29.09.2012 07:48 Neue OZ: Kommentar zu Kölner Ausstellung "Sonderbund"

Neue Öffentlichkeit - Kultur und Kunst konfrontieren das Publikum mit unerwarteten Lösungen

"Sonderbund-Ausstellung" von 1912 im Kölner Wallraf-Richartz-Museum Foto:GFDK/© Rheinisches Bildarchiv, Köln

Von: GFDK - Neue Osnabrücker Zeitung

Historischer Rückblick macht dann Sinn, wenn er hilft, die eigene Gegenwart besser zu verstehen. Die Kölner Ausstellung zum "Sonderbund" leistet genau dies, weil sie nicht nur Kunstgenuss beschert, sondern die Vorgeschichte der Öffentlichkeit, in der wir heute leben, unerwartet weit bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts verlängert.

Eine Großausstellung als Event mit Marketing und Corporate Identity, Debatte und Skandal, Kultur als Massenspektakel - all das erscheint in der Sonderbund-Ausstellung beispielhaft vorgebildet. Diese Schau nimmt nicht nur aktuelle Formate wie die Documenta oder die Erlebnisgesellschaft vorweg, sie artikuliert auch Verschiebungen in der Öffentlichkeit und ihrer Meinungsbildung.

Kultur und Kunst konfrontieren das Publikum mit unerwarteten Lösungen, brechen Erwartungshaltungen auf. Das erscheint heute erwartbar. Vor 100 Jahren war es das nicht. Eine Ausstellung reagierte damit auf eine Welt, in der nichts mehr selbstverständlich war - mit Kunst als Debattenstoff. Wie revolutionär.


Pressekontakt: Neue Osnabrücker Zeitung Redaktion