30.09.2011 07:54 Datenjournalismus ist eine noch junge Ausprägung

Zeit Online gewinnt Online Journalism Award 2011 - für das Projekt “Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten”

Kai Biermann, Digital-Ressortleiter von ZEIT ONLINE

Von: ZEIT ONLINE, Chefredaktion

ZEIT ONLINE hat den wichtigsten internationalen Preis für Onlinejournalismus gewonnen. Das Projekt “Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten” ist am Abend des 24. September in Boston mit dem Online Journalism Award 2011 ausgezeichnet worden.

Dies ist das erste Mal, dass eine Redaktion aus Deutschland einen der renommierten Online Journalism Awards gewonnen hat. Verliehen wurde der Preis in der Kategorie “Outstanding Informational Graphic or Data Visualization, Professional”. Weiterer Finalist in dieser Wettbewerbskategorie war die Los Angeles Times.

Kai Biermann, Digital-Ressortleiter von ZEIT ONLINE, Entwicklungsredakteur Sascha Venohr, Grafikchef Tibor Bogun, sowie Lorenz Matzat von der Agentur Open Data City und der freie Programmierer Michael Kreil hatten mit der interaktiven Grafik dargestellt, wie anhand von Vorratsdaten eines halben Jahres ein sehr präzises Bewegungsprofil eines Menschen gezeichnet werden kann.

Die persönlichen Daten für diese Visualisierung hatte der Grünen-Politiker Malte Spitz zur Verfügung gestellt. Seine Daten hatte er erst nach längerem Rechtsstreit von der Deutschen Telekom erhalten.

Datenjournalismus ist eine noch junge Ausprägung des Onlinejournalismus, die uns begeistert und herausfordert”, sagt Wolfgang Blau, Chefredakteur von ZEIT ONLINE. “Wir freuen uns deshalb besonders, einen Online Journalism Award in dieser Kategorie gewonnen zu haben und nehmen den Preis als Ansporn, unsere Kompetenz im Datenjournalismus weiter zu vertiefen.”

Die Online Journalism Awards werden jährlich von der Online News Association (ONA) verliehen, der weltweit größten Vereinigung von Onlinejournalisten.

ZEIT ONLINE hat dieses Jahr bereits einen Grimme Online Award, zwei Lead Awards in Gold, sowie den Eco Content Star des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft gewonnen.

(Falls Sie sich für das Thema Datenjournalismus interessieren, empfehlen wir Ihnen auch unser Data Blog.)

Kostenloskultur

23. September 2011 von Kai Biermann

Die K., gerne auch Umsonst-Mentalität genannt, bedroht angeblich Kultur, Wissenschaft, Journalismus, ja die ganze Wirtschaftswelt. Ist das so? Bedroht das Netz tatsächlich die bestehende Ordnung der Vergütung von Inhalten? Aber hallo, und wie! Doch wo ist das Problem?

Ist diese Ordnung etwa a) perfekt und/oder b) ein Naturgesetz? Nein. Sie war nur der Weg, der bisher irgendwie funktionierte. Nun gibt es andere technische Voraussetzungen. Es braucht also neue Wege. Die müssen gefunden und ausgehandelt werden. Das ist mühsam, klar.

Aber es ist noch mühsamer, solange irgendein milliardenschwerer Großverleger von einer angeblichen K. faselt und das Bestehende so lange wie möglich konservieren will, statt sich über Neues Gedanken zu machen.

Wobei wir kurz anmerken müssen, dass das Gefasel von der K. natürlich eine Lüge ist. Kostenlos ist der Kram auf keinen Fall, auch der nicht, den Sie hier gerade lesen. Denn a) bezahlen Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit, die wir dann beispielsweise in Preise umsetzen können, die direkt auch kein Geld bringen, aber Ruhm und Ehre und letztlich Buchverträge et cetera.

Und b) haben andere sehr wohl Geld dafür bezahlt, in Form von Werbung (nicht hier, aber überall sonst). Die versprechen sich davon ebenfalls mehr von Ihrer Aufmerksamkeit, es muss also eine valide Währung sein.

Die ganze Aufregung ist nur scheinheiliges Gejammer. Immerhin erleben wir die größte deutsche K. seit fast dreißig Jahren in Form des allabendlichen Fernsehbildes. Oder haben Sie schon einmal irgendetwas an Sat.1 überwiesen?