14.08.2013 10:45 überzeugt mit ungemein rauchiger soul-stimme

Portrait des Monats - James Morrison, seine Kindheit war kein Zuckerschlecken, immer drohte ein Räumungsbefehl, immer waren sie von Schulden geplagt

Sein Glaube an das Gute ist übrigens etwas, an dem James Morrison immer wieder festhalten musste, schließlich war seine Kindheit kein Zuckerschlecken.

Sein Glaube an das Gute ist übrigens etwas, an dem James Morrison immer wieder festhalten musste, schließlich war seine Kindheit kein Zuckerschlecken. Fotos (c) Julian Broad - Universal Music

Von: GFDK

Wie kann jemand, der in seiner Karriere bereits 4,5 Millionen Alben verkauft und weltweit zahlreiche Nummer-Eins-Hits landete – darunter sein zum Klassiker avanciertes “You Give Me Something“ – von einem weiteren „Reifeprozess“ sprechen?

Wie soll es außerdem noch weiter aufwärts gehen, wenn man schon ganz oben ist? James Morrison kann diese Fragen beantworten. Leicht sogar. Denn der schmächtige, fast zerbrechlich wirkende Mann mit dieser ungemein rauchigen Soul-Stimme war bei seinem Durchbruch in 2006 erst ganze 21 Jahre alt.

Ein Jungspund, der bis dahin mehr Tiefen als Höhen erlebt hat: aufgewachsen in der britischen Provinzstadt Rugby. Das Mittlere von drei Kindern. Der Vater – ein Alkoholiker, der die Familie verließ, als James noch ein Kind war. Dann: Umzug folgt auf Umzug. Gelegenheitsjob auf Gelegenheitsjob.

Kaum 20 Jahre alt, ändert sich sein Leben innerhalb weniger Monate. Vielleicht sind es sogar nur Wochen, die aus dem Autowäscher (aktueller Job) in Derby (aktueller Wohnsitz) einen weltweit umjubelten Sänger machen. Kein Wunder, sein Debüt „Undiscovered“ besitzt einfach alle Zutaten, um aus der Masse der Neuerscheinungen herauszuragen.

Meterweit! Dafür sorgen soulige, groovige Songs, grandiose Melodien, lässige Instrumentierung und – vor allem – diese unglaubliche Stimme. Gleichermaßen rau und sanft erzählt sie von einem Menschen, der schon einiges erlebt und durchlebt hat – trotz seiner Jugend. „You Give Me Something“, sein erster Hit berührt nicht nur weltweit Millionen von Menschen.

Es gelingt James Morrison damit auch auf Anhieb, ein stimmliches Signet zu entwickeln. So wie er singt nur einer: James Morrison.

Was folgt, ist die berühmte „vom Tellerwäscher zum (Platten)Millionär“-Geschichte: Jede Menge Top-Hits („Wonderful World“, „You Make It Real“), ein zweites, ebenfalls äußerst erfolgreiches Album („Songs For You, Truths For Me“), ein Hit-Duett mit Nelly Furtado („Broken Strings“), gemeinsame Shows mit Stevie Wonder und Bruce Springsteen und – logische Konsequenz – jede Menge Awards (darunter auch der BRIT-Award).

James Morrison hätte jetzt einfach so weiter machen können. Schnell ein Album und ein paar Hits nachschieben und erneut auf Konzertreise gehen. Doch der nachdenkliche Brite hat sich für das Gegenteil entschieden: Er hat sich rar gemacht und dreijährige Album-Pause eingelegt.

Eine wichtige, aber auch keine leichte Zeit. Zum einen ist James Morrison Vater einer Tochter geworden – andererseits ist sein eigener Vater verstorben: zwei emotionale Pole, für die der Musiker ein Ventil gefunden hat – die Songs seines neuen Albums „The Awakening“.

„Die ersten zwei Alben waren eher Testballons“, sagt er, „jetzt bin ich reifer. Für mich ist es irgendwie sogar mein erstes richtiges Album.“ So viel zum Reifeprozess eines Weltstars …

Wer die Tracks des neuen, von Bernard Butler (Suede) produzierten Albums hört, kann ihm nur beipflichten. Titel wie die Single-Auskopplung „I Won’t Let You Go“, das soulige „Right By Your Side“, das unbekümmerte, extrem tanzbare „Slave To The Music“ oder die Soul-Ballade „Up“ (mit Jessie als Duett-Partnerin) zeigen den charismatischen Künstler auf dem Höhepunkt seines Könnens.

„Mein letztes Album war zu sehr `Pop´, zu `lauwarm´“, sagt er selbstkritisch, „es ging in die falsche Richtung. Wenn ich so weiter gemacht hätte, hätte ich mich selbst irgendwie verloren. Und das wollte ich nicht.“

Ganz anders deshalb die Herangehensweise zu „The Awakening“. Bei diesem musikalischen Erweckungserlebnis habe er keinen Moment an Hits und Erfolg gedacht. „Ich habe mir nicht den Druck gemacht, diese hohen, lauten Noten zu singen, sondern einfach nur Spaß bei den Aufnahmen gehabt.“

Dafür waren – neben Produzent Bernard Butler – auch seine Co-Songautoren verantwortlich. Hit-Lieferanten wie Steve Robson (Take That), Eg White (Duffy), Dan Wilson (Adele) und Toby Gad (Beyonce).

Alle Titel haben die Gemeinsamkeit wie für die Bühne geschaffen zu sein. Unter anderem deshalb dürfen sich Fans auf die fünf anstehenden Konzerte im März des nächsten Jahres freuen.

Am 30. September erschien sein drittes Album "The Awakeing"

Morrison war für "The Awakening" u.a. mit Jessie J im Studio, um den Song Up aufzunehmen - eines von zwei Stücken, die Mark Taylor produziert hat. Bei allen anderen Stücken saß Bernard Butler hinter den Reglern.

Morrison dazu:

„Die Arbeit mit Bernard Butler hat den Songs eine vollkommen neue Dimension verliehen. Ich glaube, dass es mir gelungen ist, auf dieser Platte zwei Dinge zu vereinen: meine Liebe zu klassischem Soul – sprich: Marvin Gaye, Stevie Wonder, Otis Redding –, kombiniert mit einem Sound, der einfach nur absolut zeitgenössisch ist.

Während der Arbeit an diesem Album gab es einschneidende Veränderungen in meinem Privatleben, und ich glaube, man erkennt sofort an der Musik, dass das hier nicht nur die Platte ist, die ich machen wollte, sondern genau diejenige Platte, die ich genau jetzt machen musste.“

Wie bereits der Titel seines dritten und mit Abstand besten Albums andeutet, präsentiert sich James Morrison auf "The Awakening" als ein sehr viel reiferer Musiker, als Künstler, der aufgerüttelt wurde, in Aufbruchstimmung ist.

In seinem Privatleben ist sehr viel passiert seit der Veröffentlichung des letzten Longplayers; Morrison ist selbst Vater geworden und hat zugleich seinen eigenen Vater verloren, nachdem dieser jahrelang gegen seine Alkoholsucht und eine Depression angekämpft hatte.

Darüber hinaus ist der 26-Jährige auch als Sänger gewachsen, als Songschreiber und Musiker, und so gelingt es ihm auf dem dritten Album, all die Geschehnisse und Emotionen der letzten Zeit zu nehmen und sie in seine bisher eindrucksvollsten Songs zu verwandeln.

"Meine ersten beiden Alben fühlen sich heute eher wie Übungsrunden an, wie ein paar Schüsse zum Warmwerden", meint er, "und jetzt habe ich die Prüfung endlich bestanden. In gewisser Hinsicht fühlt es sich so an, als wäre diese LP mein erstes richtiges Album." …

Als es an der Zeit war, das zweite Album aufzunehmen, habe er "zu sehr darauf geachtet zu beweisen, warum ich überhaupt ganz oben gelandet war und warum mein Sound bei den Leuten ankam. Ich wollte es ihnen einfach noch mal beweisen."

Das sollte ihm in der Tat gelingen: Allein die erste Single "Broken Strings" ist mit 1,5 Millionen verkauften Einheiten noch immer seine erfolgreichste Auskopplung überhaupt, nur konnte er diesen Erfolg nicht so sehr genießen, wie das noch beim Erstling der Fall gewesen war. Rückblickend bezeichnet er seinen zweiten Longplayer nämlich als zu poppig, zu "lauwarm", ja sogar als Schritt in die falsche Richtung.

"Ich sagte mir daraufhin folgendes: Wenn ich es im dritten Anlauf nicht berichtigen und alles so machen kann, wie ich es will, dann bin ich raus und schmeiße das alles hin. Ich verliere sonst die Kontrolle, und das kommt für mich nicht in Frage."

Zum Glück ist "The Awakening" genau das Album, das James Morrison schon längst hätte aufnehmen sollen und können; es ist die perfekte Plattform für seine einzigartige Stimme. "Dieses Mal habe ich überhaupt nicht daran gedacht, ob sich etwas verkauft oder nicht, und dadurch habe ich die Arbeit wieder richtig genießen können.

Ich hab auch gar nicht andauernd versucht, ganz laute und schwierige Passagen zu singen; stattdessen habe ich mich einfach innerlich zurückgelehnt und so gesungen, wie es mir in den Sinn kam, und dadurch kamen die Songs regelrecht aus mir herausgesprudelt."

Das Resultat dieser lockeren Herangehensweise, "The Awakening", ist ein Album, dessen Folk- und Soul-Songs, zeitlos und zeitgenössisch zugleich, extrem warm klingen, weil alles live eingespielt wurde. Rein musikalisch betrachtet gibt es durchaus Parallelen zu seinem Debütalbum, nur klingt Morrison heute sehr viel selbstbewusster und mutiger.

Die Streicher setzen an und heben ab, die Melodien und Harmonien sind übergroß, episch, aufbauend, dazu gibt es Balladen mit sehr viel Soul und, im Fall von "Slave To The Music", sogar einen Abstecher auf die Tanzfläche inklusive Hand-Claps – ein ganz neues Element in seinem Sound.

Morrison knüpft gelegentlich an die Motown-Ära an, bezieht Gospel und Country ein, ja sogar ein Hauch Latin schimmert gelegentlich durch. Allein technisch muss man ihn immer noch als einen der größten weißen Soulsänger unserer Zeit bezeichnen, dessen Gesang Stevie Wonder genauso viel schuldet wie Paul Young.

Dabei ist Morrison sehr viel mehr als nur ein großes Stimmtalent, denn man hört, dass sein Gesang aus dem Bauch heraus kommt, dass seine Gefühle echt sind: "Ich verstehe unter dem Begriff Popmusik einfach nur großartige Songs, die auch nach Jahren noch gut klingen und bei den Leuten ankommen", meint er.

"Doch natürlich gibt es auch die Kehrseite dieser Medaille, die Sache, dass man in dieser Popwelt manchmal auch nur einen Hit hat und dieser Song danach sofort in Vergessenheit gerät. Die Art von Song wollte ich nie machen."

Das neue Album, an dem James Morrison drei Jahre gearbeitet hat, ist sein Debüt für Island Records; die Vorgänger waren bei Polydor erschienen. Das Team jedoch ist noch immer dasselbe wie zuvor: zu den Co-Autoren der Songs zählen unter anderem Steve Robson, verantwortlich z.B. für "Shine" von Take That, Eg White (Duffy), Dan Wilson (Adele) sowie Toby Gad, bekannt für "If I Were A Boy" von Beyoncé.

Zehn der 12 neuen Tracks wurden von Bernard Butler produziert, jenem Mann also, der früher bei Suede Gitarre gespielt hat. Seither hat sich Butler, der auf "The Awakening" auch für die Gitarrenspuren verantwortlich war und den Morrison als den "Regisseur der neuen Platte" bezeichnet, mit Aufnahmen für The Libertines, Tricky oder Duffy einen Namen als Produzent gemacht.

"Ich war vor unserem ersten Treffen ganz schön nervös, schließlich kommt er aus einer ganz anderen musikalischen Ecke als ich", berichtet der Sänger über die Arbeit mit Butler. "Ich war dadurch irgendwie angespannt und wollte unbedingt etwas machen, was ihm gefällt.

So kam es also, dass ich am Mikrofon voll abgegangen bin, und er immer wieder sagen musste: ‘Entspann dich – du gibst zu viel Gas. Sing die Stelle doch noch mal etwas sanfter ein.’ Am zweiten Tag fiel der Groschen dann und ich wusste mit einem Mal, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Ab da war ich nur noch begeistert von der Arbeit mit ihm."

"Bernard hat stets dafür gesorgt, dass die Songs schön luftig bleiben, dass die Produktion nicht so sehr im Vordergrund steht und alles andere überdeckt. Dank ihm kann man ganz deutlich raushören, was in den Stücken so alles passiert. Er hat es geschafft, die LP wie ein richtiges Album klingen zu lassen, ohne den Sound dabei zu glatt zu machen.

Sein Ansatz war genau das, was diesen Songs vorher gefehlt hat", berichtet Morrison weiterhin. "Insgesamt waren wir ein ganz schön großes Team, doch unterm Strich saßen wir eigentlich immer nur zu viert im Studio: Schlagzeuger, Bassist, Bernard mit der Gitarre und ich am Mikrofon.

Jeden Track haben wir dann sieben, acht Mal aufgenommen, daraus die beste Version ausgewählt und uns dann an den Feinschliff gemacht. Uns war also erst mal wichtig, dass der Vibe, die Stimmung eines Songs stimmt; danach kann man alles Mögliche damit machen und es wird sich meistens super anhören."

Dass es sich bei dem Duett "Up" um einen absoluten Hit-Kandidaten handelt, sieht man quasi schon von weitem; es handelt sich dabei um einen von zwei Songs, die Mark Taylor produziert hat, der auch schon für "Broken Strings", den besagten Morrison-Duett-Hit, hinter den Reglern stand. Morrisons Gesangspartnerin wirkt auf den ersten Blick eher unpassend gewählt: immerhin ist Jessie J die Queen in den Urban-Charts, und ein dreckiges Mundwerk hat sie noch dazu.

Der Vorschlag, mit ihr zu arbeiten, kam von Colin Barlow, James’ A&R: "Nicht etwa, dass ich an ihrem Können als Sängerin gezweifelt hätte", sagt Morrison, "doch ich hatte zunächst schon meine Bedenken, ob sie denn nun die Richtige für diese Art von Song war.

Doch dann ging sie in die Gesangskabine und legte diese grandiosen Aufnahmen hin – sie ist unfassbar talentiert, so präzise als würde man mit Autotune arbeiten. Ich wollte versuchen, die andere Seite ihrer Persönlichkeit aus ihr herauszuholen, die normaler Seite, das normale Mädchen in ihr.

Ich meinte also, ‘Hey, Jessie, du bist wie ein Ferrari, der den ganzen Tag im fünften Gang durch die Gegend rast – schalte mal einen Tick runter, in den dritten Gang.’ Und dann lief alles wie geschmiert: Sie sang den Refrain genau so ein wie ich es hätte machen müssen."

Sein angespanntes Verhältnis zu seinem Vater, der letztes Jahr nach einem langwierigen Kampf gegen seine Alkoholsucht an einem Herzversagen starb, wird im Songtext von "Up" adressiert – und in diversen weiteren Stücke von "The Awakening".

"Der Song ist einfach wahnsinnig persönlich:

‘How can I find you when you’re always hiding from yourself/Playing hide and seek with me until it gets too dark inside your shell/Why do I even try when you take yourself for granted – I should know better by now/And when you call, I can already hear that crashing sound as it all falls down.’

Damit will ich ihm im Grunde genommen sagen: ‘Ich werde mich auf deinen ganzen Kram nicht einlassen, aber du sollst wissen, dass du selbst stark genug bist, um das Blatt aus eigener Kraft zum Guten zu wenden.’

Allerdings habe ich Jessie das alles gar nicht so genau erläutert, schließlich hatten wir uns ja gerade erst kennen gelernt. Uns ging es im Studio also einfach nur darum, eine unfassbar krasse Gesangsspur für den Refrain aufzunehmen."

Ein anderer Track, "The Person I Should Have Been", geht zurück auf ein Gedicht, das Morrison nach einem Gespräch mit seinem im Sterben liegenden Vater geschrieben hatte. "Ihm ging es kurz vor seinem Tod sehr, sehr schlecht, und wir unterhielten uns über all die Dinge, die er hätte tun sollen – oder auch über Dinge, die ich hätte tun sollen. Mich hat das ganz schön aus der Bahn geworfen; ich musste also einfach darüber schreiben, um nicht durchzudrehen."

Der direkteste und heftigste Song ist jedoch "In My Dreams": "Den kann ich mir ehrlich gesagt kaum anhören, weil mich die Nummer so sehr bewegt; ich hab auch keinen Schimmer, wie ich das Stück jemals live spielen soll. ‘In My Dreams’ entstand, als ich gerade mit Dan Wilson an neuen Songideen arbeitete.

Er fragte mich dann, was gerade so in mir vorging, woraufhin ich ihm erzählte, dass mein Vater kürzlich verstorben war und dass ich irgendwie hoffte, er könne mir im Traum erscheinen, nur war es dazu noch nicht gekommen. Darauf sagte Dan nur: ‘Genau da müssen wir ansetzen’, und als der Titel ‘In My Dreams’ erstmal stand, nahm ich einfach die Gitarre und der Song schrieb sich wie von selbst.

Der Track sollte schon auch positiv klingen, so wie die Aufnahmen von Curtis Mayfield oder Stevie Wonder damals. Es sollte sich nämlich so anfühlen, als wäre man selbst in einer Traumwelt, wenn man das Stück hört."

Was den Titelsong der LP angeht, befasst sich Morrison da mit den Erfahrungen, die er selbst als Vater in den vergangenen Jahren sammeln durfte – seine Tochter Elsie ist inzwischen schon drei. „Mir kommt das so vor, als ob ich da erst richtig wach geworden bin und realisiert habe, was richtig und wichtig ist.

Früher habe ich immer gesagt: ‘Ach nein, Kinder will ich eigentlich keine’ – und als ich dann plötzlich doch als Vater dastand, gab es nichts Größeres für mich. Dieses Gefühl wollte ich in diesem Song einfangen.“

Das grandiose "I Won’t Let You Go", auf dem er gesanglich wirklich alle Register zieht, widmet er mal wieder seiner Freundin Gill, über die er zuvor schon Songs wie "You Give Me Something" oder, während einer eher schwierigen Phase, "The Pieces Don’t Fit Anymore" geschrieben hatte.

Auch wenn auf "The Awakening" die Gefühle ganz ungeschönt im Mittelpunkt stehen, seien die neuen Tracks keine „Downer-Nummern“, die einen runterziehen, so Morrison.

"Ja, natürlich geht es da auch um Probleme – aber zugleich geht es mir auch darum, einen Blick auf mein Leben und mein Umfeld zu werfen, alles abzuwägen, um letztlich das Gute daran zu sehen. Ich schätze mal, dass vielen Leuten gerade dieser Aspekt der Songs gefallen wird, denn so ist das Leben nun mal, so funktionieren Beziehungen halt."

Kein Zuckerschlecken

Sein Glaube an das Gute ist übrigens etwas, an dem James Morrison immer wieder festhalten musste, schließlich war seine Kindheit kein Zuckerschlecken. Er kam in Rugby zur Welt, als zweites von insgesamt drei Kindern.

Nachdem sein Vater die Familie schon früh sitzengelassen hatte, mussten seine Mutter und die Kids immer wieder umziehen: immer drohte ein Räumungsbefehl, immer waren sie von Schulden geplagt, bis sie in dem Küstenort Porth in Cornwall endlich eine permanente Bleibe fanden – nur war James da schon 15.

Er brachte sich dann selbst das Gitarrenspielen bei, und seine ersten Live-Erfahrungen sammelte er als Straßenmusiker; nur seinen Abschluss in Musik schaffte er nicht: "Ich konnte einen Ton hören und ihn sofort auf dem Klavier anschlagen, da lag ich immer richtig; nur hatte ich von der technischen Seite keinen blassen Schimmer."

Miese Jobs

Es folgten ein paar Jahre, die er mit irgendwelchen miesen Jobs zubrachte, und der absolute Tiefpunkt war während seiner Zeit in Derby erreicht, als James einen Autowaschjob angenommen hatte und einen Lastwagen nach dem anderen waschen musste („Zu der Zeit war ich 19 und lebte eher wie ein 40-Jähriger.“)

Doch er ließ sich auch davon nicht unterkriegen und bahnte sich langsam doch noch den Weg zur Musik und dorthin, wo er heute steht – mit Auftritten bei Open-Mic-Nächten und kleinen Gigs in irgendwelchen Läden, bis er schließlich jenen Vertrag mit Polydor unterzeichnete, der sein Leben schlagartig verändern sollte.

Die Erfahrungen dieser Jahre erklären vielleicht auch, warum Morrison so seltsam reagiert, wenn es um seine Stellung als Musiker und um seine Berühmtheit geht. "Ich lege großen Wert darauf und tue alles dafür, mir immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass ich ein ganz normaler Mensch bin.

Ich hab zum Beispiel einen Camping-Trip in so einen Haven-Holiday-Park gemacht – und eigentlich wollte ich gar nicht dorthin, aber dann dachte ich mir, ich muss das einfach mal probieren, sonst hat das so was von ‘ich bin mir zu gut dafür’. So als ob ich mir zu schade wäre für solche Haven-Holiday-Parks und jedes Mal nach Hawaii fliegen würde, wenn ich mal entspannen will."

Doch es kam, wie es kommen musste: Morrison wurde angepöbelt, während er mit seiner Tochter schön stilecht Würstchen mit Kartoffelbrei essen wollte. "Ich hab dann noch versucht zu argumentieren, dass ich einfach nur privat da bin mit der Familie, aber letzten Endes musste mich ein Freund regelrecht rausholen aus dieser hitzigen Situation.

Und dann saß ich ganz alleine in meinem Zelt, zehn Stunden lang, nur um mein Essen in Ruhe zu mir nehmen zu können. Ich weiß, dass ich so etwas in Zukunft besser lassen sollte, weil an solchen Orten immer Dinge passieren, die kein Mensch braucht, aber wenn ich sie dann nicht mehr mache, habe ich das Gefühl, eine Grenze zwischen mir und meiner Umwelt zu ziehen – und das will ich auch nicht. Ich muss wohl einfach die Gelegenheiten nutzen, wie sie kommen, und nächstes Mal schneller essen."

Die schlechte Nachricht für James Morrison ist folgende: In Zukunft dürfte es für ihn noch schwieriger sein, derartige Camping-Abstecher reibungslos und unbemerkt zu machen. Im Gegenteil: Noch mehr Aufsehen und Gerangel ist vorprogrammiert, denn "The Awakening" ist die Art von Album, mit der er endgültig die Popwelt umkrempeln wird.

"Ja, es fühlt sich wie die richtige Platte zur richtigen Zeit an", räumt auch er abschließend ein. "Ich habe derartige Momente, die sich so anfühlen, bisher nur ganz selten erlebt, aber inzwischen weiß ich sehr genau, wann so ein Moment gekommen ist. Und jetzt gerade habe ich das Gefühl, dass es so weit ist."

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