31.08.2011 07:16 2011 zum 57. Mal verliehen

Verleihung der Goethe-Medaille in Weimar an drei bedeutende Europäer - David Cornwell alias John le Carré, Adam Michnik und Ariane Mnouchkine

Von: Regina Peper

München (ots) - Am 28. August hat der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann die diesjährige Goethe-Medaille an drei bedeutende Europäer verliehen: den britischen Schriftsteller David Cornwell alias John le Carré, den polnischen Publizisten Adam Michnik sowie die französische Film- und Theaterregisseurin Ariane Mnouchkine.

Mit dem offiziellen Orden der Bundesrepublik ehrt das Goethe-Institut Persönlichkeiten, die sich mit besonderem Engagement um die Vermittlung der deutschen Sprache und den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben. Die Goethe-Medaille wurde 2011 zum 57. Mal verliehen.

Klaus-Dieter Lehmann würdigte die Preisträger als drei herausragende Persönlichkeiten der europäischen Öffentlichkeit, die mit ihrem Leben und Werk zu einem zusammenwachsenden, friedlichen und kreativen Europa beigetragen haben. 2011 feiert das Goethe-Institut seinen 60. Geburtstag.

Deshalb steht die Auszeichnung in diesem Jahr ganz im Zeichen Europas - als Ausgangspunkt und Bezugsrahmen für die Arbeit des Goethe-Instituts. Die Verleihung fand in Anwesenheit von Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Christoph Matschie, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Thüringen sowie dem Oberbürgermeister der Stadt Weimar Stefan Wolf statt.

Als "eindrucksvolles humanistisches Plädoyer" würdigte Klaus-Dieter Lehmann das Lebenswerk des britischen Schriftstellers David Cornwell alias John le Carré. Entstanden ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, spiegeln le Carrés Arbeiten die politischen Konfliktlinien von der Zeit des Kalten Krieges bis heute wider.

Der Autor des Weltbestsellers "Der Spion, der aus der Kälte kam" ist Meister des politischen und psychologischen Kriminalromans. In seinen millionenfach verkauften Spionagethrillern hat er die schwierige Rolle Deutschlands zur Zeit des Kalten Krieges literarisch verdichtet.

Nach der politischen Wende 1989 sei seine Kulturkritik in seinen Romanen ungebrochen lebendig: "Eindrucksvoll zeigt er, wie sich die globalen politischen Probleme an kulturellen Grenzen und am Missbrauch einzelner Völker entzünden", so Lehmann in seiner Laudatio.

Sprachenlernen als Schlüssel für das Verständnis fremder Kulturen - das ist stets die Überzeugung le Carrés gewesen. In seiner Liebe zur deutschen Sprache hat der prominenteste deutschsprechende Schriftsteller Großbritanniens dafür ein beeindruckendes Beispiel gegeben.

50 Jahre nach dem Mauerbau, 20 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion, 10 Jahre nach dem Terrorangriff auf das World Trade Center sei die Verleihung der Goethe-Medaille an le Carré ein "herausragendes kulturpolitisches Signal - von beklemmender Symbolkraft", so Lehmann.

Für seinen herausragenden Beitrag zum Dialog zwischen Ost- und Westeuropa verleiht das Goethe-Institut dem polnischen Publizisten Adam Michnik die Goethe-Medaille.

Er habe "entscheidend mitgewirkt, dass Polen und Deutsche jetzt wieder eine gemeinsame positive Geschichte erzählen können", so Lehmann. Michnik ist einer der herausragenden polnischen Intellektuellen, dessen Lebenswerk mit dem Ende des Ostblocks und dem Beginn Osteuropas verwoben ist - als Leitfigur der Dissidenz während des kommunistischen Regimes, als Bürgerrechtler und Vordenker eines freien, demokratischen Staates sowie als Herausgeber der landesweit größten Zeitung "Gazeta Wyborcza".

Mit seiner Stimme habe er sich für Freiheit und Versöhnung über die Grenzen Polens hinaus eingesetzt; stets habe er "als kultureller Mitteleuropäer gedacht und gehandelt". Insbesondere die Verbindung nach Deutschland hat er noch vor 1989 nicht abreißen lassen.

Mit der Auszeichnung würdige das Goethe-Institut "einen mutigen, unbestechlichen und toleranten polnischen Rebellen, der nie müde geworden ist, in der europäischen Öffentlichkeit das Wort zu ergreifen", so Lehmann in seiner Laudatio.

Ebenfalls mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet wurde die französische "Regiegöttin" Ariane Mnouchkine. Mit ihrem Lebenswerk habe sie sich "auf herausragende Weise um die internationalen kulturellen Beziehungen verdient gemacht hat", sagte Lehmann.

Vor über 40 Jahren hat sie das "Théâtre du Soleil", dessen Direktorin und Regisseurin sie ist, ins Leben gerufen. In seiner alternativen Theaterpraxis ist es bis heute einzigartig. Ihre Inszenierungen erzählen vom Mit- und Gegeneinander der Kulturen.

In ihren Reisen um die ganze Welt - zahlreiche Inszenierungen waren auch in Deutschland zu Gast - ist sie zur Mittlerin zwischen Völkern, Religionen und Kulturen geworden. Unermüdlich hat sie sich für politisch verfolgte Künstler sowie für Migranten, Flüchtlinge und Asylanten an den europäischen Rändern eingesetzt.

Klaus-Dieter Lehmann unterstrich in seiner Laudatio die Aspekte ihres Schaffens, die auch für die Arbeit des Goethe-Instituts bestimmend seien: "ihr Einsatz für die Freiheit der Künste und Künstler, ihr Respekt und die Offenheit gegenüber anderen Kulturen und die Bedeutung der Kunst für die zivilgesellschaftliche Gesellschaft".

Ariane Mnouchkine, die nicht persönlich anwesend sein konnte, wurde von der Schauspielerin Shaghayeg Beheshti aus ihrem Ensemble vertreten.

Die anschließende Festrede hielt John le Carré und widmete sie seiner "Liebesbeziehung" zu Deutschland. Von frühester Jugend an den Dichtern der Klassik und Romantik eng verbunden habe die deutsche Sprache und Kultur sein Leben und Werk stark beeinflusst. Auch zu den aktuellen politischen Herausforderungen Europas nahm le Carré in seiner Rede Stellung.

In Hinblick auf die jüngsten Ereignisse in Großbritannien - den Abhörskandal und die Ausschreitungen in mehreren Städten - attestierte le Carré seinem Land "eine moralische Leere".

Ebenso stünden Europa schwere Zeiten bevor. Gewohnt, die Politik mitzubestimmen, müsse sich der Kontinent heute mit seiner Beobachterrolle bei globalen Ereignissen abfinden.

Angesichts der aktuellen Herausforderungen sei, so le Carré, der Zusammenhalt zwischen den Mitgliedern der europäischen Familie wichtiger als je zuvor - und Deutschland wichtiger denn je für die europäischen Nachbarn.

Gemeinsam mit "pèlerinages" Kunstfest Weimar veranstaltete das Goethe-Institut am Tag vor der Verleihung eine Matinee mit den Preisträgern: Am Samstag, den 27. August 2011, diskutierten John le Carré, Adam Michnik und der Historiker Étienne François mit Christina von Braun, Kulturwissenschaftlerin und Vize-Präsidentin des Goethe-Instituts, über "Europa: Grenzen und Nachbarn". Die Veranstaltung fand um 11 Uhr im Seminargebäude der Weimarhalle statt.

Die Goethe-Medaille wurde 1954 vom Vorstand des Goethe-Instituts gestiftet. 1975 wurde sie von der Bundesrepublik Deutschland als offizieller Orden anerkannt. Von 1992 bis 2008 wurde die Goethe-Medaille jährlich anlässlich des Todestags Goethes in Weimar verliehen. 2009 fand die Verleihung erstmals am 28. August, dem Geburtstag Goethes, statt.

Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten aus dem Ausland, die sich um die Vermittlung der deutschen Sprache und den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben.

Seit der ersten Verleihung 1955 sind insgesamt 326 Persönlichkeiten aus 58 Ländern geehrt worden. Zu den Preisträgern gehören unter anderen Pierre Bourdieu, György Ligeti, Ágnes Heller und Daniel Barenboim.

Die Verleihung findet in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar statt. Die Matinee mit den Preisträgern wird in enger Partnerschaft mit "pèlerinages" Kunstfest Weimar veranstaltet.

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