Reden ist silber, Schreiben ist gold

08.09.2019 Die Gier nach Gold im Regenwald

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Als Sebastiao Salgado, der seine berufliche Karriere als Fotograf 1973 in Paris begann und für zahlreiche internationale Agenturen wie auch Magnum arbeitete, zum ersten Mal nach Serra Pelada kam, war er sprachlos.

Die Gier nach Gold im Regenwald

Vor ihm sah er ein riesiges Loch mit einem Durchmesser von vielleicht 200 Metern und fast genauso tief. In ihm ein Gewimmel von mehreren zehntausend Männern, kaum bekleidet.

Ungefähr die Hälfte von ihnen schleppte schwere Säcke über breite Holzleitern nach oben, während die anderen über schlammige Abhänge zurück in den Schlund der Grube rutschten. Natürlich wußte der Fotograf, was sie dort taten.

Sie suchten nach Gold

Und Salgado war zu dieser entlegenen Bergkuppe am Rande des Amazonas-Regenwaldes in Brasiliens nördlichem Bundesstaat Pará gereist, um sie zu fotografieren: in schwarz-weiß. Das war 1986, und verschaffte ihm ein Ansehen, das er bis zu diesem Zeitpunkt in der Welt der Dokumentarfotografie nicht hatte.

Alle wichtigen Zeitschriften dieser Welt veröffentlichten das Serra-Pelada-Portfolio. Daraus entstanden ist nun ein Buch, das schlicht „Gold“ heißt, im Taschen-Verlag (www.taschen.com) erschienen ist und 50 Euro (CHF 70) kostet, was absolut gerechtfertigt ist bei dieser Qualität eines Fotobuches.

Die 208 Seiten zeigen ein ganz außergewöhnliches Werk, ein biblisches Epos, das nur ein Ausnahmefotograf so einfangen kann. Die Fotos haben eine Unmittelbarkeit, die der Betrachter noch immer, über 30 Jahre nachdem sie aufgenommen worden sind, als absolut zeitgenössisch erlebt und fesselt.

Heute ist die Goldmine geschlossen, aber Salgados Aufnahmen lassen das überwältigende Drama des Goldrausches wieder aufleben, dass die Gier nach Gold so leicht nicht zu stillen ist und es scheint, als stünde die Zeit in schwarz-weiß irgendwie still.

„Gold“ gibt es übrigens auch als Collector’s Edition von 1.000 signierten Exemplaren für 800 Euro und als Art Edition von 100 Exemplaren und einem signieren Print, Preis auf Nachfrage. Das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt...

Sönke C. Weiss

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06.09.2019 heute mal wieder zwei schöne Bücher

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Dass Matthias Brandt ein bemerkenswerter Schauspieler ist, dem widerspricht sicher niemand; dass er darüber hinaus auch schreiben kann, hat der Sohn Willy Brandts - für unsere Leser aus Österreich und der Schweiz:

Willy Brandt war mal deutscher Bundeskanzler - bereits vor drei Jahren mit seinem Erzählband „Raumpatrouille“ bewiesen; jetzt ist sein erster Roman mit dem Titel „Blackbird“ bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, kostet 22 Euro, ist kurzweilige 275 Seiten lang und katapultiert den Leser zurück in die Zeit, als Bilitis ins Kino kam.

Wäre heute gar nicht mehr möglich mit MeToo, etc. - und dieser absolut schreckliche Song „A Horse with no Name“ alle Mädchenherzen höher schlugen ließ. Kurzer Teaser:

Es geht um den 15-jährigen Morten Schumacher, alias Motte, seinen besten Freund Bogi, der schwer erkrankt ist, ein Mädchen namens Jacqueline Schmiedebach, die sein Leben auf den Kopf stellt und all die Herausforderungen, die man so als Teenager zu bewältigen hat.

Und das reicht schon als Inhalt, auf den es eigentlich gar nicht ankommt, sondern auf die Atmosphäre und Authentizität, die der Autor uns ganz grandios aufs Papier zaubert. „Blackbird“ ist ganz großes Kino für die Phantasie und wird noch viele Generationen erfreuen. Apropos:

Schonungslos, maßlos, verwegen, gnadenlos

Das tut der Kult-Autor Charles Bukowski, leider 1994 viel zu früh verstorben, schon seit Anfang der 70er Jahre, obwohl ihn die Universitätseliten bis heute nicht so schätzen, wie er geachtet werden sollte.

In dem neuen Gedichteband „Liebe“ - 252 Seiten, elf Euro, ebenfalls Kiepenheuer & Witsch - schreibt Bukowski schonungslos, maßlos, verwegen, gnadenlos und voller Seele über die Liebe, die manchmal eine Zumutung ist und dann doch wieder das Leben ausmacht.

Ich zitiere: „wach sitze ich im Bett und lausche deinem Schnarchen,getroffen habe ich dich beim Warten auf den Bus,und jetzt bestaun ich deinen Rücken,leichenblass und gesprenkelt,mit Sommersprossen wie von Kindern,und die Lampe legt den unlösbaren Kummer dieser Welt auf deinem Schlaf ab.“

Also wem da nicht die Tränen kommen. Eines noch: Übersetzt hat die Gedichte, die über die Jahre in zahlreichen US-Publikationen erschienen waren, Jan Schönherr, der wirklich ein Gespür fürs amerikanische Englisch hat, sonst würde das Buch nicht so leben. Und das tut’s. Mit voller Wucht.

Sönke C. Weiss

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03.09.2019 Im Gruselkabinett deutscher Unternehmen

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Normalerweise schreibe ich nicht über Aufreger mit Bluthochdruckgarantie, die kriegt man morgens schon in der Tageszeitung mit geliefert; aber in dieser Kolumne will ich mal eine Ausnahme machen.

Wiebke Köhlers Buch „Schach der Dame“ versammelt Erfahrungsberichte von Führungsfrauen aller Hierarchien im Management und zeigt auf, wie sich diese im herrschenden Machtgefüge behaupten - oder auch nicht.

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit plakativen Beispielen aus dem Gruselkabinett deutscher Unternehmen und zeigt auf, wie das System der Machtspiele funktioniert, die Regeln eben, die ähnlich wie beim Schach sind, deshalb auch der Name des Buches, das die Autorin frisch im Eigenverlag veröffentlicht hat.

19,80 Euro für 210 Seiten bei www.bod.de - was mich vermuten läßt, dass sich andere Verlage - mit Männer als Entscheidungsträgern vielleicht - nicht dran getraut haben, denn insbesondere der zweite Teil ist wirklich lesenswert und kurzweilig:

Was lernt „frau“ aus den Ungeheuerlichkeiten und Dummheiten deutschen Machomanagements? Ähnlich versumpft scheint, nein, ist die politische Talkshowlandschaft im deutschen Fernsehen, glaubt man Oliver Webers Buch „talkshows hassen“, das jetzt bei Tropen erschienen ist und zwölf Euro kostet.

Die 155 Seiten sind so eine Art letztes Krisengespräch, denn unsere Gesellschaft, da gebe ich dem Autoren recht, ist politisiert wie lange nicht, der Diskussionsbedarf ist hoch:

Doch in den politischen Talkshows ist davon nichts zu spüren. Weber, der Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Mannheim studiert und unter anderem für die FAZ schreibt, erklärt mit Beispielen aus dem Reigen der üblichen Verdächtigen - Anne Will, Sandra Maischberger, Günther Jauch, etc

Wie ein einst demokratisierendes Fernsehformat zu einer Redemaschinerie der Selbstdarsteller verkommen ist und was das über unsere Gesprächskultur aussagt. Fazit:

Man kann es niemanden verübeln, wenn er sich vom politischen Geschehen abwendet, sollten die politischen Talkshows bei uns der einzige Zugang zur Welt der Politik sein. Und darauf einen Dujardin, hätte Herr Augstein gesagt...

Sönke C. Weiss

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02.09.2019 Die Sprache ist ein Geschenk

GFDK - Reden ist Silber - Teresa Pütz

Liebe Leserin, lieber Leser,
wie würde unsere Welt aussehen, wenn wir die Sprache verlieren? Diese Frage bewegte die amerikanische Linguistin Christina Dalcher so sehr, dass sie einen Roman darüber schrieb.

"Vox" als Warnruf gegen eine Politik des Fanatismus

In "Vox" wird in einem Amerika der nahen Zukunft allen Frauen und Mädchen ein Tageslimit von 100 Wörtern verhängt. Wenn Sie wissen, dass der Durchschnittsmensch tagtäglich ungefähr 16.000 Wörter äußert, sind 100 Wörter … nichts.

Wie will man sich mit so wenigen Wörtern Gehör verschaffen? Wie kann man sein Leben führen, für seine Rechte einstehen, für seine Träume kämpfen, wenn einem die Stimme genommen wird?

Im Verlag hat Dalchers Debüt niemanden zum Verstummen gebracht, wir konnten gar nicht aufhören, mit den Kollegen und Freunden darüber zu sprechen. Wir sind uns einig, diese erschreckende Dystopie trifft vor dem Hintergrund des aktuellen politischen Klimas einen Nerv. Mundtot, das möchte niemand von uns sein.

Die Sprache ist ein Geschenk

So wünsche ich mir, dass Sie "Vox" als Warnruf gegen eine Politik des Fanatismus und der Unterdrückung lesen, aber auch als Gedankenspiel, das Ihnen das Geschenk der Sprache vor Augen führt, dieses erstaunlich komplexe Vermögen, das wir so oft als selbstverständlich betrachten – und das uns zu Menschen macht.

In einer Welt, in der Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, bricht eine das Gesetz.

Das ist der Anfang.

Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.

Aber das ist nicht das Ende.

Mit herzlichen Grüßen,
Teresa Pütz
Lektorin für Internationale Literatur bei S. Fischer

Christina Dalcher pendelt zwischen den Südstaaten und Neapel. Die gebürtige Amerikanerin, zu deren Helden Stephen King und Carl Sagan zählen, promovierte an der Georgetown University in Theoretischer Linguistik und forschte über Sprache und Sprachverlust.

Ihre Kurzgeschichten und Flash Fiction erschienen weltweit in Magazinen und Zeitschriften, u.a. wurde sie für den Pushcart Prize nominiert. "Vox" ist ihr Debütroman.

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27.08.2019 Verbrechen gegen die Menschlichkeit

GFDK - Reden ist Silber

Vor einigen Tagen laß ich einen Artikel in der FAZ, der mich stundenlang so traurig gestimmt hat, dass der ganze Sonntag für mich erledigt war, weil mir ein Bild nicht mehr aus dem Kopf ging, auch heute noch nicht.  Die grüne Lunge der Welt ist in Lebensgefahr, und mit ihr die ganze Tierwelt.

Verbrechens gegen die Menschlichkeit

Der bedeutendste Naturfotograf Brasiliens Araquém Alcântara hat einen Artikel zu den Bränden im Amazonas Regenwald geschrieben. Was diese Brände für die einheimiche Tierwelt bedeuten, ist erschütternd, und es bleibt einem alles im Hals stecken.

Er schreibt: "Ich war dort und habe es gesehen. Und ich habe fotografiert. Ich bin Augenzeuge dieses Verbrechens gegen die Menschlichkeit." Dazu veröffentlichte Araquém Alcântara ein Foto, welches das ganze Leid der Tierwelt symbolisiert. Beim Anblick dieses bildes brennt jedem Tierliebhaber und Tierschützers die Seele.

Das Foto des erblindeten Ameisenbären in Abwehrstellung ging um die Welt und ist zum Sinnbild geworden. Am 19. August, dem Weltfotografietag, hat er das Foto des Ameisenbären veröffentlicht. Er war verbrannt, blind, erschöpft, schreibt er.

Doch als er mich spürte, richtete er sich auf, um sich zu verteidigen. Der Ameisenbär, den es nur hier gibt, steht für den Amazonas, der sich mit letzter Kraft zu verteidigen versucht.

Ein Fünftel aller 1,5 Millionen Pflanzen- und Tierarten der Welt lebt im Amazonasregenwald, und die werden gerade von Menschen vernichtet. Das muß aufhören. Da nützt es auch nichts, dass Papst Franziskus zum beten für den Wald aufruft, es muß gehandelt werden. PS: wo ist eigentlich diese Greta abgeblieben? Ach ja, die ist ja auf einer Luxusjacht um die Welt zu retten.

Gabor Steingart schrieb kurz und knapp: " Während die Staatenlenker im Luxushotel „Hôtel du Palais“ im Nobelbadeort der französischen Elite tagen, verbrennen edle Tropenhölzer und verkohlen seltene Wildtiere.

 Der Glaube an eine bessere Welt hat Feuer gefangen. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, der sich selbst „Kapitän Kettensäge“ nennt, hat die Rodung des Regenwaldes zum Teil seiner politischen Agenda gemacht.

Der Amazonas-Regenwald brennt – und diese Feuer werden sich bis zum Beginn der Regenzeit von keinem Militär und keiner Feuerwehr stoppen lassen. Das sagt der Filmemacher Nikolaus Tarouquella-Levitan, der für ARD, ZDF und Arte annähernd 30 Mal in die entlegensten Gebiete des Amazonas vorgedrungen ist.
Der Filmemacher gibt uns wenig Anlass zur Zuversicht. Seine Kernaussagen zu Gabor Steingart im Morning Briefing:
    

Das ist eine Katastrophe mit Ansage. Das war allen klar, nachdem Brasiliens Präsident Bolsonaro die Wahl gewonnen hatte, dass in der nächsten Trockenzeit Amazonien brennen wird wie nie zuvor. Er hat schon vor Amtsantritt die Farmer ermutigt, Schutzgebiete zu missachten. Er hat gesagt, das sind alles nicht gehobene Schätze, Amazonien muss erschlossen werden.“


Tarouquella-Levitan beschreibt die Erschließung des Regenwaldes wie folgt:
    

Erst holt man das Holz raus, dann brennt man das, was übrig ist, ab. Dann kommen die Rinder. Und wenn das Gras für die Rinder nicht mehr wächst, dann kommt das Soja hinterher mit sehr viel Chemie, häufig aus deutscher Produktion. Bayer macht wunderbare Geschäfte in Brasilien.“


Über seinen Gemütszustand lässt uns der Filmemacher nicht im Zweifel:
    

Ganz ehrlich, ich bin verzweifelt. Das ist schrecklich, was da passiert. Es gab in den letzten 50 Jahren keinen Moment, wo sich mal für Amazonien irgendetwas zum Guten gewandt hätte. Die Zerstörung wurde höchstens mal verlangsamt. Und jetzt ist sie wieder auf Vollgas. Das ist eine Katastrophe für die Menschheit."

Kommentar von Martina Stephany, Leiterin der Abteilung für Nutztiere und Ernährung bei VIER PFOTEN, zu den Feuern im Amazonas Regenwald und ihrer Verbindung zur Fleischindustrie:

„Täglich entfachen neue, außer Kontrolle geratene Feuer im Amazonas Regenwald und verursachen verheerende Schäden. Unzählige Wildtierarten fallen dieser Umweltkatastrophe zum Opfer.

Auch uns Menschen betrifft das, denn der Amazonas wird nicht umsonst als ‚grüne Lunge unserer Erde‘ bezeichnet und spielt eine tragende Rolle beim Aufhalten des Klimawandels.

Die Brandrodung ist eine traditionelle Vorgehensweise beim tropischen Ackerbau, um landwirtschaftlich genutzte Flächen und Weideflächen für Nutztiere freizumachen. Mehr als die Hälfte des Regenwaldes befindet sich in Brasilien, dem weltweit führenden Exporteur von Rindfleisch.

Im brasilianischen Regenwald leben rund 200 Millionen Rinder. Laut dem Global Forest Atlas der Yale School of Forestry and Environmental Studies ist die Viehzucht der größte Treiber der Waldzerstörung in jedem Amazonasland und macht 80% der derzeitigen Abholzungsraten aus.

Die Intensivtierhaltung verschwendet massive Mengen an Land, Futter, Energie und Wasser und verursacht weltweit das Leid von Milliarden von Tieren.

Wir Menschen müssen handeln, indem wir weniger Fleisch konsumieren, Fleisch durch pflanzliche Alternativen ersetzen und hohe Tierschutzstandards verlangen.

VIER PFOTEN betrachtet die Fleischindustrie, allen voran die Intensivtierhaltung, als eine der größten Hürden im Kampf gegen Klimawandel und sie ist auch für die Zerstörung des Regenwaldes durch die aktuellen Feuer mitverantwortlich.

Deshalb fordert VIER PFOTEN die großen Lebensmittelunternehmen auf, effektive Maßnahmen zu ergreifen, um solche Katastrophen zu verhindern, die Zahl der Tiere in der Massentierhaltung zu verringern und endlich den Planeten zu retten."

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26.08.2019 der Fotograf Helmut Newton

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Eines Tages im Jahr 1997 erhielt der Fotograf Helmut Newton (1920 - 2004), ursprünglich Helmut Neustädter, Sohn einer wohlhabenden jüdischen Knopffabrikantenfamilie, in Los Angeles einen Anruf des Verlegers Benedikt Taschen, der sich in einem Hotel nur ein paar Minuten entfernt aufhielt und Newton gerne etwas zeigen wollte.

Newton ging hin, um es sich anzusehen, und rief seine Frau June wenig später an: Sie solle alles stehen und liegen lassen und sofort herüberkommen.

Das Werk eines Ausnahmeverlegers und eines Weltbürgers

Sie ging die paar Straßen zum Hotel des Verlegers und fuhr mit dem Lift zu seiner Suite, wo dieser und ihr Mann gespannt darauf warteten, was sie zu einem Projekt sagen würde, aus dem schließlich der SUMO entstand, der bei einer Benefizauktion am 6. April 2000 als teuerstes Buch des 20. Jahrhunderts versteigert wurde: für 620.000 DM.

Ein großartiges Werk, die gewagte Idee eines Ausnahmeverlegers, der das Verlagswesen gründlich aufmischen sollte.

Die Newtons waren vom ersten Moment an in das Projekt verliebt, das bislang nur ein leeres Dummy mit wenigen bedruckten Seiten war; auf einer davon sah man einen Schnappschuss, den Newton von seiner Frau in ihrer gemeinsamen Wohnung im Pariser Marais-Viertel gemacht hatte.

June Newton trug ein Ossie-Clark-Negliegé, und ihr Mann, der stets eine Kamera griffbereit hatte, bat sie, ein bisschen offenherziger zu sein. Um nur ein Beispiel aus Helmut Newton’s monumentalen Kunstbuch SUMO zu nennen. 400 ikonische Fotografien auf 464 Seiten:

Newtons Akt- und Modebilder sowie Portraits, meist entstanden im Auftrag der unterschiedlichsten Zeitschriften, eingeleitet von einem autobiografischen Text. Darin nimmt uns der Künstler mit auf eine Zeitreise, zurück in seine Ausbildungszeit bei Yva in Berlin, später nach Singapur, Australien und Paris, wo Anfang der 1960er-Jahre seine unvergleichliche Karriere als Modefotograf begann.

Zum 20. Jahrestag von SUMO zeigt das Museum für Fotografie (www.helmutnewton.com) in Berlin noch bis zum 10. November 2019 die SUMO-Werke. Parallel dazu hat der Taschen-Verlag (www.taschen.com) SUMO neu zu einem erschwinglichen Preis von 100 Euro neu verlegt, und das in der gewohnten Taschen-Qualität, die Newtons Blick auf die Schönheiten des Lebens gerecht wird.

Ausstellung und Buch empfehle ich sehr, besonders auch vor dem Hintergrund, dass es leider so wenige deutsche oder zumindest deutschstämmige Künstler gibt, die zu Weltstars geworden sind, selbst wenn Alice Schwarzer Newtons Fotos als „sexistisch“, „rassistisch“ und sogar „faschistisch“ bezeichnet hat.

Der Weltbürger Helmut Newton wurde übrigens auf eigenen Wunsch am 2. Juni 2004 in Berlin in einer Urne beigesetzt, nachdem er einige Monate zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. 

Sönke C. Weiss

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22.08.2019 "Was habe ich falsch gemacht?"

Rainer Kahni und Gottfried Böhmer

Das war unser Artikel vom 23.04.2016. Und nun eine Frage, hat sich daran etwas geändert?  Das war erbärmlich - Mangels anderer Alternativen war Rainer Kahni gezwungen, am Sonntag abend die allsonntagabendliche Talkshow der Supermoderatorin Anne Will anzusehen. Das Thema war wichtig, die Präsentation war trostlos.

Auf die verzweifelte Frage der Putzfrau "Was habe ich falsch gemacht?" wurde die einfache Frau von elegant gekleideten Politikern, Journalisten, Unternehmern und Wissenschaftlern mit Statistiken zugeschüttet. Sie hat 45 Jahre gearbeitet und erwartet eine Rente an der Armutsgrenze. Die Renten sind eben nicht sicher. 50 % der Rentner erwarten eine Rente unterhalb der Armutsgrenze.

Die Rentner in die Trostlosigkeit entlassen

Die Sozialdemokraten in enger Zusammenarbeit mit den Grünen haben es fertiggebracht, die Rentner in die Trostlosigkeit zu entlassen. Während sie selbst Renten kassieren, für die sie niemals eingezahlt haben und für die ein Arbeiter rund 300 Jahre gearbeitet haben müsste.

Um die gescheiterte Riesterrente wurde herumgeeiert, als ob eine Krankenschwester noch das Einkommen hätte, in die Riesterrente einzubezahlen. Die EZB hat mit ihrer Null-Zinspolitik die Sparer kalt enteignet.

So sieht also die Solidarität bei den Alten, Kranken, Rentnern und sozial Schwachen in der Bundesrepublik Deutschland aus. Auf die nächstliegende Idee, alle Erwerbstätigen, auch Beamte und Selbständige, gesetzlich zu verpflichten, in die Rentenkassen einzubezahlen, kam niemand der Gäste.

Das wäre Solidarität. Das ist in Österreich, in der Schweiz, in Frankreich und in vielen Ländern Europas so. Deutschland schont diese Klientel. Das ist der eigentliche Skandal. Und was ist die Lösung für die Herrschaften? "Anpassung an Lebenserwartung Schäuble fordert höheres Rentenalter"

SPD feiert Mindestlohn

Einer der Wissenschaftler rechnete bei Anne Will vor, das bei einem Mindestlohn von 13 Euro ein Arbeiter/in 45 Jahre Knechten muß um eine Rente von 840 Euro zu erhalten. Davon könnte er niemals leben. Darauf können sie sich ein Ei schlagen, und den politikern in die Fresse. Die SPD läßt sich heute noch für einen Mindestlohn von 8.50 feiern, einen der niedrigsten in ganz Europa.

Hat Anne Will nur ein Herz für die Oberen 100.000?

Hat es Tucholsky noch erlebt? Hat es Lichtenberg noch erlebt? Hat es Heinrich Heine noch erlebt? Hat es Brecht noch erlebt? Hat es Schopenhauer noch erlebt? Haben es Goethe und Schiller noch erlebt?

Ich wage es nicht, mich mit diesen grossen Deutschen zu vergleichen. Doch auch ich werde es nicht mehr erleben, dass sich die Deutschen gegen das offensichtliche Unrecht erheben.

Gleichwohl muss ich weiterarbeiten, weil ich einfach nicht einsehen mag, dass sich die Oberen 100 000, die Politiker, die Lobbyisten, die Medienzaren und die arroganten Pinsel der New Economy über das arbeitende Volk erheben und lustig machen.

Es kann nicht sein, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung in Ihrer Dumpfheit sich eine Demokratie vorspielen lässt, die keine ist.

Es darf nicht sein, dass die Mehrheit der Deutschen sich mit einem Almosen als Lohn zufrieden gibt, ihre Löhne, Steuern und Abgaben in die Rentenkassen entrichtet, während Selbständige und Beamte nie in die Sozialkassen einbezahlt haben und im Alter leben, wie Gott in Frankreich.

Wann, Deutsches Volk, wehrt ihr Euch gegen dieses Unrecht, wann erhebt ihr Euch, wann steht ihr auf? Wollt ihr ewig als dummes Volk von der ganzen Welt ausgelacht werden? DEMOKRATIE JETZT ODER NIE, oder ihr bleibt ewig Untertanen. Das Buch wird Ende April lieferbar sein.

Deutschland ist ein sehr ungerechtes Land

Aber nicht nur die Rentner sind betrogen. Die Deutschen zahlen einen Spitzenwert an Steuern und Abgaben und so bleibt kaum etwas übrig, um sich gegen die Altersarmut zu schützen. Das ist den Herren in den feinen Anzügen aber auch egal. Arbeitnehmer müssen in Deutschland deutlich mehr Steuern und Abgaben zahlen als in den meisten anderen Ländern der ganzen Welt.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am 12. April 2016 veröffentlicht wurde. Nur Belgier und Österreicher müssen mehr Steuern und Abgaben abführen.

Der Generalsekretär der OECD Angel Gurría sagte schon am Dienstag, 13. Mai 2014 in Berlin: Gute Löhne. Ein faires Steuersystem. Gleiche Chancen. Ausreichende Bildungsinvestitionen. Nichts von dem sieht die OECD in Deutschland mehr gewährleistet.

Jakob Augstein schrieb am 15. Mai 2014, "Ob die Sozialdemokraten in der Regierung saßen oder nicht - die soziale Schere hat sich in Deutschland immer weiter geöffnet. 1970 verfügte das oberste Zehntel der Gesellschaft über 44 Prozent des gesamten Nettogeldvermögens. 2011 waren es 66 Prozent. (Anmerkung der Redaktion, 2016 sind es vieleicht schon über 80 Prozent.)

Kein Wunder. Unser Steuersystem begünstigt die Unternehmen und die Reichen. Achtzig Prozent des Steueraufkommens stammen aus Lohn- und Verbrauchssteuern. Nur zwölf Prozent aus Unternehmens- und Gewinnsteuern. Die Arbeitnehmer wurden im Stich gelassen. Am schlimmsten haben die Gewerkschaften versagt".

Um es gleich noch mal zu sagen, das hier ist keine Neiddebatte. Hier geht es um Gerechtigkeit und das was in Deutschland passiert, immerhin haben wir mittlerweile eine Staatsquote von 81 Prozent, und das hat mit Gerechtigkeit nichts mehr zu tun. Das ist Ausbeutung.

4 Jahre im Bundestag bringen mehr als ein Leben lang arbeiten

Nach nur einer Legislaturperiode bekommt ein Bundestagsabgeordneter im Ruhestand mehr Bezüge als ein Geringverdiener durch seine gesamte Lebensleistung erwirtschaften kann.

Das bedeutet, das ein Abgeordneter innerhalb einer einzigen Legislaturperiode bereits Anspruch auf 932 Euro Ruhegeld erwirtschaftet, wie Focus Online berichtet. Die aktuellen Diäten der 630 Bundestagsabgeordneten steigen dann ab Juli 2016 von 9082 auf 9327 Euro brutto im Monat.

Fast schon süffisant hat Augstein angemerkt, dass der Bürger sich darauf verlassen hat, dass die Parteien, die Gewerkschaften und die Medien sich der Sache der Gerechtigkeit annehmen würden. Alle drei haben nach unserer Meinung die Bürger, den Steuerzahler regelrecht in die Pfanne gehauen.

Dazu ein paar schöne Zahlen: 1989 hat ein DAX Vorstand durschnittlich 500 000 DM verdient. 2010 verdiente ein DAX Vorstand im Durchschitt 6 Millionen Euro (12 Millionen DM) 1998 war das zwanzigmal so viel wie das Einkommen eines Arbeitnehmers, heute verdienen die Herren das zweihundertfache.

DAX, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her, sagen wir.

Augstein schrieb: Die Medien und Gewerkschaften haben den Weg in die Ungleichheit freundlich begleitet. Ich gehe da noch weiter: Politiker, Gewerkschaften und die Leitmedien haben in gemeinsamer Zusammenarbeit dafür gesorgt, dass es ihnen sehr prächtig geht. Und man war sich einig, dass der Reichtum der "ihren" nur zu steigern ist, wenn die anderen (das Volk, der gemeine Bürger) arm werden und auch bleiben. GESCHAFFT.

Einkommens-Armut in Deutschland

In Deutschland, leben Millionen Menschen mittlerweile in (Einkommens-Armut) Der Großteil ihres Einkommens dient der Absicherung elementarer Lebensbedürfnisse, aber zu mehr reicht es auch nicht. Fast 40 Prozent der Deutschen verfügen trotz harter Arbeit über kein Vermögen, also nicht mal ein paar Spargroschen. Dank an die Bundesregierung und ihrer Vorgänger.

Und die nächste Schweinerei wird gerade hinter unserem Rücken vorbereitet. Das transatlantische Freihandelsabkommen kurz TTIP für Transatlantic Trade and Investment Partnership wird uns noch ärmer machen. VERSPROCHEN. Dass alle deutschen Großkonzerne das Abkommen lieber heute als morgen hätten, sollte nun niemanden verwundern.

Und warum werden auf Verlangen der USA die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen GEHEIM geführt und nicht, wie in einer Demokratie üblich, öffentlich diskutiert, fragte unlängst unser Autor Rainer Kahni.

"Die Menschen sind grundsätzlich unzufrieden, weil sie den Eindruck haben, im Bundestag gibt es keine Unterschiede mehr zwischen den Parteien." Das sagte vor einigen Tagen Carsten Linnemann (CDU) Chef der Mittelstandsvereinigung.

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Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.

Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.

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22.08.2019 Die Nilquellen in Uganda, am Viktoriasee

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Zu Beginn der 1860er-Jahre spitzte sich ein heute weitgehend in Vergessenheit geratenes Rennen um eines der letzten und größten Rätsel der Geographie zu: Wo lag die Quelle des Nils - und wer würde sie erreichen? 2006, vor nunmehr 13 Jahren, stand ich zum ersten Mal an den Nilquellen in Uganda, am Viktoriasee.

Ich war mit meinem guten Freund  aus Los Angeles dort, um für unser Theaterstück Butterflies of Uganda zu recherchieren. Für mich gehörte zu dieser Reise dazu, meinem amerikanischen Besucher auch die schönen Seiten des Kontinents zu zeigen, nicht nur den Horror, den unser Stück spiegelte, es ging um Kindersoldaten.

Der Nil - Wahrhaftig eine Quelle des Lebens

Die Reise nach Jinja von Kampala aus, gut drei kurzweilige Stunden mit dem bequemen Auto, hatte sich auf jeden Fall gelohnt und ist unvergesslich:

Ich kann den Anblick der besagten Quelle nur als absolut grandios beschreiben, fast himmlisch gar, besonders vor dem Hintergrund, dass das Wasser von hier aus über 6650 Kilometer durch sieben Staaten, ein Einzugsgebiet von immerhin 3.255.000 Quadratkilometer, bis nach Kairo ins Mittelmeer fließt.

Lebendig, informativ und dramatisch

Wahrhaftig eine Quelle des Lebens, die in unserem Theaterstück dann mit eine wichtige Rolle spielte. Schon deshalb bin ich so begeistert von dem Buch „Die Entdeckung der Nilquellen“, in dem der Entdecker John Hanning Speke (1827-1864) den Wettlauf zu den Quellen des Nils schildert.

Alles, was Speke beschreibt, inklusive seine mehrmonatigen Aufenthalte an den Höfen der jeweiligen Herrscher, inklusive Saufgelage, ist offensichtlich wahr, zumindest nicht wissenschaftlich widerlegt, selbst wenn man beim Lesen oftmals glaubt, bei Karl May zu sein, so lebendig, informativ und dramatisch sind seine Schilderungen, die, auch als historische Quelle, uns einen einzigartigen wie persönlichen Einblick in die Vorstellungen und Meinungen der damaligen Zeit und die europäische Afrikaforschung des 19. Jahrhunderts liefert.

Es bleibt dem aufmerksamen Lesen selbst überlassen, sich ein Urteil zu bilden und dort, wo es in der Tat notwendig ist, auf kritische Distanz zu gehen.

Parallelen zu heute sind noch immer zu finden und machen das Buch, das der Sozialwissenschaftler und Journalist Niels-Arne Münch sehr greifbar neu vom Englischen ins Deutsche übersetzt hat und das in der Edition Erdmann - Leinen mit Schutzumschlag und Leseband für nur 24 Euro - erschienen ist, politisch aktuell.

Vor allem ist „Die Entdeckung der Nilquellen“ eines: Eine verdammt coole Reportage auf 365 Seiten. Apropos: Die Edition Erdmann hat mehr als 100 Bände „Die bedeutendsten Entdecker der Welt“ im Programm. Wer sich für Geschichte und fremde Kulturen interessiert, findet hier wahre Schätze. Im Haus der schönen Bücher kann man weitere tolle Publikationen finden.

Sönke C. Weiss

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11.08.2019 ist Carsten Linnemann ein Rechter Brandstifter

GFDK - Reden ist Silber

Da sagt einer mal das Richtige, und schon bekommt er es vom Orden der politisch Korrekten in Politik und Medien aufs Maul. Die Realitätsverweigerer haben die Oberhand auf allen Ebenen gewonnen, so wie es aussieht. Und der Empörungsreflex hat voll zugeschlagen.

Der CDU-Politiker Carsten Linnemann hatte in der „Rheinischen Post“ unter Hinweis auf „neue Parallelgesellschaften“ erklärt: „Um es auf den Punkt zu bringen:

Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen.“ Für die betroffenen Kinder schlug er eine Vorschulpflicht vor. Notfalls müsse eine Einschulung auch zurückgestellt werden.

Hintergrund dieser Anregung ist die dramatische Veränderung des deutschen Schulalltages. In vielen Grundschulen ist ein ordnungsgemäßer Lehrbetrieb nicht mehr möglich.

Anmerkung der GFDK Redaktion: Nun ist es so, ich bin mit einer Grundschul-Lehrerin befreundet. Sie erzählte mir, in ihrer Klasse sind gerade mal zwei Kinder ohne Migrationshintergrund. Die meisten, sind sau frech, stroh dumm, und sprechen kein Deutsch.

Aber Linnemanns Aussage wurde in den Schlagzeilen völlig entstellt und unter größtmöglicher Empörung in die Tonne getreten. Und was ist das Ziel, man will aus Carsten Linnemann einen "Rechten" machen.

Gabor Steingart hat in seinem Morning Briefing mal die Fakten zusammengetragen.

In Deutschland leben rund 13,4 Millionen Kinder, davon besitzen 4,9 Millionen – das sind mehr als ein Drittel – einen Migrationshintergrund.

Laut einer Pisa-Sonderauswertung weisen fast die Hälfte der Jugendlichen mit Migrationshintergrund „sehr schwache Leistungen“ in der Schule auf, was vor allem in geringer Sprachkompetenz begründet ist.

Laut derselben Studie sprechen rund 80 Prozent der Kinder aus der ersten Migranten-Generation in der Familie eine andere Sprache als Deutsch. Bei in Deutschland geborenen Migranten zweiter Generation liegt der Anteil noch bei rund 50 Prozent.

In den Großstädten herrschen chaotische Zustände, weil das Lehrpersonal nicht verstanden wird. Laut einer Erhebung des Hamburger Senats sind an den 191 Hamburger Grundschulen Kinder mit Migrationshintergrund erstmals in der Mehrheit. An 65 Hamburger Schulen liegt der Anteil bei mehr als 70 Prozent.

Der Aufschrei war groß

Der Orden der politisch Korrekten in Politik und Medien schlug erbarmungslos zu, wie Gabor Steingart feststellte.

Linken-Chefin Katja Kipping warf Linnemann „Stimmenfang im rechten Sumpf“ vor.

SPD-Bildungspolitikerin Marja-Liisa Völlers sagte, die Aussagen Linnemanns seien „wirklich zum fremdschämen“.

Die schleswig-holsteinische CDU-Bildungsministerin Karin Prien empörte sich in der „Süddeutschen Zeitung“ über „populistischen Unfug“.

Die Zeitung sekundierte artig: „Der CDU-Politiker nutzt eine Rhetorik der Ausgrenzung“.

Die „dpa“ spitzte weiter zu und setzte eine Meldung in Umlauf mit der Überschrift: „CDU-Politiker: Grundschulverbot für Kinder, die kein Deutsch können“.

„Linnemann für Schulverbot bei mangelnden Deutschkenntnissen“, titelte etwa Zeit Online, aber auch die Welt und viele andere Medien machten mit. Er gipfelte darin, dass sich Carsten Linnemann als „Dumpfbacke“ oder Populist oder rechter Brandstifter beschimpfen lassen musste.

Und das ist die Realität

Heinz-Peter Meidinger Präsident des Deutschen Lehrerverbands meinte dazu. „Wir müssen uns endlich ideologiefrei dem Problem widmen, dass inzwischen ein Fünftel bis ein Viertel der Erstklässler nur schlecht oder gar kein Deutsch kann“, sagte er WELT-Online.

Berlin – Auch wenn Carsten Linnemann die Übeltäter, also die Linken und Grünen, nicht explizit benennt, wissen wir alle wer gemeint ist: Der stellvertretende Unions-Fraktionschef hat die Art, wie in Deutschland über seine Vorschläge zur Verbesserung von Deutschkenntnissen von Kindern mit Migrationshintergrund geführt wurde, kritisiert.

„Um unsere Debattenkultur ist es nicht gut bestellt. Wenn wir hier nicht schnell umsteuern, droht unsere Gesellschaft weiter gespalten und polarisiert zu werden“, sagte Linnemann gegenüber „Cicero“.

Die Zustände an manchen Schulen seien sogar noch dramatischer als befürchtet. Und die Gesellschaft schon so sehr gespalten und polarisiert, dass wichtige Themen kaum noch sachlich und differenziert diskutieren werden können, so Linnemann.

Seine Forderung nach einer Vorschulpflicht für Kinder, die kaum Deutsch können, habe eine Welle emotionaler Reaktionen ausgelöst, wie er sie bisher selten erlebt habe.

Vernunft ist ein Fremdwort für Linke und Grüne, sie sind zu sehr von Hass zerfressen, mit ihnen kann man auch nicht mehr sachlich diskutieren. Die Zeiten sind vorbei, weil sie dann zugeben müssten, dass sie versagt haben. (Quelle: dts)

Was sagen die Fachleute?

Viele Schulabgänger können sich kaum adäquat artikulieren schreibt die WELT am 11. August 2019, und titelt: Das Deutsch vieler Azubis lässt Ausbilder schaudern. Der Präsident der Familienunternehmer, Reinhold von Eben-Worlée beobachtet mit Sorge, wie das Rechtschreib- und Sprachniveau der Lehrstellenbewerber seit Jahren abnimmt.

„Deutsche Sprachkenntnisse sind unabdingbar, um hierzulande eine Ausbildung erfolgreich zu absolvieren – das sagen mehr als 90 Prozent der ausbildenden Unternehmen“, betont DIHK-Experte Dercks.

Gabor Steingart (Jahrgang 1962) ist ein deutscher Journalist, Autor und Medienmanager. Sein kostenloses Morning Briefing finden Sie hier: www.gaborsteingart.com

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06.08.2019 Den Heiligenschein poliert

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Immer wenn wir uns mit dramatischen Geschichten aus der sogenannten Dritten Welt befassen, mitfiebern, aufgewühlt sind, zornig oder traurig, dann kommt sie irgendwann, die Frage:

Wie soll sich das alles ändern? Was läuft alles falsch, woran liegt es, das millionenfache Elend? Und warum haben eigentlich 50 Jahre Entwicklungshilfe so wenig gebracht?

In ihrem provokanten Sachbuch „Das NGO-Spiel“ stellt die US-amerikanische Autorin und Politikwissenschschaftlerin Patrice C. McMahon die These auf, dass NGOs, also Hilfswerke oder Nichtregierungsorganisationen, nicht so sehr eine Hilfe bei der Schaffung dauerhaften Friedens und Wohlstands sind, sondern vielmehr Teil der anhaltenden Probleme in Gesellschaften, die aus Konfliktsituationen kommen.

Die Idee zu diesem Buch, das jetzt auf Deutsch im Verlag Hamburger Edition erschienen ist und 35 Euro kostet, entstand Ende 2000, als die Autorin zum ersten Mal Bosnien besuchte und über Jahre recherchierte, wie NGOs auch in der internationalen Politik eine steile Karriere gemacht haben und von unbedeutenden Spielfiguren zu maßgeblichen Kräften in der Friedenskonsolidierung wurden.

So ist McMahon der Überzeugung, dass wir, die Öffentlichkeit, die Spender, nicht viel über diese Akteure wüßten und es an der Zeit sei, sich mit der Realität von NGOs, die zum Teil mehr für Hilfsleistungen ausgeben, als viele europäische Staaten, näher zu befassen.

Denn mit Geld kommt Macht und mit Macht Einfluß auf die Politik, ob auf dem Balkan oder in Afrika, was ich nur unterschreiben kann, da ich selbst sechs Jahre für eines weltweit größten Hilfswerke international in der Kommunikation tätig war.

Meine Meinung: Weg mit der Unterstellung, Entwicklungshilfe könne die Welt retten. Gier, Hass und Korruption werden durch NGOs nicht verschwinden.

Unfaire Handelssysteme übrigens auch nicht, und auch nicht der heute so beliebte Landraub, der aus dem Kontinent Afrika mal wieder eine weltweit knapp gewordene Ressource herauspresst, um den Energie- und Fleischhunger Europas und Asiens zu befriedigen.

Für das Beseitigen dieser Ungerechtigkeiten ist nicht Entwicklungshilfe notwendig, sondern politischer Mut, Weitblick und Empathie, weil globaler Hunger und globales Elend schon längst bei uns angekommen sind.

Ich sage immer Menschen, die insbesondere gerne zur Weihnachtszeit spenden: Misstrauen Sie dem Entwicklungshelfer, der nur noch Brunnen bohrt. Fragen Sie ihn, wie er sicherstellt, dass dies der letzte Brunnen ist, der dort jemals mit ausländischer Hilfe gebohrt werden muss.

Auf 309 Seiten untersucht McMahon den ehemals großen NGO-Boom, der mehr und mehr zu verblassen scheint, auch wenn Hilfswerke in absehbarer Zeit nicht verschwinden werden.

Immer öfter werden internationale wie lokale NGOs kritisiert, die Öffentlichkeit verlangt nach mehr Transparenz, Rechenschaftslücken aufgedeckt, ihre scheinbare Immunität in Frage gestellt.

NGOs und der Mythos, dass Geld an solche Organisationen zu geben automatisch bedeute, Gutes zu tun, können in die Irre führen, schreibt McMahon. Mit schlimmen Folgen, wie auch ich meine.

Das NGO-Spiel“ ist wie gesagt ein Sachbuch und eine in der Tat wissenschaftliche Abarbeitung; doch spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Apropos:

Leider findet sich in der Sekundärliteratur dieses Buches kaum ein deutscher Autor wieder, der sich diesem Thema gewidmet hat. Schade, gehört doch gerade Deutschland mit zu den größten Geberländern mit den großzügigsten Spendern. 

Sönke C. Weiss

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