13.08.2012 07:45 ein Schlag ins Gesicht aller anderen Gruppen

Offener Brief an den OB der Stadt Mannheim zum Thema "Raum für Kultur"

Von: Sabine Frey, Bettina Hauck, Frank Bürkle

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Kurz, sehr geehrter Herr Kulturbürgermeister Grötsch, sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats, eine Entscheidung ist offenbar (beinahe) gefallen, wie im Mannheimer Morgen zu lesen stand.

Die Stadt Mannheim plant, den Bürgersaal in N1 aufwändig umbauen und als Theaterraum herrichten zu lassen. Dies ist ohne Zweifel eine sehr gute Idee, war der Saal doch seit längerer Zeit beinahe ungenutzt und hatte kaum noch eine sinnvolle Funktion, ein Saal, laut MM „nackt und mit der Anmutung einer großen Garage”.

Das KulturNetz hatte schon seit Jahren immer wieder mal angeregt, diesen Raum etwas veranstaltungsfreundlicher auszustatten, der Vorschlag war aber von Seiten der Stadt nie aufgenommen worden. Nun soll es also doch etwas werden, was an sich ja sehr zu begrüßen ist. Allerdings soll diese Investition der Stadt allen vorangegangenen Bitten verschiedenster Künstler und auch des KulturNetzes zum Trotz nun tatsächlich nur einem einzigen Ensemble zugute kommen.

Zumindest kann man der Stadt nicht vorwerfen, dass sie nicht klare Worte fände, wenn im Mannheimer Morgen zu lesen steht, dass „an eine generelle Freigabe des Raumes für andere Theatergruppen und Kultureinrichtungen nicht gedacht werde”. 

„Wir müssen leider draußenbleiben” heißt es da für alle anderen.

Es ist erfreulich und schön, dass das Oststadttheater einen neuen Spielraum erhält und dadurch sein Fortbestehen gesichert wird.

Unerfreulich ist hingegen, dass dies andere Gruppen und Veranstalter benachteiligt, zum einen dadurch, dass die nicht derartige städtische Förderung erhalten, zum anderen aber auch insofern, als ein weiterer städtischer Raum, der zuvor wenigstens noch theoretisch anmietbar war (wenn auch teuer und ohne wirkliche Eignung), damit für die allgemeine Nutzung verloren geht. Es steht zu befürchten, dass sogar die Musikhochschule, die derzeit regelmäßig dort probt, sich wird umorientieren müssen. Mit der „werde er sprechen”, so wurden Sie, Herr Grötsch im MM zitiert.

Einer erfreuliche Entwicklung also für das Oststadttheater, ein Schlag ins Gesicht aller anderen Gruppen und Veranstalter.

Bei einem Briefwechsel im Jahre 2009, damals ging es um das Collini-Center-Hallenbad, das mit großen finanziellem Aufwand für das Oststadttheater hergerichtet werden sollte, schrieben Sie, sehr geehrter Herr Grötsch, dem KulturNetz „dabei können wir uns sehr gut vorstellen, das auch andere Nutzer von dieser Spielstätte partiziperen können” und „sobald wir detaillierter planen können, nehmen wir mit Ihnen Kontakt auf”.

Wir haben unsererseits immer wieder versucht, mit Ihnen im Gespräch zu bleiben, haben immer wieder an unser Anliegen erinnert, einen bezahlbaren Raum für kulturelle Veranstaltungen in der Größenordnung 300 bis 400 Plätze zu schaffen, auch verschiedene regionale Künstler haben sich mit diesem Anliegen an Sie gewandt, wir haben konstruktive, konzeptionelle Anregungen, Gespräche, Treffen angeboten, bislang ist die Stadt Mannheim darauf nie eingegangen.

 

Darum wiederholen wir heute unsere Bitte in unveränderter Form:    

Wir würden es sehr begrüßen und halten es für die Mannheimer Kulturszene für überaus wichtig, wenn der Saal in N1 (oder ggf. ein neu zu schaffender Spielort) für verschiedene Veranstaltungen zu erschwinglichen Konditionen zur Verfügung stehen könnte. Ein Spielort, der für Künstler aus der Region sowie für Gastspiele rentabler wäre als die begrenzten Räumlichkeiten des Musik-Kabarett Schatzkistl, aber auch nicht so teuer und groß wie beispielsweise der Rosengarten, würde die Mannheimer Kulturszene beleben und neue Möglichkeiten eröffnen.

Es wäre in diesem Zusammenhang äußerst wünschenswert, wenn durch Schaffung eines entsprechenden Spielorts nicht nur ein einzelnes Mannheimer Ensemble unterstützt würde, sondern wenn entsprechende Aufwendungen dem gesamten Kulturbetrieb zugute kämen, so wie es ursprünglich von seiten der Stadt auch für den Kahnweilersaal einst vorgesehen war.

Eine Verwaltung durch die Stadt erschiene uns in diesem Zusammenhang sehr sinvoll, ebenso wie auch eine neutrale Namensgebung für die neue Spielstätte.

Ein seinerzeit aus dem Ruder gelaufenes Konzept sollte nicht in unveränderter Form ein weiteres Mal probiert werden. Vielmehr sollte man die augenblickliche Chance zu einem Neubeginn mit Raum für vielfältige kulturelle Angebote nutzen.

Wenn gewünscht stehen wir sehr gerne jederzeit für einen Ideenaustausch zur Verfügung, gerne steuern wir Anregungen konstruktiver und inhaltlicher Art bei. Auch dieses Angebot in unveränderter Form.

 

 

Herzliche Grüße vom KulturNetz

Sabine Frey, Bettina Hauck,  Frank Bürkle


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