Reden ist silber, Schreiben ist gold

02.08.2021 „Landschaft“ von Gerhard Richter

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Sicher einer der beeindruckendsten Kunstbände der zurückliegenden Jahre ist „Landschaft“ von Gerhard Richter, den der Verlag Hatje Cantz (www.hatjecantz.de) anlässlich der gleichnamigen Ausstellungen im Kunstforum Wien und Kunsthaus Zürich veröffentlicht hat.

Der Band versammelt ein breites Spektrum der zwischen 1963 und 2018 entstandenen Landschaftsbilder Gerhard Richters. Es sind Meeresküsten, Berge und Täler, Wiesen, Wälder, Eisberge, Wolken und Städte.

Alles ist bei Gerhard Richter bekanntlich möglich; er passt halt in keine Schublade, und auch wenn er für viele gerade deshalb als Mensch ein Rätsel geblieben ist, weil er sich eben nicht öffentlich machen will, Gott sei Dank, erlauben die „Landschaft“en eine Nähe, wie es sie selten bei dem Künstler gibt.

Man muß sie einfach bewundern und auf sich wirken lassen. Wer natürlich eine Erklärung braucht, dem wird in dem Band auch geholfen.

Viele kluge Wörter vieler kluger Menschen, aber eigentlich nicht notwendig, „Landschaft“ (200 Fotos, 44 Euro) käme auch und gerade ohne Feuilletonisten aus. Ansonsten einfach brilliant. 

Sönke C. Weiss

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01.08.2021 Es war einmal in Hollywood

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Rick Dalton ist ein abgehalfterter Seriendarsteller, Cliff Booth sein berüchtigter Stuntman, die Schauspielerin Sharon Tate lebt mit Ehemann Roman Polanski in den Hügeln Hollywoods und Charles Manson mit seinen zugedröhnten Hippies plant etwas ganz Schreckliches.

Soweit das La La Land im Jahre 1969, in das uns der zweifache Oscarpreisträger Quentin Tarantino in seinem ersten Roman führt.

Und ja, „Es war einmal in Hollywood“ gab’s von ihm 2019 schon als Film, Leonardo DiCaprio und Britt Pitt spielten die Hauptrollen, aber das Buch ist anders, eine aufregende Abkehr von der Filmfassung, frisch, kurzweilig und von Seite 1 bis 411 einfach grandios.

Okay, ich war ein wenig enttäuscht, wie Tarantino sein ultragewalttätiges Ende verändert hat, nichtsdestotrotz, wahre Fans des Jahrhundertregisseurs wissen eh, wie die Story weitergeht.

So steht „Es war einmal in Hollywood“, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch (www.kiwi-verlag.de) für 25 Euro, auf ganz soliden Füßen und zeigt, dass Tarantino in erster Linie ein wirklich guter Autor ist, besonders wenn es um Dialoge geht.

Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen und war absolut begeistert. Insbesondere auch von der wirklich gelungenen Übersetzung von Stephan Kleiner und Thomas Melle.

P.S.: Tarantino hat ja angekündigt, dass sein nächster Film auch sein letzter sein wird. Vielleicht überrascht er uns dann ja mit weiteren Romanen. Das wäre sehr cool. 

Sönke C. Weiss

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12.07.2021 Jenseits von Afrika

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Zwei wahre Klassiker der Weltliteratur hat der Penguin Verlag (www.penguin-verlag.de) jetzt neu verlegt. „Ich hatte eine Farm am Fuß der Ngong-Berge.“ So beginnen Tania Blixens Memoiren mit dem Titel, den wohl jeder kennt: „Jenseits von Afrika.“

Auf 688 Seiten führt sie uns zurück ins Jahr 1914 nach Kenia, wo sie nahe Nairobi beginnt, eine Kaffeeplantage zu betreiben und, nachdem ihre Ehe mit Baron Blixen gescheitert war, ein Affäre mit dem Abenteurer Dennis Finch Hatton zu haben.

Dies alles wurde ja 1985 in atemberaubenden Bildern mit Meryl Streep als Tanja Blixen und Robert Redford als Dennis Finch Hatton verfilmt, obwohl es in ihrem Buch nur am Rande um Liebe geht, sondern vielmehr um ihre Begegnung mit den Einheimischen und was dies für sie als Mensch bedeutet.

Erst im April war ich in Nairobi, um dort meine Foto-Retrospektive für Ende des Jahre vorzubereiten und habe ihre Farm besucht.

Noch heute sprechen die Menschen dort von Karen, ihrem wirklichen Namen, als ob sie eine Heilige sei. Was sicher daran lag, weil sie - anders als die englischen Kolonialisten - sich wirklich um die Menschen sorgte, Schulen und Krankenstationen errichtete und dafür sorgte, dass ihr Land bei ihrer Abreise zurück nach Dänemark an die eigentlichen Eigentümer ging.

Die Baronin war eben keine Besitzerin, sondern nur ein durchreisender Gast. „Jenseits von Afrika“: 12 Euro für ein grandioses Leseerlebnis.

Ebenso faszinierend ist Stefan Zweigs „Schachnovelle“, zumal seit der Netflix-Serie „Das Damengambit“ Schach wieder en vogue ist:

Auf einem Passagierdampfer treffen der Rechtsanwalt Dr. B. und der Schachweltmeister Mirko Czentovic aufeinander, in einem fasziniert beschriebenen Schachduel erleben wir, wie nicht nur zwei Spielideen aufeinander treffen, sondern auch zwei Lebenswelten.

112 Seiten Spannung für nur acht Euro. Beide Bücher empfehle ich voller Enthusiasmus. 

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01.07.2021 Atemberaubende Bildbände

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Mit zwei wirklich atemberaubenden Bildbänden hat mich der teNeues Verlag (www.teneues.com) diesen Sommer bereits begeistert. „Mutter Erde - Die Schönheit unserer Erde“ heißt das neue Buch des niederländischen Fotografen Marcel van Oosten.

Die 320 Seiten mit 240 Farb- wie Schwarzweißfotografien sind in der Tat eine Ode an Mutter Natur, in dem all ihre Schönheit, Vielfalt und Verletzlichkeit auf allen Kontinenten offenbart wird.

Van Oosten geht es aber nicht nur um Schönheit, sondern vor allem auch um Dringlichkeit und Relevanz. „Mutter Erde - Die Schönheit unserer Erde“ kostet 60 Euro und richtet sich an Liebhaber der Naturfotografie und an alle, die die Vergänglichkeit unseres Planeten entdecken möchten.

Ebenso relevant und beeindruckend ist Joachim Schmeissers jüngstes Werk „Die letzten ihrer Art.“ Es sind faszinierend intime Bilder fast, die den ganz großen Tieren - Löwen, Elefanten, Nashörnern, etc. - so nahe kommen, dass man beim Betrachten fast meint, diese grandiosen Geschöpfe atmen zu hören.

„Die letzten ihrer Art“, 224 Seiten mit 160 Schwarzweißaufnahmen für 50 Euro, ist ein Projekt, das dem preisgekrönten Fotografen persönlich am Herzen lag

So hat er die meist vom Aussterben bedrohten Wildtiere Afrikas im Amboseli-Nationalpark in Kenia aufgenommen, wo Massai dafür sorgen, dass keiner sie gefährdet, weder Wilderer noch schießwütige Jagdtouristen.

International bekannt wurde Schmeisser übrigens durch seinen ebenso famosen Bildband „Elephants in Heaven.“ Meisterhaft sind alle hier erwähnten Bücher. 

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30.06.2021 Roland Topor war ein Universalgenie

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Eine für mich wunderbare Neuentdeckung habe ich vor einigen Wochen in der Galerie meines Freundes Klaus Kiefer in Essen (www.galerie-kk.de) gemacht. Und zwar die des Künstlers Roland Topor, den er bis heute repräsentiert.

Das Universalgenie, leider völlig unterschätzt und (fast) in Vergessenheit geraten, war Maler, Dichter, Zeichner, Bühnenbildner, Dramatiker, Regisseur, Schauspieler, Liedermacher, Filmemacher und vor allem eines: ein echter Typ.

Geboren 1938 in Paris als Kind polnisch-jüdischer Eltern, überlebte er die deutsche Besatzung versteckt auf dem Land. Nach dem Krieg schrieb er sich an die Kunstakademie Ècole des Beaux-Arts ein und begann schon bald erste Zeichnungen zu verkaufen und die Karriere nahm schnell ihren Lauf.

So trat er als Schauspieler auf in Werner Herzogs „Nosferatu“ und Volker Schlöndorffs „Eine Liebe von Swann“, entwarf das Filmplakat zur „Blechtrommel“; seinen Roman „Der Mieter“ hat Roman Polanski verfilmt. Zwei seiner Bücher möchte ich hier unbedingt empfehlen.

Zum einen „Memoiren eines alten Arschlochs.“ In dieser fiktiven Autobiografie begegnet er fast jeder Berühmtheit seiner Zeit und macht sich so über das inflationäre „name dropping“ lustig.

Die 197 Seiten sind an Humor kaum zu überbieten. Preis: 12 Euro. Zum anderen seine Erzählungen in dem Band „Tragikomödien.“ Hier versammeln sich viele seiner Geschichten, die meisten zum ersten Mal auf Deutsch übersetzt, die wenigsten mit einem Happy-Ending.

Es geht um den alltäglichen Wahn, um Nachbarn und Liebhaber, kleine wie große Tode, um Provokationen und Blasphemie, kurzum: Leben. Ein einzigartiges Werk. Gellender Witz, schwarzer Humor, abstruse Ideen, schlimmstmögliche Wendungen:

Wer Topor liest, kann sich auf ein Wechselbad der Gefühle gefasst machen – und auf eine kalte Dusche auf das Haupt des Spießers, der in jedem von uns steckt auf 352 Seiten für 21,90 Euro. Beide Bücher sind bei Diogenes (www.diogenes.ch) erschienen.

Roland Topor starb 1997 in Paris und liegt auf dem Friedhof Montparnasse. Besucher sicher willkommen.

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29.06.2021 Sprachen der Wahrheit

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Zweifelsohne ist Salman Rushdie einer der wichtigsten Autoren unserer Zeit. Er ist nicht nur ein grandioser Erzähler, 14 Romane gehören mittlerweile zu seinem Repertoire, sondern auch ein amüsanter Philosoph.

In seinem neuen Buch „Sprachen der Wahrheit - Texte 2003 - 2020“ wird deutlich, was ihn und sein Werk inspiriert und gewähren uns einen Einblick in die Welt seiner Ideen.

Die Texte, zum Teil unveröffentlichte Essays, Reden und Glossen aus zwei Jahrzehnten, sind die Texte eines Weltbürgers, die ein grenzenloses Plädoyer für Freiheit und eigenständiges Denken sind und zeigen darüber hinaus, wie ernst Salman Rushdie seinen Status als Weltautor nimmt.

Auch vor dem Hintergrund, dass der Star der internationalen Literaturszene ein Verfolgter ist. (1988 wurde sein Welterfolg „Die satanischen Verse“ veröffentlicht.

Die in den Albträumen eines Protagonisten widergespiegelte Lebensdarstellung des Propheten Mohammed war der Anlass für den iranischen Staatschef Khomeini, Rushdie mittels einer Fatwa zum Tode zu verurteilen.

Noch heute beträgt das Kopfgeld für Rushdie umgerechnet etwa vier Millionen Dollar.) Nichtsdestotrotz, „Sprachen der Wahrheit“ ist ein beherztes Plädoyer für das vielstimmige Miteinander  der Kulturen und für mich das bislang beste Buch 2021. C. Bertelsmann (www.cbertelsmann.de), 26 Euro, 480 Seiten.

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29.06.2021 Der Baader Meinhof Komplex

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Kürzlich habe ich an dieser Stelle über Stefan Austs Autobiografie „Zeitreise“, ein überaus gelungenes Buch, berichtet, was mich bewegt hat, seinen Bestseller „Der Baader Meinhof Komplex“ erneut zu lesen. Mein Urteil:

Das Standardwerk der RAF-Geschichte auf mitreissenden 992 Seiten, ihrer Ursprünge, ihrer Struktur und ihrer Figuren, ist unumstritten ein Teil deutscher Zeitgeschichte und sollte endlich zur Pflichtlektüre an allen Schulen gemacht werden.

Denn was die Geschichte nach wie vor so faszinierend macht, ist, dass in dieser Gruppe, der Roten Armee Fraktion (RAF) eben, die politischen und gesellschaftlichen Strömungen der Zeit zusammenliefen:

Die revolutionären Bewegungen der sogenannten Dritten Welt, der Protest gegen den Vietnamkrieg, gegen Imperialismus und Kolonialismus, die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, die Rolle des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern, die allgemeine Kritik am Kapitalismus, die Frage der Gewalt, die Auseinandersetzungen oder Kooperation mit dem real existierenden Sozialismus, die Rolle der Geheimdienste und des zum Teil von ihnen genutzten oder unterstützten Terrors im kalten Krieg zwischen den Machtblöcken.

Der Spuk der RAF begann am 14. Mai 1970 mit der Befreiung Andreas Baader aus der Haft und endete offiziell am 20. April 1998 mit einem RAF-Schreiber, in dem folgendes in Kleinbuchstaben stand:

„die stadtguerilla in form der raf ist nun geschichte. das ende dieses projektes zeigt, dass wir auf diesem weg nicht durchkommen können.“

Kein Bedauern. Keine Selbstkritik. Kein Schuldgefühl. Schlicht die lakonische Feststellung, dass der bewaffnete Kampf falsch gewesen sei, weil er keine Aussicht auf Erfolg hatte.

„Der Baader Meinhof Komplex“, 2020 bei Piper (www.piper.de) vollständig überarbeitet neu aufgelegt, ist keine Anklageschrift, kein Urteil, kein moralisierendes Werk, sondern ein Protokoll, eine Chronik unserer Republik, die durch die RAF nachhaltig geprägt wurde. Preis: 18 Euro. 

Sönke C. Weiss

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09.06.2021 ein spannendes Journalistenleben

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Stefan Aust. Das ist sicherlich ein Name, der in Deutschland nach wie vor für Qualitätsjournalismus steht. Was in der Tat ein Privileg ist, in der heutigen Zeit, wo es oftmals schwer fällt, Infotainment nicht mit seriöser Berichterstattung zu verwechseln.

In seiner Autobiografie „Zeitreise“ gibt Aust nun Einblicke in sein Weltbild und seine Art und Weise, insbesondere Politik „vom Straßenrand der Geschichte aus“ zu beobachten.

Und das auf über 650 gewaltig kurzweiligen Seiten, von der ersten bis zu letzten. (Alles andere hätte mich auch enttäuscht.)

Dieser Rückblick auf ein Leben am Puls der Zeit, Aust wird am 1. Juli 75 Jahre alt, beginnt selbstverständlich in seinem Elternhaus, führt über seine Schülerzeitung in die Redaktion der Zeitschrift „konkret“, wo auch die spätere RAF-Terroristin einst Journalistin war, über das TV-Magazin Panorama bis hin zu „Spiegel TV“ und dem gleichnamigen Blatt und zu Aust als Herausgeber der „Welt“, um nur einige Stationen zu nennen.

Viel interessanter aber als die Vita des Autoren finde ich, wie sehr er globale wie nationale Zeitläufe mit seinen eigenen komplimentiert und dem Leser seine Interpretation unserer gemeinsamen Geschichte journalistisch verpackt rüberbringt, ohne dabei altklug oder gar weise zu wirken, was sehr erfrischend bei all den selbsternannten Welterklärern ist.

So endet sein Buch auch mit den Worten: „Langweilig wird es nie auf dieser Zeitreise, die das Leben ist, bei den Beobachtungen am Rande der Geschichte.“ Stefan Aust hat ein wirklich außerordentlich spannendes Journalistenleben geführt.

Seine „Zeitreise“, jetzt bei Piper (www.piper.de) für 26 Euro erschienen, trägt diesem Leben vollends Rechnung. Besser als jeder Kurs in deutscher Geschichte. 

Sönke C. Weiss

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07.06.2021 Falschbehauptungen von Annalena Baerbock

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Eines vorweg, an dieser Frau ist alles falsch, bis auf die Knochen. Annalena Baerbock hatte in ihrem Lebenslauf ihren Masterabschluss an der London School of Economics (LSE) als Abschluss in „Völkerrecht“ angegeben. Das war schon die erste Lüge.

Nachdem das aufflog, änderte sie ihren Eintrag auf das englische „Public International Law“, was soviel heiß wie öffentliches, internationales Gesetz. Und das hat mit Völkerrecht weniger zu tun.

Falschbehauptungen in ihrem angeblichen Lebenslauf 

Auch hatte Baerbock in ihrem offiziellen Lebenslauf auf gruene.de behauptet sie sei von 2005 bis 2008 „Büroleiterin der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter“ gewesen. Auch das war eine Falschbehautung. Auf einer archivierten Webseite von Schroedter wird Baerbock allerdings lediglich als „technisch und inhaltlich für die Homepage“ zuständig dargestellt, wie " WELT AM SONNTAG" recherchierte.

Mit Büroleitung hatte das nichts zu tun. In Baerbocks Lebenslauf auf gruene.de wurde als Tätigkeitsort zwischen 2005 und 2008 Brüssel angegeben, was auch so nicht der Wahrheit entsprach.

Schmücken mit fremden Federn

Der „FAZ“-Journalist Philip Plickert hat sich ihren Lebenslauf noch genauer angesehen. Die Lügenbaronin Annalena Baerbock hatte behauptet, sie sei Mitglied des German Marshall Fund und des UNHCR. Plickert hatte Baerbock vorgeworfen, vier von zehn ursprünglich angegebenen Mitgliedschaften seien falsch. Neben dem GMF und dem UNHCR sei unter anderem der Europa/Transatlantik-Beirat der Böll-Stiftung im Lebenslauf aufgeführt gewesen.

Der Fake-News-Lebenslauf

Der German Marshall Fund, bei dem Frau Baerbock eine Mitgliedschaft zu haben behauptete, ist unter den transatlantischen Stiftungen eine erste und prestigeträchtige Adresse mit vielfältigen Initiativen, Büros und Aktivitäten.

Fälschungen des Lebenslaufes und Hochstapelei 

Der Autor von "Welt-Online Don Alphonso schrieb dazu: Das Problem ist nur: Die Seite des GMF ist an sich, wie es bei Stiftungen sein sollte, durchaus übersichtlich und informativ. Es gibt eine Abteilung mit der Bezeichnung Staff, bei der alle dort Tätigen aufgeführt sind.

Der Name Annalena Baerbock kommt dort überhaupt nicht vor. Auch die Suche nach anderen Gremien wie etwa Beiräten, Round Tables, internationalen Gremien, Stiftungsräten etc., worüber Spitzeninstitutionen normalerweise verfügen, liefert kein Ergebnis und kein Detail, wonach Frau Baerbock in irgendeiner Form Mitglied der amerikanischen Stiftung wäre.

Das hat dann auch der GMF auf Anfragen der Journalisten, namentlich Philip Plickert, dem Wirtschaftskorrespondenten der FAZ in London, bestätigt.

Don Alonsos (welt.de) Fazit:  Wie schon beim angeblich studierten Völkerrecht, beim Bachelor, der dann letztlich nur ein Vordiplom war oder bei der angeblich ruhenden Promotion, die längst abgebrochen war, zerrinnt die angebliche Mitgliedschaft beim prestigeträchtigen GMF bei der Überprüfung wie Sand in den Händen. Auch ja, beim UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR war sie auch nie ein Mitglied.

Und wer ist nun Schuld an den Aufdeckungen? Ja wer wohl. Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir beobachtet Negativkampagnen gegen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock - Özdemir sieht russische und türkische „Schmutzkampagnen“ gegen Baerbock. Da sagen wir mal so, schnell mal die Schuld auf andere schieben, ist auch eine "Vernebelungstaktik".

Don Alonso legt noch einmal nach: Alles, was Frau Baerbock wurde, auch Parteichefin, hat sie mit einer Vita erreicht, die offensichtlich aus Übertreibungen und Hochstapelei bestand. Sie hat sich mit dieser Vita Posten und Kandidaturen gesichert und dafür gesorgt, dass andere sie nicht bekamen. Aber: Niemand mag Streber, die sich selbst mit Titeln versorgen. Das ist der Punkt. Mit der angeblichen dreijährigen Mitarbeit bei einer Zeitung ist es übrigens auch nicht weit her.

Unser Annalenchen will allen ernstes Bundeskanzlerin von Deutschland werden? Dann gute Nacht Deutschland.

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30.05.2021 Whatever you say, say nothing

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10. Juni 1999. Der Krieg ums Kosovo war offiziell vorbei, und ich durfte wieder ins Land reisen, nachdem mich die Serben rausgeworfen hatten, wie viele andere Reporter auch. Im Grand Hotel Pristina, das seinen Namen gewiß nicht verdient hatte, traf ich zum ersten Mal auf den Magnum-Fotografen Gilles Peress.

Wir freundeten uns an und dokumentierten gemeinsam, was der letzte der Balkankriege insbesondere bei der Zivilbevölkerung, Albaner wie Serben, angerichtet hatte.

Danach trennten sich unsere Wege, wie das so ist bei Kriegsreportern. Bis zum nächsten Konflikt, also. Und mit denen kennt sich der Franzose Gelles Peress, heute 74 Jahre alt, aus: Bosnien, Ruanda, er hat tödliche Gewalt immer hautnah erlebt, alte Schule eben, Robert Capa sei Dank.

Was erstaunlich ist, da der Mann eine so sanfte Ausstrahlung hat, fast seelig. In seinem jüngsten Werk „Whatever you say, say nothing“, seit James Nachtways „Inferno“ das wohl größte Magnum opus der Kriegsberichterstattung, widmet sich der Fotograf dem Nordirland-Konflikt (1969 - 1998), den er von Beginn an mit der Kamera begleitet hat.

Zwei Bände enthalten nichts als Fotos, mehr als 1.000; der dritte Band mit dem Titel „Annals of the North“ ist ein Nachschlagewerk, das Peress mit dem US-Historiker Chris Klatell verfaßt hat, 900 Seiten stark, weitere 200 Peress-Fotos.

Was für eine Geschichte aber erzählt uns Peress: es geht um eine Zeit und einen Ort und um eine Gruppe von Menschen, Freunde, Familien, Opfer, Soldaten, Liebhaber, Denker und Spione.

Das Werk, bis auf den dritten Band, spricht zu uns in einer rein visuellen Sprache, in einer erfundenen Grammatik, die nicht die akademische Geschichte des Konflikts in Nordirland transportiert.

Peress erhebt keinen Anspruch auf Bestimmtheit. Das Wort definitiv wäre an einem Ort unmöglich, an dem jede Geschichte mehrere Seiten hat, und dies würde Peress’ Ziel widersprechen, Fragen anzuregen, nicht passive Akzeptanz zu forcieren.

Peress beansprucht kein Eigentum an den Kämpfen, Geschichten und Ursachen, die sich durch diese Bände ziehen. „Whatever you say, say nothing“ ähnelt Homers Odyssee, es ist ein Epos unvergleichbaren Maßstabs, einzigartig, ehrlich und in seiner Gänze dem Frieden verpflichtet.

Der Steidl-Verlag (www.steidl.de) war mutig genug, dieses atemberaubende Zeitzeugnis zu verlegen. Der Preis von 350 Euro schreckt vielleicht zunächst ab, sollte es aber nicht, die Bände sind zeitlos und von einem unschätzbaren Wert an sich.

(„Annals of the North“ ist für 75 Euro auch einzeln erhältlich.) „Whatever you say, say nothing“ nimmt den Betrachter wie kaum ein anderer mir bekannter Fotoband mit auf eine unvergessliche Reise. Schon beim ersten Bild habe ich gefühlt: Ich bin in Belfast angekommen, und die Nacht bricht herein...

Sönke C. Weiss

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