19.09.2013 12:12 Trauer um den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki

Täglicher Blödsinn auf der Mattscheibe "Ich nehme diesen Preis nicht an"

Marcel Reich-Ranicki ist in Frankfurt verstorben.

Marcel Reich-Ranicki, 2009 Foto (c) Smalltown Boy, Wikipedia

Von: Thomas Rathnow, Gottfried Böhmer

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der Bürger im Reich der deutschen Dichtung ist verstorben. Er starb nach Angaben des FAZ-Mitherausgebers Frank Schirrmacher im Alter von 93 Jahren. "Wir trauern alle. Noch vor 2 Stunden habe ich ihn besucht", schrieb Schirrmacher via Kurznachrichtendienst Twitter.


Sein Buch „Mein Leben“ gehört zu den meistgelesenen Autobiographien unserer Zeit und wurde 1.2 Millionen mal verkauft.

„Mit Bestürzung haben wir heute vom Tod Marcel Reich-Ranickis erfahren. Er starb in Frankfurt am Main im Alter von 93 Jahren. Mit ihm verliert die Deutsche Verlags-Anstalt einen ihrer herausragendsten Autoren. Wichtiger noch: Die Welt der Literatur verliert den bedeutendsten und einflussreichsten Kritiker und Vermittler von Literatur nach 1945.

Der beste Spruch des Kritikers

Täglicher Blödsinn auf der Mattscheibe "Ich nehme diesen Preis nicht an

Bei der Preisverleihung des Deutschen Fernsehpreises 2008 in Köln erteilte Marcel Reich Ranicki dem Moderator Thomas Gottschalk eine Ohrfeige. Die banalität der Preis-Gala war für den Literaturkritiker ein Kulturschock. "Ich finde es schlimm, was wir uns hier über Stunden ansehen mussten", bekräftige Reich-Ranicki und nannte die mit dem Fernsehpreis ausgezeichneten Sendungen "Blödsinn".

"Meine Damen und Herren, ich habe in meinem Leben viele Literaturpreise bekommen und ich habe immer gedankt für diese Preise, wie es sich gehört. Und bitte verzeihen Sie mir, wenn ich offen rede: Ich nehme diesen Preis nicht an."

Ehrung des ZDF abgelehnt

Marcel Reich-Ranicki hat wie kein anderer mit Witz, mit Schärfe, mit Sinn für klare Urteile der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur zu breiter Beachtung verholfen. Dass er sich entschied, nach der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in Deutschland zu leben und zu wirken, ist ein außergewöhnliches Geschenk. Seine Autobiographie ‚Mein Leben‘ wird auch in Zukunft als großes, berührendes literarisches Werk gelesen werden.“

"Wir verlieren in ihm einen unvergleichlichen Freund der Literatur, aber ebenso der Freiheit und der Demokratie", erklärt Bundeskanzlerin Merkel.

"Ich habe mein ganzes Leben lang mich mit Literatur beschäftigt. Ich habe immer wieder versucht, die Literatur lesbar zu machen für ein möglichst großes Publikum. Es ist keine einfache Sache, deutsche Literatur lesbar zu machen. Es sind sehr unterschiedliche Autoren. Aber ich habe alles getan, weil es mir Spaß gemacht hat und weil ich einfach diesen Erfolg auch erlebte, den Erfolg, das zu machen, was mir gefällt." - Marcel Reich-Ranicki, o.D.

Thomas Rathnow, Verlagsleiter Deutsche Verlags-Anstalt

und Gottfried Böhmer, Freunde der Künste