15.09.2011 07:36 sie gibt jetzt selbst die richtung an

Portrait des Monats: Joss Stone - sie ist von Soul Musik besessen - Sie übernimmt den Platz am Steuer und gibt die Richtung an

joss stone, Fotos by Dave Stewart

Von: GFDK - Jörg Timp

Vor ungefähr einem Jahr war Joss Stone, die Grammy-ausgezeichnete Sängerin, zu Hause in ihrem Heimatort Devon in England, als ein Bekannter vorbeikam und ihr von seinem Vorhaben erzählte, nach Spanien zu fahren, um an seinem Boot zu arbeiten.

"Ich hatte die Woche über noch nichts vor, also beschloss ich, mit ihm zu fahren", sagt Joss. "Ich holte meinen Van, den ich Janis nenne, und wir fuhren nach Spanien. Bevor ich mich versah, sind aus einer Woche vier Monate geworden, in denen wir überall gewesen sind! Der Van ist inzwischen kaputt gegangen, und wir sind wieder zuhause."

Joss' natürliche Fähigkeit, auf ihren Instinkt zu hören und danach zu handeln, hat sie an den Punkt ihrer Karriere gebracht, an dem sie jetzt steht. Mit 24, in einem Alter, in dem die meisten Künstler erst damit beginnen, sich selbst zu beweisen, ist Joss bereits seit bald zehn Jahren ein Star.

Und jetzt, nachdem sie ihr eigenes Label "Stone'd Records" gegründet hat und am 22. Juli 2011 ihr nunmehr fünftes Album "LP1" in Zusammenarbeit mit Surfdog Records (NEO/Sony Music) veröffentlicht, übernimmt sie selbst den Platz am Steuer und gibt die Richtung an.

"Kennt ihr Leute, die sagen ‚Ich würde gern ein Baby bekommen‘, oder ‚Ich würde gern ein Jahr lang herumreisen‘ oder ‚Ich möchte ein Haus bauen‘, aber dann meinen, jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt?", fragt Joss. "Ich sage euch: Macht es einfach. Steigt in den Wagen und fahrt los. Alles andere wird sich darum herum ergeben."

Joss Stone ist von Soul Musik besessen, seit sie ein kleines Mädchen ist. Im frühen Teenager-Alter beginnt sie bereits intuitiv damit, ihre zugleich ernste und strahlende Stimme zu verfeinern, indem sie "Aretha Franklin's Greatest Hits" mitsingt.

Mit dreizehn macht sie den ersten Versuch, eine Sängerkarriere anzustreben und bewirbt sich für die britische Talentshow "Star For a Night". Dies führt tatsächlich zu ihrem ersten Plattendeal und dem Release ihres Albums "The Soul- Sessions", das ihr 2003 den Durchbruch bringt.

Der Nachfolger "Mind, Body and Soul" bringt die Schwungkraft der Musik weiter nach vorne und begeistert die Kritiker, was Joss 2004 gleich drei Nominierungen für den Grammy einbringt, darunter für den als "Best New Artist".

Aber es ist ihr drittes Album, das 2007er "Introducing Joss Stone", das Menschen weltweit begeistert und, unabhängiger als die Vorgänger, weniger vollgepackt zu überzeugen weiß. Ihre ersten drei Alben verkaufen sich zusammen über 11 Millionen Mal.

Ihr Mentor ist Soullegende Betty Wright, sie steht auf der Bühne mit James Brown, Gladys Knight, Solomon Burke, Blondie, Melissa Etheridge und vielen anderen. Sie spielt vor dem Super-Bowl, tritt bei den Grammy's und im Kennedy Center auf, singt zusammen mit Smokey Robinson und für Alben von Jeff Beck und Ringo Starr.

In vierundzwanzig Jahren hat sie mehr Momente absoluter musikalischer Höhepunkte erlebt, als die meisten es sich für ein ganzes Leben erhoffen können. Und dabei tritt sie stets mit einem Gefühl von Unabhängigkeit und Lebensfreude auf. 

Stone ist schon immer eine Rebellin gewesen, ob sie nun barfuß auf der Bühne steht, ihr Haar bunt färbt oder ganz frei über die Dinge spricht, die sie beschäftigen. Was ihre Fans an ihr lieben, ist nicht nur ihre Musik, sondern auch, dass sie eine Individualistin ist, die immer ihren Instinkten folgt.

Dieser starke innere Kompass bringt sie letztlich auch dazu, sich von ihrer Plattenfirma EMI zu trennen und ihrem eigenen Weg zu folgen. "Es gibt auf der Welt niemanden, der mir erzählt, wie ich Musik machen soll, wie ich selbst sein soll", erklärt Joss.

„Anfangs hilft es, begleitet zu werden, aber man gelangt irgendwann an einen Punkt, an dem man sich denkt, jetzt stoße ich es selber an, und genau da bin ich jetzt."

Joss‘ Drang nach Freiheit beginnt mit ihrem letzten Album „Colour Me Free“, das sie 2009 ganz spontan innerhalb von einer Woche im Club ihrer Mutter aufnimmt. Lachend erzählt sie: “Wir hatten dort überhaupt nichts. Wir mussten Wände einreißen, um das Equipment hereinzubringen, nahmen in unterschiedlichen Räumen auf. Wir konnten uns gegenseitig nicht hören, aber wir hatten sehr viel Spaß!“

Auch dieses Mal ging Joss mit einer ähnlichen „komme-was-wolle“-Einstellung an die Aufnahmen, allerdings mit etwas mehr Erfahrung und Raffinesse. „Wir haben das Album in der gleichen Zeit aufgenommen – nur eine Woche im Studio in Nashville. Aber dort hatten wir alles, was man sich nur vorstellen konnte. Techniker für das Equipment. Die richtigen Geräte. Einen Kühlschrank für’s Bier.“ 

Ihr neues Album „LP1“, das von Dave Stewart, seines Zeichens Gründer und Gitarrist der Eurythmics, produziert worden ist, unterscheidet sich von allem, was man zuvor von Joss gehört hat. Vom Piano geleiteter Country-Rock mischt sich mit ihrer unvergleichlichen gefühlvollen Stimme und dem reinen Sound von Traditional Blues und Country.

„Um ehrlich zu sein, wusste ich überhaupt nicht, wie es später klingen würde, weil ich nie zuvor in Nashville Musik gemacht habe. Ich war mit meinem Bekannten in Spanien und half ihm sein Boot auf Vordermann zu bringen, als Dave [Stewart] mich anrief und sagte ‚Joss! Ich habe hier gerade diese Band, die wirklich gut ist. Warum kommst du nicht einfach für sechs Tage nach Nashville und wir nehmen ein Album auf?‘ Also bin ich hingefahren.“

Diese Herangehensweise an die Musik – Joss‘ charakteristische unabhängige Haltung kombiniert mit dem Hintergrund hart erarbeiteter Erfahrung durch fast ein Jahrzehnt in der Musikindustrie – fasst ihre Vision für „Stone’d Records“ zusammen.

Das Label wird sowohl Joss' zukünftige Alben herausbringen, als auch anderen talentierten und einzigartigen Künstlern die Möglichkeit geben, sich kreativ völlig frei zu entfalten. Erst vor Kurzem hat sie ihre erste Band Yes Sir Boss unter Vertrag genommen, eine Ska-Band aus Bristol, die mit Spielfreude überzeugt.

„Es ist Party-Musik“, sagt Joss selbst, „Man möchte einfach tanzen und Spaß haben. Ich mache zurzeit alles aus Spaß an der Sache. Wenn es keinen Spaß macht, will ich nicht dabei sein.“

Joss ist absolut leidenschaftlich, wenn es um Musik geht, und sprudelt stets von Vorschlägen über, welche Band man unbedingt sofort anhören muss, wenn nicht eher. Jetzt hat sie endlich die Plattform, die es ihr erlaubt, ihren Enthusiasmus zu verbreiten.

„Der Teil, den ich genieße, ist es, Musik zu machen und zu singen und dabei zu sein. Natürlich ist es immer auch eine Geldfrage eine Band zu fördern, aber ich habe Spaß daran. Ich singe gern. Und ich helfe auch gern anderen dabei, ihre Musik zu machen.“

Diesen Herbst wird ebenfalls das Debütalbum von Super Heavy erscheinen, die Supergroup, bei der neben Joss Stone sowohl Mick Jagger als auch Dave Stewart, Damian Marley und der indische Filmkomponist A.R. Rahman mitspielen.

Die facettenreiche Band, die im Stillen zusammen Songs geschrieben hat, freut sich, ihren Fans weltweit diese einzigartige Kollaboration zu präsentieren. 

Wenn Joss an die Zukunft denkt, sieht sie nichts als Möglichkeiten. „Ich habe mich immer gefragt, ob ich auch diese Musik oder jene Musik machen könnte. Wie würde es sich anhören?

Jetzt, wo ich etwas aus der Groove/Soul Ecke herauskomme, denke ich, wow, das hört sich cool an. Was könnte ich sonst noch machen? Ich möchte keine Person sein, die sicher in einer stagnierenden Welt lebt. Ich möchte Dinge tun, die mir Angst machen.“

Diese Furchtlosigkeit ist Joss‘ Markenzeichen, die sie aber mit ihrer Erfahrung und ihrem Selbstvertrauen bekräftigen kann. „Nicht jeder wird alles mögen, was ich mache, aber darüber mache ich mir keine Gedanken mehr“, sagt die Sängerin mit einem Lachen. „Wenn es dir gefällt, cool! Wenn nicht, auch cool. So oder so, ich werde weitermachen.“

Rückblick:

Joss Stones kometen-hafter Aufstieg an die Spitze der modernen Soulmusik ist kein Zufall. In der Stimme der jungen Britin spiegelt sich die tiefe Emotionalität einer Aretha Franklin ebenso wieder wie die becircende Sexyness einer Donna Summer oder die dunkle Melancholie einer Bettye Lavette.

Zahlreiche Grammy-Nominierungen, mehr als sechs Millionen verkaufter Alben sowie monatelange Chart-Notierungen in allen wichtigen Musikmärkten der Welt sprechen eine deutliche Sprache.

Seit im Oktober ihr viertes Album Colour Me Free erschien, kennt die weltweite Joss Stone-Begeisterung wieder einmal kaum Grenzen. Diesen stetig wachsenden Erfolg untermauert der attraktive Twen mit einer großen Tournee, in deren Rahmen sie zwischen dem 22. Februar und dem 5. März auch Konzerte in München, Köln, Berlin und Hamburg spielen wird.

Joscelyn Eve Stoker, so der Geburtsname von Joss Stone, wuchs in Dover in der englischen Grafschaft Devon umgeben von den Soul-Platten ihrer Eltern auf. Bereits seit frühster Kindheit begeisterte sie sich für Musik.

Ihre erste selbstgekaufte CD war eine Greatest Hits-Scheibe von Aretha Franklin, dem Gerücht nach der Moment, in dem sie beschloss, Sängerin zu werden. Mit 13 Jahren trat sie bei einem Talentwettbewerb der BBC auf und begeisterte mit der einzigartigen Ausdruckskraft ihrer Stimme.

Ein einziges Vorsingen bei einer Plattenfirma genügte, um die Karriere des damals 15-Jährigen in Gang zu bringen. Der Chef des Labels schickte die junge Joss, die bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen Gesangsunterricht hatte, mit Soulmusikern ins Studio, um große Klassiker des Genres neu zu interpretierten.

Eigentlich war dieser Schritt lediglich dazu gedacht, Joss zu mehr Erfahrung und Selbstbewusstsein zu verhelfen. Als man in der Chefetage jedoch das Ergebnis hörte, war schnell klar, dass man ein Naturereignis aus Stimme, Anmut, Charisma und großer Attraktivität gefunden hatte.

Vom Fleck weg verkaufte sich das Debütalbum The Soul Sessions, das aus dieser ersten Studiosession stammte, weltweit über zwei Millionen Mal und schoss in 13 Ländern die Top 10 der Charts. Nur zehn Monate später folgte Mind, Body & Soul, ihr zweites Werk und zugleich das erste mit eigenen Songs.

An elf der 14 Songs hatte Joss Stone intensiv mitgeschrieben. In Deutschland verweilte das Album 36 Wochen in den Top 100, in England schoss es von Null auf Eins. Damit erhielt Joss Stone Einzug in das Guinness Buch der Rekorde als jüngste Sängerin, der dieser Erfolg je gelungen war.

Es folgten drei Grammy-Nominierungen, zahlreiche Preise und die erste große Welttournee. Nun war die junge Soul-Göttin überall gefragt. Sie erhielt Filmangebote, arbeitete als Model für die Bekleidungsfirma GAP und viele international gefragte Künstler wollten mit ihr kooperieren.

Doch Joss Stone konzentrierte sich weiterhin ganz auf die Musik. Wie sehr diese im Mittelpunkt steht, belegt auch ihr kürzlich erschienenes, viertes Album Colour Me Free.

Darauf präsentiert sich die mittlerweile 22-jährige Künstlerin in einer gereiften, lässig dahin rollenden Pop-Facette. Einmal mehr gehört die Welt Joss Stone. Und das aus gutem Grund: Denn derartige Naturtalente sind selten.

Jörg Timp

joerg@remove-this.starkult.de

Joss Stone: Color me free

http://www.freundederkuenste.de/empfehlung/musik/einzelansicht/article/joss_stone_color_me_free.html?type=0

Joss Stone "Ich bin so aufgeregt" - YES SIR BOSS – DEBÜT EP AUF JOSS STONE´S LABEL / SHOW IN ULM

http://www.freundederkuenste.de/empfehlung/musik/einzelansicht/article/joss_stone_ich_bin_so_aufgeregt_yes_sir_boss_debuet_ep_auf_joss_stones_label_show_in_ulm.html

Die Platinkünstlerin - „Super Duper Hits: The Best Of Joss Stone“ präsentiert neben anderen Titeln Stones Version von Nat King Coles “L-O-V-E”, bekannt aus der Werbung für den Chanel-Duft Coco Mademoiselle

http://www.freundederkuenste.de/empfehlung/musik/einzelansicht/article/die_platinkuenstlerin_super_duper_hits_the_best_of_joss_stone_praesentiert_neben_anderen_titeln_s.html

Joss Stone, Göttin der Soulmusik - Stimmwunder mit viertem Album auf Tour

http://www.freundederkuenste.de/index.php?id=165&type=0&tx_ttnews

[tt_news]=3419


Weiterführende Links:
http://www.jossstone.com/