28.04.2014 09:20 politisches Theater

Staatstheater Wiesbaden verleiht den Dramatikerpreis 2014 an Nis-Momme Stockmann

Preistraeger Nis Momme Stockmann

Preisträger Nis Momme Stockmann (c) Nadine Elfenbein

Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir

Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir von Nis-Momme Stockmann (c) Martin Kaufhold

Von: Lucia Zimmermann

Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V. vergibt in diesem Jahr seinen mit 10.000 Euro dotierten Dramatikerpreis an Nis-Momme Stockmann. Das Staatstheater Wiesbaden gratuliert dem Autor von Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir zu dieser Auszeichnung.

Die elfköpfige Jury wählte den Preisträger aus 21 vorgeschlagenen AutorInnen aus. In seinem Stück Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir transportiere Stockmann ein weltanschauliches Anliegen, heißt es in der Begründung der Jury. 

Generalintendant des Theaters Karlsruhe und Jurymitglied Peter Spuhler begründete die Entscheidung folgendermaßen: „Nis-Momme Stockmann transportiert in Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir ein weltanschauliches Anliegen und macht politisches Theater, das auch formal durch die Verwendung ganz unterschiedlicher Formen und Sprachen überzeugt. Das Stück ist eine Überforderung im positiven Sinne: überbordend, sprachgewaltig und ohne Zweifel herausfordernd.“

Theater in Wiesbaden

Die (nach der Uraufführung in Hannover) zweite Inszenierung von Stockmanns Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir ist seit Januar 2014 in der Regie von Tilman Gersch am Staatstheater Wiesbaden zu sehen. Das Stück ist einer der Eigenbeiträge der Biennale NEUE STÜCKE AUS EUROPA und wird in diesem Rahmen mit einer Einführung und einem Publikumsgespräch am 23. Juni 2014 um 19.30 Uhr im Kleinen Haus gezeigt. Weitere Vorstellungen sind am 30. April und am 8. Mai zu sehen.

Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir

Ein gut gekleideter Mann mittleren Alters geht allein durch die Stadt Frankfurt. Er zieht einen Rollkoffer hinter sich her, denn er ist im Begriff, seine Heimat zu verlassen. Bislang war er in der Welt des Geldes zu Hause, ein erfolgreicher Banker, ein Gewinner unseres Systems. Schon länger aber begleitet ihn ein diffuses Unbehagen, und nun hat er beschlossen, diesem System den Kampf anzusagen. Er hat sein Haus verkauft, seine Ehe beendet und sein Konto geleert. Seinen ganzen Besitz, und das ist nicht wenig, trägt er in Form von 5-Euro-Banknoten mit sich herum.

Aus der Mitte begibt sich der Mann an den Rand der Gesellschaft. Er nimmt sich eine Wohnung im 20. Stock eines Hochhauses, in dem die seltsamsten Bewohner Unterschlupf gefunden haben – Menschen, die vom Schicksal nicht ganz so begünstigt waren wie dieser Mann, der nun zu ihnen gehören möchte. Von hier aus plant er nicht mehr und nicht weniger als den Umsturz des gesamten Bankengefüges durch die Auslösung einer Hyperinflation. Und muss am Ende feststellen, dass es nicht möglich ist, sich selbst und den Strukturen, in die man sich freiwillig begeben hat, zu entkommen.


Nis-Momme Stockmann ist ein vielversprechender junger Autor

Ihm gelingt es, heutige Verhältnisse mit sprachlicher Brillanz, Witz und Fantasie zu reflektieren. Die Inspiration für sein Stück über die Frankfurter Bankenwelt und die gescheiterten Bewohner eines heruntergekommen Hochhauses bezog er aus seiner Zeit als Hausautor am Schauspiel Frankfurt. ‚Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir‘ wurde im September 2012 am Schauspiel Hannover uraufgeführt und ist nun zu den Mülheimer Theatertagen ‚Stücke 2013‘ eingeladen.

Tilman Gersch, fester Regisseur und Mitglied der Schauspielleitung am Staatstheater Wiesbaden, inszeniert diesen vielschichtigen und bissigen Gesellschaftskommentar und setzt damit sein Goethe-Jelinek-Projekt ‚FaustIn and out/Der Tragödie zweiter Teil‘ gedanklich fort

Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir läuft noch bis 6.6.2014 am Staatstheater Wiesbaden

l.zimmermann@staatstheater-wiesbaden.de