25.04.2012 07:55 35 Projekte und 13 Hochschulabschlussfilme

Optimismus und Ohnmacht - Die Hessische Filmförderung vergibt 829.080 Euro Filmfördermittel

Das Filmplakat zum Dokumentarfilm "Kraftakt" von André Rößler - Foto: hr/Rößlerfilm

Von: Tobias Häuser

Die Hessische Filmförderung (HFF) wird 35 Projekte und 13 Hochschulabschlussfilme mit insgesamt 829.080 Euro unterstützen. Das haben die Jurys der Filmförderung des Landes Hessen (HFF-Land) und der Filmförderung des Hessischen Rundfunks (HFF-hr) bei ihren Frühjahrssitzungen beschlossen.

Die Jury für die HFF-hr entschied sich für 19 Projekte, denen sie 306.450 Euro zusprach. Die Jury für die HFF-Land wählte 16 Projekte aus, die vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst mit 193.000 Euro unterstützt werden.

Darüber hinaus sind 13 Abschlussfilme hessischer Hochschulen für eine Förderung mit 40.800 Euro vorgesehen (HFF-Land und HFF-hr). Die sogenannte „Abspiel-Jury“ (HFF-Land) schlug 26 hessische Filmfestivals und Veranstaltungen/Reihen zur Förderung mit insgesamt 285.600 Euro vor.

Insgesamt acht Spielfilmprojekte werden von der HFF unterstützt, darunter auch „Habib Rhapsody“. Mit 40.000 Euro von der HFF-hr und 32.000 Euro von der HFF-Land erhält der Spielfilm von Drehbuchautor und Regisseur Michael Baumann die höchste Fördersumme der HFF.

Der Ensemblefilm erzählt von vier Männern, deren Wege sich kreuzen und die gezwungen sind, sich mit ihren kleinen und großen Lebenslügen auseinanderzusetzen. Michael Baumann wurde zusammen mit Co-Autorin Sabine Westermaier im Januar 2012 mit dem Thomas-Strittmatter-Drehbuchpreis für „Habib Rhapsody“ ausgezeichnet.

Die höchste Fördersumme der HFF-hr geht mit 69.000 Euro an den Spielfilm „La tendresse“ von Regisseurin Marion Hänsel, die ein charmantes, nachdenkliches Roadmovie über Familienbande drehen möchte.

Ein geschiedenes Ehepaar macht sich mit dem Auto auf dem Weg, um den gemeinsamen Sohn nach einem Skiunfall aus einem Krankenhaus abzuholen. Auf ihrer Reise sieht sich das ehemalige Paar mit altem Groll konfrontiert, gleichzeitig finden sie auch zu einer neuen Gelassenheit im Umgang miteinander.

Die HFF-Land unterstützt mit 10.000 Euro das Spielfilmprojekt „He da, die Verrückte!“. Die Drehbuchautorin Eva Heldmann wurde für ihre Geschichte über eine französische Malerin in Frankfurt 2011 mit dem Hessischen Drehbuchpreis ausgezeichnet. Heldmann sei „ein brüchiges Frauenportrait gelungen“, so die Jury, das auf den Briefen der Künstlerin Patricia Boulay basiert.

Die HFF hat insgesamt 18 Dokumentarfilme zur Förderung ausgewählt, darunter auch das Filmprojekt „Kraftakt“ von André Rößler, das mit 10.000 Euro von der HFF-Land unterstützt wird. In „Kraftakt“ geht es nicht nur um Muskelkraft, sondern auch um Willensstärke. Protagonist Patrik Baboumian, „stärkster Mann Deutschlands“, hat beides:

Er zieht LKWs, stemmt Baumstämme - und studiert Psychologie in Marburg und weiß, was es heißt, wenn der eigene Wille Berge versetzen kann. Neben ihm porträtiert Rößler auch andere, die in einem unglaublichen „Kraftakt“ über sich hinausgewachsen sind, u.a. Lou Ferrigno, hörgeschädigter Bodybuilder und Darsteller des „unglaublichen Hulk“.

Die HFF-hr fördert den Dokumentarfilm „Wie Jiorgos seinen Pelz verlor“ mit 9.000 Euro. In der Nachkriegszeit legten immigrierte griechische Kürschner und Pelzhändler in Deutschland einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufstieg hin, der gegenwärtig in ein tragisches Moment mündet:

Wie fühlt es sich an, wenn das eigene Jahrhunderte alte Handwerk ausstirbt und man gleichzeitig aus der Fremde auf die kollabierende Heimat Griechenland blickt? Filmemacher Florian Schoenherr möchte in seinem Dokumentarfilm am Beispiel eines griechischen Pelzhändlers im Frankfurter Bahnhofsviertel von Krise und Wandel erzählen, von Tragik, Gelassenheit und Nostalgie.

Die Kooperation mit dem DrehbuchCamp in Wiesbaden ermöglicht außerdem die Vergabe von fünf Stipendien an Autor/innen, die im DrehbuchCamp ihren Projekten den letzten dramaturgischen Schliff verleihen oder sich im Rahmen verschiedener Kurse fortbilden.

Alle Förderergebnisse sind unter www.hessische-filmfoerderung.de ausführlich beschrieben.

Die Jury-Entscheidungen trafen für die HFF-Land: Mariola Brillowska (freie Künstlerin und Professorin für Trickfilm und Animation), Annette Pisacane (Produzentin) und Stephan Winkler (Produktions- und Verleihfirma „W-Film“, Regisseur) unter der Juryleitung von Maria Wismeth (Geschäftsführerin HFF).

In der Jury für die HFF-hr entschieden Dr. Lili Kobbe (hr-Redakteurin), Cyril Tuschi (Regisseur und Produzent) und Andreas Ulmke-Smeaton (Produzent) unter der Juryleitung von Christel Schmidt (Co-Geschäftsführerin HFF) und Maria Wismeth (Geschäftsführerin HFF).

In der Jury für Abspiel entschieden Christopher Bausch (Kinobetreiber), Maike Mia Höhne (Kuratorin), Ute Mader (Kinobetreiberin), Christine Runge (Kinobetreiberin) und Holger Tepe (Filmfest Osnabrück) unter der Juryleitung von Maria Wismeth (Geschäftsführerin HFF).

Tobias Häuser


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