08.11.2011 07:37 Die Villa Kamogawa ist kein Künstlererholungsheim

„Wer sich nichts Großes vornimmt, wird auch nichts Großes erreichen - Goethe-Institut hat Künstlerresidenz in Kyoto eingeweiht

Von: Christoph Mücher

Bundespräsident Christian Wulff und der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann haben offiziell die Villa Kamogawa in Kyoto eingeweiht.

Die Künstlerresidenz ist das erste Residenzprogramm des Goethe-Instituts mit eigenen Räumlichkeiten und in Asien bislang die einzige Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland dieser Art.

„Wer sich nichts Großes vornimmt, wird auch nichts Großes erreichen. Daher wünsche ich dem Leiter der Künstlerresidenz Herrn Hernig viel Erfolg und der Villa Kamogawa viele Künstler, die viele Verbindungen zu Japan knüpfen“, so Bundespräsident Christian Wulff in der Villa Kamogawa, die er am Mittwochvormittag mit dem Präsidenten des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann als Künstlerresidenz in Kyoto eröffnete.

„Die Villa Kamogawa ist kein Künstlererholungsheim, sondern eine Freistätte der Inspiration, der Begegnung und der künstlerischen Arbeit, die sich mit ihren Veranstaltungen einem vielfältigen Publikum öffnet. Ihre malerische Lage am Fluss macht sie zu einem idealen Ort für ein solches ehrgeiziges Projekt — ein Ort, der Zukunft schafft!", betonte Lehmann.

Gemeinsam begrüßten der Bundespräsident und der Präsident des Goethe-Instituts die erste Gruppe von Stipendiatinnen und Stipendiaten, die vom 15. September bis zum 13. Dezember 2011 dort leben und arbeiten: die Videokünstler Nina Fischer und Maroan el Sani, den Choreografen und Tänzer Thomas Lehmen, den Electronica-Künstler, DJ und Komponisten Andi Otto und den Tanzwissenschaftler Franz Anton Cramer.

Goethe-Institut hat Künstlerresidenz in Kyoto eingeweiht

Lehmann, selbst Mitglied im Auswahlkomitee des von der Japan Art Association ausgelobten Praemium Imperiale, überbrachte die Grüße weiterer Mitglieder des Gremiums, das über die Vergabe dieses international hochrangigen Preises für die Künste entscheidet.

Die Jurymitglieder, zu denen japanische Kulturakteure wie der Filmkritiker Go Iwanami und der Architekturkritiker Shozo Baba gehören, hätten einen Brückenschlag in die Arbeit der Künstlerresidenz vorgeschlagen:

„Damit stünden unseren Künstlern Wege in die hiesigen Kontaktwelten offen, die ohne die Beziehungen zum Praemium Imperiale erst noch hätten erschlossen werden müssen“, so Lehmann.

Wie prägend und letztlich sogar stilbestimmend sich ein Auslandsstipendium für Künstler entwickeln kann, habe ihm der diesjährige Preisträger des Praemium Imperiale, der Video- und Installationskünstler Bill Viola, berichtet.

Er habe in den 1980er Jahren mit einem US-Stipendium in Japan gearbeitet. Dies habe seine Arbeit stark beeinflusst, beispielsweise habe ihn das N?-Theater zu seiner Technik des Slow Motion Video gebracht.

Die Villa Kamogawa ist eins der zahlreichen Residenzprogramme des Goethe-Instituts, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten. Sie fördern den interkulturellen Dialog und leisten einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung der internationalen Kulturszenen.

Die neue Residenz in Kyoto bietet Kulturschaffenden aus Deutschland die Möglichkeit, drei Monate lang in Japan zu leben und zu arbeiten. Dafür stehen jährlich zwölf Stipendien zur Verfügung. Im direkten persönlichen Austausch mit der Kulturszene vor Ort können die Stipendiatinnen und Stipendiaten geplante Projekte umsetzen, neue Ideen entwickeln und nachhaltige Arbeitskontakte aufbauen.

Die Region um Kyoto, zu der auch das nahe gelegene Osaka zählt, ist geprägt durch eine überaus vielfältige und aktive Kulturszene, wo traditionelle Kunst und Kalligraphie ebenso zu finden sind wie Punkbands.

Das Goethe-Institut ist dort seit 1963 vertreten; 1983 zog es in die Villa Kamogawa, die der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl einweihte und die jetzt Bundespräsident Wulff als Künstlerresidenz offiziell eröffnet hat.

Bewerben können sich Künstlerinnen und Künstler aller Sparten einmal im Jahr in einem Online-Verfahren. Voraussetzungen für eine Bewerbung sind ein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Deutschland, eine freischaffende Tätigkeit, die Wahrnehmung der künstlerischen Arbeit in der Öffentlichkeit und ein überzeugender Japanbezug im künstlerischen Schaffen oder im Projektvorhaben. Es besteht keine Altersbeschränkung.

Die Entscheidung über die Vergabe trifft eine interdisziplinär besetzte Jury in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut. Interessierte für das Jahr 2013 können sich im Frühjahr 2012 im Internet unter www.goethe.de/villa-kamogawa bewerben.

Für das Jahr 2012 hat die Jury die Stipendien an 12 Künstlerinnen und Künstler vergeben.

Die Stipendiaten 2012 im Überblick:

12.01.-10.04.2012

Ulrike Möschel, Bildende Kunst
Silke Scheuermann, Literatur
Hans-Christian Schink, Bildende Kunst
Thorsten Trimpop, Film

19.04.-17.07.2012

Stefan Goldmann, Musik
Claudius Lünstedt, Darstellende Kunst (Dramatik)
Jens Ullrich, Bildende Kunst
Susann Wächter, Darstellende Kunst (Puppentheater)

18.09.-15.12. 2012

Ulrike Haage / Eric Schaefer, Musik (Partnerbewerbung)
Andre Hörmann, Film
Veronika Kellndorfer, Bildende Kunst

Mit der Künstlerresidenz „Villa Kamogawa“ erweitert das Goethe-Institut sein Angebot innerhalb der Kulturförderung in Asien. Die langjährige Arbeit als traditionelles Goethe-Institut setzt es in neuem Format fort, indem es weiterhin den partnerschaftlichen, kreativen Austausch vor Ort fördert.

Kontakt:

Christoph Mücher
Pressesprecher und
Bereichsleiter Kommunikation
Goethe-Institut Zentrale
Tel.: +49 89 15921 249
muecher@remove-this.goethe.de

Dr. Christine Regus
Pressesprecherin
Goethe-Institut Hauptstadtbüro
Tel.: +49 30 25906 471
regus@remove-this.goethe.de



Quelle und weitere Informationen:
http://www.goethe.de/prs/prm/a...