31.03.2014 09:33 potrait des monats von Michaela Boland

Detlef Tursis, der Mann, der Frauen zu einer Miss... macht

Detlef Tursis koordinert den Top-Model of the world Contest

Detlef Tursis umgibt sich mit den schönsten Frauen dieser Erde. Im April koordiniert er in Ägypten den "Top-Model of the world", Foto (c) GFDK

Von: GFDK - Michaela Boland

Verona Pooth hat er einst ebenso zu ersten Erfolgen verholfen wie Shermine Sharivar. Gerade kürte er in Magdeburg die Miss Intercontinental aus 60 teilnehmenden Nationen. Und schon im April darf er dann in Ägypten den kompletten Ablauf des Finales "Top-Model of the world" koordinieren.

Es erscheint wie ein Privileg: Er umgibt sich mit den schönsten Frauen dieser Erde - natürlich rein beruflich - und dabei hat er offenbar selten eine Ausnahme gemacht: Mit der schönen Jana Ina (heute Zarella, 37) verband den geschäftstüchtigen Bergheimer allerdings einige Jahre lang durchaus mehr als nur der Job.

Das hübsche Model, welches an der Seite von Hape Kerkeling in dessen Kino-Erfolg, "Samba in Mettmann", bekannt wurde, später mit der eigenen Show auf Pro 7, "Das Model und der Freak", für Furore sorgte und ab 10. April 2014 das Format "Catwalk 30+" beim neuen Discovery-Frauensender, TLC, moderieren wird, war nämlich einst seine Entdeckung.

Die Rede ist von Detlef Tursis. Der heute 51-Jährige ist Chef und Gründer der MGO (Miss Germany Organisation). Seit 1999 führt der Self-Made-Man mit seinem Unternehmen exklusiv die Wahlen zu Miss, Mr. und Mrs. Deutschland durch.

Elf Jahre zuvor hatte sich Tursis mit der Vorgängerfirma, "Miss Germany Association" sogar nahezu alle Lizenzen von internationalen Schönheitswettbewerben wie der "Miss Intercontinental", der "Miss Europe" und der "Miss Universe" gesichert. Eine Erfolgsgeschichte, die ihm augenscheinlich nicht alle Mitbewerber gönnten.

Als sich zu Beginn der 90-er Jahre das Business rund um Schönheitswettbewerbe auch finanziell zum lukrativen Erfolgshit mauserte, wollte so manch einer etwas vom hübschen Kuchen ab haben. Ergebnis: Rechtsstreits um die  Lizenzen. Wie Detlef Tursis sie gemeistert hat, was ihn überhaupt auf die Idee brachte, sich mit Beauty-Contests selbständig zu machen und ob die Branche heute noch genauso viel hergibt, wie damals, hat er mir erzählt.

"Die Leute sagen immer, `Mensch, du hast so einen geilen Job und bist jeden Tag mit den tollsten Frauen zusammen, du musst doch Spaß haben ohne Ende`."

Davon, dass diese Vorstellung nicht unbedingt den Tatsachen entspricht, wissen wohl nur diejenigen ein Lied zu singen, die nach anstrengenden Vorbereitungswochen im Vorfeld einer Miss-Wahl allabendlich todmüde und allein ins Bett fallen.

Er besitzt eine angenehm ruhige Art und die braucht er auch, denn seit annähernd 30 Jahren führt Detlef Tursis höchst erfolgreich Miss-Wahlen durch. Sein Geld verdient er üblicherweise zunächst durch Deals mit den Locationgebern. Der Service garantiert nämlich hohe Besucherzahlen.

In seinem Team beschäftigt er regelmäßig bis zu 25 freie Mitarbeiter auf Abruf. Zurzeit plant er die gesamte Finale-Produktion des "Top-Model of the World"-Contests in Ägypten. Hierbei einen kühlen Kopf zu behalten, ist offensichtlich Gold wert. Schließlich gilt es, nicht nur den Auftraggeber zufriedenzustellen, sondern ebenso 60 internationale junge, oftmals wilde Models von der Anreise bis zum Rückflug zu koordinieren, was offenbar manchmal beinahe der Arbeit eines Dompteurs gleichkommt. Das Geheimnis: "Draußen darf niemand wissen, was hinten passiert." Wer der Mann ist, dem dies immer wieder bravourös zu gelingen scheint, möchte ich heute herausfinden.

Ich besuche den gebürtigen Düsseldorfer sonntagsmittags in seiner Wahlheimat Bergheim. Sein großzügiges Anwesen besteht gleich aus zwei Häusern, die "über Eck" miteinander verbunden sind. Der Vorteil: Detlef Tursis firmiert unter zwei verschiedenen Anschriften auf nur einem Fleck. Der Nachteil: Wer im Hinblick auf geographisches Verständnis nicht gerade der Versierteste ist, marschiert oder fährt erst ein paar Mal um den Block, bevor ersichtlich wird, dass sich die eine der beiden Hausnummern in der gesuchten Straße rein faktisch nicht  finden lässt .

Nun denn, endlich angekommen, gewährt mir ein aufmerksamer "Missen-Macher" persönlich Einlass. Detlef Tursis, der große Blonde, geleitet mich in sein Untergeschoss, wo er sich ein großzügiges Büro eingerichtet hat. Dies ist also seine Schaltzentrale, von welcher aus erstmalig Miss-Anwärterinnen begutachtet, groß angelegte Wettbewerbe organisiert und, wenn nötig, Lizenz-Angelegenheiten geklärt werden.

Eine ins Auge stechende rote Tapete mit allerlei asiatischen Motiven darauf, wie Frauen und Landschaften, zieren die Wände. Ein großer schwarzer Hochglanz-Schreibtisch bietet mit Sicherheit ausreichend Platz für die Arbeit und der riesige Flat-Bildschirm oberhalb jenes Tisches läuft pausenlos und hält seinen Inhaber offenbar jederzeit auf dem aktuellsten Stand des Zeitgeschehens.

An der Wand neben der großzügigen Schreibstätte entdecke ich unter mehreren eingerahmten Fotos auch eines, auf welchem ich ihn mit einem schönen Vierbeiner zu erkennen glaube und frage sogleich begeistert, "bist du das mit Hund". "Nein, das ist meine Mutter", antwortet der 51-Jährige und sieht charmant über meinen kleinen Fauxpas hinweg. Schon 18 Jahre lang wohnt Detlef Tursis in seinem Eck-Haus mit den zwei Adressen. Dabei ist er schon viel herumgekommen:

In Düsseldorf geboren und aufgewachsen, von wo aus es ihn nach Bad Bentheim verschlagen hat, ging es dann zurück in die Geburtsstadt, um anschließend nach Aachen zu ziehen. Danach führte der Weg erst nach Kaarst und dann nach Mönchengladbach. Erst nach dieser Station landete Tursis im beschaulichen Bergheim. Wohl fühlt er sich hier gerade deshalb, weil er mit diesem "Trickhaus" nicht nur zwei Eingänge, sondern auch die Möglichkeit hat, Privates und Geschäftliches zu trennen. 

Eigentlich gibts ja heute, am Sonntag, immer Essen bei Mutti in Grevenbroich. Da traut man sich kaum zu fragen, ob der Erfolgsmensch eigentlich verheiratet oder zurzeit liiert ist. Ich tue es aber dennoch. "Nee", antwortet er kurz und bündig. Er habe noch einen Bruder, der ausgebildeter Koch und Konditor sei und Grillkurse gebe.

Zwar sei es nicht so, dass man täglich telefoniere, erklärt er mir auf die Frage nach dem geschwisterlichen Verhältnis, aber, da der Bruder ebenso wie die Frau Mama, in Grevenbroich lebe, sehe man sich hin und wieder eben dort, wenn es sonntags zum Essen gehe, halt bei Mutti. Eine eigene Familie habe der zwei Jahre jüngere Bruder allerdings bisher ebenso wenig wie er selbst.

"Wo kommt der nicht eben häufig vertretene Nachname, `Tursis` her", möchte ich noch wissen. " Das weiß ich auch nicht", erklärt der 1,78m große Missen-Macher mit den blauen Augen, "aber, es ist sehr spannend. Den Namen gibt es auch nicht mehr. Mein Bruder und ich sind die beiden letzten, die ihn tragen.

Sollten wir also nicht irgendwann Kinder in die Welt setzen, würde der Name wahrscheinlich aussterben, was ich schade fände. Ich habe zwar mal gehört, dass `Tursis` aus dem Norddeutschen komme, allerdings bin ich auch eigentlich ein geborener `Oberkönig`, denn meine Mutter hat nach meinem Vater nochmal geheiratet."

Ein außergewöhnlicher Nachname, ein attraktives Äußeres und eine offenbar recht fürsorgliche Mutter. Sind das womöglich Erfolgsgaranten auf dem Weg nach oben zum Beauty-Contest-Veranstaltungs-Olymp, frage ich mich und so hake ich bei Detlef Tursis nach, "wie ist dein Weg bis zum Schönheitswettbewerb-Veranstalter verlaufen". "Ich habe mittlere Reife in Kaarst-Büttgen gemacht und eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann in der Unterhaltungselektronik angehangen.

Das dauerte insgesamt drei Jahre. Von dort aus ging es erst Mal zur Bundeswehr in Düsseldorf", erinnert sich der Wahl-Bergheimer. Auf die Fragen, ob er somit automatisch ein "Heimschläfer" gewesen sei und ob er sich noch seines Tauglichkeitsgrades bei der Musterung entsinne, antwortet Tursies, "mein Tauglichkeitsgrad war toll. Und ja, ich konnte, Gott sei Dank, meine Mutter wegen einer Herzkrankheit so ein bisschen vorschieben und mich so vor einer Stationierung in Kiel drücken." 

Zweieinhalb Berufsausbildungen

Bevor dem cleveren Detlef jedoch der Gedanke kam, zum Veranstalter von Schönheitswettbewerben zu werden, absolvierte er zuerst noch mal eine weitere Ausbildung zum Speditionskaufmann in Bad Bentheim. "Warum war dir wichtig, noch eine zweite Berufsausbildung anzuhängen", möchte ich von ihm wissen. "Meine Mutter und mein (Stief)Vater sind nach Bad Bentheim gezogen und haben ein großes Haus gebaut. Da mussten die Kinder mit", erklärt Detlef Tursis.

"Obgleich Du mit bereits abgeschlossener erster Berufsausbildung und nach dem Bund schon selbst im Leben gestanden haben dürftest", hake ich nach. "Ja", sagt er, "dadurch, dass die Eltern nun umgezogen und meine Mutter natürlich wollte, dass wir Söhne mitkommen, habe ich eben zugestimmt und gesagt, dass ich es probiere", begründet er sein Handeln. Die Ausbildung zum Speditionskaufmann habe ihm jedoch so gar keinen Spaß gemacht.

"Es war extrem dröge und viel zu trocken", sagt der heutige Veranstalter. Die Firma sei jedoch nur ein halbes Jahr später Pleite gegangen und so brauchte Detlef Tursis die unliebsame Lehre auch nicht zu beenden. Doch, wie es der Zufall wollte, hatte ein neuer Freund an der Seite seiner Mutter dann eine Firma für Dichtungstechnik in Aachen gekauft, woraufhin die Familie prompt in die Printenstadt zog und Detlef nunmehr in jener neuen Firma eine weitere Ausbildung, diesmal zum Industriekaufmann, beginnen konnte.

Nach drei Jahren war diese erfolgreich beendet. Als Sohn des Chefs - die Mutter war mittlerweile in dritter Ehe mit jenem neuen Freund und Firmeninhaber verheiratet - habe er natürlich diverse Vorteile genossen, weiß Tursies noch genau. "Ich habe mein Englisch durch Kurse verbessern können, hatte ein Fahrzeug sowie eine Wohnung in Aachen, die der neue Stiefvater gekauft hatte und habe zeitgleich noch immer meine Wohnung in Düsseldorf behalten.

Dort hatte ich schließlich meine Freunde und wollte somit das Wochenende gerne in der alten Heimat verbringen." Nachdem die dreijährige Industriekaufmanns- Ausbildung erfolgreich abgeschlossen war, überlegte Tursies, was er nun anfangen könnte. Eine Idee war schnell geboren. "Damals kamen die ganzen Sonnenstudios heraus, und weil ich selbst sehr oft auf die Sonnenbank ging, habe ich mir überlegt, einfach eins zu eröffnen", weiß der 51-Jährige noch genau. Als Standort fürs erste eigene Unternehmen entschied er sich für Kaarst.

"Da ich ohnehin auch eine Wohnung suchte, bin ich in einem Wohnpark fündig geworden, denn dort entdeckte ich oben eine Maisonette Wohnung für mich und unten ein Ladenlokal, das frei war." Als sich für den Jungunternehmer nach über drei Jahren herausstellte, dass er mit der Geschäftsidee zwar seinen Lebensunterhalt bestreiten, jedoch nicht reich werden konnte, wurde ihm klar, dass ihn der Job nicht befriedigte. "1988 habe ich dann im Bochumer Tarm Center zufällig eine Miss-Wahl gesehen und die gefiel mir ganz gut. Da hat es irgendwie Klick gemacht", schwelgt der MGO-Chef in Erinnerung.

Miss Monat

So traf es sich gut, dass ein gewisser Gert Garant in einem Tanzlokal in Kaarst, der Heimat Tursies`, eine Talentshow veranstalten wollte. Dieser fragte Sonnenstudio-Besitzer Tursis nach Zehner-Karten-Spenden für die Sonnenbank, um die Teilnahme am geplanten Event ob der Preise attraktiver zu gestalten. Tursies ließ sich nicht lange bitten und wurde prompt schon kurz darauf sogar selbst zum Jury-Mitglied bei der Talentshow erkoren.

Wegen des Erfolgs ging die Veranstaltung schnell in Serie. "Das war mein erster Kontakt zum Showbusiness", erzählt der 51-Jährige. Dies sei auch der Grundstein zu seiner Vorstellung gewesen, selbst Wettbewerbe zu veranstalten. Denn als die Talentshow-Reihe zu Ende ging, ward` Tursis` neuer Schönheitswettbewerb-Plan längst ausgegoren.

In Zusammenarbeit mit einem lokalen Anzeigenblatt, welches das Ganze bewerben, und einer Boutique Besitzerin, die für die Outfits der Teilnehmerinnen verantwortlich zeichnen sollte, stellte der Sonnenstudio-Inhaber sodann seinen ersten Miss-Contest, (`Miss Monat`) auf die Beine.

"Woher hast du die Teilnehmerinnen rekrutiert", frage ich den Unternehmer. "Die Zeitung hat Aufrufe gestartet, Motto: `Wer möchte mitmachen´. Weitere Mädchen habe ich selbst in meinem Sonnenstudio angesprochen", sagt Tursis. "Kriterien waren damals ja noch unbekannt", erzählt der Missen-Macher, "es war eine Veranstaltung `just for fun` und jede konnte mitmachen."

Konkurrenz belebt das Geschäft

Das änderte sich später zwangsläufig. Denn bevor Tursis professionell ins Miss-Wahl-Business einstieg, hatten sich auf dem Markt schon längst weitere Mitbewerber etabliert. Die Miss Germany Corporation, die bereits seit 1977 bestand und  Mitte der 80-er Jahre vom österreichischen Erich Reindl an Horst Klemmer überging  und Dieter Rissen, der 1986 mit der Miss Germany Company  ins Geschäft eingestiegen war.

"Ab 1988 war ich dann eben auch dabei", erzählt Detlef Tursis, so habe es etwa alle zwei Jahre einen Neuen gegeben. "Der Markt schien schon damals umkämpft gewesen zu sein. Wie sieht das heute aus", frage ich ihn. "Ich will gar nicht sagen, dass der Markt hart umkämpft war, denn Deutschland war groß genug, man hatte den Bedarf und jeder wollte etwas machen", ist sich Tursis sicher.

Auch sei es damals einfach gewesen, etwas zu verkaufen, denn allen sei es finanziell sehr gut gegangen. Das notwendige Knowhow konnte sich der Neu-Miss-Wahl-Ausrichter dann auch durch eine Verquickung mehrerer glücklicher Umstände aneignen. "An meine Preise bin ich gekommen, weil ich jemanden kennengelernt habe, der mir diktiert hat, wie man sie gestalten kann.

Außerdem hatte ich auch insofern Glück, als meine damalige Freundin, mit der ich sieben Jahre lang zusammen war und die Deutschland auch einmal bei einem internationalen Wettbewerb vertreten hatte, mir weitere hilfreiche Kontakte machen konnte" schwelgt der Bergheimer in Erinnerungen. "Der Veranstalter der Miss-Türkei-Wahl, der schon 15 Jahre lang im Geschäft war, konnte mir ebenso wertvolle Tipps geben."

Miss NRW-WAHL

Dann veranstaltete Tursis in Kaarst die erste "Miss-NRW"-Wahl und plötzlich standen Bild Zeitung, Rheinische Post, ein Fernsehteam des WDR und RTL auf der Matte, die allesamt wissen wollten, wie es denn nun weiter gehe und ob er auch "Miss Germany" mache. Tursis antwortete prompt, "ja, mache ich". Gesagt, getan. Seine erste Miss Germany-Wahl fand sodann 1989 prompt unter Tursis Leitung in Lippstadt statt. Das erste gesamtdeutsche Finale habe es allerdings erst nach dem Mauerfall gegeben.

In Dresden. "Das waren damals Goldgräberzeiten", weiß der Veranstalter noch ganz genau. "Die Bildzeitung und die Morgenpost haben sich gegenseitig überboten und sogar Druckmaschinen angehalten, nur um unsere Siegerin als erstes auf der Titelseite zu haben", erinnert sich Detlef Tursis. Nicht nur die gesamte Mannschaft von Dynamo Dresden haben dem Spektakel damals beigewohnt, sondern auch zahlreiche Prominente.

"Unmittelbar nach dem Mauerfall hat man pro Person 100,- DM Eintritt genommen und der Laden war mit über 1000 Leuten proppe voll", sagt der Missen-Macher. Obwohl sich zu diesem Zeitpunkt noch alle drei Mitbewerber-Veranstalter, die "Miss Germany Corporation", die "Miss Germany Company" und die Miss Germany Assoziation (Tursis) auf dem Markt befanden, und es somit dazu kam, dass sich zeitgleich sogar drei Miss Germanys in unserem Lande tummelten,  sollte sich das Kräfteverhältnis der Veranstaltungs-Giganten schon bald verändern.

1992 erhielt Tursis nämlich einen Anruf von der amerikanischen Madison-Square-Garden-Event-Production. Er wurde gefragt, ob er die Lizenz zur Ausrichtung der "Miss Universe" haben wolle. Auch der Anruf der Pariser "Miss Europe-Organisation" ließ nicht lange auf sich warten und bot dem versierten Tursis an, sowohl die Miss Europe als auch die Miss International auszurichten.

Konkurrenten vom Platz gefegt

"Damit war die "Miss Germany Company" weg", erinnert sich Tursis, denn die hatten dann keine internationalen Lizenzen mehr und waren somit aus dem Rennen." "Wer hat denn den Rang der wahren Miss Germany für sich in Anspruch genommen als ihr noch zu Dritt wart", möchte ich wissen. "Jeder behauptete immer, die wahre Miss Germany zu haben", erzählt Tursis, "ich habe mich damit nie gemessen. Zwar war es für mich auch ein Geschäft, doch zunächst war es ja auch erst mal ein Spaß.

Deshalb orientierte ich mich nicht an den anderen. So wurden wir beispielsweise auch bei Fernsehshows oftmals alle eingeladen. Bei Frank Elstners `Nase vorn` waren alle drei Miss Germanys anwesend". Als der dritte Mitbewerber, die "Miss Germany Company", vom Markt gedrängt war und nur noch die beiden Haupt-Kontrahenten, Horst Klemmer ("Miss Germany Corporation") und Tursis ("Miss Germany Association") existierten, sei der Wettkampf ein wenig härter geworden.

"Sie haben dann schon versucht, mir das Leben ein wenig schwerer zu machen", erzählt Tursis. Es folgte eine wahre Prozess-Schlacht. Zwar seien die Lizenzen eindeutig geklärt gewesen, jedoch wurde der unlautere Wettbewerb plötzlich ein Thema. "Wenn du gesagt hast, `wir sind die besten`, bekamst du eine Abmahnung.

Wenn die sagten, `wir sind das Original’, erhielten sie wiederum eine Abmahnung, da sie ja nun mal nicht das Original waren, denn dies war schließlich der Gründer, Reindl, gewesen. Auch, wenn sie sagten, `wir sind seit 36 Jahren im Geschäft`, erhielten sie die nächste Abmahnung, zumal sie selbst ja nicht über diesen Zeitraum im Business waren", erklärt Detlef Tursis. Die Hälfte des Jahres hätten die Widersacher dann in Gerichtssälen verbracht und als sie bemerkten, dass die Anwälte reicher und reicher, die eigentlich Beteiligten jedoch ärmer und ärmer wurden, habe man sich geeinigt.

Miss-Germany-Flut

Zwar sei es in der Zwischenzeit zu einer wahren Flut an Miss-Germany-Wahlen durch weitere Veranstalter gekommen, so wie beispielsweise Alt-Playboy Rolf Edens` Miss Germany - Contest in Berlin, Evelyn Rebensburg aus Nürnberg, die Miss Germany Classic, Models aus lizenzierten Modelagenturen, kürte, sowie die von der Firma Lasso Entertainment ausgeschriebene Miss Erotic-Germany.

Die beiden Wichtigen auf dem Markt, die ernst genommen wurden, seien jedoch das Unternehmen von Tursies`und das des Langzeitmitbewerbers Klemmer gewesen. "Wir haben das nun mal nach dem klassischen System gemacht, nämlich Städtewahlen, Landeswahlen und Endausscheidung", erzählt Detlef Tursis. Teilweise habe Tursis 150 Veranstaltungen pro Jahr gehabt, sein Hauptkontrahent fast doppelt so viele.

So verlief die mediale Berichterstattung in der Regel so, dass gefragt worden sei, "Wer ist die richtige Miss Germany?" Es habe beispielsweise bei RTL Punkt 12 Vergleiche gegeben. "Und da haben wir eigentlich immer gewonnen", berichtet Detlef Tursis stolz, "also, unsere Miss Germanys waren eindeutig hübscher." Das Besondere an Tursis Unternehmen: Er hat die internationalen Lizenzen.

Das bedeutet zum einen, dass die jungen Frauen, die sich bei Tursis bewerben und weiter kommen, die Chance haben, auch international Karriere zu machen, zum anderen, dass sie bei Contests im Ausland große Summen Geld verdienen können. "Im Gegensatz zu dem, was unser Kollege aus Oldenburg immer sagt, nämlich, das Geld werde in Deutschland verdient, ist das totaler Quatsch. Wenn ich im Ausland gewinne und mit einem Mal mit 45.000 Euro nach Hause komme, muss seine Miss Germany hier aber erst mal eine ganze Menge tun, damit sie auf diese Summe kommt", ist sich Detlef Tursis sicher.

1500,- Euro pro Auftritt seiner Miss Germany

Für einen hiesigen Auftritt seiner Gewinnerin muss ein Honorar von 1500,- Euro bezahlt werden. "Wenn du einmal mit den Preisen runter gehst, kommst du nicht mehr hoch", weiß Tursis. 1999 ließ sich der Miss-Wahl-Ausrichter den Titel "Miss Deutschland" schützen. "Miss Germany" hier schützen zu lassen, sei wegen des Freihaltebedarfs nicht möglich gewesen, erzählt er.

Durch einen cleveren Schachzug sei dem Kontrahenten aus Oldenburg jedoch der Coup gelungen, rekonstruiert Tursis: Über das Europäische Harmonisierungsamt in Alicante konnte sich der Kollege aus Oldenburg offenbar zur selben Zeit die Marke "Miss Germany" im europäischen Ausland und somit auch für Deutschland eintragen lassen."

Trotz des Ärgers konnte man sich jedoch dann einigen. "Wir haben uns dann 1999 getroffen und gesagt, wir klären jetzt den Markt. Wir bleiben bei "Miss Deutschland", Du machst "Miss Germany", also kümmere du dich um deine Konkurrenten, wir kümmern uns um die, die unsere Marke nutzen. Seitdem haben wir eigentlich so eine Art Friedensabkommen", berichtet Tursis zufrieden. 

"Es gibt keine Konstante mehr."

Wie entwickelt man ein Gespür dafür, wer das Zeug zur erfolgreichen Miss hat", frage ich den Experten "Du musst heute eine sehr offene Art haben, humorvoll sein, auf Leute zugehen können. Das kommt ganz selten vor. Von tausend gibts eine, die das schafft. Auch musst du natürlich den Willen dazu haben und dich darauf konzentrieren. Das Problem heute ist, dass viele junge Frauen, ja gar nicht mehr wissen, was sie aus ihrem Leben machen wollen.

Die rennen ja alle wild durch die Gegend", meint Detlef Tursis. Auf die Frage, woran das liegen könnte, wird der Contest-Veranstalter nachdenklich. " Das liegt vielleicht an der Schnelllebigkeit, der Konsumveränderung, dem Internet, an Handys, Flatrates oder finanziellen Problemen. Ich finde, dass sich die Leute sehr verändert haben. Die waren früher alle viel relaxter. Heute hat keiner mehr Zeit. Alle wollen alles schnell, aber genauso schnell ändern sie auch wieder ihre Meinungen. Es gibt keine Konstante mehr."

"Wenn Du heute Bewerbungen bekommst und da steht unter Zukunftswunsch, `Ich möchte Miss Deutschland werden“, dann rotzen die das einfach so dahin, weil sie denken, sie hätten dann mehr Chancen. Natürlich reiche das allein nicht, sagt der Fachmann. "Früher meinten die jungen Frauen, die das schrieben, es auch so.

Es gibt Mädchen, die haben das nötige Aussehen und die entsprechende Figur, aber trotzdem fehlt denen innendrin etwas. Die können es nicht herüberbringen, denn in dem Moment, wo keine Kamera auf sie gerichtet ist, fallen sie zusammen wie ein Kartenhaus. Es fehlt der Sinn für Humor oder der Charme. Es ist wie ein Sechser im Lotto jemanden zu finden, der all das in sich verkörpert und dann auch noch auf dich hört und das alles macht, was du sagst."

Internet-Bewerbungen nehmen zu

"Wie läuft eine Bewerbung zur Miss bei Dir", frage ich den Veranstalter. "Ich bin früher häufig quer durch das ganze Land gereist, habe dort Veranstaltungen in Discotheken durchgeführt. Heute machen wir sehr viel über das Internet oder durch Bewerbungen. Davon bekomme ich nämlich jeden Tag jede Menge. Ich lade dann auch schon mal Bewerberinnen zu einem Gesamtcasting ein.

Wenn ich beispielsweise im Kölner Diamonds etwas mache, lade ich ungefähr 30 Mädchen dazu ein. Von denen, die kommen, suchen wir dann welche für das Finale aus. Oder ich mache die Regionalveranstaltung Nord, Süd, Ost und West. Ich packe die alle zusammen und dann wird daraus die Favoritin für das Miss Deutschland-Finale gewählt. Das machen wir dann gemeinsam mit entsprechenden Juroren, unter anderem aus den Bereichen Schauspiel.

Auf die Frage nach einem typischen Tagesablauf im Hause Tursis, beschreibt der leidenschaftliche Veranstalter: "Ich komme morgens zwischen halb zehn und zehn Uhr ins Büro, checke meine ganzen E-Mails und gucke dann, dass ich mit Kunden spreche, Konzepte entwickle oder an internationalen Sachen mitarbeite. Für das Projekt in Ägypten bin ich für den kompletten Produktionsablauf zuständig.

Flüge organisieren etc. Die Leute sagen immer, `Mensch, du hast so einen geilen Job und bist jeden Tag mit den tollsten Frauen zusammen, du musst doch Spaß haben ohne Ende`. Leider kapieren sie nicht, dass du abends auf dein Hotelzimmer gehst, die Türe schließt und ins Bett fällst, weil du platt bist." Die Vorbereitung eines solchen Groß-Events, dem internationale Beachtung geschenkt wird, stelle nämlich eine Mammut-Aufgabe dar.

"Wenn Du zwischen 50 und 60 Models hast, hat jede von denen ein Problem: Die eine vermisst ihren Freund, die andere ihre Eltern, die nächste hat ihr National-Kostüm noch nicht, wieder einer anderen fehlen die Schuhe. Eine hat ihr Handyladekabel vergessen und eine weitere kommt mit der Zimmergenossin nicht klar, weil diese bis morgens um vier Party macht, das Licht anlässt und auch noch schnarcht. Zwar hat man entsprechende Betreuerinnen an der Seite, jedoch leider meistens ohne jedwede Eigeninitiative.

Dann hast du einen Moderator, der sein Script haben will, außerdem die Kameraleute, die koordiniert werden wollen. Plötzlich sagt dir noch ein Jury-Mitglied ab, weil irgendetwas dazwischen gekommen ist und du kannst seinen Flug stornieren", beschreibt Tursis das Bevorstehende im Detail.

Auch die internationalen Foren, die immerhin mehrere Millionen Klicks generierten, dürfe man nicht vergessen, und müsse sich natürlich kümmern, wenn dem Repräsentanten urplötzlich einfalle, dass er doch gerne vor Ort dabei sein und ein Ticket haben wolle, obwohl man gar kein Budget mehr habe. Ebenso müsse natürlich auch die Presse regelmäßig versorgt werden. Am Ende nicht zu vergessen:

Der Auftraggeber, der zufrieden gestellt werden möchte. "Vieles von dem Geschilderten klingt nach dem typischen Aufgabenbereich eines Aufnahme- bzw. Produktionsleiters", sage ich zu Detlef Tursis, "trotz zweieinhalb Berufsausbildungen hast du ausgerechnet dieses Metier nicht klassisch erlernt. Wie meisterst du die Anforderungen als Allein-Verantwortlicher?" "Was wichtig ist", antwortet er gelassen, "Draußen darf niemand wissen, was hinten passiert. Hinten kann das Chaos herrschen, aber das darf vorne niemand mitbekommen."

Intellekt und Humor

Auf die Frage, ob er nach fast 30 Jahren in diesem Geschäft einmal einen Sättigungsgrad erreicht und ein beruflicher Richtungswechsel im Raum gestanden habe, sagt der Missen-Macher: "Ja, eigentlich schon mehrfach. Doch dann eher in die Richtung, dass ich gar nichts mehr machen möchte". Nun möchte ich gerne wissen, ob sich sein Verständnis von Schönheit durch den Job verändert hat. Für ihn mache einen schönen Menschen das Mehr an Kommunikation aus, sagt Tursies.

"Wenn du eine schöne Frau hast, mit der du nicht kommunizieren kannst, ist es langweilig", erklärt er mir. "Das ist für das erste, zweite und vielleicht auch noch für das dritte Mal spaßig, doch irgendwann sagst du dann, was willst du damit", fügt er hinzu. Intellekt und Humor seien einfach wichtig, das habe sich in seiner Anschauung auch nicht verändert, vergleicht er mit seiner Meinung von früher.

"Lassen sich Überschreitungen des rein professionellen Verhältnisses immer ausschließen, wenn man als nicht-schwuler Single-Mann immer wieder von traumhaft schönen Frauen umgeben ist", frage ich Tursis. Das könne man nicht machen, da man Verantwortungsbewusstsein habe, sagt der Veranstalter. "Ich würde niemals die Situation einer Kandidatin, die im Wettbewerb ist, ausnutzen", erklärt er.

Leider gebe es da aber auch einige andere, die dann zu den jungen Frauen sagten, "wollen wir nicht heute Abend mal bei mir auf dem Zimmer etwas trinken gehen", weiß der Bergheimer. "Das fände ich furchtbar und könnte morgens dann auch nicht mehr in den Spiegel gucken", fügt er noch hinzu. Zwar sei er selbst auch schon mit ehemaligen Wettbewerbsteilnehmerinnen zusammengekommen, jedoch habe sich das jeweils ausschließlich einige Zeit nach den Contests ergeben.

Auf die Frage, wie es denn mit potentiellen Avancen von jungen Teilnehmerinnen aussieht, die sich möglicherweise Vorteile dadurch erhoffen, erläutert Tursis, "Nein, so etwas habe ich nie bekommen. Natürlich kokettieren sie, aber sie wissen vom ersten Treffen an ganz klar, was sie dürfen und was sie nicht dürfen."

Detlef Tursis hat bereits einige Missen hervorgebracht, die anschließend große Erfolge in Deutschland zu verzeichnen hatten. Darunter u.a. Verona Pooth, ehemals Feldbusch, Shermine Sharivar, Nadine Schmidt (Miss Germany 1997; Ex-Michael-Schumacher-Manager, Willy Weber, kaufte sie vor Begeisterung aus dem Vertrag mit Tursis heraus) oder Jana Ina Zarella. Daher möchte ich wissen, ob der Kontakt zu den einen oder anderen auch über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt.

"Nein", plaudert der Veranstalter aus dem Nähkästchen. "Mit Jana Ina war ich ja fünf Jahre zusammen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass sie sich doch sehr veränderte." Mit Verona habe er sich nachher noch ein paar Mal getroffen und "mit Nadine Schmidt schreibe ich mir immer noch regelmäßig zum Geburtstag", erzählt er.

Nach annähernd zwei Stunden, die wie im Fluge verstrichen sind, verabschiede ich mich von Detlef Tursis. Immerhin wartet schon längst leckeres Essen in Grevenbroich auf den sympathischen Missen-Macher aus Bergheim und danach geht es wohl, wie gewohnt, weiter an die detaillierte Vorbereitung einer Mammut-Show mit Schönheiten aus aller Welt. Schließlich weiß auch ein Contest-Veranstalter: Ohne Fleiß kein Preis.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.


Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und Porträt des Monats

© Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

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http://www.missdeutschland.tv