso „viel zu viele von uns“, so Silberstein. „Mit weniger Menschen gibt es weniger Ressourcenknappheit und damit weniger Hunger, weniger Krieg und weniger Fluchtursache“.

Wahrscheinlich sei das Coronavirus also einfach nur ein „schöner und sinnvoller Reflex der Natur, um uns Menschen mal wieder zu sagen, wer hier eigentlich die Hosen an hat. Corona ist deshalb da, weil wir es nicht anders verdient haben“.

In dem Video das unten erscheint, wird dann erwähnt, dass auch Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Risikogruppe gehörten – die seien ja meist auch zu dick und kämen großenteils aus den USA.

funk ist das Content-Netzwerk von ARD und ZDF. Sie produzieren Inhalte für 14- bis 29-Jährige.

Gottfried Böhmer

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