15.10.2016 07:30 literarisches Gesamtwerk

Zadie Smith erhält den »Welt«-Literaturpreis: Themen von Globalisierung bis und Migration

Zadie Smith erhaelt den Welt-Literaturpreis 2016

Im Herbst 2017 wird ihr aktueller Roman »Swing Time« bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen. © Dominique Nabokov

Von: GFDK - Kiwi

Am 10. November wird die britische Schriftstellerin Zadie Smith den Preis in Berlin entgegennehmen. In Zeiten von Globalisierung und Migration sei ihr Werk von besonderer Aktualität, so die Jury.

Den »Welt«-Literaturpreis des Jahres 2016 erhält die britische Schriftstellerin Zadie Smith. Sie wird damit für ihr literarisches Gesamtwerk geehrt. Der Preis wird am 10. November 2016 im Rahmen einer festlichen Veranstaltung in der ehemaligen Wohnung des Verlegers Axel Springer am Kurfürstendamm überreicht.

In der Begründung der Jury heißt es:
»Zadie Smith ist eine der wichtigsten literarischen Stimmen unserer Zeit. Ihre Romane – von dem Debüt ‚Zähne zeigen‘ bis zu ‚London NW‘ – erzählen von der Suche nach Identität und Glück in einer sich rasant verändernden Welt, die von Globalisierung, Migration und urbanem Wandel geprägt und auch zerrissen ist. Mit wachen Augen und Ohren und einem scharfen Bewusstsein für kulturelle wie soziale Prägungen thematisiert sie in ihren Romanen und Kurzgeschichten das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und religiösen Wertesystemen und Traditionen.

Angesichts der aktuellen europäischen Debatten um Flüchtlingspolitik und Integration sind ihre Werke daher von besonderer Aktualität. Zugleich versucht Zadie Smith mit besonderen Erzähl- und Sprechweisen, ihren Figuren gerecht zu werden, und macht sie so unverwechselbar und unvergesslich. Zadie Smith begreift die Gegenwart als eine in jedem Buch immer wieder radikal neue Herausforderung für das Erzählen. Uns Lesern eröffnet sie damit literarische Räume, in denen wir uns selbst und unsere Welt besser begreifen können.«

Literaturpreisträger

Zadie Smith ist die achtzehnte »Welt«-Literaturpreisträgerin nach u.a. Karl Ove Knausgård (2015), Haruki Murakami (2014), Jonathan Franzen (2013) und Bernhard Schlink (1999).

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis erinnert an Willy Haas, der 1925 die »Literarische Welt« gründete. Ausgezeichnet werden ein einzelnes Buch oder ein literarisches Gesamtwerk. Zur Jury gehören Richard Kämmerlings, Leiter der »Literarischen Welt«, Wieland Freund, Literaturredakteur der »Welt«, und Cornelius Tittel, Chefredakteur des Kunstmagazins »Blau«.

Neuer Roman von Zadie Schmith

Im Herbst 2017 wird ihr aktueller Roman »Swing Time« bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen.


Zadie Smith wurde als Sadie Smith am 25. Oktober 1975 im Arbeiter-Stadtteil Willesden im Londoner Norden geboren. Ihre Mutter ist gebürtige Jamaikanerin, die 1969 nach England eingewandert ist. Smith besuchte die staatliche Malorees Junior School. Als Jugendliche nahm sie Unterricht im Stepptanz und erwog eine Karriere als Musicaldarstellerin. Mit 14 änderte sie die Schreibweise ihres Vornamens von Sadie zu Zadie.

Ihr Studium der Englischen Literatur am King’s College an der Universität Cambridge finanzierte Sie sich als Jazzsängerin. In dieser Zeit träumte sie davon Journalistin zu werden, veröffentlichte allerdings auch erste Kurzgeschichten in der Studentenschrift The Mays Anthology. Dadurch wurden Verleger auf die Autorin aufmerksam und so hatte Smith zum Ende des Studium einen Vertrag für das noch ungeschriebene Werk Zähne zeigen in der Tasche. Das Debut wurde ein Bestseller und machte Zadie Smith weltweit berühmt.


Heute lebt Zadie Smith mit Ihrem Ehemann, dem Dichter Nick Laird, und zwei Kindern überwiegend in New York City. Seit 2010 ist sie ordentliche Professorin an der New York University und lehrt Kreatives Schreiben. Außerdem publiziert sie Artikel und Buchrezensionen unter anderem für Harper’s Magazine.

Werk
Zadie Smiths Werk behandelt die großen Themen Geschichte, Herkunft und Identität, Hautfarbe, Religion und soziales Ungleichgewicht. Ihre Romane spielen fast ausschließlich in der britischen Hauptstadt, und dort meist in den Arbeitermilieus des Londoner Nordens. Ihr Erstling Zähne zeigen, um die Soldaten Archie Jones und Samad Iqbal, die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren verpfuschten Leben kämpfen, gilt seit seinem Erscheinen 2002 als Klassiker der englischsprachigen Gegenwartsliteratur. Auch nachfolgende Romane wurden von Kritikern und Publikum positiv aufgenommen.

Dennoch ließ Zadie Smith mehrmals durchblicken, wie sehr sie der Erfolg von Zähne zeigen unter Druck gesetzt hat. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass sie nach ihrem dritten Roman Von der Schönheit fast zehn Jahre keinen Roman mehr veröffentlicht hat. Stattdessen schrieb sie viele Kurzgeschichten, Essays, Artikel und Buchbesprechungen unter anderem für Harper’s Magazine.


2014 ist ihr vierter Roman London NW erschienen. Die Protagonisten, die sich seit der Schulzeit kennen, sich aber in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben, kämpfen im Spannungsfeld von Hautfarbe, sozialem Auf- und Abstieg und Unzufriedenheit der Großstädter mit dem Alltag sowie, wie so oft bei Smith, mit geplatzten Lebensträumen.